Sind die Gedanken bei den Dingen? Ist das Denken von den Dingen gleich den Dingen?

Thema Gedanken: Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Dass wir finden was wir suchen ist ein assoziatives Gesetz. Es gilt auch für unser wissenschaftliches Suchen.

Ein wichtiger Ausgangspunkt für das Verständnis vieler Denkrichtungen (auch des Spirealismus) ist folgende Frage: Sind die Gedanken selbst die Dinge? 

Man kann es auch anders formulieren: Was sind die Dinge jenseits meiner Gedanken? Noch anders formuliert: Was sind die „richtigen“ Dinge MEHR, als das, was meine Gedanken in ihnen sehen?

Aus materialistischer Sicht scheint es unnötig, diese Fragen zu stellen, denn es ist ja die selbsterklärte Denkvoraussetzung des Materialismus, man beschäftige sich mit der Materie, also Dingen außerhalb des Geistes.

Dass diese Frage so „realitätsfern“ scheint, ist, soweit ich sehe, ein Haupthindernis des Verständnisses des Spirealismus. Man kann das Rätselhafte der Welt nicht sehen, da man glaubt, alles Rätselhafte sei mit der materialistischen Wissenschaft aus der Welt geschafft.

Ich möchte in diesem Artikel kurz darstellen, warum die oben genannten Fragen ihre Berechtigung haben, und was letztlich gegen den Materialismus als Weltanschauung spricht, und warum er nur eine Möglichkeit des Denkens ist.

Nebenbemerkung: Wenn hier von „Dingen“ die Rede ist, so sind damit nicht besondere, sondern ganz normale Dinge gemeint, wie ein Baum, oder ein Auto, ein Tisch … was auch immer.


 

Das Problem

Jedes Individuum kann sich mit Fug und Recht sagen: Für mich können die Dinge nichts anderes sein, als das, was ich über sie denke.

Gleichzeitig, und dem zum Widerspruch, legt uns die materialistische Weltanschauung nahe, dass die Gedanken nicht die Dinge sind, sondern nur deren Abbild im Geiste, eine Widerspiegelung also. Die Dinge gäbe es demnach noch einmal „richtig“, jenseits der Gedanken.

Doch, wie könnte jemals etwas „Richtiges“ ausgesagt werden, über die Dinge, wenn man doch dazu nur die Gedanken hat, die erklärtermaßen von den Dingen abweichen? Selbst wenn man irgendein Ding genauestens untersucht und zu noch so vielen Schlüssen gelangt … was man im Geist bewegt kann doch nach diesem Weltbild immer nur eine unvollkommene Widerspiegelung sein, nie das Ding „an sich“. Das Ding „an sich“ – also jenes Ding jenseits der Gedanken, von dem Immanuel Kant fand, es sei nicht beschreibbar, wenngleich es wohl vorhanden sein müsse.

Am Ende muss man fragen: „Gibt“ es die Dinge überhaupt, jenseits des Denkens?

Es ist das Wesen der materialistischen Weltanschauung zu sagen, dass die Dinge jenseits des Geistes, getrennt von ihm existieren; sie sagt auf die gestellte Frage: „selbstverständlich!“

Es ist hingegen das Wesen der spirealistischen Weltanschauung, die gestellte Frage zu verneinen. Sie sagt: Die materialistische Vorstellung von Existenz ist falsch. Die Dinge und das Denken an die Dinge sind nicht zweierlei.

Was gegen die materialistische Anschauung spricht

Wir finden nirgendwo einen Beweis für die existierende Außenwelt

In diesem Blog oft genug angeführt wurde (so dass ich es nicht wiederholen möchte) die vergebliche Suche nach dem Ding „an sich“. Also das Begreifen dieses legendären Dinges, das außerhalb des Bewusstseins liegen soll. Um dessen eigentliche Existenz zu begreifen, hätten wir aber wiederum „nur“ das Bewusstsein – also die Gedanken.

Der Versuch, das Ding „an sich“ (exemplarisch verstanden, als die von uns getrennte Außenwelt) zu begreifen, scheitert.  Weil dieser Versuch scheitert, darf man sagen, dass wir die Existenz einer vom Geist getrennten materiellen Außenwelt nur annehmen.

Aber – eigentlich nehmen wir sie nicht nur an, wir setzen sie voraus. Als fundamentalste Basis unseres Denkens steckt diese Annahme in der Sprache und im Denken.

Sinnesorgane als Grund für Materialismus – Umkehr der Kausalität

Problem: Es scheint geradezu absurd, zu behaupten, die Dinge seien nicht „da“ – wozu sind dann wohl die Sinnesorgane da, die uns von den Dingen doch erst Kunde geben?

