Metaphysik – spirealistisch gesehen

Metaphysik ist die Vorstellung einer Weltordnung, die hinter der „offensichtlichen“ Weltordnung liegt. Einer Weisheit hinter der offensichtlichen Weisheit. Einer Wahrheit hinter der Wahrheit, etc..

Uns begegnet dieses Denken in mannigfacher Weise, eben im Begriff Metaphysik, aber auch in den Begriffen „verborgenes Wissen“ (von Ouspensky oft verwendet), oder „Geheimwissenschaft“ (mit Bezug auf Hermetik oder die Weisheiten des Talmud, oder auch Freimauerer etc..). Man denke auch an den Begriff der „vertikalen Logik“, der meint, dass es neben der eindeutigen Logik, die „offensichtliche“ Zusammenhängende miteinander verbindet, wie zum Beispiel die Worte Rabe und Feder, auch eine Logik geben kann, die Zusammenhänge erschaffend, eine neue, ebenfalls sinnvolle Ordnung ergibt. Wie zum Beispiel Rabe und Schornsteinfeger, die beide schwarz sind.

Vertikale Logik dient übrigens häufig als Begründung für die Sinnhaftigkeit von Astrologie oder Tarot.

Viele kennen sicherlich folgenden Holzschnitt eines Künstlers namens Flammarion von 1888, der das Konzept des Begriffes Metaphysik sehr schön illustriert:

 

Metaphysik ist ganz normales Wissen

Metaphysik ist eigentlich ganz normales Wissen. Die Realität jenseits der Realität ist ja im obigen Bild sehr schön dargestellt – die normale Realität ist in dieser Darstellung die irdische, d.h. jene der Erdoberfläche, mit Sonne und Sternen am Firmament.

Wer nur das sieht, der wird zu anderen Schlüssen kommen als jemand, der über die Wolken hinaussehen kann. In der Antike glaubte man, der Sonnenwagen würde vom Gott Helios über das Himmelsgewölbe gelenkt, dadurch gebe es Sonnenlicht. Man hatte sozusagen den Blick „dahinter“ nicht.

Später, als es die aufkommende Wissenschaft der Optik ermöglichte, wurden mit Hilfe von Teleskopen Beobachtungen von Planetenbahnen vorgenommen, und man entwickelte Theorien über die Planetenbewegungen, etc..

So gesehen ist also unser heutiges Denken, mit seiner Gewissheit der physikalisch begründbaren Planetenbewegungen, eine Metaphysik aus der Sicht des Gestern. Die damalige Metaphysik, als die Ahnung zukünftigen Wissens, ist heutige Realität. Metaphysik ist eigentlich etwas sehr Geheimnisvolles – jedoch, wie diese Überlegung zeigt, hat Metaphysik den Anklang von Normalität, sobald das metaphysische „Geheimwissen“ verinnerlicht ist. Metaphysik erscheint dann wie ganz „normales“ Wissen. Und ganz normales Wissen hat, eigentlich zu Unrecht, nicht mehr den Anklang des Geheimnisvollen, sondern erscheint den meisten Zeitgenossen als geradezu langweilig.

spirealistische Realität

Ich möchte die spirealistische Sichtweise auf den Begriff der Metaphysik verdeutlichen. Denn ich hatte an anderer Stelle geschrieben, dass der Spirealismus nicht vorgibt, hinter die Realität sehen zu können, oder der aufmerksamen Leserschaft irgendetwas anderes bieten zu können, als die Variante einer Realität.

Warum denn nicht? Ich bediene mich doch sehr gern und häufig Konzepten wie Tarot, der Visionen von Autoren wie Ouspensky, ich bin ein überzeugter Vertreter von Konzepten wie vertikaler Logik. Und doch negiere ich das Konzept der Metaphysik, der hinter der offensichtlichen Wahrheit liegenden Wahrheit?

Nein, ich negiere es nicht. Ich erweitere es. Das metaphysische Konzept ist interessant, denn es geht von mehreren Realitäten aus. Von zwei, nämlich einer „normalen“ Realität, und einer dahinterliegenden, verborgenen, „richtigen“ Realität.

Als Spirealist aber denke ich zunächst, dass es keine offensichtlichen Realitäten bzw. Wahrheiten gibt. Jede Wahrheit ist nur die momentane Variante von Wahrheit. Selbst 1 + 1 = 2 ist für mich eine Variante von Wahrheit, da ich bereits das Objekthafte bestreite, also das Bestehen eindeutiger Objekte, die dann, in der Folge, von Zahlen bezeichnet werden. (Der Logiker wird einwenden, dass die Logik jenseits konkreter Objekte existiert, als ein festes Bezugssystem von Variablen und ewig gültiges System von Operatoren. Ähnlich dem Zahlensystem, in dem die Zahl 1 für ein beliebiges Objekt steht. Aber welchen endgültigen Wert, welche absolute Festigkeit kann ein Bezugssystem von Variablen haben, bei denen die Variablen ALLES sein können, oder umgekehrt, NICHTS?).

Hingegen trägt für mich alles den Charakter von Kommunikation. Alles trägt für mich den Charakter von Einigungen des Momentes. (Der Moment – das kann aus der menschlichen Ameisenperspektive auch ein sehr langer Zeitraum sein – es ist immer eine Frage von Relationen).

Häufig verwendete spirealistische Sätze sind z.B. „Es gibt nichts Objektives“ oder „Der Mensch ist eine Quelle des Seins, ist Element der Schöpfung, nicht deren Beobachter“. Oder „Die Welt gibt es nicht (in der Einzahl).“

Das bedeutet, dass wir, jeder für sich, eine Variante von Welt in uns tragen, sie repräsentieren, und in der Summe, oder auch im Durchschnitt, entsteht daraus der Eindruck einer Welt. Insbesondere durch die materialistische Weltanschauung, die das Vorhandensein einer Welt voraussetzt, und in jeden unserer Gedanken quasi injeziert. Dieser Eindruck täuscht aber insofern, als es „die“ Welt nicht noch einmal extra gibt, jenseits von Denken.

Mit der spirealistischen Sichtweise einher geht eine vollständig verschiedene Auffassung von Denken, Geist, Materie u.v.m., als es sie im Materialismus gibt. Ich füge das auch an dieser Stelle wieder hinzu, weil im Materialisten verständlicherweise sofort die Frage auftaucht, was dann wohl vom klugen menschlichen Gehirn gespiegelt würde, wenn es nicht die Welt sei.


Verwirrenderweise ist hinzuzusetzen, dass der Eindruck einer Welt wiederum eine absolut mögliche und taugliche Beschreibung von Realität ist. Der Spirealismus kann den Materialismus daher auch nicht in einem absoluten Sinn als falsch bezeichnen. Denn der Spirealismus behauptet ja eben nicht, er könne eine einzige Realität finden und diese dann als die „allein gültige Realität“ bezeichnen.

Auch für keine alleinige metaphysische Realität hinter einer „richtigen“ Realität ist das möglich. Warum sollte er auch, wenn er stets und ständig auf das Bestehen vieler Realitäten verweist? Für den Spirealismus gibt es keine „richtige“ Realität.

Und so sind wir bei dem Begriff der Metaphysik, und dessen problematischem Konzept, dass es jenseits einer bestehenden Realität eine andere gibt.

Metaphysik

Die spirealistische Auffassung illustriere ich wie folgt:

Immer, egal auf welcher geistigen Stufe wir uns befinden, haben wir eine singuläre Welt vor uns, mit Himmel, mit Erde, mit den Dingen darin. Und immer gibt es eine dahinterliegende Welt, die wir zu entdecken hoffen. Und wir dürfen hoffen, denn es gibt sie tatsächlich immer wieder, die metaphysische Welt „dahinter“. Denn wir selbst sind die Quelle der Welten, ihre Repräsentanten. Daher können wir, aus denen sie entstehen, auch nicht ihr Ende beobachten, ähnlich wie eine Quelle nicht das Versiegen des Wasser beobachten könnte, das ihr entströmt. Jeder Einzelne ist der Träger einer eigenen Welt (Ich – Universum). Und diese Welt, dieses Universum, schreibt sich fort, von Moment zu Moment, immer anders, immer neu.

Der Übergang einer Realität in eine neue ist letztlich das Konzept von Platos Höhlengleichnis. In diesem Gleichnis ist die neue Erkenntnis eine ultimative Befreiung des Geistes: neues Wissen, neues Erkennen. Statt Schatten an einer Höhlenwand sieht der Erleuchtete nun das wahre Licht, die einzig wirkliche Realität, außerhalb der Höhle – und ist nun völlig befreit. Spirealistisch kommt der Erleuchtete, der einer Höhle entgeht, nun nicht ins Endgültig-Freie, ins endgültige Licht, sondern in eine weitere Höhle, die etwas größer und heller erscheint.

Das bedeutet also: der Spirealismus kann nicht „die Welt dahinter“ beschreiben, weil es nicht eine „Welt dahinter“ gibt, sondern unendlich viele Welten. Immer bewegen wir uns in „der Realität“, wenn wir dies so sehen wollen. Es ist das Anliegen des Spirealismus, eben dieses Nicht-enden-Wollende zu beschreiben – eben aus diesem Grund kann es für ihn keine Endgültigkeit der Aussagen geben.


Achtsamkeit vorausgesetzt können wir sofort beobachten, dass es viele Welten gibt. Jawohl, wir können die Welten und Welten sehen, sie beginnen im uns Nächsten. Wir können das auch an uns selbst sehen, denn unser Wissen schreitet fort, und wir können das metaphysische Konzept im Vergleich von Gestern zu Heute sehen. Jeden Tag entwickeln wir uns weiter, entwickeln neue Konzepte, neue Sichtweisen. Die Sichtweise des Morgen ist Metaphysik für das Heute. Viele Menschen entdecken diese Weisheit erst im Alter, wenn sie feststellen, dass sie als junge Leute quasi „andere Menschen“ waren. Man kann diese Weisheit aber auch jeden Tag entdecken.

 

Irrationalität

Das Konzept nicht enden wollender Erkenntnis, die sich stets neu aus sich selbst heraus generiert, geht schließlich zum Begriff der „Irrationalität“ über, denn wenn die Welt mit ihrer Realität und ihrer Logik nicht in der Einzahl existiert, sondern letztlich alles sein könnte, dann lässt sich auch keine alleinige Logik definieren, bzw. man kann sich auch denken, dass jede Logik in einer spezifischen Sichtweise Realität haben kann. Das bedeutet, es gibt nichts endgültig Aussagbares über Realitäten, Welten, Logik, das über das Menschlich – Subjektive hinausginge.

Man könnte formulieren, dass Logik grundsätzlich subjektiv ist (die Menschheit als Subjekt). Man könnte auch sagen, dass es Logik nicht gibt, denn das Grundkonzept der Logik wie wir sie bisher verstehen ist ja, dass sie eindeutig und unabänderlich logische Ableitungen hat. Ebenso, wie man sagen kann, dass es „die“ Welt in der Einzahl nicht gibt.

Daher nannte ich die Welt an mancher Stelle „irrational“ – sich dem rationalen Schließen entziehend.

Rational in der Irrationalität

Mit dem Spirealismus geht aber keinerlei Verzweiflung einher („Oh, diese Irrationalität!“), sondern einfach die Gewissheit, dass wir nichts weiter tun können, als in unserer Logik zu bleiben, welche das auch immer sein mag. Dies zu tun, bestmöglich zu tun, und dies zu akzeptieren, das ist der Gewinn des Spirealismus, der ja im Ergebnis wieder eine mögliche Form von Rationalität hervorbringt. Wieder eine Welt hinter der Welt, wieder eine Physik hinter der Physik, wieder eine Metaphysik.

Allein schon die Tatsache, dass der Spirealismus das Auftreten vielfach unterschiedlicher Logik, vielfacher Deutungen, das Vorhandensein von Welten und Welten, einfach beobachten kann, ohne sich zu verwirren mit den Widersprüchen der materialistischen Sichtweise, der zufolge all das eigentlich nur einmal auftreten dürfte („Haben wir denn nicht nur eine Welt vor uns?“), ist ein riesiger Gewinn.

Metaphysik und Okkultismus

Dies war eine sehr allgemeine und grundsätzliche Betrachtung des Begriffes Metaphysik, die fragte, was ist das Konzept von Metaphysik? Unter Metaphysik kann man aber auch etwas sehr Konkretes verstehen.

Doch für viele ist Metaphysik Inbegriff für das Geheimnisvolle, das zu Erahnende, das Uralte und zugleich Nicht-Begriffene. Insofern auch wieder die Verbindung zu Ouspensky, dessen „verborgenes Wissen“, alte Schriften, Okkultismus (als die Verbindung grundlegender, oft religiöser, Menschheitsweisheiten). Metaphysik auch als ein uns verborgenes Regelwerk, das durch „Werkzeuge“ wie Tarot seine Gültigkeit erweist (man könnte Tarot auch als Denkmethode sehen).

Metaphysik also als ein Regelwerk das einerseits „da“ ist, man kann es nur nicht richtig beschreiben – anders als die wissenschaftliche Physik beispielsweise. Zugegeben ist diese mangelnde Beschreibbarkeit auch der Grund dafür, dass Metaphysik der Tummelplatz für vielerlei Scharlatane ist, denn im Grunde benötigt man für eine Physik dieser Art wenig Faktenwissen (was das Ganze sehr leicht macht), es käme eigentlich umso mehr auf ein Weltverständnis an (was das Ganze sehr schwer macht). Die Scharlatane aber kommen ohne das Verständnis aus, sie nutzen einfach die bekannten Worte der Geheimwissenschaften, die insofern gar nicht geheim sind. Das Geheimnisvolle an ihnen ist eben das in den Worten liegende Verständnis.


