Die Zahl Vier – Symbol für die ganze Welt

Die Zahl Vier, Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Die Vorstellung von den vier Elementen: Feuer, Wasser, Luft und Erde.

Die Zahl Vier – die Diversifizierung der Welt

Ich darf noch einmal erinnern an die Zahl Eins – und die in diesem Beitrag zitierte Passage aus dem taoistischen Werk „Das wahre Buch vom südlichen Blütenland“, indem es um das Entstehen der Welt, vorgestellt als Zahlen, ging.

Siehe auch: Beitrag Die Zahl Eins

Nachdem das kosmische Urprinzip seinen Ausdruck findet in den Zahlen Eins, Zwei und Drei, ebenso wie den uns im eigentlichen Sinn unfassbaren Ausdrücken Null und Unendlich, entdecken wir die Zahl Vier, wenn die Welt beginnt Formen anzunehmen in vier prinzipiellen Vorstellungen – oft bezeichnet als Feuer, Wasser, Luft und Erde.

Nun ist es ja die Eigenschaft des Spirealismus, immer die Verschiedenheit der Vorstellungen zu betonen und zu verdeutlichen – denn ein objektives Außen gibt es nicht. Alles kann daher auch anders gesehen werden – und dem Symbolismus, der Metaphorik, kommt im Spirealismus eine besondere Bedeutung zu.

Ich mag Ouspensky, daher möchte ich auch an dieser Stelle ein Zitat aus einem seiner Werke einfügen – wohlgemerkt stellvertretend für viele mögliche Quellen, aus vielen verschiedenen möglichen Bereichen.

J.P. Ouspensky: A New Model Of The Universe

Aber wie als Gegenstück zu toten Ideen, die nirgendwo sonst existieren, gab es auf der anderen Seite lebendige Ideen, die immer und überall wiederkehren und stets präsent sind, in allem was ich dachte, erfuhr und zu dieser Zeit verstand. Zuerst war da die Vorstellung einer Triade, oder Trinität, die in alles eindrang. Ein weiterer sehr wichtiger Platz wurde durch die Vorstellung von den vier Elementen eingenommen: Feuer, Wasser, Luft und Erde. Dies war eine reale Vorstellung, und während der Experimente, im neuen Zustand der Bewusstheit, verstand ich, wie alles von der Triade durchdrungen und verbunden war. Doch im Normalzustand verließ mich der Sinn für die Wichtigkeit und die Verbindung dieser beiden Ideen.

Die Zahl Vier könnte man auch so sehen …

Die vier Elemente – Ihre sprachliche Verwandtschaft zu allem was wir kennen Siehe Dahn – die Heldengoetter – entstammen Urprinzipien. In seinen visionären Interpretationen der Tarotkarten beschreibt Ouspensky die Zahl Vier als ein Prinzip, das am Rand eines rotierenden Kreises (die Welt selbst) zu finden ist, so als solle dieser Kreis in seinem Lauf stabilisiert werden … Materie ist das Gerinnen des Geistes..“

 

J.P. Ouspensky: Der Symbolismus des Tarot

Karte 21: Die Welt

Eine unerwartete Vision erschien mir. Ein Kreis, der einer Frucht ähnlich sah, gewoben aus Regenbogen und Blitzen, wirbelte mit erstaunlicher Geschwindigkeit von Himmel zu Erde, mich durch seine Strahlkraft blendend. Und mitten in diesem Licht und Feuer hörte ich Musik und leises Singen, Donnerschläge und das Brüllen eines Orkans, das Rumoren von zusammenstürzenden Bergen, und Erdbeben.

Der Kreis wirbelte mit einem erschreckenden Lärm, die Erde und die Sonne berührend, und, in der Mitte sah ich die nackte, tanzende Figur einer wunderschönen jungen Frau, eingehüllt in ein leichtes, transparentes Tuch, in ihrer Hand hielt sie einen Zauberstab.

Augenblicklich erschienen die vier apokalyptischen Bestien am Rand des Kreises; eins mit dem Gesicht eines Löwen, eins mit dem Gesicht eines Menschen, eins dem eines Adlers und das vierte dem Gesicht eines Bullen.

Die Vision verschwand so schnell wie sie erschienen war. Eine seltsame Stille überfiel mich. Ich fragte mich, was all das wohl bedeutete.

„Das ist ein Abbild der Welt“, sagte die Stimme. „Doch das kann erst verstanden werden, nachdem der Tempel betreten wurde. Dies ist eine Vision der Welt im Kreislauf der Zeit, inmitten der vier Prinzipien. Doch Ihr seht verschieden, denn Ihr seht die Welt außerhalb Eurer selbst. Lernt sie in Euch selbst zu sehen und ihr werdet den unendlichen Grundstoff entdecken, der hinter allen illusorischen Formen verborgen liegt.

Versteht, dass die Welt die Ihr kennt nur ein Aspekt der unendlichen Welt ist, und Dinge und Erscheinungen sind Hieroglyphen der tieferen Ideen.

Der Mensch kommt in seinen Vorstellungen immer wieder auf Urvorstellungen zurück

Der Mensch kommt in seinen Vorstellungen immer wieder auf fundamentalste Urvorstellungen zurück, oft verbunden mit den Elementen Luft, Wasser, Feuer, Erde.

 

Der Philosoph Thales beispielsweise fand als Urgrund und Substrat aller Dinge das Feuchte, das Wasser.

Der Philosoph Anaximenes wiederum sah die Luft als den Urgrund aller Dinge, denn aus dieser entstünde alles, und löse sich auch wieder auf.

Heraklit sagte:

Alles ist Austausch des Feuers und das Feuer Austausch von allem, gerade wie für Gold Waren und für Waren Gold eingetauscht wird.

In der Bibel schließlich ist die Erde (Staub) das, aus dem alles ist:

Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot essen, bis daß du wieder zur Erde kehrst, von der du genommen bist; denn du bist Staub und kehrst wieder zum Staub zurück! (1. Mose 3)

Sprache ist die Vorstellung von der Welt … Sprache ist die Welt

Man kann das Ganze auch wie ein Sprachforscher angehen, der zeigt, dass den Diversifikationen der Worte (und den damit verbundenen Vorstellungen) stets einfache Urworte und Urvorstellungen zugrundeliegen, denn es ist die spirealistische Vorstellung, dass die Worte die Umsetzungen unserer Vorstellungen sind, und, da die Welt(en) im Spirealismus aus Vorstellungen bestehen, sind die Worte ebenso die Welt(en). So gesehen ist die Entwicklung der Worte gleichzusetzen mit der Entwicklung der Welt(en).

Ich habe nun hierfür folgendes Zitat, in dem Felix Dahn (unter anderem) aufzeigt, dass aus der Praxis der Germanen, Zauberzeichen (Runen) in Stäbe einzuritzen, diese in einem Gefäß zu mischen (etwa einem Helm), auf die Erde zu schütten und von dort aufzulesen, das Wort „lesen“ stammt.

(Zauber von zepar; opferbare Tiere, im Gegensatz zu Unziefer, Ungeziefer, welches die Götter verschmähen), Weissagung, Zukunftsforschung, Losung. Man ritzte in Stäbchen von Buchenrinde Zeichen, warf sie (etwa aus einem Helm) zur Erde und las sie einzeln auf (daher „lesen“);

aus: Germanische Heldensagen von Felix Dahn

Empedokles sagte:

… so ist auch die Quelle der irdischen Dinge, so viele uns in ihrer unendlichen Fülle bekanntgeworden sind, nirgendwo anders als in ihren Elementen zu suchen.

 

Damals war die Vorstellung von Grundelementen die von Feuer, Wasser, Luft und Erde. Und, wechselnd, auch einigen anderen, wie z.B. Blut. Heute haben wir im Periodensystem der Elemente etwa 116 Elemente, mit der Tendenz zur allmählichen Steigerung der Anzahl. Haben wir heute ein objektives Wissen vor uns, im Gegensatz zur griechischen Antike? Aus der Sicht des Spirealismus nicht, denn der sieht in der Fortentwicklung einen nie aufhörenden, kontinuierlichen Prozess der Herausbildung der Welt(en).

Das Stück „die Welt“ wird aufgeführt auf der Bühne der vier Dimensionen

Den Pytagoreern wird folgende geometrische Erkenntnis zugeschrieben, die gleichzeitig Erweiterung und Variation dessen ist, was bereits über die Zahlen Eins, Zwei und Drei gesagt wurde:

Eins ist der Punkt.

Die Bewegung des Punktes erzeugt die Linie, das ist die Zwei.

Die Bewegung der Linie erschafft die Fläche, das ist die Drei.

Die Bewegung der Fläche erschafft die Körper, das ist Vier.

Diese (geometrische) Betrachtung kann man als Vorstellung vom Entstehen der Welt sehen, denn die Bühne „der Welt“ ist nach geläufiger Vorstellung der Raum. Die Bewegung ist die Veränderung der Sichtweise (verbunden mit Ortswechsel im Raum), möglich gemacht durch Zeit. Die Körper (Dinge) aus denen unsere Welt besteht werden möglich gemacht durch die Dimensionen, von denen es, zumindest bis vor kurzem, noch vier gab – auch hier finden wir wieder die Zahl Vier.

Nebenbemerkung: Inzwischen wollen Forscher die Zahl der Dimensionen mit 11 angeben, wenn ich da auf dem Laufenden bin, vielleicht sind es inzwischen schon mehr. Ich halte es für unsachgemäß Dimensionen einfach herbeidefinieren zu wollen – der Begriff Dimension, mehr noch als jeder andere Begriff, steht nach meinem Dafürhalten für ein grundlegendes Prinzip, das in der Vorstellungswelt Aller seine Wurzeln haben muss, nicht nur einiger Wissenschaftler, und sich daher nicht aus den Berechnungen von Atomphysikern ergeben kann. 

Die Zahl Vier als die symbolhafte Verkörperung der Welt

So erklärt sich, dass die Zahl Vier eine gewisse Wichtigkeit hat – sie steht, nachdem das Prinzip der Dreifaltigkeit zum ursprünglichen Entstehen der Welt zu rechnen ist, für das Entstehen der Dinge. Die unendlich vielen Dinge, sie beginnen, für das menschliche Denken, für die Sprache, in ganz einfachen Dingen.

So suchen wir beispielsweise immer noch den Kern in jeder Sache. Denken wir an den Atomkern, und seine diversen Kerne (Elektronen, Protonen, Neutronen, Quanten) – so als handelte es sich um den Kern, der man selbstverständlich in einer Kirsche zu finden erwartet.

Der Spirealismus versteht den Menschen als Teil eines ihm übergeordneten Bewusstseins, eines Kontinuums aus Denken, in dem es kein Gestern und kein Morgen gibt, sondern sich stetig entwickelnde und diversifizierende Begriffe.

