Geistige Welten – objekthaftes Denken, vertikales Denken, Ding an sich

In dem, was ich bisher zum Thema Spirealismus schrieb, ging es häufig um die Frage, was die Realität ist, wie man die Probleme der materialistischen Weltanschauung auf ganz andere Weise sehen und angehen kann, etc…

 

In diesem Artikel, sowie einigen weiteren, die ich unter dem Stichwort „Welten der Vorstellung“ zusammentragen möchte, will ich so praktisch wie möglich darlegen, woran wir erkennen, in einer Matrixwelt zu leben („Matrixwelt“ … um ein populäres Wort zu gebrauchen, man könnte auch sagen: in einer traumhaften Welt, Welt des Traums, surrealen Welt, etc.).

Ich bemühe damit die Phantasie des Lesers – beweisen lässt sich das im materialistischen Sinn nicht, denn, den Materialismus mit seiner Annahme, die Dinge seien einfach „da“, verlassen wir. Das bedeutet, jemandem der darauf besteht, dass die Dinge eben die Dinge sind, und nichts anderes, wird man auch tatsächlich nichts anderes beibringen können. Das trifft sich mit dem spirealistsischen Grundsatz, dass die Dinge IMMER das sind, was man darunter versteht.

Das Ding an sich – die Dinge sind Dinge des Denkens

Die erste Möglichkeit sich klar zu machen, dass die Objekte die man sieht, oder sich denkt, nicht einfach „da“ sind, ist, die Überlegung Kants nachzuvollziehen, der davon sprach, dass die Dinge nicht „an sich“ erkennbar sind.

Er meinte damit, dass auch in der materialistischen Sichtweise, die davon ausgeht, das Gehirn würde eine materielle Außenwelt spiegeln, klar ist, dass das Spiegelbild nicht identisch mit dem Objekt selbst ist.

Das bedeutet, es gibt notwendigerweise eine Verschiedenheit zwischen dem was wir sehen und dem, was „wirklich da“ ist. Nur, dass wir von dieser Verschiedenheit überhaupt nichts wissen, sie nicht wahrnehmen, im Grunde auch nicht denken können (Kant war da eine seltene Ausnahme).

Und nun fragt es sich natürlich, wie groß der Unterschied zwischen den Dingen ist, und dem, was wir von ihnen denken. Doch wie könnte der Mensch darüber eine Aussage treffen, da er ja nur weiß, was er weiß … Er hat aber keinerlei Erkenntnisse darüber, was er nicht weiß und nicht wissen kann. Insbesondere die Annahme, er könne etwas nicht wissen, ist ihm in der materialistischen Denkweise ja auch völlig fremd geworden.

Dieser erste, eigentlich völlig logische Schritt, kann uns verdeutlichen, dass die Dinge jedenfalls nicht das sind, was wir uns unter ihnen vorstellen. Wenn man das eine Weile übt, man könnte auch sagen: lernt, oder: darüber meditiert, dann beginnen die Bedeutungen zu verschwimmen, und die Dinge fangen an, in ihrem Wesen und ihrer Bedeutung vieles sein zu können.

Vertikales Denken

Dass die Dinge vieles sein können, sieht man auch an sogenanntem vertikalem Denken. „Vertikales Denken“ ist die Bezeichnung für eine Art und Weise Dinge mit einander in Verbindung zu bringen, die phantasievoll und normalerweise unüblich ist. Muss etwa man sagen: unzulässig ist? Nein, keineswegs. Dass wir uns die Dinge wie eindeutig miteinander verknüpft vorstellen, wie eindeutig beschaffen und durch uns vollständig erfasst, ist lediglich eine Denkgewohnheit.

Wie gesagt, man kann üben, sich die Dinge stets unter einem ganz anderen Aspekt vorzustellen, und dann wird die Welt eine andere.

