Gurdjieff und die Mysterien des geheimen Wissens, des verlorenen Wissens

Gurdjieff und die Mysterien des geheimen Wissens [SPID 4496]

In diesem Artikel geht es darum aufzuzeigen, warum manche Menschen darauf kommen, die Welt sei voller Rätsel,während es dem Materialisten doch eher so scheint, als habe die Welt keinen geheimnisvollen Aspekt – denn die Dinge der Welt erscheinen so vollständig beschrieben, so rund in ihrem Sein, so erfasst. Er glaubt, alles wäre im Grunde schon entdeckt, und das Unentdeckte sei etwas, das er benennen könnte.

Ein schönes Beispiel hierfür ist Gurdjeff (bei der Nennung dieses Namens fällt so manchem sofort Ouspensky ein, der Schüler Gurdjeffs, der sich explizit auf die Suche nach dem Rätselhaften machte, und ein Buch gleichen Namens schrieb: In Search of the Miraculous).

 

Der Auffassung, die Welt sei entdeckt und in ihrer Offensichtlichkeit geradezu langweilig, waren Gurdjieff und Ouspensky jedenfalls nicht. Aus Gurdjieffs Leben berichtet dieser selbst, sein Vater sei eine Art Dorfbarde (in Georgien) gewesen, ein uralter Berufsstand mit hohem Ansehen. Um die Dorfbevölkerung mit Liedern zu unterhalten und zu unterrichten, kannte er viele uralte Weisen.

One day, Gurdjieff read in a magazine that archaeologists had discovered ancient tablets of the Epic in Babylonia, and he speaks of experiencing ’such an inner excitement that it was as if my future destiny depended on all this.‘ He was impressed that the verses of the epic, as printed in the magazine, were almost identical to those his father had recited; yet they had been passed on by word of mouth for thousands of years. What matters here is the unstated implication: that in that case, other kinds of ancient knowledge may have also survived in the same way.

Eines Tages entdeckte Gurdjieff in einem Magazin, dass Archäologen eine uralte Tafel mit Heldensagen in Babylon entdeckt hatten, und er (Gurdjieff) spricht von einer unvergleichlichen Freude …
Er war beeindruckt, dass die Verse der Sage, wie sie im Magazin abgedruckt waren, fast identisch waren mit jenen, die sein Vater immer rezitiert hatte (der Vater hatte den uralten Beruf des Sängers ausgeübt, und war mit alten Liedern und Texten vertraut). Sie waren also mündlich weitergegeben worden, in tausenden Jahren. Was hier wichtig ist, ist das Verständnis, dass ähnlich diesem Fall, uraltes Wissen die Zeiten überdauert haben kann.

G.I. Gurdjieff: The War Against Sleep and The Strange Life of P.D. Ouspensky von Colin Wilson

Wir verfügen, so lehrte es dieses Vorkommnis Gurdjieff, über uraltes Wissen, haben aber keinen Bezug mehr zu  seinen Ursprüngen. Uns sieht die Welt ganz modern aus, doch wir bauen in jedem Detail auf einem uralten Wissen, auf uralten Bildern in unseren Köpfen auf. Wir bemerken das nicht, denn uns fehlen die Bezüge, die Querverbindungen.

Das zu verstehen hat mindestens zwei Aspekte.

Erstens denken wir an Jungs kollektives Unterbewusstsein. Im kollektiven Unterbewusstsein werden Dinge erhalten und gewusst, deren Ursprung wir nicht kennen. Etwas wird gewusst, das man nicht erlernen muss. Denken wir jetzt an die Erkenntnis Gurdjieff, dass Wissen, das verloren scheint, sich erhält, in alltäglichen Dingen und Worten, jedoch anders aussieht, und uns in nichts an das erinnert, was es den Menschen einmal war … Und umgekehrt? Haben wir denn ein Gefühl dafür, aus welchen Sinn-Atomen sich jedes Faktum, das wir wissen, zusammensetzt? Ich glaube nein. Wenn wir uns das aber vorstellen, dann bekommen wir ein Gefühl für das Geheimnis, das in allem ist, das aber auch erkannt und geahnt werden kann … Die Dinge bleiben unerkannt, weil uns die Bezüge fehlen. Was ist ein Geheimnis anderes als etwas, das man nicht weiß? Und was wiederum weiß man über Dinge, die man nicht kennt? Was kann uns besser ein Gefühl für diese ungeahnten Geheimnisse geben, als zu verstehen, dass das, was wir nicht wissen, unbegrenzt und ungeahnt ist?

Ähnliches Thema: Gibt es das Nichts? Wie kann man sich das Nichts vorstellen?

Zweitens: Einmal mehr zeigt sich die Eigenart des objekthaften Denkens – des Glaubens, etwas, eine Sache etwa, eine logische Schlussfolgerung, sei vollständig beschrieben, indem man sie benennt. Doch in Wirklichkeit abstrahiert man von tausenderlei Querverbindungen, die in die Unendlichkeit reichen – man kappt die Information, man abstrahiert, und dem menschlichen Geist erscheint trotzdem, oder vielleicht eben deshalb das Objekt seiner Anschauung wie völlig rund und vollständig beschrieben. Ebenso nehmen wir die Informationen des Jetzt so wahr, als wären sie im Jetzt vollständig beschrieben. Dass sie das nicht sind, erfahren wir dann ab und zu zufällig – und merken: Wir wären ganz ohne diese Information ausgekommen, und hätten immer angenommen, wir wären vollständig informiert und „weise“ – ein Gefühl, das den Materialisten immer umgibt, nicht jedoch den Suchenden.
Weiterlesen: Beitrag Was ist paradox am Wort „das Alles“ / „alles“ / „das All“?

Um ein kleines Beispiel dafür zu geben, wie allgegenwärtig und keineswegs selten die Geheimnisse sind, will ich etwas schildern, was mich neulich wunderte.

Ich las ein englisches Buch, in dem das Wort „hag“ vorkam. Ich ahnte, dass das Wort „Hexe“ bedeutet, denn mein Vater hatte mir einmal gesagt, das Wort Hexe leite sich von dem Wort Hag-Sesse ab. Hagsesse ist eine Person (Frau), die in einem Hag (Wald) ansässig ist. Hag ist Wald, so wie wir das Wort oft in Ortsnamen finden, wie z.B. Steinhagen, Friedrichshagen, Petershagen, etc..

