Warum kann es keine Zeitmaschinen geben?

In der Zeit zu reisen ist eine alte Utopie, die uns viel verrät über unsere Sichtweise auf die Zeit. Aus spirealistischer Sicht ist klar: eine Zeitmaschine kann es nicht geben. Ich will erläutern warum.

Ich möchte kurz mit einer Definition beginnen, wie man sich die Zeit im materialistischen Sinn vorstellt: als etwas Objektives, als etwas, das „da“ ist. Und so stellt man sich verschiedene Punkte in der Zeit als eindeutig definiert vor, als (ehemals) „vorhanden“. Man stellt sich Zeit-Punkte in der Zeit wie Perlen vor, die auf einer Schnur aufgereiht sind …  wie auf einem Strahl angeordnete Punkte …. und die Zeit eben wie einen Zeitstrahl. Nur so, nur unter Zuhilfenahme dieser Vorstellung, kann man auf die Idee kommen, man könne zu einem bestimmten Zeit-Punkt reisen, so als würde man zu einer bestimmten Sehenswürdigkeit reisen.

  • aber so ist die Zeit nicht. Allein die Denkweise, es gäbe eindeutig „eingerichtete“ Zeit-Punkte, die außerhalb des Menschen definiert sind, was ja die Voraussetzung wäre solche Zeit-Punkte anzusteuern, ist unzutreffend. Ein Zeit-Punkt ist immer etwas Dynamisches, in der Vielfalt seiner Ereignisbeziehungen Unüberblickbares. Was wir Menschen nur tun, und tun können, ist, aus dieser unendlichen Fülle wenige Aspekte wahrzunehmen. Und weil die menschliche Sichtweise, die menschliche Wahrnehmung, einzigartig ist und nicht etwa die bloße Spiegelung einer notwendigerweise äußerlich vorhandenen Form, spricht der Spirealismus von einem Erschaffen. Was in jedem Moment erschaffen wird, kann nicht einfach vor- oder zurückgespult werden. Es könnte nur in ähnlicher Form neu erschaffen werden – doch das kennen wir ja: als die Erinnerung.
  • der Spirealismus sieht die Welt, sieht die Zeit, „nur“ als Vorstellung. Dieses nur setze ich in Anführungszeichen, denn die Vorstellung ist keiner anderen Seins-Form gegenüber unterlegen, ist also nicht „nur“ eine Vorstellung. Die Welt IST eine Vorstellung, die Vorstellung eines anderen, eines materiellen Seins, ist mithin ebenfalls eine Vorstellung. Eine ganz wesentliche Eigenschaft des Geistes, des Denkens, ist, dass jeder Gedanke einzigartig ist und sein muss. Der einzig wahrnehmbare Zeit-Punkt, zu welchem Gedanken auftauchen, und daher der einzig „existente“ Zeit-Punkt, ist das Jetzt. Denn im Grunde sind wir immer im Jetzt. Schon daher gibt es keine Zeitreisen der objektiv-materialistischen Sichtweise.
  • Der Spirealismus sieht die Welt als Vorstellung. Wenn man sich vorstellt in der Zeit zu reisen, kann natürlich, in diesem Sinn, auch in der Zeit gereist werden – nur eben nicht in einem „objektiven“ Sinn. Eine „Vorstellung“ – das bedeutet ja auch: es kann viele Vorstellungen des Jetzt geben. Nein, besser: es MUSS viele Vorstellungen geben, denn nur so entsteht ja der Gedanke an EINE Welt. Zu welcher dieser endlosen Vorstellungen von Zeit-Punkten in Vergangenheit und Zukunft soll man also reisen? Zu deiner? Zu meiner? Und wenn wir von kollektiven Erinnerungen an Zeit-Punkte sprechen: Zur europäisch-kollektiven Erinnerung eines Zeit-Punktes? Zur asiatisch-kollektiven Erinnerung eines Zeit-Punktes? Zur hündisch-kollektiven Erinnerung eines Zeit-Punktes oder einem kätzischen?
  • Um das zu verdeutlichen: In Phantasien von Zeitreisen ist es stets so, dass ein Zeitreisender zwar nominell einen bekannten Zeit-Punkt der Vergangenheit ansteuert, diesen aber durch sein Erleben zu einem nie zuvor erlebten Moment macht, nämlich den fraglichen Zeit-Punkt aus seiner subjektiven Perspektive. Angenommen, alles andere dieses „Zeit-Punktes“ wäre gleich, machte die subjektive Perspektive des Beobachters, der den Zeit-Punkt in der Vergangenheit bereits kennt, diesen Moment zu einem singulären Ereignis. (Anders machen Zeitreisen ja auch keinen Sinn, man muss wissen, dass man in der Zeit reist Woran erkennt man das? In dem man Umstände (wieder-)erkennt, entweder aus der Erinnerung bei Reisen in die Vergangenheit, oder aus der Erwartung bei Reisen in die Zukunft). Und weiterhin: der Beobachter ist Element des Zeit-Punktes, der, wenn sonst alles gleich wäre, den Zeit-Punkt auch für andere Teilnehmer des Zeit-Punktes einzigartig machen würde. Aus eben diesem Grund aber erweist es sich als völlig illusorisch, dass „alle anderen Elemente gleich sein“ könnten, denn was wir über den Zeitreisenden sagen, trifft auf jedes Element des Zeit-Punktes zu. D.h., ein Zeit-Punkt wird durch die neue Beobachtung singulär, und als Element der Welt macht der Beobachter jeden Moment singulär. Es wiederholt sich also nicht etwas, sondern etwas gänzlich Neues entsteht.
