Metaphysik – spirealistisch gesehen

Metaphysik ist die Vorstellung einer Weltordnung, die hinter der „offensichtlichen“ Weltordnung liegt. Einer Weisheit hinter der offensichtlichen Weisheit. Einer Wahrheit hinter der Wahrheit, etc..

Uns begegnet dieses Denken in mannigfacher Weise, eben im Begriff Metaphysik, aber auch in den Begriffen „verborgenes Wissen“ (von Ouspensky oft verwendet), oder „Geheimwissenschaft“ (mit Bezug auf Hermetik oder die Weisheiten des Talmud, oder auch Freimauerer etc..). Man denke auch an den Begriff der „vertikalen Logik“, der meint, dass es neben der eindeutigen Logik, die „offensichtliche“ Zusammenhängende miteinander verbindet, wie zum Beispiel die Worte Rabe und Feder, auch eine Logik geben kann, die Zusammenhänge erschaffend, eine neue, ebenfalls sinnvolle Ordnung ergibt. Wie zum Beispiel Rabe und Schornsteinfeger, die beide schwarz sind.

Vertikale Logik dient übrigens häufig als Begründung für die Sinnhaftigkeit von Astrologie oder Tarot.

Viele kennen sicherlich folgenden Holzschnitt eines Künstlers namens Flammarion von 1888, der das Konzept des Begriffes Metaphysik sehr schön illustriert:

 

Metaphysik ist ganz normales Wissen

Metaphysik ist eigentlich ganz normales Wissen. Die Realität jenseits der Realität ist ja im obigen Bild sehr schön dargestellt – die normale Realität ist in dieser Darstellung die irdische, d.h. jene der Erdoberfläche, mit Sonne und Sternen am Firmament.

Wer nur das sieht, der wird zu anderen Schlüssen kommen als jemand, der über die Wolken hinaussehen kann. In der Antike glaubte man, der Sonnenwagen würde vom Gott Helios über das Himmelsgewölbe gelenkt, dadurch gebe es Sonnenlicht. Man hatte sozusagen den Blick „dahinter“ nicht.

Später, als es die aufkommende Wissenschaft der Optik ermöglichte, wurden mit Hilfe von Teleskopen Beobachtungen von Planetenbahnen vorgenommen, und man entwickelte Theorien über die Planetenbewegungen, etc..

So gesehen ist also unser heutiges Denken, mit seiner Gewissheit der physikalisch begründbaren Planetenbewegungen, eine Metaphysik aus der Sicht des Gestern. Die damalige Metaphysik, als die Ahnung zukünftigen Wissens, ist heutige Realität. Metaphysik ist eigentlich etwas sehr Geheimnisvolles – jedoch, wie diese Überlegung zeigt, hat Metaphysik den Anklang von Normalität, sobald das metaphysische „Geheimwissen“ verinnerlicht ist. Metaphysik erscheint dann wie ganz „normales“ Wissen. Und ganz normales Wissen hat, eigentlich zu Unrecht, nicht mehr den Anklang des Geheimnisvollen, sondern erscheint den meisten Zeitgenossen als geradezu langweilig.

spirealistische Realität

Ich möchte die spirealistische Sichtweise auf den Begriff der Metaphysik verdeutlichen. Denn ich hatte an anderer Stelle geschrieben, dass der Spirealismus nicht vorgibt, hinter die Realität sehen zu können, oder der aufmerksamen Leserschaft irgendetwas anderes bieten zu können, als die Variante einer Realität.

Warum denn nicht? Ich bediene mich doch sehr gern und häufig Konzepten wie Tarot, der Visionen von Autoren wie Ouspensky, ich bin ein überzeugter Vertreter von Konzepten wie vertikaler Logik. Und doch negiere ich das Konzept der Metaphysik, der hinter der offensichtlichen Wahrheit liegenden Wahrheit?

Nein, ich negiere es nicht. Ich erweitere es. Das metaphysische Konzept ist interessant, denn es geht von mehreren Realitäten aus. Von zwei, nämlich einer „normalen“ Realität, und einer dahinterliegenden, verborgenen, „richtigen“ Realität.

Als Spirealist aber denke ich zunächst, dass es keine offensichtlichen Realitäten bzw. Wahrheiten gibt. Jede Wahrheit ist nur die momentane Variante von Wahrheit. Selbst 1 + 1 = 2 ist für mich eine Variante von Wahrheit, da ich bereits das Objekthafte bestreite, also das Bestehen eindeutiger Objekte, die dann, in der Folge, von Zahlen bezeichnet werden. (Der Logiker wird einwenden, dass die Logik jenseits konkreter Objekte existiert, als ein festes Bezugssystem von Variablen und ewig gültiges System von Operatoren. Ähnlich dem Zahlensystem, in dem die Zahl 1 für ein beliebiges Objekt steht. Aber welchen endgültigen Wert, welche absolute Festigkeit kann ein Bezugssystem von Variablen haben, bei denen die Variablen ALLES sein können, oder umgekehrt, NICHTS?).

Hingegen trägt für mich alles den Charakter von Kommunikation. Alles trägt für mich den Charakter von Einigungen des Momentes. (Der Moment – das kann aus der menschlichen Ameisenperspektive auch ein sehr langer Zeitraum sein – es ist immer eine Frage von Relationen).

Häufig verwendete spirealistische Sätze sind z.B. „Es gibt nichts Objektives“ oder „Der Mensch ist eine Quelle des Seins, ist Element der Schöpfung, nicht deren Beobachter“. Oder „Die Welt gibt es nicht (in der Einzahl).“

Das bedeutet, dass wir, jeder für sich, eine Variante von Welt in uns tragen, sie repräsentieren, und in der Summe, oder auch im Durchschnitt, entsteht daraus der Eindruck einer Welt. Insbesondere durch die materialistische Weltanschauung, die das Vorhandensein einer Welt voraussetzt, und in jeden unserer Gedanken quasi injeziert. Dieser Eindruck täuscht aber insofern, als es „die“ Welt nicht noch einmal extra gibt, jenseits von Denken.

Mit der spirealistischen Sichtweise einher geht eine vollständig verschiedene Auffassung von Denken, Geist, Materie u.v.m., als es sie im Materialismus gibt. Ich füge das auch an dieser Stelle wieder hinzu, weil im Materialisten verständlicherweise sofort die Frage auftaucht, was dann wohl vom klugen menschlichen Gehirn gespiegelt würde, wenn es nicht die Welt sei.


Verwirrenderweise ist hinzuzusetzen, dass der Eindruck einer Welt wiederum eine absolut mögliche und taugliche Beschreibung von Realität ist. Der Spirealismus kann den Materialismus daher auch nicht in einem absoluten Sinn als falsch bezeichnen. Denn der Spirealismus behauptet ja eben nicht, er könne eine einzige Realität finden und diese dann als die „allein gültige Realität“ bezeichnen.

Auch für keine alleinige metaphysische Realität hinter einer „richtigen“ Realität ist das möglich. Warum sollte er auch, wenn er stets und ständig auf das Bestehen vieler Realitäten verweist? Für den Spirealismus gibt es keine „richtige“ Realität.

Und so sind wir bei dem Begriff der Metaphysik, und dessen problematischem Konzept, dass es jenseits einer bestehenden Realität eine andere gibt.

Metaphysik

Die spirealistische Auffassung illustriere ich wie folgt:

Immer, egal auf welcher geistigen Stufe wir uns befinden, haben wir eine singuläre Welt vor uns, mit Himmel, mit Erde, mit den Dingen darin. Und immer gibt es eine dahinterliegende Welt, die wir zu entdecken hoffen. Und wir dürfen hoffen, denn es gibt sie tatsächlich immer wieder, die metaphysische Welt „dahinter“. Denn wir selbst sind die Quelle der Welten, ihre Repräsentanten. Daher können wir, aus denen sie entstehen, auch nicht ihr Ende beobachten, ähnlich wie eine Quelle nicht das Versiegen des Wasser beobachten könnte, das ihr entströmt. Jeder Einzelne ist der Träger einer eigenen Welt (Ich – Universum). Und diese Welt, dieses Universum, schreibt sich fort, von Moment zu Moment, immer anders, immer neu.

Der Übergang einer Realität in eine neue ist letztlich das Konzept von Platos Höhlengleichnis. In diesem Gleichnis ist die neue Erkenntnis eine ultimative Befreiung des Geistes: neues Wissen, neues Erkennen. Statt Schatten an einer Höhlenwand sieht der Erleuchtete nun das wahre Licht, die einzig wirkliche Realität, außerhalb der Höhle – und ist nun völlig befreit. Spirealistisch kommt der Erleuchtete, der einer Höhle entgeht, nun nicht ins Endgültig-Freie, ins endgültige Licht, sondern in eine weitere Höhle, die etwas größer und heller erscheint.

Das bedeutet also: der Spirealismus kann nicht „die Welt dahinter“ beschreiben, weil es nicht eine „Welt dahinter“ gibt, sondern unendlich viele Welten. Immer bewegen wir uns in „der Realität“, wenn wir dies so sehen wollen. Es ist das Anliegen des Spirealismus, eben dieses Nicht-enden-Wollende zu beschreiben – eben aus diesem Grund kann es für ihn keine Endgültigkeit der Aussagen geben.


Achtsamkeit vorausgesetzt können wir sofort beobachten, dass es viele Welten gibt. Jawohl, wir können die Welten und Welten sehen, sie beginnen im uns Nächsten. Wir können das auch an uns selbst sehen, denn unser Wissen schreitet fort, und wir können das metaphysische Konzept im Vergleich von Gestern zu Heute sehen. Jeden Tag entwickeln wir uns weiter, entwickeln neue Konzepte, neue Sichtweisen. Die Sichtweise des Morgen ist Metaphysik für das Heute. Viele Menschen entdecken diese Weisheit erst im Alter, wenn sie feststellen, dass sie als junge Leute quasi „andere Menschen“ waren. Man kann diese Weisheit aber auch jeden Tag entdecken.

 

Irrationalität

Das Konzept nicht enden wollender Erkenntnis, die sich stets neu aus sich selbst heraus generiert, geht schließlich zum Begriff der „Irrationalität“ über, denn wenn die Welt mit ihrer Realität und ihrer Logik nicht in der Einzahl existiert, sondern letztlich alles sein könnte, dann lässt sich auch keine alleinige Logik definieren, bzw. man kann sich auch denken, dass jede Logik in einer spezifischen Sichtweise Realität haben kann. Das bedeutet, es gibt nichts endgültig Aussagbares über Realitäten, Welten, Logik, das über das Menschlich – Subjektive hinausginge.

Man könnte formulieren, dass Logik grundsätzlich subjektiv ist (die Menschheit als Subjekt). Man könnte auch sagen, dass es Logik nicht gibt, denn das Grundkonzept der Logik wie wir sie bisher verstehen ist ja, dass sie eindeutig und unabänderlich logische Ableitungen hat. Ebenso, wie man sagen kann, dass es „die“ Welt in der Einzahl nicht gibt.

Daher nannte ich die Welt an mancher Stelle „irrational“ – sich dem rationalen Schließen entziehend.