Die Idee einer Hagsesse wiederum, die in der Vorstellung von Dorfbewohnern unheimlich ist, verleiht dem Wort Hexe eine ganz neue, tiefere Bedeutung. So wie ein Eremit, der die Kommunikation mit der Gesellschaft kappt, wird die Hagsesse den Dörflern unheimlich, genauso vermutlich, wie umgekehrt, und das Wesen und der innere Sinn des Wortes Hexe erscheint umso klarer und verständlicher. Eine Hagsesse ist jemand, der einen unkommunikativen Lebensstil pflegt, dadurch zu einer unheimlichen Person mit merkwürdigen Gebräuchen und unbekannten, und dadurch umso unheimlicheren, Ressourcen wird.

Hier noch, was das englische Wörterbuch zur Herkunft des Wortes hag sagt:

The term appears in Middle English, and was a shortening of hægtesse, an Old English term for witch, similarly the Dutch heks and German Hexe are also shortenings, of the Middle Dutch haghetisse and Old High German hagzusa respectively.

Was damit gesagt sein soll: Die Geheimnisse umgeben uns. Wir müssen sie nur sehen. Sie zu sehen ist nicht etwa unnütz, sondern eine Bewusstseinserweiterung. So, wie uns der Begriff Hagsesse einen anderen Zugang zum Wort Hexe gewährt, als es das Wort Hexe allein kann. Wir erweitern unser Bewusstsein durch diese Art von Wissen, durch die Querverbindungen, ganz ähnlich einem Raumschiff, das unbekannte Weiten des Universums durchstreift, und dadurch auf Ungesehenes, Unerhörtes, Wunderbares stößt. So erweitern wir auch unser uns unendliches Ich-Universum, durch die Entdeckungen im Geistigen.

 

Gurdjieff und die Mysterien des geheimen Wissens, des verlorenen Wissens was last modified: Dezember 19th, 2016 by Henrik Geyer

Goethe: Dichterfürst und Mindscrewer, Meister des Spirituellen

Johann Wolfgang von Goethe, Dichterfürst und Mindscrewer, Meister des Spirituellen [SPID 4406]

Zunächst wird man Goethe nicht als „Mindscrewer“ sehen, denn seine ausgefeilte und harmonische Lyrik ist weltbekannt. Goethe ist vielleicht das beste Beispiel für einen Menschen, der bewusst versuchte, den Sinn für die Rätselhaftigkeit mit der Notwendigkeit zu vereinen, auf Erden Harmonie zu erreichen. Harmonie und Luxus waren Goethe wichtig; Luxus waren für ihn nicht nur die materiellen Dinge, sondern auch die Segnungen des Geistes – er empfand es als Luxus, sich ganz den schönen Künsten hingeben zu können.

Er wusste, dass die irdische Harmonie darin besteht, das Paradoxe des Höheren zu akzeptieren und nicht daran zu rühren. Die irrationale Seite der Welt war ihm gleichwohl bekannt. (Zitat Franz Kafka: Im Kampf zwischen dir und der Welt, stelle dich immer auf die Seite der Welt.)

Von Goethe stammt zum Beispiel der Satz:

Man kann nicht sagen, daß das Unendliche Teile habe. Alle beschränkte Existenzen sind im Unendlichen, sind aber keine Teile des Unendlichen, sie nehmen vielmehr teil an der Unendlichkeit.

Das Unendliche (Universum) ist nicht die Summe seiner Teile und darum auch kein Ganzes. Sondern es ist ein Prozess, der aus und durch den Menschen entsteht – ich hatte diesen Gedanken einmal in diesem Beitrag formuliert:
Der Mensch kann niemals über die Grenzen des Universums hinaus

Goethe und das Übersinnliche – das Spirituelle

Die Faszination seiner Lyrik und seiner Prosatexte stammt natürlich auch aus der Kenntnis des Übersinnlichen, und der vollkommenen Fähigkeit, sie mit den Worten der deutschen Sprache zu verbinden.

Denken wir beispielsweise an den Text des „Zauberlehrlings“. Der Zauberlehrling ist ein junger Mann, der die wirkungsvollen Formeln seines Zauberbuches anwendend, Verhängnis erschafft … lediglich durch die Übertreibung des Zaubers … der Lehrling hat den Zauber eben nicht richtig unter „Kontrolle“. Es wäre ihm nichts weiter anzuraten, als nur Vorsicht und Zurückhaltung bei Kräften, die er zwar anweisen kann, deren Wirkprinzip er im Eigentlichen aber nicht versteht, und niemals verstehen kann. Denn es handelt sich ja um Zaubersprüche!

Goethe meinte, dass der Mensch durch sein Wirken den Eindruck erhält, er verstehe und durchdringe das Universum. Doch das ist nicht so, und die Mittel, die der Mensch in die Hände bekommt, sind, so unverstanden sie bleiben müssen, ebenso ein Mittel seiner Vernichtung wie seines Fortkommens. Der Mensch versteht nicht, dass bereits sein Wille das göttliche Werkzeug ist, das sowohl das Gute wie das Böse in die Welt bringt, ebenso Krieg wie Frieden, ebenso Freude wie Schmerz. Die größte Liebe bringt den größten Hass hervor – die Extreme sind es, die der Mensch sucht, und, notwendigerweise zu beiden Seiten seines Weges, auch findet. Indem er die Liebe sucht, bringt er den Hass hervor.

Dem Menschen wäre anzuraten, äußerste Zurückhaltung zu üben, solange er das kosmische Prinzip nicht versteht. Und, würde er es verstehen, wäre Zurückhaltung ohnehin seine Natur. Denn Gleichgewicht, nicht Übertreibung, ist der Weg der Existenz.

Man kann Goethes Mahnung sehr direkt in unsere heutige Zeit übersetzen. Des Menschen Gier, seine Sucht, immer mehr haben zu wollen, ist das, was er als gut und selbstverständlich erachtet. Es ist seine selbstverständliche „Suche nach Glück“ – sie kulminiert in unserer Zeit in einer grenzenlosen Naturzerstörung. Das Keine-Grenze-kennen-und-akzeptieren-Wollen, das unendliche Mehr! in der Zahl der Menschen (Überbevölkerung), aber auch der für selbstverständlich gehaltene Wunsch jedes Einzelnen, sich ein möglichst großes „Stück vom Kuchen“ abzuschneiden – das ist die Übertreibung nach der Art des Zauberlehrlings. Der Mensch zerstört die Quelle, aus der er schöpft. Solches tuend, plappert er vor sich hin, was für ein großes Genie er doch sei. Und, natürlich, dass er alles im Griff habe!

Um die Existenz des Göttlichen zu wissen bedeutet nicht, das Göttliche zu verstehen.

