Dort bin ich nicht

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Die zur Wahrheit wandern, wandern allein. Christian Morgenstern

„I am not there“ ist der Titel eines Films über das Leben Bob Dylans. Bemerkenswert die Technik, 6 verschiedene Schauspieler den Musiker Bob Dylan spielen zu lassen, darunter einen schwarzen Jungen, eine Frau (Cate Blanchett), und andere.

Der Film verlangt der Phantasie des Zuschauers einiges ab. Es ist keine geradlinige Erzählung eines Lebens. Musik mischt sich mit Träumen, Episoden und einfach Erfundenem. In einer Episode spielt Richard Gere einen Bob Dylan, der sich in die Film-Figur Billy the Kid verwandelt hat („Pat Garrett jagd Billy the Kid“ ist ein Film, in dem Bob Dylan 1973 tatsächlich eine Nebenrolle hatte, und dem er den Song „Knocking on Heavens Door“ beisteuerte).

Von Bob Dylan stammt der Ausspruch, er könne am Morgen als eine Person aufstehen und am Abend als eine andere Person zu Bett gehen. Er ist ein Rastloser, der, ähnlich wie C.G. Jung schreibt, auf „der Suche nach seiner Beziehung zum Unendlichen“ zu sein scheint. Insofern kann er nicht zustimmen, etwas Bestimmtes sein zu sollen, sich festlegen zu lassen, was Viele gern möchten (die Medien, Fans…). Sie sehen ihn z.B. als einen Sprecher für eine Bewegung, als einen Propheten, halten ihn für einen Philosophen, oder eine Ikone der Sechziger. Seine Grundaussage scheint hingegen beständig zu sein: „Dort bin ich nicht“, „Das bin ich nicht“, „Es ist anders als es scheint“, „..das ist deine Interpretation“.

Bob Dylan jedenfalls legt sich selten fest. Die Aussagen seiner Songs erklärt er nicht – hat keine Erklärung. Stattdessen lässt er den Interpretationen seiner Zuhörer Raum. Er fordert auf, den Sinn selbst zu finden, selbst Sucher zu sein.

Sein Song „Ballad of a Thin Man“ (Teil des Film-Soundtracks von „I am not there“)  ist ein klassisches Beispiel für die gewollte Unschärfe und Interpretierbarkeit gerade der Dylan-Songs – das gilt aber natürlich auch für viele bekannte Kunst-Werke, wie Gemälde, Theater, Film etc..

Der im Titel genannte „dünne Mann“ ist ein Mr. Jones, der sehr gern seine Welt verstehen will. Jedoch hat er ständig absurd scheinende Begegnungen mit rätselhaften Menschen. Mr. Jones scheint ein konventioneller Mensch zu sein, der (natürlich!) festhalten möchte am Gerüst seiner Normalität „..er kam in den Raum, mit einem Bleistift in der Hand“. Mr. Jones ist in der Welt der Professoren zu Hause, tauscht sich mit gescheiten Anwälten aus, liest die richtigen Bücher. Er macht also alles „richtig“.

Dennoch lassen ihn die skurrilen Begegnungen, die er in der Realität hat, die mangelnden Antworten darauf, an der Gültigkeit des ihm Bekannten – des für ihn Normalen zweifeln.

Hat Bob Dylan Antworten? Seine Antwort ist: „So wie du denkst, ist es jedenfalls nicht. Es gibt noch etwas anderes.“

Lesen Sie auch: Macht euch bereit für die göttliche Kraft

Weiterlesen: Beitrag Byron Katie – The Work

Lesen Sie auch: Martin Eden – die negative Seite der Erkenntnis

Dort bin ich nicht was last modified: Mai 3rd, 2016 by Henrik Geyer