Vorurteile und Urteile. Was sind Vorurteile?

Vorurteile und Urteile. Was ist ein Vorurteil?

Was sind Vorurteile? Ein Vorurteil ist ein Urteil, das vorschnell ergeht, und für das somit die Vermutung besteht, dass es falsch ist.
Oder es ist bereits falsch, wenn es ausgesprochen wird.

Generaltugend Gerechtigkeit

Eine der vier klassischen Kardinaltugenden ist die Gerechtigkeit. Gerechtigkeit erfordert ein Urteil, denn zu sagen, etwas sei Recht oder Unrecht erfordert eine Beurteilung.

Aus Urteilen erwachsen Vorurteile

Ohne Beurteilung keine Gerechtigkeit, aber durch das Beurteilen entsteht die Gefahr, vorzuverurteilen.

Gerechtigkeit wird sehr schnell zur Selbst-Gerechtigkeit. Das Urteil wird sehr schnell zum Vorurteil.

Bibelzitat: Als eine Frau, die des Ehebruchs überführt war, gesteinigt werden sollte, trat Jesus dazwischen und sagte: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein“ (Joh 8,7). Dazu muss gesagt werden, dass damals die Steinigung (eine Todesstrafe, bei der der Tod durch das Werfen von Steinen herbeigeführt wird) die anerkannte Form der Gerechtigkeit in einem solchen Fall von Rechtsbruch war. So ist es in manchen Teilen der Welt auch heute noch.

Und dennoch forderte Jesus die Leute auf, zuerst an sich selbst und die eigenen Sünden zu denken, bevor sie das Recht im Außen durchsetzen.

Man denke auch an den Ausspruch Jesu (als jemand einen anderen kritisiert hatte): „Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem eigenen Auge; darnach erst siehe zu, wie du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst!“ Matthaeus 7:5

Zurückhaltend sein im Urteilen

Aus einer Generaltugend wie Gerechtigkeit wird sehr schnell Sünde – die Sünde vorzuverurteilen.

Daher ist die Generaltugend der Gerechtigkeit verbunden mit der Aristotelischen Auffassung von Tugend – als ein Beachten des rechten Maßes. Mäßigung in allem – das ist die Hauptforderung in einem gelungenen Leben. Mäßigung – das ist die Forderung, auch im Urteilen mäßig zu sein, und sich der Tatsache bewusst zu sein, dass Urteilen sehr schnell zum Vorverurteilen wird.

Unser Leben besteht aus Urteilen

Gleichzeitig müssen wir uns darüber klar sein, dass wir ohne das Beurteilen von richtig und falsch, von gut und böse, von wahr und unwahr, nicht auskommen. Diese Begriffe sind unsere Welt, sie sind verbunden mit der menschlichen Vorstellung von Folgerichtigkeit. Wir können also unsere Vorsicht gegen über vorschnellem Urteilen nie so weit treiben, dass wir ganz ohne Urteile auskommen könnten.

Wir Menschen sind nicht Gott, der ganz ohne Urteile auskäme. Wir müssen urteilen und sind stets in der Gefahr des Vorurteils. Umso wichtiger ist Vorsicht im Urteilen, und zu versuchen, stets das rechte Maß zu wahren.

Vorurteile und Urteile. Was sind Vorurteile? was last modified: Dezember 19th, 2015 by Henrik Geyer

Lieben und Liebe erlangen – was tut man, wenn Liebe fehlt?

Liebe, lieben, Liebe erlangen

Lieben ist das Wichtigste im Leben – fast klingt es ein bisschen trivial … Wir wollen geliebt werden und wir wollen Liebe geben, im Zustand der Liebe sein. Darum dreht sich alles. Ob wir es nun Anerkennung nennen, oder Geschätzt-Werden.

Alles geschieht mit dem Ziel …

Alles was wir unternehmen geschieht mit dem Ziel, geliebt zu werden – mag man es ausdrücken, wie man will: geliebt vom Glück, geliebt von der Welt, geliebt vom Schicksal, geliebt von Gott… oder auch konkreter: geliebt vom Partner, geliebt von den Leuten, die einen umgeben..

Wo ist denn die Liebe – gibt es einen Mangel?

Und doch scheint Liebe manchem wie Mangelware. Eigentlich müsste es sie doch reichlich geben. Wo finden wir sie nur?