Goethe hat immer wieder zum Ausdruck gebracht, dass er das Göttliche für gegeben hält, und dass er unter dem Göttlichen eine Macht versteht, die rational unbegreiflich ist. Auch hier wieder ist des Menschen Pflicht die Zurückhaltung – das Göttliche verstehen zu wollen und für sich zu vereinnahmen, ist das Wesen desjenigen, der am allerwenigsten göttlich ist. Es ist das Wesen des Pharisäers, das Wesen auch jener Heilsbringer, die Wasser predigen um selbst umso ungestörter Wein trinken zu können. Und gleichzeitig, das wusste auch Goethe, ist eben dieses Vereinnahmen eine sehr selbstverständliche und alltägliche Erscheinung.

Aus: Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens von Johann Peter Eckerman

Dennoch halte ich die Evangelien alle vier für durchaus echt, denn es ist in ihnen der Abglanz einer Hoheit wirksam, die von der Person Christi ausging und die so göttlicher Art, wie nur je auf Erden das Göttliche erschienen ist. Fragt man mich, ob es in meiner Natur sei, ihm anbetende Ehrfurcht zu erweisen, so sage ich: durchaus! – Ich beuge mich vor ihm, als der göttlichen Offenbarung des höchsten Prinzips der Sittlichkeit. – Fragt man mich, ob es in meiner Natur sei, die Sonne zu verehren, so sage ich abermals: durchaus! Denn sie ist gleichfalls eine Offenbarung des Höchsten, und zwar die mächtigste, die uns Erdenkindern wahrzunehmen vergönnt ist. Ich anbete in ihr das Licht und die zeugende Kraft Gottes, wodurch allein wir leben, weben und sind und alle Pflanzen und Tiere mit uns. Fragt man mich aber, ob ich geneigt sei, mich vor einem Daumenknochen des Apostels Petri oder Pauli zu bücken, so sage ich: verschont mich und bleibt mir mit euren Absurditäten vom Leibe! Den Geist dämpfet nicht! sagt der Apostel. Es ist gar viel Dummes in den Satzungen der Kirche. Aber sie will herrschen, und da muß sie eine bornierte Masse haben, die sich duckt und die geneigt ist, sich beherrschen zu lassen. Die hohe reichdotierte Geistlichkeit fürchtet nichts mehr als die Aufklärung der untern Massen. Sie hat ihnen auch die Bibel lange genug vorenthalten, so lange als irgend möglich. Was sollte auch ein armes christliches Gemeindeglied von der fürstlichen Pracht eines reichdotierten Bischofes denken, wenn es dagegen in den Evangelien die Armut und Dürftigkeit Christi sieht, der mit seinen Jüngern in Demut zu Fuße ging, während der fürstliche Bischof in einer von sechs Pferden gezogenen Karosse einherbrauset!

 

Goethe: Dichterfürst und Mindscrewer, Meister des Spirituellen was last modified: Dezember 6th, 2016 by Henrik Geyer

Philip K. Dick – die rote und die blaue Pille, Tore zu verschiedenen Universen

Philip K. Dick - die rote und die blaue Pille, Tore zu verschiedenen Universen [SPID 4408]

Wenn es um den Sinn für das Paradoxe geht (auch manchmal provokativ-drastisch Mindfuck genannt), dann ist Philip K. Dick unbedingt zu nennen. Er ist einer der Menschen, die geradezu ihr ganzes Leben dem Ergrübeln des Wesens der Realität widmeten.

Die rote und die blaue Pille – Tore zu verschiedenen Universen

In dem Film „Matrix“ wird der Held Neo mit der Tatsache konfrontiert, dass, welche Art von Welt er bewohnt, eine Frage der Medikation ist. Je nach Art der Pille, die er schluckt (ihm wird eine rote und eine blaue Pille zur Auswahl gestellt), wird sich seine Realität formen. Und: es wird eine jeweils ununterscheidbare Realität sein …. ununterscheidbar von einer anderen, richtigen, wirklichen Realität.

Anders gesagt: Realität ist Realität, es gibt nur eben verschiedene Realitäten. Nicht die Realität ist Eins – wir Menschen sind eins, und die Realitäten in uns sind Viele …

Die blaue Pille wird ihn in eine Welt des Komforts gleiten lassen, die rote Pille hingenen wird ihm die ganzen Möglichkeiten offenbaren, die die Realität anzunehmen in der Lage ist. Das wird ungemütlich, aber auch interessant! Mit Hilfe der roten Pille wird er sehen, wie tief „das Kaninchenloch“ ist, das von der oberflächlichen Welt in die dahinterliegenden Universen führt. Das „Kaninchenloch“ (rabbit hole) ist übrigens wiederum ein Zitat aus „Alice in Wonderland“, der Geschichte eines Mädchens, das, einem Kaninchen in dessen Bau folgend, in eine unterirdische, abenteuerlich-märchenhafte Traumwelt gerät.

Philip K. Dick hat nicht das Script zum Film Matrix geschrieben, aber der Film ist wie eine Aneinanderreihung von Sujets des berühmten Autors.

Philip K. Dick

Philip K. Dick war ein amerikanischer Autor, der sich um die Science Fiction Literatur sehr verdient gemacht hat. Seine Bücher führten mehrfach zu großartigen Filmen, beispielsweise dem Film Blade Runner, oder dem Film Minority Report.

Philip K. Dick war drogenabhängig, was manchen seiner Kritiker dazu verführt, den Wert des Schaffens Dicks gering zu nennen. Doch Dick war ein Visionär; die Frage „Was ist die Realität?“ war sozusagen das Thema seines Lebens. Und, wie sehr viele große Schriftsteller, die letztlich abhängig von Drogen waren, meist Alkohol, war auch er ein Manipulator des Geistes – und konnte daher aus erster Hand davon berichten, dass das, was gemeinhin „die Realität“ genannt wird, gar nicht Eins ist, sondern Vieles.

Man könnte auch sagen, dass er seine Drogensucht in einer konstruktiven und produktiven Weise verarbeitete. Ich glaube, dass die Visionen Dicks in mancher Hinsicht unverstanden und unterbewertet sind – wer diesen Blog kennt, wird das sicher verstehen. Denn hier geht es ja häufig, im Rahmen des Spirealismus, um die Realität. Was Dick oft als Frage formuliert, ist mir Grundüberzeugung, und ich glaube, dass, wenn die Menschen erst wirklich begreifen, dass „die Realität“ nicht Eins ist, sich wichtige und revolutionäre Ableitungen daraus ergeben werden, und zwar auch ganz wissenschaftlicher Art. Dick hat einige davon visionär in seinen Büchern vorweggenommen.