Was ist dran an Metaphysik, verstanden als Geheimwissenschaft mit Bezug zu unserer gegenwärtigen Weltsicht? („unsere gegenwärtige Weltsicht“ würde ich als materialistische Weltsicht bezeichnen. Es ist nicht meine Weltsicht, aber es ist ein Bündel an Denkvoraussetzungen, die fast überall als gegeben angesehen werden).

Metaphysik, verstanden im genannten Sinn, hat für mich viel Wahrheit. Der Spirealismus, den ich auf diesen Seiten immer wieder beschreibe, ist verwandt mit den Grundaussagen der Hermetik. Diese (wenigen) Grundprinzipien gehen stets von der Sichtweise des Geistes aus; erstes hermetisches Prinzip: Alles ist Geist. Diese Metaphysik sagt, bzw. fragt: Was kann über die Welt ausgesagt werden, wenn man nicht den Geist betrachtet, der das letztendliche Werkzeug allen Erkennens ist? Und kommt zu dem Schluss: Nichts! Der Geist ist das grundlegende Prinzip, nicht die Welt. Spirealistisch formuliert: Die ursprüngliche Existenz ist der Gedanke. 

Und diese Sichtweise uns in der heutigen Welt fremd. Die materialistische Physik, wie auch jede andere „richtige“ Wissenschaft will das Psychische ganz aus ihren Betrachtungen ausschließen (lustigerweise will das sogar die Psychologie, die heute allgemeinste wissenschaftliche Aussagen mit Hilfe der Statistik anstrebt).

Ich hatte oft genug dargestellt, inwiefern die „richtigen Wissenschaften“ immer wieder an Grenzen stoßen, durch die hindurch nur eine geistige Sichtweise führen würde, jedoch finden sie sich stets mit dem Beibehalten der grundsätzlichen Widersprüche ab – ganz dem materialistischen Weltbild entsprechend.

Die metaphysische Betrachtung der Dinge als ein geistiges Prinzip hat aber Berechtigung, hat Logik, hat Nutzen, hat Wahrheit. Sie ist daher durch die „richtigen“ Wissenschaften auch nicht auszumerzen, sondern erfährt in der Gegenwart, teils unter ganz anderen Namen, ein Revival. Man denke zum Beispiel an die vielen Filmveröffentlichungen, die einen psycholigischen, existenzphilosophischen, surrealistischen oder spirituell-wissenschaftlichen Plot haben, z.B. Blade Runner, Shutter Island, Krieg der Sterne, Minority Report. Und in den Wissenschaften denken wir an die Atomforschung, Forschungen zur Ausdehnung des Weltalls, des Entstehens von Masse, des Entstehens von Farben. Oder denken wir an den Quantencomputer, denken wir an künstliche Intelligenz.

Ich denke, die „Entdeckung des Geistigen in den Dingen der Welt“ ist der ultimative, fundamental wichtigste Schritt, den die Menschheit irgendwann tun könnte. Und ich hoffe, dass das irgendwann eintritt, denn ich glaube wiederum nicht, dass es hierfür eine absolute Notwendigkeit gibt.

Es wäre, wenn man so will, die Entdeckung der real existierenden Metaphysik.

Metaphysik – spirealistisch gesehen was last modified: März 9th, 2018 by Henrik Geyer

Nachweis des Spirealismus

Der Spirealismus trifft einige sehr fundamentale Aussagen, die er in ihrer Tragweite im Folgenden weiter untersucht. Doch wie steht es mit der Beweisbarkeit dieser Aussagen, sagen wir ruhig Thesen?

Noch einmal kurz zu den Aussagen: Die grundlegende Aussage des Spirealismus ist, dass es keine Objektivität gibt. Diese Aussage könnte „nur“ so verstanden werden, dass man sagt: Es gibt keine endgültig feststehenden Wahrheiten – damit wäre das materialistische Weltbild noch unbeschädigt. Aber mehr noch ist es die Überzeugung des Spirealismus, dass es auch die „reale Außenwelt“ der materialistischen Sichtweise nicht gibt. Schließlich ist demzufolge der Existenzbegriff des Spirealismus ein anderer, als der des Materialismus. Existenz ist im Spirealismus die Relation der Begriffe zueinander (Stichwort „semantische Natur der Dinge“), ohne dass sich für den einzelnen Begriff oder das einzelne Ding irgendeine Existenzberechtigung oder Existenznotwendigkeit formulieren ließe, als eben jene Relation. Und das führt wieder auf die Aussage zurück, dass es die Welt jenseits unseres Denkens, die Welt materialistischer Anschauung, nicht gibt, denn die Relation kommt unter anderem durch uns Menschen zum Ausdruck und „in die Welt“ – als Gedanke.

Alles ist relativ – auch der Spirealismus?

Es hat einige Zeit gebraucht bis ich mir darüber klar wurde, dass aus dem oben genannten Grund auch der Spirealismus nicht für sich proklamieren kann, objektiv zu sein. Denn, jede Aussage die objektiv genannt wird, muss unter dem Aspekt der Objektivität falsch sein. Doch – man sucht so sehr das „Objektive“ – als etwas, das dann alle (Menschen) so sehen müssen … weil es einfach „da ist“. Aber … eben das ist ja wiederum eine Vorstellung des Materialismus – dass die Dinge einfach „da sind“.

Ich weiß noch, wie jemand, der mein Buch „Alles ist Geist“ zur Probe gelesen hatte, und darin die Aussage fand, auch der Spirealismus sei nicht objektiv, mich fragte, wozu ich das Buch überhaupt schriebe. Ein nicht-objektives Buch sei irrelevant. Ich war damals ein wenig verunsichert, dachte an das Verständnis der Leser und ihr mögliches Desinteresse an einem Buch, das einerseits versucht Dinge zu erklären, andererseits von sich selbst sagt, nicht objektiv zu sein. Ich strich den schuldigen Satz aus „Alles ist Geist“.

Bemerkenswert erscheint mir der Vorgang heute in zweierlei Hinsicht. Erstens können Menschen das Buch „Alles ist Geist“ lesen und dessen fundamentale Aussage einfach nicht begreifen. (Ganz genau so übrigens wie es des Öfteren vorkam dass ich auf Philosophen traf, die alles Mögliche über Kant und dessen Suche nach dem Ding „an sich“ wussten, denen jedoch die Frage selbst, ihrem Ursprung und ihrer Tragweite nach, völlig nichtssagend war). Für mich ist eben das das Erscheinen von Denkgrenzen.

Und zweitens zeigt es mir (was ich eigentlich von Herzen weiß), wie schwierig das Begreifen und völlige Erfassen der Aussage „Alles ist Geist“ in ihrem grundlegenden Sinn ist – und zwar auch für mich! Die Denkgrenzen sind also nicht irgendwo anders, und wirken nicht auf unbeschreibliche Weise, sondern sie sind (natürlich) auch in mir, und ich kann sie in ihrer Wirkungsweise beobachten. Ich selbst hatte der Logik des Anderen folgend, den Satz aus meinem Buch gestrichen, war der Unlogik und der Unklarheit gefolgt. Der Mensch ist eben Element der Schöpfung, nicht ihr Beobachter. Die Gesetze der Schöpfung wirken durch uns … Ich beobachte nichts von den Gedanken Getrenntes und kann die Begrenztheit, die Schwere der Gedanken, auch in mir spüren. Heute weiß ich noch besser als vor einigen Jahren, wie schwierig und langwierig es ist, dass der spirealistische Gedanke einsinkt. Er muss gelernt werden, es muss zu einem festen Glauben werden, so wie der Materialismus ein fester Glaube ist. Erst dann kann man „Alles ist Geist“ mühelos denken und wahrhaft verstehen.

Heute erscheint mir die Aussage, der Spirealismus könne nicht objektiv sein, als das Natürlichste von der Welt. Die Sucht, objektiv sein zu wollen, und damit, jedem Denken gerecht werden zu wollen, ist gewichen. Nichts ist objektiv. Ich habe keine Angst mehr davor, das zu formulieren, etwa weil ich fürchte, ein Buch würde keine Leser finden, oder ich würde auf Unverständnis treffen. Denn ich denke inzwischen, dass die Mehrzahl der Menschen ohnehin nicht die mindeste Neigung verspürt, die Grundbegriffe des (eigenen) Seins zu hinterfragen, und eine Philosophie wie den Spirealismus einer geistigen Würdigung zu unterziehen, zumal das, wie ich ja zugebe, äußerst schwierig ist. Und die Neigung der Menschen ist doch eher, auch im Geistigen, das Allereinfachste zu tun (ich spreche durchaus auch von mir und von eigener Erfahrung) und sich nicht auf irgendwelche Mühen einzulassen, für die es im materialistischen Sinn keine Rechtfertigung zu geben scheint. Es ist eben keineswegs so, dass Denken leicht sei. Verständnis für den Spirealismus zu wecken ist in etwa so, als würde man versuchen Schüler für den Zen-Buddhismus zu finden, die bereit sind Jahre hinter Klostermauern zu verbringen. Sofort taucht im Kandidaten die Frage auf, was eine solche Aktion denn wohl bringe, wie man die Lehre des Zen-Buddhismus in einem Satz zusammenfassen könne damit man sie unmittelbar verstehen könne, was (konkret!) an Geld dabei herausspränge, etc.. Fast zwecklos also. Wenn man etwas verkaufen will, dann sollte das (wenn es ein Buch ist) einfach der Denkwelt Vieler entsprechen – das heißt, es kann nur sehr begrenzt grundlegend Neues enthalten. Und .. objektiv kann und muss es nicht sein.

Für die Philosophie jedoch kommt es mir abseits von Verkaufsüberlegungen eher darauf an, die zu machenden Aussagen möglichst klar und eindeutig zu formulieren, und sie durchaus populär zu schreiben – denn ich sehe keinen Sinn darin, eine Philosophie  akademisch zu formulieren, und sie am Ende verwirrend oder unverständlich zu machen. Der Spirealismus untersucht die Grundbegriffe des Denkens, nicht aber die x-te Ableitung aus der Namenswelt des Materialismus. Daher muss er sich keiner akademischen Sprache bedienen, das wäre kontraproduktiv.

Das soll meiner eigenen Klarheit dienen, denn nicht zuletzt habe ich mit der Formulierung des Spirealismus Klarheit im eigenen Denken gesucht. Aber natürlich soll das auch der Klarheit der Leser dienen. Dass aber der Spirealismus, wenn er Objektivität nicht sucht, sondern vielmehr Objektivität im ersten Schritt negiert, vielen unverständlich bleiben muss, ist nicht zu ändern. Es gibt hier einen Zielkonflikt zwischen Klarheit und (vermeintlicher) Verständlichkeit aus materialistischer Sicht – ich entscheide mich für Klarheit.

Der Spirealismus ist eine mögliche Vorstellung

Der Spirealismus als Vorstellung eines Kosmos relativer Vorstellungen ist wahrer als der Materialismus, in dem Sinn, wie der Spirealismus Wahrheit nur verstehen kann: wiederum als Relation von Vorstellungen. Seine Aussage ist: Es hat Sinn den Spirealismus zu formulieren, da er der Funktionalität unserer Vorstellungswelten näher ist, als der Materialismus.

Nun müsste man auf die Frage antworten: Die Funktionalität welcher Vorstellungswelten ist gemeint? Der Spirealismus sagt ja selbst, dass sich die Gedanken in den Individuen nur ähneln, nie aber wirklich gleich sein können. Hierzu die Erklärung: Der Spirealismus benötigt als Ressource eine gedankliche Achtsamkeit (Achtsamkeit dem Denken gegenüber). Wenn man so will eine Geistigkeit, eine Spiritualität. Gemeint ist aber nicht die Spiritualität üblicher Vermarktungsstrategien (die ohnehin mit Materialismus mehr zu tun hat, als mit Spiritualität). Dies allein ist schon eine hohe Hürde, denn nach meiner Auffassung ist diese Fähigkeit alles andere als verbreitet.

Jedenfalls wird, wer sein eigenes Denken achtsam beobachtet, zu der Überzeugung gelangen, dass die Dinge nichts anderes sind, als die (eigenen) Gedanken daran. Und zu beobachten ist, dass sich die Dinge mit den Gedanken wandeln – von Augenblick zu Augenblick. Die Gedanken an die Dinge wandeln sich im Verlauf, und ebenso müssen sich die Gedanken an Dinge von Individuum zu Individuum unterscheiden.

Dies ist die Achtsamkeit, die ich mindestens für erforderlich halte. Erst mit ihr ausgestattet kann sich die Frage nach den Dingen „an sich“ als sinnvoll erweisen. Es ist die Frage: Was sind die Dinge jenseits des Denkens?

Dass sich, auf diese Weise, die Aussagen des Materialismus als nur in einem Spezialfall als sinnvoll erweisen, sozusagen als das Fortschreiten des Denkens in ein spezielles Denkuniversum hinein, das gleichsam von unendlich vielen anderen möglichen Denkuniversen wie abgeschnitten ist – diese Aussage muss der Spirealismus einfach treffen, ohne hierfür eine Erklärung im materialistischen Sinn abgeben zu können. Der Sinn einer solchen Aussage liegt schlicht darin, dass dies die Realität der Denkwelten, sofern man sie wie gesagt überhaupt beobachten kann, am allerbesten beschreibt.

In einem materialistischen Sinn muss diese Aussage keinen Sinn machen, besser gesagt: kann sie keinen Sinn machen, da die Aussage dem Materialismus zutiefst widerspricht. Und die geliebte Frage nach der Objektivität (insgeheim: nach der Relevanz) all dessen muss unter den Tisch fallen.

Wie schon des Öfteren formuliere ich auch an dieser Stelle, um das Enden der materialistischen Kausalkette in einem irrationalen Nichts zu zeigen: Die göttliche Erschaffung der Welt in sieben Tagen unterscheidet sich nicht grundlegend von der Annahme, die Welt sei vor 14 Milliarden Jahren in einem lautlosen Knall ins Entstehen gekommen.