Daher ist die Sichtweise berechtigt, dass alles, was wir heute denken, auf einige wenige Urvorstellungen zurückgeht, wie Erde, Luft, Wasser, und Feuer. Die Zahl Vier.

Siehe auch: Beitrag Symbolismus – was ist das? Symbolhaftes Denken

Siehe auch: Artikel Monokausal und Multikausal – wie viele Gründe kann man zählen?

Siehe auch: Beitrag Der Mensch möchte zu den Sternen singen

Die Zahl Vier – Symbol für die ganze Welt was last modified: Mai 19th, 2016 by Henrik Geyer

Beweisbarkeit des Spirealismus

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Beweisbarkeit des Spirealismus: Eins plus Eins gleich Zwei... aber was ist Eins?

Wie läßt sich der Spirealismus beweisen? Wenn der Spirealismus aussagt, dass die Realität in den Gedanken liegt, ist seine Beweisbarkeit dann eine Frage der Phantasie?

fehlende Objektivität

Man muss sagen: Genau so ist es!

Das leitet sich bereits aus dem über Objektivität Gesagten ab.

Einerseits habe ich häufig dargelegt, warum es keine Objektivität gibt, wie das gemeint ist, woran man es sehen kann, etc.. Andererseits bedeutet das natürlich auch (und es hat mir selbst lange Kopfzerbrechen bereitet), dass der Spirealismus selbst nicht objektiv sein kann.

Eine Weile dachte ich so: Fehlende Objektivität ist die einzige IMMER feststellbare Tatsache – und somit dem am allernächsten, was man objektiv nennen könnte. Doch, nein, die ehrliche Antwort ist: Nicht existierende Objektivität läßt sich auch nicht objektiv beweisen!

Wie schwer es fällt, diese Denkhürde zu überwinden beweist jedoch, wie sehr unsere Vorstellungen auch Denkgrenzen sind.

Lesen Sie auch: objektiv subjektiv. Was ist der Unterschied zwischen Objektivität und Subjektivität?

eine Frage der Phantasie

Wenn man nun in dieser Welt (spirealistisch: in diesen Welten) keine Objektivität finden kann, dann bedeutet das, dass die Dinge, so wie sie uns vor Augen stehen, als Vorstellungen in die Welt(en) kommen.

Spruchbild: Nicht "unser" Denken im Gehirn erzeugt Realität - das Denken geht nicht von unserem Gehirn aus, sondern umschließt und erschafft uns. Ebenso wenig erzeugt eine Quelle Wasser. In einer Quelle tritt Wasser nur zu Tage.(Aus spirealistischer Sicht sind dies allerdings Vorstellungen eines kollektiven Bewusstseins, eines panpsychischen Bewußtseins sozusagen. Nicht so, wie wir uns Bewußtsein gemeinhin vorstellen, als nur im Menschen zu verorten, nur der Mensch erbringe den Beweis für Bewußtsein und zwar durch „sein“ Bewußtsein, u.s.w.).

 

 

Dass die Phantasie hier die entscheidende Instanz eines Beweises ist, will ich wie folgt illustrieren:

Seit Jahrtausenden gibt es in der Philosophie Überlegungen, die die spirealistischen Thesen stützen, und die ich daher in verschiedensten Beiträgen zitierte. Diesmal erinnere ich an den bekannten Ausspruch des Heraklit

Alles fließt.

oder auch (ebenfalls von Heraklit)

Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen.

Dies bereits mag ein wenig schwierig sein, sich vorzustellen, aber es ist eigentlich logisch: Wer zu zwei verschiedenen Zeitpunkten in den Fluss steigt, findet nicht denselben Fluss vor, sondern eigentlich zwei verschiedene. Der Stoff des Flusses hat sich sowohl in seiner Identität (der Stoff: das Wasser) gewandelt, wie auch in der Zusammensetzung, der Menge, etc..

Man mag nun denken: Der Fluss ist ein Sonderfall – das flüssig-flüchtige Element Wasser, aus dem er besteht, ist nicht in den (festen) Dingen. Doch, was für den Fluss gilt, muss man sich nun für alle Dinge denken, so verlangt Heraklit, denn alles fließt.

Warum sagt er das? Weil, was für den Fluss zutrifft, der ja im Grunde eine ganz alltägliche Erscheinung ist, nicht in seinem Wesen völlig verschieden sein kann, von allem anderen. Nein, in einem Kontinuum der Wahrnehmungen ist der Fluss eine Erscheinung, die sich nur graduell unterscheidet, nicht jedoch wesenhaft. Dies ist übrigens auch exakt die Aussage vieler Teilchenphysiker der Moderne, die sich mit dem Wesen der Materie beschäftigen.

Nun kann man aber – auch das gibt es bereits seit Jahrtausenden – konsequenterweise weiter sagen:

Man kann nicht einmal in denselben Fluss steigen.

Dies ergibt sich als logische Konsequenz, wenn man versteht, dass Wissen Erinnerung ist (Platon), und dass, wenn man einen Fluss sieht, und ihn bereits in einem zweiten Gedanken ergründen will, seinem Wesen auf die Spur kommen will, dieser Fluss bereits im zweiten Moment verändert ist – es gilt also auch hier das bereits Gesagte: Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen.

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen. Heraklit … Man kann nicht einmal in denselben Fluss steigen.

Das wiederum ist identisch mit der spirealistischen Sichtweise des fehlenden Objektiven … es gibt kein Ding, das ein eigenes, vom Denken unabhängiges Wesen hätte, es gibt kein unabhängiges Außen, das wir beobachten. Sondern, die Existenz der Welt(en) IST Denken, IST Relativität, IST Subjektivität – das ist die spirealistische Grundüberzeugung.

 

 

 

Art und Weise des Beweises

Wie also könnte ein Beweis für dieses Denken aussehen?

In der quasi einzig gewünschten Form, in Form des Beweises eines objektiven Tatbestandes, kann er nicht stattfinden, denn das würde die Negation dessen erfordern, was der Spirealismus proklamiert und was ja gerade bewiesen werden soll.

Anders gesagt: Wenn die (weltanschaulichen) Brillen der Ichs dafür verantwortlich sind, was für eine Welt ihnen entsteht, was für sie also „sichtbar“ ist, dann ist für den materialistischen Denker die Geisteswelt des Spirealismus unsichtbar, undenkbar, nicht nachweisbar.

Es bleibt dem Spirealisten nichts anderes übrig, als die Phantasie des Materialisten anzuregen, ihn an Alltagserfahrungen zu gemahnen die seiner materialistischen Grundüberzeugung widersprechen, also die Widersprüche des Materialismus aufzuzeigen, und auf der anderen Seite die Logik, den Nutzen und die letztliche Unabwendbarkeit des Spirealismus aufzuzeigen.

Das ist aber nicht einfach – gerade der Spirealismus in seiner Konsequenz zeigt ja, dass die Welten (welche es auch seien) immer in sich logisch und vollständig wirken müssen, es gibt für sie jeweils kein „fehlendes“ Element, keine Notwendigkeit, eine andere Welt zu erschaffen. Sondern es gibt innerhalb des Materialismus nur die Notwendigkeit den Materialismus weiterzuentwickeln. Ich möchte das mit einem provokativen Beispiel illustrieren – dem Wunderglauben des Mittelalters. Vorausgesetzt man glaubt an die Existenz von Hexen ist die daraus folgende Konsequenz ja nicht, die Existenz von Hexen in Zweifel zu ziehen, sondern die Konsequenz ist, die Auffindbarkeit des Hexenunwesens zu ergründen, die Hexen zu vernichten, etc.. Das bedeutet, der Glaube, jede Vorstellungswelt, auch die des Materialismus, stabilisiert sich selbst. Und das ist es, was wir ja auch tatsächlich stets und ständig sehen.

Die Notwendigkeit des Spirealismus im Heute

… und … gilt das soeben Gesagte nicht auch für den Spirealismus? Stabilisiert er sich dann demzufolge nicht auch selbst?

Doch. Das Gesagte gilt auch für den Spirealismus, der allerdings von vorn herein weniger in festen Begriffen denkt, sondern ja eben gerade die Relativität jedes Begriffes betont. Insofern glaubt der Spirealismus die Welt(en) besser beschreiben zu können und unseren Vorstellungen nützlich zu sein.

Und .. wenn jede Weltvorstellung sich selbst völlig genügt, welche Notwendigkeit und besondere Dringlichkeit besteht dann, in spirealistischen Begriffen zu denken?

Die heutige Zeit sehe ich geprägt durch eine stark entwickelten Materialismus, in dem für Wunderglauben und den Gedanken an etwas „Höheres“ (als den menschlichen Geist) kein Platz zu sein scheint – was die Gegenposition zum Spirealismus ist. Aber auch geprägt durch tausenderlei Widersprüchlichkeiten, beispielsweise aus der häufig von mir ins Feld geführten Teilchenphysik. Weiterhin wird ind er Popkultur zunehmend die Frage gestellt, was überhaupt die Realität ist – man denke an den Film Matrix, aber auch diverse Science Fiction-Romane (auch Filme), beispielsweise von Philip K. Dick. Diese populär werdenden Fragestellungen werden angereichert durch eine jahrtausendelange reiche philosophische Überlegungen … Heraklit, Plato, Kant, Hegel, Schopenhauer, Wittgenstein, Bohr, Einstein, Heisenberg … nun müssten deren Überlegungen „nur noch“ Gegenstand des Alltagsdenkens werden. Und schlussendlich – und vielleicht am wichtigsten – sind es die ganz praktischen Ergebnisse der materialistischen Wissenschaft, die selbst die entscheidenden Fragen immer unvermeidbarer werden lassen: der Computer, die weltweite Vernetzung, die künstliche Intelligenz.

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Wenn es eine Frage der Nützlichkeit (und nicht einer schlichten Wahrheit) sein sollte: Der Spirealismus hat, richtig verstanden, Nützlichkeit. Und: Er fügt sich in das bestehende Denken nahtlos ein, will z.B. die Wissenschaft nicht etwa überflüssig machen, nur weil er die Wahrheit spirituellen Denkens darlegt – denn er stellt die Relativität der Welt(en) fest, und postuliert ihre jeweilige „Gültigkeit“. Gleichzeitig stellt er keineswegs die Existenz in Frage, auch wenn er die Welt(en) als „gedacht“ bezeichnet. Jedoch hat der Spirealismus einen eigenen Existenzbegriff, der von dem des Materialismus abweicht.

Der Beweis …

… ist also keine nachrechenbare Formel, das kann es nicht sein. Auch (verständlicherweise) kein: „Seht, dort ist das Nichts!“

Sondern es ist ein Aufzeigen stets und ständig vorhandener unendlicher anderer Denkmöglichkeiten, als sie gerade im öffentlichen (supersubjektiven) oder individuellen Bewusstsein vorherrschen. Es ist ein Denken in Metaphern, in Symbolen, ein Quer- und Andersdenken, und ein Aufzeigen von dessen Wahrheit.