Philip K. Dick war schwer tablettenabhängig, er benutzte Drogen jeweils, um arbeiten zu können, um schlafen zu können, um wach zu werden, etc.. Folgerichtig tauchte in seinen Büchern häufiger das Motiv auf, dass jemand eine Tablette schluckt, und daraufhin in einer andere Realität gerät, die ihr Real-Sein dadurch kenntlich macht, dass sie bis ins letzte Detail und in die letzte Konsequenz folgerichtig ist, nur eben auf eine fremd erscheinende Art.

Ubik

Ein für Dick typisches und sehr gut lesbares Buch ist Ubik.

Achtung Spoiler Ubik ist ein Mittel (Droge), das man einnimmt, um ganz bestimmte Realitäten zu erzeugen, andere zu verdrängen. Als hintersinniger Effekt des Buches wird dem Leser erst am Ende klar, dass das Mittel Ubik nicht in der wirklichen Welt eingenommen wird, sondern in der Welt, bzw. der Realität, von der der Leser bis dahin annahm, es sei die nicht-wirkliche. Und es fragt sich natürlich .. in welche Realität führt Ubik eigentlich? Die erste oder die zweite? Oder eine Welt der unendlichen Variabilität?

Blade Runner

Der Text, der dem Film Blade Runner zu Grunde liegt, trägt eigentlich nicht den Titel Blade Runner, sondern: Träumen Androiden von elektrischen Schafen?

Wie der Titel im Grunde schon verrät, geht es wieder um die Frage des Bewusstseins. Philip K. Dick setzt voraus, dass eine künstliche Intelligenz auch Willen und Wünsche haben muss; wovon träumt sie wohl? Was ist ihr eine notwendige Anschaffung (vielleicht ein künstliches/elektrisches Schaf?), was ist ihr ein Must-See, u.s.w.?

Interessant wird es in Blade Runner, wenn es um die tiefsinnige Frage geht, woran genau man künstliche Intelligenz erkennt, wenn man sie vor sich hat? Die Fabel, künstliche Intelligenz müsse weniger intelligent sein als der Mensch, entpuppt sich in diesen Tagen als falsch. (Man denke an Google, dem geradezu jede Frage gestellt werden kann, und diese Frage wird von Google in einer Weise beantwortet, wie das kein einzelner Mensch je könnte. Was Google fehlt, um als Mensch wahrgenommen zu werden, ist eine Art menschliche Stimme, doch, hat Google diese, wird Google zunehmend ununterscheidbar von einer „richtigen“ Intelligenz. Kommt jetzt noch ein Element hinzu, das man von jedem Menschen kennt: das Nicht-Vorhersagbare, man könnte auch sagen: der Zufall, dann wird eine solche vernetzte Maschinenintelligenz zu einem erfindungsreichen Partner, ununterscheidbar von einem „sehr klugen Typen“.)

Interessant ist in Blade Runner natürlich auch die Frage (die Philip K. Dick vielleicht als einer der ersten formulierte), welche moralische Einstellung der Mensch gegenüber künstlicher Intelligenz eigentlich einnehmen wird. Darf man sie einfach vernichten, in der Art eines Blade Runners, d.h., eines auf das Stilllegen von Maschinenmenschen spezialisierten Detectives .. eigentlich müsste man sagen: Killers?

Thema Blade Runner: Verloren wie Tränen im Regen

Eye in the sky – das Auge des Schöpfers

Eye in the Sky ist ebenfalls ein interessantes Buch von Philip K. Dick. Eine Gruppe von Personen wird durch einen Unfall in einer technischen Anlage in eine geistige Welt einer anderen Person hineinkatapultiert, eine Welt, in der religiöse Werte eine sehr direkte Macht bekommen. Gott existiert, und zuweilen erscheint sein Auge tatsächlich am Himmel. Gehaltsabrechnungen gibt es nicht, man muss um Geld beten, das dann wie Manna vom Himmel fällt. Autos fahren durch Gottes Kraft, man steuert sie durch Gebete.

Dieser Text erinnerte mich an die spirealistische Aussage, dass Wissenschaft und Religion im Grunde nicht verschieden sind. Beide begründen sich aus einem Funktionieren in der „wirklichen“ Welt – man kann nicht sagen, dass Religion nur Aberglaube sei, im Gegensatz zur objektiven Wahrheit der Wissenschaft, und zwar wenn man zweierlei (oder auch nur eins davon) irgendwann verstanden hat, bzw. am eigenen Leib erlebte:

Erstens gibt es keine objektive Wahrheit, es gibt nichts Objektives

Zweitens ist Religion wirksam, und zwar in dem Sinne, dass das, was man glaubt, auch die subjektive Realität ist. Umgekehrt kann man nichts anderes von der Wissenschaft sagen – auch der Glaube vieler Menschen (=Wissen) ist subjektiv, oder besser gesagt supersubjektiv; entscheidendes Kriterium der Wissenschaft ist, dass sie funktioniert.

 

Das Motiv in Eye in the Sky, dass die Menschen in der Vorstellung eines Dritten dessen subjektive Welt bewohnen, ist letztlich das spirealistische Konzept der Ich-Universen. Das Andere, z.B. andere Personen, Dinge etc., sind nie etwas anderes, als das, was der Einzelne subjektiv darüber denkt. So gibt es keine zwei völlig gleichen Ich-Universen, und die einzelne Sichtweise auf die Dinge und die Kausalität der Welt, unterscheidet sich stets.

Philip K. Dick formulierte das einmal so:

Zitat Dick: Die Science Fiction ermöglicht es dem Schreibenden, etwas, das eigentlich ein innerliches Problem ist, in eine äußere Umwelt zu projizieren; er tut das in Form einer Gesellschaft oder eines Planeten, und hier hausen jetzt praktisch alle, die vorher in dem einen Kopf gesteckt haben. Ich mache niemandem einen Vorwurf, wenn ihm dies nicht zusagt, denn der Kopf von so manch einem von uns ist nicht unbedingt der Ort, wo man sich gerne aufhält. Aber andererseits: Was für ein nützliches Werkzeug ist das doch für uns – um zu begreifen, dass wir nicht alle in derselben Weise das Universum sehen, ja gewissermaßen nicht einmal dasselbe Universum.