Rational in der Irrationalität

Mit dem Spirealismus geht aber keinerlei Verzweiflung einher („Oh, diese Irrationalität!“), sondern einfach die Gewissheit, dass wir nichts weiter tun können, als in unserer Logik zu bleiben, welche das auch immer sein mag. Dies zu tun, bestmöglich zu tun, und dies zu akzeptieren, das ist der Gewinn des Spirealismus, der ja im Ergebnis wieder eine mögliche Form von Rationalität hervorbringt. Wieder eine Welt hinter der Welt, wieder eine Physik hinter der Physik, wieder eine Metaphysik.

Allein schon die Tatsache, dass der Spirealismus das Auftreten vielfach unterschiedlicher Logik, vielfacher Deutungen, das Vorhandensein von Welten und Welten, einfach beobachten kann, ohne sich zu verwirren mit den Widersprüchen der materialistischen Sichtweise, der zufolge all das eigentlich nur einmal auftreten dürfte („Haben wir denn nicht nur eine Welt vor uns?“), ist ein riesiger Gewinn.

Metaphysik und Okkultismus

Dies war eine sehr allgemeine und grundsätzliche Betrachtung des Begriffes Metaphysik, die fragte, was ist das Konzept von Metaphysik? Unter Metaphysik kann man aber auch etwas sehr Konkretes verstehen.

Doch für viele ist Metaphysik Inbegriff für das Geheimnisvolle, das zu Erahnende, das Uralte und zugleich Nicht-Begriffene. Insofern auch wieder die Verbindung zu Ouspensky, dessen „verborgenes Wissen“, alte Schriften, Okkultismus (als die Verbindung grundlegender, oft religiöser, Menschheitsweisheiten). Metaphysik auch als ein uns verborgenes Regelwerk, das durch „Werkzeuge“ wie Tarot seine Gültigkeit erweist (man könnte Tarot auch als Denkmethode sehen).

Metaphysik also als ein Regelwerk das einerseits „da“ ist, man kann es nur nicht richtig beschreiben – anders als die wissenschaftliche Physik beispielsweise. Zugegeben ist diese mangelnde Beschreibbarkeit auch der Grund dafür, dass Metaphysik der Tummelplatz für vielerlei Scharlatane ist, denn im Grunde benötigt man für eine Physik dieser Art wenig Faktenwissen (was das Ganze sehr leicht macht), es käme eigentlich umso mehr auf ein Weltverständnis an (was das Ganze sehr schwer macht). Die Scharlatane aber kommen ohne das Verständnis aus, sie nutzen einfach die bekannten Worte der Geheimwissenschaften, die insofern gar nicht geheim sind. Das Geheimnisvolle an ihnen ist eben das in den Worten liegende Verständnis.


Was ist dran an Metaphysik, verstanden als Geheimwissenschaft mit Bezug zu unserer gegenwärtigen Weltsicht? („unsere gegenwärtige Weltsicht“ würde ich als materialistische Weltsicht bezeichnen. Es ist nicht meine Weltsicht, aber es ist ein Bündel an Denkvoraussetzungen, die fast überall als gegeben angesehen werden).

Metaphysik, verstanden im genannten Sinn, hat für mich viel Wahrheit. Der Spirealismus, den ich auf diesen Seiten immer wieder beschreibe, ist verwandt mit den Grundaussagen der Hermetik. Diese (wenigen) Grundprinzipien gehen stets von der Sichtweise des Geistes aus; erstes hermetisches Prinzip: Alles ist Geist. Diese Metaphysik sagt, bzw. fragt: Was kann über die Welt ausgesagt werden, wenn man nicht den Geist betrachtet, der das letztendliche Werkzeug allen Erkennens ist? Und kommt zu dem Schluss: Nichts! Der Geist ist das grundlegende Prinzip, nicht die Welt. Spirealistisch formuliert: Die ursprüngliche Existenz ist der Gedanke. 

Und diese Sichtweise uns in der heutigen Welt fremd. Die materialistische Physik, wie auch jede andere „richtige“ Wissenschaft will das Psychische ganz aus ihren Betrachtungen ausschließen (lustigerweise will das sogar die Psychologie, die heute allgemeinste wissenschaftliche Aussagen mit Hilfe der Statistik anstrebt).

Ich hatte oft genug dargestellt, inwiefern die „richtigen Wissenschaften“ immer wieder an Grenzen stoßen, durch die hindurch nur eine geistige Sichtweise führen würde, jedoch finden sie sich stets mit dem Beibehalten der grundsätzlichen Widersprüche ab – ganz dem materialistischen Weltbild entsprechend.

Die metaphysische Betrachtung der Dinge als ein geistiges Prinzip hat aber Berechtigung, hat Logik, hat Nutzen, hat Wahrheit. Sie ist daher durch die „richtigen“ Wissenschaften auch nicht auszumerzen, sondern erfährt in der Gegenwart, teils unter ganz anderen Namen, ein Revival. Man denke zum Beispiel an die vielen Filmveröffentlichungen, die einen psycholigischen, existenzphilosophischen, surrealistischen oder spirituell-wissenschaftlichen Plot haben, z.B. Blade Runner, Shutter Island, Krieg der Sterne, Minority Report. Und in den Wissenschaften denken wir an die Atomforschung, Forschungen zur Ausdehnung des Weltalls, des Entstehens von Masse, des Entstehens von Farben. Oder denken wir an den Quantencomputer, denken wir an künstliche Intelligenz.

Ich denke, die „Entdeckung des Geistigen in den Dingen der Welt“ ist der ultimative, fundamental wichtigste Schritt, den die Menschheit irgendwann tun könnte. Und ich hoffe, dass das irgendwann eintritt, denn ich glaube wiederum nicht, dass es hierfür eine absolute Notwendigkeit gibt.

Es wäre, wenn man so will, die Entdeckung der real existierenden Metaphysik.

Metaphysik – spirealistisch gesehen was last modified: März 9th, 2018 by Henrik Geyer

Fraktale – Selbstähnlichkeit, die Dinge erschafft

 

Alles ist Geist. Dort, wo wir materielle Dinge des Außen sehen wollen, sind keine Dinge im materialistischen Sinn „vorhanden“.

Informationen erschaffen sich aus unserem „Blick auf die Dinge“, als Relation. Es sind keine Objekte vorhanden, von denen wir Informationen abrufen, sondern wir sind, indem wir schauen, Erschaffer der Objekte, die wir sehen – das kreative Element liegt in uns.

Küstenlänge Englands

Ein bekanntes Denkmodell legt dar, dass die Grenze eines Landes immer länger wird, je genauer man misst. Es ist unter dem Begriff „Englands Küste“ bekannt, (zumindest mir). Wohl deshalb, weil sich die Gestalt Englands vornehmlich an seiner Küste festmacht. Wie groß die Länge der Küste ist, ist ja nicht unerheblich, sondern ein wichtiges Maß seiner äußeren Gestalt. Warum aber wird die Länge größer, je genauer man misst? Man benötigt dafür ein wenig Phantasie: Wenn man um jeden Kieselstein der Küste herummisst, (was einem gewissenhaften Menschen lediglich wie eine wünschenswerte Genauigkeit erscheinen mag), wird sich die Küstenlänge vergrößern. Sie wird umso länger, je genauer man misst, und je kleiner die Steinchen werden, die man in die Messung einbezieht. Schließlich geht die Küstenlänge ins Unendliche, man stelle sich vor, man würde jedes Atom einbeziehen. Das Objekt „England“, und das ist das Erstaunliche, ist also nicht in Eindeutigkeit definiert, sondern seine Eigenschaften hängen, zum Beispiel in der Frage der Küstenlänge (aber auch jeder anderen), von unseren „Messungen“ ab. Von unserem Blick. Man stelle sich vor, es wäre irgendein anderes Objekt. Nicht England, sondern beispielsweise eine Kaffeetasse, um deren Rand-Atome man herum-messen würde.

Dass wir mit unseren Messungen die Informationen, die Dinge, erst erschaffen, ist ein Phänomen, von dem die Wissenschaft bisher glaubt, dergleichen sei nur in der Quantenphysik zu beobachten. Dort wird es mit den Worten beschrieben, dass sich kleinste Teilchen erst dann über ihre Eigenschaften „klar werden“, oder sich zwischen Zustand A oder Zustand B „entscheiden“, wenn man misst. Wenn man schaut ….

Doch eigentlich handelt es sich nicht um ein quantenphysikalisches, oder mathematisches Problem, sondern um ein weltanschauliches, um ein philosophisches Problem. Es geht nicht um die Frage, wie man Eins und Eins zusammenrechnet, und sei es schließlich in noch so komplizierten Formeln (dem Materialisten umso glaubwürdiger, je weniger allgemein-verständlich es ist), sondern wie man Eins sieht. Eins, verstanden als „das Objekt“. Eins, verstanden als „der Gegenstand“ vor unserer Nase. Denn vor aller Mathematik kommt erst einmal dieses Verständnis: Was ist ein Objekt (die Eins)?

Dass wir die Erschaffer der Information sein könnten, kommt uns, gefangen in der materialistischen Sichtweise, nicht in den Sinn. Die Selbstverständlichkeit dessen ist hingegen das Grundprinzip des Spirealismus, der sagt, der Mensch sei nicht Beobachter der Schöpfung, sondern Element der Schöpfung.

Fraktale

Fraktale sind Rechner-erstellte Bilder, die auf einfachen Formeln beruhen, die immer wieder auf sich selbst angewendet werden. Fraktale Formen findet man überall in der Natur. Je weiter man den Begriff der Selbstähnlichkeit fasst, was der Spirealismus tut, desto öfter, schließlich überall.

Interessanterweise habe ich auf der Wikipedia-Seite zu Fraktalen folgende Formulierung gefunden, mit Bezug zum erwähnten Küstenlängen-Phänomen. Zitat:

 

Weit verbreitet sind fraktale Strukturen ohne strenge, aber mit statistischer Selbstähnlichkeit. Dazu zählen beispielsweise Bäume, Blutgefäße, Flusssysteme und Küstenlinien. Im Fall der Küstenlinie ergibt sich als Konsequenz die Unmöglichkeit einer exakten Bestimmung der Küstenlänge: Je genauer man die Feinheiten des Küstenverlaufes misst, umso größer ist die Länge, die man erhält. Im Falle eines mathematischen Fraktals, wie beispielsweise der Kochkurve, wäre sie unbegrenzt.

 

Ich muss folgendes ergänzen, damit die Verbindung der beiden Phänomene, also Küste Englands und Fraktale deutlicher wird: In mein Buch Alles ist Geist habe ich das Küste-Englands-Phänomen aufgenommen. Und Fraktale sah ich schon eine geraume Weile als ein gutes Modell der Weltentstehung – In der Titelzeile dieses Blogs ist daher ein Fraktalbild das Hintergrundbild. Fraktale sind mathematische Formeln, die, mit Selbstbezug angewendet, Formen ergeben, Bilder ergeben, die an Science-Fiction-Welten erinnern. Nach meiner Auffassung kommt unsere Welt ja nicht mit einer bestimmten Notwendigkeit zu Stande .. Das heißt, hätten wir eine andere Welt vor uns, beispielsweise eine fraktale Science-Fiction-Welt, wäre diese uns ebenso selbstverständlich wie jene, die uns tatsächlich vor Augen steht. So, wie den Menschen ja immer schon die Welt, in die sie geworfen waren, selbstverständlich war, welche auch immer das gewesen sein mochte.

