Es gibt nur das Jetzt. Immer ist Jetzt

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Immer ist Jetzt

Unsere Vorstellung von Vergangenheit und Zukunft ist ein schönes Beispiel dafür zu zeigen, dass „die Welt“, und unsere Vorstellung von „der Welt“, ein und dasselbe ist. Denn in dem Sinne, wie wir uns Existenz vorstellen, gibt es Vergangenheit und Zukunft nicht. Es gibt immer nur das Jetzt.

Gestern war Jetzt. Morgen ist Jetzt.

Es ist eigentlich für jeden nachvollziehbar, das in jedem Moment, den wir erleben, immer gerade Jetzt ist.

Umkehrschluss: wann ist nicht Jetzt? Nie!

Wissen Sie noch, als gestern war? Wann war das? Jetzt! Und wann wird morgen sein? Jetzt!

Und doch gibt es Vergangenheit und Zukunft!

Ein Einwurf:

„Und doch gibt es die Vergangenheit!“

„Aber wann ist diese Vergangenheit?“

„Sie war gestern, zum Beispiel!“

„Nein, ich meine, wann ist die Vergangenheit?“

….

„Sie ist im Jetzt, wenn sie ist. Die Vergangenheit jedoch, sie ist ein Gedanke an etwas, das nicht ist.

 

(Das berührt übrigens die ewig junge Frage nach den Dingen wie sie „wirklich sind“ im Unterschied zu unseren Vorstellungen von ihnen. Die Zahl der Worte, die hier unterscheiden wollen (aber nicht können), ist Legion. Eines dieser Worte, das eine Art ultimative Klarheit über das Wirkliche im Unterschied zum Unwirklichen schaffen möchte, das eine strenge Grenze zwischen Tatsächlichem und nur Gedachtem ziehen möchte, ist das Wort Realität. Und doch ist auch dieses Wort wieder den Interpretationen im Unendlichen unterworfen – man kommt damit an keine Grenze. Ganz ähnliche Besprechungen gab es in diesem Blog zu den Worten „subjektiv“ und „objektiv“, Noumenon etc.. (oder es wird solche Besprechungen noch geben).)

Spirealistische Definition von Existenz

Dieses „Sein“, dieses „das Ist“ – es ist verbunden mit der spirealistischen Definition von Existenz.

Erst wenn man sich begreiflich macht, was das sein soll – „Existenz“, kann man Verständnis für die Existenz von Zeit gewinnen. Sonst bleibt sie uns widersprüchlich.

Existenz – das ist im Spirealismus der Gedanke. Und der Gedanke ist immer im Jetzt.

Ähnliches Thema: Die Ontologie des Spirealismus

Der Gedanke im Jetzt – Vergangenheit und Zukunft

Erleben lässt sich die Vergangenheit also im eigentlichen Sinn nicht, auch nicht die Zukunft. „Nur“ als unser Gedanke an sie, und zwar im Jetzt. Im Jetzt entstehen Vergangenheit und Zukunft. Das Jetzt repräsentiert sie. Doch unsere Gedanken sind unterschätzt, wenn wir sie „nur“ Gedanken nennen. Gedanken sind alles, was ist. In Gedanken entstehen unsere Welten, und in Gedanken reisen wir vor und zurück in der Zeit.

spirituelle Weisheit und das Jetzt

Dieser Ansatz ist uns rätselhaft, denn den Gedanken sehen wir (im Materialismus) als das Unwirkliche. Das Unwirkliche deshalb, weil das Wirkliche die vom Gedanken getrennte Außenwelt sein soll. Viele Denkrichtungen beschäftigen sich mit diesem scheinbar unauflösbaren Rätsel.

Weiterlesen: Beitrag Surrealismus, Surrealistische Fotokunst, Image Art

Dass im eigentlichen Sinne nur das Jetzt existiert ist eine spirituelle Weisheit. Warum spirituell? Weil wir in der materialistischen Sichtweise der Welt der Namen verhaftet sind – wir glauben an die Existenz der Namen, so als seien sie „da“, auch ganz ohne uns, und wir müssten sie nur in einem Außen beobachten.