Bilden wir eine Mischform: Gott erschuf die Erde in einem lautlosen Knall, der vor 14 Milliarden Jahren stattfand. Dieser Vorgang dauerte nicht sieben Tage, sondern eine Milliardstel Sekunde. Auch das klingt plausibel.

Beides sind Begriffe für einen unbegreiflichen Vorgang. Und wenn ich unbegreiflich sage, dann meine ich, dass es in einem objektiven Sinn hierfür kein Begreifen geben kann – man könnte auch von Irrationalität sprechen. In einem subjektiven Sinn hingegen ist sehr wohl eine Aussage zu treffen, und das ist es auch, was wir tun, wenn wir von der göttlichen Erschaffung der Welt reden, oder aber vom Urknall. Es ist jeweils ein Griff in die Trickkiste der Unendlichkeit, innerhalb derer alles Sein und Werden haben kann.

Nicht-objektiv ist nicht irrelevant

Dass etwas Nicht-Objektives gleichzeitig sehr relevant sein kann, erschließt sich wiederum erst aus der spirealistischen Sicht. Denn für den Spirealismus ist es völlig natürlich zu denken, dass die subjektiven Welten die allerhöchste Relevanz besitzen. Objektivität gibt es schließlich nicht.

Überprüfbar ist das sofort:

Welche Realität hat die größte Relevanz für das Individuum? Die eigene. Ist das „die“ (eine) Realität? Nein.

Welche Realität hat die größte Relevanz für eine Gruppe von Individuen? Die der Gruppe. Ist das „die“ (eine) Realität? Nein.

Welche Realität hat die größte Relevanz für die Menschheit? Die der Menschheit. Ist das „die“ (eine) Realität? Wieder: Nein.

 

Subjektiv ist nicht irrelevant. Sondern subjektiv – das ist das uns Bekannte. Was könnte höhere Relevanz haben als das uns Bekannte, während das uns Unbekannte ungedacht und unbenannt bleiben muss?

Nichts ist objektiv bedeutet: alles ist subjektiv. Subjektivität wird nicht durch mehrfach ähnliche Gedanken zu Objektivität, sondern zu Supersubjektivität.

der Nachweis

Wie also könnte der Nachweis des Spirealismus aussehen?

Zunächst: Was wäre nachzuweisen? Es wäre nachzuweisen, dass unsere Gedanken von den Dingen die Dinge selbst sind. Dass es also keine „existierende“ Außenwelt gibt, die von den Gedanken getrennt wäre, sondern dass die Gedanken, ohne (von uns) bestimmbaren Grund, die Dinge erzeugen. Und … der Begriff „die Gedanken“ … das wäre wohlgemerkt nicht materialistisch zu verstehen, als Gedanken die ausgehen von Köpfen. Sondern das wären Gedanken kosmisch-unbestimmten Ursprungs; wertneutral: Informationen, die die materielle Welt erzeugen.

Wenn ich am Anfang sagte, dass der objektive Nachweis nicht gelingen kann, weil es keine Objektivität gibt, will ich es hier wiederholen. Wie sollte der Nachweis einer fehlenden materiellen Außenwelt gelingen, wenn die Vorstellung einer Welt stets die Welt selbst ist? Anders gesagt: Was auch immer wir uns vorstellen – innerhalb der Eckpfeiler unserer Vorstellungen müssen wir „richtig“ und „falsch“ definieren – darüber hinaus können wir nicht. „Richtig“ und „falsch“ wiederum haben in einem Kosmos unbegrenzter Möglichkeiten keine Notwendigkeit, und stehen in keiner Weise singulär für sich. Sondern „richtig“ und „falsch“ sind wiederum Möglichkeiten innerhalb eines semantisch definierten Begriffsraumes.

der Beweis des Nicht-Existenten

Den spirealistischen Kosmos der unbegrenzten Möglichkeiten kann man nicht nachweisen, weil er sich in seiner unendlichen Form nicht zeigen oder nachweisen lässt. Wir selbst sind begrenzt. Und der Kosmos der unendlichen Möglichkeiten ist unbegrenzt und somit undefiniert, man könnte auch sagen, dass er für uns, die wir endlich sind, nicht existiert. Existenz hingegen ist für uns das Definierte, und zwar definiert in unseren Vorstellungen.

Im materialistischen Sinn „zeigen“ lässt sich nur, was in unseren Vorstellungen ist; somit ist das Unbegrenzte nicht zeigbar, da unsere Vorstellungen per se begrenzt sind. Und der eigentlich wissenschaftliche Nachweis wäre etwas, das in unseren Vorstellungen ist, und sich in ähnlicher Form in Vielem findet. Man könnte auch sagen: die gemeinsamen Phantasien vieler Menschen sind die Realität der Gruppe.

Wie soll also der „realistische“ Beweis für etwas aussehen, das außerhalb der Realität (der Gruppe) ist? Es ist die Vorstellung des Materialismus, wie ein Beweis auszusehen habe, die einen Beweis des jenseits des Materialismus Liegenden verhindert. Der Materialismus beweist sich selbst in einer Endlosschleife – eine letztlich nichtssagende Tautologie. Der Materialist muss einen Beweis, der ihn fordert die Grenzen des materialistischen Denkens zu überschreiten, als unwirksam ansehen.

Ich formulierte übrigens „sich in Vielem findet“, und nicht in Vielen (Menschen), weil ja die Vorstellung des Spirealismus von einem Information erzeugenden Kosmos der eines Kontinuums aus Geist ist, der quasi stufenlos von uns fremden Gedanken zu menschlichen Gedanken übergeht. Das Urteil des Menschen über das Universum bleibt eine Möglichkeit, aber nur die Möglichkeit seiner Vorstellungen. Insofern wäre es falsch, die Vorstellungen der Menschen in irgendeiner Form objektivieren zu wollen, indem man sie ablöst von Vorstellungen des uns umgebenden geistigen Universums – man käme damit auf das materialistische Weltbild zurück, demzufolge die Vorstellungen vieler Menschen objektiv sind, die Vorstellungen des Einzelnen hingegen nicht. Die Vorstellungen vieler Menschen nennt der Spirealismus „supersubjektiv“ – sie bleiben eine subjektive Vorstellung.

 

Ich unterscheide, auch das sei noch hinzugesetzt, zwischen Universum und KosmosUniversum nenne ich den Begriffsraum unserer Vorstellungen, und gehe davon aus, dass es viele Universen gibt oder geben kann. Kosmos nenne ich die Notwendigkeit, dass es eine Ordnung der Begriffe aus sich selbst heraus geben muss – als Synonym für Bewusstsein.

Eine Ordnung der Begriffe aus sich selbst heraus … die es geben muss? Warum muss? Kann es nicht eine Ordnung von Begriffen, oder auch Dingen, jenseits von Bewusstsein geben, so wie es sich der Materialismus vorstellt? Die halb scherzhafte Antwort lautet: Nicht dass ich wüsste! Womit gesagt sein soll: Das Wissen, somit das Bewusstsein, ist die Voraussetzung für jede Frage die wir stellen, und jede Antwort die wir finden können.

Wenn man so will ist ein Kosmos die Voraussetzung des Entstehens von Universen. Vielleicht ist das auch der Sinn, in dem der Begriff Kosmos im antiken Griechenland gebraucht wurde, denn Kosmos heißt ja „Ordnung“.

Die materielle Außenwelt versus die Welt der zehntausend Namen

David Hume (1711-1776)  formulierte, dass sich eine materielle Außenwelt nicht durch rationale Begründungen nachweisen lasse. Dennoch könne der Mensch nicht umhin, an die Existenz der Außenwelt zu glauben.

Seine Formulierung legt nahe, dass es sich beim materialistischen Weltbild um einen Glauben handelt – was exakt die Formulierung der spirealistischen Sichtweise ist. Und man kann sagen, dass, wenn es sich also um einen Glauben handelt, es andererseits auch keinen besonderen Grund gibt, diesen Glauben auf Biegen oder Brechen beizubehalten. Sondern man könnte sich, insbesondere als Gläubiger des materialistischen Weltbildes, vorstellen, das Weltbild zu wechseln, anders gesagt: sich einen anderen Glauben „zuzulegen“. Einfach etwas anderes glauben! Denn das Denken (Glauben) geht ja vom menschlichen Kopf aus … und … sind denn die Gedanken nicht frei?

Doch an dieser Stelle sehen wir wieder sehr deutlich die Macht der Gedanken – sie sind keineswegs frei, und, sich einen anderen Glauben „zuzulegen“ ist keineswegs einfach. Ich komme insofern auf den weiter oben formulierten Satz über Klosterschüler des Zen-Buddhismus zurück – es ist eine Mühe, einen alten Glauben abzulegen und einen neuen zu gewinnen. Es hat auch etwas zu tun mit der ebenfalls bereits formulierten Tatsache, dass die gemeinsamen Phantasien vieler Menschen die Realität der Gruppe sind. Da die Realität der Gruppe quasi die sog. Realität selbst ist, der sich jeder Mensch geistig zuordnen will und muss, ist es alles andere als leicht, diese Realität zu verlassen. Das wahrscheinlichste Szenario, dass dies gelingen könnte, wäre, dass sich die Realität der Gruppe änderte (was ja ohnehin stets und ständig geschieht).

Ich hatte gesagt, dass sich der Spirealismus nicht beweisen lässt, indem man sagen kann, „Siehe, dort sind ist der Kosmos der unbegrenzten Möglichkeiten“. Jedoch, dass der Gedanke im oben genannten Sinne fest wird, indem er sich in ähnlicher Form in Vielem findet, indem die Realität der Gruppe „die Realität“ ist, das ist ein Beweis für den Spirealismus. Viele Beweise ähnlicher Art ließen sich finden und ich habe versucht sie auf diesem Blog zusammenzutragen.

Ausgangspunkt ist immer die Überlegung, dass Welten entstehen können, ohne dass das materialistische Weltmodell bemüht werden muss – was wiederum deutlich jenseits des materialistischen Weltbildes und seines Selbstbeweises liegt. Wenn man aber verstanden hat, dass das materialistische Weltbild keinen Imperativ darstellt, dann wird man bemerken, dass ein Weltmodell jenseits des materialistischen schlüssiger ist.

Was also sind weitere Beweise? Die Paradoxie unserer materialistischen Vorstellung vom Nichts beispielsweise, oder der Unendlichkeit. Oder unser ewiges Uns-selbst-für-den-Mittelpunkt-des-Universums-Halten, und zwar nicht nur in räumlicher Hinsicht, sondern auch in geistig-intellektueller Hinsicht. Beweise sind auch offensichtlich paradoxe Annahmen  zu Realität und Objektivität, wie z.B. hier formuliert.

Die erwähnten materialistisch-paradoxen Annahmen zu Nichts und Unendlichkeit finden sich wieder in paradoxen Annahmen zum äußerlichen Universum (gemeint ist jenes Universum „mit den Sternen darin“). Gemeint ist zum Beispiel die Frage nach den Grenzen des äußerlichen Universums. Ist das Überschreiten (nicht vorhandener) Grenzen möglich?

Wenn, wie der Spirealismus meint, die Natur der Dinge semantisch sei, und, ebenso wie die Sprache, je nach Stellung der Begriffe zueinander Sinn und Form verändert, dann ist das Untersuchen der Worte als ein Synonym für unsere Vorstellungen ein Beweis für den Spirealismus. Und zwar dann, wenn diese Untersuchung ergibt, dass die Worte, ihre Verwendung sowie ihre vorgestellten Einschränkungen oder Erweiterungen, unser Weltbild und unser Begreifen der Dinge, formen. Derlei Beispiele habe ich auf diesen Seiten einige niedergelegt, und im Prinzip läuft alle Beschäftigung mit Sprache darauf hinaus … Konkret kann ich, um beim genannten Beispiel des Universums zu bleiben, unsere Vorstellung von einem Weltall benennen, das doch Alles enthalten soll, und das sich gleichzeitig dem Verständnis unter diesem Aspekt, nämlich Alles zu sein, entzieht. Ist Alles unendlich? Alles, das finden wir, liegt außerhalb unserer Vorstellungen. Und Alles hat auch keine Grenzen – warum? Der Spirealismus sagt: Weil Bewusstsein Alles generiert. Der Materialismus hingegen sagt das nicht – und bleibt eben deshalb paradox und unverständlich. Er bleibt artig innerhalb des ewigen Selbstbeweis-Kreislaufes und kann, wie es scheint, sehr gut mit der eigenen Widersprüchlichkeit leben.

Die vorgenannte Paradoxie lässt sich überleiten zu der prinzipiellen Frage nach Teil und Ganzem … lässt sich das Universum aufsummieren, als die Summe aller Masse / aller Dinge in ihm? Die ständige Annahme des Materialismus ist ja, dass das Ganze eine festgelegte Anzahl an Teilen in sich haben müsse (die wir, paradox genug, selbst definieren können), denken wir an den Begriff „Atom„, oder umgekehrt, dass eine Summe von Teilen ein Ganzes ergäbe, in einer Art fester, vom Bewusstsein abgekoppelter, mathematischer Formel. Ich hatte hier des Öfteren das Paradox von Englands Küste erwähnt, das uns das Gegenteil zeigt, und das ebenfalls ein Beweis für den Spirealismus ist.

In Gott würfelt nicht? hatte ich über die Annahme nachgedacht, dass Kausalität materialistisch gesehen außerhalb von Bewusstsein existiert – also objektiv sei, obwohl doch jede Kausalität die wir kennen nur auf den Begriffen basiert, die wir Menschen haben, die wiederum nicht objektiv sind. Und dass, zumindest aus spirealistischer Sicht verständlich und beobachtbar, Kausalität, als Quelle und gleichzeitig abhängige Funktion unserer Kenntnis dessen was „es gibt“, einem stetigen Wandel unterliegt. Und sich daher auch die Vergangenheit ständig wandelt.