Was soll man nur machen, um geliebt zu werden?

… denn manchem erscheint es eben schwer, in dieser scheinbar kalten Welt Liebe zu erlangen.

Doch so mancher wird vielleicht schon einmal den biblischen Satz gehört haben: „du sollst deine Feinde lieben wie dich selbst.“ Wie unsinnig – da sträubt sich der Verstand! Ausgerechnet die Feinde lieben? Die Freunde lieben, das ja! Aber doch nicht die Feinde!

Und doch – in diesem Satz steckt alles, was man beachten muss, um zu lieben, und um Liebe zu erlangen. Denn es erfordert ein grundlegendes Umdenken – allein schon das, die Liebe selbst als Ziel und wichtigste Priorität anzusehen. Denn vielen ist es gar nicht klar, was alles sie bereits tun, um diesem Ziel näher zu kommen. Doch, gerade wenn man Liebe als Ziel erkennt und akzeptiert, kann man geradewegs darauf zugehen. Und, gerade wenn man sich von Streit und Hass umgeben sieht, von Feinden, dann ist es ein völlig logischer Schritt, sich zunächst einmal zu fragen, wodurch unsere Feinde unsere Feinde sind. Wo sonst sollen Freunde zu finden sein, wenn nicht unter denen, die uns umgeben?

Ist es nicht mindestens auch eine Sichtweise, die uns die Welt wie eine Umzinglung von Feinden erscheinen lässt? Wenn ja – wodurch lässt sich eine solche Sichtweise ändern? Durch Umdenken, durch Neu-Begreifen!

Alles ist Geist

Gerade seine Feinde zu lieben bedeutet nichts anderes, als den Standpunkt des Anderen mit- zu berücksichtigen. Zu verstehen, dass andere Menschen Wesen gleicher Art und Güte sind, wo man bisher gewohnt war, nur das eigene Ich in den Mittelpunkt zu stellen. Dadurch verwandelt sich Freund / Feind-Denken zu: Das-Gute-sehen Wollen. Wir sehen die Welt mit anderen Augen. Wem jedoch der biblische Spruch zu radikal erscheint, der kann es auch halten wie Mark Twain:

Ehe man anfängt, seine Feinde zu lieben, sollte man seine Freunde besser behandeln.

Den Weg der Liebe zu gehen bedeutet, in einem spirituellen Sinn zu erkennen, dass man selbst nichts anderes ist, als das Außen.

Es bedeutet zu erkennen, worin die Gleichheit besteht und den Blick abzuwenden von den vielfältigen Differenzen, die uns sagen: „Der, die, oder das – ist ganz anders!“ Liebe ist die Sichtweise der Einheit.

Liebe bedeutet nicht Selbstaufgabe

Liebe hat nichts mit Selbstaufgabe zu tun. Sein Außen zu lieben bedeutet auch, sich selbst zu lieben. Wer für andere nur Hass empfindet, muss sich auch selbst hassen – und umgekehrt. Denn wir sehen unser Außen durch die Brille unseres Verständnisses – unser Außen ist gleichzeitig unser Innen.

Keine Angst, man läuft nicht Gefahr, plötzlich als Volltrottel dazustehen, wenn man sich vornimmt, zu lieben, vielleicht sogar die Feinde zu lieben…. Der Entschluss ist lediglich der Beginn eines längeren Weges  – ein Gedanke, der sich erst einmal festsetzen muss. Den man lernen muss. Man kann den Weg nicht kennen, wenn man den ersten Schritt tut. Erst allmählich wird sich das Denken an ein neues Weltbild gewöhnen, und ebenso langsam wird sich der gewünschte Effekt einstellen.

Lieben ist eine Tätigkeit

Eine wichtige Erkenntnis in diesem Zusammenhang ist, dass Liebe nicht statisch ist. Sie ist nicht „da“, und muss von irgendwo her nur noch „abgerufen“ werden.

Sondern, damit sie ins Leben tritt, ist es nötig, sie zu wollen, sie zu suchen, etwas dafür zu tun. Die gute Nachricht ist: Nichts hält uns davon ab, nichts brauchen wir dafür. Nur das Wollen. Wir müssen nicht auf jemanden warten, der sagt „Ich liebe dich!“. Wer auf Äußerlichkeiten wartet, die die Liebe ermöglichen sollen, der wird umsonst warten. Wir benötigen keine äußeren Umstände um zu lieben – wir können sofort etwas dafür tun. Plötzlich ist Liebe keine Mangelware mehr, sondern ausreichend vorhanden.