  • Der Grundsatz des Spirealismus, dass jeder Gedanke einzigartig ist, weil er als Relation aus einer nicht zu erfassenden Menge an Festlegungen des Augenblicks hervorgeht, verbietet die Vorstellung, man könne irgendetwas genauestens wiederholen. Bzw. so zurückholen, so dass man genau dasselbe vor sich hat. „Dasselbe“ ist überhaupt als Begriff ein Paradox, wenn es sich mit der Vorstellung von Verschiedenheit verbindet. „Dasselbe“ kann nicht zwei sein. „Dasselbe“ ist immer eins.
  • Zur Illustration: hätte man einen Zeit-Punkt der Vergangenheit ein zweites Mal in genau derselben Form vor sich, so dass man also wirklich sagen könnte, es sei genau derselbe, wäre das Erleben dieses Zeit-Punktes ununterscheidbar von einem anderen Zeit-Punkt. Es wäre das geistige Nirvana, überspitzt gesagt, der Tod – ist doch das (Er-)Leben, die Zeit, dadurch geprägt, dass sie in jedem Moment des Jetzt einzigartige Konstellationen hervorbringt, die dadurch, dass sie voneinander unterscheidbar sind, die Zeit ergeben. Und nun eine Zeitreise vorgestellt unter diesem Aspekt: Das Erleben genau Desselben erfordert den Beobachter, der dann wieder genau das auf dieselbe Art und Weise, mit genau denselben Gedanken beobachtet, was einmal beobachtet wurde. Doch das wäre ja kein unterscheidbarer Zeit-Punkt, sondern eben genau derselbe. Das wiederum würde das Wissen um einen anderen Zeit-Punkt ausschließen, und man könnte nicht sagen, dass „hier“ genau dasselbe vorläge wie „dort“. Das ist das Paradox von dem ich sprach – es ergibt sich aus der materialistischen Sichtweise.
  • das eben Gesagte kann man auch so formulieren (und damit einen Anknüpfungspunkt an das ewige Jetzt schaffen): wenn man in der Zeit reisen könnte, wäre man an diesem anderen Zeit-Punkt natürlich wie immer im Jetzt. Das Jetzt aber ist ein im und durch das Individuum entstehendes einzigartiges Bild. Und: Das Jetzt gibt es im Individuum nur einmal. Das kann jeder an sich sofort prüfen. Gäbe es ein zweites Jetzt, identisch mit diesem gerade erlebten Jetzt, wäre es ununterscheidbar – eben identisch. Wie soll ich von einem Jetzt wissen, das ich erlebe, aber eben nicht jetzt? So gesehen wäre doch ein Jetzt, das ich erlebe, und das sich vom jetzigen Jetzt unterscheidet, das gute alte Gestern und das Morgen, also die Zeit selbst. Und von der Zeit weiß ich, dass sich immer unterscheiden muss, was passiert, eben das definiert ja Zeit … sonst könnte ich nicht auf die Idee kommen, es gäbe überhaupt Zeit. Also kann ich auch nicht an einen früheren identischen Zeit-Punkt reisen. Wenn ich dabei bin, muss sich jeder Zeit-Punkt auch von jedem anderen unterscheiden.
  • Schließlich und endlich kann man auch mit dem Fehlen von Objektivität argumentieren – wenn man so will die Kantsche Frage nach dem Ding an sich. Wenn es keine Objektivität gibt (wie der Spirealismus sagt), oder auch, wenn man die Dinge „an sich“ nicht erfassen kann, obwohl es sie gibt (was auf die gleiche Aussage hinausläuft als sagte man, es gäbe sie nicht), lässt sich auch kein objektives Kriterium ermitteln, demzufolge man sich an einem bestimmten Zeit-Punkt jenseits des Jetzt befindet. Denn die Zeit manifestiert sich ja gerade, in der materialistischen Sichtweise, als die Veränderung der Objekte – einfach gesagt zum Beispiel der Uhrzeigerstellung.
  • Man kann es auch mit dem Heraklitschen „Alles fließt“ begründen. Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen. Man kann nicht einmal in denselben Fluss steigen. Der Fluss von eben, der Fluss meiner Erinnerung, ist eine einmalige, unwiederbringliche Konstellation des vergangenen Augenblicks, dessen endgültige Definition (Ding „an sich“) sich niemals erschließen kann.
  • zu guter Letzt: Warum kann sich die endgültige Definition nicht erschließen? Weil jeder neue Gedanke eine neue, einzigartige Konstellation ist. Jede versuchte Rekonstruktion des Eben, jede Erinnerung, ist eine Konstruktion im Jetzt. Jetzt, in diesem Augenblick, kann ich einen Gedanken haben. Der Gedanke von eben, an den ich mich erinnere, ist in Wirklichkeit ein Gedanke des Jetzt. Daher verändert sich die Vergangenheit in uns – ständig, mit jedem neuen Gedanken. Für das gesellschaftliche, das kollektive Bewusstsein, gilt das Gleiche: Es bringt immer neue Versionen der Vergangenheit und Zukunft hervor. Wir sehen das auch an dem erwähnten metaphorischen Fluss. Die Vorstellung geht aus uns hervor, wir erzeugen sie. Unser Begriff des Flusses ist der Begriff des Jetzt. Etwas, das sich mit jedem Gedanken verändert, neu formt. Und … etwas, das wir selbst produzieren, das aus uns hervorgeht, können wir nicht in die Hand nehmen und drehen und begutachten, als sei es außerhalb von uns und habe mit uns nichts zu tun, so wie es uns das materialistische Weltbild glauben machen will. Ich wiederhole daher auch an dieser Stelle: Wir sind nicht die Beobachter der Schöpfung, sondern wir sind Elemente der Schöpfung. „Die Welt“ ist nicht außerhalb von uns, sondern geht aus uns hervor. Aus uns sprudelt das Sein, mit seinem Raum, mit seiner Zeit.

