Kann „bodenloser“ Relativismus eine plausible Position sein?

Spirealismus - Was ist Relativismus? [SPID 4667]

Auf diesem Blog erläutere ich häufig die Grundgedanken meiner Philosophie, des Spirealismus. Der Spirealismus läuft darauf hinaus, den hermetischen Grundgedanken „Alles ist Geist“ weiter zu verfolgen, ihn zu formulieren und in seinen uns zugänglichen Aspekten zu beleuchten. Man könnte diesen Ansatz auch so formulieren: „Der Gedanke ist der Inbegriff der Existenz.“ Man findet diesen Ansatz in ganz verschiedenen Philosophien, in ganz verschiedenen Bühnenstücken, Büchern, Sichtweisen, Filmen, Worten, man findet ihn in der Geschichte. Man denke an Die Welt als Wille und Vorstellung von Schopenhauer, oder an das, was man Subjektivismus nennt. Oder an das, was man Konstruktivismus nennt.

All das ist im Grunde gar nicht sehr verschieden, sondern geht stets von der Überlegung aus, dass es nichts geben kann, das nicht gedacht wird. Und es läuft auf die, ganz auf dieser Argumentationslinie liegende, Beobachtung hinaus, dass es nichts gibt, das in einer endgültigen Weise wahrnehmbar ist. Alles hat unendliche Aspekte, alles entwickelt sich, der Gedanke des Jetzt ist der  Abglanz eines anderen Gedankens der Erinnerung, aber nie genau derselbe.

All das verbindet sich, wohldurchdacht, schließlich zu dem Extrakt: „die Welt“ gibt es nicht. Sondern es gibt, als die Urform der Existenz, viele Bilder einer Welt. In ihrer Verbindung, aber auch ihrer Verschiedenheit, entsteht das, was wir in der materialistischen Weltsicht „die Welt“ nennen, so als wäre es „in Wirklichkeit“ nur eine Welt, die, unabhängig von uns selbst, existierte. Doch ist nichts, was wir beobachten können, unabhängig von uns. Nichts können wir sagen oder sonstwie ausdrücken, was nicht den Charakter des Schöpferischen hätte. Wir selbst sind, indem wir da sind, Teil der Schöpfung und auf diese Weise schöpferisch. Nichts können wir begreifen, was eine exakte Spiegelung von etwas anderem wäre. Weil alles relativ ist. Und weil der Mensch selbst relatives Teil einer Relation ist – er ist Element der Schöpfung, nicht Beobachter der Schöpfung. Das ist Spirealismus.

Ist Relativismus möglich?

Nun findet man in der Kritik des Relativismus zunächst stets folgende Aussage: Es sei einfach nicht möglich. Denn man habe ja eine feste Außenwelt vor sich, diese könne man sehen. 

Ich möchte an dieser Stelle in nur wenigen Worten auf diese Aussage eingehen.

Erstens: Die bloße Behauptung, etwas könne nicht sein, weil es nicht vorstellbar sei, ist kaum sinnvoll zu widerlegen. Gerade der Spirealismus behauptet nicht, der individuelle Mensch könne sich alles vorstellen! Vielmehr ist dies eine durch nichts zu belegende grundsätzliche Sichtweise und Behauptung, die aus der materialistischen Weltsicht resultiert – sie geht davon aus, der Mensch beobachte eine von ihm unabhängige Außenwelt … also alle dasselbe; und, der Geist sei frei, alles zu beobachten / wahrzunehmen. Lediglich die Möglichkeiten der Materie seien begrenzt.

Nein, vielmehr sieht man (z.B. in der oben genannten Argumentation!), dass der einzelne Mensch nur das wahrnehmen kann, was die Tiefe seines Geistes, was seine Phantasie, auch zulässt.

In der materialistischen Weltsicht versteht man eine Wahrnehmung als etwas ganz Objektives … dies eben ist es gerade, was der Spirealismus bestreitet. Was also jemand nicht im Geiste beobachten kann – beispielsweise, weil das spirituelle Rüstzeug fehlt, oder nenne man es das weltanschauliche Rüstzeug, oder man sagt, dass es die eigene seelische Entfremdung unmöglich macht – das existiert für denjenigen auch nicht. Wie sollte man mit jemandem sinnvoll über etwas sprechen, das er nicht wahrnehmen kann und dessen Existenz sich ihm nicht zeigt?