Erst Spiritualität, Geistigkeit, eröffnet uns einen genaueren Blick auf die Welt der Gedanken – wie sie die Macht haben, Welten über Welten zu erschaffen.

Ein wunderbares, spirituelles Buch zum Thema „Jetzt“ hat Eckhart Tolle geschrieben – ein Buch, das nur diesem Thema gewidmet ist, und auch diesen Titel trägt.

Die Zeit ist kein Strahl, die Zeit ist ein Punkt

Man stellt sich die Zeit immer als einen Strahl vor. Vergangenheit und Zukunft verschwinden jeweils links und rechts in der Unendlichkeit. Die Mitte des Strahles ist das Jetzt.

Spirealismus sagt: Ja, Vergangenheit und Zukunft verschwinden in einer Unendlichkeit. Und zwar in einer Unendlichkeit der Gedanken an etwas.

Doch Zeit ist in Wirklichkeit kein Strahl, sondern ein Punkt: Das Jetzt.

Im  Jetzt entsteht der Gedanke an eine Zukunft. Im Jetzt verfestigt er sich. Im Jetzt materialisiert er sich und wird zu unserem Jetzt. Einem anderen Jetzt. Wieder ein Jetzt – keine Zukunft, keine Vergangenheit.

Wenn man sich die Zeit mit einer Ausdehnung vorstellen möchte, dann könnte man ebenso gut an einen Punkt denken, der von einem Schein umgeben ist, nicht an einen (Zeit-)Strahl. Denn Vergangenheit und Zukunft gehen auf keinem eindeutigen Weg ineinander über.

Wenn wir auf diesem Blog oft genug davon sprachen, dass die Vorstellung von „der Welt“ nicht objektiv ist, sondern aus der Wechselwirkung subjektiver Beobachtungen entsteht, so lässt sich über die Zeit, bzw. den sogenannten Zeitstrahl, dasselbe sagen. Er kann nie etwas anderes sein, als unsere Auffassung von ihm, und die ist bereits von Mensch zu Mensch verschieden.

Hier schlägt sich übrigens ein Bogen zu der Frage, was Kausalität ist. Unsere Auffassung von Kausalität ist ja gemeinhin, alles habe einen Grund. Und einen Grund kann etwas nur haben in der Zeit, indem einer Beobachtung eine andere Beobachtung (in der Zeit) vorausgeht. Und diese beiden Dinge bzw. Beobachtungen, so ist eben unsere Auffassung von Kausalität, stehen in einer direkten Verbindung, was wiederum an einen Strahl denken lässt.

Siehe auch: Artikel Kausalität – was ist das? Über das „Warum“ in der Natur.

Doch in der Unendlichkeit der herstellbaren Verbindungen erkennen wir, dass es keine Eindeutigkeit gibt, es gibt keinen Strahl.  Es ist dasselbe, was wir wir bereits über die Objektivität sagten – es gibt sie nicht. Und die Vorstellung eines (Zeit-)Strahles kann nur in der Subjektivität entstehen – und auch nur dort bestehen bleiben.

Lesen Sie auch: Beitrag Wahr – Schein. Wahrschein. Wahrscheinlichkeit

 

Hier ein Zitat von Friedrich v. Schiller, das sehr schön ist, und mir zu diesem Artikel zu passen schien. Allerdings entspricht es, genau genommen, nicht ganz dem Inhalt dieses Artikels, denn die Vergangenheit steht keineswegs ewig still.

Dreifach ist der Schritt der Zeit: Zögernd kommt die Zukunft hergezogen, pfeilschnell ist das Jetzt entflogen, ewig still steht die Vergangenheit.
Friedrich von Schiller

 

Es gibt nur das Jetzt. Immer ist Jetzt was last modified: April 6th, 2016 by Henrik Geyer