 

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Weiterlesen: Artikel Die Zahl Vier – Symbol für die ganze Welt

Beweisbarkeit des Spirealismus was last modified: Mai 20th, 2016 by Henrik Geyer

Die Zahl Null ist ETWAS

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Das ist die Zahl Null. Sie ist nicht nicht da!

Die Zahl Null ist ein Begriff, der sich in unser materialistisches Weltbild nahtlos einfügt – in unsere Systematik des Denkens. Daher erscheint uns die Zahl Null aus anderer Perspektive rätselhaft und widersprüchlich, ich möchte in diesem Artikel kurz darlegen, warum.

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Die Zahl Null bezeichnet ETWAS

Es ist uns nicht gegeben, uns wirklich das Nichts vorzustellen, aus diesem Grund ist uns der Tod ebenso rätselhaft wie der Begriff der Unendlichkeit.

Die Zahl Null repräsentiert, unserer materialistischen Weltanschauung entsprechend, und ganz folgerichtig, eigentlich das Nicht-Vorhandensein von ETWAS. Sie entspricht nicht dem Nichts.

 

Nehmen wir eine simple Rechenoperation wie die Multiplikation. Wenn wir ETWAS multiplizieren, dann addieren wir dieses ETWAS so viele Male zu sich selbst hinzu, wie es der Faktor verlangt.

x * 0 = 0, das bedeutet, von der irgendeiner Sache, die bereits  x mal vorhanden ist, gibt es kein Vorkommen. Also letztlich keinmal die Sache. Was damit gezeigt werden soll, ist, dass die Mathematik zwar von der eigentlichen Sache abstrahiert, ohne irgendeine Sache, die letztendlich benannt wird, wäre Mathematik aber sinnlos. Es geht daher bei den Zahlen um die Sache .. um die Dinge unserer Vorstellungen. Das gilt auch für die Null.

Die Zahl Null bezeichnet also nicht Nichts.

Die Zahl Null und die Unendlichkeit

Auf ganz ähnliche Weise rätselhaft ist uns das Unendliche. Es ist ebenfalls ein Begriff aus der Systematik der Zahlen, daher bezeichnet der Begriff des Unendlichen das Nicht-enden-wollende-Vorhandensein von ETWAS.

„Gibt“ es das – ETWAS, das kein Ende nimmt? Woher soll man das wissen, wo es doch (für uns Menschen) kein Ende nimmt?

Auf ganz ähnliche Art lässt sich fragen:

„Gibt“ es das – ETWAS, das gar nicht da ist? Woher soll man das wissen, wenn es doch nicht vorhanden ist? Jedoch – wenn man ETWAS  denkt, dann ist es bereits da – und zwar im Denken. Das eigentliche Nichts ist das nicht, denn das Nichts wäre etwas, das nicht gedacht wird. Die Null FÜR ETWAS kann es nur geben, wenn es ETWAS gibt. Und wenn dieses ETWAS die Zahl Null selbst wäre.

 

So schließt sich der Kreis. Die Zahl Null und das Unendliche haben vieles gemeinsam. Im eigentlichen Sinn können wir sie nicht erfassen. Sie können nicht im eigentlichen Sinn stellvertretend für Existenz sein, so, wie wir (materialistisch) Existenz verstehen.

Im Grunde sind sie gleich: die Unendlichkeit ist zugleich das Nichts, weil wir es nirgendwo sehen. Und das Nichts ist wiederum in Unendlichkeit „da“ – für uns Menschen allerdings unsichtbar. Es ist alles das, was wir nicht denken.

Die Rätselhaftigkeit der Zahl Null in der materialistischen Sichtweise ist sehr verwandt mit den Rätseln der Zahl Eins.

Siehe auch: Die Zahl Eins

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Weiterlesen: Beitrag Was ist unendlich? Nachdenken über das Endliche und die Unendlichkeit

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Im Grunde sind Unendlichkeit und Nichts gleich: die Unendlichkeit ist zugleich das Nichts, weil wir es nirgendwo sehen. Und das Nichts ist wiederum in Unendlichkeit "da", wenn auch für uns Menschen unsichtbar. Es ist alles das, was wir nicht denken.

Die Zahl Null ist ETWAS was last modified: Mai 19th, 2016 by Henrik Geyer

Das Eine und das Andere

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Das eine kann nicht das andere sein. Das eine kann nicht ohne das andere sein.

Während es der materialistischen Sichtweise eigen ist, die Dinge in einem Außen zu sehen, und ihre (dort) definierte Existenz vorauszusetzen, ist es das Wesen des Spirealismus eben dies zu verneinen und zu sagen: Die Dinge kommen mit dem Gedanken in die Existenz. Der Spirealismus fragt: Was ist ein Ding? Was ist das Eine?

Aber auch viele (Nach-)Denker, die sich dem materialistischen Lager zurechnen lassen, also Kernphysiker wie Heisenberg, Dichter wie Goethe, stellten sich diese Frage: Was unterscheidet das Eine vom Anderen, was bringt das Eine in die Existenz, und macht die Existenz eines Zweiten notwendig … getreu dem Grundsatz

Die Grenze des einen Dinges ist zugleich die Grenze eines anderen Dinges
Anaximander, griechischer Philosoph

 

Das Eine und das Andere – was unterscheidet es? … wie kommt man überhaupt auf solche Frage?

Diese Frage ergibt sich mit Notwendigkeit, wenn man sieht, dass sich ein Ding, welches auch immer man nimmt, nicht in Vollständigkeit ergründen lässt. Wenn man wie Immanuel Kant feststellt: ein Ding „an sich“ lässt sich nicht beschreiben. Wenn man das also wahrnimmt, dass es nichts gibt, das man nicht ganz anders sehen, beschreiben, verstehen könnte (spirealistisch gesagt: Es gibt keine Objektivität) – dann fragt man sich: Was ist dieses Eine? Und was unterscheidet dieses Eine wirklich vom Anderen?

Denn das eigentliche Prinzip der Welt können diese Formen, die wir vor uns sehen, nicht sein. Das Prinzip hinter den Formen, die selbst im Unendlichen wurzeln, und quasi vor dem beobachtenden Blick ständig neu entstehen, muss ein einfaches sein, etwas immer Gültiges. Und dieses Prinzip finden wir in unserer Auffassung, denn wir Menschen sind nicht die Beobachter einer Schöpfung, die von uns abgetrennt wäre. Sondern wir selbst sind ihr Element, und daher kommt die Schöpfung in uns selbst, und ihre Prinzipien in „unserem“ Denken, zum Ausdruck. Und dieses ganz einfache Urprinzip liegt in den Worten das Eine und das Andere.

Das eine kann nicht das andere sein.

und

Das eine kann nicht ohne das andere sein.

Weiterlesen: Die Zahl Drei

Aus dem Einen und dem Anderen entsteht das Neue

Spirealismus, das ist Denken in Metaphern. Warum? Weil der Spirealismus die Dinge nicht als in einem Außen definiert sieht – Objektivität gibt es nicht. Daher ist die Welt eine Sichtweise, und eine Sichtweise ist dadurch geprägt, dass sie nicht mit einer zwingenden Unbedingtheit entsteht. Anders gesagt: Die Welt ist eine Möglichkeit, keine Notwendigkeit. Das versteht man durch Metaphorik, durch Symbolismus. Ein für seinen Symbolismus bekannter Autore ist P.D. Ouspensky ic h möchte ein Zitat einfügen aus einem Buch, in dem er psychologische Selbstversuche beschreibt, die er auf der „Suche nach dem Rätselhaften“, wie er es nannte, machte.

Er erhielt während dieser Versuche einen visionären Eindruck vom entstehen der Welt durch eine Dreiheit – das Dritte als Ergebnis der Zweiheit, Ausdruck der Differenz, der Harmonie und des gleichzeitigen Unterschiedes von Yin und Yang, der Einheit im Widerspruch, der Synthese aus These und und Antithese.

Further, there was a picture or mental image which entered into everything and appeared as a necessary part of every logical or illogical construction. This image showed two aspects, both of everything taken together, that is, the whole world, and of every separate part of it, that is, each separate side of the world and of life. One aspect was connected with the First Principle. I saw, as it were, the origin of the whole world or the origin of any given phenomenon or any given idea. The other aspect was connected with separate things: I saw the world, or those events which interested me at the particular moment, in their final manifestation, that is, as we see them around us, but connected into a whole, incomprehensible to us. But between the first aspect and the second aspect there always occurred an interruption like a gap or blank space. Graphically I might represent this approximately in the following way: Imagine that from above three lines appear from one point; each of these three lines is again transformed into three lines; each of these three lines again into three lines. Gradually the lines break more and more and gradually become more and more varied in properties, acquiring colour, form and other qualities, but not reaching real facts, and transforming themselves into a kind of invisible current proceeding from above. From below, imagine the infinite variety of phenomena collected and classified into groups; these groups again unite, and as a result great numbers of very varied phenomena are actually bound into wholes and can be expressed by one sign or one hieroglyph. A series of these hieroglyphs represents life or the visible world at a certain distance from the surface. From above goes the process of differentiation, and from below goes the process of integration. But differentiation and integration do not meet.

Außerdem gab es ein Bild, oder einen geistigen Eindruck, der als notwendiger Teil jeder … Vorstellung alles durchdrang. Dieses Bild hatte zwei Aspekte, beide zusammengenommen – das war die ganze Welt. Und die einzelnen Teile – das waren die einzelnen Aspekte der Welt und des Lebens.

Ein Aspekt war mit dem ersten Prinzip verbunden. Ich sah das Entstehen der ganzen Welt oder das Entstehen jedes Phänomens oder jeder einzelnen Idee.

Der andere Aspekt war mit verschiedenen Dingen verbunden: Ich sah die Welt, oder die Vorgänge, die mich in diesem Moment interessierten, in ihrer endgültigen Erscheinung, also wie wir sie gewohnt sind zu sehen, aber in einem Ganzen verbunden, das nicht wahrnehmbar für uns ist.

Doch zwischen dem ersten Aspekt und dem zweiten Aspekt trat immer eine Unterbrechung auf, oder ein leerer Raum.

