Beweisbarkeit des Spirealismus

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Beweisbarkeit des Spirealismus: Eins plus Eins gleich Zwei... aber was ist Eins?

Wie läßt sich der Spirealismus beweisen? Wenn der Spirealismus aussagt, dass die Realität in den Gedanken liegt, ist seine Beweisbarkeit dann eine Frage der Phantasie?

fehlende Objektivität

Man muss sagen: Genau so ist es!

Das leitet sich bereits aus dem über Objektivität Gesagten ab.

Einerseits habe ich häufig dargelegt, warum es keine Objektivität gibt, wie das gemeint ist, woran man es sehen kann, etc.. Andererseits bedeutet das natürlich auch (und es hat mir selbst lange Kopfzerbrechen bereitet), dass der Spirealismus selbst nicht objektiv sein kann.

Eine Weile dachte ich so: Fehlende Objektivität ist die einzige IMMER feststellbare Tatsache – und somit dem am allernächsten, was man objektiv nennen könnte. Doch, nein, die ehrliche Antwort ist: Nicht existierende Objektivität läßt sich auch nicht objektiv beweisen!

Wie schwer es fällt, diese Denkhürde zu überwinden beweist jedoch, wie sehr unsere Vorstellungen auch Denkgrenzen sind.

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eine Frage der Phantasie

Wenn man nun in dieser Welt (spirealistisch: in diesen Welten) keine Objektivität finden kann, dann bedeutet das, dass die Dinge, so wie sie uns vor Augen stehen, als Vorstellungen in die Welt(en) kommen.

Spruchbild: Nicht "unser" Denken im Gehirn erzeugt Realität - das Denken geht nicht von unserem Gehirn aus, sondern umschließt und erschafft uns. Ebenso wenig erzeugt eine Quelle Wasser. In einer Quelle tritt Wasser nur zu Tage.(Aus spirealistischer Sicht sind dies allerdings Vorstellungen eines kollektiven Bewusstseins, eines panpsychischen Bewußtseins sozusagen. Nicht so, wie wir uns Bewußtsein gemeinhin vorstellen, als nur im Menschen zu verorten, nur der Mensch erbringe den Beweis für Bewußtsein und zwar durch „sein“ Bewußtsein, u.s.w.).

 

 

Dass die Phantasie hier die entscheidende Instanz eines Beweises ist, will ich wie folgt illustrieren:

Seit Jahrtausenden gibt es in der Philosophie Überlegungen, die die spirealistischen Thesen stützen, und die ich daher in verschiedensten Beiträgen zitierte. Diesmal erinnere ich an den bekannten Ausspruch des Heraklit

Alles fließt.

oder auch (ebenfalls von Heraklit)

Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen.

Dies bereits mag ein wenig schwierig sein, sich vorzustellen, aber es ist eigentlich logisch: Wer zu zwei verschiedenen Zeitpunkten in den Fluss steigt, findet nicht denselben Fluss vor, sondern eigentlich zwei verschiedene. Der Stoff des Flusses hat sich sowohl in seiner Identität (der Stoff: das Wasser) gewandelt, wie auch in der Zusammensetzung, der Menge, etc..

Man mag nun denken: Der Fluss ist ein Sonderfall – das flüssig-flüchtige Element Wasser, aus dem er besteht, ist nicht in den (festen) Dingen. Doch, was für den Fluss gilt, muss man sich nun für alle Dinge denken, so verlangt Heraklit, denn alles fließt.

Warum sagt er das? Weil, was für den Fluss zutrifft, der ja im Grunde eine ganz alltägliche Erscheinung ist, nicht in seinem Wesen völlig verschieden sein kann, von allem anderen. Nein, in einem Kontinuum der Wahrnehmungen ist der Fluss eine Erscheinung, die sich nur graduell unterscheidet, nicht jedoch wesenhaft. Dies ist übrigens auch exakt die Aussage vieler Teilchenphysiker der Moderne, die sich mit dem Wesen der Materie beschäftigen.

Nun kann man aber – auch das gibt es bereits seit Jahrtausenden – konsequenterweise weiter sagen:

Man kann nicht einmal in denselben Fluss steigen.

Dies ergibt sich als logische Konsequenz, wenn man versteht, dass Wissen Erinnerung ist (Platon), und dass, wenn man einen Fluss sieht, und ihn bereits in einem zweiten Gedanken ergründen will, seinem Wesen auf die Spur kommen will, dieser Fluss bereits im zweiten Moment verändert ist – es gilt also auch hier das bereits Gesagte: Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen.

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen. Heraklit … Man kann nicht einmal in denselben Fluss steigen.

Das wiederum ist identisch mit der spirealistischen Sichtweise des fehlenden Objektiven … es gibt kein Ding, das ein eigenes, vom Denken unabhängiges Wesen hätte, es gibt kein unabhängiges Außen, das wir beobachten. Sondern, die Existenz der Welt(en) IST Denken, IST Relativität, IST Subjektivität – das ist die spirealistische Grundüberzeugung.

 

 

 

Art und Weise des Beweises

Wie also könnte ein Beweis für dieses Denken aussehen?

In der quasi einzig gewünschten Form, in Form des Beweises eines objektiven Tatbestandes, kann er nicht stattfinden, denn das würde die Negation dessen erfordern, was der Spirealismus proklamiert und was ja gerade bewiesen werden soll.

