Kosmos und Universum – umfassende Intelligenz

Intelligenz ist etwas, das uns umgibt, und aus dem wir hervorgehen. Nicht etwas, das nur wir Menschen hätten, im Gegensatz zu der uns umgebenden Welt.

Um sich das ein wenig vorzustellen hier ein Beispiel: Was ist ein wacher Geist ohne ein Buch zum Lesen? Was wiederum ist ein Buch, das nicht gelesen wird? Die Intelligenz – der Gedanke – ist auf beiden Seiten. Nun meinen wir natürlich, ein Buch habe kein Bewusstsein, und könne daher nicht intelligent sein. Doch der Spirealismus geht davon aus, dass unsere Vorstellung von Bewusstsein erstens nur eine mögliche Vorstellung ist, und zweitens eine Vorstellung, die relativ falsch ist („relativ“ weil: eine absolute Wahrheit nicht existiert). Relativ falsch, denn diese Vorstellung ermöglicht es uns nicht, Bewusstsein in der uns umgebenden Natur zu sehen, obwohl das aus der Sicht des Spirealismus unbestreitbar ist.

„Bewusstsein“ ist falsch verstanden, wenn wir Menschen meinen, es müsse genau so sein, wie wir unser eigenes Bewusstsein verstehen oder eher: nicht verstehen. Und wenn wir zweitens nicht wahrnehmen, dass Bewusstsein als Relation in Erscheinung tritt, und daher überall ist, nicht nur in uns Menschen.

Die Zeichen, dass sich der Mensch in seiner kosmischen Rolle grundlegend falsch einschätzt, sind, zumindest aus spirealistischer Sicht, unübersehbar. Man denke an den allgegenwärtigen Anthropozentrismus, die seltsame Annahme Krone der Schöpfung zu sein und Krone des Geistigen gar. Das Nichtwahrnehmen der den Menschen umgebenden Rätselhaftigkeit, so dass er auf den Gedanken kommen kann, es gäbe erstens eindeutige Objekte, und zweitens habe er, der Mensch, diese völlig begriffen u.v.m.. Warum sollte eine Spezies, die glaubt, es gelte in tausenden Lichtjahren Entfernung nach intelligentem Leben zu suchen, die aber nicht in der Lage ist mit den Tieren vor Ort zu kommunizieren, viel von Bewusstsein verstehen? Eine Spezies, die sich selbst nicht erkennt (Stichwort Selbstentfremdung), die die Spezialwissenschaft der Psychologie und die Geheimwissenschaft der Spiritualität benötigt um ihr zu sagen, dass eine spezifische Sichtweise „auf die“ Welt eine spezifische Welt hervorbringt?

Also noch einmal: was ist ein Buch, das nicht gelesen wird? Was ist ein Baum, der nicht gesehen wird? Ist ein Sonnenuntergang schön, den niemand sieht? Ist ein Sonnenuntergang rot, den niemand sieht? Was ist ein Sonnenuntergang, der nicht gesehen wird? Ist es überhaupt ein Sonnenuntergang?

Nein. Der Sonnenuntergang kommt, wie jeder Gedanke, zu Stande als eine Relation. Eine Relation zwischen 2 Instanzen. Die eine Instanz sind wir selbst, als Gedanke der uns umgebenden Schöpfung. Die andere Instanz ist das, was wir als Sonnenuntergang sehen, ebenfalls ein Gedanke der Schöpfung. Daher verwende ich oft den Satz, der Mensch sei Element der Schöpfung, nicht ihr Beobachter.

Er kann also nicht sagen, was ein Sonnenuntergang jenseits seines Begreifens ist. Als spezifisches Element kann er nicht zugleich anderes spezifisches Element sein. Das SEIN des Menschen und sein Begreifen sind eins. Er kann aber verstehen, zumindest mit Hilfe des Spirealismus, dass eine völlig andere Perspektive möglich ist.

Kosmos und Universum

Der Kosmos, das ist Ordnung (Kosmos griech. für „die Ordnung“). Die Ordnung, die wir überall sehen, indem die Dinge aufeinander bezogen sind, und das Eine das Andere begründet.

Die Unterscheidung zwischen dem Kosmos dieses Verständnisses, und dem Begriff Universum ist, dass dem Wort Kosmos die Unbestimmtheit, die Nicht-Notwendigkeit innewohnt. Der Kosmos ist die Unendlichkeit des Nichts, ein Raum der Möglichkeiten. Um erlebt zu werden (SEIN) muss der Kosmos eine Ordnung sein. Welche Ordnung das ist, ist für das SEIN unerheblich.

Im Gegensatz dazu schließt der Begriff „Universum“ den Gedanken ein, das Universum sei in einer ganz bestimmten Weise da (=Vorhandensein; =SEIN). Denn das Universum ist dem Wortsinn nach ALLES WAS IST, also das SEIN. Und unsere gängige Vorstellung von dem was IST, also dem SEIN, ist eben, dass wir glauben, alles sei eindeutig „da“ oder auch „nicht da“. Wir meinen, alles das, was wirklich da sei, gäbe es in eindeutiger und objektiver Weise, woran sich wieder endlose Streitereien anschließen über das, was wir „wirklich“ nennen und was uns die Realität sein soll. Und dieses Missverstehen der Realität als eindeutig und starr führt zu dem merkwürdigen Gedanken, das Universum sei nicht anders denkbar als gerade wir Menschen es uns denken, denn es beruhe auf einem nicht änderbaren Geflecht objektiver Wirkbeziehungen (Kausalität), die wir erkannt hätten.

