Interview mit Malerin und Schriftstellerin Ria von Sypo

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Ria von Sypo Gemälde

Ria von Sypo ist eine unter Pseudonym arbeitende Malerin und Schriftstellerin. Sie sucht und findet Sinn in ihrem Engagement für die Erhaltung der Welt, die sie in Gefahr sieht.

Im Spireo Interview beantwortet sie Fragen zu ihrem Werk. 

Du bist Malerin- wie kamst Du zum Schreiben?

Den Spaß am Malen entdeckte ich sehr früh. Leider befremdete mich das Ergebnis häufig. Dennoch blieb ich am Üben und hatte wohl auch gelegentliches Glück mit verständigen Lehrern. Speziell mein Professor im Studium glaubte an mich. Heute wäre ein Leben ohne zu malen für mich undenkbar.

Das Bedürfnis zum Schreiben ereilte mich wahrhaftig über Nacht. Lag es nun daran, dass ich so viel erlebt hatte und mein Unterbewusstsein spontan die Sprache der Bilder verließ? Wollte es die Verarbeitung in Worte kleiden? Wie auch immer, ich erwachte aus einem klaren, lebhaften fast realistischen Traum. Und jeder Versuch ihn abzuschütteln oder zu verbannen, scheiterte. Er nistete sich in einer Ecke meines Gehirns ein, machte es sich dort gemütlich  und erweiterte grinsend sein Revier. Dieser Traum zwang sich mir auf und vereinnahmte mehr und mehr mein Denken. Der sich gegen ihn aufbäumende Widerstand unterlag hilflos und schlug sich schließlich feige in die Flucht. Was konnte ich entgegenhalten? Ich skizzierte meine Gedanken, ordnete sie auf vertrautem Terrain, wollte diese Phantasie zum Schwächeln zwingen. Welch gravierender Fehler! Stattdessen nahm diese Utopie Gestalt an, schälte sich aus nebulösen Gebilden in deutliche Strukturen und zog bereits erste Worte an sich. Alles hatte ich bereits gemalt! Eben noch verwirrt, musste ich feststellen, dass mir das Spiel mit Worten großes Vergnügen bereitete. Plötzlich flossen Sätze aus mir und stachelten mich zu stetig weiterem Schreiben an. Und wollte ich nicht daran ersticken, so musste ich mich diesem Druck devot ergeben, dem Schicksal gehorchen. Daraus wurde „Bitte lass es nie enden“, nach der gleichnamigen Bildserie. Ein Liebesroman, der sich eine friedliche Welt vorstellt, in der die Menschen endlich erwachen und gemeinsam den Kampf gegen den Klimawandel aufnehmen.

 

Ist Dir Kreativität wichtig? Wenn ja, warum?

Seine eigenen Stärken zu erkennen und anzunehmen, ist ein wichtiger Prozess. Egal welchem Beruf wir nachgehen, ein jeder sollte auf seinem Gebiet einfallsreich sein. Ob am Schreibtisch, im OP, beim Fahren oder Bauen.  Ein Künstler setzt seine Phantasie in etwas Erlebbares um, drückt sich in Farben, Worten, Formen etc. aus, schafft etwas Individuelles.

Bei mir bahnte sich der Schöpfergeist schon früh einen Weg und suchte nach Gestaltungsmöglichkeiten. Nicht immer zur Freude meiner Familie. So zerschnitt ich als kleines Mädchen Kleidungsstücke meiner Mama oder Schwester, um mir daraus etwas sehr eigenes zu kreieren. Und auch später fiel mir allerlei ein. Die Jahre lehrten mich, dass Kreativität auch zur Belastungsprobe für mein Umfeld werden kann. Manche Idee oder deren Umsetzung fordern unsere Mitmenschen heraus. Der Eine feiert das Internet, der andere verdammt es. Mode, geliebt und gehasst. Das Handy gefeiert und verflucht. Wo Licht ist, gibt es Schatten.

Kreativität ist ein Prozess, ist Leben, Bewegung und fordert bei Einhaltung von Regeln Toleranz. Immerhin bereichert  sie vielfältig  und bunt unser Leben.

 

_DSC3444 _2Glaubst Du, Du hast eine Aufgabe in dieser Welt?

Was ist eigentlich Bestimmung? Darüber ließe sich seitenweise debattieren. Worte wie: Zufall, Auftrag, Antwort, Gebot, Wahl und Pflicht, Deutung, Richtung, Schicksal, Gefüge usw. fallen mir ein.

Ich hänge dem Glauben an, dass alles einen Sinn hat. Auch wenn wir ihn nicht sehen können oder gerade verzweifeln. Im Nachhinein erklärt sich vieles. Für mich schält sich meine Aufgabe als Vermächtnis heraus. Meine Eltern lebten uns das Streben für einen friedlichen und liebevollen Umgang vor, die Achtung vor jedem Leben und eine Ehrfurcht vor der Schönheit und Vollkommenheit dieses Planeten.