Im oben zitierten Wikipedia-Eintrag werden nun beide Phänomene in einem Zusammenhang genannt, was für mich neu war. Aber, beide Phänomene zeigen sehr sinnfällig den erschaffenden Blick, um den es in diesem Beitrag ja geht. Was an beiden Phänomenen ebenfalls interessant ist: sie entstammen der seriösen Wissenschaft unserer Tage, d.h., man muss nicht mit der als subjektiv empfundenen Sichtweise eines Menschen argumentieren, sondern kann sich auf etwas sehr Anerkanntes beziehen.

Bezüglich der beiden Phänomene scheint zunächst ein Unterschied vorzuliegen … im einen Phänomen (England) geht es um die äußerliche Gestalt von etwas. Beim anderen (Fraktal) um einen Selbstbezug, der wunderschöne Formen erschafft, wie man sie aus der Kunst kennt, aber auch aus der Natur, und zwar scheinbar ohne menschlich-bewusstes Nachdenken. Aber es gibt auch eine Gemeinsamkeit. Bei beiden geht es um Formen, und deren Wandelbarkeit durch die Intensität des Schauens. Der intensive Blick, das genaue Nachmessen (England), das lange Rechnen an einem Fraktal, zoomen in die Wirklichkeit quasi hinein. Beim einen Phänomen (England) wird die Küsten-Länge umso größer, je genauer man schaut, beim anderen Phänomen wird die „Tiefe“ des Fraktals größer, man könnte auch sagen dessen „Raum“, je länger man berechnet. Denn man kann jede Strecke noch einmal teilen, egal wie klein sie schon ist. Wenn man die Fraktal-Formel wieder auf den „neu entstandenen“ Raum anwendet, ergeben sich neue Formen – nie die gleichen Formen, aber ähnliche. Man zoomt quasi in den Raum hinein – und erschafft ihn dabei!

Der Materialist wird vielleicht fragen: Was hat ein Fraktal und das Messen einer Küstenlänge mit dem Blick des Menschen zu tun?

Dem spirealistischen Denken ist es eigentlich fremd, hier große Unterscheidungen zu machen. Fraktalberechnungen sind nichts vom Menschen Unabhängiges, ebenso sind Messungen des Menschen nicht von diesem unabhängig. Im Grunde mutet es ziemlich merkwürdig an, jemanden („den Menschen“) Dinge tun zu sehen, oder über sich reden zu hören, und dann (von ihm, „dem Menschen“) zu erfahren, wie er redet und was er tut sei von ihm selbst unabhängig! Es ist eine Folge des spirealistischen Weltbildes, dass man diese Absurdität zu sehen beginnt. Nur das materialistische Weltbild will hier einen Grenzstrich ziehen, auf Grund seines Denkmodells, dem zufolge Denken und Dinge grundsätzlich verschieden wären – was letztlich nichts weiter ist, als eine mögliche Annahme.

Aber, ein wenig Achtsamkeit vorausgesetzt, können wir das Genannte an unseren Gedanken nachvollziehen. Man beobachte bei sich selbst, wie sich die Dinge im Bewusstsein vergrößern, wahrer und fester werden, einen immer größeren Platz beanspruchen, je genauer man über sie nachdenkt. Wie jeder Gedanke ähnliche Gedanken mit einer Art Zwanghaftigkeit nach sich zieht (Selbstähnlichkeit). Man beobachte, wie sich die gedanklichen Dinge aufteilen, in immer neue Aspekte, man muss nur über etwas sehr intensiv nachdenken. Sie werden nicht nur zu einer größer werdenden Summe von Einzelteilen des Ganzen, sondern gleichzeitig wandelt sich auch das Ganze in seiner äußerlich begriffenen Gestalt .. Das ist das Wunder der Schöpfung.

So, wie man jede Strecke, und sei sie noch so klein, noch einmal teilen kann, kann man jedes gedankliche Ding noch einmal genauer durchdenken, egal, wie genau man es vorher schon vor Augen hatte. Und man kommt zu immer neuen Aspekten. Die Gedanken drehen sich nie einfach im Kreis, sondern man hat den Eindruck, als würde man in immer neue gedankliche Tiefen vorstoßen. So wie bei der Küstenlänge, so wie beim Fraktal.

Die Einschränkung des erschaffenden Prinzips auf Sonderfälle

Nun macht aber die Wikipedia-Seite die explizite Einschränkung, fraktale Strukturen seien in der Natur zu finden, aber nicht überall. Und das Küstenlängen-Phänomen sei auf Küstenlängen beschränkt.

Doch, wie gesagt, das ist nicht so. Unter dem Küstenlängen-Gesichtspunkt, also dem, dass die Gestalt einer Sache vom darauf fallenden Blick abhängt, kann man jedes Objekt, jede Grenze, jeden Umfang, jede Gestalt sehen. Also: jeden Planeten, jede Kaffeetasse, und auch jeden Menschen.

Das Gleiche gilt für Fraktale, also die Selbstähnlichkeit der Dinge, die allein aus dem Prinzip des ständigen Selbstbezuges sinnfällige Muster erzeugt …

Man kann unter diesem Gesichtspunkt die Eigenschaften jedes Gedankens sehen. Wird ein Objekt unserer Anschauung, egal, um was es sich handelt, egal ob nun Phänomen oder Noumenon (also egal ob nun gedachtes oder „vorhandenes“ Objekt), nicht immer größer, je genauer wir gedanklich darauf schauen, je mehr wir darüber nachdenken? Man denke daran, wie Vorstellungen von etwas Unheimliches zu realem Schrecken werden können, wenn man viel daran denkt. Wie man sich auf eine Liebe fixieren kann, so dass das Leben ohne diese Liebe unmöglich zu werden beginnt. Wie Neurosen  entstehen, durch die Fixierung auf nicht funktionierende Gedankengerüste … Wie überhaupt dieses An-etwas-Denken, dieses Sich-auf-etwas-Konzentrieren, der Schlüssel zum individuellen Leben ist  …

Und, zur Frage der Selbstähnlichkeit: Weisen unsere Gedanken nicht per se die Eigenschaft der Selbstähnlichkeit auf, indem wir nichts erfassen können, das uns wirklich fremd wäre, weil wir alles, was uns geschieht, doch nur innerhalb der Begriffe sehen können, die bereits in uns sind? 

Was man beobachten kann (das Neue) hängt von den Begriffen ab, mit denen wir an die Beobachtung herangehen (das Alte). Ob das nun in der Quantenphysik geschieht, oder in der Beurteilung eines Menschen, oder, wenn die besagte Kaffeetasse vor uns steht.

Erst die Theorie entscheidet darüber, was man beobachten kann.

Albert Einstein

* 14. März 1879 in Ulm; † 18. April 1955 in Princeton, New Jersey

(Ich betone, dass man die Eigenschaften eines Gedankens unter diesem Gesichtspunkt sehen kann, weil dem Spirealismus die Objekte gleich dem Gedanken an Objekte sind. Der Materialismus hingegen sieht hier eine strenge Trennung: dort die Objekte, hier die Gedanken an Objekte. Hier Geist im Menschen, dort Nicht-Geist, also feste Materie)

 

Ebensowenig sind die Phänomene der Quantenphysik nur auf die Quantenphysik beschränkt – es sind Phänomene, die jeder sehen kann, und zwar im Alltag! Siehe auch: Schrödingers Katze und ein Knacken im Wald

Es ist eine Frage der „Anschauung der Dinge“, und nicht eine Frage die sich eingrenzen lässt als kuriose Sondertatsache exotischer wissenschaftlicher Bereiche. Fraktale, aber auch Phänomene aus dem „ganz normalen Leben“, verraten viel mehr über uns selbst, und unseren (erschaffenden) Blick auf die Welt den wir Wahrnehmung nennen, als dass sie uns nur Auskunft gäben über mathematische Merkwürdigkeiten oder Statistik. Man muss nur die Augen aufmachen. Und die Brille der Gewohnheit abnehmen.

 

Fraktale – Selbstähnlichkeit, die Dinge erschafft was last modified: Dezember 20th, 2017 by Henrik Geyer

Warum kann es keine Zeitmaschinen geben?

In der Zeit zu reisen ist eine alte Utopie, die uns viel verrät über unsere Sichtweise auf die Zeit. Aus spirealistischer Sicht ist klar: eine Zeitmaschine kann es nicht geben. Ich will erläutern warum.

Ich möchte kurz mit einer Definition beginnen, wie man sich die Zeit im materialistischen Sinn vorstellt: als etwas Objektives, als etwas, das „da“ ist. Und so stellt man sich verschiedene Punkte in der Zeit als eindeutig definiert vor, als (ehemals) „vorhanden“. Man stellt sich Zeit-Punkte in der Zeit wie Perlen vor, die auf einer Schnur aufgereiht sind …  wie auf einem Strahl angeordnete Punkte …. und die Zeit eben wie einen Zeitstrahl. Nur so, nur unter Zuhilfenahme dieser Vorstellung, kann man auf die Idee kommen, man könne zu einem bestimmten Zeit-Punkt reisen, so als würde man zu einer bestimmten Sehenswürdigkeit reisen.