Aus diesen Gründen kann es keine Zeitmaschinen, keine Zeitreisen, keine Zeitreisenden geben, jedenfalls nicht im materialistischen Sinn. Wohl aber Zeitreisen im geistigen Sinn, wenn man versteht, dass man niemals „dasselbe“ vor sich haben kann (man hat es ja eigentlich auch nicht „vor sich“), egal in welche geistigen Dimensionen man sich zu reisen aufmacht. Und dass man, welche Zeitreise man auch immer antritt, dabei nur einen einzigen Zeit-Punkt erlebt: das Jetzt.

In den Phantasien von Science Fiction Autoren wird das Reisen in der Zeit oft mit vielerlei Paradoxien garniert; oft gerät das Universum in Gefahr zu explodieren, wenn ein Zeitreisender die Vergangenheit so verändert, dass das Jetzt nicht zustande kommen kann. Wenn man aber einmal begriffen hat, dass es nicht die EINE Welt der materialistischen Denkweise gibt, sondern viele Welten, nicht EIN Universum, sondern viele (Ich-) Universen, nicht EIN Jetzt sondern viele Jetzt, lösen sich auch beunruhigende Phantasien auf, DAS (eine) Universum geriete durch Manipulationen an der Zeit in Gefahr …

Eine Zeitreise haben wir am ehesten vor uns, wenn wir ein gutes Buch lesen über eine vergangene oder zukünftige Zeit. Die Phantasie transportiert uns und überbrückt die riesigsten Abgründe der Vorstellung, nennen wir sie nun Zeit oder Raum. Und wir können an dieser Analogie auch dieses wesentliche Element der Zeit verstehen: sie ist niemals völlig gleich, nie festgelegt, außer in uns. In uns gewinnt jeder Gedanke an ein Morgen, Gestern oder Jetzt, eine einzigartige, unwiederbringlich singuläre Form. Um bei dem Beispiel zu zu bleiben: … in Abhängigkeit davon, WER das Buch liest.