 

 

 

 

 

 

 

 

Philip K. Dick – die rote und die blaue Pille, Tore zu verschiedenen Universen was last modified: Dezember 6th, 2016 by Henrik Geyer

Bob Dylan: Mr. Jones versteht die die Welt nicht mehr

Bob Dylan, unangepasstes Musikgenie [SPID 4400]

Bob Dylan ist ein Musiker, der, zumindest für mich, immer den Anklang eines Nonkonformisten hat. Ich denke dabei an seine ungewöhnliche Stimme, die gerade in höheren Jahren immer rauer wird, so dass man sich erst einmal einhören muss, bevor man diese ungewöhnlichen Klänge ertragen kann.

In seiner Biographie gibt es etliche Brüche. Beispielsweise hat er, als er Anfang der Siebziger mit dem Spielen der E-Gitarre anfing, den Bruch zu seinen Hippie-Fans in Kauf genommen. Ihn, der sich nie an der Spitze der Flower-Power-Bewegung sah (jedenfalls nicht willentlich), traf es ins Mark, dass er von seinen „Fans“ plötzlich Judas genannt wurde.

Er hat sich, und das sehe ich als seine besondere Qualität, nicht davon abbringen lassen, zu leben. Er hat die Überzeugungen angenommen und abgelegt, die er für richtig hielt. Stets hielt er einen gewissen Abstand zu seinen Fans, wohl wahrnehmend, dass deren Bild von ihm nichts mit dem zu tun hat, was er sich selbst ist. Er ist nicht von seiner störrischen, nonkonformistischen Art abgegangen – das sah man zuletzt, als man ihm den Nobelpreis für Literatur verlieh, und er es offen ließ, ob er zur Verleihung kommen würde. Er ist ein Zyniker im besten Sinne, dem die Werte der anderen weniger wichtig sind, als die eigenen. Er hat sich in seiner Karriere als Musiker nicht davon abbringen lassen, die Musik zu machen, die Texte zu schreiben, die er für richtig hält. Und DAS ist gut so!

Herausgekommen ist dabei ein riesiges, wunderbares Werk. Auch einige weniger gelungene Titel sind dabei, doch bei etwa 1500 Songs gibt es ganz viel Erstaunliches, Geniales, Visionäres ….

 

Die Wahrnehmung des Paradoxen, die merkwürdige Weltsicht des Künstlers und des spirituellen Menschen Bob Dylan, kommt für mich besonders direkt in seinem Song Ballad of a thin man zum Ausdruck.

Auszug:

You’ve been with the professors
And they’ve all liked your looks
With great lawyers you have
Discussed lepers and crooks
You’ve been through all of
F. Scott Fitzgerald’s books
You’re very well read
It’s well known

But something is happening here
But you don’t know what it is
Do you, Mister Jones?

In dieser Ballade um einen „dünnen Mann“ geht es um Mr. Jones, der sich, allen Annäherungsversuchen an das „Rationale“ zum Trotz, in einer Traumwelt befindet.

Du bist oft bei Professoren,
und sie mögen dein Aussehen.
Mit großen Rechtsanwälten
hast du über Abartige und Gauner gesprochen.
Du hast alle Bücher
von F.Scott Fitzgerald gelesen.
Du bist überhaupt sehr belesen,
das weiß man.
Doch etwas geschieht hier,
und du weißt nicht, was es ist,
nicht wahr, Mr. Jones?

Mr Jones macht zwar nach weltlichen Maßstäben alles richtig, aber er hat keine Verbindung zur Unendlichkeit. Oberflächlich ist sein Wesen und Wollen. Professoren mögen sein Aussehen, was ihm offenbar wichtig ist. Mit jedem kann er sich über dessen Themen unterhalten, z.B. weiß er sich sogar mit Anwälten über jene anderen, jene Aussätzigen, zu verständigen, offenbar ist er ein Meister des Small Talk; er hält Small Talk für wichtige Kommunikation. Sich von den Unangepassten und Abartigen zu unterscheiden ist dem blasierten Jones ganz wichtig …

Er liest auch viel, natürlich! Doch, was versteht er eigentlich?

Seine rationale Sichtweise verhilft Mr. Jones nicht zur Erlösung, denn trotz allen Bemühungen der weltlich anerkannten Art findet er keine Verbindung zu Gott. Er ist ein Rechthaber und ein Ahnungsloser, während er von sich das genaue Gegenteil annimmt. Er tut doch schon so viel!

In diesem Sinn macht sich Mr. Jones in der richtigen Welt, die voller Rätsel und Metaphern ist, „dünne“, denn er beherrscht lediglich die Klaviatur des direktionalen Denkens. Die Welt des Irrationalen bleibt ihm rätselhaft, sagt ihm nichts, er nimmt sie nicht wahr, und sie kann ihm daher nichts geben. Mr. Jones ist „a thin man“, ein dünner Mann, der das Leben nur eindimensional wahrzunehmen versteht.

Bedenkend, was wir über den Nonkonformisten Bob Dylan formulierten, kann man sagen, dass Mr. Jones der Gegenentwurf zu Dylan ist.

 

Bob Dylan – The Ballad of a Thin Man from Vasco Cavalcante on Vimeo.

 

Bob Dylan: Mr. Jones versteht die die Welt nicht mehr was last modified: November 29th, 2016 by Henrik Geyer

Franz Kafka – das Schloss … eine Metapher für Gott

Das Schloss von Franz Kafka. [SPID 4403]

Franz Kafka ist ein Schriftsteller, der für seine surrealen Texte berühmt wurde. Sein wohl bekanntestes Buch ist „Das Schloss“. Zur Handlung: Landvermesser K. kommt in ein Dörfchen unterhalb eines Schlosses, er hat einen umfangreichen Vermessungsauftrag in der Tasche.

Das Traumhafte dieses ganzen Vorgangs wird uns bewusst, denn im Buch wird nicht gesagt, was der Auftrag genau beinhaltet, worum es geht, woher der Vermesser kommt, wie das Dorf heißt, u.v.m.. Auch der Name des Landvermessers wird nicht näher genannt, somit ist er austauschbar – im Roman ist er nur K. (Kafka?). Doch es wird immer merkwürdiger: K. gelingt es einfach nicht, Zugang zum Schloss zu erhalten. Es gelingt ihm nicht, mit seinem Auftraggeber, dem Schlossherrn, zu sprechen.