Zweitens liegt es in der Systematik des Spirealismus (aber natürlich nicht des Materialismus!), dass es dieselbe Welt, dasselbe Universum (Ich-Universum) nicht zweimal gibt. Somit hält es der Spirealismus, und wohl auch jeder Relativismus, für ausgeschlossen, dass sich eine spezifische Welt aus jeder anderen Weltsicht betrachten ließe. Jede Welt ist von jeder anderen verschieden, und je verschiedener die Welten der Vorstellungen sind, desto unbegreiflicher erscheinen sie untereinander. Denn, das ist es ja gerade, was die Welten anders macht: der Unterschied. Im Gegenteil, die Weltsicht des einen Menschen schließt die Weltsicht eines anderen geradezu aus, kann sie nicht „inkludieren“. Materialistisch-praktisch ließe sich formulieren, dass nicht wirklich ein Mensch die Position eines anderen einnehmen kann, auch wenn es eine ganz gängige Vorstellung ist, sich „an die Stelle eines anderen zu versetzen“, etc.. Ebenso wenig gibt es wirklich zwei „selbe“ Dinge – dasselbe ist immer nur eins. Es gibt in der Mehrzahl nur Gleiches. Und, was die Mehrzahl hervorbringt, ist die Unterschiedlichkeit. Der Mensch, als Element der Schöpfung, unterliegt dieser Unterschiedlichkeit, kann sie nur partiell überwinden, durch Ähnlichkeit.

Aus der materialistischen Weltsicht heraus kann die relativistische unmöglich beobachtet werden, denn der Materialismus glaubt ja, als Grundvoraussetzung(!), man würde stets über dieselbe Welt sprechen – nur die Worte seien verschieden. Wie kann also aus materialistischer Sicht ein Relativismus wahrnehmbar und begreifbar werden? Um das noch einmal an einem anderen Beispiel bildhaft zu machen: Aus der Sichtweise eines Atheismus kann nicht über die innerlichen Phänomene religiösen Glaubens gesprochen werden – wie Jesus es ausdrückte: „Gottes Reich ist inwendig, im Außen ist es nicht sichtbar!“ Das „Außen“ ist z.B. auch der Beobachter, der die inwendige Sichtweise, von der die Rede ist, nicht einmal annäherungsweise hat.

 

Ich nannte es einmal einen Lernprozess, dass einem die Unendlichkeit in den Dingen sichtbar wird, und der Spirealismus, oder auch ein Relativismus, begreifbar wird. Es ist ein Lernprozess – wie man auch die Wissenschaft der Biologie erlernen kann. Ohne das Lernen von Biologie ist die Unterhaltung mit einem Biologen wenig sinnvoll. Doch umgekehrt besteht keine Notwendigkeit dafür, Biologe zu sein, um am Leben zu sein und ein bestimmtes Weltbild zu haben. Man muss in diesem Fall aber feststellen, dass das, worüber der Biologe spricht, für den Nichtbiologen erst einmal nicht existiert. Die Welten der Verständnisses und der möglichen Wahrnehmungen treffen sich nicht.

Ist Relativismus sinnvoll?

Ich wollte aber insbesondere eine Frage besprechen: Kann ein solcher „bodenloser“ Relativismus sinnvoll sein?

Ich möchte diese Frage in zwei Aspekte teilen.

Erstens: Was ist sinnvoll? Wie sinnvoll muss Philosophie sein?

Die Aufgabe der Philosophie ist es, möglichst fundamentale Wahrheiten über den Kosmos zu formulieren. Die Aufgabe der Philosophie ist es, Weltsichten hervorzubringen und zu begründen.

Die Aufgabe der Philosophie ist es somit, Wahrheiten allgemeinster Art zu formulieren. In einer relativistischen Weltsicht ist auch „die Wahrheit“ nichts Festes, nur eine Relation, und eine wahre Aussage kann nur wahrer (zutreffender) sein, als eine andere. So verstanden ist es die Forderung an den Relativismus, die kosmischen Erscheinungen treffender zu beschreiben, als es der Materialismus kann.

