Schrumpfung statt Endlos-Wachstum – logisch, jedoch unwillkommen

Der Club of Rome hat ein Expertenpapier vorgelegt, dem zufolge die Menschheit der Schrumpfung bedarf. Denn der immer weiter ansteigende Konsum sei letztlich nicht zu deckeln, ohne die Existenz des Menschen selbst auch einzuschränken. Der Club of Rome macht schließlich Vorschläge zur konkreten Umsetzung dieses Ziels.

Auch ich halte das für eine völlig logische Folgerung, schließlich ist es die allereinfachste Überlegung, die uns sagen muss, dass endloses Wachstum nicht möglich ist; mehr noch: endloses Wachstum ist selbstzerstörerisch. Ähnlich Krebs, der schließlich mit seinem Wirt untergeht, ist die Strafe der Grenzenlosigkeit stets der Untergang, welches System immer man anschaut.

Jedoch widerspricht es dem menschlichen Selbstverständnis und seiner ewigen Suche nach „mehr!“ – es erscheint ihm als das Natürlichste, sich durch immerwährendes Wachstum vor der Gefahr des Unterganges zu schützen – das gilt für der Einzelnen, wie auch für die Menschheit insgesamt. Jeder sehe sich selbst an: Ist Schrumpfung (z.B. der Bedürfnisse) eine Option? Daher muss man, wie ich fürchte, pessimistisch sein, dass die Menschheit selbstbestimmt, durch Einsicht in eine Notwendigkeit, einen Weg des Maßes und der Selbstbeschränkung gehen kann. Viel wahrscheinlicher erscheint es in diesem Moment, dass die Menschheit durch Katastrophen schrumpfen wird.

Das Statement des Club of Rome und die natürlich sofort einsetzende moralisierende Entrüstung, stehen für den Widerstreit zwischen kühler, sachgemäßer Logik, und der Aussage, der Mensch müsse immer weiter wachsen, dann werde schon alles gut.

So heißt es von den Verfechtern des Weiter-So!-Gedankens, die Erde könne 10 Milliarden Menschen tragen. So als sei es das allerhöchste Ziel, die Erde „voll“ zu bekommen. Einstein sagte einmal zu eben dieser Problematik, ein Maximum sei kein Optimum. Außerdem ist jede Zahl, die ein größtmögliches „Fassungsvermögen“ der Erde benennt, kein Argument gegen Begrenzung, sonder dafür. Die Frage bleibt also: wie soll Begrenzung erfolgen?

Weiterhin, so die Wachstums-Logik, helfe keine Maßnahme, die die Erde rette, aber das Wachstum der Menschheit begrenze, oder die Menschheit sogar schrumpfen lasse. Denn, was nütze die schönste Welt … ohne Menschen? Hierbei übersieht man natürlich, dass von „Menschenlosigkeit“ bei 7 Milliarden Menschen jetzt schon gar keine Rede sein kann. Und dass der eigentliche Sinn des Schrumpfens immer noch der Erhalt der Menschheit wäre, nicht ihre Auflösung.

Drittens ist eine übervölkerte Welt weniger lebenswert als eine Welt im Ausgleich – auch dies ein Aspekt des Einsteinschen „Ein Maximum ist kein Optimum“. Mehr noch aber meinte Einstein, dass sich der Mensch einer Illusion hingibt, wenn er meint, er kontrolliere die Folgen dessen, was aus ihm hervorgeht. Die Folgen des Endlos-Wachstums sind dem Menschen unabsehbar – und das zeigt sich ja auch schon. Was passiert, wenn die globale Temperatur ansteigt – wer weiß das? Wer weiß schon, welche Dynamik in Gang kommt, die z.B. zu Kriegen innerhalb der Menschheit führt oder bereits führte, oder vielleicht noch ganz ungeahnte klimatische Auswirkungen haben wird, etc..

Viertens schließlich, auch diesen Gedanken halten viele für überaus sinnhaft, ist das Wohl des Menschen eine Sache, aber der Erhalt der Schöpfung nicht weniger wichtig. Nur wenn man die Schöpfung und den Menschen gleichsetzt, kann man zu dem Gedanken gelangen, das Wohl des Menschen, verstanden als sein Wachstum, stünde über allem. Vielmehr habe der Mensch eine Verantwortung für die Schöpfung – auch die nicht-menschliche Schöpfung, also die Pflanzen- und Tierwelt. Aber die nicht-menschliche Schöpfung schrumpft in dem Maße, wie die menschliche Erdbevölkerung wächst.

 

Man darf jedenfalls gespannt sein auf den Fortgang dieser Diskussion, und ich bin mir sicher, dass wir zu dieser Frage in den kommenden Jahren und Jahrzehnten mehr und mehr zu hören bekommen werden, denn die mit der Überbevölkerung auftretenden Probleme kulminieren.

 

Schrumpfung statt Endlos-Wachstum – logisch, jedoch unwillkommen was last modified: September 16th, 2016 by Henrik Geyer