Beweise sind auch durchaus die Erkenntnisse der materialistischen Naturwissenschaft, die beispielsweise nahelegen, dass kleine Teilchen sich unserem Bewusstsein entsprechend verhalten und formen, oder, dass es Farben nicht im eigentlichen Sinn im Außen gibt (Optik), sondern, dass sie sich im Geiste bilden. Ich erinnere mich beispielsweise an die Lektüre des Buches QED: Die seltsame Theorie des Lichts und der Materie, in der der Autor recht eindrucksvoll erklärt, wie Licht und Farben einerseits gut berechenbar und nutzbar sind, wie unlogisch jedoch letztlich die dazugehörigen Theorien sind (gemeint ist unsere Vorstellung von Augen, die Lichtteilchen aufnehmen, welche vorher wie Bälle von im Außen liegenden Objekten abgeprallt sind).

All die Theorien des Materialismus sind letztlich Stückwerk, und passen am Ende nicht zusammen. Warum ist das so? Der Spirealismus sagt: Weil ein Zusammenpassen für das, was wir am Ende „die Realität“ nennen, gar nicht nötig ist!

DAS ist der Grund, warum ich die Aussage Humes ablehne. Nein, man muss keineswegs an die Existenz einer materiellen Außenwelt glauben! Man kann offensichtlich an vieles glauben, im subjektiven wie im supersubjektiven Sinn – das tut der Wirklichkeit der Realität, und auch ihrer Funktionalität, überhaupt keinen Abbruch.

Ich denke, dass das, was der Autor von „Die seltsame Theorie des Lichts und der Materie“ darlegt, sich dem aufmerksamen Geist in letztlich jeder Gestalt, jedem Ding, zeigt. Oder besser: zeigen könnte. Ich komme insofern wieder auf diese notwendige Ressource des Verstehens zurück: Spiritualität. Wer nicht denken kann, dass der Gedanke selbst die Ursache aller Erscheinungen ist, oder wer schon die Frage nach der Ursächlichkeit nicht versteht und die Möglichkeit des Primats der Gedanken nicht in Erwägung ziehen kann, der wird auch den nächsten Schritt nicht tun können. Insofern möchte ich dem Humeschen Postulat, dass sich eine materielle Außenwelt zwar nicht durch rationale Begründungen nachweisen ließe, man dennoch nicht umhin komme an sie zu glauben, ein Demokrit-Zitat gegenüberstellen: „Kein Phänomen kann ein Kriterium sein, weil Phänomene nicht existieren.“

Ganz offensichtlich kann beides eine gültige und wirksame Realität sein. Die Demokritsche Realität und die Humesche. Die Welt der zehntausend Namen und die Welt des materiellen Außen.  Und, weil beides die Realität sein kann, ist die spirealistische Weltsicht wahrer als die materialistische, denn sie schließt die Selbstverständlichkeit vieler Realitäten ein.

Nachweis des Spirealismus was last modified: Januar 21st, 2018 by Henrik Geyer

Was ist die Wahrheit in Wahrheit? Die Wahrheit ist kein Ding

Was ist die Wahrheit? Die Wahrheit als Ding. [SPID 4422]

„Die Wahrheit“ gibt es nicht – sie ist kein Ding. Das ist die spirealistische Sichtweise auf die Wahrheit, die vielleicht manchem paradox erscheint. Doch paradox im eigentlichen Sinn ist eher die Verwendung des Wortes „die Wahrheit“ im materialistischen Sinn.

Die „Wahrheit“ ist einer der zentralen Begriffe des menschlichen Denkens. An ihr können wir die Widersprüchlichkeit des Materialismus sehen – und, diese Widersprüchlichkeit sehend, können wir sie überwinden.

Die Wahrheit als Absolutheit

Gemeinhin wird die Wahrheit als eine Absolutheit gesehen. Dies sei die Wahrheit jenes nicht. Dies ist die Grundauffassung des materialistischen Weltbildes, das davon ausgeht, der Mensch beobachte eine äußerliche Welt, spiegele sie in seinem Hirn. Das, was er da spiegelt, sei eine festgelegte Realität, und die Wahrheit liege in der Information, die dieser Festgelegtheit am nächsten ist.

Der Spirealismus hat hierzu eine gänzlich andere Auffassung. Der Mensch beobachtet keine Welt, sondern ist ein Element der Schöpfung von Welten. Doch woran kann man feststellten, dass der Materialismus eine falsche Vorstellung ist? Der Spirealismus sagt: an den Widersprüchlichkeiten des Materialismus, seinen Paradoxien.

Beispielsweise dem Denken, es gäbe eine feste Wahrheit. Nicht nur, dass man diese Vorstellung in jedem einzelnen Begriff widerlegen kann, auch in einem umfassenden Sinn lässt sich, philosophisches Verständnis vorausgesetzt, sagen, dass die menschlichen Vorstellungen nur eine Möglichkeit sind, keineswegs eine Notwendigkeit.

Die Wahrheit ist im Materialismus an die Erscheinung äußerlicher Materieobjekte geknüpft

Für den Materialismus ist die Wahrheit an den Materieobjekten abzulesen. Diesem Weltbild entsprechend ruft der Mensch die Informationen von äußerlichen Dingen ab, und spiegelt sie in seinem Hirn. Die unabdingbar eindeutige Wahrheit über diese Objekte – das ist das menschliche Wissen. Insofern ist die Frage nach Wahrheit eng verbunden mit Betrachtung des Begriffes Wissen. Wissen ohne Wahrheit erscheint sinnlos. Doch: gibt es absolutes Wissen? Wenn nein: welche graduelle Wahrheit hat dann unser Wissen?

Es gab viele, die darauf hinwiesen, dass der Mensch nicht im eigentlichen Sinn etwas spiegeln kann. Allein schon aus der Überlegung heraus, dass der Mensch nur Dinge begreifen kann mit den Werkzeugen seiner Wahrnehmung – den Augen, den Ohren, dem Fühlen. Und diese Werkzeuge sind beim Menschen zweifellos spezifisch, keineswegs absolut.

Wer darüber hinaus das Denken selbst als das eigentliche Werkzeug der Wahrnehmung betrachtet (das tat beispielsweise C.G. Jung), der wird zu der Überlegung gelangen, dass der Mensch alles nur mit jenen Begriffen verstehen kann, die er bereits hat. Er ist also keineswegs frei, etwas in einem objektiven Sinn zu spiegeln. Bei Albert Einstein liest sich das so: „Erst die Theorie entscheidet darüber, was man beobachten kann.“

Zumal Untersuchungen der materialistischen Wissenschaft zeigen, dass hier nichts „gespiegelt“ wird. Denn, die Ergebnisse materialistisch-wissenschaftlicher Beobachtungen hängen, so zeigen Versuche in der Quantenphysik, ab, von der Art und Weise der Beobachtung. Das bedeutet: der Beobachter beeinflusst die Beobachtung, indem er beobachtet. Indem der Mensch da ist, beeinflusst er seine Umwelt. Das ist der materialistischen Wissenschaft natürlich paradox, denn sie glaubt ja, Beobachter und Beobachtungsgegenstand seien getrennt. 

Im Spirealismus übersetzt sich das in die Auffassung, dass der Mensch nichts beobachten kann, so, wie es materialistisch verstanden wird. Der Mensch ruft keine Informationen von äußerlichen Dingen ab, die von ihm selbst unabhängig sind. Sondern das Menschenbild des Spirealismus ist, dass der Mensch Element der Schöpfung ist – durch ihn hindurch fließt Schöpfung. Die Existenz des Menschen besteht darin, Relation zu sein, zu den Dingen der Schöpfung. Das, was er Beobachten nennt, ist ebenso ein Erschaffen. Und das, so der Spirealismus, lässt sich in den normalen Dingen des Alltags beobachten, eine wissenschaftliche Untersuchung von Materieteilchen, beispielsweise im Rahmen der Quantenphysik, ist hierzu nicht nötig. Zu beobachten, dass die menschlichen Wahrheiten, dass das menschliche Wissen, eine Relation des Augenblicks ist, dafür genügt eigentlich eine philosophische Betrachtung.

Fundamentale Paradoxien: Das Nichts und das Alles

Eine wichtige philosophische Frage in diesem Zusammenhang ist die Frage nach dem Nichts. Denn, wenn die Wahrheit an den „Dingen der Welt“ abgelesen werden könnte, im Sinne von: etwas würde gespiegelt, dann fragte man sich doch, wie viele Dinge der Welt es geben kann? Wie viele Formen also kann die Wahrheit annehmen? Umgekehrt gefragt: Welche Dinge gibt es denn nicht, in einem unbegrenzten Universum? Welche Wahrheiten kann es also niemals geben? Und hier gelangt man zu dem meiner Ansicht nach wichtigsten und fundamentalsten Paradox.

Für den Spirealisten steht das Nichts in engem Zusammenhang mit dem Denken. Das Nichts ist dem Spirealismus der Gedanke, der nicht gedacht wird. Für den Materialismus ist das Nichts ETWAS, das nicht da ist. Für den Materialismus ist das Nichts also eigentlich ETWAS und nicht Nichts. Auf dieses Paradox wies schon Plato hin.

Um den Unterschied zwischen spirealistischer und materialistischer Sichtweise zu veranschaulichen stelle man sich einmal folgende Frage:

Weiß die Menschheit viel oder wenig? Der Materialist wird sagen: Viel, aber natürlich nicht alles. Vieles ist noch zu erforschen. Das bedeutet, dem Materialisten erscheint das Nichtwissen als sehr begrenzt und die Möglichkeiten der Welt als eng umrissen – eng umrissen von dem Wissen, das er schon hat, wohlgemerkt.

Der Spirealist hingegen wird sagen: Wie soll der Mensch eine Aussage über eine Quantität eines Nichtwissens treffen, wenn er zwar das, was er weiß, kennt, aber doch nicht das, was er nicht weiß? Was er nicht weiß ist so unvorstellbar riesig, ist so unendlich, dass das, was er weiß, im Verhältnis zu Nichtwissen, in das infinitesimale Nichts übergeht. Der Spirealist sieht die Welt daher als eine Sichtweise an. Man könnte nun fragen: Wie viele Sichtweisen kann es geben? Die Antwort muss lauten: unendlich viele. Die menschliche Sichtweise ist nur eine Möglichkeit, und nicht etwa eine unabdingbare Notwendigkeit, wie der Mensch im Rahmen des Materialismus ja gewohnt ist zu glauben.

Dem Materialismus sieht das, was der Mensch nicht weiß, wie wenig aus, da er das, was er nicht weiß, im Grunde auch schon zu kennen glaubt. Was er nicht weiß, müsse, so nimmt der Mensch an, sich aus dem ableiten, was er weiß. In ewiger Redundanz, einem in sich geschlossenen logischen Kreis, beweist sich der Mensch nun, dass es nur das geben könne, was er sich denkt. Für diese Sichtweise braucht er die Vermutung, dass das menschliche Wissen, dass die menschliche Wahrheit, absolut sei. Denn, würde man das, was der Mensch weiß, nur als Sichtweise sehen, dann würde man sehr schnell sagen müssen, dass das, was der Mensch nicht weiß, nicht zu quantifizieren ist, weil es unendlich ist.

Man würde auch sagen müssen, dass eine Wahrheit, die auf der Basis einer Möglichkeit des Denkens gewonnen wird, nicht aber auf der Basis einer anderen absoluten Wahrheit, nichts anderes sein kann, als wieder eine Möglichkeit, und keine absolute Wahrheit. Wenn man so will eine sich stets „verdünnende“, weniger wahr werdende Wahrheit … wenn man das materialistische Weltbild der absoluten Wahrheiten zugrunde legt.

Die Wahrheit“, die eine und einzige Wahrheit – dieser Begriff enthält eben die Vermutung, dass das menschliche Wissen absolut sei. Für die Wahrheit gilt das Gleiche, was wir über die äußerlichen Materieobjekte sagten, über die Sichtweise auf menschliches Wissen als Absolutheit, über die Annahme, das Nichts müsse ganz wenig sein, bzw. über die Annahme, dass das, was der Mensch nicht weiß, wenig ist. Die materialistische Sichtweise benötigt die Vorstellung der Wahrheit als Absolutheit. Denn er fragt sich ja stets: Ist das auch wirklich die Wahrheit? Ist das, was ich mir denke, auch wirklich die wirkliche Wirklichkeit … und damit absolut wahr?

Würde man jedoch die Wahrheit als etwas sehen, dass nur in einem relativen Sinn existiert, so wie es der Spirealismus tut, kommt man zu einem völlig anderen Weltbild. Zum sprirealistischen Weltbild, dem zufolge die Welt die supersubjektive Sichtweise des Menschen ist. Eine Welt, die innerhalb unbegrenzter Möglichkeiten gewissermaßen „schwebt“ – ein Hologramm einer Möglichkeit. Eine Welt, eine Wahrheit, die eine Sichtweise innerhalb nicht begrenzbarer Unendlichkeiten ist. Eine Welt, die in ihrem Wesen semantisch ist, das bedeutet, die Welt entsteht wie in einem kreativen Text, beschreibend … aber sie ist nicht in einem absoluten Sinn (be-)greifbar, und in einem absoluten Sinn auch nicht existent.

Das Denken des Menschen ist Alles

Wir sahen, wie paradox das das Nichts in der materialistischen Sichtweise ist. Betrachten wir das Nichts nun umgekehrt, und fragen: Was ist das Alles? Wir können es auch objekthafter auffassen, und fragen: Was ist das (Welt-)All? Wir kommen zu einer ganz ähnlichen Paradoxie.

Dem Menschen ist das, was er denken kann, alles. Aber das, was er sich denkt, ist immer nur wenig, verglichen mit dem, was er denken könnte – als abstrakte Möglichkeit. Was er denkt kann daher nie „alles“ sein.

