Der Mensch möchte zu den Sternen singen

Author: Henrik Geyer Bla Bla Bla Möff Möff Möff Der Mensch möchte zu den Sternen singen, doch seinem Mund entringt sich nur ein Blöken

Es gibt ein Sprichwort, das in sinngemäß etwa so lautet:

Der Mensch möchte zu den Sternen singen, doch seinem Mund entringt sich nur ein Blöken

Der Mensch möchte so vieles sagen, so vieles ausdrücken, doch die Möglichkeiten des Ausdrucks erscheinen stets unvollkommen. Warum können Worte so vieles nicht ausdrücken?

Sichtweisen des Materialismus und des Spirealismus

Auf diesem Blog wurde und wird häufig das Fehlen des Objektiven besprochen – es ist dies ein Kerngedanke des Spirealismus.

Das Objektive – das ist die Vorstellung, der Mensch würde sich durch sein Denken und sein Forschen, und in der Konsequenz seiner Sprache, einer äußerlichen Realität nähern. Dies nenne ich die materialistische Weltvorstellung. Diese Weltvorstellung geht davon aus, dass die äußerliche Realität das Eigentliche sei, um das  es dem Menschen ginge, wenn er die Sprache zu höchsten Gipfeln führt, und beispielsweise versucht, das Unaussprechliche zu sprechen, das Nicht-Denkbare zu denken. Die Sprache, so meint der Materialismus also, sei dazu gemacht, eine äußerliche Realität widerzuspiegeln, ebenso wie das Denken dazu gemacht sei.

 

Der Spirealismus hat wie gesagt eine im Grundsatz andere Sichtweise als der Materialismus – ihm ist das oben genannte Sprichwort aus den Zusammenhängen seiner Weltsicht verständlich.

Im Spirealismus gibt es keine Objektivität – daher ist der Wunsch des Menschen, etwas in einem endgültigen Sinn zu begreifen, zum Scheitern verurteilt. Kein Wort und kein Gedanke  kann einen Aspekt der Welt in Endgültigkeit erfassen – ganz im Kantschen Sinne: das Ding „an sich ist nicht beschreibbar. Der Wunsch selbst ist auf das materialistische Weltbild zurückzuführen, und offenbart dessen Widersprüchlichkeit.

Auch das kleinste Ding hat seine Wurzel in der Unendlichkeit, ist also nicht völlig zu ergründen.
Wilhelm Busch

Zweitens ist auch der Wunsch der Menschen, sich untereinander in Vollständigkeit mitzuteilen, nicht erfüllbar. Die Vorstellung des Spirealismus von individuellem Denken ist eben gerade nicht, vollständige Gleichheit sei auch nur in einem einzigen Gedanken möglich. Aus diesem Grund spricht der Spirealismus von Ich-Universen, also einer jeweils individuell wechselnden Vorstellung davon, was das Universum, also die Welt, ist. Und .. jenseits unserer Vorstellungen gibt es die Realität nicht noch einmal „extra“ – sozusagen in objektiver Form.

Der Mensch möchte zu den Sternen singen, doch seinem Mund entringt sich nur ein Blöken

So gesehen drückt der genannte Spruch  eine jederzeit wahrnehmbare Realität aus: es ist der Wunsch der völligen Einheit, des völligen Übereinstimmens, der jedoch nie vollständig erfüllbar ist.

Umgekehrt kann man in der Differenz die Triebkraft der Welten sehen – sozusagen als Urgrund der Dialektik. Das Eine kann nicht das Andere sein – sonst wäre es Eins. Und das Eine, das alles hervorbringt, das in sich selbst nicht differenziert ist, sondern aus dem heraus die Differenzierungen erst kommen – es ist uns nicht einsehbar. Sondern dies wäre die Vorstellung von etwas Höherem, von Gott, oder dem Nirvana.
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Der Mensch möchte zu den Sternen singen was last modified: April 23rd, 2016 by Henrik Geyer