Integration bedeutet auch: wir passen uns an.

Manchmal wird Verwunderung laut, wenn man sieht, dass die nach Deutschland kommenden Migranten unsere Gesellschaft verändern. Wie zB. die Zeitung „Die Welt“ beschreibt, die die Veränderung der deutschen Sprache betrachtet.

In anderen Zeitungen war die Rede von 2 Migranten-Kindern in der Schweiz, die der Schullehrerin nicht die Hand geben wollten –  aus muslimisch-religiösen Gründen. Dieses Ansinnen stieß in der Schweiz auf viel Empörung, aber  letztendlich auf Verständnis – die Jungen müssen nicht der Lehrerin die Hand schütteln. Hier greift die Religionsfreiheit, sagt man. Die Menschen können doch denken was sie wollen, das Geistige darf keine Rolle spielen! Und doch hat man das Gefühl, dass hier etwas schiefläuft. Denn der Respekt gegenüber den Lehrern (auch den weiblichen) ist ja nun einmal Teil der mitteleuropäischen Kultur, die recht erfolgreich ist, was wiederum der Grund dafür ist, dass die Migranten überhaupt herkommen wollen.

 

Offenbar haben wir ein recht merkwürdiges Menschenbild, wenn es uns verwundert, dass die Integration notwendigerweise sozusagen auf beiden Seiten abläuft. Die Tatsache, dass die Migranten ihre eigenen Welten in den Köpfen mitbringen, ist uns nicht bewusst. Es herrscht die hiesige Vorstellung, alle Menschen seien gleich, und gerade auf das Denken komme es nicht an. Daher, so nimmt man an, sei es völlig egal, welcher Kultur die Ankommenden angehörten. Es stünde Europa bzw. Deutschland nicht zu, dergleichen zu bedenken.

Doch (ganz offenbar) gibt es für beide Seiten Grenzen des Verständnisses. Die Grenzen sind vorhanden – sie sind jeweils im Denken, und sie lassen sich nicht einfach wegreden. Sie äußern sich auf tausenderlei Art. Die Vorstellungen, die Grenzen des Denkens, sind es ja gerade, die sich „materialisieren“, in dem was wir tun, anstreben und sagen.

Realistischerweise sollte man sich das Vermischen geistiger Inhalte, die in den Menschen sind (und die sich nicht trennen lassen von dem, was sich im Außen zeigt), vorstellen, wie das Vermischen von Flüssigkeiten verschiedener Farbe. Keine der Flüssigkeiten kann seine ursprüngliche Farbe beibehalten. Was herauskommt, muss mit Notwendigkeit etwas Drittes sein.

Die Grenzen sind geistiger Natur, denn alles ist Geist. Auf den Geist kommt es besonders an; er ist nicht das Virtuelle, oder das Nicht-Existente.

 

 

Integration bedeutet auch: wir passen uns an. was last modified: April 12th, 2016 by Henrik Geyer