Ich – Universum. Die subjektive Welt als die einzig „vorhandene“ Welt

Spruchbild: Ich Universum und Ich Universen: "Ich Universum" ist ein Begriff des Spirealismus. Ein Ich-Universum ist das All (das Alles) des individuellen Begreifens.

In meiner Philosophie, dem Spirealismus, ist oft die Rede von einem Ich-Universum. Ich möchte in diesem Artikel kurz umreißen, worum es dabei geht.

Es gibt keine Objektivität

Der erste Grundsatz des Spirealismus ist, dass es keine Objektivität gibt.
Objektivität – verstanden als die materialistische Vorstellung einer Außenwelt, die vollkommen definiert, schon „da“ sei. Sondern der Spirealismus erklärt, dass es nur das Subjektive gibt, über das man reden kann.

Um sich das vorzustellen hilft es vielleicht, sich Descartes „Ich denke, also bin ich“ ins Gedächtnis zu rufen (wohlgemerkt: Descartes war beileibe kein Spirealist, jedoch ist sein berühmt gewordener Satz wohlverstanden die Aussage, dass als „Urgrund“ allen Seins und allen Folgerns der Gedanke selbst gesehen werden muss – nicht das Denken an ETWAS).

Siehe auch: Beitrag Die Ontologie des Spirealismus

Man denke auch an Kants vergebliche Suche nach dem Ding „an sich“ – auch hier blieb die Suche nach der vom Betrachter unabhängigen Außenwelt vergeblich.

Schließlich bleibt noch die Überlegung, dass jede Aussage, dies oder jenes sei objektiv, immer von einem Subjekt gemacht wird – also subjektiv ist. Wo wohl ist dann das Objektive?

Der Spirealismus sieht es so: Schließen sich mehrere Beobachter zusammen und machen eine Aussage, nennt der Spirealismus dies „supersubjektiv“ – wieder nicht objektiv, sondern subjektiv, auf einer anderen Ebene.

Es bleiben die subjektiven Welten – die Ich-Universen

Alles, was das Ich über das Universum sagen kann, kann nur den ihm selbst zugänglichen Gedanken entspringen . So gesehen ist jedes gedachte Universum von jedem anderen verschieden. Nur gedacht? Nein, nicht „nur“ …. Der Spirealismus sieht das Denken als das Zentrale, das Wichtige. Zu sagen, etwas wäre „nur“ gedacht, ist die Umkehrung der tatsächlichen Verhältnisse. Denn die Existenz ist Geist. Über etwas anderes reden zu wollen, als die Dinge, so wie sie im Denken existieren, hat keinen Sinn. Denken und Sein sind ein- und dasselbe.

Die Universen existieren immer im Denken, jenseits davon gibt es kein Universum

Das bedeutet wieder, dass es nichts Objektives gibt. Die Universen, die sich individuell ausdrücken, sind voneinander verschieden, uneindeutig, einzigartig. Universum hier als die Gesamtheit der Dinge, die ein subjektives Denken erfasst.

 

Im Individuum ist die Vorstellung eines Universums einzigartig. Man stelle sich vor, dass es demzufolge weder in irgendeinem Individuum ein „richtiges“, vollständiges Universum gibt, noch in der Gesamtheit aller Individuen. Warum nicht in der Gesamtheit der Individuen? Weil die Frage nach der Gesamtheit der Individuen die Frage nach dem Universum ist. Sie führt nicht weiter. Wer kennt alle Individuen, wüsste, was sie im Kopf haben, etc.?

Auch nicht, wenn man das vermeintlich objektive Außen untersuchen will, wird man Eindeutigkeit finden, siehe wiederum Kant… Wo ist es also, das Universum? Wer hat das Ganze? Wer hat das „richtige“ Universum… im Kopf, im Denken? Und … wer wiederum will etwas sagen über Dinge, die angeblich jenseits der Gedanken existieren sollen?

