Die Welt gibt es nicht!

die Welt gibt es nicht: Der subjektive Blick auf die Welt

Worum geht es?

Die Welt gibt es nicht! …was für ein wunderbarer Titel. Es ist die Aussage mancher zeitgemäßer Philosophie. Aber, warum soll es die Welt nicht geben? Wie kommt man überhaupt darauf?

Man kommt auf diese Frage, wenn man sich beispielsweise vorstellt, dass unser Bewusstsein genauso gut abgekapselt, in einem Computergehirn existieren könnte, oder als ein in einem Wasserbad schwimmendes Gehirn. Da das durchaus möglich wäre (und die Herstellung künstlicher Intelligenz wird uns das umso mehr verdeutlichen), stellt sich die Frage, ob denn „die Welt“ nicht eine Art Täuschung sein könnte, gemacht, um uns eine Kulisse zu bieten, so wie sie sich eine uns übergeordnete Intelligenz ausdenkt.

Dieselbe Frage, was eigentlich die Realität ist, hatte sich der Vordenker des Surrealismus, Andre Breton, übrigens auch gestellt. Im ersten Weltkrieg lernte er in einem Lazarett einen traumatisierten Soldaten kennen, der den Krieg als eine erfundene Kulisse ansah, gemacht, um ihn zu täuschen.

Man muss also offenbar nicht die modernste Technik bemühen, um sich, durchaus berechtigt, die Frage zu stellen, ob denn die Welt vielleicht gar nicht „richtig“ existiert, sondern vielleicht nur ausgedacht, oder nur vorgetäuscht ist.

Übrigens geht die jahrtausendealte Frage des Zhuang Zhou: „Bin ich ein Schmetterling, der träumt, ein Mensch zu sein, oder bin ich ein Mensch, der träumt, ein Schmetterling zu sein? “ in genau dieselbe Richtung.

Die Frage geht aus von der Feststellung, dass alles Begreifen der Welt durch die Sinne erfolgt. Und die Sinne sind nirgendwo angekoppelt an eine feststellbare Objektivität – oder bildlich gesprochen – sie haben kein eindeutig determiniertes „Kabel“ zu einer Außenwelt.

Wenn wir nun einmal die Welt vor uns sehen.. das beweist doch ihre Existenz?

Der Existenzialismus dreht die Sichtweise um. Er fragt nicht , was die Dinge sind, die wir sehen, sondern er sieht den individuellen Blick als die ursprüngliche Existenz. Die Existenz liegt in dem Blick, mit dem wir die Welt sehen, nicht in der Welt…

Der Materialist, der gelernt hat, dass die Materie im Außen existiert, und dass es die Materie ist, die wir beobachten,  kann sich allein schon den Sinngehalt der Frage nicht erklären. Sie kommt ihm sinnlos vor. Wenn wir nicht Materie „beobachten“ – was „beobachten“ wir dann? Und wozu sollte man die Frage überhaupt stellen?

Die Welt gibt es nicht!

Man sollte die Frage stellen, weil die Notwendigkeit einer definierten Außenwelt, die wir nur beobachten, nicht existiert. Wie gesagt: eine irgendwo feststellbare Objektivität gibt es nicht. Welche Notwendigkeit jenseits der Denkgewohnheit der vom Geist getrennten Außenwelt gibt es also?

Es handelt sich sich bei der Frage auch nicht um eine (eigentlich) überflüssige philosophische Volte. Sondern um das Fundament unseres Denkens.

Der Spirealismus schließlich geht von der Tatsache der nicht existierenden Objektivität aus – es ist ihm Denkvoraussetzung.  Die Antwort des Spirealismus auf die Frage „Wenn wir nicht Materie „beobachten“ – was „beobachten“ wir dann?“ ist: Wir beobachten nicht – im gleichen Maße erschaffen wir auch. Was wir sehen sind Welten der Relation, in der wir selbst die Festlegungen sind. Denn tatsächlich muss der genau Überlegende feststellen, dass individuelle Sichtweise auf die Welt letztlich die einzige Sichtweise ist, die überhaupt zur Verfügung steht. Eine objektive Sichtweise lässt sich im Letzten nirgendwo finden – statt dessen „nur“ die subjektive Sichtweise von Individuen-Gruppen (im Spirealismus Supersubjektivität genannt).

Und, so gesehen, kann man nicht davon sprechen, wir würden eine Welt beobachten. „Die Welt“ gibt es nicht. Es gibt die Welten der subjektiven Wahrnehmung.

Die Welt gibt es nicht! was last modified: April 28th, 2016 by Henrik Geyer