Grafisch würde ich das wie folgt beschreiben: Man stelle sich vor, dass von oben drei Linien von einem Punkt ausgehen. Nach und nach brechen die Linien auf und variieren zunehmend ihre Proportionen, erhalten Farbe, Form und andere Eigenschaften, jedoch nicht zu realen Fakten werdend, und wandeln sich zu einer Art unsichtbaren von oben kommenden Strom. Von unten, muss man sich vorstellen, erscheint eine unendliche Vielfalt von Phänomenen, die eingeteilt und geordnet sind in Gruppen; und diese Gruppen wiederum verbinden sich, und als Resultat können sich große Mengen an verschiedenen Phänomenen verbinden, und werden so zu Zeichen oder Hieroglyphen. Eine Reihe dieser Hieroglyphen repräsentiert das Leben oder die sichtbare Welt in einer gewissen Entfernung von der Oberfläche. Von oben erfolgt der Prozess der Differenzierung, von unten der Prozess der Integration. Aber Integration und Differenzierung treffen nicht zusammen.

Ähnliches Thema: Beitrag Dreifaltigkeit – Interpretationen

 

Das eine und das Andere – die alles antreibende Differenz

Das Eine muss das Andere mit sich bringen, weil sich ein Ding oder ein Thema, ein Gedanke oder eine Höhe, eine Spannung oder ein Punkt im Raum, immer nur definieren lässt als ein Unterschied zu etwas anderem.

Zugleich ist dieses Andere naturgemäß anders, das bedeutet, es gibt den schon erwähnten Unterschied, die Differenz zwischen beiden.

Die Differenz wiederum, verstanden als eine Spannung innerhalb eines gemeinsamen Raumes oder eines Käfigs, führt dazu, dass sich eine Entwicklung ergibt. Die Kugel rollt von der schrägen Fläche herunter, die Welten ziehen sich durch Gravitationsunterschiede an, verschmelzen. Der Unterschied der Meinungen betreibt den Fortschritt des Wissens, die Pole an der Autobatterie machen es möglich dass der Motor startet.

Nebenbemerkung: Was ist dieser „Käfig“, von dem ich sprach? Materialistisch gesehen ist es das Vorkommen der Differenz in einem „gemeinsamen Zusammenhang“. Spirealistisch gesehen steht alles in Zusammenhang, es ist eher eine Frage der Wahrnehmung. Die Wahrnehmung (das was der Mensch denken kann) ist im Gegensatz zum grenzenlosen Raum der möglichen Gedanken sehr begrenzt – das sieht der Materialismus  genau anders herum, weil er annimmt, der Mensch beobachte eine von ihm außerhalb befindliche Wirklichkeit, und diese sei in ihren Möglichkeiten begrenzt, anders gesagt: materiell definiert.

So ist also das, was wir als Differenz wahrnehmen, auch nur in einem gemeinsamen Zusammenhang anzutreffen. Stünde es nicht in diesem Zusammenhang, der so unabdingbar ist wie ein Käfig, wäre es allein, und, wie gesagt, das Eine ohne das Andere ist ebenso unmöglich, wie, dass das Eine und das Andere deckungsgleich sind. In der Dialektik ist das das Prinzip des „Kampfes und der Einheit der Gegensätze“. 

 

 

Die Differenz ist das innere Prinzip des Werdens und Vergehens, aus der Differenz ergibt sich das Dritte, die Entwicklung, das Neue … das, was weder das Eine noch das andere ist. 

 

Das Eine und das Andere was last modified: Juni 1st, 2016 by Henrik Geyer

Die Zahl Drei

die Zahl Drei

Die Zahl Drei ist ebenfalls eine magische Zahl, die ich besprechen will. Wir finden die Zahl Drei in so vielen Zusammenhängen, als symbolträchtig, wunderwirksam, metaphorisch.

Man denke nur an die vielen Zitate, Märchen, oder Literatur, Wissenschaft, in denen die Zahl Drei eine wichtige Rolle übernimmt: drei Wünsche hast du frei, Drei Schwestern, dreidimensionaler Raum …

Als Beispiel für einen in der Literatur gebräuchlichen Dreisatz folgendes Zitat:

Es sind drei Kronen: des Richters, des Priesters, des Königs, aber die Krone eines guten Namens ist höher als alle.
Talmud

Oder man denke an die Dreiheit der Zeit: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, die ihre Personifizierung wiederum in diversen Göttern findet. Wie z.B. den germanischen Schicksalsgöttinen, den Nornen .. Urd (Vergangenheit), Werdandi (Gegenwart) und Skuld (Zukunft).

Vision des Ouspensky: die Zahl Drei

Weiterlesen: Artikel Die Zahl Zwei

Wie schon in den Betrachtungen zur Zahl Zwei besprochen, hat P.D. Ouspensky in psychoanalytischen Selbstversuchen Visionen einer Welt entwickelt, deren (geistige) Grundprinzipien nichts mit den materiellen Anordnungen zu tun haben, die wir gemeinhin als unser Außen begreifen. Aus spriealistischer Sicht handelt es sich um Variationen der hermetischen Prinzipien. Oder als Variation der Hegelschen Dialektik, in der sich aus These und Antithese die Synthese ergibt.

Zum Verständnis …

Die nachstehenden Erörterungen werden für den Lesenden vielleicht wenig Sinn machen, wenn er nicht Folgendes bedenkt:

Es ist das grundlegende spirealistische Verständnis, das auf diesem Blog besprochen wird, dass die Welten geistiger Natur sind. Die Materie im Außen zu beobachten bringt in diesem Zusammenhang wenig, da die eigentliche Quelle aller Natur, allen Begreifens, Geist ist.

Das,  was wir als unser tägliches Bild des Außen sehen, ist daher wie ein Schatten an der Wand einer Höhle. Siehe auch Höhlengleichnis von Plato: Artikel Martin Eden – die negative Seite der Erkenntnis

Das Eigentliche, das sich dem täglichen Blick verbirgt, ist die Kraft hinter den Erscheinungen – darum ging es auch Ouspensky. Ouspensky machte sich explizit auf die „Suche nach dem Rätselhaften“. Die Sichtweise auf die Dinge, diese enthielten Rätselhaftes, ist etwas, das sich erfahrungsgemäß dem Materialisten nicht erschließt. Es beginnt mit der Zahl Eins … der Suche nach dem Objektiven, der Suche nach dem Ding „an sich“ (Kant), etc..

Aus spirealisticher Sicht ist die Welt immer ein Gedanke an eine Welt – man kann also abseits von Vorstellungen ohnehin keine Welt „vor sich sehen“. Letztlich trifft das auf die wissenschaftliche Vorstellungswelt ebenso zu wie auf die spirituelle. Die Unbegreiflichkeit dessen aus materialistischer Sicht macht die klare Bildsprache z.B. eines Ouspensky so wertvoll, ohne die klare mathematische Sprache z.B. eines Einstein damit zu schmälern.

Ähnliches Thema: Artikel Phantasie und Wirklichkeit – Zufall, Kreativität und Kausalität

Fundamentale Rolle der Zahl Drei

A new model of the universe
Die Zahl Drei spielte eine sehr wichtige Rolle in der Welt, die ich fand. In einer unserer Mathematik unzugänglichen Weise durchdrang sie alle Relationen zwischen den Größen, erschuf sie und entsprang ihnen. Alles zusammen, das gesamte Universum also, erschien manchmal in der Form einer Triade, die ein Ganzes ergibt, und aussieht wie ein riesiges Dreiblatt. Und jedes Element der Triade wurde durch einen innerlichen Prozess wiederum in eine Triade gewandelt, und dieser Vorgang setzte sich fort, bis alles voller Triaden war, die sich in Musik, oder Licht, oder Muster wandelten.

The number ” three ” played a very important part in the world in which I found myself. In a way quite incomprehensible to our mathematics it entered into all the relations of magnitudes, created them and originated from them. All taken together, that is, the entire universe, sometimes appeared in the form of a ” triad “, composing one whole, and looking like some great trefoil. Each part of the ” triad “, by some inner process, was again transformed into a ” triad “, and this process continued until all was filled with ” triads “, which were transformed into music, or light, or designs.Read more at location 6020 • Delete this highlight

Die Zahl Drei – das Welten-erschaffende Element

Die ewig bleibende Konstellation des Unterschiedes, der die Welten antreibt, stellt sich uns als ein Widerspruch zweier Elemente dar. Diese beiden Elemente sind symbolhaft gezeichnet als die Zahl Eins (das Eine) und die daraus folgende Zahl Zwei (das Andere/das, was nicht Eins ist).

Der Prozess des Entstehens von Welt benötigt nun das daraus Resultierende, das Dritte, repräsentiert durch die Zahl Drei. Anders ausgedrückt: aus These und Antithese resultiert die Synthese. Die Synthese ist weder identisch mit der These, noch der Antithese – sie ist etwas Drittes, etwas Neues.

Man sehe sich beispielsweise einen politischen Prozess an. Aus dem Widerstreit der Parteien zu einem bestimmten politischen Thema resultiert nie der ganz klare Sieg nur einer Seite. Sondern was resultiert, ist die Verbindung der beiden strittigen Seiten zu etwas Drittem.

Oder man sehe diesen Prozess bei sich selbst. Aus dem Widerstreit der innerlichen Ideen resultiert schließlich ein Handeln, das etwas Drittes in die Welt bringt. Es ist niemals die genaue Umsetzung einer Idee, sondern es ist das Element der eigentlichen Schöpfung, anders zu sein, neu zu sein, nie genau etwas Vorhandenes zu sein. Kreative Menschen beobachten diesen Prozess genau, und wissen, dass das Kreative immer das Unvorhersagbare enthält – kreative Menschen suchen das geradezu.

Ähnliches Thema: Artikel Die Magie der Sprache

In ordinary life we think by thesis and antithesis; always and everywhere there is ” yes ” or ” no “, ” no ” or ” yes “. In thinking differently, in thinking in a new way, in thinking by means of signs of things, I came to understand the fundamental errors of our mental process. In reality, everywhere and in every case there were not two but three elements. There were not only ” yes ” and ” no “, but ” yes “, ” no ” and something else besides. And it was precisely the nature of this ” third ” element, inaccessible to the understanding, which made all ordinary reasonings unsuitable and demanded a change in the basic method. I saw that the solution of all problems always came from a third, unknown, element, that is to say, it came from a third and unknown side, and that without this third element it was impossible to arrive at a right solution.

Im normalen Leben denken wir in den Begriffen von These und Antithese; immer und überall ist da dieses “ja” oder “nein”, “nein” oder “ja”. Indem ich davon abwich, indem ich davon verschieden dachte, indem ich symbolhaft dachte, verstand ich die fundamentalen Fehler unseres mentalen Prozesses (Denkens). In der Realität, überall und in jedem Fall, gab es nicht zwei, sondern drei Elemente. Es gab nicht nur „ja“ und „nein“, sondern „ja“, „nein“, und noch etwas weiteres dazu. Und es war ebendie Natur dieses „dritten“ Elementes, dem Verstand unzugänglich seiend, das alle normalen Überlegungen unpassend machte und eine Änderung der fundamentalen Methode erforderte.