  • aber so ist die Zeit nicht. Allein die Denkweise, es gäbe eindeutig „eingerichtete“ Zeit-Punkte, die außerhalb des Menschen definiert sind, was ja die Voraussetzung wäre solche Zeit-Punkte anzusteuern, ist unzutreffend. Ein Zeit-Punkt ist immer etwas Dynamisches, in der Vielfalt seiner Ereignisbeziehungen Unüberblickbares. Was wir Menschen nur tun, und tun können, ist, aus dieser unendlichen Fülle wenige Aspekte wahrzunehmen. Und weil die menschliche Sichtweise, die menschliche Wahrnehmung, einzigartig ist und nicht etwa die bloße Spiegelung einer notwendigerweise äußerlich vorhandenen Form, spricht der Spirealismus von einem Erschaffen. Was in jedem Moment erschaffen wird, kann nicht einfach vor- oder zurückgespult werden. Es könnte nur in ähnlicher Form neu erschaffen werden – doch das kennen wir ja: als die Erinnerung.
  • der Spirealismus sieht die Welt, sieht die Zeit, „nur“ als Vorstellung. Dieses nur setze ich in Anführungszeichen, denn die Vorstellung ist keiner anderen Seins-Form gegenüber unterlegen, ist also nicht „nur“ eine Vorstellung. Die Welt IST eine Vorstellung, die Vorstellung eines anderen, eines materiellen Seins, ist mithin ebenfalls eine Vorstellung. Eine ganz wesentliche Eigenschaft des Geistes, des Denkens, ist, dass jeder Gedanke einzigartig ist und sein muss. Der einzig wahrnehmbare Zeit-Punkt, zu welchem Gedanken auftauchen, und daher der einzig „existente“ Zeit-Punkt, ist das Jetzt. Denn im Grunde sind wir immer im Jetzt. Schon daher gibt es keine Zeitreisen der objektiv-materialistischen Sichtweise.
  • Der Spirealismus sieht die Welt als Vorstellung. Wenn man sich vorstellt in der Zeit zu reisen, kann natürlich, in diesem Sinn, auch in der Zeit gereist werden – nur eben nicht in einem „objektiven“ Sinn. Eine „Vorstellung“ – das bedeutet ja auch: es kann viele Vorstellungen des Jetzt geben. Nein, besser: es MUSS viele Vorstellungen geben, denn nur so entsteht ja der Gedanke an EINE Welt. Zu welcher dieser endlosen Vorstellungen von Zeit-Punkten in Vergangenheit und Zukunft soll man also reisen? Zu deiner? Zu meiner? Und wenn wir von kollektiven Erinnerungen an Zeit-Punkte sprechen: Zur europäisch-kollektiven Erinnerung eines Zeit-Punktes? Zur asiatisch-kollektiven Erinnerung eines Zeit-Punktes? Zur hündisch-kollektiven Erinnerung eines Zeit-Punktes oder einem kätzischen?
  • Um das zu verdeutlichen: In Phantasien von Zeitreisen ist es stets so, dass ein Zeitreisender zwar nominell einen bekannten Zeit-Punkt der Vergangenheit ansteuert, diesen aber durch sein Erleben zu einem nie zuvor erlebten Moment macht, nämlich den fraglichen Zeit-Punkt aus seiner subjektiven Perspektive. Angenommen, alles andere dieses „Zeit-Punktes“ wäre gleich, machte die subjektive Perspektive des Beobachters, der den Zeit-Punkt in der Vergangenheit bereits kennt, diesen Moment zu einem singulären Ereignis. (Anders machen Zeitreisen ja auch keinen Sinn, man muss wissen, dass man in der Zeit reist Woran erkennt man das? In dem man Umstände (wieder-)erkennt, entweder aus der Erinnerung bei Reisen in die Vergangenheit, oder aus der Erwartung bei Reisen in die Zukunft). Und weiterhin: der Beobachter ist Element des Zeit-Punktes, der, wenn sonst alles gleich wäre, den Zeit-Punkt auch für andere Teilnehmer des Zeit-Punktes einzigartig machen würde. Aus eben diesem Grund aber erweist es sich als völlig illusorisch, dass „alle anderen Elemente gleich sein“ könnten, denn was wir über den Zeitreisenden sagen, trifft auf jedes Element des Zeit-Punktes zu. D.h., ein Zeit-Punkt wird durch die neue Beobachtung singulär, und als Element der Welt macht der Beobachter jeden Moment singulär. Es wiederholt sich also nicht etwas, sondern etwas gänzlich Neues entsteht.
  • Der Grundsatz des Spirealismus, dass jeder Gedanke einzigartig ist, weil er als Relation aus einer nicht zu erfassenden Menge an Festlegungen des Augenblicks hervorgeht, verbietet die Vorstellung, man könne irgendetwas genauestens wiederholen. Bzw. so zurückholen, so dass man genau dasselbe vor sich hat. „Dasselbe“ ist überhaupt als Begriff ein Paradox, wenn es sich mit der Vorstellung von Verschiedenheit verbindet. „Dasselbe“ kann nicht zwei sein. „Dasselbe“ ist immer eins.
  • Zur Illustration: hätte man einen Zeit-Punkt der Vergangenheit ein zweites Mal in genau derselben Form vor sich, so dass man also wirklich sagen könnte, es sei genau derselbe, wäre das Erleben dieses Zeit-Punktes ununterscheidbar von einem anderen Zeit-Punkt. Es wäre das geistige Nirvana, überspitzt gesagt, der Tod – ist doch das (Er-)Leben, die Zeit, dadurch geprägt, dass sie in jedem Moment des Jetzt einzigartige Konstellationen hervorbringt, die dadurch, dass sie voneinander unterscheidbar sind, die Zeit ergeben. Und nun eine Zeitreise vorgestellt unter diesem Aspekt: Das Erleben genau Desselben erfordert den Beobachter, der dann wieder genau das auf dieselbe Art und Weise, mit genau denselben Gedanken beobachtet, was einmal beobachtet wurde. Doch das wäre ja kein unterscheidbarer Zeit-Punkt, sondern eben genau derselbe. Das wiederum würde das Wissen um einen anderen Zeit-Punkt ausschließen, und man könnte nicht sagen, dass „hier“ genau dasselbe vorläge wie „dort“. Das ist das Paradox von dem ich sprach – es ergibt sich aus der materialistischen Sichtweise.
  • das eben Gesagte kann man auch so formulieren (und damit einen Anknüpfungspunkt an das ewige Jetzt schaffen): wenn man in der Zeit reisen könnte, wäre man an diesem anderen Zeit-Punkt natürlich wie immer im Jetzt. Das Jetzt aber ist ein im und durch das Individuum entstehendes einzigartiges Bild. Und: Das Jetzt gibt es im Individuum nur einmal. Das kann jeder an sich sofort prüfen. Gäbe es ein zweites Jetzt, identisch mit diesem gerade erlebten Jetzt, wäre es ununterscheidbar – eben identisch. Wie soll ich von einem Jetzt wissen, das ich erlebe, aber eben nicht jetzt? So gesehen wäre doch ein Jetzt, das ich erlebe, und das sich vom jetzigen Jetzt unterscheidet, das gute alte Gestern und das Morgen, also die Zeit selbst. Und von der Zeit weiß ich, dass sich immer unterscheiden muss, was passiert, eben das definiert ja Zeit … sonst könnte ich nicht auf die Idee kommen, es gäbe überhaupt Zeit. Also kann ich auch nicht an einen früheren identischen Zeit-Punkt reisen. Wenn ich dabei bin, muss sich jeder Zeit-Punkt auch von jedem anderen unterscheiden.
  • Schließlich und endlich kann man auch mit dem Fehlen von Objektivität argumentieren – wenn man so will die Kantsche Frage nach dem Ding an sich. Wenn es keine Objektivität gibt (wie der Spirealismus sagt), oder auch, wenn man die Dinge „an sich“ nicht erfassen kann, obwohl es sie gibt (was auf die gleiche Aussage hinausläuft als sagte man, es gäbe sie nicht), lässt sich auch kein objektives Kriterium ermitteln, demzufolge man sich an einem bestimmten Zeit-Punkt jenseits des Jetzt befindet. Denn die Zeit manifestiert sich ja gerade, in der materialistischen Sichtweise, als die Veränderung der Objekte – einfach gesagt zum Beispiel der Uhrzeigerstellung.
  • Man kann es auch mit dem Heraklitschen „Alles fließt“ begründen. Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen. Man kann nicht einmal in denselben Fluss steigen. Der Fluss von eben, der Fluss meiner Erinnerung, ist eine einmalige, unwiederbringliche Konstellation des vergangenen Augenblicks, dessen endgültige Definition (Ding „an sich“) sich niemals erschließen kann.
  • zu guter Letzt: Warum kann sich die endgültige Definition nicht erschließen? Weil jeder neue Gedanke eine neue, einzigartige Konstellation ist. Jede versuchte Rekonstruktion des Eben, jede Erinnerung, ist eine Konstruktion im Jetzt. Jetzt, in diesem Augenblick, kann ich einen Gedanken haben. Der Gedanke von eben, an den ich mich erinnere, ist in Wirklichkeit ein Gedanke des Jetzt. Daher verändert sich die Vergangenheit in uns – ständig, mit jedem neuen Gedanken. Für das gesellschaftliche, das kollektive Bewusstsein, gilt das Gleiche: Es bringt immer neue Versionen der Vergangenheit und Zukunft hervor. Wir sehen das auch an dem erwähnten metaphorischen Fluss. Die Vorstellung geht aus uns hervor, wir erzeugen sie. Unser Begriff des Flusses ist der Begriff des Jetzt. Etwas, das sich mit jedem Gedanken verändert, neu formt. Und … etwas, das wir selbst produzieren, das aus uns hervorgeht, können wir nicht in die Hand nehmen und drehen und begutachten, als sei es außerhalb von uns und habe mit uns nichts zu tun, so wie es uns das materialistische Weltbild glauben machen will. Ich wiederhole daher auch an dieser Stelle: Wir sind nicht die Beobachter der Schöpfung, sondern wir sind Elemente der Schöpfung. „Die Welt“ ist nicht außerhalb von uns, sondern geht aus uns hervor. Aus uns sprudelt das Sein, mit seinem Raum, mit seiner Zeit.

Aus diesen Gründen kann es keine Zeitmaschinen, keine Zeitreisen, keine Zeitreisenden geben, jedenfalls nicht im materialistischen Sinn. Wohl aber Zeitreisen im geistigen Sinn, wenn man versteht, dass man niemals „dasselbe“ vor sich haben kann (man hat es ja eigentlich auch nicht „vor sich“), egal in welche geistigen Dimensionen man sich zu reisen aufmacht. Und dass man, welche Zeitreise man auch immer antritt, dabei nur einen einzigen Zeit-Punkt erlebt: das Jetzt.

In den Phantasien von Science Fiction Autoren wird das Reisen in der Zeit oft mit vielerlei Paradoxien garniert; oft gerät das Universum in Gefahr zu explodieren, wenn ein Zeitreisender die Vergangenheit so verändert, dass das Jetzt nicht zustande kommen kann. Wenn man aber einmal begriffen hat, dass es nicht die EINE Welt der materialistischen Denkweise gibt, sondern viele Welten, nicht EIN Universum, sondern viele (Ich-) Universen, nicht EIN Jetzt sondern viele Jetzt, lösen sich auch beunruhigende Phantasien auf, DAS (eine) Universum geriete durch Manipulationen an der Zeit in Gefahr …

Eine Zeitreise haben wir am ehesten vor uns, wenn wir ein gutes Buch lesen über eine vergangene oder zukünftige Zeit. Die Phantasie transportiert uns und überbrückt die riesigsten Abgründe der Vorstellung, nennen wir sie nun Zeit oder Raum. Und wir können an dieser Analogie auch dieses wesentliche Element der Zeit verstehen: sie ist niemals völlig gleich, nie festgelegt, außer in uns. In uns gewinnt jeder Gedanke an ein Morgen, Gestern oder Jetzt, eine einzigartige, unwiederbringlich singuläre Form. Um bei dem Beispiel zu zu bleiben: … in Abhängigkeit davon, WER das Buch liest.

Warum kann es keine Zeitmaschinen geben? was last modified: Juni 16th, 2017 by Henrik Geyer

Was ist paradox am Wort „das Alles“ / „alles“ / „das All“?

Das All ist paradox wie die Unendlichkeit [SPID 4492]

Das Wort „das Alles“ / „alles“ / „das All“ ist paradox, weil es etwas bezeichnet, das es nicht geben kann.

Es ist insofern ganz ähnlich der Wort „das Nichts“. Lesen Sie auch: Beitrag Gibt es das Nichts? Wie kann man sich das Nichts vorstellen?

Während das Wort „alles“ oder „das All“ einen, wenn auch sehr großen, Gegenstand suggeriert, der umfassend beschreibbar ist, abzählbar ist (eins), ist doch das Wort „das All“ oder „alles“ das vielfältigste, das es geben kann. Es bezeichnet eine Unendlichkeit, denn mit dem Aufzählen all dessen, was es beinhaltet, wird man nicht fertig.

Das All ist all das, was es gibt, aber auch das, was es geben könnte.