Alles was er im Laufe des Romans erreicht, ist, sich innerhalb der Dorfbevölkerung einen gewissen, kärglichen Lebensplatz zu erobern. Zu diesem Zweck muss er heucheln, sich anbiedern, manchmal auch unter Aufbietung allen Mutes Kontra geben. Er sucht seine Sexualpartner unter dem Aspekt aus, wie diese ihm weiterhelfen können, innerhalb der Dorfgesellschaft aus Tagelöhnern und Bauern ein gewisses,  jämmerliches Standing zu erreichen. Sein Endziel bleibt, anerkannter Teil des Schlosses zu werden, indem sein Vermessungsauftrag durchgeführt und bezahlt wird und er sich auf normale Weise mit seinen Auftraggebern (dem Schlossherrn, der Bürokratie des Schlosses) unterhalten kann.

Das Schloss, bzw. die Bürokratie des Schlosses, sind für K. Gott

Max Brod, Freund und Verleger Kafkas, nannte das Schloss des Romans eine Metapher für Gott. Ich denke, er hatte damit Recht. Es ist eine Metapher für Gott, wie auch für Gott als die Personifikation der Welt.

Im Buch klingt das z.B. so: Der Dorflehrer erklärt K., was alles der Schlossherr in seinem Dorf zu sehen wünsche (was damit also automatisch auch K.s Pflicht sei!). K. fragt den Dorflehrer, ob dieser den Schlossherrn überhaupt persönlich kenne, (er möchte so viel wie möglich über das Schloss und den Schlossherrn in Erfahrung bringen). Der Lehrer erwidert: Nein. Wie sollte ich ihn kennen? Und er fügt auf französisch hinzu, so dass die ihn umgebenden Kinder nicht verstehen können: Seien Sie still! Nehmen Sie Rücksicht auf die Kinder! … so als habe der Vermesser K. in unflätiger Weise Gottes Namen im Munde geführt!

Was man gleichzeitig schließen darf: Gottes Wille verwirklicht sich durch das Wirken ganz kleiner Geister, wie z.B., durch den Dorflehrer!

All das ist dem Leser einerseits rätselhaft und surreal-alptraumhaft, denn es steht im Buch ja nicht am Seitenrand, dass es sich bei der Bürokratie des Schlosses, oder dem Dorflehrer, um eine höhere Macht handelt. Doch, der Leser erkennt sich und die eigenen Mühen wieder. Der Mensch, in die Welt kommend, möchte Gott nahe sein. Möchte genau passen, möchte erfolgreich sein. Doch er kann es nicht, über sein endliches Sein hinaus; über sein kleines irdisches Wirken hinaus.

Der K. des Buches sieht notgedrungen, dass seine Annäherung an die Dorfbevölkerung, sein Finden seines Platzes hier, all das bereits ist, was er an Nähe zum Schloss (zu Gott) haben kann. Denn das Dorf ist das Vehikel des Schlosses, hier ist bereits die größtmögliche Einheit. Die Welt ist irrational … der Mensch selbst bringt in die Welt, wonach er strebt und woran er gleichzeitig verzweifelt: das Streben und die Widerstände, die Liebe und den Hass, den Frieden und den Krieg, in einem ewigen Kreislauf. Im Spirealismus formuliere ich das so: Man ist Element der Schöpfung, wo man doch glaubt, ihr Beobachter zu sein. Dieses Missverständnis erschafft das Paradoxe.

Noch mehr erinnert der Inhalt des Romans an das Leben und das Lebensgefühl des Schriftstellers Kafka, der, dem Unerklärlichen Ausdruck geben wollend, es erklären wollend, nichts anderes erreichen kann, als unerklärlich und rätselhaft zu bleiben. Doch das tut er auf so gekonnte und unterhaltende Art, dass sein Roman sehr gut lesbar ist, insbesondere für Menschen mit Sinn für das Surreale. Das Buch wie auch Kafka, wurden zu einer Ikone des Paradoxen, einer Ikone der Gott- und Sinnsuche.

 

 

Franz Kafka – das Schloss … eine Metapher für Gott was last modified: November 29th, 2016 by Henrik Geyer

Querdenker, Sonderlinge, Mindscrewer

Die besten Autoren, die bekanntesten Philosophen und Wissenschaftler, haben uns immer wieder die Denkknoten vor Augen geführt, die wir in unseren Köpfen mit uns herumtragen. Entweder taten sie das erklärend, belehrend, oder, indem sie Kunstformen erschufen, die das zum Ausdruck brachten.

Ich möchte in einer gesonderten Rubrik an diese Menschen erinnern, und Aspekte ihres Schaffens beleuchten, die aus meiner Sicht den Charakter des Paradoxen tragen, und dabei die tägliche Realität dieser Menschen waren. Indem sie versuchten, ihrer speziellen Realitätssicht Ausdruck zu verleihen, sprachen sie das innerliche Gefühl ganz vieler an, nämlich dass hinter unserer scheinbar so eindeutigen Welt etwas ganz anderes verborgen ist. Etwas, das gerade der gewohnte Blick des Menschen nicht zu sehen vermag, und gerade nicht der „völlig logische Verstand“.

Jahrelang hatte ich den irrigen Grundsatz der Maler, man müsse die äußere Natur studieren, um künstlerisch schaffen zu können, stumpfsinnig nachgebetet und befolgt; erst, seit Hillel mich in jener Nacht erweckt, war mir das innere Schauen aufgegangen: das wahre Sehenkönnen hinter geschlossenen Lidern, das sofort erlischt, wenn man die Augen aufschlägt, – die Gabe, die sie alle zu haben glauben und die doch unter Millionen keiner wirklich besitzt.
Gustav Meyrink

Schon im allerersten Schritt fallen mir dabei ganz viele Namen ein, wie Ouspensky und natürlich Gurdjeff, Plato, Philip K. Dick, Kafka, Goethe, Dali, C.G.Jung, Heraklit, Schopenhauer, Wittgenstein … um nur einige zu nennen. Oft kann man diese vertiefte Einsicht, diese Verbindung zur Unendlichkeit (Jung), bei Menschen sehen und benennen, die man vielleicht nicht „Sonderling“ nennen würde, teilweise habe ich das in Artikeln bereits getan, ich denke an Einstein und Sokrates.

Oft handelt es sich dabei nur um einen kleinen Teil der Arbeit dieser Menschen, denn um die Kommunikation zum letztendlich immer gesuchten Publikum aufrecht zu erhalten, braucht es eine Sprache und braucht es Aussagen, die dieses versteht. Doch teilweise wurde das dauerhafte Sehen des Paradoxen, das Beschreibenwollen des Unbeschreiblichen zu einem Kampf um die geistige Gesundheit, und um das Funktionieren in der materialistischen Welt.