Ich sah, dass die Lösung aller Probleme immer ausging von einem dritten, unbekannten Element, oder besser, es kam von einer dritten, unbekannten Seite, und dass es ohne dieses dritte Element nicht gelingen konnte, die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Trinität – die Dreifaltigkeit

Gott ist dreifach von Person und doch einfach von Natur. Gott ist auch an allen Orten, und an jedem Ort ist Gott ganz. Das will so viel sagen, daß alle Orte ein Ort Gottes sind.
Meister Eckhart

Die Zahl Drei hat in spirituellen Denkweisen eine sehr große Bedeutung – man denke nur an die Dreifaltigkeit, die Trinität, die Dreifachheit Gottes – als der Vater (Gott), der Sohn (Jesus) und der heilige Geist.

Über die Interpretation dieser Trinität hat sich schon so mancher Gedanken gemacht. Worin liegt ihre Logik? Worin liegt die Notwendigkeit einer solchen Dreifachheit? Hätte es nicht gereicht, nur von Gott zu sprechen?

Ich denke, auch in der Trinität kommt eben wieder dieses alles antreibende Element zum Ausdruck. Das Dritte – die Zahl Drei. Gott selbst, und sein Wesen, erschaffen die Antithese – Jesus. Jesus ist nicht, wie das Wort Antithese gemeinhin verstanden wird, ein völliger Gegensatz zu Gott, vielmehr ist er eine Gleichheit (EINHEIT und Kampf der Gegensätze). Doch sein Schicksal entwickelt sich auch aus einer seinem Vater gegenüber gegensätzlichen Position. Er muss sein leidvolles Schicksal auf sich nehmen, und darf sich dessen nicht entheben. Erst daraus ergibt sich das Neue – repräsentiert auch durch den heiligen Geist, der in allem ist, und dessen Wirken wir erst durch das Wahrnehmen der Gegensätze spüren. Es ist uns nur gegeben die Dinge zu sehen, das Einzelne – das eine und das andere. Das Dritte kommt durch uns selbst in die Welt, denn wir sind (spirealistisch gesehen) nicht die Beobachter der Schöpfung, sondern ihre Elemente.

These Antithese Synthese

Diese Verbindung der Gegensätze in Einem – das ist auch das Grundverständnis der Dialektik (übrigens auch der Yin-Yang-Beziehung), eines geistigen Welt-Prinzips, aus dem sich in der Verbindung gegensätzlicher Positionen das Neue ergibt. Das Wichtige an diesem Gedanken ist die Verbindung. Anders ausgedrückt: Gegensätze, die nicht miteinander verbunden sind, erschaffen nicht. Die Zahl Drei als das Resultierende kann nur aus dem Zusammenwirken von Gegensätzen entstehen. Ohne Eins und Zwei keine Drei.

 

Nebenbemerkung: In der spirealistischen Sichtweise ist alles mit allem verbunden, etwas Einzelnes im eigentlichen Sinn kann es nicht geben. Daher ist, wenn man einmal diesen spirealistischen Grund-Gedanken verinnerlicht hat, die Sichtweise auf das Einzelne, die einem so oft in der materialistischen Weltanschauung begegnet, recht merkwürdig. Vielmehr wird die Sicht auf das Einzelne transformiert zu einem Bewusstsein für die Tatsache, das jedes Ding vielfältig und symbolhaft in seinem Wesen ist.

Doch ist es nun einmal so, dass es dem Menschen nur gegeben ist, das Einzelne wahrzunehmen, in einem Gedanken … repräsentiert durch die Dinge, oder durch die Zahl Eins. Die uns manchmal paradoxe Verbindung zu etwas Drittem, das in allem ist, aufzudecken, ist der Kunst vorbehalten, in ihren Ahnungen und Visionen.
Weiterlesen: Artikel Die Zahl Drei

Siehe auch: Antithese – nicht völlig gegensätzlich

 

Die Zahl Drei was last modified: Mai 28th, 2016 by Henrik Geyer

Dreifaltigkeit – Interpretationen

Dreifaltigkeit: Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Das Dritte. Es ist nicht das Eine, und nicht das Andere.

Artikel über den Begriff der Dreifaltigkeit.

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Das eine kann nicht das andere sein. Das eine kann nicht ohne das andere sein.

Im Artikel über die Zahl Drei ging es um das Wesen der Welt, das aus einem nicht näher erklärbaren Grund mit der Zahl Drei zusammenhängt, was sich in vielerlei Sichtweisen wiederfindet, zum Beispiel als Synthese (3) aus These (1) und Antithese (2).

Siehe auch: Artikel Die Zahl Drei

die Dreifaltigkeit

Die Dreifaltigkeit Gottes, seine Dreifachheit, Trinität, Trinity, ist eine solche Sichtweise, das Dreifache betonend.

Gott ist eigentlich eins (alles) – sein Symbol ist der Kreis mit einem Punkt in der Mitte, was bedeutet, dass das Eine gleichzeitig Alles ist. Und dass Alles sich in Einem wiederfindet.

Gott wird auch häufig symbolisiert durch ein Dreieck in einem Kreis, was wiederum das Prinzip der Dreifaltigkeit innerhalb des allumfassenden Rahmens Gottes darstellt.

Symbol der Dreifaltigkeit

Gott ist dreifach von Person und doch einfach von Natur. Gott ist auch an allen Orten, und an jedem Ort ist Gott ganz. Das will so viel sagen, daß alle Orte ein Ort Gottes sind.
Meister Eckhart

 

So tritt Gott in der Bibel dem Gläubigen als Dreiheit (Dreifaltigkeit) gegenüber: Als Gott selbst, als sein Sohn Jesus und als Heiliger Geist. Es sind drei Formen, und doch immer derselbe: Gott.

Prinzip der Dreifaltigkeit

Das Prinzip der Dreifachheit findet sich auch im Visionären Werk P.D. Ouspenskys, Zitat aus A new Model of the Universe:

But as opposed to dead ideas which did not exist anywhere, there were on the other hand living ideas incessantly recurring always and everywhere and constantly present in everything I thought, learned and understood at that time. First there was the idea of the triad, or the trinity, which entered into everything. Then a very important place was occupied and much was explained by the idea of the four elements: fire, water, air and earth. This was a real idea, and during the experiments, in the new state of consciousness, I understood how it entered into everything and was connected with everything through the triad.

But in the ordinary state the significance and connection of these two ideas eluded me. Further, there was the idea of cause and effect. As I have already mentioned, this idea was expressed in hieroglyphs in a very definite way. But it was in no way connected with the idea of ” reincarnation “, and referred entirely to ordinary earthly life.

Aber wie als Gegenstück zu toten Ideen, die nirgendwo sonst existieren, gab es auf der anderen Seite lebendige Ideen, die immer und überall wiederkehren und stets präsent sind, in allem was ich dachte, erfuhr und zu dieser Zeit verstand. Zuerst war da die Vorstellung einer Triade, oder Trinität, die in alles eindrang. Ein weiterer sehr wichtiger Platz wurde durch die Vorstellung von den vier Elementen eingenommen: Feuer, Wasser, Luft und Erde. Dies war eine reale Vorstellung, und während der Experimente, im neuen Zustand der Bewusstheit, verstand ich, wie alles von der Triade durchdrungen und verbunden war. Doch im Normalzustand verließ mich der Sinn für die Wichtigkeit und die Verbindung dieser beiden Ideen.

Außerdem war da die Idee von Ursache und Wirkung. Wie schon gesagt war diese Vorstellung sehr deutlich in Hyroglyphen (Bildzeichen) ausgedrückt. Aber es hatte nicht mit „Wiedergeburt“ zu tun, sondern bezog sich vollständig auf das normale Erdenleben.

Dreifaltigkeit als Prinzip des Unterschiedes, aus dem ALLES ist

Ouspensky’s Vision, das drückt er auch noch an anderer Stelle aus, ist, dass sich aus zwei verschiedenen Ursachen ein Drittes ergibt.

Es ist das Prinzip des Unterschiedes – wenn es Eins gibt, dann muss es auch das Andere geben (Zwei), denn es gibt kein Eins ohne noch etwas anderes. Im spirealistischen Verständnis gibt es nichts Einzelnes – denn wie sollte es sich definieren, wenn es ganz für sich allein steht?

Die Grenze des einen Dinges ist gleichzeitig die Grenze eines anderen Dinges
Anaximander, griechischer Philosoph

Und – das versteht sich von selbst: Die Dinge unterscheiden sich untereinander, denn wie könnte man sonst von dem Einen und dem Anderen sprechen? Es ist eine Differenz vorhanden.

Das Vorkommen der Differenz schließlich ist das Prinzip der Welt, denn innerhalb der Welt vorzukommen, bedeutet für die Differenz, Wirkungen zu haben. Es ist in der Philosophie die Dialektik – die Einheit und der gleichzeitige Kampf der Gegensätze.

In der Physik ist es ein Höhenunterschied, der das Wasser zum Fließen bringt, ein Temperaturunterschied, der chemische Reaktionen bewirkt, eine Differenz der Gravitation, die Bewegung erzeugt.

In der Politik ist es der Kampf der Politiker, im Krieg der Kampf der Fronten, in der Rhetorik Rede und Gegenrede.

Die Welt als Gesamtheit des Dreifach-Prinzips

Aus der Differenz entsteht schließlich das Dritte – das Dritte macht die Dreiheit der Dinge komplett, es ist die Dreifaltigkeit, aus der unsere Welten sind. Das Dritte ist das alles durchdringende, alles verändernde Entstehen und Vergehen, angetrieben aus der Differenz. Das Dritte ist das Wesen der Welt, der alles durchdringende göttliche Geist … es ist die Dreifaltigkeit des Schöpfers in seiner Gesamtheit.

 

Weiterlesen: Beitrag Was ist Gott? Die Notwendigkeit der Götter

Siehe auch: Bild Gottes: Was ist mein Bild?

Siehe auch: Artikel Es gibt keinen Gott – sagen die einen. Es gibt ihn doch, die anderen

 

Dreifaltigkeit – Interpretationen was last modified: Mai 19th, 2016 by Henrik Geyer

Die Zahl Zwei

die Zahl Zwei

Was ist das Geheimnisvolle an der Zahl Zwei? Gibt es überhaupt ein Geheimnis, oder ist alles bereits sonnenklar?

Bitte auch lesen: Artikel Die Zahl Eins

Das eine bedingt das andere

Wie im Artikel zur Zahl Eins bereits erläutert, ist es das Wesen des Denkens, immer in Objekten (eins) zu denken. Ich nenne dies (spirealistisch) objekthaftes Denken – der Begriff objekthaftes Denken benennt die Rätselhaftigeit dieser Tatsache – wir denken stets in Objekten, so als seien diese völlig abgeschlossen, jedoch können wir in der Beschreibung irgendeines Objektes nie zu einem Ende kommen. Es ist also gar nicht eindeutig abgrenzbar.