Gegenfrage: Wenn die Dinge nicht so „da“ sind, wie wir vermuten, warum sollte dann für die Sinnesorgane etwas anderes gelten? Warum sollten sie „da“ sein? Auch sie müssten doch Elemente des Geistes sein, wenn wir von den Dingen reden, und der eigentlich unumgänglichen Tatsache, dass die Dinge im Geist existieren. Schließlich sind Mund, Nase, Ohren auch solche Dinge, nach denen wir in der Eingangsfrage fragten.

Die wissenschaftlichen Untersuchungen der Sinnesorgane lassen nicht den Schluss zu, dass die Sinnesorgane ein objektives Bild einer Außenwelt zeichnen

Es ist eigentlich sehr banal, muss aber dennoch in die Erinnerung zurückgebracht werden:  – die Sinnesorgane haben keinen „direkten Draht“ zu den Dingen.

Dass sie etwas abbilden ist die materialistische Sicht. Aber auch demnach würden sie ja nur ein Bild liefern – ein Zerrbild. Denn das Bild und das abzubildende Ding sind wiederum zweierlei.

Umso erstaunlicher für die materialistische Wissenschaft festzustellen, dass das Auge z.B. keine objektiven Farben im Außen vorfindet, sondern diese werden im Denken konstruiert. Als Phantasieprodukt helfen die Farben sozusagen, die Dinge zu unterscheiden, die das geistige Auge „sieht“.

Und beim Hören beispielsweise kommen die Dinge ja nicht zu uns, indem wir von ihnen hören, sondern wir hören andere Menschen über Dinge sprechen, und dann sind die Dinge ja ebenfalls „bei uns“ … also im Geiste. Auch das ist offenbar ein Weg, Dinge wahrzunehmen.

Das Untersuchen von Dingen ist das Erschaffen anderer Dinge

Unsere Methode, die Dinge zu untersuchen ist nicht, dass wir die Dinge in ihrer Gesamtheit besser begreifen.

Bei einem Motor, den wir selbst erschufen, folgt das Zerlegen in seine Teile nach unserer Logik. Aber bei den natürlichen Dingen ist unsere Methode ebenfalls das Zerlegen der Dinge in wieder andere Dinge. So, als wäre auch das ein Motor, den wir selbst erst kurz vorher zusammengebaut haben. Doch – verstehen wir die Kausalität der Natur, oder nur unsere eigene? Wie kommen wir darauf, wir würden überall unsere Vorstellung von Kausalität wiederfinden? Wie kommen wir darauf, dass wir die Gedanken der Natur mit der materialistischen Wissenschaft nachvollziehen?

Nein, wir vollziehen nicht nach, wir erschaffen – auch hier!

Wir erschaffen Dinge, die es im eigentlichen Sinn gar nicht „geben“ kann. Man denke an das Atom, das, wie früher vermutet, „letzte Ding“, vielleicht sogar Ding „an sich“. Früher dachte man, dass hier die Kette aller kausalen Zusammenhänge enden müsse.

Weiterlesen:  ‚Kausalität – was ist das? Über das „Warum“ in der Natur.‘

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Naturwissenschaftliche Erkenntnisse sind Teil der Schöpfung, nicht ihre Widerspiegelung.
Naturwissenschaftliche Erkenntnisse sind Teil der Schöpfung, nicht ihre Widerspiegelung.

Und so wurde das Atom gefunden (erfunden). Es ist ein assoziatives Gesetz, dass wir immer finden was wir suchen. Das gilt auch für das so apostrophierte Außen. Man kennt dieses Gesetz aus der spirituellen Welt als Gesetz der Anziehung. Paul Watzlawick formulierte es so:

„Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel.“

Der letzte Beweis für all unsere Theorien ist, dass sie sich aufeinander beziehen und, miteinander kombiniert, irgendwie funktionieren. Aber sie funktionieren nur miteinander, weil sie sich untereinander grundlegend unterscheiden. Im Grunde sind Chemie, Physik, Biologie verschiedene Weltanschauungen, die eigentlich nicht zusammenpassen, und deshalb den Wunsch nach einer Weltformel laut werden lassen.

Jedenfalls aber beweist keine unserer Theorien die Existenz von Dingen „an sich“, oder sagen wir: die Existenz einer Außenwelt, die unabhängig von uns wäre. 

Umgekehrt ist es so, dass gerade Wissenschaftler in der Teilchenphysik die größten Zweifel daran haben, dass ihre Vorstellungen von den Dingen (Teilchen) und die „tatsächlichen Dinge“ etwas miteinander zu tun haben. Denn das, was sie am aller notwendigsten zu finden hoffen, nämlich das letzte greifbare Teilchen, finden sie nicht.  Statt dessen finden sie, was ihnen weltanschaulich nicht gelegen kommt: Wahrscheinlichkeit. Ich beschrieb das in „Alles ist Geist„.