Ich finde es spannend, diesen Aspekt, der gerade in den allergrößten Geistern der Geschichte immer wieder auftaucht, unter dem Gesichtspunkt zu betrachten, dass hier letztendlich eine nicht aus der Welt zu redende Gemeinsamkeit vorliegt. Was ist die Gemeinsamkeit …. kann man das formulieren?

 

Querdenker, Sonderlinge, Mindscrewer was last modified: November 27th, 2016 by Henrik Geyer

Wie denken spirituelle Menschen?

Spirituelle Menschen - Welten jenseits dieser Welt

Wie denken spirituelle Menschen, bzw. wie müssen spirituelle Menschen denken? Und … gibt es ein richtiges spirituelles Denken und ein falsches?

In der spirituellen Szene herrscht nicht etwa Meinungsfreiheit, sondern natürlich wird auch um den „rechten Glauben“, um den richtigen Weg, gestritten.  Woher kommt das, und was ist richtig?

Bestandsaufnahme

Spirituelle Menschen operieren häufig mit den Worten transzendent, metaphysisch, das Ich überwinden, sich befreien, sich leer machen etc..

Gemeint ist damit die Erfahrung, dass hinter „der Welt“ eine verborgene Welt liegt, die mit der Sichtweise des materialistischen Denkens nicht erfahrbar ist. Was wiederum meint, dass die Dinge, wie sie sich uns darstellen, eine geheimnisvolle Quelle und Ursache haben, und wohl noch fundamentaleren Regeln (Prinzipien) unterliegen, als sie sich in Form von Naturgesetzen ausdrücken lassen.

Viele spirituelle Menschen haben sich heute und in der Vergangenheit auf die Suche nach dem Geheimnisvollen begeben und drangen in immer neue geistige Welten vor. Man denke z.B. an Ouspenksy und seine „Suche nach dem Wunderbaren“.

Das Geheimnisvolle, das verborgene Wissen – es erschließt sich nicht, zumindest nicht jedem. Daher gibt es Lehrmeister des Spirituellen, auch Gurus genannt, die ihre Schüler in die Geheimlehren einweihen. Die Geheimlehren  wiederum sind so mannigfach wie die Worte, die sich für das Geheimnisvolle finden lassen. So, wie die „Welt der zehntausend Namen“ eben aus Namen (Worten) besteht, bestehen auch die spirituellen Welten, sofern sie mündlich weitergegeben werden, aus Worten. Und daher sind auch die spirituellen Wege letztlich mannigfach.

Wie müssen spirituelle Menschen denken?

Doch auch spirituelle Menschen verfallen immer wieder (und auch das ist eigentlich völlig logisch) in den Streit über das wahre Wesen des Geheimnisvollen.

Sie wollen in Worten benennen, was nicht benennbar ist. Denn das wahre Wesen und die Quelle der Welt ist, so sieht es der Buddhismus, das Nirvana, das Unendliche (welches zugleich das Nichts ist) …  Leere. Eine Leere, die mit irgendeiner Vorstellung von Leere nichts zu tun hat, und deren Wesen, übersetzt in die Begriffe dieser Welt, schlicht Schweigen wäre. Nichtdenken.

Doch wie will man Menschen Nichtdenken in das Bewusstsein bringen, wo doch Bewusstheit und Denken nicht zu trennen sind? So gesehen ist vielen, die sich als spirituell begreifen, die ganze Spiritualität eigentlich rätselhaft. Sie bewerfen sich gegenseitig mit Worten, die nicht ausdrücken können, was sie sollen, und die selbst wieder nur Teil der „Welt der zehntausend Worte“ sind – die man doch so gerne verlassen möchte!

Streit um das Spirituelle

So gesehen muss man die Streitereien um das Spirituelle eigentlich als einen Teil der materialistischen Sichtweise sehen – das Festhalten an den Begriffen und Namen. Oft wird dieser Streit sehr erbittert und voller Unlogik geführt, und von besonderer Spiritualität ist eigentlich nichts zu spüren.

Was kennzeichnet das Denken spiritueller Menschen?

Kann man dennoch eine Aussage treffen, was das Wesen des Denkens spiritueller Menschen wäre? Hierzu eine Meinung:

  • Spiritualität verstanden als Geistigkeit ist mit Überlegung und Grübeln verbunden, keineswegs aber mit platten Antworten und Dummheit.
  • es ist eine Suche in sich selbst, denn das Denken des Anderen, des Nächsten, vermittelt sich auf eine höchst unvollkommene Weise, über Worte
  • spirituelle Menschen sind sich der Tatsache bewusst,  dass das Benennen und Bewerten der Dinge einerseits eine Notwendigkeit dieser Welt ist, andererseits eine Begrenzung. Sie versuchen sich daher frei und leer zu machen, von Werturteilen, von zu viel Sprechen etc. – nicht umsonst ist eine wichtige spirituelle Praxis das Schweigen.
  • ich persönlich meine, dass spirituelle Menschen vielfach in Metaphern denken, symbolhaft sozusagen. Und zwar deshalb, weil das Bewusstsein, dass die Welt geistiger Natur ist, auch bedeutet, dass wir sie im Geist formen können. Wir tun das durch gedankliche Verbindungen – man könnte auch sagen durch Kombinieren, oder durch Phantasie. Wir schaffen geistige Verbindungen, wo vorher keine waren; und wo wir Worte finden für etwas, da entsteht unsere persönliche Realität.
  • Ich sprach von der nicht erreichbaren Leere. Man kann sie nicht erreichen, aber man kann sich ihr ein wenig nähern. Und, indem man sich ihr nähert, versteht man wohl erst, was das meint … Leere. Wie Leere die Quelle der Welt sein kann, und wie die Dinge formbar werden, durch Schweigen und durch Verzicht.

 

Insofern sind sich spirituelle Menschen, soweit man sie wirklich spirituell nennen darf, sich doch zumindest der Relativität der Worte bewusst. Der erbitterte Streit um den richtigen Weg, der Kampf in welcher Form er auch immer auftritt (man denke an Glaubenskriege), ist doch eher dem materialistischen Denken zuzurechnen.

Weiterlesen: Beitrag Spiritualität im Alltag – spirituelle Gespräche

Ähnliches Thema: Beitrag Wir sind spirituelle Wesen – und machen eine materielle Erfahrung

Lesen Sie auch: Beitrag spirituell sein – wie geht das?

Wie denken spirituelle Menschen? was last modified: September 14th, 2016 by Henrik Geyer

Ein guter Mensch

Als neulich Nelson Mandela starb, fragte ich mich, ob es nicht richtig sei, für den Spireo-Blog einen Artikel zu schreiben, der sich dem Leben dieses großen Mannes widmet.