Im Materialismus: „Alles“ ist paradox

Im Materialismus ist es paradox das Alles denken zu wollen, es ist paradox die Frage beantworten zu wollen, was „es geben könnte.“

Denn, wie man schnell merkt, ist das, was es geben könnte, unendlich, und hängt nur von dem ab, was wir uns in diesem Augenblick vorstellen. Beispielsweise könnte es im All, das ja alle Möglichkeiten beinhaltet, und das unendlich ist, auch Bibel-schreibende Affen geben. Das sagt uns schon die Wahrscheinlichkeitsrechnung. Wenn es eine noch so geringe Wahrscheinlichkeit gibt, dass ein Affe, wenn er auf einer Schreibmaschine wahllos Tasten drückt, auch einmal ein sinnvolles Wort schreiben kann, dann muss es in einem Raum, der unbegrenzt ist, und in dem daher in einer Unendlichkeit „alle“ Möglichkeiten zum Tragen kommen, auch Affen geben, die gerade dabei sind, die Bibel aufzuschreiben.

Die geringste Wahrscheinlichkeit multipliziert mit dem Unendlichen ergibt eine Notwendigkeit.

Im Spirealismus: „Alles“ ist nicht (be-)greifbar, jedoch nicht paradox

Im Spirealismus ist der Gedanke die Existenz. „Alles“ ist, was der Mensch in Gedanken erfassen kann. Was der Mensch in Gedanken erfassen kann ist aber nicht, wie der Mensch materialistischen Glaubens meint, unendlich, sondern, was er denkt ist endlich. Hingegen bezeichnet der Spirealismus das, was der Mensch nicht denkt, als „möglich“, aber „nicht realisiert“. „Möglich“ ist dem Spirealismus ein Begriff synonym mit Unendlichkeit, wieder wird hier etwas benannt, das nicht gedacht werden kann. Der Materialismus hält das Mögliche für eingrenzbar, weil er nur die menschlichen Gedanken für möglich hält. Ausgehend vom menschlichen Denken erscheint nur das möglich, was sich aus diesem Denken ableiten lässt – ein Zirkelschluss ewiger Redundanz.

Zur Beachtung: zwischen dem „Möglichen“ und dem „Realisierten“ verläuft eine Grenze, die selbst undenkbar ist, denn der Bereich des unendlich Möglichen, des Nichts, des Undenkbaren, ist für den Spirealismus tatsächlich undenkbar. Also kann keine Grenze sichtbar werden, die das Undenkbare eingrenzt.

Ähnliches Thema: Artikel Gibt es das Nichts? Wie kann man sich das Nichts vorstellen?

Aus der Undenkbarkeit der Grenze ergibt sich in der materialistischen Sichtweise die Annahme, es gäbe keine Grenze. Dem Materialisten erscheint die Begrenzung des Denkens auch deshalb unmöglich, weil es doch zu den Grundannahmen seines Glaubens gehört, Geist sei im menschlichen Gehirn verortet, und dieser Geist sei frei.

Hingegen nennt der Spirealismus die Grenze zwar undenkbar, jedoch ist es innerhalb des Spirealismus eine Notwendigkeit festzustellen, dass es eine Grenze, eine Unterscheidung, gibt. Denn erstens sind Grenzen, wenn alles Geist ist,  im Geist – also hat der Geist Grenzen. Zweitens ist, wenn alles verbunden ist, das Nicht-Verbundene nur scheinbar, nur Abstraktion; ist die Unterscheidung eine notwendige Denkgrenze, die die Dinge entstehen lässt – siehe auch die Welt der Namen des Taoismus.

Der Mensch ist ein Element der Schöpfung, durch ihn läuft die Schöpfung hindurch, so wie Wasser aus einer Quelle austritt. Der Quelle ist das Wasser unendlich, in dem Sinn, dass es nie und nimmer aufhört, aus ihr herauszurinnen. Endet aber das Wasser, ist auch die Quelle nicht mehr da – und jede Frage, was die Quelle über Wasser aussagen oder für möglich halten kann, endet. Um den Umfang der Möglichkeiten des Wassers weiß die Quelle nichts, denn sie weiß nur von dem Wasser, das aus ihr kommt, und das, genau gesagt, nichts anderes ist, als sie selbst. „Alles“ kann ihr nur das Wasser sein, das sie aus sich herausrinnen sieht. Überträgt man diese Analogie auf den Menschen: Enden die menschlichen Gedanken, ist der Mensch nicht mehr da. Die Gedanken gehen weiter. Mit dem Tod enden, zusammen mit der menschlich-irdischen Existenz, die Denkgrenzen. Über die Möglichkeiten der Gedanken weiß der Mensch nichts. Er kennt nur sein eigenes, begrenztes Denken – dort, wo es sich verfestigt, ist es ihm synonym mit Existenz.

Aus der Sicht des Spirealismus wird ersichtlich, warum der Begriff des Unendlichen, bzw. des Alls, paradox ist. Der Begriff bezeichnet etwas Abzählbares, Endliches. Das All. Der Mensch rechnet im wahrsten Sinn des Wortes mit dem Unendlichen, mit dem All. Das Wesen der Unendlichkeit aber ist, nicht zählbar, nicht erfassbar, dem Menschen nicht denkbar zu sein. Und sofern der Mensch mit dem Unendlichen rechnet, ist es falsch. Falsch insofern, als Unendlichkeit dem Menschen nichts sagen kann, denn dessen Existenzbegriff ist gleichbedeutend mit Endlichkeit.

Alles hat einen Ursprung: uns selbst. Daher ist „alles“ synonym mit „unendlich“. Unendlich ist etwas, das für uns nie aufhört, etwas, womit wir nicht fertig werden. Das Einzelne fährt fort zu entstehen, solange wir da sind – denn es kommt ja aus uns. Der Mensch ist das endliche Element in einer ihm unzugänglichen Unendlichkeit.

Was ist paradox am Wort „das Alles“ / „alles“ / „das All“? was last modified: Dezember 21st, 2016 by Henrik Geyer

Gibt es das Nichts? Wie kann man sich das Nichts vorstellen?

Gibt es das Nichts? Wie kann man sich das Nichts vorstellen? - [SPID 4464]

Im Spirealismus geht es oft um das Nichts. Die Frage Gibt es das Nichts? nannte ich manchmal die zentrale Frage der Philosophie, denn am Nichts und an seiner Vorstellung trennt sich die Weltanschauung in jene, die glaubt, der Mensch würde eine äußerliche Welt spiegeln, könne die Dinge objektiv erfassen und sein Gehirn sei prinzipiell geeignet, alles („alles“ ist ein ebenso paradoxes Wort wie das Nichts) zu begreifen, etc. – und jene, die all das nicht glaubt.

Ähnliches Thema: Artikel Was ist paradox am Wort „das Alles“ / „alles“ / „das All“?

Der Spirealismus neigt letzterer Auffassung zu. Ihm ist das Nichts das Unbegreifbare im eigentlichen Wortsinn – es ist tatsächlich nicht denkbar.

Kann man dennoch über das Nichts sprechen?

Kann man dennoch über das Nichts sprechen? Kann man es sich vorstellen? Nein, im eigentlichen Sinn vorstellen kann man sich das Nichts nicht.

Und im materialistischen Sinn ist das Nichts die Vorstellung von Etwas – ein Paradox.

Der Spirealismus geht davon aus, dass die Existenz im Gedanken liegt. Hier liegt ein unabdingbarer Scheideweg. Wenn man ihn nicht zu gehen vermag, kann man sich aus der materialistischen Vorstellungswelt nicht lösen. Die Dinge bleiben paradox.

Kann man ihn aber gehen, so ist der Weg zu der Erkenntnis, dass das Nichts das Nicht-Vorgestellte ist, nicht weit und auch nicht schwierig. Die Existenz ist der Gedanke (an etwas), also ist das Nichts ein Gedanke, den man nicht hat.

Einen Gedanken zu denken, den man nicht denkt, ist logischerweise unmöglich. Umgekehrt ist jeder Gedanke, auch der an ein Nichts, kein Nichts.

Jeder, der dieser Idee näher treten mag, möge sich vorstellen, dass der Gedanke, den er in diesem Augenblick nicht denkt, das Nichts dieses Augenblickes ist. Auf diese Weise wird sehr schnell klar, dass das Nichts riesig ist (ganz anders als die materialistische Quantifizierung des Nichts), und dass der Gedanke des Augenblicks wie ein Tropfen in einem unendlichen Meer ist.

Unendlichkeit Auch das kleinste Ding hat [SPID 895]Umgekehrt wird die Absurdität der Annahme begreiflicher, mit der der Mensch annimmt, es könne nichts anderes als das geben, was er denkt. Diese Annahme ist eng mit der materialistischen Auffassung verbunden, der Mensch würde eine ihm äußerliche materielle (also feste) Realität beobachten, die selbst in ihren Möglichkeiten eingeschränkt sei. Doch, dem widerspricht, was wir bereits über die Dinge sagten: Es gibt nichts Einzelnes, denn alles ist verbunden. Die Dinge und ihre Eigenschaften, ihre Vergangenheit und Zukunft, sind nichts Verschiedenes, sondern genau dasselbe. Daher sind die Dinge unendlich, und der Gedanke an ein Ding ist wieder: Wie ein Funke in einem unendlichen Dunkel. Denn jenseits dessen was man denkt, gibt es immer das Nichtgedachte. Und dies ist die dem Nichts am nächsten kommende Vorstellung. Das, was nicht der Gedanke ist, das ist das Nichts.

Gibt es das Nichts?

Gibt es also das Nichts?

Im Materialismus bleibt die Antwort auf diese Frage stets beliebig, paradox, widersprüchlich. Man könnte ebensogut sagen: „Ja, das Nichts gibt es, denn ich rede ja gerade von ihm, benenne es, quantifiziere es, stelle es mir vor…“, wie: „Wie soll es das Nichts geben, wo es doch nichts ist?“ Man könnte sagen: „Das Nichts ist das, was nicht da ist“ – aber um diesen Gedanken zu vollenden benötigen wir etwas, das eigentlich da ist, nur eben jetzt gerade nicht …

Im Spirealismus ist das Nichts dadurch charakterisiert, dass es jene unendlichen Welten sind, die wir nicht denken. Es ist ein Bereich, zu dem wir keinen Zutritt haben, denn wir selbst sind es, die auf Etwas festgelegt sind – es ist nicht die Materie, die festgelegt ist. Während das Nichts gleichsam das unendliche Dunkel ist, aus dem alles für uns entstehen kann. Es ist die unbegrenzte Möglichkeit, und zugleich das für uns Menschen nicht Existierende.

Siehe auch: Alles und Nichts – kann das Alles zugleich das Nichts sein?

Gibt es das Nichts? Wie kann man sich das Nichts vorstellen? was last modified: Februar 17th, 2017 by Henrik Geyer

Geistige Welten – objekthaftes Denken, vertikales Denken, Ding an sich

In dem, was ich bisher zum Thema Spirealismus schrieb, ging es häufig um die Frage, was die Realität ist, wie man die Probleme der materialistischen Weltanschauung auf ganz andere Weise sehen und angehen kann, etc…

 

In diesem Artikel, sowie einigen weiteren, die ich unter dem Stichwort „Welten der Vorstellung“ zusammentragen möchte, will ich so praktisch wie möglich darlegen, woran wir erkennen, in einer Matrixwelt zu leben („Matrixwelt“ … um ein populäres Wort zu gebrauchen, man könnte auch sagen: in einer traumhaften Welt, Welt des Traums, surrealen Welt, etc.).

