Fraktale – Selbstähnlichkeit, die Dinge erschafft

 

Alles ist Geist. Dort, wo wir materielle Dinge des Außen sehen wollen, sind keine Dinge im materialistischen Sinn „vorhanden“.

Informationen erschaffen sich aus unserem „Blick auf die Dinge“, als Relation. Es sind keine Objekte vorhanden, von denen wir Informationen abrufen, sondern wir sind, indem wir schauen, Erschaffer der Objekte, die wir sehen – das kreative Element liegt in uns.

Küstenlänge Englands

Ein bekanntes Denkmodell legt dar, dass die Grenze eines Landes immer länger wird, je genauer man misst. Es ist unter dem Begriff „Englands Küste“ bekannt, (zumindest mir). Wohl deshalb, weil sich die Gestalt Englands vornehmlich an seiner Küste festmacht. Wie groß die Länge der Küste ist, ist ja nicht unerheblich, sondern ein wichtiges Maß seiner äußeren Gestalt. Warum aber wird die Länge größer, je genauer man misst? Man benötigt dafür ein wenig Phantasie: Wenn man um jeden Kieselstein der Küste herummisst, (was einem gewissenhaften Menschen lediglich wie eine wünschenswerte Genauigkeit erscheinen mag), wird sich die Küstenlänge vergrößern. Sie wird umso länger, je genauer man misst, und je kleiner die Steinchen werden, die man in die Messung einbezieht. Schließlich geht die Küstenlänge ins Unendliche, man stelle sich vor, man würde jedes Atom einbeziehen. Das Objekt „England“, und das ist das Erstaunliche, ist also nicht in Eindeutigkeit definiert, sondern seine Eigenschaften hängen, zum Beispiel in der Frage der Küstenlänge (aber auch jeder anderen), von unseren „Messungen“ ab. Von unserem Blick. Man stelle sich vor, es wäre irgendein anderes Objekt. Nicht England, sondern beispielsweise eine Kaffeetasse, um deren Rand-Atome man herum-messen würde.

Dass wir mit unseren Messungen die Informationen, die Dinge, erst erschaffen, ist ein Phänomen, von dem die Wissenschaft bisher glaubt, dergleichen sei nur in der Quantenphysik zu beobachten. Dort wird es mit den Worten beschrieben, dass sich kleinste Teilchen erst dann über ihre Eigenschaften „klar werden“, oder sich zwischen Zustand A oder Zustand B „entscheiden“, wenn man misst. Wenn man schaut ….

Doch eigentlich handelt es sich nicht um ein quantenphysikalisches, oder mathematisches Problem, sondern um ein weltanschauliches, um ein philosophisches Problem. Es geht nicht um die Frage, wie man Eins und Eins zusammenrechnet, und sei es schließlich in noch so komplizierten Formeln (dem Materialisten umso glaubwürdiger, je weniger allgemein-verständlich es ist), sondern wie man Eins sieht. Eins, verstanden als „das Objekt“. Eins, verstanden als „der Gegenstand“ vor unserer Nase. Denn vor aller Mathematik kommt erst einmal dieses Verständnis: Was ist ein Objekt (die Eins)?

Dass wir die Erschaffer der Information sein könnten, kommt uns, gefangen in der materialistischen Sichtweise, nicht in den Sinn. Die Selbstverständlichkeit dessen ist hingegen das Grundprinzip des Spirealismus, der sagt, der Mensch sei nicht Beobachter der Schöpfung, sondern Element der Schöpfung.

Fraktale

Fraktale sind Rechner-erstellte Bilder, die auf einfachen Formeln beruhen, die immer wieder auf sich selbst angewendet werden. Fraktale Formen findet man überall in der Natur. Je weiter man den Begriff der Selbstähnlichkeit fasst, was der Spirealismus tut, desto öfter, schließlich überall.

Interessanterweise habe ich auf der Wikipedia-Seite zu Fraktalen folgende Formulierung gefunden, mit Bezug zum erwähnten Küstenlängen-Phänomen. Zitat:

 

Weit verbreitet sind fraktale Strukturen ohne strenge, aber mit statistischer Selbstähnlichkeit. Dazu zählen beispielsweise Bäume, Blutgefäße, Flusssysteme und Küstenlinien. Im Fall der Küstenlinie ergibt sich als Konsequenz die Unmöglichkeit einer exakten Bestimmung der Küstenlänge: Je genauer man die Feinheiten des Küstenverlaufes misst, umso größer ist die Länge, die man erhält. Im Falle eines mathematischen Fraktals, wie beispielsweise der Kochkurve, wäre sie unbegrenzt.