Auch das kleinste Ding hat seine Wurzel in der Unendlichkeit, ist also nicht völlig zu ergründen.
Wilhelm Busch

 

Haben wir uns einmal mit dieser Tatsache abgefunden, so ergibt sich aus dem Bestehen von Objekten die Notwendigkeit, dass diese sich unterscheiden mögen, von etwas anderem. Es entsteht „das Andere“.

In der griechischen Antike entstand der philosophische Grundsatz:

Die Grenze des einen Dinges ist zugleich die Grenze eines anderen Dinges.
Anaximander, griechischer Philosoph, (* um 610 v. Chr. ; † nach 547 v. Chr.)

Das Ich und das andere

Das Eine bedingt das Andere … bedeutet spirealistisch gesehen (im Spirealismus ist alles eine Relation – es gibt nichts Einzelnes): ein Objekt das wir vor uns sehen, wie ein Glas Wasser beispielsweise, braucht das Andere, um „da“ sein zu können. Es braucht die Relation, es ist nur „existent“ als Relation – wie alles.

Genauso kann man das Enstehen des Ich sehen. Es ist selbst, spirealistisch gesehen, ein „Objekt des Denkens“, und ist eine Relation zu den Dingen, die es in seinem Außen wahrnimmt.

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Das eine kann nicht das andere sein. Das eine kann nicht ohne das andere sein.

These und Antithese – Dualität

In der Philosophie kennt man die These – Antithese Relation, die als Ergebnis die Synthese hervorbringt. Es ist der die Welt antreibende Konflikt zwischen den ewigen Opponenten, den Meinungen, den Feinden, den Streitthemen, die im nie enden wollenden Kampf miteinander das Neue erzeugen.

These und Antithese, verstanden als der Unterschied, können nie enden, nie aufhören sich zu bilden. These und Antithese sollte man dabei übrigens nicht als VÖLLIG gegensätzlich verstehen – eher als Variation ein- und desselben. Denn die Verbindung von These und Antithese innerhalb desselben Themas (was schließlich die Synthese erst ermöglicht) ist bereits eine sehr enge Eingrenzung.

Siehe auch: Beitrag Antithese – nicht völlig gegensätzlich

These und Antithese sind im übertragenen Sinn die Temperaturunterschiede der Thermodynamik, die Gravitationsunterschiede des Weltalls, die, würden sie enden, das Ende jeder Bewegung, das Ende jeder Entwicklung bedeuten würden. Eine solche Vorstellung eines Endes gibt es in der Thermodynamik – hier fragt man sich, ob durch die immer weiter fortschreitende Gleichverteilung der Energie im Universum (Entropie) die Entwicklung des Universums irgendwann in einheitlichem Schwarz zum Stillstand kommen wird …

Doch, (zumindest für den Spirealismus) gilt: Eine solche Entropievorstellung ist falsch. Erstens weil es kein objektives Außen gibt, das jenseits des Denkens zwangsläufige Prozesse beinhalten würde. Daraus folgt zweitens, dass der eigentliche Ursprung der Bewegung nicht die Unterschiede sind, die mit Entropie beschrieben werden. Anders gesagt: So lange es Eins gibt, muss es auch das Andere geben (verstanden als die Zahl Zwei) denn das Eine und das Andere sind nur als Relation existent.

Dualität

Dualität ist ein weiteres Wort, das im Grunde den selben Sachverhalt meint: die Notwendigkeit des Unterschiedes. Die Notwendigkeit des Sich-Verbindens, und auch des Ringens, der Verschiedenheit, ausgedrückt durch die Zahl Zwei.

Das Eine wäre ungeeignet, Triebfeder der Welten zu sein – es braucht den Unterschied, die Relation. Es braucht das Andere.

Verkörpert wird diese Tatsache auch durch das Yin und Yang des Taoismus – es sind einander entgegengesetzte Kräfte, die durch ihr Zusammenwirken und Gegeneinanderstehen das Grundprinzip der Welt formen.

Ohne das eine kann das andere nicht sein.

Die Zahl Zwei – Ouspenskys Visionen

P.D.Ouspensky hat in der ersten Hälfte des 20. Jhds psychologische / esoterisch-okkulte Versuche mit dem eigenen Bewusstsein unternommen, er beschrieb das in seinen Büchern. Er war dem Wesen des Rätselhaften auf der Spur, dessen Realisierung er überall wahrnahm. Mit Drogen experimentierend, versetzte er sein Bewusstsein in einen Zustand, in dem er Wahrnehmungen anderer Art hatte, als dies im Normalzustand der Fall ist. Seine Beschreibungen dieser Visionen sind spirituell-philosophische Glanzstücke.

In seinen dokumentierten Wachträumen thematisierte er unter anderem die fundamentale Wichtigkeit des antreibenden Prinzips, das mit der Zahl Zwei verbunden ist. Er beschreibt darin eine andere Sichtweise auf sein Ich, das sich auflöste, und mit ihm ein Teil der Relationen, die die Welt so fest erscheinen lassen, aus denen die Welt erst  entsteht ….

Zitat:

Ouspensky, A new model of the universe

What I first noticed, simultaneously with the ” division of myself into two “, was that the relation between the objective and the subjective was broken, entirely altered, and took certain forms incomprehensible to us. But ” objective ” and ” subjective “ are only words. I do not wish to hide behind these words, but I wish to describe as exactly as possible what I really felt. For this purpose I must explain what it is that I call ” objective ” and ” subjective “. My hand, the pen with which I write, the table, these are objective phenomena. My thoughts, my mental images, the pictures of my imagination, these are subjective phenomena. The world is divided for us along these lines when we are in our ordinary state of consciousness, and all our ordinary orientation works along the lines of this division.

Was ich zuerst bemerkte war, das im selben Moment der Teilung meines Ich in zwei, die Beziehung zwischen Objekt und Subjekt zerbrach, völlig geändert wurde, zu etwas uns völlig Unverständlichem wurde. Aber „objektiv“ und „subjektiv“ sind nur Worte. Ich möchte mich nicht hinter diesen Worten verstecken, sondern versuchen so genau wie möglich zu beschreiben, was ich fühlte. Zu diesem Zweck muss ich beschreiben, was ich unter „objektiv“ und „subjektiv“ verstehe.

Meine Hand, der Stift mit dem ich schreibe, der Tisch, das sind objektive Phänomene. Meine Gedanken, meine mentalen Bilder, die Bilder meiner Phantasie, dies sind subjektive Phänomene. Die Welt ist uns entlang dieser Linie geteilt, wenn wir uns im normalen Zustand des Bewusstseins befinden, und all unsere normale Orientierung funktioniert entlang dieser Trennlinie.

 

Aus dem einen folgt die Existenz des anderen. Doch damit aus These und Antithese, aus der Eins und der zahl Zwei, die Synthese entsteht, braucht es die Drei.

 

Ähnliches Thema: Die Zahl Drei

Siehe auch: Beitrag Der vierte Weg

Ähnliches Thema: Artikel Hoffnung – Frei von Hoffnung und von Furcht.

Die Zahl Zwei was last modified: Mai 25th, 2016 by Henrik Geyer

Die Zahl Eins

die Zahl Eins

Die Zahl Eins ist die geheimnisvollste Zahl – sie scheint völlig offensichtlich und durchschaubar. Und doch verbindet sich mit ihr der Grund-Gedanke der gar nicht so offensichtlichen Weltsicht, nämlich der, dass wir Menschen Objekte beobachten. Objekte, die jeweils immer eins sind.

So verbindet sich mit der Zahl Eins die Frage, was ein Ding „an sich“ ist (Kant), was ein Noumenon ist, was das Verhältnis von „etwas“ zur Unendlichkeit ist.

Die Zahl Eins wurzelt im Unendlichen

Das Nicht-Abgrenzbare an den Dingen habe ich auf diesem Blog bereits des Öfteren thematisiert.

Siehe auch: Artikel Mengenlehre, Worte, Zahlen. Sind Zahlen objektiver als Worte?

In der materialistischen Sichtweise ist es uns zwar wie selbstverständlich, dass die Dinge die Eigenschaft der Objektivität an sich haben, und damit die Eigenschaft der genauen Abgrenzbarkeit, und dennoch ist es nicht so.

Man denke nur einmal daran, wie man sich selbst definiert. Das Ich – das ist eins. Aber wo beginnt, und wo endet dieses Ich? Ist das Ich auch die Luft, die beim Atmen in mich einströmt, sich in meinem Blut löst und die die Organe versorgt? Luft, die mich gleichzeitig im Außen mit allem verbindet?  Gehören zu diesem Ich auch die Kleinstlebewesen in mir, die mein Dasein ermöglichen, dadurch, dass sie selbst da sind, die aber nicht durch mein Denken gesteuert werden? Die also mein Leben ermöglichen, einfach, indem sie sich um sich selbst kümmern? Was unterscheidet diese Lebewesen in mir von jenen außerhalb von mir, die genau dasselbe tun – sie leben ihr Leben und ermöglichen nebenbei meines?

Oder man denke an die Abmessung der  Küste Englands, in der Literatur häufig bezeichnet als mathematisches Problem, doch meiner Ansicht nach ein ebenso weltanschauliches. Je genauer man die Küstenlänge zu bestimmen sucht, desto länger wird sie. Ist England demzufolge ein Problem der Integralrechnung? Ein Mittelwert? Eine Wahrscheinlichkeit? Es scheint doch so, nicht wahr?

Siehe auch: Beitrag Wahr – Schein. Wahrschein. Wahrscheinlichkeit

England ist eine Wahrscheinlichkeit, genau wie alle Dinge. Etwas, das in der Unendlichkeit wurzelt, und durch eine geheimnisvolle geistige Kraft eins wird. Wir rechnen mit der Zahl Eins, halten sie für selbstverständlich – doch sie ist es nicht.

Das ist für mich das eigentliche Wunder der Zahl Eins. Es ist das hermetische Prinzip, dass alles immer wieder eins ist, und dass sich alles in allem immer wieder findet. Als eins. Als eins im Geiste, wohlgemerkt. Ein Geist, der die grundlegende Naturkraft ist, und nicht identisch ist mit unserer Vorstellung von „der Klugheit des Menschen“.

 

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Gott - das ist die unzerstörbare Kraft, die den Geist zu Materie erstarren lässt,die aus der Unendlichkeit die Dinge erschafft, und die aus Allem das Eine macht.

