Diskussionen über Spirealismus

Spirealismus, was will er?

Von Zeit zu Zeit werde ich gefragt, ob der Spirealismus ein Idealismus ist, oder Konstruktivismus ist, oder, oder. Es besteht immer die Neigung, durch ein Wort alle möglichen Inhalte, Vor-und Nachsätze, zu schlussfolgern, ohne sich weiter mit einer Aussage auseinanderzusetzen zu müssen.

Ich muss da enttäuschen; ich sage nichts anderes, als das, was in meinen Büchern steht. Man muss es eben lesen.

Ich bin kein Philosophietheoretiker, der versuchen würde große Philosophen zu widerlegen oder ihre Wahrhaftigkeit unter Beweis zu stellen – das wäre schon wieder eine eigene Lebensaufgabe. Der Spirealismus steht für nichts anderes als sich selbst, und soll das auch.

Der Spirealismus ist der Versuch, die Welt fundamental anders zu sehen, als durch materialistische Augen … um das zu erreichen habe ich seine Denksystematik bewusst unabhängig konzipiert, wollte gerade nicht eine Ausprägung eines Idealismus erschaffen oder dergleichen. Meine Absicht war den Materialismus zu besprechen, nicht wie dieser oder jener Philosoph ihn verstand, sondern wie er in der Gesellschaft in seiner grundlegendsten Form verbreitet ist – als die Annahme wir beobachteten etwas außerhalb von uns. So, schließlich, hatte auch ich die Welt begriffen, bis ich schließlich verstand, dass das nicht stimmen kann.

Spirealismus resultierte aus einer recht einzigartigen Erfahrung, die ich machen durfte: Unser Denken ist die Realität. Die Realität gibt es nicht noch einmal „extra“. Und das wollte ich weitergeben. In den folgenden Jahren habe ich versucht, die Folgerungen dieses Ansatzes zu durchdenken, sie konsequent zu denken und wollte mich nicht von allen möglichen Denkbedingungen behindern lassen, die ausgesprochen oder unausgesprochen existieren. Es war meine Absicht all das möglichst verständlich aufzuschreiben, um der philosophischen Literatur etwas Lesbares hinzufügen, keine weitere streng theoretische Abhandlung, die zwar irgendwie interessant ist, aber nicht begriffen wird.

Ich sage „möglichst verständlich aufzuschreiben“, denn, wer meine Bücher kennt, der weiß vielleicht, dass ich die Sprache selbst für das Mittel und Werkzeug einer ganz bestimmten Sichtweise (die materialistische) halte. Daher ist es so schwierig, die materialistische Sichtweise zu verlassen und es ist, trotz allen Bemühens, wohl recht schwierig, den Spirealismus zu verstehen, denn er sägt sozusagen am den Wurzeln der fundamentalsten Begriffe. Und wenn ich mich nun daran mache, den Materialismus aus seiner ureigensten Domäne zu verdrängen, indem ich mich seiner Mittel bediene, der Sprache nämlich, der materialistischen Worte, so ist das zumindest schwierig. Wie könnte man argumentieren ohne die Worte der Sprache dabei zu verwenden? Nicht umsonst gab und gibt es große Geister, sicherlich größere als mich, die sich an der Aufgabe des schlüssigen Durchdenkens dieses Ansatzes versuchten – und entweder scheiterten, oder dem Publikum weithin unverständlich blieben und bleiben. Ich glaube, viele, die eine ähnliche Erfahrung machen, und zu ähnlichen Schlüssen gelangen wie ich, verfallen in ein Schweigen, ziehen sich zurück, was ich als eine eigentlich verständliche Haltung ansehe.

Aber ich hatte mir nun einmal in den Kopf gesetzt, den spirealistischen Ansatz so systematisch wie möglich aufzuschreiben. Ich halte Spirealismus für eine überaus wichtige und fundamentale weltanschauliche Weiterentwicklung, die nach meinem Dafürhalten den Menschen ganz neue Möglichkeiten eröffnet. Das ist mir Antrieb, wenn auch gerade der Spirealismus mir sagt, dass es keine Weltanschauung gibt, die mit irgendeiner Notwendigkeit verstanden werden muss, oder die in der jetzigen Zeit Verbreitung finden muss. Sondern Spirealismus sagt im Gegenteil, dass jede Wahrheit, die der Mensch (per Mehrheitsdenken) für sich (er-)findet, seine Welt formt, und ihm immer so vorkommen muss, wie die eine von ihm stets erwartete und erschaffene Wahrheit – die einzige die es geben kann.