Die Sichtweise des Spirealismus: Niemand kann das. Das „richtige“ Universum gibt es nicht. Es macht keinen Sinn von der Existenz von etwas zu reden, das nicht beweisbar ist, und dabei die Tatsache zu ignorieren, nur weil das besser in das allgegenwärtige weltanschauliche Konzept des Materialismus passt, das etwas anderes sehr wohl beweisbar ist: der Gedanke. Indem er ist.

Verbunden mit dieser Einsicht ist die Feststellung, dass die fehlende Erkenntnisfähigkeit im Grundsätzlichen bzw. Objektiven, aus systematischen Gründen niemals änderbar ist. „Das“ Universum ist nicht objektiv erkennbar (zumal es in dieser Form nicht existiert) – das kann sich nie ändern. Und was für das Universum gilt, gilt für jedes Ding, das wir (wie wir nur glauben) „vor uns“ haben.

Kurz: Wir alle haben die Welten unserer Ich-Universen vor uns. „Das“ Universum (in der Einzahl, ein einziges) im eigentlichen Sinne gibt es nicht, sondern „nur“ die Universen der individuellen Sichtweise.

Ähnliches Thema: Das Äußerliche (die Dinge) versus das „nur Gedachte“. Gedanken zu Existenzialismus

Überwindung des materialistischen Weltbildes

Dies meint der Spirealismus aber nicht als eine feine Verschiedenheit der Formulierung, was unser Begreifen dann doch wieder zu der Vorstellung der einen Welt zurückführen würde.

Sondern gemeint ist tatsächlich ein Nichtvorhandensein einer Welt außerhalb des individuellen Begreifens – und umgekehrt: ein Vorhandensein vieler Welten, im Individuellen.

Letztlich ist dies auch die Konsequenz der Feststellung: „Die Welt ist die Welt unserer Gedanken“ – ganz ähnlich formulierte der Philosoph Schopenhauer : „Die Welt als Wille und Vorstellung“.

 

Aus dem grundsätzlich vom Materialismus verschiedenen Weltbild, dem Spirealismus, der die Existenz von Ich-Universen proklamiert, ergeben sich tiefgreifende Folgerungen und Grundsätze.

Beispielsweise den, dass es nichts gibt, das vom Blick des Beobachters unabhängig wäre. Außerdem ist eine andere Vorstellung von „Existenz“ damit verbunden, und weiterhin ein völlig anderes Menschenbild, als wir es derzeit haben.

Es verschwindet der Mensch als Krone der Schöpfung und Genie der Natur, der die Prozesse von außen sieht und im Geist spiegelt. Sondern im Spirealismus geht der Mensch aus Geist hervor,  Geist umgibt und verbindet ihn, mit allem was ist. Denken, das ist jedes Ding, das wir sehen, und von dem wir in Wirklichkeit nicht getrennt sind. Wir sind ein Gedanke des Schöpfers; nicht wir sind es, die in Gedanken die Schöpfung erfassen.

Es ist ein altes hermetisches Prinzip: Alles ist Geist.

Das Ich-Universum als Sichtweise und als Brille

Ein Ich-Universum ist also das All (das Alles) des individuellen Begreifens. Das individuelle Begreifen wiederum ist es, das uns jeden Blick auf „das Andere“ wie durch eine Brille werfen lässt. Es gibt nichts, was von einer subjektiven Sichtweise, einer individuellen Brille,  unabhängig wäre.

So gesehen könnte man auch sagen, dass das Universum, und das Ich, ein- und dasselbe ist. Denn das, was die Welt für das Ich ist, und das Ich selbst, stehen in enger Verbindung. Sie entstehen aus der Relation zueinander. Das Ich definiert sich aus den Dingen, die es um sich herum wahrnimmt. Und durch sein Sehen definiert es „das Andere“ mit.
Jeder Gedanke den wir denken ist keine Spiegelung einer außerhalb von uns liegenden Welt, sondern formt unsere Welt.

 

Zitat: Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.
Ludwig Wittgenstein

Siehe auch: Artikel Änderung der Denkweise als Neu-Definition eines Bausteinchens des Universums

Ich – Universum. Die subjektive Welt als die einzig „vorhandene“ Welt was last modified: Mai 30th, 2017 by Henrik Geyer