Philosoph auf verlorenem Posten

Neulich ergab sich beim Sonntagsfrühstück folgende Diskussion:

Der Kleinste, ein Junge von 2, nimmt neugierig ein Stück Zwiebel und leckt daran. Mama sagt warnend: „Au, Vorsicht, das ist scharf!“

Ich sage: „Zwiebel ist sehr empfehlenswert, die enthält haufenweise Vitamin C, ist frisch …“

Daraufhin meine Tochter (14): „Ich habe gehört, Melone hat auch ganz viel Vitamin C.“

Ich: „Das höre ich zum erstem Mal.“

Tochter stolz: „Tja, du hast ja auch ganz viel noch nicht gehört!“

Ich: „Ja, viel mehr als du.“

Töchting: „Dann sagst du doch, dass du viel mehr nicht gehört hast als ich. Also bin ja ich im Vorteil …“

Ich: „Ich bin älter, also habe ich viel mehr gehört als du. Aber ich habe auch viel mehr nicht gehört als du. Nun fragst du dich vielleicht, wie viel ich nicht gehört habe. Die Antwort ist: Man weiß es nicht. Man hört es ja nicht.“

Töchterchen verdreht die Augen. Sie sagt: „Wie öde! Immer diese Philosophie!“ Zur Mama: „Da lob ich mir unsere Frauengespräche!“

Mama nickt. Sie geben sich über dem Tisch die Hände zum High Five. „Frauenpower!“

Der Philosoph schweigt.

Philosoph auf verlorenem Posten was last modified: Oktober 5th, 2016 by Henrik Geyer