Somit erfüllt der Roman eine wichtige Funktion in meinem Dasein. Er trug mich in eine Richtung. „Was ist uns wichtig?“, fragt sich meine Romanfigur Evi. Wie könnte sie an der Rettung ihrer Erde mitwirken?

Ihre Gedanken führen mich zu einer Konsequenz. Als Folge erwacht meine Seite: pro-elf.de

Elf steht abgekürzt für PRO ERDE, LIEBE, FRIEDEN. In Evis Traum wächst eine kleine Gruppe zu einer weltumspannenden, grenzübergreifenden Macht heran. Auch meine Hoffnung stirbt zuletzt! Mögen viele Leser sich einreihen und es immer weiter tragen!

 

Wenn Du Deine Aufgabe bzw. Dein Ziel nur rückblickend beurteilen kannst/willst, was, glaubst Du steuert Dich im Jetzt? Es ist ja nicht trivial sich monatelang hinzusetzen und zu schreiben..

Mein Jetzt beziehe ich aus den Bausteinen der Vergangenheit. Es ist die Erkenntnis, warum ich z.B. wie getrieben an diesem Roman saß. Meine Gegenwart resultiert aus den Erfahrungen. Als ein steht Ergebnis steht pro-elf.de

 

Glaubst Du an Gott?

Hierzu möchte ich kurz aus meinem Buch zitieren: „ Egal welchen Glaubens, welcher Religion oder Theorie- uns alle vereint die Achtung und Ehrfurcht im Angesicht dessen, was ein Mensch nie hat schaffen können! Einer großen, wirkenden Kraft, die tausend Namen und Anreden erträgt.“(2. Hauptteil, Kap.18)

 

Glaubst Du an ein Leben nach dem Tod?

Bei meinen Eltern begegneten mir so unglaubliche Dinge in ihrem Prozess des Sterbens, dass ich eine tiefe Gewissheit  in mir trage und an eine Weiterexistenz der Seele glaube. Eine Wiedergeburt ermöglicht Chancen, unterwirft neuen Prüfungen, diktiert Aufgaben, fordert und schleudert  alles aktuell. Stetig geschliffen, sollte sich die Gesinnung von üblen Mängeln befreien.

 

Können wir die Erde retten? Wie siehst Du die Zukunft für unseren Planeten?

Die Gegenwart sehe ich pessimistisch. Für die Zukunft wage ich zu hoffen.

Die alarmierenden Zustände rütteln eine wachsende Anzahl von Menschen wach. Ein ermutigendes Zeichen!

Doch wo kämpfen wir geeint? Ob beim Tier-, Klima-, Pflanzenschutz, dem Kampf gegen Krieg, Gewalt und Unterdrückung, ob männlich, weiblich, schwarz, gelb oder weiß, groß oder klein etc., überall finden wir Gruppen und Engagement. Manchmal sogar bewusst voneinander abgrenzend.

Jeder ist wichtig! Aber nur gemeinsam erlangen wir Kraft! Nur eine vereinte, anschwellende Masse wird zu einer Energie und ernsten Macht!

Es ist wie mit dem unbedeutenden Vögelchen, das den Waldbrand löschen will. Es nimmt Wasser im Schnäbelchen auf und fliegt bis zur Erschöpfung. Aber es versucht es! Bis auch die Großtiere endlich helfen.

So will auch mich einbringen. Deshalb meine Seite PRO ELF. Vielleicht erreichen auch wir einmal mehr?

 

Worin besteht die Hoffnung für die Zukunft, wenn die Gegenwart nicht hoffen lässt? In einer Katastrophe vielleicht, die das Umdenken erzwingt?

Dieser Gedanke geht auf einen Ausspruch eines Philosphen zurück. Er trifft meine Einschätzung. Ich denke, dass noch ein weiter Weg vor der Menschheit liegt. Die Probleme rücken bei zunehmend mehr Menschen ins Bewußtsein, dennoch blicken Scharen weg oder verdrängen sie. Andere resignieren, geben auf. Dann begegnen wir dem Tunnelblick, der nur eine Sichtweise akzeptiert. Katastrophen mehren sich schon heute. Und ja, sie führen zu manchem Umdenken. Trägheit, die in gemeinsame Entschlossenheit wächst, benötigt Zeit.

 

Ria von Sypo - Bitte lass es nie enden.
Ria von Sypo – Bitte lass es nie enden.

Warum helfen die Großtiere dieses Gleichnisses nicht?

Vermutlich helfen die Großtiere nicht sofort, weil es in der Fabel, wie im realen Leben zugeht. Ein Maß an Desinteresse, Eigeninteresse, Überheblichkeit oder gar Arroganz scheint ihnen eigen zu sein.

Interview mit Malerin und Schriftstellerin Ria von Sypo was last modified: April 28th, 2015 by Henrik Geyer