Das Denken ist die Realität – und nicht: das Denken erzeugt Realität

Das Denken ist die Realität. Traum und Realität vermischen sich: Surrealismus. Spruchbild: Was ist die Realität, wenn nicht genau das, was der Einzelne über sie denkt?

Dieser Artikel legt dar, was die Auffassung „Das Denken ist die Realität“ bedeutet, und warum sie notwendigerweise zu fundamental neuen weltanschaulichen Überlegungen führt.

Das Denken ist die Realität

Es gab eine Phase in meinem Leben, die ich am Anfang meines Buches „Alles ist Geist“ schildere, da begriff ich, dass das Denken die Realität ist. Also nicht: das Denken bildet die Realität ab, oder dergleichen. Die Grundauffassung des Spirealismus ist: Die Realität gibt es nicht noch einmal extra, jenseits meines Denkens, etwa in objektiver Form.

Ist die Aussage „Denken ist die Realität“ vereinfachend?
Wer dies nun für eine Binsenweisheit hält, weil man leicht formulieren kann: „Bis zu einem gewissen Grad mag das stimmen…“ : Nein, es ist nicht trivial und nicht einfach, vorausgesetzt, man denkt den Gedanken zu Ende.

Um das zu verbildlichen: Ebenso schwierig ist zu sagen, dass Raum und Zeit im Zusammenhang stehen, so wie es Einstein tat. Ist das denn wirklich einfach? Es scheint höchstens dann einfach, wenn man es so sieht: „Wenn man aus Zwei Eins macht, ist Eins einfacher.“ Aber es ist nicht einfach, denn es bleibt ja die Frage, in welchem Zusammenhang die beiden Begriffe stehen. Wesentlich einfacher ist es, wie gewohnt strikt zu trennen.

„Das Denken ist die Realität“ ist eine Aussage, die in der Konsequenz jede Vorstellung des materialistischen Weltbildes fundamental verändert. Diese Aussage führt zu einer anderen Vorstellung, was Denken überhaupt ist. Sie führt zu einer anderen Vorstellung von der Unabhängigkeit des individuellen Denkens – und zu einem anderen Menschenbild.

Siehe Artikel „Denken erschafft“

Das Denken ist die Realität als spirealistischer Grundgedanke

Wenn man den Satz „Das Denken ist die Realität“ ernst nimmt (was ich tat), dann entfernt man sich automatisch von der Vorstellung, der Mensch würde feste Objekte in seinem Außen beobachten. Denn, wenn sich die Realität im Denken bildet – was ist dann das, was wir gemeinhin Realität nennen? Was sind die festen Objekte des Außen?

Und – eine ganz wichtige Frage: Haben etwa die festen Objekte in meinem Außen etwas mit mir zu tun? Und wenn ja, was?

Das Denken ist die Realität <> das Denken erzeugt Realität

Man kennt den Satz „Das Denken erzeugt Realität“.

Es kommt darauf an, wie man diesen Satz versteht. Er bleibt eindimensional, wenn es bei der Vorstellung eines Gehirns bleibt, das Realität wie eine Fabrik erzeugt.

Zweitens wird „das Denken erzeugt Realität“ meist so verstanden, dass das Denken im Gehirn einen Teil der Realität erzeugt, während der andere Teil in Form vorhandener Objekte weiterhin „da“ ist. Das enthebt der Mühe, sich von der Vorstellung eines aus Materieobjekten bestehenden Außen zu entfernen – die widersprüchliche materialistische Sichtweise bleibt.

Nein, nicht das Denken erzeugt Realität, das Denken ist bereits die Realität.

Wie kann man sich das vorstellen – wie ist das gemeint? Wenn man sagt, dies sei die Realität, oder jenes … was immer ich über die Realität aussage … Was könnte (für mich) die Realität jemals anderes sein, als das, was ich über sie denke oder sage?

Man bedenke: Wäre nicht eigentlich jede andere Aussage absurd? Soll man vielleicht das nicht als die Realität bezeichnen, was man doch für sie hält? Gemeinhin ist es umgekehrt. Denn man sieht sich gemeinhin selbst als den Realisten, und nur bei anderen wird vermutet, diese hätten nicht die richtige Vorstellung von der Realität.

Was also ist die Realität, wenn nicht genau das, was der Einzelne über sie denkt?

Verbindung zu uraltem Wissen

Ich fühlte mich, nachdem ich die Vorstellung „Das Denken ist die Realität“ mehr und mehr durchdrang, zu uralten spirituellen Weisheiten hingezogen, wie dem hermetischen Grundprinzip  „Alles ist Geist“ (daher nannte ich auch mein Buch schließlich „Alles ist Geist„).

Wenn das Denken (Geist) die Realität ist, dann müssen die Objekte, die ich in meinem Außen sehe, ebenfalls Geist sein. Es kann keine prinzipielle Trennung geben. Also ist tatsächlich alles Geist. Das Problem ist nur das Verständnis.

Normalerweise wird Geist als das Element verstanden, das die festen Objekte des Außen beobachtet und nachformt.

Wenn Geist aber das nicht ist, was dann? Wenn alles Geist ist, was sind dann die festen Objekte des Außen – die Bäume, die Straßen, die Dinge? Was ist dann das, was das eine Ich von einem anderen Ich trennt?

Man sieht: spirituelle Weisheiten, die sich seit Jahrtausenden überliefern, erhalten viel Sinn, wenn man die Welt unter dem Aspekt betrachtet: „Das Denken ist die Realität“. Doch bleiben sie in der materialistischen Begriffswelt rätselhaft und unverständlich. Man muss diese Vorstellung zu Ende führen – was mich zu den Gedanken brachte, die ich als Spirealismus zusammenfasse.

Surrealismus – Traum und Realität vermischen sich

Übrigens war die Erfahrung, von der ich in „Alles ist Geist“ berichtete, eine Erfahrung ganz ähnlich der, die Andre Breton machte. In dessen Leben führte diese Erfahrung zu etwas so Merkwürdigem wie der Kunstform des Surrealismus – man bezeichnet Breton als den Kopf der surrealistischen Bewegung in Frankreich.

Surrealismus ist eine Kunstform, die die Rätselhaftigkeit des Lebens ausdrückt. Diese Rätselhaftigkeit zu sehen – das muss man erst wieder lernen. In der heutigen materialistischen Gesellschaft ist diese Sichtweise weithin verloren gegangen.

Surrealismus ist eine Kunstform, die die Vermischung von Traum und Wirklichkeit als Tatsache begreift. (Surrealismus = Über-Realismus. Über-Realismus als eine Synthese von Gedachtem und Realem)

Und so fragt eben auch Surrealismus letztlich, was überhaupt die Realität ist.

siehe Artikel „was ist surreal?“

 

 

Das Denken ist die Realität – und nicht: das Denken erzeugt Realität was last modified: Februar 27th, 2016 by Henrik Geyer