 

Mit der Eins kommen die Dinge in die Welt

Aus: Das wahre Buch vom südlichen Blütenland von Dschuang Dsi

Gibt es einen Anfang, so gibt es auch eine Zeit, da dieser Anfang noch nicht war, und weiterhin eine Zeit, die der Zeit, da dieser Anfang noch nicht war, vorangeht. Gibt es Sein, so geht ihm das Nicht-Sein voran, und diesem Nicht-Sein geht eine Zeit voran, da auch das Nicht-Sein noch nicht angefangen hatte, und weiterhin eine Zeit, da der Nicht-Anfang des Nicht-Seins noch nicht angefangen hatte. Unvermittelt tritt nun das Nicht-Sein in die Existenz, ohne dass man sagen könnte, ob dieses Sein des Nicht-Seins dem Sein zuzurechnen ist oder dem Nicht-Sein. Nun habe ich aber einen Ausdruck dafür, ohne dass man sagen könnte, ob das, was ich damit ausdrücke, in Wahrheit einen Sinn hat oder keinen Sinn hat. Hierher gehören jene Aussprüche wie: »Auf der ganzen Welt gibt es nichts Größeres als die Spitze eines Flaumhaares« und: »Der Große Berg ist klein«. »Es gibt nichts, das ein höheres Alter hätte als ein totgeborenes Kind« und: »Der alte Großvater Pong, der seine sechshundert Jahre gelebt hat, ist in frühester Jugend gestorben«. Himmel und Erde entstehen mit mir zugleich, und alle Dinge sind mit mir eins. Da sie nun eins sind, kann es nicht noch außerdem ein Wort dafür geben; da sie aber andererseits als eins bezeichnet werden, so muss es noch außerdem ein Wort dafür geben.

Das Eine und das Wort sind zwei; zwei und eins sind drei. Von da kann man fortmachen, dass auch der geschickteste Rechner nicht folgen kann, wie viel weniger die Masse der Menschen! Wenn man nun schon vom Nicht-Sein aus das Sein erreicht bis zu drei, wohin kommt man dann erst, wenn man vom Sein aus das Sein erreichen will! Man erreicht nichts damit. Darum genug davon!

Die Zahl Eins und die Zwei: das Eine bedingt das Andere

Da sich das Eine von dem unterscheidet, was das Eine nicht ist, kommt mit der Zahl Eins auch die Zahl Zwei in die Welt.

 

 

Siehe auch: Artikel Die Zahl Zwei

Weiterlesen: Artikel Die Zahl Drei

Weiterlesen: Beitrag Die Metapher – wozu ist es gut, in Metaphern zu denken?

Die Zahl Eins was last modified: Mai 19th, 2016 by Henrik Geyer

Monokausal und Multikausal – wie viele Gründe kann man zählen?

Monokausal

Das Wort monokausal bezeichnet etwas, das es nicht gibt: ein Phänomen, das nur eine Ursache hat.

Worin liegt die Notwendigkeit des Wortes „monokausal“?

Wenn es also so ist, dass das Wort monokausal etwas nicht Existierendes beschreibt, worin liegt dann seine Notwendigkeit. Warum gibt es das Wort überhaupt?

„monokausal“ als Teil der materialistischen Weltanschauung

Warum es das Wort monokausal gibt, lässt sich nur erklären, wenn man wiederum einen Blick auf die materialistische Weltanschauung wirft, ihre Vorstellungswelten, ihre Systematik.

Wenn man dies aus der Perspektive einer anderen Weltanschauung, wie des Spirealismus, tun kann, dann ist es umso besser, denn erst so ist ersichtlich, warum es nichts Monokausales gibt, warum sich aber andererseits der Begriff „monokausal“ sehr gut in die herkömmliche materialistische Vorstellungswelt einfügt, sie begründet, sie stabilisiert.

Die Vorstellung des Monokausalen, dass es also für ein Phänomen genau einen Grund gibt, korrespondiert mit der Vorstellung des Materialismus, wir seien Beobachter eines objektiven Außen. Diesem Außen, dem wir in unseren Forschungen nachspüren, nähern wir uns immer mehr an, so glaubt man. Das eine, das objektive Außen ist es, das selbst nicht anders gesehen werden kann, das eine einzige (objektive) Gestalt hat, eine einzige Information, einen einzigen Grund, eine einzige Vergangenheit und eine einzige Zukunft.

Man könnte jetzt, wie ich das so oft auf diesem Blog getan habe, die Vorstellungen des Materialismus denen des Spirealismus gegenüberstellen, die Unmöglichkeiten des Materialismus, seine Widersprüche, Paradoxien, durchdeklinieren. Doch das soll nicht wiederholt werden.

Es sei nur noch einmal festgestellt: Es lässt sich nichts Objektives finden. Das Ding „an sich“ Kantscher Beschreibung ist nicht denkbar.

Lesen Sie auch: Artikel Objektivität – was ist das? Warum wir keine Objektivität finden

Der Spirealismus stellt fest: anstelle „der Welt“ gibt es die Welten der „Ich-Universen“ – alles ist Geist. Aus selbigem Grund gibt es nicht „die Vergangenheit“, auch nicht „die Zukunft“, auch nicht „das Jetzt“ – jeweils in der Einzahl. All diese Begriffe gewinnen nur ihre Gestalt und scheinbare Endgültigkeit nur in den Ich-Universen individueller Prägung.

Das Wort monokausal untersucht

Das Wort „monokausal“ kann auf diese soeben gemachten Aussagen hin untersucht werden.

In der Grafik unten ist zunächst die Vorstellung einer direkten und eindeutigen Verbindung eines Ereignisses mit seinem Grund (Ursache) – und auf der anderen Seite ebenso selbstverständlich verlängert: mit einer eindeutigen Folge, bzw. einem eindeutigen Effekt dargestellt.

Dies ist allerdings reine Theorie, denn wer könnte schon ein einziges Phänomen benennen, für das es wiederum nur einen einzigen Grund geben soll? Wie viele Gründe kann man finden? Mit wie vielen Phänomenen kann man ein Phänomen im Geist verbinden? Das ist grenzenlos im Platoschen Sinn – man wird damit nicht fertig.

Unten also die Vorstellung von „monokausal“.

 

Monokausal Multikausal

 

In der darunter liegenden Grafik wäre die Vorstellung vertreten, dass sich jedem Phänomen viele Gründe zuordnen lassen, ebenso wie jedes Phänomen viele Konsequenzen (Folgen) haben kann. Das ist eine Frage der Wahrscheinlichkeit.

 

Allerdings ist diese zweite Grafik so beschaffen, dass man sich fragen muss, ob es nicht auch eine Frage der Wahrscheinlichkeit ist, welche Gründe man für ein Phänomen finden kann. Der Spirealismus würde das bejahen.

In der dritten Grafik schließlich findet sich noch die Vorstellung des Spirealismus, dass sich nicht nur für jedes Phänomen viele Gründe finden lassen, und ebenso viele Folgen, sondern dass sogar der Begriff des Phänomens nicht im Endgültigen klärbar ist (es gibt keine Objektivität).

Was ist die Vorstellung  des Spirealismus von einem Phänomen?

Insofern muss einmal mehr gefragt werden, was denn das ist, was wir im Außen „beobachten“.

Der Spirealismus sagt ja, dass der Mensch nichts im eigentlichen Sinn beobachtet, so als wäre er von einem Vorgang getrennt. Seine Existenz ist, wie jede Existenz, die einer Relation. Das bedeutet auch, dass es für jedes Phänomen den Beobachter braucht, besser gesagt die Relation. Eine Vorstellung, die uns im Materialismus völlig fremd ist.

Das Wesen der Schöpfung ist es, dass alles immer wieder in einem zusammenkommt (Supersubjektivität). Dieses Eine, das der Mensch als das Phänomen sieht, ist eins, weil es in einem Punkt zusammenkommt: dem Menschen selbst, dem Ich.

Das Wort Supersubjektivität besagt übrigens, dass etwas, das von vielen gleich beobachtet wird, deshalb nicht objektiv ist. Es bleibt subjektiv beobachtet, weil es eine Beobachtung, die „alle“ denkbaren Beobachter gleich machen könnten, nicht gibt.

In der unteren Grafik ist das noch einmal zusammengefasst.

Multikausal, Multiphänomen

 

Der blaue Punkt ist das Subjekt. In ihm kommt ein Phänomen als „Eins“ zu Stande. Das Subjekt können ebenso gut viele Individuen sein (Supersubjektivität). Dass die Menschen alle das Gleiche beobachten können, liegt laut Spirealismus nicht daran, dass es eine von den Menschen unabhängige Außenwelt gibt, sondern am Wesen der Kommunikation, das das der Verbindung ist. „Die Menschen“ werden ebenso eins, wie der einzelne Mensch aus vielem ensteht – konkret gesagt aus vielen Gedanken.

Lesen Sie auch: Beitrag Was bedeutet subjektiv? Ist ein wissenschaftlicher Versuch objektiv?

 

Kann man das praktisch beobachten?

Ich denke ja. Es ist die Beobachtung, dass es keine zwei gleichen Meinungen gibt. Es ist die Beobachtung, dass jedes Wort im Kopf eines anderen einen ganz eigenen Sinn hat. Es ist die Beobachtung, dass, was immer man begreifen will, man nur mit den eigenen Begriffen begreifen kann. Im eigentlichen Sinn, in seinem Ursprung „zugänglich“, ist uns die innere Welt bereits des Mitmenschen nicht.

Dass auch der einzelne Mensch aus Vielem entsteht, ist beobachtbar, durch Spiritualität, durch Achtsamkeit. Indem man darauf achtet, wie sich die eigenen Begriffe aus einer Vielzahl von Gedanken bilden, und immer wieder neu entstehen. Wie man sie formen kann, und wie sich daraus ganze Welten des Verständnisses formen lassen.

Doch, was ist der letzte Grund für die Gedanken? Angenommen man meditiert, angenommen, man hat kein „Äußeres“, dem man den Grund für bestimmte Gedanken zuordnen könnte. Wer das versucht, kommt, glaube ich, zu der Überzeugung, dass sich ein Grund nicht finden lässt. Wie und warum die Gedanken kommen und gehen ist rätselhaft. Aus der Sicht des Menschen ist es Zufall.

Es denkt.
Friedrich Nietzsche

 

Siehe auch: Artikel Definition der Zeit

Monokausal und Multikausal – wie viele Gründe kann man zählen? was last modified: Mai 19th, 2016 by Henrik Geyer

Mengenlehre, Worte, Zahlen. Sind Zahlen objektiver als Worte?

Mengenlehre, Worte, Zahlen. Sind Zahlen objektiver als Worte?

Gibt uns die Mengenlehre mit ihren Zahlen das Mittel in die Hand, die Welt objektiv zu erfassen? Zitat des Philosophen Ludwig Wittgenstein: Die Arithmetik ist die Grammatik der Zahlen.
Ich füge hinzu: Die Grammatik ist die Arithmetik der Sprache. 

Was soll das bedeuten? Was will ich damit aussagen? Ich will damit sagen, dass Mathematik und Sprache ganz ähnlich sind.