Zu lieben bringt Erfüllung in unser Leben – es ist der direkte Weg zum Glück. 

Ähnliches Thema: Artikel Frieden bewahren: beim Gedanken des Friedens bleiben

Siehe auch: Was heißt: Lebe deinen Traum?

Ähnliches Thema: Reichtum – über das Recht, reich zu sein

Lieben und Liebe erlangen – was tut man, wenn Liebe fehlt? was last modified: Juni 17th, 2016 by Henrik Geyer

Bewusst sein. Rein sein.

Bewusst sein

Spiritualität ist immer die Übung des Einfachen, die Konzentration auf das Wesentliche der Existenz, die Suche nach Reinheit. Sei es nun beim autogenen Training, wo den ursprünglichsten Körperempfindungen nachgespürt wird, beim Yoga, wo einfache Übungen genutzt werden, um diese innere Stille herzustellen… Gebetsrituale nutzen die geistige Konzentration auf einen bestimmten Punkt, um die Rückbesinnung auf das Wenige  zu ermöglichen, worauf sich der Geist beziehen soll und was  geeignet ist, die innere Balance (wieder) herzustellen. Es ist gleichsam die Suche nach Bewusstheit, nach Bewusst Sein.

Mancher entdeckt: nur so, nur in der Stille ist die eigene innere Stimme hörbar, die im Alltags-Getöse ansonsten untergeht.

Untergang der inneren Stimme im Alltags-Getöse

In unserer materialistischen Welt wird so oft das Mehr! gesucht. Das bessere Auto, das bessere Haus, der bessere Lebenspartner, die bessere Arbeit, das bessere Fernsehprogramm. Man benötigt dann Menschen, die dieses Mehr! gebührend zur Kenntnis nehmen, zuhören, wenn man von den Vorteilen berichtet, und dann möglichst das Gleiche haben möchten… wenn nicht Mehr!!  Abgesehen von der Tatsache, daß diese Denkweise rein äußerliche Bedürfnisse bedient – ist sie auch extrem anstrengend. Angeber sind nicht die beliebtesten Zeitgenossen. Außerdem ist es kaum möglich dem Ideal gerecht zu werden, das im Außen als nie dingfest zu machendes Ziel wabert. Was ist das: das beste Auto, der beste Lebenspartner? Verflixt, es gibt doch immer welche, die haben Mehr!

 Mehr! leisten! Wie kann man allen Anforderungen gerecht werden, so daß auf der Arbeit jeder sagen muss: „Kollege XY ist in keinem Punkt zu tadeln!“ Kurz gesagt: es geht nicht, und jeder, der irgendwann aufgibt zu versuchen, dieses Mehr! zu erhaschen, ist glücklich zu nennen. Der Tanz um das biblische goldene Kalb findet von nun an ohne ihn statt.

Bewusst sein bedeutet rein sein

Die Einfachheit bewusst zu suchen ist eine ursprüngliche spirituelle Übung, bekannt aus allen spirituellen Denkrichtungen und Religionen.

Wachstum kann auch geistig stattfinden und muss nicht notwendigerweise verbunden sein mit der Anschaffung irgendeines bestimmten Konsumgutes, dem Erreichen irgendeines fernen Zieles.

Im Gegenteil – was wir wirklich brauchen, das ist eigentlich wenig. Und dieses Wenige finden wir durch die Reinheit des Gedankens – durch die Konzentration auf das Wesentliche. Nicht umsonst ist eine wichtige spirituelle Übung das Fasten. Durch Fasten wird einem auf schnellstem Wege klar, mit wie wenig der Mensch in der Lage ist auszukommen. Die Perspektive des Fastens eröffnet eine ganz neue Welt der Genügsamkeit und auch Zufriedenheit.

Was benötigt man wirklich – und was macht wirklich glücklich?. Weniger ist mehr – in der Reinheit liegt ein Weg zu mehr Bewusstsein; sich seines Selbst bewusst sein.

Bewusst sein. Rein sein. was last modified: Dezember 15th, 2015 by Henrik Geyer