Aber: Die Aufgabe der Philosophie ist es nicht, jemandem, der ein bestimmtes Weltbild hat, sinnvoll zu erscheinen – sinnvoll im Sinne von folgerichtig oder nützlich. Denn das, was jemand für folgerichtig und nützlich hält, geht von dessen weltanschaulichen Prämissen aus. Die weltanschaulichen Prämissen wiederum werden von den Philosophen geformt – es wäre unzweckmäßig, sich in diesen Zirkelschluss zu begeben – kein brauchbares Resultat könnte dem entspringen.

 

Zweitens: Formen wir doch selbst eine Definition für die Sinnhaftigkeit von Philosophie, und prüfen den Sinn von Relativismus anhand dieser Definition! Was also wäre sinnvoll? Was wäre nützlich für das Verständnis der Menschen, in einem sehr fundamentalen Aspekt?

Wenn man sich die Welt als eine Entwicklung von etwas vorstellt (im Spirealismus wäre das die Entwicklung einer Idee), dann ist es sinnvoll, diese Entwicklung voranzubringen, die Idee auf ein neues Level zu heben, auf diese Weise weitere Entdeckungen zu ermöglichen, und die Möglichkeiten zu erweitern. Es wäre sinnvoll, die Universen des Denkens zu erweitern.

Das Gegebene ist heute der Materialismus, und, was uns veranlassen soll über den Materialismus mit seinen festen Objekten des Außen, mit seiner Materie, hinaus zu denken, das ist die Erfahrung im Alltäglichen, dass etwas an diesem Materialismus nicht stimmen kann. Der Relativismus entwickelt den Materialismus weiter, denn er bestreitet nicht dessen Möglichkeiten, schließt seine Festigkeiten mit ein.

Der Sinn des Relativismus ist gerade, dass er uns zeigen kann, dass die materialistische Vorstellung unseres Begreifens, falsch ist. Diese Vorstellung drückt sich zuallererst in dem Glauben aus, dass das, was es geben kann, das Reale, stets im Außen sichtbar sein müsse. Und eben dieser Glaube führt auf den Widerspruch zwischen Relativismus und Materialismus zurück – wieso kann ein Materialist keinen Relativismus wahrnehmen?

Natürlich lässt sich die Wahr-Nehmung des Relativismus nicht von jedem machen, sprich: nicht jeder kann es für wahr halten. Jedoch, das Kriterium der Wahrheit war noch nie, dass sie mit jeder geistigen Konstitution sichtbar sein müsse. Man denke beispielsweise an Einstein und seine hoch abstrakte Überlegung des Rittes auf einem Lichtteilchen, die ihn zu den Folgerungen der Relativitätstheorie führte. Wer kann dem geistig folgen – wer will es?

Und auch die Wahrnehmungen des Relativismus wird sich nicht mit jedem Denken machen lassen, insbesondere, wenn man sich von den Denkvoraussetzungen des Materialismus nicht lösen kann. Ich vergleiche das mit einem wissenschaftlichen Versuchsaufbau, in den einige Vorbereitung und einiger Grips einfließen muss, bevor er zu Stande kommen kann. In manche Versuche fließen Jahre an Vorbereitung, der Geist tausender Menschen, Unsummen an Geld. Nun anzunehmen, ein unvorbereiteter Geist könne jede Wahrnehmung machen, ist absurd. Wozu wohl widmen Mönche aller Konfessionen viele Jahre der Formung des Geistigen, wenn es so einfach wäre, das zu tun? Wozu wohl drücken Studenten einer Wissenschaft viele Jahre die Bänke der Hörsäle? Es gehört zu den Absurditäten der materialistischen Weltsicht, dass jeder Hans und Franz von sich meint, es könne nur das geben, was er auch wahrnehmen kann, man müsse es ihm zeigen können. Meint, er wisse über sein Denken bestens Bescheid und jenseits seiner Gedanken gäbe es kaum andere, sinnvolle.

