Nicht die Polizei hält die deutsche Gesellschaft zusammen

Nicht die Polizei ist es, die Deutschland zu einem Ort des (relativen) Friedens und des (relativen) Wohlstandes macht. Dass in Deutschland bisher (relativ) wenige Anschläge verübt wurden, liegt an einer bisher (relativ) homogenen Gesellschaft. Es liegt an den Menschen, die, ob sie das nun im Einzelnen so sehen oder nicht, ähnlichen Werten anhängen, im Großen und Ganzen jeden Tag ihrer Arbeit nachgehen, etc.. Die es für normal halten, Gesetze zu beachten. Es ist das, was manche sicherlich ungern hören: das sind die Werte der deutschen Kultur, denen auch letztlich sie selbst angehören, und die wertzuschätzen und zu schützen wir gut beraten wären, die jedoch wegzuwerfen und zu vergeuden ganz einfach ist.

Der Ruf nach Verbesserung der Leistungen der Polizei angesichts der zunehmenden und sich mehr und mehr verstetigenden Konflikte von Ausländergruppen innerhalb Deutschlands, ist naiv. Das ist in etwa so, als würden Kranke eine Verbesserung der Arztleistungen fordern, aber selbst nicht von ungesunden Gewohnheiten lassen wollen. Nicht die Polizei hält die deutsche Gesellschaft zusammen, ebenso wenig schenkt die Medizin Leben. Die Polizei kann helfen, die Medizin kann helfen, aber die grundlegende Kraft, die die Dinge beisammen hält, liegt woanders. Sie liegt in uns. Es ist eine geistige Disposition, wenn man so will ein Glaube, ein unausgesprochener Konsens … der Wille zur Ein- und Unterordnung; der Glaube, dass eine gemeinsame Ordnung wichtig ist, dass ein gemeinsames gesellschaftliches Wesen und Ziel wichtig ist (und nicht lediglich ein Gemeinsames innerhalb von Clan-Strukturen). Und natürlich, dass es überhaupt ein gemeinsames gesellschaftliches Wesen und Ziel gibt!

Dem entgegen wirkt die Überbetonung des Individuums, die letztendliche Verachtung der vorhandenen Ordnung, die zu Zerfahrenheit führt. „Deutsch“ hält man zu oft für ein Schimpfwort, dessen man nicht bezichtigt werden will; man möchte gerade das nicht sein, statt dessen lieber alles andere … Ganz ähnlich einem Lebensmüden, der sich selbst immer wieder fragt „Wer bin ich, und wozu bin ich eigentlich da?“, und der, zu keiner Antwort kommend, seines Selbst überdrüssig ist. Er möchte alles andere sein, als das, was er gerade ist, und ist am Ende: nicht mehr. Das ist eine Dekadenz, ein Sich-selbst-überdrüssig-Sein … Zitat Seneca: Die Dekadenz der Freiheit kündigt sich damit an, daß sie so lüstern wird sich auch ihren Feinden hinzugeben.

Der Zusammenhalt liegt in der Struktur der Gesellschaft; dieser Zusammenhalt und diese Ordnung sind weit fragiler, als es gemeinhin scheint. Die verantwortungslose Selbstverständlichkeit und dröge Happy-Harry-Attitüde mit der die Merkeladministration die Zusammensetzung der Gesellschaft im großen Stil ändert, kann nur erstaunen. Während Politiker in wohlfeilen Absichtserklärungen schwelgen, sie würden die selbsterschaffenen Probleme durch bessere Schutzwesten der Polizei und mehr Ordnungs-Personal lösen, wissen es die Verantwortlichen bei der Polizei besser: Die Justiz ist machtlos gegen die entstehenden und entstandenen Parallelgesellschaften.

Dass tiefgreifende und langfristige Probleme entstanden sind, und immer weiter entstehen, insbesondere solange die Politik nichts Grundlegendes an der Zuwanderungs-Praxis ändert, das festzustellen braucht es keine Wissenschaft, sondern lediglich Augen und Ohren – spätestens seit den letzen, in Deutschland bisher nicht gekannten Gewaltakten, ist das überdeutlich.

Die Gesellschaft verändert sich. Die Veränderungen gehen subtil vor sich, auch jenseits der großen Schlagzeilen, jenseits der Attentate. Das Verschwinden der hergebrachten Ordnung geht mit dem zunehmenden Kampf gegensätzlicher Gruppen, und dem Erstarken der Ordnungskräfte einher. Die Veränderungen, die da Raum greifen, werden im Ergebnis natürlich auch wieder nicht im Sinne der Weltverbesserer sein, die da meinen, die deutsche Gesellschaft grundlegend zu verändern sei unproblematisch und alle müssten sich freuen, wenn es nur multikulturell genug zuginge. Man denke an das Axt-Attentat eines Islamisten im Juli, der durch einen Polizeischuss ums Leben kam. Die erste Sorge der Grünen-Politikerin Künast galt dem Attentäter und ihr Zorn der schiessenden Polizei, obwohl die doch Schlimmeres verhinderte! Und schließlich ist auch der schiessende Polizist ein Mensch, der leben möchte und sich seiner Haut erwehren muss, um dessen Wohl jedoch Künast sich scheinbar nicht sorgte.

Selbst wenn Künast hinterher ihr Bedauern ausdrückte, sie sei falsch verstanden worden etc., macht diese geistige Grundhaltung, die ja nicht nur bei ihr vorliegt, und auch nicht zum ersten Mal aufscheint, besorgt. Böse sind eher die Ordnungskräfte, nicht die Attentäter – so als lebte man in einem Polizeistaat, in dem die Aktionen der Polizei grundsätzlich mit Misstrauen betrachtet werden. Gleichzeitig sollen Ordnungskräfte das Böse aufhalten … was für eine Logik ist das? Wohl dieselbe verquere Logik, der zufolge man glaubt, Deutschland könne alles sein und sei durch nichts so sehr definiert, wie durch sein multikulturelles Wesen. Oder die Annahme, Deutschland könne „ohne Obergrenze“ Flüchtlinge aufnehmen, und könne auch jede Denkrichtung verdauen, und sei sie noch so archaisch, frauenfeindlich und dümmlich.

Deutschland hat (noch) keine harte Polizei, wie man sie in anderen Ländern kennt: die durchgreift und die sich nicht für jeden Schuss verantworten kann und will. Das wird wohl nicht so bleiben. Die Polizei wird sich den zunehmenden Bedrohungen anpassen müssen. Sie wird eine andere werden müssen, mit anderen zur Verfügung stehenden Mitteln. Oder aber sie akzeptiert einfach, keinen Zugriff auf die anwachsenden Parallelgesellschaften zu haben; die (nichtparallele) Hauptgesellschaft resigniert teilweise – das ist leider, was gerade geschieht.

Nicht die Polizei hält die deutsche Gesellschaft zusammen was last modified: August 15th, 2016 by Henrik Geyer