Warum kann es keine Zeitmaschinen geben? was last modified: Juni 16th, 2017 by Henrik Geyer

Was ist paradox am Wort „das Alles“ / „alles“ / „das All“?

Das All ist paradox wie die Unendlichkeit [SPID 4492]

Das Wort „das Alles“ / „alles“ / „das All“ ist paradox, weil es etwas bezeichnet, das es nicht geben kann.

Es ist insofern ganz ähnlich der Wort „das Nichts“. Lesen Sie auch: Beitrag Gibt es das Nichts? Wie kann man sich das Nichts vorstellen?

Während das Wort „alles“ oder „das All“ einen, wenn auch sehr großen, Gegenstand suggeriert, der umfassend beschreibbar ist, abzählbar ist (eins), ist doch das Wort „das All“ oder „alles“ das vielfältigste, das es geben kann. Es bezeichnet eine Unendlichkeit, denn mit dem Aufzählen all dessen, was es beinhaltet, wird man nicht fertig.

Das All ist all das, was es gibt, aber auch das, was es geben könnte.

Im Materialismus: „Alles“ ist paradox

Im Materialismus ist es paradox das Alles denken zu wollen, es ist paradox die Frage beantworten zu wollen, was „es geben könnte.“

Denn, wie man schnell merkt, ist das, was es geben könnte, unendlich, und hängt nur von dem ab, was wir uns in diesem Augenblick vorstellen. Beispielsweise könnte es im All, das ja alle Möglichkeiten beinhaltet, und das unendlich ist, auch Bibel-schreibende Affen geben. Das sagt uns schon die Wahrscheinlichkeitsrechnung. Wenn es eine noch so geringe Wahrscheinlichkeit gibt, dass ein Affe, wenn er auf einer Schreibmaschine wahllos Tasten drückt, auch einmal ein sinnvolles Wort schreiben kann, dann muss es in einem Raum, der unbegrenzt ist, und in dem daher in einer Unendlichkeit „alle“ Möglichkeiten zum Tragen kommen, auch Affen geben, die gerade dabei sind, die Bibel aufzuschreiben.

Die geringste Wahrscheinlichkeit multipliziert mit dem Unendlichen ergibt eine Notwendigkeit.

Im Spirealismus: „Alles“ ist nicht (be-)greifbar, jedoch nicht paradox

Im Spirealismus ist der Gedanke die Existenz. „Alles“ ist, was der Mensch in Gedanken erfassen kann. Was der Mensch in Gedanken erfassen kann ist aber nicht, wie der Mensch materialistischen Glaubens meint, unendlich, sondern, was er denkt ist endlich. Hingegen bezeichnet der Spirealismus das, was der Mensch nicht denkt, als „möglich“, aber „nicht realisiert“. „Möglich“ ist dem Spirealismus ein Begriff synonym mit Unendlichkeit, wieder wird hier etwas benannt, das nicht gedacht werden kann. Der Materialismus hält das Mögliche für eingrenzbar, weil er nur die menschlichen Gedanken für möglich hält. Ausgehend vom menschlichen Denken erscheint nur das möglich, was sich aus diesem Denken ableiten lässt – ein Zirkelschluss ewiger Redundanz.

Zur Beachtung: zwischen dem „Möglichen“ und dem „Realisierten“ verläuft eine Grenze, die selbst undenkbar ist, denn der Bereich des unendlich Möglichen, des Nichts, des Undenkbaren, ist für den Spirealismus tatsächlich undenkbar. Also kann keine Grenze sichtbar werden, die das Undenkbare eingrenzt.

Ähnliches Thema: Artikel Gibt es das Nichts? Wie kann man sich das Nichts vorstellen?

Aus der Undenkbarkeit der Grenze ergibt sich in der materialistischen Sichtweise die Annahme, es gäbe keine Grenze. Dem Materialisten erscheint die Begrenzung des Denkens auch deshalb unmöglich, weil es doch zu den Grundannahmen seines Glaubens gehört, Geist sei im menschlichen Gehirn verortet, und dieser Geist sei frei.