Die angesprochene Merkwürdigkeit liegt allein schon darin, dass es ja keine zwei selben Meinungen darüber gibt, was das Universum ist, und dass gleichzeitig, sollte dahingehend Einigkeit angestrebt werden, dies den Charakter einer Abstimmung hat. Das Ziel dieser Abstimmung ist aber gerade Übereinstimmung, nicht aber das Benennen vorhandener Paradoxien (unauflösbarer Widersprüche). Es handelt sich somit nicht um einen „völlig freien Austausch“ unterschiedlichster Ansichten die eigentlich nichts miteinander zu tun hätten, wie der Mensch stets meint. Sondern diese vermeintlichen Einzel-Ansichten haben sehr, sehr viel miteinander zu tun. Mehr noch: sie wären ohne einander ganz unwahrscheinlich!


Die Sicht des Spirealismus ist hingegen, dass Relativität das Wirkprinzip des Kosmos ist. Das SEIN als ein, wenn man so will, „schwingendes“ Geflecht. Als Element dieses Geflechtes verdinglicht der Mensch die Relation, durch ihn wird sie zu (s)einer Wirklichkeit. Dem Menschen mag es so erscheinen, als gäbe es nur eine Wirklichkeit, nämlich „die“ Wirklichkeit. Doch genau bedacht ist es absurd anzunehmen, die Wirklichkeit könne nur jene sein, die der Mensch selbst sieht.

Diese Absurdität kann ein Mensch eigentlich sehr schnell begreifen, sobald er es lernt, sich selbst wahrzunehmen. Sobald er den Blick abwendet von den ach so selbstverständlichen „objektiven“ Objekten seines vermeintlichen Außen, und sobald er lernt, die Entstehung der Objekte in sich selbst wahrzunehmen.

Ich-Universum

Ich möchte noch kurz zu dem Begriff „Ich-Universum“ etwas sagen und kurz erklären, warum Ich-Universum ein zentraler Begriff des Spirealismus ist.

1.

Universum ist die verdinglicht-feste Ordnung des Kosmos aus der Sicht des Menschen. Das Universum ist der Kosmos in der menschlich-spezifischen Form, sozusagen. Es repräsentiert das SEIN des Menschen.

Während Kosmos wie gesagt der Gedanke an eine Ordnung allgemeinster Art ist.

2.

Das Ich als Universum. Das Ich ist ein Universum, denn es beinhaltet alle Dinge UND auch das Ich. Kann es das Ich auch ohne Universum geben? Nein. Kann es ein spezifisches Universum ohne Ich geben? Nein. Kann es schließlich ein Universum geben, das nicht spezifisch ist? Nein, denn unsere Vorstellung des SEINs ist ja gerade, es sei spezifisch und fest. Man könnte auch sagen, dass es eine Vorstellung, die ohne einen bestimmten (spezifischen) Gegenstand auskommt, nicht gibt.

Das Ich kann nicht ohne die Dinge sein, die es umgeben, denn es ist selbst nur Relation. Dasselbe gilt für die Dinge.

Das Universum als ALLES WAS IST ist aus jeder menschlich-spezifischen Sicht etwas Individuelles. So, wie sich der Mensch ja als Individuum sieht: einzigartig. Es gibt, so gesehen, keine zwei selben Universen, so wie es keine zwei gleichen Ichs gibt.

Das Ganze leitet sich aus dem spirealistischen Grundgedanken ab, dass die Dinge nichts anderes sein können, als das, was man sich darunter vorstellt. Das gilt für das „Ding“ Universum auch. Wenn also das Universum alles ist, was ist, also das gesamte SEIN, dann übersetzt der Spirealismus das mit: Das Universum, das sind alle Vorstellungen, die man hat.

3.

Das Universum als Ich. Wie kommt ein Ich zustande? Offenbar als die die Summe der Dinge, die dem Ich sind. Wieder sein spezifisches SEIN.

Die kosmische Perspektive verdinglicht die stets wechselnden Relationen. Weil der Kosmos Ordnung ist, benötigt er den Zusammenhang: eine Perspektive ist Relation, ist Zusammenhang. So wird der Kosmos, der im Eigentlichen keine Form haben mag, dem Menschen zu ETWAS.

Die Perspektive erschafft Dinge. Verdinglichung IST Perspektive. Warum? Weil ein Ding immer etwas Spezifisches ist, etwas Konkretes, etwas im Moment Gefangenes. Als Kontrast dazu mag man sich die völlige Freiheit der Formlosigkeit vorstellen. Ein Ding muss in einer konkreten Weise wahr werden …  wahr genommen werden.

Auch das Ich ist so gesehen eine Verdinglichung von Perspektive, also nichts Außergewöhnliches. Als konkret werdende kosmische Relation, als Gedanke des umfassenden Geistes, ist eine Perspektive (Ich) etwas sehr Allgegenwärtiges.


Warum also ist der Begriff Ich-Universum so notwendig für den Spirealismus?

Weil die materialistische Sprache wenig geeignet ist, eine andere Logik zu verdeutlichen als die eigene. Den Zusammenhang zwischen Ich und Universum gibt es beispielsweise in der normalen materialistischen Sichtweise nicht, für den Spirealismus hingegen ist es eine wichtige Denkvoraussetzung. Meine eigene Erfahrung ist, dass man kaum über das normal-materialistische Denken hinauskommt, wenn man nicht bestimmte geistige Haltepunkte setzt, z.B. in Form von Worten.

 

 

 

Kosmos und Universum – umfassende Intelligenz was last modified: April 11th, 2018 by Henrik Geyer