Ich bemühe damit die Phantasie des Lesers – beweisen lässt sich das im materialistischen Sinn nicht, denn, den Materialismus mit seiner Annahme, die Dinge seien einfach „da“, verlassen wir. Das bedeutet, jemandem der darauf besteht, dass die Dinge eben die Dinge sind, und nichts anderes, wird man auch tatsächlich nichts anderes beibringen können. Das trifft sich mit dem spirealistsischen Grundsatz, dass die Dinge IMMER das sind, was man darunter versteht.

Das Ding an sich – die Dinge sind Dinge des Denkens

Die erste Möglichkeit sich klar zu machen, dass die Objekte die man sieht, oder sich denkt, nicht einfach „da“ sind, ist, die Überlegung Kants nachzuvollziehen, der davon sprach, dass die Dinge nicht „an sich“ erkennbar sind.

Er meinte damit, dass auch in der materialistischen Sichtweise, die davon ausgeht, das Gehirn würde eine materielle Außenwelt spiegeln, klar ist, dass das Spiegelbild nicht identisch mit dem Objekt selbst ist.

Das bedeutet, es gibt notwendigerweise eine Verschiedenheit zwischen dem was wir sehen und dem, was „wirklich da“ ist. Nur, dass wir von dieser Verschiedenheit überhaupt nichts wissen, sie nicht wahrnehmen, im Grunde auch nicht denken können (Kant war da eine seltene Ausnahme).

Und nun fragt es sich natürlich, wie groß der Unterschied zwischen den Dingen ist, und dem, was wir von ihnen denken. Doch wie könnte der Mensch darüber eine Aussage treffen, da er ja nur weiß, was er weiß … Er hat aber keinerlei Erkenntnisse darüber, was er nicht weiß und nicht wissen kann. Insbesondere die Annahme, er könne etwas nicht wissen, ist ihm in der materialistischen Denkweise ja auch völlig fremd geworden.

Dieser erste, eigentlich völlig logische Schritt, kann uns verdeutlichen, dass die Dinge jedenfalls nicht das sind, was wir uns unter ihnen vorstellen. Wenn man das eine Weile übt, man könnte auch sagen: lernt, oder: darüber meditiert, dann beginnen die Bedeutungen zu verschwimmen, und die Dinge fangen an, in ihrem Wesen und ihrer Bedeutung vieles sein zu können.

Vertikales Denken

Dass die Dinge vieles sein können, sieht man auch an sogenanntem vertikalem Denken. „Vertikales Denken“ ist die Bezeichnung für eine Art und Weise Dinge mit einander in Verbindung zu bringen, die phantasievoll und normalerweise unüblich ist. Muss etwa man sagen: unzulässig ist? Nein, keineswegs. Dass wir uns die Dinge wie eindeutig miteinander verknüpft vorstellen, wie eindeutig beschaffen und durch uns vollständig erfasst, ist lediglich eine Denkgewohnheit.

Wie gesagt, man kann üben, sich die Dinge stets unter einem ganz anderen Aspekt vorzustellen, und dann wird die Welt eine andere.

Das vertikale Denken kann man sich wie folgt vor Augen führen. Man stelle sich diese Tabelle vor

günblaurotschwarz
KräuterMinzeSalbeiKresseKümmel
TiereFroschPfauPapageiPanther
BäumeLindeBlauglockenbaumRotbucheSchwarzerle
HimmelskörperJupiterErdeMarsAsteroid

Normalerweise werden die Menschen sagen, die natürliche Zuordnung sei waagerecht, also gehöre beispielsweise Minze, Salbei, Kresse und Kümmel zusammen, nicht aber Kümmel und Panther.

Jedoch spricht, bei Lichte besehen, nichts Bewertbares gegen eine Zuordnung von Kümmel und Panther, der gemeinsame Aspekt ist da, es ist lediglich eine Frage der Bewertung und der Denkgewohnheit, diese Zuordnung nicht zu treffen.

Nun stelle man sich aber vor, dass solches vertikale Denken noch vor wenigen Jahrhunderten völlig üblich war – es war die Realität. Wir, mit unserer Überzeugung, die Dinge seien in einem Außen (außerhalb des menschlichen Geistes) von der Natur bereits festgelegt, und, es gäbe kein sinnvolles magisches Denken, haben eine neue und ungewöhnliche Auffassung.

Man kann die ungewöhnliche Zuordnung vornehmen, man kann die Dinge anders sehen, anders gewichten – und sie werden dadurch anders – ich komme insofern wieder auf Kants Überlegung zurück und die daraus folgende Konsequenz, dass die Dinge im Geist entstehen. Und – was anderes wohl können uns die Dinge sein, wenn nicht das, was wir unter ihnen verstehen?

Man kann vertikal denken, anstatt horizontal, und mehr noch: man stelle sich vor, dass die obige Tabelle in Wirklichkeit nicht zwei Dimensionen hat, sondern x. Denn man kann alles auf tausend verschiedene Weisen kategorisieren und in milliardenfacher Weise neu zusammenfügen. Unendlich wird die ganze Sache dann, wenn man sich vorstellt, dass wir selbst es sind, die die Kategorien erdenken, und stets frei sind, uns neue Kategorien zu erdenken, was wir ja auch tun.

Heute ist diese Art und Weise des vertikalen Denkens rar geworden, eines Denkens, das Querverbindungen herstellt; ein Denken, das solche Querverbindungen für möglich hält. Die normale Reaktion heute ist eher ein „Was nützt mir das jetzt?“

Diese Denkweise ist aber immer noch anzutreffen, insbesondere manchmal in der alternativen Medizin, esoterischen Wahrsagern, in der Religion. Letztlich auch in der Wissenschaft, denn was wohl wäre der wissenschaftliche Fortschritt, wenn nicht ein Neudenken und ein Querdenken … ein vertikales Denken?

Siehe auch: Phantasie und Wirklichkeit – Zufall, Kreativität und Kausalität

Lesen Sie auch: Beitrag Was ist Phantasie? Ist Phantasieren nötig – oder nur Spinnerei?

Doch, ich sage bewusst vorsichtig „manchmal“, weil all die tausend Spielarten auch spiritueller Vermarktungsmaschinerien oft genug weniger mit spirituellem Denken zu tun haben, als viel mehr mit materialistischem – denn sie bearbeiten einen materialistischen Markt. Ihnen kommt es oft weniger darauf an, die Phantasie anzuregen, und die tausend Möglichkeiten der Welt offen zu legen, sondern dienen dem eindimensionalen objekthaften Denken.

 

Noch mehr Gewicht erhalten diese Überlegungen noch dadurch, dass man sich vor Augen führen kann (und sollte), dass die Dinge nicht allein bestehen können. Die Dinge und die gedanklichen Zuordnungen die wir vornehmen, also etwa zu Farbe, Raum, Ursache, Wirkung, Material, Zusammensetzung, etc., sind nicht etwa zweierlei, sondern dasselbe. Das habe ich in folgendem Artikel beschrieben.

Siehe auch: Beitrag Das Einzelne – es gibt nichts, das einzeln sein kann. Es gibt nichts, das allein existiert.

 

Geistige Welten – objekthaftes Denken, vertikales Denken, Ding an sich was last modified: Mai 15th, 2017 by Henrik Geyer

Das Einzelne – es gibt nichts, das einzeln sein kann. Es gibt nichts, das allein existiert.

Das Einzelne. Ein einzelner Stuhl [SPID 4425]

Eine der grundlegenden Aussagen des Spirealismus ist, dass die Welten, die Ich-Universen, jeweils eine Relation sind.

Da in einer Relation alles nur durch die Verbindung entsteht, lautet eine der Folgerungen des Spirealismus, dass es nichts geben kann, was ganz „für sich“ existiert. Es gib nicht „das Einzelne“, es gibt überhaupt nichts, das einzeln sein kann.

We are accustomed to take everything separately. Here there was nothing separate, and it was extraordinarily strange to feel oneself in a world in which all things were connected one with another and all things followed one from another. Nothing existed separately. I felt that the separate existence of anything—including myself—was a fiction, something non-existent, impossible. The sensation of absence of separateness and the sensation of connectedness and oneness united with the emotional part of my conceptions. At the beginning the combined sensation was felt as something terrifying, oppressive and hopeless; but later, without changing its nature, it began to be felt as the most joyous and radiant sensation that could exist.

Aus den Visionen des P. D. Ouspensky, Buch:  A New Model of the Universe

Mir ist dieser Grundsatz selbstverständlich geworden, aber anfangs grübelte ich darüber sehr nach. Denn, wenn das stimmt, dann hat alles mit allem auch zu tun. Wie kommt es dann, dass man, ausgestattet mit dem materialistischen Weltbild, ganz verschiedene Dinge sieht, die miteinander scheinbar rein gar nichts zu tun haben?

Es ist innerhalb des materialistischen Weltbildes nicht üblich zu denken, es könne das Einzelne nicht geben. Ich will daher ein praktisches Anschauungsbeispiel geben.

Das Einzelne gibt es nicht – ein Beispiel

Wir alle kennen den Grundsatz, dass Druck Gegendruck erzeugt. In der Physik wie auch im Leben. Ebenso kann es keine Liebe ohne Hass geben, es kann keinen Krieg ohne Frieden geben, und umgekehrt. Glaubt man, man könne das Eine ohne das Andere haben, wird man verleitet sein, sich für die Einseitigkeit einzusetzen, für sie zu kämpfen. Man fördert so die Polarisierung und ruft an anderer Stelle das hervor, was man bei sich nicht sehen möchte.

Ein für mich schönes Beispiel ist die politische Situation der Gegenwart. Eine politische Gruppierung hat die Ausmerzung einer anderen politischen Gruppierung zum Ziel. Je umfassender diese andere politische Gruppierung aufgefasst und bekämpft wird, desto stärker wird sie auch. Die Linke hat die Ausmerzung des Faschismus, des Nazitums, zum Ziel. Je stärker die Linke wird, in einer zunächst ausgewogenen Situation, umso weiter fasst sie den Begriff Nazi, bis schließlich jedermann dazugehört, der nur ein bestimmtes Wort in den Mund nimmt. Der Effekt dieser Bemühungen ist, dass so ziemlich jeder, der das Wort benutzt, als Feind gesehen wird … Das wiederum ruft (dessen) Widerstand hervor – die Dynamik gewinnt Fahrt. Während sich die Linke als die Kämpferin für das Gute sieht, erschafft sie das sie bekämpfende Element, von ihr wahrgenommen als das Böse.

Je größer der Kampf, sagen wir, für „das Gute“, desto größer auch die Polarisierung. Umso stärker kann „das Böse“ sein.

In diesem konkreten Fall: Je größer die Polarisierung, desto stärker der Effekt auf die Gesellschaft, was schließlich im Erstarken extremer Kräfte münden kann, oft in Bürgerkrieg oder Krieg. Es gibt nichts Einzelnes – alles hängt zusammen.