So gesehen ist der Spirealismus ein Angebot, Antworten zu finden für jene Suchenden, so wie ich einer war und bin. Ich halte Spiritualität für überaus wichtig um Spirealismus zu verstehen – Spiritualität ist vor allem ein Suchen im Geiste.

Oft ist es zwecklos und unerfreulich, spirealistische Themen mit hartgesottenen Materialisten zu erörtern- mit Materialisten meine ich Nicht-Suchende – sie wissen bereits, fragen sich nichts. Denn sie glauben an das Objektive, das ist der Kern des Materialismus. Somit können damit durchaus auch solche gemeint sein, die sich selbst als spirituell, idealistisch, religiös sehen. Das Objektive sehen sie in sich selbst am besten vertreten, es wird in ihnen unerbittliche Rechthaberei, während sie vom unerschütterlichen Glauben reden, so wie der materialistische Wissenschaftler von unerschütterlichem Wissen. Der materialistische Glaube ist so stark, dass die Gläubigen ihn mit Inbrunst verteidigen müssen; den Angriff darauf empfinden sie wie einen Angriff auf sich selbst, wenn man allein schon von Denkgrenzen spricht … Wie jeder „religiöse“ Eifer verschließt auch Materialismus Augen und Ohren.

Gemeinsamkeiten sehe ich eher mit jenen, die wirkliche Spiritualität denken und leben, indem sie alles für möglich halten und eine rege Phantasie pflegen. Denn unsere Welten kommen daher, aus der Phantasie.

Ist Spirealismus ein Idealismus?

Ich möchte das oben Gesagte illustrieren – daher noch einmal zum Idealismus. Im Begriff des Idealismus vermischt sich so vieles, dass Idealismus als Mittel der Charakterisierung schon im Ansatz wenig taugt. Eins meiner Bücher heißt „Alles ist Geist“, und es liegt der Gedanke nahe, und so werde ich wie gesagt manchmal gefragt, ob es sich bei dem darin zu Findenden um einen Idealismus handele. Irgendwie, ganz läppisch betrachtet, mag das so sein. Doch hier gilt es, das Allerwichtigste genau zu betrachten. Während Idealismus gemeinhin darauf hinausläuft, eine geistige Macht, eine Idee, einen Gott, als den Erschaffer der Welt zu denken, hat der Spirealismus eine andere Seins-Auffassung. Und das ist ganz wichtig – geradezu ein Rubikon für jedes daraus folgende Denken. „Die“ Welt (in der Einzahl) gibt es nicht. Die Welt ist nicht erschaffen worden, und sie existiert nicht in der von uns vorgestellten Weise, also in einem Außen, in Raum und Zeit. Raum und Zeit sind Vorstellungen, die unsere Welt entfalten, aber sie sind eine Möglichkeit, keine Unbedingtheit. Es gibt nur einen einzigen wahrnehmbaren Zeitpunkt des Welt-Entstehens, und dieser Zeitpunkt ist das immerwährende Jetzt. Das Mittel dieses Entstehens sind unter anderem wir selbst. Der Ursprung des Entstehens ist uns unbekannt, und muss uns unbekannt sein. Denn wir Menschen sind Elemente der Schöpfung, nicht die Beobachter der Schöpfung. Wenn man den metaphysischen Ursprung der Welt(en) Gott nennen möchte, könnte man auch sagen: Wir sind nicht Gott und können es durch noch so viel Grübeln auch nicht werden.

Daher sehe ich den Spirealismus nicht als eine Form von Idealismus an. Ist er vielleicht ein Konstruktivismus?

Vielleicht schon eher, doch im Grunde trifft auch diese Zuordnung nicht. Auch hier wieder glaube ich dass gilt, was ich schon über Idealismus sagte. Wenn der Konstruktivismus richtig gedacht werden soll, muss er das Fundament des Materialismus verlassen. Wie könnte man den Konstruktivismus auf dem Fundament des Materialismus besprechen? Von der Warte des Materialismus aus muss Konstruktivismus, insofern er erklärt, dass „die Welt“ durch Kommunikation sozusagen konstruiert wird, lächerlich und falsch wirken.

 

Diskussionen über Spirealismus was last modified: November 9th, 2016 by Henrik Geyer