Glaube ist Wissen und Wissen ist Glaube

Glaube ist Wissen. Spruchbild: Wissen ist kollektiver Glaube. Glaube ist individuelles Wissen.

Glaube ist Wissen? Wissen ist Glaube? In dem Artikel „Das Ding an sich und die Suche nach Wahrheit“ hatte ich begründet, warum es infolge mangelnder Objektivität DIE Wahrheit nicht gibt.

Der Umkehrschluss dieser Aussage ist, dass Wissen nicht mit einer Notwendigkeit in die Welt kommt. Demzufolge hat Wissen den Aspekt einer gewissen Beliebigkeit. Wir könnten ein ganz anderes Wissen haben. Wir können uns nur nicht vorstellen, dass das, was wir ganz sicher zu sehen glauben, aus uns selbst erst entsteht. Die Wahrheit entsteht als Sichtweise, die abhängig ist von der weltanschaulichen Brille, die wir tragen.

Hier einige Aspekte.

Veränderlichkeit des Wissens

Die kürzeste Verbindung zweier Punkte muss nicht eine Gerade sein.

Ich erinnere mich einer Aussage Einsteins in einem Interview. Es ging um die Notwendigkeit wissenschaftlicher Folgerungen, und er erklärte, dass wissenschaftliche Entdeckungen nicht mit Notwendigkeit in die Welt kommen.

Als Beispiel nannte er die ganz sichere Annahme, dass die kürzeste Verbindung zweier Punkte die Gerade sei. Andere Völker sähen dies anders, so sagte er – ihre Wahrheit sei aus ihrer Sicht natürlich ebenfalls unbestreitbar, aber eben anders. Wahrheit sei ein relativer Begriff.

Wissen ist lediglich Wahrheit des Jetzt

Das kann man selbst nachvollziehen: Das Wissen von heute ist morgen falsch. Ebenso wie das Wissen von gestern heute falsch ist. Zu keiner Zeit ging es dem Wissen anders, als dass es die (nur scheinbar „endgültige“) Wahrheit des Jetzt ist.

die Überheblichkeit der Allwissenden

Mit einer gewissen Überheblichkeit sehen wir auf das Wissen vergangener Tage, so als sei völlig klar, dass dieses (überholte!) Wissen doch falsch sei. Fast hört man: Warum eigentlich haben die früher so dumm gedacht?

Mit eben dieser Überheblichkeit nehmen wir an, gerade im Jetzt im Vollbesitz einer endgültigen Weisheit zu sein.

Wie viele Menschen sind der Meinung, dass man fast gar nichts Neues mehr entdecken könne – man wisse schon fast alles! Doch jeder vernünftige Gedanke muss uns sagen, dass das nicht so ist; muss uns zu Bescheidenheit raten.

Wissen ist kollektiver Glaube

Wissen ist letztlich das, was „alle“ für unbestreitbar halten. Das, was „alle“ (man beachte und beobachte: es sind nie „alle“, es handelt sich immer nur um Gruppen) denken, wird zu einer Wahrheit des Einzelnen – das hat aus spirealistischer Sicht aber nichts mit einer objektiven Sichtweise zu tun, sondern ist und bleibt supersubjektiv.

Artikel Supersubjektivität

Es ist einfach das Wesen DER Wahrheit, so wie wir sie materialistisch verstehen, dass sie uns wie unbestreitbar erscheint.

Glaube ist Wissen

Umgekehrt ist es eine ganz praktische Erfahrung, dass Glaube, der Kraft hat, ein Wissen ist. Man kann den persönlichen Glauben so lange einüben, durch Affirmationen, Kontemplation, Meditation, Gebete, bis er ein Wissen ist. Genauso, wie man Mathematik einübt – bis Mathematik Wissen ist.

Glaube ist somit nicht, was der Unkundige meint: eine Art Nicht-Wissen, ein beliebiges Wunschdenken. Die Wahrheit, die uns zum Handeln veranlasst, der Glaube, der Macht hat – das muss ein unerschütterliches Wissen sein.

Ein Wissen, dessen einziger Anspruch ist, dem Einzelnen als wahr zu erscheinen.

Nur so erklären sich die vielfältigen spirituellen und religiösen Aussagen, die immer darauf hinweisen: Der Gedanke hat die Macht zu erschaffen – es kommt auf den Glauben an.

Siehe Artikel Glaube, Liebe und Hoffnung

 

 

 

 

Glaube ist Wissen und Wissen ist Glaube was last modified: Februar 5th, 2016 by Henrik Geyer