Das Einzelne gibt es nicht – ein weiteres Beispiel

Die Kirche verfolgt heute häufig den Gedanken, alles sei „in Wirklichkeit“ Eins. Das jetzige Verständnis des Spirituellen, auch der Bibel, muss in der Enttäuschung enden. Denn die Welt auf Erden ist nicht Eins. Eins zu sein mit dem Göttlichen ist dem Menschen auf Erden nicht möglich, denn hier ist „die Welt“ synonym mit „Getrenntheit“. Das Einzelne, hier verstanden als Alles, gibt es nicht.

Die Polarität ist zwar in ihren starken Auswirkungen oft unerwünscht, doch die Natur der Welt ist es, aus Gegensätzen zu bestehen. Aus Dingen, die scheinbar völlig getrennt voneinander sind, und doch könnten sie ohne einander nicht sein. Aus diesem Prinzip kann man sich nicht lösen. Während z.B. die Kirche das Prinzip der allumfassenden Liebe und des Einsseins propagiert, entfernt und entzweit sie sich von jenen, die ihr in die scheinbar so glänzende Zukunft nicht folgen wollen.

Eher ist es eine Frage der Ausgewogenheit zu sagen, man dürfe in allen Dingen nicht nur das Trennende sehen, sondern auch das Gemeinsame. Die Getrenntheit nicht zu stark werden zu lassen, das wäre ein sinnvolles Ziel, das richtig und willkommen wäre. Maß halten.

Jedoch den Menschen einreden zu wollen, sie müssten eins mit allem sein, es gäbe nur noch die Liebe, das bedeutet zu verabsolutieren. Und das ist wiederum ist eine starke Polarisierung. Eine Polarisierung, die eine Gegenbewegung zur Folge haben muss. Eine Gegenbewegung, die umso stärker sein wird, je stärker die Polarisierung ist.

Das Einzelne gibt es nicht – als Denkübung

Man kann die Vorstellung, dass es das Einzelne nicht geben kann, an einem beliebigen Gegenstand erklären. Denken wir an einen Stuhl. Den Stuhl kann es nur geben, wenn wir uns einen Menschen denken, der sich setzen will. Daher auch denken wir, wenn wir an einen Stuhl denken, an eine spezifische Form. Eine Form, die geeignet sein muss, damit ein Mensch sich setzen kann.

Wenn wir an einen Stuhl denken, denken wir an ein Material, beispielsweise Holz oder Metall. Wenn wir an einen Stuhl denken, denken wir an einem Raum, in dem er stehen muss, denn ohne Raum kann er nicht sein. Wir denken an einen Zweck, den der Stuhl in diesem Raum erfüllen muss.

Ohne all diese Nebenbedingungen kann der Stuhl nicht sein.

Die semantische Natur der Welt

Dies bringt uns übrigens auf die „semantische Natur der Dinge“, von der der Spirealismus spricht.

Alles ist nur im Zusammenhang denkbar, und nur im Zusammenhang existent. Das Einzelne gibt es nicht – alles hängt zusammen.

Das Einzelne – es gibt nichts, das einzeln sein kann. Es gibt nichts, das allein existiert. was last modified: Dezember 14th, 2016 by Henrik Geyer

Der Mensch kann niemals über die Grenzen des Universums hinaus

Grenzen des Universums - der Mensch im Multiversum [SPID 4343]

Der Mensch kann die Grenzen des Universums nicht verlassen. Warum ist das so? Was sind überhaupt die Grenzen des Universums?

Was sind überhaupt die Grenzen des Universums?

Das Universum ist unbegrenzt. Warum? Weil das Universum alles das ist, was ist, und was sein kann. Bereits der Name sagt es: Universum, das ist das, in dem universell alles ist. Das Welt-All ist alles. „Alles“ wiederum ist eine in der Konsequenz nicht zu begrenzende Größe. „Alles“ ist Unendlichkeit.

Die Unendlichkeit ist uns paradox, weil wir sie als Objekt benennen, und den Begriff so verwenden, als könne man die Unendlichkeit wie ein Objekt betrachten, sie vor sich hin halten und ansehen. Doch das kann man natürlich nicht.

Das Welt-All ist alles, was wir kennen und kennen lernen können. Daher können wir das Welt-All/Universum nie verlassen, denn wir werden nie etwas anderes im Kopf bewegen, als die Dinge die wir kennen oder kennen lernen können.

Besteht die Grenze des Universums in seiner Unbegrenztheit? Das ist Mindfuck!

Somit kann man sagen, das Universum kann nicht verlassen werden, weil es unendlich ist. Man könnte auch sagen, die Grenze kann nicht überwunden werden, weil es keine gibt.

Grenzen des Universums [SPID 4341]
Der Mensch, den Weltraum von Außen betrachtend, kann sich wiederum nur im All (das ihn stets umgebende „Alles“) befinden. Nicht, wie hier abgebildet in einem Nichts. Doch was hier abgebildet ist, ist ja schon kein Nichts mehr. Es sind zwei Dinge darin: Das Weltall und der Beobachter, beide zusammen ergeben schon wieder einen Raum.
Vorgestellt, der menschliche Betrachter könnte aus dem Universum hinaus (in der nebenstehenden Grafik ist das abgebildet), müsste er sich irgendwo befinden. Auch dieser Standort hätte notwendigerweise Dinge, Orte, die der Mensch kennen würde bzw. kennengelernt hätte. Eines dieser Dinge wäre das Universum, das er gerade verließ. Es wäre nun eines der „Dinge“ seiner Welt, es wäre eines der Dinge des Welt-Alls. Das bedeutet, er befände sich immer noch innerhalb des Universums der Definition, also dem Raum, in dem alles ist. Er wäre nicht aus dem Universum im eigentlichen Sinn herausgetreten.

Soll es in diesem Artikel um die pingelige Auslegung der Definition des Begriffes „Universum“ gehen, und nicht um das Reale?

Es geht in diesem Artikel um den Begriff des Universums, und zwar unter der Prämisse (und das muss erklärt werden): unsere Begriffe und unsere Realität sind nicht zweierlei, sondern genau dasselbe.

Eine Frage der Kreativität

Dass unsere Begriffe (Worte) und unsere Realität genau dasselbe ist, ist eine spirealistische Aussage. Sie dürfte sich materialistischem Denken kaum erschließen, das ja davon ausgeht, unabhängiger Geist (Mensch) würde feste Materie beobachten. Während der Spirealismus sagt: Alles ist Geist.

Doch schauen wir, was passiert, wenn wir den Begriff „Universum“ anpassen, um sagen zu können, wir würden aus Universum 1 heraus, und in Universum 2 hineintreten. Wir bemerken bei dieser phantasievollen Annahme, dass die Frage, in welchem Universum wir uns befinden, einzig und allein eine Frage der Definition ist. Eine Frage des Begriffes also … eines Begriffes, der sich durch uns erst formt. Doch, wenn es eine Frage der Definition ist, so könnte man doch auch in diesem Augenblick definieren, man würde ein Universum verlassen, wenn man aus der Haustür tritt!

Wir sehen, woher das Paradox kommt. Wir formen die Begriffe, definieren, und glauben, etwas Äußerliches damit zu beschreiben. Etwas durch uns nicht Formbares, das wir nur beobachten.

Doch statt dessen ist, was wir wahrnehmen, mindestens auch eine Frage unserer eigenen Kreativität.

Das unendliche All ist nicht erfahrbar

Das Besondere am Begriff des Universums, des Alls, ist seine Unendlichkeit. Unendlichkeit ist uns paradox, weil wir Unendlichkeit als solche nicht erfahren können, den Begriff aber gebrauchen, als könnten wir. (das Wort erfahren kann man übrigens an dieser Stelle so sehen, als würde man tatsächlich irgendwo hinfahren. Man kann immer irgendwo hinfahren, aber man kann nicht überall hinfahren, was wiederum auf das eben Besprochene zurückführt).

Wir nähern uns auf diese Weise der dem Materialismus unzugänglichen Wahrheit: Die Begriffe des Menschen sind seine Realität. Die Begriffe des Menschen sind, materialistisch gebraucht, in sich widersprüchlich. Die Unendlichkeit entsteht durch den Menschen, er kann sie nicht beobachten, als wäre es ein Ding. Das All entsteht – in der menschlichen Form – durch den Menschen; auch hier beobachtet er nichts im materialistischen Sinn.

Der Mindfuck, der in der Formulierung liegt, die Begrenztheit des Universums bestehe in seiner Grenzenlosigkeit, basiert auf der bereits im Beginn paradoxen Annahme (die ich die materialistische Weltsicht nenne), der Mensch würde feste Objekte in seinem Außen beobachten, von denen er deren Eigenschaften durch seine Sinnesorgane abruft. So stellt er sich letztlich alles als ein Objekt vor, auch „das Universum“. Doch das Universum ist kein Objekt, sondern ein Prozess, der aus dem Menschen hervorgeht.
Siehe auch: Wir können kein fremdes Universum betreten

Der Mensch kann niemals über die Grenzen des Universums hinaus was last modified: November 19th, 2016 by Henrik Geyer

Die Zahl Null ist ETWAS

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Das ist die Zahl Null. Sie ist nicht nicht da!

Die Zahl Null ist ein Begriff, der sich in unser materialistisches Weltbild nahtlos einfügt – in unsere Systematik des Denkens. Daher erscheint uns die Zahl Null aus anderer Perspektive rätselhaft und widersprüchlich, ich möchte in diesem Artikel kurz darlegen, warum.

Ähnliches Thema: Beitrag Was ist das Nichts? als Grundfrage der Philosophie.

Die Zahl Null bezeichnet ETWAS

Es ist uns nicht gegeben, uns wirklich das Nichts vorzustellen, aus diesem Grund ist uns der Tod ebenso rätselhaft wie der Begriff der Unendlichkeit.

Die Zahl Null repräsentiert, unserer materialistischen Weltanschauung entsprechend, und ganz folgerichtig, eigentlich das Nicht-Vorhandensein von ETWAS. Sie entspricht nicht dem Nichts.

 

Nehmen wir eine simple Rechenoperation wie die Multiplikation. Wenn wir ETWAS multiplizieren, dann addieren wir dieses ETWAS so viele Male zu sich selbst hinzu, wie es der Faktor verlangt.

x * 0 = 0, das bedeutet, von der irgendeiner Sache, die bereits  x mal vorhanden ist, gibt es kein Vorkommen. Also letztlich keinmal die Sache. Was damit gezeigt werden soll, ist, dass die Mathematik zwar von der eigentlichen Sache abstrahiert, ohne irgendeine Sache, die letztendlich benannt wird, wäre Mathematik aber sinnlos. Es geht daher bei den Zahlen um die Sache .. um die Dinge unserer Vorstellungen. Das gilt auch für die Null.

Die Zahl Null bezeichnet also nicht Nichts.

Die Zahl Null und die Unendlichkeit

Auf ganz ähnliche Weise rätselhaft ist uns das Unendliche. Es ist ebenfalls ein Begriff aus der Systematik der Zahlen, daher bezeichnet der Begriff des Unendlichen das Nicht-enden-wollende-Vorhandensein von ETWAS.

„Gibt“ es das – ETWAS, das kein Ende nimmt? Woher soll man das wissen, wo es doch (für uns Menschen) kein Ende nimmt?