Das Denken ist dem Menschen alles, weil es nichts gibt, was der Mensch nicht denkt, und dennoch für existent halten könnte. Drehen wir das um: Alles, was der Mensch für möglich halten kann, muss der Mensch auch denken. Weil es für den Menschen nichts geben kann, was der Mensch nicht auch in einem Gedanken erfasst, ist das Sein an die Gedanken geknüpft. Was über die menschlichen Gedanken hinausgeht, muss man folgerichtig als unbegreiflich bezeichnen. Und zwar im direktesten Wortsinn. Unbegreiflich als: Niemals und unter keinen Umständen je fassbar. Ich hatte das in Alles ist Geist auch als Denkgrenze bezeichnet – dass das Denken Grenzen haben könnte ist dem Materialisten im Grunde schon unbegreiflich, da er den Geist als das freie Element sieht, und die Materie (die Materie ist dem Materialismus die „eigentliche“ Existenz) als das Begrenzte.

Der Spirealismus hat daher eine andere Vorstellung von Existenz. Existenz entsteht im Prozess der Beobachtung. Die eigentliche Existenz ist der Gedanke an eine Existenz, so, wie die Welt der Gedanke an eine Welt ist. Die Welt ist eine Vorstellung – und der Mensch ein Element der Schöpfung, durch den die Welt mit ihrer Wahrheit eine konkrete, menschliche Existenz erhält.

Was ist die Wahrheit in Wahrheit?

Dass es „die Wahrheit“ nicht gibt, ist für den Spirealismus übersetzbar mit: „Die Welt“ gibt es nicht, oder „das Leben“ gibt es nicht. All dies gibt es nur in einem relativen Sinn, als durch uns hindurch laufender Prozess. Aber nicht in der materialistisch verstandenen Weise, nicht als etwas, das wir von Außen beobachten, nicht als etwas, das von uns unabhängig zu sehen sein kann.

Ist diese Aussage nun wiederum die Wahrheit? Entwertet der Spirealismus die eigene Aussage, wenn er die Wahrheit als nicht existent bezeichnet? In welcher Weise ist dann der Spirealismus wahr?

Die Wahrheit ist dem Spirealismus ein logischer Operator, der etwas kennzeichnet, das in einer Relation mehr zutrifft als etwas anderes. Da auch „die Logik“ gemeinhin unter dem Gesichtspunkt der materialistischen Objekthaftigkeit gedacht wird, muss der Spirealist die Erweiterung hinzufügen, dass es auch in Bezug auf Logik keine wirkliche Endgültigkeit geben kann, denn es gibt nicht nur eine Logik, und nicht nur die menschliche Logik. Nur wenn man innerhalb eines Denksystems bleibt, dann gibt es (scheinbare) Endgültigkeit.

Ausgangspunkt für die Wahrheit und davon untrennbar sind die Objekte des Denkens. Die Wahrheit ist kein Ding, ist kein Objekt. Daher ist der Begriff „die Wahrheit“, verstanden als ein Objekt, innerhalb des materialistischen Denkens paradox. Denn, einerseits befindet sich die Wahrheit als Objekt im Denken, als „die Wahrheit“, und ist als Gedanke somit existent. Andererseits ist wahrnehmbar, dass sie nicht allein existieren kann; nicht als einzelnes Objekt gedacht werden kann. Man kann sie nicht vor sich hin halten und sagen: Hier ist sie, das ist die Wahrheit. Die Wahrheit ist immer geknüpft an eine Behauptung, dies oder jenes sei wahr. Das kann man sich selbst verdeutlichen, wenn man die Wahrheit wiederum, sie objekthaft denkend, als wahr bezeichnet, und sich so in das Reich des Widersprüchlichen begibt. Unter materialistischen Vorzeichen ist die Wahrheit paradox.

„Wer die Wahrheit beschreiben will, überlasse die Eleganz dem Schneider.“

Albert Einstein

 

Die Aussage des Spirealismus über Wahrheit entwertet den Spirealismus nicht. Denn dessen Vorstellung von Wahrheit ist, dass sie nur in einem relativen Sinn überprüfbar ist. Und das trifft zu – die spirealistische Sichtweise ist wahrer als die materialistische, weil sie die Beobachtungen, die auch unter materialistischen Bedingungen gemacht werden, besser beschreibt: Die Welt als in jeder Hinsicht relativ – an nichts Festes gebunden.

Zugleich sagt der Spirealismus eben nicht, man müsse zu seinen Aussagen mit einer absoluten Notwendigkeit kommen. Er kann also auch nicht sagen, der Spirealismus sei in einem absoluten Sinn wahr. Wenn es keine absolute Wahrheit gibt, dann gilt das eben auch für den Spirealismus. Mit dem Spirealismus verbunden ist ja wie gesagt die Überzeugung, das nur das existent sein kann, was auch gedacht wird. Eine Wahrheit, die nicht gedacht wird, ist als solche auch nicht vorhanden.

Und, wenn es keine absolute Wahrheit gibt, dann gibt es dem Spirealismus zufolge auch keine Entwicklung hin zu einer absoluten Wahrheit. Das bedeutet, es gibt keine Erkenntnis, die „irgendwann“ mit Bestimmtheit erlangt werden müsste.

Der Spirealismus bestreitet nicht, dass sich die Welt nicht auch unter der Prämisse der Absolutheit denken ließe, denn der Materialismus beweist das ja. Den Anhängern des Materialismus wird ihre eigene Überzeugung wie unabdingbar erscheinen. Der Materialismus beweist sich selbst, immer wieder von seinen Grundannahmen ausgehend. Das gilt für die materialistische Weltanschauung ebenso wie für die materialistische Wissenschaft. Alles sei aus Festem aufgebaut, aus Teilchen schließlich, die sich objektiv beobachten ließen.

Dem Spirealismus ist die Welt eine Sichtweise – das bedeutet eben, dass im Prinzip auch wirklich jede Sichtweise möglich ist. Aus der Innensicht jedes Ich-Universums ist das eigene Universum aber stets geschlossen – wie nicht anders denkbar. Absolute Dinghaftigkeiten voraussetzend, erscheint auch jedes Universum wie ein begrenztes Ding, das aber, und das ist für den Materialisten unbegreiflich, keine Grenzen zu haben scheint.

Dieses Paradox, eine Welt also, die ihm begrenzt und verstanden erscheint, und dennoch auf rätselhafte Weise grenzenlos, ist dem Materialisten die Wahrheit.

 

 

Was ist die Wahrheit in Wahrheit? Die Wahrheit ist kein Ding was last modified: Dezember 12th, 2016 by Henrik Geyer

Was ist Wahrheit? Wahrheit als Weltanschauung.

Thema: Was ist Wahrheit? Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Wahrheit ist eine Relation.Das Ich ist ein Teil der Relation.

Was ist Wahrheit? Ist das Wort Wahrheit, wie wir es verstehen, Ausdruck einer Weltanschauung?

Gibt es einen Zusammenhang gibt es zwischen unserer Auffassung von Wahrheit und unserer Sichtweise auf die Materie? Was ist der Zusammenhang?

Wahrheit und die materielle Außenwelt

Der materialistischen Weltanschauung zufolge hängen wir ab von einer von uns unabhängigen Außenwelt. Diese Außenwelt beobachten wir, lesen ihre Gesetzmäßigkeiten von ihr ab – diese von uns unabhängige Außenwelt ist unsere Kernvorstellung von Realität. 

Wir verbinden so viel mit dieser äußerlichen Realität. Alle sind wir wir Realisten, und wollen es auch sein! Realist zu sein, auf diese äußerliche Realität bezogen – das ist uns das höchste Lob.

Der zentrale Begriff für die von uns unabhängige Außenwelt, mit ihrer Objektivität, und ihrer Realität, von der jeder Einzelne von uns am allermeisten verstehen will, ist das Wort „Materie“. Das nenne ich die materialistische Weltanschauung: Der Glaube, wir wären geistige Beobachter einer von uns unabhängigen Außenwelt.

Was ist Wahrheit?

In Bezug auf den Begriff „Wahrheit“, der letztlich ebenso zentral für unsere Vorstellungen ist, wie der Begriff Materie (im Grunde sind beide Begriffe austauschbar), will ich einige Konstellationen nennen, die diese enge Verbindungen deutlich machen.

Wahrheit und Außen

Die Wahrheit ist uns nicht das, was ein Einzelner meint, oder ein Einzelner sieht. Was auch immer eine Mehrheit sieht, eine Mehrheit meint, eine Mehrheit denkt, eine Mehrheit glaubt richtig zu verstehen – das überwiegt alles, was ein Einzelner denkt. Dessen Gedanken werden dann zu einer Einzelmeinung, die nicht so wichtig ist.

Dieser Prozess funktioniert in beiden Richtungen. Die Meinung, die der Einzelne in seinem Außen überwiegen sieht, ist für ihn letztlich auch die Wahrheit.

Siehe auch: Innere Wahrheit – Äußere Wahrheit

Ähnliches Thema: Shitstorm. Wie wichtig ist die Meinung anderer?

objektive Wahrheit

Verbunden mit der Vorstellung der „einen und letztendlichen Wahrheit“ ist der Begriff der Objektivität. Objektivität, also etwas (eine Wahrheit), das außerhalb und unabhängig des menschlichen Bewusstseins sei. Etwas, das man nur so begreifen könne, also etwas, für das es nur eine einzige Möglichkeit gibt. Objektivität ist die Vorstellung von einer Welt außerhalb von uns, auf das alle Subjekte zugleich schauen, und worüber es letztlich keine zwei Meinungen geben kann.

Objektivität und materialistisches Weltkonzept sind Synonyme. Zum materialistischen Weltkonzept gehört auch die Vorstellung der einen und unbestreitbaren Wahrheit.

 

Wahrheit und Materie

So ist Wahrheit mit dem Begriff Materie verbunden. Materie als das Sinnbild des Materialismus. Das, worauf wir alle schauen, und was sich unserem gemeinsamen Blick durch seine Festigkeit und Greifbarkeit nicht entzieht. Materie als das Wirkliche, als das Reale. Die eigentliche Realität, so meint der Materialist (und damit auch die Wahrheit), läge in der Materie, nicht im Geist.

Materie ist der Zentralbegriff des Materialismus. Wir studieren die objektive Wahrheit der Materie, und glauben die letzten Wahrheiten in den objektiven materialistischen Wissenschaften zu finden.

Weiterlesen: Beitrag Glaube vs wissenschaftliches Wissen. Was ist Glaube?

Aber was ist Wahrheit in Wahrheit?

Wer die Wahrheit beschreiben will, überlasse die Eleganz dem Schneider.
Albert Einstein

Was ist Wahrheit nun wirklich? Was ist Wahrheit in Wahrheit?

Was ich in diesem Blog immer schreibe, immer aussagen will: Die Wahrheit ist nicht objektiv, nicht feststehend, letztendlich nicht zu fassen, ebenso wenig wie das Objektive. Die Materie in der vorgestellten Form gibt es nicht.

Nun wird man sich fragen: Welchen Wahrheitsgehalt hat zum Beispiel dieser Artikel? Was ist denn dann Wahrheit?

Wahrheit spirealistisch verstanden

Insofern ist zu klären, wie der spirealistische Ansatz zur Erklärung des Begriffes „Wahrheit“ aussieht. Es ist aber vorauszuschicken, dass sich dieser Ansatz eigentlich nur erschließt, wenn man vorher begriffen und verinnerlicht hat, dass es Objektivität nicht gibt. Wenn man die Vieldeutigkeit jedes einzelnen Begriffes in sich spüren kann. Das ist möglich, es ist aber auch ein langwieriger Lernprozess, wenn man diese Sichtweise nicht bereits mit der Muttermilch aufgesogen hat.

Die Realität der Begriffe

Erstens ist, gemäß Spirealismus, die Realität unserer Begriffe selbst die Realität. Anders gesagt: die Gedanken sind die Realität. Noch einmal anders formuliert: die Gedanken über die Realität, und die Realität, sind eins.

Die Welt, wie auch immer wir sie individuell auffassen, ist die Existenz für uns. Die einzige Existenz, von der wir wissen.

Daher ist zum Beispiel auch ein „falsch“ verstandener Wahrheitsbegriff aus der Sicht des Individuums nicht falsch. Denn wahr und falsch sind immer nur Relationen, die von den Begriffen des Denkens abhängen. Würden wir zum Beispiel in der Mehrheit an die Existenz von Hexen glauben, wer könnte uns das Gegenteil beweisen? Aus dieser (angenommen) Sichtweise sind Hexen existent.

Aus der Perspektive Desjenigen, der einen bestimmten Begriff als Wahrheit in sich trägt, ist dieser Begriff wahr. Das gilt ebenso für eine Gruppe von Individuen, die sich sich auf einen Begriff einigen. Siehe Supersubjektivität.

Wahrheit ist relativ

Wahr und falsch sind somit nur auseinander zu halten, aus der Perspektive der individuellen Wahrheit. Wahr und falsch sind stets eine Relation – und Teil der Relation ist das Individuum selbst, bzw. die Begriffe in ihm. Hierzu wiederum muss man verstehen, dass die Begriffe in jedem Einzelnen eine eigene Form annehmen – sie sind nie völlig gleich.

Wahrheit ist demgemäß subjektiv – nie objektiv.

Wahrheit als Ergebnis von Kommunikation

Das, was wir als die unumstößliche Wahrheit ansehen, ist das Ergebnis einer Kommunikation. Man könnte sich das vorstellen wie eine demokratische Wahl, der sich jeder unterwirft. Am Ende ist der Wahlsieger das, was die Wähler als existent begreifen müssen, solange sie sich an der Wahl (Kommunikation) beteiligen. Der Wahlsieger repräsentiert zugleich die Wahrheit. Nun stelle man sich vor, dass eine solche Wahl stets und ständig abläuft, mit jedem Gedanken verändert sich die Konstellation, das Wahlergebnis.