 

Ich muss folgendes ergänzen, damit die Verbindung der beiden Phänomene, also Küste Englands und Fraktale deutlicher wird: In mein Buch Alles ist Geist habe ich das Küste-Englands-Phänomen aufgenommen. Und Fraktale sah ich schon eine geraume Weile als ein gutes Modell der Weltentstehung – In der Titelzeile dieses Blogs ist daher ein Fraktalbild das Hintergrundbild. Fraktale sind mathematische Formeln, die, mit Selbstbezug angewendet, Formen ergeben, Bilder ergeben, die an Science-Fiction-Welten erinnern. Nach meiner Auffassung kommt unsere Welt ja nicht mit einer bestimmten Notwendigkeit zu Stande .. Das heißt, hätten wir eine andere Welt vor uns, beispielsweise eine fraktale Science-Fiction-Welt, wäre diese uns ebenso selbstverständlich wie jene, die uns tatsächlich vor Augen steht. So, wie den Menschen ja immer schon die Welt, in die sie geworfen waren, selbstverständlich war, welche auch immer das gewesen sein mochte.

Im oben zitierten Wikipedia-Eintrag werden nun beide Phänomene in einem Zusammenhang genannt, was für mich neu war. Aber, beide Phänomene zeigen sehr sinnfällig den erschaffenden Blick, um den es in diesem Beitrag ja geht. Was an beiden Phänomenen ebenfalls interessant ist: sie entstammen der seriösen Wissenschaft unserer Tage, d.h., man muss nicht mit der als subjektiv empfundenen Sichtweise eines Menschen argumentieren, sondern kann sich auf etwas sehr Anerkanntes beziehen.

Bezüglich der beiden Phänomene scheint zunächst ein Unterschied vorzuliegen … im einen Phänomen (England) geht es um die äußerliche Gestalt von etwas. Beim anderen (Fraktal) um einen Selbstbezug, der wunderschöne Formen erschafft, wie man sie aus der Kunst kennt, aber auch aus der Natur, und zwar scheinbar ohne menschlich-bewusstes Nachdenken. Aber es gibt auch eine Gemeinsamkeit. Bei beiden geht es um Formen, und deren Wandelbarkeit durch die Intensität des Schauens. Der intensive Blick, das genaue Nachmessen (England), das lange Rechnen an einem Fraktal, zoomen in die Wirklichkeit quasi hinein. Beim einen Phänomen (England) wird die Küsten-Länge umso größer, je genauer man schaut, beim anderen Phänomen wird die „Tiefe“ des Fraktals größer, man könnte auch sagen dessen „Raum“, je länger man berechnet. Denn man kann jede Strecke noch einmal teilen, egal wie klein sie schon ist. Wenn man die Fraktal-Formel wieder auf den „neu entstandenen“ Raum anwendet, ergeben sich neue Formen – nie die gleichen Formen, aber ähnliche. Man zoomt quasi in den Raum hinein – und erschafft ihn dabei!

Der Materialist wird vielleicht fragen: Was hat ein Fraktal und das Messen einer Küstenlänge mit dem Blick des Menschen zu tun?

Dem spirealistischen Denken ist es eigentlich fremd, hier große Unterscheidungen zu machen. Fraktalberechnungen sind nichts vom Menschen Unabhängiges, ebenso sind Messungen des Menschen nicht von diesem unabhängig. Im Grunde mutet es ziemlich merkwürdig an, jemanden („den Menschen“) Dinge tun zu sehen, oder über sich reden zu hören, und dann (von ihm, „dem Menschen“) zu erfahren, wie er redet und was er tut sei von ihm selbst unabhängig! Es ist eine Folge des spirealistischen Weltbildes, dass man diese Absurdität zu sehen beginnt. Nur das materialistische Weltbild will hier einen Grenzstrich ziehen, auf Grund seines Denkmodells, dem zufolge Denken und Dinge grundsätzlich verschieden wären – was letztlich nichts weiter ist, als eine mögliche Annahme.

Aber, ein wenig Achtsamkeit vorausgesetzt, können wir das Genannte an unseren Gedanken nachvollziehen. Man beobachte bei sich selbst, wie sich die Dinge im Bewusstsein vergrößern, wahrer und fester werden, einen immer größeren Platz beanspruchen, je genauer man über sie nachdenkt. Wie jeder Gedanke ähnliche Gedanken mit einer Art Zwanghaftigkeit nach sich zieht (Selbstähnlichkeit). Man beobachte, wie sich die gedanklichen Dinge aufteilen, in immer neue Aspekte, man muss nur über etwas sehr intensiv nachdenken. Sie werden nicht nur zu einer größer werdenden Summe von Einzelteilen des Ganzen, sondern gleichzeitig wandelt sich auch das Ganze in seiner äußerlich begriffenen Gestalt .. Das ist das Wunder der Schöpfung.