Auf ganz ähnliche Art lässt sich fragen:

„Gibt“ es das – ETWAS, das gar nicht da ist? Woher soll man das wissen, wenn es doch nicht vorhanden ist? Jedoch – wenn man ETWAS  denkt, dann ist es bereits da – und zwar im Denken. Das eigentliche Nichts ist das nicht, denn das Nichts wäre etwas, das nicht gedacht wird. Die Null FÜR ETWAS kann es nur geben, wenn es ETWAS gibt. Und wenn dieses ETWAS die Zahl Null selbst wäre.

 

So schließt sich der Kreis. Die Zahl Null und das Unendliche haben vieles gemeinsam. Im eigentlichen Sinn können wir sie nicht erfassen. Sie können nicht im eigentlichen Sinn stellvertretend für Existenz sein, so, wie wir (materialistisch) Existenz verstehen.

Im Grunde sind sie gleich: die Unendlichkeit ist zugleich das Nichts, weil wir es nirgendwo sehen. Und das Nichts ist wiederum in Unendlichkeit „da“ – für uns Menschen allerdings unsichtbar. Es ist alles das, was wir nicht denken.

Die Rätselhaftigkeit der Zahl Null in der materialistischen Sichtweise ist sehr verwandt mit den Rätseln der Zahl Eins.

Siehe auch: Die Zahl Eins

Lesen Sie auch: Beitrag Das Unendliche. Was ist unendlich?

Weiterlesen: Beitrag Was ist unendlich? Nachdenken über das Endliche und die Unendlichkeit

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Im Grunde sind Unendlichkeit und Nichts gleich: die Unendlichkeit ist zugleich das Nichts, weil wir es nirgendwo sehen. Und das Nichts ist wiederum in Unendlichkeit "da", wenn auch für uns Menschen unsichtbar. Es ist alles das, was wir nicht denken.

Die Zahl Null ist ETWAS was last modified: Mai 19th, 2016 by Henrik Geyer

Das Eine und das Andere

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Das eine kann nicht das andere sein. Das eine kann nicht ohne das andere sein.

Während es der materialistischen Sichtweise eigen ist, die Dinge in einem Außen zu sehen, und ihre (dort) definierte Existenz vorauszusetzen, ist es das Wesen des Spirealismus eben dies zu verneinen und zu sagen: Die Dinge kommen mit dem Gedanken in die Existenz. Der Spirealismus fragt: Was ist ein Ding? Was ist das Eine?

Aber auch viele (Nach-)Denker, die sich dem materialistischen Lager zurechnen lassen, also Kernphysiker wie Heisenberg, Dichter wie Goethe, stellten sich diese Frage: Was unterscheidet das Eine vom Anderen, was bringt das Eine in die Existenz, und macht die Existenz eines Zweiten notwendig … getreu dem Grundsatz

Die Grenze des einen Dinges ist zugleich die Grenze eines anderen Dinges
Anaximander, griechischer Philosoph

 

Das Eine und das Andere – was unterscheidet es? … wie kommt man überhaupt auf solche Frage?

Diese Frage ergibt sich mit Notwendigkeit, wenn man sieht, dass sich ein Ding, welches auch immer man nimmt, nicht in Vollständigkeit ergründen lässt. Wenn man wie Immanuel Kant feststellt: ein Ding „an sich“ lässt sich nicht beschreiben. Wenn man das also wahrnimmt, dass es nichts gibt, das man nicht ganz anders sehen, beschreiben, verstehen könnte (spirealistisch gesagt: Es gibt keine Objektivität) – dann fragt man sich: Was ist dieses Eine? Und was unterscheidet dieses Eine wirklich vom Anderen?

Denn das eigentliche Prinzip der Welt können diese Formen, die wir vor uns sehen, nicht sein. Das Prinzip hinter den Formen, die selbst im Unendlichen wurzeln, und quasi vor dem beobachtenden Blick ständig neu entstehen, muss ein einfaches sein, etwas immer Gültiges. Und dieses Prinzip finden wir in unserer Auffassung, denn wir Menschen sind nicht die Beobachter einer Schöpfung, die von uns abgetrennt wäre. Sondern wir selbst sind ihr Element, und daher kommt die Schöpfung in uns selbst, und ihre Prinzipien in „unserem“ Denken, zum Ausdruck. Und dieses ganz einfache Urprinzip liegt in den Worten das Eine und das Andere.

Das eine kann nicht das andere sein.

und

Das eine kann nicht ohne das andere sein.

Weiterlesen: Die Zahl Drei

Aus dem Einen und dem Anderen entsteht das Neue

Spirealismus, das ist Denken in Metaphern. Warum? Weil der Spirealismus die Dinge nicht als in einem Außen definiert sieht – Objektivität gibt es nicht. Daher ist die Welt eine Sichtweise, und eine Sichtweise ist dadurch geprägt, dass sie nicht mit einer zwingenden Unbedingtheit entsteht. Anders gesagt: Die Welt ist eine Möglichkeit, keine Notwendigkeit. Das versteht man durch Metaphorik, durch Symbolismus. Ein für seinen Symbolismus bekannter Autore ist P.D. Ouspensky ic h möchte ein Zitat einfügen aus einem Buch, in dem er psychologische Selbstversuche beschreibt, die er auf der „Suche nach dem Rätselhaften“, wie er es nannte, machte.

Er erhielt während dieser Versuche einen visionären Eindruck vom entstehen der Welt durch eine Dreiheit – das Dritte als Ergebnis der Zweiheit, Ausdruck der Differenz, der Harmonie und des gleichzeitigen Unterschiedes von Yin und Yang, der Einheit im Widerspruch, der Synthese aus These und und Antithese.

Further, there was a picture or mental image which entered into everything and appeared as a necessary part of every logical or illogical construction. This image showed two aspects, both of everything taken together, that is, the whole world, and of every separate part of it, that is, each separate side of the world and of life. One aspect was connected with the First Principle. I saw, as it were, the origin of the whole world or the origin of any given phenomenon or any given idea. The other aspect was connected with separate things: I saw the world, or those events which interested me at the particular moment, in their final manifestation, that is, as we see them around us, but connected into a whole, incomprehensible to us. But between the first aspect and the second aspect there always occurred an interruption like a gap or blank space. Graphically I might represent this approximately in the following way: Imagine that from above three lines appear from one point; each of these three lines is again transformed into three lines; each of these three lines again into three lines. Gradually the lines break more and more and gradually become more and more varied in properties, acquiring colour, form and other qualities, but not reaching real facts, and transforming themselves into a kind of invisible current proceeding from above. From below, imagine the infinite variety of phenomena collected and classified into groups; these groups again unite, and as a result great numbers of very varied phenomena are actually bound into wholes and can be expressed by one sign or one hieroglyph. A series of these hieroglyphs represents life or the visible world at a certain distance from the surface. From above goes the process of differentiation, and from below goes the process of integration. But differentiation and integration do not meet.

Außerdem gab es ein Bild, oder einen geistigen Eindruck, der als notwendiger Teil jeder … Vorstellung alles durchdrang. Dieses Bild hatte zwei Aspekte, beide zusammengenommen – das war die ganze Welt. Und die einzelnen Teile – das waren die einzelnen Aspekte der Welt und des Lebens.

Ein Aspekt war mit dem ersten Prinzip verbunden. Ich sah das Entstehen der ganzen Welt oder das Entstehen jedes Phänomens oder jeder einzelnen Idee.

Der andere Aspekt war mit verschiedenen Dingen verbunden: Ich sah die Welt, oder die Vorgänge, die mich in diesem Moment interessierten, in ihrer endgültigen Erscheinung, also wie wir sie gewohnt sind zu sehen, aber in einem Ganzen verbunden, das nicht wahrnehmbar für uns ist.

Doch zwischen dem ersten Aspekt und dem zweiten Aspekt trat immer eine Unterbrechung auf, oder ein leerer Raum.

Grafisch würde ich das wie folgt beschreiben: Man stelle sich vor, dass von oben drei Linien von einem Punkt ausgehen. Nach und nach brechen die Linien auf und variieren zunehmend ihre Proportionen, erhalten Farbe, Form und andere Eigenschaften, jedoch nicht zu realen Fakten werdend, und wandeln sich zu einer Art unsichtbaren von oben kommenden Strom. Von unten, muss man sich vorstellen, erscheint eine unendliche Vielfalt von Phänomenen, die eingeteilt und geordnet sind in Gruppen; und diese Gruppen wiederum verbinden sich, und als Resultat können sich große Mengen an verschiedenen Phänomenen verbinden, und werden so zu Zeichen oder Hieroglyphen. Eine Reihe dieser Hieroglyphen repräsentiert das Leben oder die sichtbare Welt in einer gewissen Entfernung von der Oberfläche. Von oben erfolgt der Prozess der Differenzierung, von unten der Prozess der Integration. Aber Integration und Differenzierung treffen nicht zusammen.

Ähnliches Thema: Beitrag Dreifaltigkeit – Interpretationen

 

Das eine und das Andere – die alles antreibende Differenz

Das Eine muss das Andere mit sich bringen, weil sich ein Ding oder ein Thema, ein Gedanke oder eine Höhe, eine Spannung oder ein Punkt im Raum, immer nur definieren lässt als ein Unterschied zu etwas anderem.

Zugleich ist dieses Andere naturgemäß anders, das bedeutet, es gibt den schon erwähnten Unterschied, die Differenz zwischen beiden.

Die Differenz wiederum, verstanden als eine Spannung innerhalb eines gemeinsamen Raumes oder eines Käfigs, führt dazu, dass sich eine Entwicklung ergibt. Die Kugel rollt von der schrägen Fläche herunter, die Welten ziehen sich durch Gravitationsunterschiede an, verschmelzen. Der Unterschied der Meinungen betreibt den Fortschritt des Wissens, die Pole an der Autobatterie machen es möglich dass der Motor startet.

Nebenbemerkung: Was ist dieser „Käfig“, von dem ich sprach? Materialistisch gesehen ist es das Vorkommen der Differenz in einem „gemeinsamen Zusammenhang“. Spirealistisch gesehen steht alles in Zusammenhang, es ist eher eine Frage der Wahrnehmung. Die Wahrnehmung (das was der Mensch denken kann) ist im Gegensatz zum grenzenlosen Raum der möglichen Gedanken sehr begrenzt – das sieht der Materialismus  genau anders herum, weil er annimmt, der Mensch beobachte eine von ihm außerhalb befindliche Wirklichkeit, und diese sei in ihren Möglichkeiten begrenzt, anders gesagt: materiell definiert.

So ist also das, was wir als Differenz wahrnehmen, auch nur in einem gemeinsamen Zusammenhang anzutreffen. Stünde es nicht in diesem Zusammenhang, der so unabdingbar ist wie ein Käfig, wäre es allein, und, wie gesagt, das Eine ohne das Andere ist ebenso unmöglich, wie, dass das Eine und das Andere deckungsgleich sind. In der Dialektik ist das das Prinzip des „Kampfes und der Einheit der Gegensätze“. 

 

 

Die Differenz ist das innere Prinzip des Werdens und Vergehens, aus der Differenz ergibt sich das Dritte, die Entwicklung, das Neue … das, was weder das Eine noch das andere ist. 

 

Das Eine und das Andere was last modified: Juni 1st, 2016 by Henrik Geyer