Spirealismus – die innere Wahrheit als die Quelle bzw. Existenz vieler Welten

Die Vorstellung vieler Welten geht aus von der spirealistischen Grundauffassung, dass es keine von uns unabhängige Außenwelt gibt. Woher kommt dann „die Welt“? Der Spirealismus besagt: es gibt sie nicht, „die Welt“. Sondern es gibt nur viele Welten. Wir Menschen (unter anderem) repräsentieren sie, in uns sind sie. Ebenso wie in jedem Objekt das wir sehen. Durch uns entstehen die Objekte, durch die Objekte entstehen wir. Wir selbst sind Elemente der Schöpfung, nicht ihre unabhängigen Beobachter. Und aus uns, unseren Ich-Universen, formt sich das, was wir für die von uns unabhängige Welt, und mithin auch für die von uns unabhängige Wahrheit halten.

Siehe auch: Artikel Die Entstehung der Realität – Bewusstsein erschafft Realität

Weiterlesen: Beitrag die Schwere und die Leichtigkeit des Spirealismus

 

Was ist Wahrheit? Wahrheit als Weltanschauung. was last modified: April 10th, 2016 by Henrik Geyer

Innere Wahrheit – Äußere Wahrheit

Innere Wahrheit - Äußere Wahrheit

Was ist innere Wahrheit? Über den Gegensatz von innerer Wahrheit und äußerer Wahrheit.

Die Wahrheit als die Wahrheit des Außen

Normalerweise sehen wir die Wahrheit im Außen.

Warum?

Weil unsere Weltanschauung, der Materialismus, uns sagt, wir hingen ab, und seien geformt, von einer von uns unabhängigen Außenwelt – repräsentiert durch das Wort „Materie„.

Dieses Äußerliche genauestens zu beobachten, es zu analysieren, ist unsere Vorstellung von „die Wahrheit erfahren.“ Wir starren wie gebannt auf die Außenwelt, um von dort die Wahrheit abzulesen. Denn wir alle wollen Realisten sein.

(Auf diesem Blog ist die Wahrheit (was ist Wahrheit überhaupt?) Gegenstand der Betrachtung, denn der auf diesen Seiten besprochene Spirealismus sagt ja, dass die Realität aus Gedanken entsteht – spricht also nicht von einer äußerlichen Wahrheit, die beobachtet werden muss, um zu Wahrheit zu gelangen. Und nun fragt es sich selbstverständlich, was das ist, was wir gemeinhin als „die Wahrheit“ bezeichnen. Der Spirealismus stellt fest, dass die Wahrheit immer subjektiv gesehen wird – sie ist immer das Wissen des Einzelnen. Niemand ist im Besitz einer objektiven Wahrheit. Das ist letztlich dieselbe Logik, wie der Spirealismus ja auch von Ich-Universen spricht … die Universen entstehen in den Ichs immer neu – es gibt kein eindeutiges, von den Ichs unabhängiges Universum des Außen.)

Die innere Wahheit

Es gibt auch eine innere Wahrheit – eine Wahrheit des Innen.

Eine Wahrheit, die man nur selbst weiß. Die niemand sonst hat.

Was manchen vielleicht verwundert: Man kann diese Wahrheit in sich selbst hervorrufen.

Mancher kennt vielleicht die berühmte Stelle aus der Bergpredigt, in der Jesus gefragt wird, wo denn das Reich seines Vaters (Gottes) sei – man wolle es sich einmal anschauen, bevor man willig sei, den Worten Jesu zu trauen.

Jesus sagte, das Reich seines Vaters (Gottes) sei „inwendig“, man könne es nicht im Außen zeigen. Gemeint ist diese innere Wahrheit, die man im Außen nicht sehen kann, die aber dennoch „da“ ist. Es ist eine Wahrheit, die man nur selbst hat – im Außen ist sie nicht „nachweisbar“. Als Wahrheit unterscheidet sie sich aber nicht von einer äußerlichen, „nachweisbaren“, Wahrheit.

Was ist der Unterschied?

Der Unterschied zwischen innerer Wahrheit und äußerer Wahrheit ist nur graduell. Im Prinzip funktioniert beides gleich. Es ist das, was man oft denkt.

Indem man einen Gedanken festhält, indem man ihn oft denkt, darüber reflektiert, meditiert, kann man innere Wahrheit formen, innere Wahrheit entstehen lassen.

Man muss aufpassen, dass man sich seine innere Wahrheit nicht kaputtreden lässt, von Leuten, die davon nichts wissen, und nichts wissen wollen. Denn das ist leicht. Man muss Wächter sein, an der Pforten des Geistes.

Jahrelang hatte ich den irrigen Grundsatz der Maler, man müsse die äußere Natur studieren, um künstlerisch schaffen zu können, stumpfsinnig nachgebetet und befolgt; erst, seit Hillel mich in jener Nacht erweckt, war mir das innere Schauen aufgegangen: das wahre Sehenkönnen hinter geschlossenen Lidern, das sofort erlischt, wenn man die Augen aufschlägt, – die Gabe, die sie alle zu haben glauben und die doch unter Millionen keiner wirklich besitzt.
Gustav Meyrink

Jeder hat eine innere Wahrheit

Um das tun zu können, muss man erst einmal wissen, dass es diese innere Wahrheit gibt. Es ist all das, was man selbst weiß, und von dem man weiß, dass es im Außen kaum Verständnis fände. Gerade von jenen, die auf das Äußerliche fixiert sind.

Manche glauben gar, es gäbe nur dieses Außen. Sie selbst nennen sich die striktesten Realisten.

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Warum man die innere Wahrheit formen sollte

Die innere Wahrheit zu formen, ist ein wichtiger Weg, Glück zu finden. Wer nur auf das Äußerliche fixiert ist, macht sich abhängig von den Glücksvorstellungen anderer. Man muss dann das tun und das haben, was sie für wichtig halten. Man muss dann oft gegen seine innere Wahrheit handeln.

Weiter oben wurde die Bergpredigt zitiert. Wer es für wichtig hält, das Reich Gottes für sich zu entdecken, oder, anders ausgedrückt, den „Reichtum des Innen“, die innere Wahrheit, der muss inwendig suchen. Nicht im Außen.

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Weiterlesen: Beitrag Wissenschaft und Glaube, Spiritualität und Erkenntnis

Innere Wahrheit – Äußere Wahrheit was last modified: April 9th, 2016 by Henrik Geyer

Wahr – Schein. Wahrschein. Wahrscheinlichkeit

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Die Wahrheit ist wie das Zentrum eines Lichtstrahls, der sich in ständiger Bewegung befindet.Wie der Lichtstrahl, steht die Wahrheit nie fest, ist nie ganz greifbar. Um das Zentrum des Lichtstrahls herum ist ein Schein ... der Wahr-Schein.

Durch die Wahrscheinlichkeit wird das, was eintreten wird, schon jetzt wahr – als unsere Erwartung. Es scheint jedenfalls erst einmal so.

Was hat Wahrscheinlichkeit mit der Wahrheit zu tun? Über Wahrscheinlichkeit und Wahrschein.

worum geht es bei der Frage?

Wahrheit ist einer unserer wichtigsten und grundlegendsten Begriffe. Wahrheit zu definieren ist gleichermaßen wichtig wie andererseits völlig untypisch und schwierig. Wie soll man eine Definition finden, wenn man für jede Definition doch diese grundlegendsten Begriffe, wie z.B. Wahrheit, selbst erst benötigt (z.B. um zu prüfen, ob eine Definition überhaupt wahr ist)? Aus diesem Grund auch, weil dieser Ansatz so fundamental ist, glaubt ja jeder bereits bestens zu wissen, was Wahrheit ist. Und dennoch, dem zum Widerspruch, streitet man ständig um sie.

Wahrheit ist eine Eigenschaft, mit Hilfe derer sich verschiedene Objekte des Denkens unterscheiden lassen. Die Vorstellung der materialistischen Sichtweise ist dabei, man würde, je mehr man sich einer Wahrheit nähert, einer äußerlichen Realität näher kommen, die die „eigentliche“ und „endgültige“ Wahrheit repräsentiert. Das Ganze geht aus von der Ontologie des Materialismus, und ist im Grunde von dieser abhängig und von ihr nicht zu trennen: von der Vorstellung also, wir seien Beobachter von (Materie-)Objekten außerhalb von uns. Man könnte auch sagen: Beobachter einer objektiven Realität.

Ähnliches Thema: Artikel Die Ontologie des Materialismus

Auf diesem Blog wurde aber sehr oft der Gedanke geäußert, es gäbe keine Objektivität. Ich habe das wieder und wieder thematisiert, weil es doch so schwierig zu verstehen ist, und unserer landläufigen Vorstellung von „der Welt“ so zuwiderläuft. Gleichwohl ist es, wie ich meine, völlig unbestreitbar.

Wenn man also feststellt, dass es keine Objektivität gibt, so stellt sich die Frage, was dann wohl Wahrheit ist. Es ist letztlich wieder dieselbe Frage, die wir auf anderem Wege bereits zur Ontologie des Materialismus hatten: Was konstituiert die Welt, wenn es nicht Materieobjekte sind, die wir beobachten? Und zur Wahrheit lässt sich fragen: Was konstituiert Wahrheit, wenn es nicht eine äußerliche Realität ist?

Am Ende kommen wir immer darauf (das ist die spirealistische Weltsicht), dass unsere Realität aus den Objekten des Denkens resultiert, man könnte auch sagen, aus Vorstellungen (siehe auch „Die Welt als Wille und Vorstellung“ von Schopenhauer). Und unsere Vorstellungen sind wie Punkte in einem riesigen Geflecht von anderen Vorstellungen, von denen sie wiederum abhängen.

Aus diesem Grund gilt es, unsere Vorstellung von Wahrheit innerhalb eines Beziehungsgeflechtes verwandter Begriffe zu beobachten; solchen Begriffen also, die mit unserer Vorstellung von Wahrheit eng zusammenhängen. Anders gesagt: man kann sich der Bedeutung eines Begriffes nur nähern, in dem man seine Stellung innerhalb eines semantischen Beziehungsgeflechtes prüft. Beispielsweise ist es eben wichtig, den Begriff der Wahrscheinlichkeit zu untersuchen um ihn besser zu verstehen, und mit ihm gleichzeitig auch den Begriff der Wahrheit.

Die Wahrheit ist das, was ich weiß

Zunächst einmal wollen wir die Wahrheit als das verstehen, was „ich weiß“.

Nun wird mancher sagen, die Wahrheit sei nicht nur das, was ich weiß, sondern etwas, das sich an irgendetwas anderem festmacht. Etwas, das sich irgendwo zeigt.

Wir kommen in diesem Fall aber wieder darauf zurück, das etwas, das sich an etwas anderem zeigt, wieder von mir gewusst werden muss, damit es eine Existenz für mich hat. Es bleibt dabei: alles, was ich über die Wahrheit sagen kann, ist etwas, das ich wissen muss.

Das Wort Wissen ist zu betonen – denn die Wahrheit verbindet sich in der materialistischen Weltanschauung (im Gegensatz zur spirealistischen Weltanschauung) mit der Vorstellung einer äußerlichen Welt, deren Kernvorstellung die „Materie“ heißt. Insofern unterscheidet diese Weltanschauung zwischen Wissen und Glauben / innerlicher Welt und äußerlicher Welt / Geist der Materie beobachtet, und der Materie selbst.

Ähnliches Thema: Beitrag Innere Wahrheit – Äußere Wahrheit

Wahrscheinlichkeit geht immer von dem aus, was ich weiß

Man bedenke: Was für mich in diesem Moment wahr ist, ist das, worauf sich all mein Wissen für die Zukunft aufbaut. Warum? Weil ich, was immer ich sehe, was immer ich begreife, nur begreifen kann, mit den vorhandenen Begriffen.

Warum „Begriffe“ in der Mehrzahl? Weil jedes einzelne Wort, jeder einzelne Begriff, nie nur für sich allein stehen kann. Jeder Begriff und jedes Wort gewinnt seine Bedeutung nur aus einer Konstellation – dem Zusammenhang mit anderen Begriffen. Beispielsweise ist, was immer ich über altgermanische Kulturen erfahren kann, ist verbunden mit der Vorstellung von Germanien als Ort. Ohne das eine macht das andere keinen Sinn.

Diese Konstellationen sind bis in die Unendlichkeit komplex, und in einem ständigen Wechsel begriffen – so dass es einen endgültigen Sinn, eine endgültige Bezogenheit aufeinander, eine endgültige Konstellation und damit Wahrheit, nicht geben kann.

Das wiederum, was ich in diesem Augenblick weiß, meine Begriffe des Augenblicks, sind ihrerseits die Voraussetzung für alles das, was ich in Zukunft wissen kann. Denn um etwas („Neues“) zu verstehen, habe ich ja immer nur meine Begriffe. Und meine Begriffe des Augenblicks sind nicht neu. Und was für mich gilt, gilt im gleichen Maße für die Menschheit, weil sich alles immer wieder und wieder in Einem zusammenfindet. (Supersubjektivität).

Was immer ich in Zukunft begreifen kann ist abhängig von meinen Begriffen des Momentes:

Erst die Theorie entscheidet darüber, was man beobachten kann.
Albert Einstein

Die Wahrheiten des Morgen formen sich aus den Wahrheiten des Jetzt. Wie könnte es anders sein?

Wir formen die Zukunft mit Phantasie

Die Theorien, die wir über das „Äußerliche“ haben, sind weit weniger festgelegt, als wir glauben. Einstein wusste auch das. Er sagte einmal in einem Gespräch, dass es für die Theorien der Menschen (die Rede war konkret von mathematischen Ableitungen) keine unbedingte Notwendigkeit gäbe.