Anders gesagt: Wenn die (weltanschaulichen) Brillen der Ichs dafür verantwortlich sind, was für eine Welt ihnen entsteht, was für sie also „sichtbar“ ist, dann ist für den materialistischen Denker die Geisteswelt des Spirealismus unsichtbar, undenkbar, nicht nachweisbar.

Es bleibt dem Spirealisten nichts anderes übrig, als die Phantasie des Materialisten anzuregen, ihn an Alltagserfahrungen zu gemahnen die seiner materialistischen Grundüberzeugung widersprechen, also die Widersprüche des Materialismus aufzuzeigen, und auf der anderen Seite die Logik, den Nutzen und die letztliche Unabwendbarkeit des Spirealismus aufzuzeigen.

Das ist aber nicht einfach – gerade der Spirealismus in seiner Konsequenz zeigt ja, dass die Welten (welche es auch seien) immer in sich logisch und vollständig wirken müssen, es gibt für sie jeweils kein „fehlendes“ Element, keine Notwendigkeit, eine andere Welt zu erschaffen. Sondern es gibt innerhalb des Materialismus nur die Notwendigkeit den Materialismus weiterzuentwickeln. Ich möchte das mit einem provokativen Beispiel illustrieren – dem Wunderglauben des Mittelalters. Vorausgesetzt man glaubt an die Existenz von Hexen ist die daraus folgende Konsequenz ja nicht, die Existenz von Hexen in Zweifel zu ziehen, sondern die Konsequenz ist, die Auffindbarkeit des Hexenunwesens zu ergründen, die Hexen zu vernichten, etc.. Das bedeutet, der Glaube, jede Vorstellungswelt, auch die des Materialismus, stabilisiert sich selbst. Und das ist es, was wir ja auch tatsächlich stets und ständig sehen.

Die Notwendigkeit des Spirealismus im Heute

… und … gilt das soeben Gesagte nicht auch für den Spirealismus? Stabilisiert er sich dann demzufolge nicht auch selbst?

Doch. Das Gesagte gilt auch für den Spirealismus, der allerdings von vorn herein weniger in festen Begriffen denkt, sondern ja eben gerade die Relativität jedes Begriffes betont. Insofern glaubt der Spirealismus die Welt(en) besser beschreiben zu können und unseren Vorstellungen nützlich zu sein.

Und .. wenn jede Weltvorstellung sich selbst völlig genügt, welche Notwendigkeit und besondere Dringlichkeit besteht dann, in spirealistischen Begriffen zu denken?

Die heutige Zeit sehe ich geprägt durch eine stark entwickelten Materialismus, in dem für Wunderglauben und den Gedanken an etwas „Höheres“ (als den menschlichen Geist) kein Platz zu sein scheint – was die Gegenposition zum Spirealismus ist. Aber auch geprägt durch tausenderlei Widersprüchlichkeiten, beispielsweise aus der häufig von mir ins Feld geführten Teilchenphysik. Weiterhin wird ind er Popkultur zunehmend die Frage gestellt, was überhaupt die Realität ist – man denke an den Film Matrix, aber auch diverse Science Fiction-Romane (auch Filme), beispielsweise von Philip K. Dick. Diese populär werdenden Fragestellungen werden angereichert durch eine jahrtausendelange reiche philosophische Überlegungen … Heraklit, Plato, Kant, Hegel, Schopenhauer, Wittgenstein, Bohr, Einstein, Heisenberg … nun müssten deren Überlegungen „nur noch“ Gegenstand des Alltagsdenkens werden. Und schlussendlich – und vielleicht am wichtigsten – sind es die ganz praktischen Ergebnisse der materialistischen Wissenschaft, die selbst die entscheidenden Fragen immer unvermeidbarer werden lassen: der Computer, die weltweite Vernetzung, die künstliche Intelligenz.

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Wenn es eine Frage der Nützlichkeit (und nicht einer schlichten Wahrheit) sein sollte: Der Spirealismus hat, richtig verstanden, Nützlichkeit. Und: Er fügt sich in das bestehende Denken nahtlos ein, will z.B. die Wissenschaft nicht etwa überflüssig machen, nur weil er die Wahrheit spirituellen Denkens darlegt – denn er stellt die Relativität der Welt(en) fest, und postuliert ihre jeweilige „Gültigkeit“. Gleichzeitig stellt er keineswegs die Existenz in Frage, auch wenn er die Welt(en) als „gedacht“ bezeichnet. Jedoch hat der Spirealismus einen eigenen Existenzbegriff, der von dem des Materialismus abweicht.

Der Beweis …

… ist also keine nachrechenbare Formel, das kann es nicht sein. Auch (verständlicherweise) kein: „Seht, dort ist das Nichts!“

Sondern es ist ein Aufzeigen stets und ständig vorhandener unendlicher anderer Denkmöglichkeiten, als sie gerade im öffentlichen (supersubjektiven) oder individuellen Bewusstsein vorherrschen. Es ist ein Denken in Metaphern, in Symbolen, ein Quer- und Andersdenken, und ein Aufzeigen von dessen Wahrheit.

 

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Beweisbarkeit des Spirealismus was last modified: Mai 20th, 2016 by Henrik Geyer