Natürlich ist Relativismus, ist Spirealismus, denkbar und wahrnehmbar! Und viele kluge und beachtenswerte Menschen in der Geschichte und im Heute, dachten und denken so. Was man unternehmen muss, um Spirealismus zu denken, bzw. wahrzunehmen, das ist eine Schärfung der Sinne, ein Aufheben der Selbstentfremdung, ein Neudenken. Ein Überdenken des Verhältnisses der fundamentalsten Worte zueinander. Das ist zwar alles andere als einfach, das sei zugegeben, insbesondere, wenn man den Materialismus mit der Muttermilch aufgesogen hat. Doch es ist allemal machbar, sinnvoll und plausibel.

bodenloser Relativismus

Wenn die Kritiker des Relativismus, wenn Materialisten, von einem bodenlosen Relativismus sprechen, so ist dieser Ausdruck bildreich und zeigt recht gut das Problem. Während der Materialismus alle Erkenntnis an festen, außerhalb des Erkennenden liegenden, Fakten oder Objekten (Objektivität), festmachen möchte, spricht der Relativismus von Relationen, als der Basis der Existenz. Nichts Festes existiert, und kann daher auch nicht beobachtet werden. Dem Materialisten klingt dies wie: Man könne keine Aussagen treffen, weil Endgültiges in keiner Form existiert. Es klingt ihm wie Beliebigkeit, wie Wirrnis.

Und in der Tat ist es eine Folgerung des Relativismus / im Speziellen des Spirealismus, dass, je wahrer eine Aussage sein soll, je unspezifischer muss sie sein. Am Ende der Skala für alle Wahrheit, das Unspezifischste, das Allgemeinste, das in einem allgemeinsten Sinn Wahre – das ist eine nicht getroffene Aussage, das ist unser Nichtsein … zugleich die Quelle allen Seins. Das Nichtsein ist der unendliche Bereich des Möglichen, des jedoch nicht Realisierten. Es ist das Nichts, das im Spirealismus nicht die Abwesenheit von Etwas ist, sondern im ganz richtigen Sinn Nichts: nicht da, nicht denkbar, nicht erfassbar.

Insofern ist der Relativismus tatsächlich bodenlos – denn es gibt keine Ebene, auf der man sich für immer und ewig ausruhen könnte, keine letzte Wahrheit, und wie all die ungreifbaren und dennoch allgegenwärtigen materialistischen Vorstellungen heißen mögen.

Kann etwas Bodenloses Sinn haben?

Dennoch, auch wenn er bodenlos ist, hat Relativismus viel Sinn. Denn es lassen sich feste Aussagen treffen: Dass alles relativ ist, und man genau dies auch im Alltäglichsten feststellen kann, ist eine solche Aussage. Es ist eine ganz feste, und im vollumfänglichsten Sinn wahre Aussage. Eine Aussage, die nicht durch die Frage nach einem Sinn negiert werden kann.

Wenn dies also eine Wahrheit ist, dann kann man, von dieser Wahrheit ausgehend, zu vielen ganz neuen, faszinierenden, Ergebnissen gelangen, durchaus in einem wissenschaftlichen Sinn – dann nicht mehr innerhalb einer materialistischen Wissenschaft, sondern einer spirealistischen oder relativistischen Wissenschaft.

Relativismus auf die Füße gestellt

Und überhaupt sagt Relativismus, sagt Spirealismus, ja nicht, dass sich aus relativistischer Sichtweise keine Aussagen machen ließen. Natürlich lassen sich Aussagen machen. Der Spirealismus sieht nur eben den Menschen als Schöpfer von etwas Konkretem an – der Mensch liest nicht die Schöpfung von einem Außen ab. Er selbst ist Element der Schöpfung, und seine „Sicht der Dinge“ ist einzigartig und schöpferisch. Man sieht sofort, das diese Formulierung anders und besser klingt, als die defätistisch-unerfreuliche Auskunft, man könne keine gültigen Aussagen treffen. Doch, man kann Aussagen treffen; diese stimmen auch und sind gültig, und zwar für denjenigen, der sie macht. Es ist geradezu die Funktion des Menschen, innerhalb des kosmischen Kontinuums, dass in ihm konkrete Welten entstehen; dass in ihm aus der Beliebigkeit Festes entsteht.

Sinn des Relativismus – im Bereich der Wissenschaft

Zu welchen Ergebnissen die spirealistische Wissenschaft kommen kann, kann von der Position des Jetzt, kann von einem Einzelnen (mir), nicht gesagt werden, ebenso wenig, wie aus der Perspektive der griechischen Antike ermessbar ist, zu welchen Höhen (und Tiefen) es die materialistische Sichtweise einmal bringen würde. Ich würde aber erwarten, dass der Spirealismus, oder eine andere Form relativistischer Weltsicht, fundamentale und großartige Entdeckungen und Entwicklungen möglich machen würden, jenseits dessen, was im Moment möglich erscheint. Meine Erwartung ginge in die Richtung, dass Intuition, dass Phantasie und Zufall, dass Suggestion und Telepathie, zu festen Größen der wissenschaftlichen Weiterentwicklung werden.

