Gibt es das Nichts? Wie kann man sich das Nichts vorstellen?

Gibt es das Nichts? Wie kann man sich das Nichts vorstellen? - [SPID 4464]

Im Spirealismus geht es oft um das Nichts. Die Frage Gibt es das Nichts? nannte ich manchmal die zentrale Frage der Philosophie, denn am Nichts und an seiner Vorstellung trennt sich die Weltanschauung in jene, die glaubt, der Mensch würde eine äußerliche Welt spiegeln, könne die Dinge objektiv erfassen und sein Gehirn sei prinzipiell geeignet, alles („alles“ ist ein ebenso paradoxes Wort wie das Nichts) zu begreifen, etc. – und jene, die all das nicht glaubt.

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Der Spirealismus neigt letzterer Auffassung zu. Ihm ist das Nichts das Unbegreifbare im eigentlichen Wortsinn – es ist tatsächlich nicht denkbar.

Kann man dennoch über das Nichts sprechen?

Kann man dennoch über das Nichts sprechen? Kann man es sich vorstellen? Nein, im eigentlichen Sinn vorstellen kann man sich das Nichts nicht.

Und im materialistischen Sinn ist das Nichts die Vorstellung von Etwas – ein Paradox.

Der Spirealismus geht davon aus, dass die Existenz im Gedanken liegt. Hier liegt ein unabdingbarer Scheideweg. Wenn man ihn nicht zu gehen vermag, kann man sich aus der materialistischen Vorstellungswelt nicht lösen. Die Dinge bleiben paradox.

Kann man ihn aber gehen, so ist der Weg zu der Erkenntnis, dass das Nichts das Nicht-Vorgestellte ist, nicht weit und auch nicht schwierig. Die Existenz ist der Gedanke (an etwas), also ist das Nichts ein Gedanke, den man nicht hat.

Einen Gedanken zu denken, den man nicht denkt, ist logischerweise unmöglich. Umgekehrt ist jeder Gedanke, auch der an ein Nichts, kein Nichts.

Jeder, der dieser Idee näher treten mag, möge sich vorstellen, dass der Gedanke, den er in diesem Augenblick nicht denkt, das Nichts dieses Augenblickes ist. Auf diese Weise wird sehr schnell klar, dass das Nichts riesig ist (ganz anders als die materialistische Quantifizierung des Nichts), und dass der Gedanke des Augenblicks wie ein Tropfen in einem unendlichen Meer ist.

Unendlichkeit Auch das kleinste Ding hat [SPID 895]Umgekehrt wird die Absurdität der Annahme begreiflicher, mit der der Mensch annimmt, es könne nichts anderes als das geben, was er denkt. Diese Annahme ist eng mit der materialistischen Auffassung verbunden, der Mensch würde eine ihm äußerliche materielle (also feste) Realität beobachten, die selbst in ihren Möglichkeiten eingeschränkt sei. Doch, dem widerspricht, was wir bereits über die Dinge sagten: Es gibt nichts Einzelnes, denn alles ist verbunden. Die Dinge und ihre Eigenschaften, ihre Vergangenheit und Zukunft, sind nichts Verschiedenes, sondern genau dasselbe. Daher sind die Dinge unendlich, und der Gedanke an ein Ding ist wieder: Wie ein Funke in einem unendlichen Dunkel. Denn jenseits dessen was man denkt, gibt es immer das Nichtgedachte. Und dies ist die dem Nichts am nächsten kommende Vorstellung. Das, was nicht der Gedanke ist, das ist das Nichts.

Gibt es das Nichts?

Gibt es also das Nichts?

Im Materialismus bleibt die Antwort auf diese Frage stets beliebig, paradox, widersprüchlich. Man könnte ebensogut sagen: „Ja, das Nichts gibt es, denn ich rede ja gerade von ihm, benenne es, quantifiziere es, stelle es mir vor…“, wie: „Wie soll es das Nichts geben, wo es doch nichts ist?“ Man könnte sagen: „Das Nichts ist das, was nicht da ist“ – aber um diesen Gedanken zu vollenden benötigen wir etwas, das eigentlich da ist, nur eben jetzt gerade nicht …

Im Spirealismus ist das Nichts dadurch charakterisiert, dass es jene unendlichen Welten sind, die wir nicht denken. Es ist ein Bereich, zu dem wir keinen Zutritt haben, denn wir selbst sind es, die auf Etwas festgelegt sind – es ist nicht die Materie, die festgelegt ist. Während das Nichts gleichsam das unendliche Dunkel ist, aus dem alles für uns entstehen kann. Es ist die unbegrenzte Möglichkeit, und zugleich das für uns Menschen nicht Existierende.

Siehe auch: Alles und Nichts – kann das Alles zugleich das Nichts sein?

Gibt es das Nichts? Wie kann man sich das Nichts vorstellen? was last modified: Februar 17th, 2017 by Henrik Geyer