Du bist nicht eins mit der Welt

Du bist nicht eins mit der Welt – und musst es auch nicht sein.

Die Welt – das sind Viele und Vieles. Vieles, das sich unterscheidet, so wie du dich unterscheidest von allem anderen. Das ist das kosmische Grundgesetz: Das Eine kann nicht das Andere sein. Das Eine kann nicht ohne das Andere sein.

Das Eine kann nicht das Andere sein bedeutet, dass es nicht zwei gäbe, wenn alles gleich wäre.

Und, das Eine kann auch nicht ohne das Andere sein, aus demselben Grund: sonst könnte es nicht zwei Dinge geben. Das Eine definiert das Andere. Ohne Zwei keine Eins, ohne Eins keine Zwei.

Übereinstimmung zu suchen ist eine Sache. Aber, Grenzen zu definieren ist die andere Sache – beides gehört zusammen. Die eine Seite des Prinzips ist nicht besser oder schlechter als die andere.

Viele Menschen suchen die Einheit. Sie wollen unbedingt passen, sie wollen übereinstimmen, sie wollen Gleichheit und Einheit mit der Welt. Es gibt für diese Einheit viele schöne Worte und Namen. Worte, die zu Ideologien wurden, und zum Unglück für Viele. Denn sie hörten auf, an sich zu denken und daran, dass sie immer noch ganz eigene Gedanken haben. Dass sie ganz eigene Gedanken haben dürfen, und ganz eigene Gedanken haben müssen.

Viele Menschen leiden sehr darunter, dass sie einfach nicht zu dem passen können, was sie für die eine und einzige Realität halten. Und dass, aus ihrer Sicht, umgekehrt, vieles Äußerliche einfach nicht passen will, nicht dazugehören will. Dass sich das Viele der Einheit(lichkeit) entzieht, die ihnen doch als das einzig Vernünftige erscheint. Warum ist das so? Wieder: weil es nicht anders kann – das Viele muss verschieden sein! Wo oder was wäre sonst die Welt?

Wenn du das kosmische Prinzip verstehst, dann ist der (schöne?) Traum von der Einheit der Welt dahin. Dafür aber verspürst du etwas Besseres und viel Stärkeres: Ein Verständnis für die kosmische Ordnung. Wenn du die Einheit in Gott suchst – das ist sie; sie liegt in deiner Individualität. Wenn du die Verbindung zum Unendlichen suchst – das ist sie; sie liegt in deiner Endlichkeit.

Das ist die Einheit die du wirklich suchst, sie liegt in diesem Verständnis.

Du bist nicht eins mit der Welt was last modified: Januar 27th, 2018 by Henrik Geyer