Nur durch unseren Glauben an eine von uns unabhängige Außenwelt ist es möglich, dass wir meinen, den Begriff der Wahrscheinlichkeit fein säuberlich vom Begriff der Phantasie trennen zu können. Die Wahrheit kann man (nur so!) als den Inbegriff des Äußerlichen sehen, des jederzeit Nachweisbaren – und Phantasie als der Inbegriff der inneren Welten (die mit Wahrheit angeblich nichts zu tun haben).

Aber, wenn unsere Theorien ohne eine besondere Notwendigkeit in die Welt kommen, dann gilt dasselbe für unsere Wahrscheinlichkeiten. Auch sie sind nicht unbedingt notwendig – im Umkehrschluss heißt das, dass wir die Zukunft mit Phantasie formen, indem wir Wahrscheinlichkeiten berechnen und diese, als unsere Auffassung von Wahrheit der Zukunft, in unsere Handlungen einfließen lassen.

Lesen Sie auch: Beitrag Was ist Phantasie? Ist Phantasieren nötig?

Wahrscheinlichkeit als Wahrschein – Schein der Wahrheit

Man stelle sich die Wahrheit vor wie das Zentrum eines Lichtstrahls, der sich in ständiger Bewegung befindet.Wie der Lichtstrahl, steht die Wahrheit nie fest, ist nie ganz greifbar. Unser Auge folgt dem Licht, versucht das Zentrum im Auge zu behalten. Doch das Auge kann natürlich nur erfassen, was der Lichtstrahl beleuchtet. Was er nicht beleuchtet – die unendliche Welt des Möglichen, verbirgt das Dunkel.

Um das Zentrum des Lichtstrahls herum ist ein Schein … der Wahr-Schein.

Der Wahrschein ist weniger hell als das Zentrum, aber in ihm ist dasselbe Licht des Augenblicks. Der Wahrschein  beleuchtet zugleich all die Orte, an denen sich das Zentrum des wandernden Lichtstrahls im nächsten Augenblick befinden kann. Nur hier, einem recht begrenzten Bereich unserer Welt, der sich direkt ableiten lässt von dem Zentrum des Lichtscheins, der Wahrheit, kann sich das Zentrum im nächsten Augenblick befinden. Und damit unsere Auffassung von Wahrheit.

Die Wahrscheinlichkeit drückt aus, was unsere Wahrheit des nächsten Augenblicks sein kann.

Lesen Sie auch: Es gibt nur das Jetzt. Immer ist Jetzt

Diese Metapher macht deutlich:

Erstens: Die Wahrheit steht nie fest – es gibt sie nicht in einer objektiven Form

Zweitens: Es ist das Wesen der Wahrheit, sich stets zu ändern. So wie sich die Relation, deren Teil wir sind, ständig ändert.

Drittens: Die Wahrheit der Zukunft geht aus von der Wahrheit des Jetzt, sie ist nicht unabhängig davon. Das bedeutet: wie wir die Wahrheit des Jetzt definieren, so wird unsere Zukunft aussehen. Das ist Wahrscheinlichkeit.

 

 

Wahr – Schein. Wahrschein. Wahrscheinlichkeit was last modified: März 30th, 2016 by Henrik Geyer

Ist der Spirealismus agnostisch? Agnostizismus und Philosophie.

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort Thema agnostisch/Agnostizismus: Für die Quelle, solange sie existiert, kann es kein Ende des Wassers geben.Die Existenz der Quelle ist Wasser. Für den Menschen, solange er existiert,kann es kein Ende des Erkennens geben. Die Existenz des Menschen ist Geist.

Agnostizismus, was bedeutet das? Und … Ist der Spirealismus nun eine agnostische Philosophie, also eine Philosophie, die die Erkenntnisfähigkeit des Menschen grundsätzlich in Frage stellt? Über Agnostizismus und Philosophie.

Spirealismus und Erkenntnis

Der Spirealismus hält den Menschen für ein Element der Schöpfung, nicht für einen Beobachter der Schöpfung.

Das bedeutet unter anderem, dass der Mensch nicht in der Lage ist, ein Gesamtbild der Schöpfung zu zeichnen. Denn aus ihm selbst, dem Menschen sprudelt die Schöpfung, wie aus einer Quelle. Der Quelle muss das, was da sprudelt, unendlich vorkommen, sich aus sich selbst erneuernd. Und so kann es für die Quelle, solange sie selbst existiert, kein Ende des Wassers geben. Und für den Menschen kein Ende des Erkennens.

Materialismus und Erkenntnis

Die Sichtweise des Spirealismus steht natürlich im Gegensatz zu der materialistischen Sichtweise, der zufolge es die letzte Erkenntnis, die letzte Wahrheit geben muss. Der Materialismus sieht Erkenntnis wie ein Abrufen von Information aus einem vom Menschen getrennten Außen. Der Mensch bildet sein Außen im Geiste nach – und liest die Information von der Materie (die im Materialismus der Inbegriff des von uns unabhängigen Außen ist), ab.

Die Antwort

Und so gefragt: „Ist der Mensch Erkenntnis-fähig?“ wäre die Auskunft des Spirealismus: Nein, in der vom Materialismus vorgestellten Weise gibt es keine Erkenntnis. Eine Erkenntnis als endgültig, die letzte Wahrheit, die Weltformel, etc.., das bestreitet der Spirealismus.

Wenn der Mensch selbst, auch in seinen wissenschaftlichen Erkenntnissen, Schöpfer ist, dann gibt es keine eindeutige Wahrheit, keine letzte Wahrheit, keine eindeutige Erkenntnis, keine letzte Erkenntnis. So, wie es auch kein definiertes Außen gibt. Es entsteht erst durch uns, durch den Menschen, in einer Wechselwirkung – als Relation.

Ist der Spirealismus also agnostisch?

Spirealismus als nicht – agnostisch

Der Spirealismus ist dennoch nicht agnostisch, weil er die Erkenntnis, dass der Mensch Quelle der Information ist, für das Wesen der Dinge und des Kosmos hält.  Dies zu erkennen – das hält Spirealismus für den Inbegriff von Erkenntnis.

Dass es Erkenntnis im materialistischen Sinn nicht gibt, bedeutet für den Spirealismus, dass die Frage nach Erkenntnis falsch gestellt ist. Erkenntnisfähigkeit, spirealistisch verstanden, ist etwas anderes.

Somit ist auch der negative Touch, der der Geisteshaltung des Agnostizismus anhaftet, beim Spirealismus nicht zu finden. Spirealismus hält Suche nach Erkenntnis nicht für überflüssig. Auch wenn Fragen und Antworten in einer schöpferischen Weise aus uns sprudeln, ist doch die Tatsache des Fragens und Antworten-Findens das Wesen unserer Existenz. So, wie die Quelle eben aus Wasser besteht.

Auch wenn sich die Quelle sagen muss, dass es für sie nie ein Ende des Wassers geben kann, heißt das für sie nicht, dass die Quelle an der Sinnhaftigkeit zweifeln muss, Wasser hervorzubringen.

die geistige Natur der Dinge erkennen

Auch der Spirealismus muss erst einmal erkannt werden. Diese geistige Natur der Dinge zu erkennen, diese Erkenntnis zu machen, das wäre Erkenntnisfähigkeit im spirealistischen Sinn – und, mindestens aus spirealistischer Sicht – nicht agnostisch.

Die (Er-)Kenntnis der Dinge als in ihrer Natur schöpferisch – diese fundamentalste, unbegreiflichste, und zugleich wahrste vorstellbare Erkenntnis, steht als allgemeines Wissen noch aus.

 

Siehe auch: Artikel ‚Philosophie im Alltag – wozu brauchen wir Philosophie überhaupt?‘

Siehe auch: Artikel ‚Spirealismus als Lebenshaltung – durch Gedanken entsteht Realität‘

 

Ist der Spirealismus agnostisch? Agnostizismus und Philosophie. was last modified: März 5th, 2016 by Henrik Geyer

Letzte Wahrheit – gibt es sie?

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Das Ego ist die letzte Wahrheit: Ich weiß!

Was ist die „letzte Wahrheit“?

Unsere materialistische Vorstellung von der Welt ist, es gäbe sie unabhängig von uns; wir seien nur die Beobachter der Welt. Weil wir die Wahrheit von einem eindeutigen Außen ablesen, müsste sich eine „letzte Wahrheit“ finden lassen, wenn wir nur gründlich und lange genug suchen. Dann hätten wir die letzte Wahrheit, die ewig ist, und überall Gültigkeit hat. Vielleicht in als eine „Weltformel“.

Begriff der Wahrheit

Es ist das Wesen der Wahrheit, dass sie uns wie unbestreitbar vorkommt. Warum „vorkommt“, warum nicht „ist“?

Weil das genau das ist, was wir in ihr sehen wollen und was wir suchen: Einzigartigkeit, die unbestreitbar ist. Und wir finden was wir suchen. Wir finden eine Wahrheit. Nicht zwei. Auch nicht mehr. Nur eine solche Wahrheit suchen wir – denn wir glauben, es könne nur eine Wahrheit geben.

Doch man kann wahrnehmen: Überall gibt es Streit um die Wahrheit. Nichts, um das nicht gestritten wird. Wer Recht behält, glaubt sich im Besitz der Wahrheit. Glaubt denn nicht jeder meist, Recht behalten zu haben? Die Wahrheit, die unbestreitbar und endgültig wäre, gibt es nicht.

Vielmehr finden wir die Wahrheit des Alltäglichen in einer Einigung. 

Die letzte Wahrheit der Wissenschaft

Man meint die Wissenschaft habe eine genauere Wahrheit.

Auch die Wissenschaft selbst glaubt, aufgrund ihres materialistischen Weltbildes, es gäbe Objektivität, und man könne die wissenschaftlichen Wahrheiten von den Dingen des Außen ablesen. Die materialistische Wissenschaft sei also der beste Weg, zu objektiven Erkenntnissen zu gelangen. Objektivität verbindet sich mit der Vorstellung von „letzter Wahrheit“.

Was die Wissenschaft findet, nennt sie folgerichtig objektive Wahrheiten. Und die „letzte Wahrheit“ für alle Wissenschaften – das wäre ein Gesamtkonzept, das alle Teilwissenschaften wie Physik, Chemie, Biologie, „unter einen Hut“ bringt. Man nennt diese Vorstellung „Weltformel“.

Was, wenn es gar keine Objektivität gibt?

Auf diesem Blog ist oft davon die Rede, dass es Objektivität nicht gibt. Das ist  eine spirealistische Grundüberzeugung. Siehe auch:  ‚objektiv subjektiv. Was ist der Unterschied zwischen Objektivität und Subjektivität?‘

Welche Wahrheiten wir auch immer erlangen, es sind die Wahrheiten von Menschen-Gruppen. Einigungen auf Wahrheit; Einigungen des Moments.

Die Menschheit insgesamt ist ebenfalls nicht objektiv, auch sie ist eine Menschengruppe. Sie entwickelt für sich eine Übereinkunft – dies ist ihre Wahrheit. Daher ist die Sichtweise der Menschheit letztlich ebenso subjektiv wie die eines Menschen.

Weiterlesen: Artikel ‚Supersubjektivität‘

Die letzte Wahrheit ist im Innen – das Ego,

Woher kommt der Eindruck, es ließe sich zu allem eine einzige Wahrheit finden? Eine letzte Wahrheit, gar?

Dieser Eindruck geht hervor aus der Vorstellung von etwas Objektivem, etwas Endgültigem, einem Letzten. Auch: von der Vorstellung des Atoms, einem Unteilbaren, einem nicht weiter Erforschbarem. Das Atom der Wahrheit, die kleinste Einheit der Wahrheit, das nicht weiter Teilbare – das ist das Ego.

Die Wahrheit gibt es nicht außerhalb des Menschen. Würde das Ich nicht denken: „Dies ist die Wahrheit..“, wo sonst soll diese Festlegung zuerst auftauchen? Woher sonst soll die Einigung kommen, die zur Wahrheit des Ganzen wird, wenn nicht aus den Egos?

Die Frage nach der letzten Wahrheit als Ausdruck einer Weltanschauung

Die Frage nach der letzten Wahrheit entstammt dem materialistischen Weltbild.

 

Doch die spirealistische Aussage ist: Nein, es gibt keine letzte Wahrheit – allein schon deshalb, weil keine unserer bestehenden Wahrheiten, bereits im Jetzt, objektiv oder endgültig wäre. Es gibt keine Wahrheit, außerhalb und unabhängig des menschlichen Denkens.

Wenn man Wahrheit grundsätzlich als Relation begreift, wie der Spirealismus es tut, dann kann man nur sagen, eine Aussage ist wahrer im Vergleich zu einer anderen Aussage.  Diese spirealistische Vorstellung sieht den Charakter der Wahrheit als eine Einigung.

Wer die Wahrheit beschreiben will, überlasse die Eleganz dem Schneider.
Albert Einstein

 

 

 

 

 

 

 

 

Letzte Wahrheit – gibt es sie? was last modified: Februar 29th, 2016 by Henrik Geyer

Lüge – was ist das? Über das Lügen

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Man lügt, wenn man etwas für eine Wahrheit hält, und dennoch etwas anderes sagt. Thema Lüge und Wahrheit

Lüge ist ein fließendes Konzept, weil die Wahrheit ein fließendes Konzept ist. Die Lüge ist das Gegenteil der Wahrheit. 

Die Realität ist in jedem Menschen anders. Es gibt die Realität nicht in einer einzigen oder endgültigen Form. Daher ist auch die Wahrheit in jedem von uns einzigartig.

In diesem kurzen Artikel soll es um einige interessante Aspekte von Lüge und Wahrheit gehen, die das verdeutlichen.

Siehe auch Artikel „Wir sind spirituelle Wesen… „

Überzeugungen und Lügen

Man lügt, wenn man etwas für eine Wahrheit hält, und dennoch etwas anderes sagt.