Einen Lebensbericht aus dritter Hand der Menge an Berichten aus erster Hand hinzuzufügen, ist aber auch nicht gerade erstrebenswert, es bringt dem Leser wenig Authentisches. Was hätte ich über Nelson Mandela zu schreiben, was andere nicht besser schreiben können?

Es ist aber, glaube ich, richtig und gut, wenn die Menschen sich gegenseitig zu verstehen geben, daß sie traurig sind, wenn ein guter Mensch die Erde verlässt, und wenn sie sich gegenseitig signalisieren, daß sie wissen, worin dieses „Gute“ besteht, und wenn sie sich in diesem Punkt einig sind.

Das „Gute“ und das Besondere an dem Menschen Nelson Mandela ist für mich, daß er in seinem Leben – scheinbar mit Absicht! – hat gut sein wollen, gut für sein Volk wohlgemerkt, gut für die Menschheit mithin. Wo andere gut sein wollen nur sich selbst gegenüber oder ihrer Familie, weil sie das für den natürlichen Gang der Dinge halten. Insgeheim hat man das Gefühl, daß so einer Einsicht in ein höheres Prinzip hat, und man wünschte sich, daß sich diese Einsicht verbreiten möge. Dann würde die Erde mehr und mehr dem Paradies ähneln, das sie ja ohne weiteres auch sein kann.

Wo das Grundgesetz zu sein scheint: „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, hat er oft das Gegenprinzip vertreten. Ein sogenannter „Realist“ würde vielleicht sagen: „er handelte gegen alle Vernunft“.

Übrigens hat Mahatma Gandhi einmal gesagt (so oder ähnlich): „Wenn alle Menschen nach dem Grundsatz handeln ‚Auge um Auge‘, dann gibt es bald nur noch Blinde“.

Als Grabredner würde ich etwas sagen wie: „Nelson Mandela, wir vermissen Dich, denn wir hatten Dich dringend gebraucht. Wir sind traurig, wo Du nun nicht mehr da bist, aber wir sind auch stolz, daß solche Menschen wie Du unter uns sind. Daß wir Dich gesehen haben ist für uns ein Beweis: es ist möglich gut zu sein“.

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Gluecklich sein ist
Glücklich sein ist eines der besten Mittel, ein guter Mensch zu werden.
Eugene O’Neill

Wenn ihr das Bild bei euch einfügen möchtet, dann ist hier HTML-Code zum Kopieren und Einfügen in HTML (rot):
<img src=“http://spireo.de/texte/Gluecklich%20sein%20ist.jpg“ border=“3″ width=“700″ alt=“auf http://spireo.de Gluecklich sein ist“>
Hier noch der Bildlink: 
http://spireo.de/texte/Gluecklich%20sein%20ist.jpg
Ein guter Mensch was last modified: Oktober 16th, 2015 by Henrik Geyer

Heilung

Spricht über Heilung: Mr. Albert Manuel.talks about healing: Mr. Albert Manuel from India

Dieser Beitrag ist von unserem Freund und Partner Albert Manuel aus Indien, der beruflich als Unternehmensberater und Vortragsredner tätig ist.

dieser Beitrag ist auch auf englisch verfügbar (healing)

 

Heilung

Hartnäckige geistige oder physische Krankheiten haben ihre tiefe Wurzel immer im Unterbewusstsein. Krankheit kann geheilt werden, wenn man diese tiefen Wurzeln herausreißt.

Daher müssen alle Affirmationen des Bewusstseins eindrucksvoll genug sein, um in das Unterbewusstsein einzudringen, was wiederum automatisch das Bewusstsein beeinflusst. Starke bewusste Affirmationen reagieren auf Geist und Körper, durch das Medium des Unterbewusstseins.

Noch stärkere Affirmationen erreichen nicht nur das Unterbewusstsein sondern auch das Über-Bewusstsein – die magische Lagerstätte wunderbarer Kraft.

— Sri Sri Paramahansa Yogananda (indischer Yogi und Guru, 1893 – 1952)

 

Wir alle haben die Tendenz zu glauben, wir müssten jederzeit gesund sein. Jedoch, unsere Gesundheit, sowohl mental wie auch physisch, hängt in erster Linie von unseren Denkprozessen ab. Wir suchen immer nach Erklärungen, warum wir uns gerade schlecht fühlen. Normalerweise vergessen wir dabei, daß geistige oder physische Krankheiten sich zeigen, wenn wir spirituelle oder göttliche Regeln übertreten; man  muss dann durch eine Reinigung gehen, um wieder zu Gott dem Allmächtigen zu gelangen.

Was Paramahansa Yoganandaji versucht zu zeigen, ist, was wir tun können, um zur Wurzel des Problems durch Verbesserung unserer spirituellen Einstellung zu kommen. Wir wollen sehr gern sofort geheilt werden oder sofortige gute Gesundheit erreichen, aber wir vergessen, daß, solange wir nicht in ständiger Verbindung zu dem höchsten Bewusstsein oder zum kosmischen Bewusstsein stehen, dies nicht möglich ist. Göttliche Gesetze arbeiten mit höchster Präzision. Wenn wir uns zu Selbst-realisierten Menschen entwickeln, dann müssen wir wissen, daß es für Heilung Zeit braucht; der Heilungs-Prozess ist hauptsächlich das Leiden geprägt, das dabei auftritt und das es gilt zu ertragen.

 

Vor allem benötigen wir die geistige Einstellung, uns vollständig dem Allmächtigen hinzugeben, denn nur er hat die Macht.

Daher ist es sehr wichtig, daß wir unseren Teil beitragen, in dem wir Gesundheit stark und fest affirmieren, ohne jedes Element des Zweifels.

Zu beginn unserer spirituellen Suche haben wir immer Fragen über die Kraft der Affirmationen, aber standhaft zu bleiben ist der einzige weiterführende Weg – nach einer gewissen Zeit werden sich Ergebnisse einstellen.

 

Paramahansa Yogananda beschreibt sehr schön,  daß Schmerz und Freude vorübergehend seien; an uns ist es, diese Dualität zu ertragen, in dem Glauben und dem Wissen, dass, wenn wir dem Allmächtigen vertrauen, es uns gut geht. Alles wird aufgelöst – in seiner Gegenwart.

 Gott segne jeden Menschen der in dieser Welt, Amen

Heilung was last modified: Dezember 22nd, 2015 by Henrik Geyer