Lieben und Liebe erlangen – was tut man, wenn Liebe fehlt?

Liebe, lieben, Liebe erlangen

Lieben ist das Wichtigste im Leben – fast klingt es ein bisschen trivial … Wir wollen geliebt werden und wir wollen Liebe geben, im Zustand der Liebe sein. Darum dreht sich alles. Ob wir es nun Anerkennung nennen, oder Geschätzt-Werden.

Alles geschieht mit dem Ziel …

Alles was wir unternehmen geschieht mit dem Ziel, geliebt zu werden – mag man es ausdrücken, wie man will: geliebt vom Glück, geliebt von der Welt, geliebt vom Schicksal, geliebt von Gott… oder auch konkreter: geliebt vom Partner, geliebt von den Leuten, die einen umgeben..

Wo ist denn die Liebe – gibt es einen Mangel?

Und doch scheint Liebe manchem wie Mangelware. Eigentlich müsste es sie doch reichlich geben. Wo finden wir sie nur?

Was soll man nur machen, um geliebt zu werden?

… denn manchem erscheint es eben schwer, in dieser scheinbar kalten Welt Liebe zu erlangen.

Doch so mancher wird vielleicht schon einmal den biblischen Satz gehört haben: „du sollst deine Feinde lieben wie dich selbst.“ Wie unsinnig – da sträubt sich der Verstand! Ausgerechnet die Feinde lieben? Die Freunde lieben, das ja! Aber doch nicht die Feinde!

Und doch – in diesem Satz steckt alles, was man beachten muss, um zu lieben, und um Liebe zu erlangen. Denn es erfordert ein grundlegendes Umdenken – allein schon das, die Liebe selbst als Ziel und wichtigste Priorität anzusehen. Denn vielen ist es gar nicht klar, was alles sie bereits tun, um diesem Ziel näher zu kommen. Doch, gerade wenn man Liebe als Ziel erkennt und akzeptiert, kann man geradewegs darauf zugehen. Und, gerade wenn man sich von Streit und Hass umgeben sieht, von Feinden, dann ist es ein völlig logischer Schritt, sich zunächst einmal zu fragen, wodurch unsere Feinde unsere Feinde sind. Wo sonst sollen Freunde zu finden sein, wenn nicht unter denen, die uns umgeben?

Ist es nicht mindestens auch eine Sichtweise, die uns die Welt wie eine Umzinglung von Feinden erscheinen lässt? Wenn ja – wodurch lässt sich eine solche Sichtweise ändern? Durch Umdenken, durch Neu-Begreifen!

Alles ist Geist

Gerade seine Feinde zu lieben bedeutet nichts anderes, als den Standpunkt des Anderen mit- zu berücksichtigen. Zu verstehen, dass andere Menschen Wesen gleicher Art und Güte sind, wo man bisher gewohnt war, nur das eigene Ich in den Mittelpunkt zu stellen. Dadurch verwandelt sich Freund / Feind-Denken zu: Das-Gute-sehen Wollen. Wir sehen die Welt mit anderen Augen. Wem jedoch der biblische Spruch zu radikal erscheint, der kann es auch halten wie Mark Twain:

Ehe man anfängt, seine Feinde zu lieben, sollte man seine Freunde besser behandeln.

Den Weg der Liebe zu gehen bedeutet, in einem spirituellen Sinn zu erkennen, dass man selbst nichts anderes ist, als das Außen.

Es bedeutet zu erkennen, worin die Gleichheit besteht und den Blick abzuwenden von den vielfältigen Differenzen, die uns sagen: „Der, die, oder das – ist ganz anders!“ Liebe ist die Sichtweise der Einheit.

Liebe bedeutet nicht Selbstaufgabe

Liebe hat nichts mit Selbstaufgabe zu tun. Sein Außen zu lieben bedeutet auch, sich selbst zu lieben. Wer für andere nur Hass empfindet, muss sich auch selbst hassen – und umgekehrt. Denn wir sehen unser Außen durch die Brille unseres Verständnisses – unser Außen ist gleichzeitig unser Innen.

Keine Angst, man läuft nicht Gefahr, plötzlich als Volltrottel dazustehen, wenn man sich vornimmt, zu lieben, vielleicht sogar die Feinde zu lieben…. Der Entschluss ist lediglich der Beginn eines längeren Weges  – ein Gedanke, der sich erst einmal festsetzen muss. Den man lernen muss. Man kann den Weg nicht kennen, wenn man den ersten Schritt tut. Erst allmählich wird sich das Denken an ein neues Weltbild gewöhnen, und ebenso langsam wird sich der gewünschte Effekt einstellen.

Lieben ist eine Tätigkeit

Eine wichtige Erkenntnis in diesem Zusammenhang ist, dass Liebe nicht statisch ist. Sie ist nicht „da“, und muss von irgendwo her nur noch „abgerufen“ werden.

Sondern, damit sie ins Leben tritt, ist es nötig, sie zu wollen, sie zu suchen, etwas dafür zu tun. Die gute Nachricht ist: Nichts hält uns davon ab, nichts brauchen wir dafür. Nur das Wollen. Wir müssen nicht auf jemanden warten, der sagt „Ich liebe dich!“. Wer auf Äußerlichkeiten wartet, die die Liebe ermöglichen sollen, der wird umsonst warten. Wir benötigen keine äußeren Umstände um zu lieben – wir können sofort etwas dafür tun. Plötzlich ist Liebe keine Mangelware mehr, sondern ausreichend vorhanden.

Zu lieben bringt Erfüllung in unser Leben – es ist der direkte Weg zum Glück. 

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Lieben und Liebe erlangen – was tut man, wenn Liebe fehlt? was last modified: Juni 17th, 2016 by Henrik Geyer