So, wie man jede Strecke, und sei sie noch so klein, noch einmal teilen kann, kann man jedes gedankliche Ding noch einmal genauer durchdenken, egal, wie genau man es vorher schon vor Augen hatte. Und man kommt zu immer neuen Aspekten. Die Gedanken drehen sich nie einfach im Kreis, sondern man hat den Eindruck, als würde man in immer neue gedankliche Tiefen vorstoßen. So wie bei der Küstenlänge, so wie beim Fraktal.

Die Einschränkung des erschaffenden Prinzips auf Sonderfälle

Nun macht aber die Wikipedia-Seite die explizite Einschränkung, fraktale Strukturen seien in der Natur zu finden, aber nicht überall. Und das Küstenlängen-Phänomen sei auf Küstenlängen beschränkt.

Doch, wie gesagt, das ist nicht so. Unter dem Küstenlängen-Gesichtspunkt, also dem, dass die Gestalt einer Sache vom darauf fallenden Blick abhängt, kann man jedes Objekt, jede Grenze, jeden Umfang, jede Gestalt sehen. Also: jeden Planeten, jede Kaffeetasse, und auch jeden Menschen.

Das Gleiche gilt für Fraktale, also die Selbstähnlichkeit der Dinge, die allein aus dem Prinzip des ständigen Selbstbezuges sinnfällige Muster erzeugt …

Man kann unter diesem Gesichtspunkt die Eigenschaften jedes Gedankens sehen. Wird ein Objekt unserer Anschauung, egal, um was es sich handelt, egal ob nun Phänomen oder Noumenon (also egal ob nun gedachtes oder „vorhandenes“ Objekt), nicht immer größer, je genauer wir gedanklich darauf schauen, je mehr wir darüber nachdenken? Man denke daran, wie Vorstellungen von etwas Unheimliches zu realem Schrecken werden können, wenn man viel daran denkt. Wie man sich auf eine Liebe fixieren kann, so dass das Leben ohne diese Liebe unmöglich zu werden beginnt. Wie Neurosen  entstehen, durch die Fixierung auf nicht funktionierende Gedankengerüste … Wie überhaupt dieses An-etwas-Denken, dieses Sich-auf-etwas-Konzentrieren, der Schlüssel zum individuellen Leben ist  …

Und, zur Frage der Selbstähnlichkeit: Weisen unsere Gedanken nicht per se die Eigenschaft der Selbstähnlichkeit auf, indem wir nichts erfassen können, das uns wirklich fremd wäre, weil wir alles, was uns geschieht, doch nur innerhalb der Begriffe sehen können, die bereits in uns sind? 

Was man beobachten kann (das Neue) hängt von den Begriffen ab, mit denen wir an die Beobachtung herangehen (das Alte). Ob das nun in der Quantenphysik geschieht, oder in der Beurteilung eines Menschen, oder, wenn die besagte Kaffeetasse vor uns steht.

Erst die Theorie entscheidet darüber, was man beobachten kann.

Albert Einstein

* 14. März 1879 in Ulm; † 18. April 1955 in Princeton, New Jersey

(Ich betone, dass man die Eigenschaften eines Gedankens unter diesem Gesichtspunkt sehen kann, weil dem Spirealismus die Objekte gleich dem Gedanken an Objekte sind. Der Materialismus hingegen sieht hier eine strenge Trennung: dort die Objekte, hier die Gedanken an Objekte. Hier Geist im Menschen, dort Nicht-Geist, also feste Materie)

 

Ebensowenig sind die Phänomene der Quantenphysik nur auf die Quantenphysik beschränkt – es sind Phänomene, die jeder sehen kann, und zwar im Alltag! Siehe auch: Schrödingers Katze und ein Knacken im Wald

Es ist eine Frage der „Anschauung der Dinge“, und nicht eine Frage die sich eingrenzen lässt als kuriose Sondertatsache exotischer wissenschaftlicher Bereiche. Fraktale, aber auch Phänomene aus dem „ganz normalen Leben“, verraten viel mehr über uns selbst, und unseren (erschaffenden) Blick auf die Welt den wir Wahrnehmung nennen, als dass sie uns nur Auskunft gäben über mathematische Merkwürdigkeiten oder Statistik. Man muss nur die Augen aufmachen. Und die Brille der Gewohnheit abnehmen.

 

Fraktale – Selbstähnlichkeit, die Dinge erschafft was last modified: Dezember 20th, 2017 by Henrik Geyer