„Das Denken erschafft“ – eine Erfahrung, die jedem zugänglich ist

Ebenso beschrieb ich dort die für mich ganz persönlich zuerst verblüffende Tatsache, dass wir Dinge im Denken erschaffen können – die dann für uns „da“ sind, so als wären sie schon immer „da“ gewesen, und eigentlich nicht wegzudenken. Jeder kann diese Erfahrung an sich selbst machen. Der unmittelbarste Weg diese Erfahrung zu machen ist, Glauben zu suchen und ihn zu erlangen.

Lesen Sie auch:  ‚Glaube Liebe Hoffnung – ohne Glauben geht nichts‘

Aber man kann das auch in einem ganz allgemeinen Sinn überlegen, wenn man bedenkt, dass die allermeisten Begriffe, von denen wir ständig reden, ja nicht in eigentlichen Sinne „da“ sind. Man denke einfach an die Vergangenheit und die Zukunft, an Grenzen, an die Liebe,  an die Zahlen 1,2,3, etc… Oder man denke auch an das Atom. Im eigentlichen Sinne „da“ ist es nicht. Niemand hat es je gesehen, niemand kann es wiegen. Wie gesagt haben insbesondere Atomphysiker starke Zweifel an seinem (Vorhanden-)Sein.

Welche Notwendigkeit gibt es für Materialismus?

Der Kerngedanke des Materialismus ist: Hier ist Geist (der Mensch), dort Materie. Geist beobachtet Materie. Materie als der Inbegriff einer vom Menschen getrennten Außenwelt.

Aber: Welche Notwendigkeit gibt es, dass man an eine vom Menschen getrennte Außenwelt glauben muss?

Der Spirealismus sagt: Keine. 

Das Wort „Glaube“ versteht der Materialismus falsch. Unser Wissen ist selbst ein Glaube. Was wir von der Welt kennen basiert auf Glaube. Warum? Weil sich Wissen letztlich an keinem objektiven Ding, an keinem Ding „an sich“, beweisen kann. Somit ist Wissen jeglicher Art, und sei es das aller-wissenschaftlichste Wissen, auf Fragen zurückgeworfen wie: Wo findet man nun das Ding an sich? Wo ist das Atom? Man kann es nicht selbst, sondern nur Spuren davon in Nebelkammern beobachten … Dies ist ähnlich der Frage, mit der man Gläubige oft konfrontiert: Wo findest du Gott – hinter welcher (Phantasie-)Wolke verbirgt er sich?

Das Atom findet man nicht selbst, sondern nur Spuren in Nebelkammern. Was beobachtet man da? Es sind Spuren von Theorien, die man beobachtet. Einstein bemerkte einmal, es bestimme erst die Theorie, was man beobachten könne.

Die Antwort auf die Fragen „Wo findest du das Atom?“ und auch „Wo findest du Gott?“ ist jeweils: Im Geist. In den Gedanken.

Der Spirealismus löst sich vom Glauben

So gesehen löst sich der Spirealismus von einem Glauben, und zwar von dem Glauben des Materialismus.

Der Spirealismus sagt zwar nicht, wir kämen ohne Glauben aus (oder sollte ich sagen „Wissen“?). Aber wir haben doch, wenn wir den Glauben als solches erkennen, ein besseres Verständnis dafür, dass die Welt im Geiste liegt, und dass es durchaus (auch) an uns ist, die Welt im Geiste zu formen.

Wir können an vieles glauben – ebenso vielfältig kann im Prinzip auch das wissenschaftliche Wissen sein. Dass es nur ein „richtiges Wissen“ gäbe, und nur eines geben könne, ist Folklore. Diese Aussage basiert auf der Annahme, es gäbe auch nur ein richtiges Außen (Materie), das der Geist beobachten würde …. dies ist aber „nur“ ein Glaube – dieser spezifische Glaube gehört zum materialistischen Weltbild.

Es gibt ein Problem: der materialistische Glaube ist so fest verwurzelt in unserer Sprache, in unseren Vorstellungen, dass es (fast!) unmöglich ist, jenseits dieses Glaubens zu denken. Aber das ist ja das Wesen jeden festen Glaubens. Der Spirealismus jedenfalls hängt diesem Glauben nicht an.

Thema: Artikel ‚Spirituelles Erwachen – Chance für die Menschheit‘

 

Sind die Gedanken bei den Dingen? Ist das Denken von den Dingen gleich den Dingen? was last modified: Oktober 30th, 2016 by Henrik Geyer