Das vertikale Denken kann man sich wie folgt vor Augen führen. Man stelle sich diese Tabelle vor

günblaurotschwarz
KräuterMinzeSalbeiKresseKümmel
TiereFroschPfauPapageiPanther
BäumeLindeBlauglockenbaumRotbucheSchwarzerle
HimmelskörperJupiterErdeMarsAsteroid

Normalerweise werden die Menschen sagen, die natürliche Zuordnung sei waagerecht, also gehöre beispielsweise Minze, Salbei, Kresse und Kümmel zusammen, nicht aber Kümmel und Panther.

Jedoch spricht, bei Lichte besehen, nichts Bewertbares gegen eine Zuordnung von Kümmel und Panther, der gemeinsame Aspekt ist da, es ist lediglich eine Frage der Bewertung und der Denkgewohnheit, diese Zuordnung nicht zu treffen.

Nun stelle man sich aber vor, dass solches vertikale Denken noch vor wenigen Jahrhunderten völlig üblich war – es war die Realität. Wir, mit unserer Überzeugung, die Dinge seien in einem Außen (außerhalb des menschlichen Geistes) von der Natur bereits festgelegt, und, es gäbe kein sinnvolles magisches Denken, haben eine neue und ungewöhnliche Auffassung.

Man kann die ungewöhnliche Zuordnung vornehmen, man kann die Dinge anders sehen, anders gewichten – und sie werden dadurch anders – ich komme insofern wieder auf Kants Überlegung zurück und die daraus folgende Konsequenz, dass die Dinge im Geist entstehen. Und – was anderes wohl können uns die Dinge sein, wenn nicht das, was wir unter ihnen verstehen?

Man kann vertikal denken, anstatt horizontal, und mehr noch: man stelle sich vor, dass die obige Tabelle in Wirklichkeit nicht zwei Dimensionen hat, sondern x. Denn man kann alles auf tausend verschiedene Weisen kategorisieren und in milliardenfacher Weise neu zusammenfügen. Unendlich wird die ganze Sache dann, wenn man sich vorstellt, dass wir selbst es sind, die die Kategorien erdenken, und stets frei sind, uns neue Kategorien zu erdenken, was wir ja auch tun.

Heute ist diese Art und Weise des vertikalen Denkens rar geworden, eines Denkens, das Querverbindungen herstellt; ein Denken, das solche Querverbindungen für möglich hält. Die normale Reaktion heute ist eher ein „Was nützt mir das jetzt?“

Diese Denkweise ist aber immer noch anzutreffen, insbesondere manchmal in der alternativen Medizin, esoterischen Wahrsagern, in der Religion. Letztlich auch in der Wissenschaft, denn was wohl wäre der wissenschaftliche Fortschritt, wenn nicht ein Neudenken und ein Querdenken … ein vertikales Denken?

Siehe auch: Phantasie und Wirklichkeit – Zufall, Kreativität und Kausalität

Lesen Sie auch: Beitrag Was ist Phantasie? Ist Phantasieren nötig – oder nur Spinnerei?

Doch, ich sage bewusst vorsichtig „manchmal“, weil all die tausend Spielarten auch spiritueller Vermarktungsmaschinerien oft genug weniger mit spirituellem Denken zu tun haben, als viel mehr mit materialistischem – denn sie bearbeiten einen materialistischen Markt. Ihnen kommt es oft weniger darauf an, die Phantasie anzuregen, und die tausend Möglichkeiten der Welt offen zu legen, sondern dienen dem eindimensionalen objekthaften Denken.

 

Noch mehr Gewicht erhalten diese Überlegungen noch dadurch, dass man sich vor Augen führen kann (und sollte), dass die Dinge nicht allein bestehen können. Die Dinge und die gedanklichen Zuordnungen die wir vornehmen, also etwa zu Farbe, Raum, Ursache, Wirkung, Material, Zusammensetzung, etc., sind nicht etwa zweierlei, sondern dasselbe. Das habe ich in folgendem Artikel beschrieben.

Siehe auch: Beitrag Das Einzelne – es gibt nichts, das einzeln sein kann. Es gibt nichts, das allein existiert.

 

Geistige Welten – objekthaftes Denken, vertikales Denken, Ding an sich was last modified: Mai 15th, 2017 by Henrik Geyer