In diesem Artikel geht es um den Eindruck, man habe Objektivität vor sich, wenn es um Zahlen geht, im Gegensatz zu Undefiniertheit bei Worten. Die Frage ist: Ist mit Hilfe von Zahlen tatsächlich Objektivität darstellbar?

In meinem Artikel über Objektivität habe ich dargelegt und begründet, warum es grundsätzlich keine Objektivität gibt. Das soll in diesem Artikel nicht wiederholt werden, sondern ich möchte den Blick auf die Zahlen richten, und darlegen, warum auch sie nicht objektiver sind, als irgendein Begriff, den wir erfassen können.

Worte vs Zahlen – eine Frage der Objektivität?

Zunächst einmal wollen wir unsere Aufmerksamkeit darauf richten, wie wir eine Menge erfassen.

Im obigen Bild ist ein Blatt abgebildet. Wenn wir sagen, dort ist EIN Blatt, dann erscheint diese Menge vollständig beschrieben, so wie nicht anders beschreibbar. Doch im Kleinen und Kleinsten können wir nicht sagen, was genau diese Bezeichnung „eins“, bzw. „ein Blatt“ umfasst. Setze ich meine Menge namens „Blatt“ genau am Anfang des Stieles an, oder einen Mikrometer daneben? Verschiedene Beobachter werden immer verschiedene Resultate erzielen. Man kann sich das auch so vorstellen, dass das Blatt, aus der Position verschiedener Beobachter in der Raumzeit, immer verschieden ist. Die scheinbare Eindeutigkeit ergibt sich aus einer Kommunikation, die als (nur scheinbar) eindeutiges Zeichen für das Objekt das Symbol „Eins“ setzt. Aber nichts, was das menschliche Auge erfassen kann, ist in einer Letztendlichkeit erfasst.

Zitat: Auch das kleinste Ding hat seine Wurzel in der Unendlichkeit, ist also nicht völlig zu ergründen.
Wilhelm Busch

Es gilt jetzt, sich vorzustellen, dass das Symbol 1 zwar eindeutig wirkt – es aber nicht ist. Denn die Zahl ist nichts ohne das individuelle Begreifen dessen, was sie bezeichnet: das Objekt. Damit ist gesagt, dass die scheinbar ganz eindeutige Menge 1 niemals völlig eindeutig bestimmbar ist.

Natürlich soll das nicht heißen, die Arithmetik sei ungültig, 1=1 gelte nicht, oder 1+1 =2, etc.. Worum es geht ist vielmehr aufzuzeigen, dass die Objekte die wir in der Arithmetik verwenden nicht objektiv sind. Sondern, dass die es nur in unserer Vorstellung sind.

Oder geht es darum vielleicht nicht? In der materialistischen Denkweise sind Objekt und Bezeichnung (Wort für das Objekt) ja getrennt. Normalerweise sagt der Materialist, es käme auf die Objekte selbst an, nicht auf die Worte, mit denen man die Objekte bezeichnet. Ist das denn bei der Mathematik irgendwie anders geworden? Nein, es geht immer um die Dinge – und was wir uns unter den Dingen vorstellen. Und nun finden wir also, das unserer Vorstellung von den Dingen im Prinzip nicht mehr  Objektivität hinzugefügt ist, wenn wir die Mathematik verwenden. Auch in der Mathematik geht es letztlich um die Dinge – als die Vorstellung von unserer Welt. Was wäre die Mathematik ohne diese Vorstellung?

Und – wie in der „richtigen“ Welt, finden wir das oben aufgeführte Zitat auch in der Mathematik bestätigt. Nämlich: „Auch das kleinste Ding hat seine Wurzel in der Unendlichkeit, ist also nicht völlig zu ergründen.“ Wie jedes Objekt das wir uns vorstellen, können wir auch jede Zahl bis in die Unendlichkeit zerteilen. Denn auch die Zahlen sind ja Objekte unserer Vorstellung.

 

Nehmen wir wahr, dass der Gedanke an jedes Ding wie das Herausgreifen von ETWAS aus einer Unendlichkeit ist? Oder glauben wir, dass das, was wir gerade sehen, bereits so existiert, in einer von uns selbst unabhängigen Weise?

Worte sind ungenau

Dass Worte ungenau sind, ist uns wohl allen schon bewusst geworden. Wenn wir sagen „Baum“, dann fragt es sich – was für ein Baum? Der Baum in der Vorstellung eines Menschen ist nie der Baum in der Vorstellung eines anderen.

(Scheinbar) anderes Thema, gleiche Sache: Sprachwissenschaftler sagen, eine Sprache ließe sich nie „richtig“ in eine andere übersetzen. Jeder, der eine Fremdsprache spricht, wird das bestätigen. Man kann alles übersetzen, so dass man verstanden wird, aber es ist nie ganz genau dasselbe. Ich füge hinzu: Die Vorstellung von ETWAS (was auch immer es sei), ist von Mensch zu Mensch immer unterschiedlich. Denn es gibt keine zwei völlig gleichen Gedanken.

die Mengenlehre abstrahiert

Der Eindruck der Eindeutigkeit der Objekte wird durch die Zahlen, bzw. die Mengenlehre,  auf die Spitze getrieben. Wie macht die Mengenlehre das? Sieht sie sich die Objekte genauer an? Sagt sie, was genau zu dem Blatt des obigen Beispiels gehören soll? Nein, im Gegenteil. Während ein Wort im Prinzip sagt, worum es sich bei dem benannten Objekt handeln soll (Blatt), verzichtet die Mengenlehre auf solches Benennen, sondern setzt an dessen Stelle das Universalwort „eins“. Eins – das ist somit irgendein Objekt – somit ist es ein beliebiges, universelles Objekt.

Damit ist das Problem des Bemessens des eigentlich Entscheidenden, nämlich des Objektes, auf eine scheinbar davon unabhängige Instanz verschoben. So als käme es nicht darauf an, WAS etwas ist, sondern nur DASS es ist.

Der Eindruck entsteht, als ob „Eins“ eine objektivere Tatsache wäre, als „Blatt“ – so als wäre es völlig unstrittig, dass es genau bemessbare Objekte gäbe.

Jedoch: Es ist strittig. Genauer gesagt ist unstrittig, dass es im Letzten bemessbare Objekte nicht gibt. Wir kommen insofern zurück auf die wahrnehmbare Tatsache, dass es kein Objekt gibt, dessen Existenz in einem endgültigen Begriff zu fassen wäre – und weisen wiederum auf Immanuel Kant hin, und seine vergebliche Suche nach den Dingen „an sich“. Was aber wäre die Mathematik ohne die Dinge, z.B. das Blatt, die man mit ihr beschreiben will? Sie wäre unnötig.

 

Damit ist gesagt: Die Mengenlehre kann nicht objektiver sein, als es der menschliche Geist selbst ist. Da dieser nicht objektiv ist, ist es die Mengenlehre auch nicht.

Es geht letztendlich immer noch um die Objekte, die der Geist erfasst. Die Zahlen sind nur ein weiteres Symbol dafür.

Die Mengenlehre systematisiert die Art und Weise des menschlichen Denkens

Daher kann man die Mengenlehre als ein Werkzeug sehen, dass der Systematik des menschlichen Denkens nahe rückt. Was immer der Mensch erfasst, ist ETWAS, ist ein Ding, ist ein Objekt, ist EINS.

Und wir können jedes Ding, wenn wir es einmal bezeichnet haben, weiter zerteilen, in weitere, unendlich viele, Dinge. Oder wir können es multiplizieren. Eine Grenze dafür gibt es nicht. Aber wir hätten wir keine Schwierigkeit, eine Grenze zu definieren – und das tun wir ja auch ständig, indem wir eben die Objekte im Geist als Eins bilden.

Wir können gedanklich jederzeit Dinge aus Dingen herausteilen, können die Dinge verdoppeln und verdreifachen. Und ebenso wenig Schwierigkeiten bereitet uns die Definition eines Blattes. „Dort ist es!“ – und schon ist das erledigt.

Das Fließende zu sehen, das in allem liegt, ist nicht die Art und Weise menschlichen Schauens.

Gleichwohl hilft die Mengenlehre nicht aus dem Dilemma, in der die materialistische Sichtweise sich befindet. Auch durch die Mengenlehre wird keine Objektivität erreicht.

Kommt es nun auf die Zahlen an, oder die Objekte, die damit bezeichnet werden?

Manche sehen in der Mathematik eine universelle Sprache, die quer durch das Universum gelten müsse. Die Mathematik sei so abstrakt und universell, dass sie überall verstanden werden müsste, meinen manche.

Hierzu zwei Überlegungen.

Erstens ist es fraglich, ob es nicht andere Möglichkeiten des Denkens gibt, als das objekthafte Denken menschlicher Prägung, welches wir kennen. Meiner Ansicht nach kann diese Frage nicht beantwortet werden, denn wir kennen nur unser eigenes Denken. Wie sollten wir die Frage also beantworten? Außerdem haben wir noch nicht einmal mitbekommen, dass das menschliche Denken eine bestimmte Form ist, die keineswegs „objektives Erkennen“ bedeutet.

Zweitens. Angenommen, der erste Einwand würde nicht gelten, und alle Formen des Denkens wären an objekthaftes Erkennen gebunden. Dann wäre das Verwenden der Mengenlehre nur dann möglich, wenn alle an der Kommunikation Beteiligten sich auf gemeinsame Objekte beziehen könnten – was nach meiner Auffassung eine unzulässige Annahme ist. Denn es gibt kein Gesetz, dem zufolge zwei Wesen im Universum gleiche Objekte sehen müssen. Wenn Wesen dies vermögen, so ist hier bereits eine kommunikative Abstimmung gegeben, die wir beispielsweise im gleichen „Bau“ der Augen erkennen. Wie man sieht, ist hier von einer „kommunikativen Abstimmung“ die Rede, die nicht in der Hand des Menschen liegt, sondern, wenn man so will, in Händen der Natur, oder Gottes.

Eindruck der einen Welt

Man mag das obige Beispiel (des Blattes) trivial nennen, oder auch bedeutungslos … aber es ließe sich auf jede Menge anwenden, jedes Wort, jeden Begriff  – natürlich auch auf das eine Universum, die eine Welt, das eine All (das eine Alles).

Der Eindruck der EINEN Welt, die wir vor uns zu haben glauben, wird durch Abstimmung , durch Kommunikation, erzeugt. Kommunikation, die bereits in unserem Blick liegt, aber ebenso in unserer Sprache. In einem absoluten Sinn, in einem objektiven Sinn, also außerhalb und unabhängig von uns, gibt es die Welt nicht. Die Welt ist die Welt unserer Vorstellungen.

 

 

 

Mengenlehre, Worte, Zahlen. Sind Zahlen objektiver als Worte? was last modified: Mai 19th, 2016 by Henrik Geyer