Deutschman rettet alle – aber wer rettet ihn vor sich selbst?

Deutschman

Letzthin, vor einiger Zeit, war im Fernsehen zu vernehmen, Deutschland nehme nicht genügend Flüchtlinge auf, man tue nicht genug, sei nicht freundlich genug. Fernsehmoderatoren vergossen Fernsehtränen ob dieser Annahme.

Nun wieder, wo auf Grund der reichlichen Zuwanderung Gewalt in den Unterkünften auftritt, heißt es in so mancher Reportage, Deutschland tue nicht genug dafür, Christen oder Homosexuelle oder andere Minderheiten die bei uns jederzeit integrierbar sind, von verfeindeten strenggläubigen Volksgruppen  zu trennen und zu befrieden. In den Heimen herrsche Mord und Totschlag. (Und oft kennen wir die verschiedenen Volksgruppen kaum dem Namen nach, geschweige denn, dass man um die tiefer liegenden Animositäten wüsste …)

Auch hierüber wird nun so philosophiert, als habe die Bundesrepublik Super-Behörden, denen nichts unmöglich sei, oder hätte solche je gehabt. Oder so, als habe Deutschland ein Monopol auf moralische Überlegenheit, und könne alles das leisten, was andere niemals wagen würden: Adler und Schlange miteinander zu befrieden, oder … Hund und Katze, wem das lieber ist. So, als sei Deutschland ein Superheld aus Stahl, vielleicht mit Namen „Deutschman“.

Man muss hier wohl auch einmal die Kirche im Dorf lassen – wir können nicht alle verfeindeten Volksgruppen anderer Länder bei uns unter einen Hut bringen, und werden das wohl nie schaffen. Wir sollten es gar nicht erst versuchen. Wir sollten froh sein, wenn wir Feindseligkeiten gegen Minderheiten leidlich bei uns selbst unter Kontrolle bringen konnten – dass das einigermaßen gelang ist ja noch gar nicht so lange her. Wie kommen wir darauf, nun die ganze Welt beglücken zu können? Um des eigenen Überlebens willen sollte uns (bzw. sollte Deutschman) daran gelegen sein, dass hier nur Aufnahme findet, wer zu uns passt. Dass diese Überlegung von vorn herein negiert wird, ist ebenso „politisch korrekt“ wie dumm, und ist die Ursache der Probleme.

Deutschland sollte sich im eigenen Interesse nicht erdreisten, die moralische Pose zu übertreiben – auch Moral ist etwas, das die Menschen durchaus unterscheidet. Es kommt im EU-Ausland nicht gut an, und es ist ja auch tatsächlich völlig sinnlos. Es gebietet der gesunde Menschenverstand, immer hübsch bescheiden zu bleiben. Und Deutschman  sollte auch einmal auf sich selbst achten. Denn in Wirklichkeit ist er gar nicht aus Stahl.

Weiterlesen: Beitrag Was ist von Grenzenlosigkeit zu halten?

Siehe auch: Beitrag Integration bedeutet auch: wir passen uns an.

Deutschman rettet alle – aber wer rettet ihn vor sich selbst? was last modified: April 16th, 2016 by Henrik Geyer