Die Wissenschaft der Psychologie könnte mit anderen Wissenschaften verschmelzen, und würde neue und ungeahnte Möglichkeiten hervorbringen.

Sinn des Relativismus – im Bereich des Persönlichen, der Gesundheit, der Selbstfindung

Es gibt aber auch einen Bereich relativistischen Denkens, der, auch in der heutigen Zeit, aus gutem Grund gegangen wird, weil es ein nützlicher und heilender Weg ist. Und das ist der Weg der Spiritualität, der Esoterik, des religiösen Glaubens, etc..

Die Qualität dieser Denkrichtungen möchte ich im Einzelnen nicht beurteilen, ich denke, es hängt sehr davon ab, welche konkrete Person sich einer dieser Denkrichtungen zuneigt. Man muss auch beachten, dass viele Vertreter ganz populärer spiritueller Sichtweisen eine Art materialistische Spiritualität propagieren, die, weil sie sich ganz dem materialistischen Gedankengut widmet, gar nicht mehr im eigentlichen Sinn spirituell genannt werden kann.

Denken wir an spirituelle Praktiken, die den Namen verdienen: das Gemeinsame solcher Denkrichtungen ist stets, sie dem Menschen sagen: „Was du glaubst ist deine Welt! Dies wissend, kannst du deinen Glauben formen. Und du gelangst in eine andere Welt.“ Wer also sagt, dass sich die individuelle Welt wirkungsvoll durch Arbeit am Glauben manipulieren ließe, der verfolgt einen relativistischen Gedanken – denn es ist zutiefst relativistisch, besser spirealistisch, die Welt(en) als durch das Geistige entstehend, als eine Funktion des Geistigen, anzusehen.

 

Und wenn nun jemand fragt, was bei Materialisten häufig der Fall ist, welchen Nutzen es hat spirituell zu sein, welchen Sinn ein Klosterleben hat, oder, was es konkret bringt, an Gott zu glauben, dann würde ich sagen, der Sinn und der Nutzen, den jeder erst begreift, wenn er sich diesen Wegen hingibt, ist: geistige Gesundung, Kraft finden, zu sich selbst finden. Der große Nutzen liegt im Begreifen der Relativität – bei manch eingefleischtem Materialisten führt das z.B. dazu, dass er nicht mehr die Überwindung seiner materialistischen Probleme erhofft, sondern dass diese für ihn überwunden sind, indem sie sich ihm nicht mehr als Problem darstellen.

Sinn des Relativismus – Überwindung der materialistischen Paradoxien

Die materialistischen Paradoxien, unsere Vorstellung einer endgültigen Wahrheit, einer Fortentwicklung des Universums auf einen Endpunkt hin, unsere materialistische Vorstellung von Unendlichkeit könnte überwunden werden und in eine weitaus treffendere, und sicher auch nutzbringendere, Vorstellung überführt werden.

Sinn des Relativismus – für die Gesellschaft

So wie man das menschliche Individuum als existent in einer Relation begreifen würde, könnte man den Staat als existent in seinen Relationen ansehen – und käme zu einer weitaus dynamischeren, psychologischen Sichtweise auf den Staat. Der Nutzen läge hier z.B. in einer Revolution der Wirtschaftswissenschaften, oder auch der Diplomatie – letztlich eine Frage von Krieg und Frieden.

 

Resüme

Dieser kurze Text soll eher ein Plädoyer sein, die gedanklichen Schlüsse relativistischer Sichtweisen für möglich zu halten, zu verstehen, dass sie Sinn haben, auch wenn der Nutzen nicht unmittelbar begreifbar ist, vor allem aus einer materialistischen Sichtweise heraus.

Der aus der materialistischen Sichtweise begreifbare Sinn beginnt jedenfalls mit der Feststellung, dass alles relativ ist, und dass in dieser Aussage Wahrheit liegt.

 

Kann „bodenloser“ Relativismus eine plausible Position sein? was last modified: Februar 9th, 2017 by Henrik Geyer