Das drückt aus, dass die Unterscheidung von Lüge und Wahrheit von unseren individuellen Überzeugungen ausgeht. Also dem, was wir individuell für wahr halten. Jedoch gibt es die Wahrheit nicht außerhalb von uns, in eindeutiger Form. Was der Einzelne für wahr hält – das ist aus seiner Sicht die Wahrheit.

Überzeugungen sind gefährlichere Feinde der Wahrheit als Lügen.
Friedrich Nietzsche

Den oben genannten Satz von Nietzsche könnte man so gesehen umformen. Die Überzeugungen sind nicht die Feinde der Wahrheit. Sondern unsere Überzeugungen sind uns die Wahrheit. Sie sind unsere innere Wahrheit – worüber sonst können wir sprechen?

Lüge als das Gegenteil von Existenz

Was unsrer inneren Überzeugung gemäß IST, das ist uns auch die Wahrheit. Das, was ist, das nennen wir auch Existenz.

Was wir glauben zu sehen – das ist unsere Wahrheit. Was wir wissen, das ist uns Wahrheit.

 

Ein Beispiel: Wenn ein gläubiger Christ Gott verleugnet – das wäre eine Lüge. Aber … kann man etwas verleugnen, an dessen Wahrheit man glaubt? Schwerlich. Jedenfalls schwerlich sich selbst gegenüber.

Die Wahrheit des Christen ist, das Gott existiert.

Ein Wissenschaftler wiederum kann nicht (sinnvoll) den gläubigen Christen der Lüge bezichtigen, weil dieser an Gott glaubt.

Umgekehrt – wenn der Wissenschaftler verleugnen würde, dass es das Atom gibt – das wäre Lüge. Aber auch er kann nicht glaubhaft etwas verleugnen, an dessen Wahrheit und Existenz er glaubt. Er selbst spürt, dass dies Lüge wäre. Seine Wahrheit ist, dass das Atom existiert.

Und wiederum kann ein gläubiger Christ den Wissenschaftler nicht (sinnvoll) der Lüge bezichtigen, weil dieser an das Atom glaubt.

Man kann sich nicht selbst belügen.

Es gibt viele Worte für die Randbereiche der Wahrheit. Zum Beispiel: Phantasie, Ausflüchte, Wunschdenken, falsches Denken.

Ähnliches Thema Beitrag ‚Kreativität und Phantasie‘

Aber all das läuft auf eine einfache Tatsache hinaus: Was wir für wahr halten, was es für uns gibt – das ist die Wahrheit. Sie ist in uns. Sich selbst kann man nicht glaubhaft belügen. Etwa, indem man unglaubhaftes positives Denken versucht, so, wie das manchmal geraten wird.

Der Versuch, dies wider die innere Wahrheit zu tun, ist unglücklich, desaströs – kommt einer Bewusstseinsspaltung gleich.

Auf die innere Wahrheit kommt es an. Die innere Wahrheit zu formen ist ein langwieriger Prozess – weit weniger einfach, als es der Materialist vermutet, denn er hält die Wahrheit für etwas, das außerhalb von ihm zu finden ist.

Aber: Man kann sich nicht selbst belügen. Und doch kann die Wahrheit von heute die Lüge von gestern sein.

Weiterlesen: Artikel ‚Glaube Liebe Hoffnung – ohne Glauben geht nichts‘

Lüge und Wahrheit verfließen

Gerhart Hauptmann sagte einmal:

Verallgemeinerungen sind Lügen.

Der Philosoph Schopenhauer beschreibt genau das als einen (von vielen) Kunstgriffen der Redekunst, in seinem Buch „Die Kunst Recht zu behalten.“

Die Erweiterung. Die Behauptung des Gegners über ihre natürliche Grenze hinausführen, sie möglichst allgemein deuten, in möglichst weitem Sinne nehmen und sie übertreiben; seine eigne dagegen in möglichst eingeschränktem Sinne, in möglichst enge Grenzen zusammenziehn: weil je allgemeiner eine Behauptung wird, desto mehreren Angriffen sie bloß steht. Das Gegenmittel ist die genaue Aufstellung des puncti oder status controversiae.

Wahrheit und Lüge verfließen. Wahrheit ist nie nur EINS. Des einen Wahrheit ist die Lüge des anderen.

Soll das heißen, dass es keine Lüge gibt?

Soll das heißen, es gäbe überhaupt keine Lüge?

Nein. Damit soll aber gesagt sein, dass die Wahrheit fließt, sie ist nie fest.

So wie die Existenz fließt. Lüge ist ein Begriff unserer Welt, daher existiert sie,  daher gibt es Lüge. Aber die Lüge ist nicht starr, so wie kein Begriff starr ist. Begriffe haben immer nur Bedeutung, im Verhältnis zu anderen Begriffen. Auch der Begriff der Lüge wandelt sich stets, er fließt.

Spruchbild: Lüge und Wahrheit. Wahrheit ist ein fließendes Konzept.
Wahrheit ist ein fließendes Konzept.

Siehe auch: Beitrag ‚Glaube vs wissenschaftliches Wissen. Was ist Glaube?‘

Lüge – was ist das? Über das Lügen was last modified: Februar 29th, 2016 by Henrik Geyer

Merkwürdig! Merkwürdigkeiten des Alltags

Merkwürdig, warum viele Menschen die Merkwürdigkeiten der Welt einfach nicht sehen können. Diese Rätselhaftigkeit, die sich in der römischen Antike bereits ausdrückt, als „Ich weiß, dass ich nichts weiß!“ (Cicero) Ist dieser Ausspruch Ciceros ein Zeichen von Dummheit? War man in der Antike blöde – wir hingegen sind so weise? Wissen wir nicht heute (fast) alles?

In diesem Artikel geht es um die Merkwürdigkeiten der Welt, die sich im Grunde in allem zeigen.

merkwürdig: es gibt keine Rätsel mehr

Neulich sah ich in der Auslage eines Zeitungsladens zwei Zeitungen, sie titelten mit „Die letzten Geheimnisse der Pharaonen“, und „Die letzten Rätsel der Menschheit“.

Mir kam das merkwürdig vor. Es ist Ausdruck einer ganz bestimmten Geisteshaltung, einer Brille, die wir aufhaben. Diese Brille nenne ich „Materialismus“. Wenn wir sie tragen, dann glauben wir, wir würden eine festgelegte Außenwelt nur beobachten. Und, weil das so ist, trennt uns von einer objektiven (und endgültigen) Beobachtung, so meinen wir, nur ein noch genauerer Blick.

merkwürdig: wir sind so weise … nur das Einfachste über uns selbst, wissen wir nicht

Wir schauen in die entlegensten Winkel des Weltalls, entdecken 11 Dimensionen, wissen eigentlich alles. Aber wir können uns nicht erklären, woher Wirtschaftskrise, Krieg, Elend kommen. Wir wissen nicht was Bewusstsein ist, Tod …

Merkwürdig, dass wir uns dennoch so weise vorkommen, mit all unserem Detailwissen – das Wichtige bleibt uns dennoch verschlossen.

Das Ende der Rätsel – wie könnte das aussehen?

Davon abgesehen – wenn die Zeitung titelt „Die letzten Rätsel der Menschheit“ … wie könnte ein wirkliches Ende der Rätsel aussehen? Dann müssten wir aufhören zu formulieren, aufhören zu denken. Das wäre der einzige Weg, dass es tatsächlich ein Ende der Rätsel geben könnte.

merkwürdig: die Geschichte ist unbestimmt

Z.B. ändert sich die Geschichte für uns ständig – mit dem Neubegreifen irgendeines Details, mit neuen Wertungen, neuen Büchern zu historischen Ereignissen.

das Jetzt ist ebenso unbestimmt

Die größte Merkwürdigkeit ist, dass auch das Jetzt im Letzten unbestimmt ist – wabert. Das muss man erst einmal wahrnehmen. Nichts ist im Letzten bestimmbar. Nichts ist objektiv.

Artikel: Fehlende Objektivität.

Es ist nur ein Glaube (an das Objektive) vorhanden, der uns sagt, alles sei ganz genau bestimmbar. Doch das Objektive ist, bei genauerem Schauen, nicht findbar.

Wozu brauchen wir diesen Glauben? Er ist das Fundament unserer materialistischen Weltanschauung. Ohne ihn geraten die Begriffe, die unsere Welt sind, in’s Wanken.

das unerkärliche ohne Grund sein – der Zufall

Haben wir die letzten Rätsel der Menschheit unter Kontrolle, wenn wir den Zufall kontrollieren? Ich würde sagen ja!

Den Zufall gibt es in jedem wahrnehmbaren Bereich, den wir wahrnehmen können. Nichts ist davon ausgenommen, nicht die Menschheit, auch nicht die Geschichte mit ihren Pharaonen.

Und der Zufall  – er endet einfach nicht, so lange man auch forscht.

Siehe auch Artikel zum Thema : Zufall – Über den Begriff des Zufalls

Siehe auch Artikel zum Thema : Nichts geschieht ohne Grund (nihil fit sine causa). Der Grund „an sich“

merkwürdig: Wir sind „der Mensch“ – ein Supermensch

Jeder einzelne Mensch ist Träger des Wahr-Scheins. Jeder Mensch weiß angeblich, wie etwas zustande kommt, doch eigentlich beruft sich jeder stets auf Fremdwissen.

Namen stehen für Wissen, das man selbst nicht hat. „Frag doch mal den!“, „Lies dir das Buch durch!“ Aus Eigenem wissen die Menschen fast nichts. Dennoch halten sie sich für Genies, die sich nicht um die Details kümmern müssen. Jeder ist „der Mensch“ – jenes sagenhafte Geschöpf, das alles das kann,. was die Menschheit vermag.

Zitat Schopenhauer

Denken können sehr Wenige, aber Meinungen wollen Alle haben: was bleibt da anderes übrig, als daß sie solche, statt sie sich selber zu machen, ganz fertig von Andern aufnehmen? – Da es so zugeht, was gilt noch die Stimme von hundert Millionen Menschen? – So viel wie etwa ein historisches Faktum, das man in hundert Geschichtsschreibern findet, dann aber nachweist, daß sie alle einer den andern ausgeschrieben haben, wodurch zuletzt alles auf die Aussage eines Einzigen zurückläuft.
Arthur Schopenhauer

Siehe auch Artikel zum Thema : Supermensch – Übermensch – Superman = der Mensch

merkwürdig, dass wir im Prinzip nichts nicht kennen

Merkwürdig auch, dass wir immer annehmen, dass es nichts geben kann, was wir nicht erkennen können. Wir haben eine ganz konkrete Vorstellung von dem, was wir nicht wissen. Wir drücken das so aus: das, was wir noch nicht wissen.

Wie kann man etwas benennen, was man nicht kennt?

Siehe auch Artikel zum Thema : Das Undenkbare. Was ist undenkbar?

wir sind alle Realisten, haben aber jeder unsere eigene Realität

Auch bei gegensätzlichsten Meinungen glaubt doch jeder Mensch stets, Realist zu sein. Er habe die Wahrheit, er müsse sich gegen all die Nicht-Realisten durchsetzen. Was ist eigentlich die Realität?

merkwürdig: wir vermuten, es gäbe EINE Welt

Ebenso reden die Menschen von „einem“ Universum. Doch wir alle sehen nur die Universen des subjektiven Verständnisses (Ich-Universen). Die Universen der eigenen Begriffe. Wer könnte ernsthaft darüber berichten, DAS Universum zu kennen?

Spruchbild: Ich Universum und Ich Universen: "Ich Universum" ist ein Begriff des Spirealismus. Ein Ich-Universum ist das All (das Alles) des individuellen Begreifens.
Ich Universum und Ich Universen: „Ich Universum“ ist ein Begriff des Spirealismus. Ein Ich-Universum ist das All (das Alles) des individuellen Begreifens.

merkwürdig: die Weisheit des Jetzt ist stets unübertroffen

War es schon je anders? Schon immer glaubte sich der Mensch im Besitz einer letzten Weisheit. Jene, die sagen „Ich weiß, dass ich nichts weiß!“ waren immer in der Minderheit.

Doch die Weisheit des Jetzt hat sich stets aufgelöst, wurde zu einer anderen Weisheit, einer anderen Wahrheit. Das zeigt, dass unsere Wahrheit des Jetzt die Unwahrheit des Morgen ist.

Auch aus dieser Sicht erscheint es ganz realitätsfern, von den „letzten Rätseln der Menschheit“ zu sprechen.

Konsequenz

Die Brille namens „Spirealismus“ lässt die Welt in einem anderen Licht erscheinen. Durch sie gesehen sind die Welten wunderbar und vielschichtig – sie können jede Form annehmen.

 

Durch die Brille des Materialismus wirkt die Welt fast langweilig. „Wir wissen bereits alles“ ist die Begleitmelodie dieser Weltsicht. Die materialistische Sichtweise ist merkwürdig. Etwas zu schreiben wie „Die letzten Rätsel der Menschheit“, darauf muss man erstmal kommen.

Wie kommen die Menschen darauf, sie wüssten bereits alles, sie stünden vor dem letzten Rätsel? Die Welt ist immer das, was der Einzelne unter ihr versteht. Das ist das Rätsel der Rätsel.

Jedoch erscheint dieses „kleine“  Geheimnis dem Menschen nicht weiter interessant zu sein.

„Ich weiß, dass ich alles weiß!“ hingegen könnte genauso gut dem Denken eines Diktators entstammen. Es ist ein Denken, das nicht gut tut.

Spruchbild "Ich weiß, dass ich alles weiß!" ... Ist die Weisheit der Moderne. "Ich weiß, dass ich alles weiß!" vs "Ich weiß, dass ich nichts weiß!"
„Ich weiß, dass ich alles weiß!“ vs „Ich weiß, dass ich nichts weiß!“

 

 

 

Merkwürdig! Merkwürdigkeiten des Alltags was last modified: Februar 28th, 2016 by Henrik Geyer