Kausalität – was ist das? Über das „Warum“ in der Natur.

Kausalität - was ist das? Über das "Warum" in der Natur.

Wir sind gewohnt, für alles eine Begründung zu suchen. Und zu finden! Es ist die Kausalität, die wir in allem sehen, in allem voraussetzen.

Zitat:

Er machte mich auch aufmerksam auf die Zweckmäßigkeit und Nützlichkeit in der Natur. Die Bäume sind grün, weil grün gut für die Augen ist. Ich gab ihm recht und fügte hinzu, daß Gott das Rindvieh erschaffen, weil Fleischsuppen den Menschen stärken, daß er die Esel erschaffen, damit sie den Menschen zu Vergleichungen dienen können, und daß er den Menschen selbst erschaffen, damit er Fleischsuppe essen und kein Esel sein soll. Mein Begleiter war entzückt, einen Gleichgestimmten gefunden zu haben, sein Antlitz ergänzte noch freudiger, und bei dem Abschiede war er gerührt. Solange er neben mir ging, war gleichsam die ganze Natur entzaubert, sobald er aber fort war, fingen die Bäume wieder an zu sprechen, und die Sonnenstrahlen erklangen, und die Wiesenblümchen tanzten, und der blaue Himmel umarmte die grüne Erde. Ja, ich weiß es besser: Gott hat den Menschen erschaffen, damit er die Herrlichkeit der Welt bewundere. Jeder Autor, und sei er noch so groß, wünscht, daß sein Werk gelobt werde.

Heinrich Heine, „Harzreise“

 

Kausalität – das Wunder, dass alles mit allem zusammenhängt

Alles was wir sehen, jeder Gedanke der in uns ist, hängt mit jedem anderen zusammen. Dass wir sagen: „Dies ist der Grund für Das“ und „Das ist der Grund für Jenes“ ist die Art und Weise unseres Denkens. Wir picken uns aus der Menge aller möglichen Konstellationen, die eigentlich unendlich sind, etwas heraus, und sagen: „Das ist der Grund.“

Wir werden damit aber nie fertig, denn die Kausalität ist an keinen feststellbaren „äußerlichen“ Fakt (Objektivität) geknüpft, an dem das Schließen ein Ende haben könnte.

das Denken als der Grund des Grundes

Seit Jahrhunderten wundern sich die Menschen über die Erkennbarkeit der von Ihnen unabhängigen Außenwelt. Obwohl diese nicht nachweisbar ist (Hume), kommt man immer wieder darauf zurück, es müsse sie geben. Doch die Widersprüche, und die in der Natur der Sache liegenden Zweifel, bleiben.

 

Der Spirealismus geht neue Wege. Spirealismus sagt, dass der Gedanke der Urgrund des Seins ist. Ein Informationsprozess, der uns als „unser“ Denken bekannt ist, der aber nicht (nur) „im“ Menschen stattfindet, sondern der den Menschen umschließt und selbst erst hervorbringt.

So ist der Satz: „Ich denke, also bin ich“ (Descartes) zu verstehen. Bevor wir noch denken können, dass das menschliche Denken aus dem Vorhandensein eines Gehirns resultiert, das einen äußerlichen und von uns unabhängigen Prozess widerspiegelt, müssen wir feststellen, dass der letzte Grund dafür, dass wir diese Überlegung überhaupt anstellen können, der Gedanke selbst ist. Nur wenn wir denken, sind wir auch.

(siehe Artikel zum Satz „Ich denke, also bin ich“, der die Kausalität des Satzes „Ich bin, also denke ich“, umkehrt)

Da der Grundgedanke des Spirealismus die Feststellung ist, dass es Objektivität nicht gibt, gibt es also auch keine außerhalb und unabhängig des menschlichen Denkens (objektiv) feststellbare Kausalität. Der (materialistische) Mensch denkt aber nun einmal in Kategorien der Kausalität, der Objektivität (typische Aussage: „das kann man nicht anders denken!“). Das führt, da Objektivität tatsächlich nicht feststellbar ist, natürlich zu Widersprüchen.

Beispielsweise wollen wir mit messerscharfem Schließen den Urknall vor 14 Milliarden Jahren verorten (und auf den Urknall ist ja alles zurückzuführen), doch wir können nicht genau rekonstruieren, was gestern war.

können wir auf Kausalität verzichten?

Der Materialist meint, man könne nur das „richtig“ und „wirklich“ nennen, was man auch als objektiv „wahr“ bezeichnen kann. Wenn es aber keine objektive Kausalität gibt – soll das dann heißen, dass Kausalität verzichtbar ist?

Die spirealistische Antwort darauf ist, dass die Form des Denkens ihr entsprechende Welten (Ich-Universen) hervorbringt. Im Prinzip kann dies jede Form annehmen. Jede Form – wenn auch nicht für den Menschen. Warum nicht für den Menschen? Weil der Mensch Teil ist, nicht alles. Als Teil hat er Teilhabe am umfassenden Denken – und kann nicht denken wie er will. Natürlich klingt allein dieser Satz erneut für den Materialisten zutiefst widersprüchlich – ist es doch das Wesen der materialistischen Vorstellung, dass der Mensch immer denken könne wie er will, da der Mensch ja einen äußerlichen Prozess (die Materie) nur widerspiegele.

Ist also Kausalität verzichtbar? Für den Spirealismus stellt sich die Frage so nicht. Er stellt fest: Kausalität formt unsere Welt; Kausalität, und die aus ihr hervorgehenden gedanklichen Festlegungen, sind unsere Welt. Spirealismus geht davon aus, dass Existenz und Denken ein und dasselbe sind. Auf das Denken zu „verzichten“ ist unmöglich. Und … jede Form, die das Denken annimmt, wird uns als die natürliche Form erscheinen.

achtsame Beobachtung des Denkens – der spirituelle Zugang

Doch man kann wahrnehmen, dass auch der Begriff „Kausalität“ selbst nicht objektiv ist, nicht genau bestimmbar – Kausalität ist nicht festmachbar an irgendeiner äußerlichen Größe. Und somit kann man auch wahrnehmen, dass Kausalität keine absolute Notwendigkeit in  sich trägt.

So kann z.B. im Prinzip, ausgestattet mit einiger Achtsamkeit, jeder wahrnehmen, dass Kausalität von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist. Der eine wertet mehr, der andere weniger. Der eine weiß alles ganz genau, hat tausend Begründungen, der andere lässt sich auf die Rätselhaftigkeit ein, verzichtet auf Begründungen, fragt.

Es ist eins der Geheimnisse spirituellen Denkens, dass man die Kausalität in Manchem in den Hintergrund treten lassen kann. Man formuliert das häufig als „nur im Jetzt sein“, und wie viele andere ähnliche Formulierungen es noch geben mag.

Wozu soll das gut sein? Um neu denken zu können. Beispielsweise um Glück zu erreichen. Um zu spüren, dass die Kausalität auch eine Macht sein kann, die in uns liegt. Das Denken in festgefügten Formen kann unglücklich machen, daher kann, sich (partiell) von der Kausalität zu lösen, bedeuten, geistige Freiheit zurückzugewinnen. Und damit die Freiheit, die Dinge für sich positiv neu zu definieren. Alte Kausalität aufgeben, neue gedankliche Verbindungen schaffen.

 

 

 

 

 

 

Kausalität – was ist das? Über das „Warum“ in der Natur. was last modified: Januar 26th, 2016 by Henrik Geyer