Hingegen nennt der Spirealismus die Grenze zwar undenkbar, jedoch ist es innerhalb des Spirealismus eine Notwendigkeit festzustellen, dass es eine Grenze, eine Unterscheidung, gibt. Denn erstens sind Grenzen, wenn alles Geist ist,  im Geist – also hat der Geist Grenzen. Zweitens ist, wenn alles verbunden ist, das Nicht-Verbundene nur scheinbar, nur Abstraktion; ist die Unterscheidung eine notwendige Denkgrenze, die die Dinge entstehen lässt – siehe auch die Welt der Namen des Taoismus.

Der Mensch ist ein Element der Schöpfung, durch ihn läuft die Schöpfung hindurch, so wie Wasser aus einer Quelle austritt. Der Quelle ist das Wasser unendlich, in dem Sinn, dass es nie und nimmer aufhört, aus ihr herauszurinnen. Endet aber das Wasser, ist auch die Quelle nicht mehr da – und jede Frage, was die Quelle über Wasser aussagen oder für möglich halten kann, endet. Um den Umfang der Möglichkeiten des Wassers weiß die Quelle nichts, denn sie weiß nur von dem Wasser, das aus ihr kommt, und das, genau gesagt, nichts anderes ist, als sie selbst. „Alles“ kann ihr nur das Wasser sein, das sie aus sich herausrinnen sieht. Überträgt man diese Analogie auf den Menschen: Enden die menschlichen Gedanken, ist der Mensch nicht mehr da. Die Gedanken gehen weiter. Mit dem Tod enden, zusammen mit der menschlich-irdischen Existenz, die Denkgrenzen. Über die Möglichkeiten der Gedanken weiß der Mensch nichts. Er kennt nur sein eigenes, begrenztes Denken – dort, wo es sich verfestigt, ist es ihm synonym mit Existenz.

Aus der Sicht des Spirealismus wird ersichtlich, warum der Begriff des Unendlichen, bzw. des Alls, paradox ist. Der Begriff bezeichnet etwas Abzählbares, Endliches. Das All. Der Mensch rechnet im wahrsten Sinn des Wortes mit dem Unendlichen, mit dem All. Das Wesen der Unendlichkeit aber ist, nicht zählbar, nicht erfassbar, dem Menschen nicht denkbar zu sein. Und sofern der Mensch mit dem Unendlichen rechnet, ist es falsch. Falsch insofern, als Unendlichkeit dem Menschen nichts sagen kann, denn dessen Existenzbegriff ist gleichbedeutend mit Endlichkeit.

Alles hat einen Ursprung: uns selbst. Daher ist „alles“ synonym mit „unendlich“. Unendlich ist etwas, das für uns nie aufhört, etwas, womit wir nicht fertig werden. Das Einzelne fährt fort zu entstehen, solange wir da sind – denn es kommt ja aus uns. Der Mensch ist das endliche Element in einer ihm unzugänglichen Unendlichkeit.

Was ist paradox am Wort „das Alles“ / „alles“ / „das All“? was last modified: Dezember 21st, 2016 by Henrik Geyer

Gibt es das Nichts? Wie kann man sich das Nichts vorstellen?

Gibt es das Nichts? Wie kann man sich das Nichts vorstellen? - [SPID 4464]

Im Spirealismus geht es oft um das Nichts. Die Frage Gibt es das Nichts? nannte ich manchmal die zentrale Frage der Philosophie, denn am Nichts und an seiner Vorstellung trennt sich die Weltanschauung in jene, die glaubt, der Mensch würde eine äußerliche Welt spiegeln, könne die Dinge objektiv erfassen und sein Gehirn sei prinzipiell geeignet, alles („alles“ ist ein ebenso paradoxes Wort wie das Nichts) zu begreifen, etc. – und jene, die all das nicht glaubt.

Ähnliches Thema: Artikel Was ist paradox am Wort „das Alles“ / „alles“ / „das All“?

Der Spirealismus neigt letzterer Auffassung zu. Ihm ist das Nichts das Unbegreifbare im eigentlichen Wortsinn – es ist tatsächlich nicht denkbar.

Kann man dennoch über das Nichts sprechen?

Kann man dennoch über das Nichts sprechen? Kann man es sich vorstellen? Nein, im eigentlichen Sinn vorstellen kann man sich das Nichts nicht.

Und im materialistischen Sinn ist das Nichts die Vorstellung von Etwas – ein Paradox.

Der Spirealismus geht davon aus, dass die Existenz im Gedanken liegt. Hier liegt ein unabdingbarer Scheideweg. Wenn man ihn nicht zu gehen vermag, kann man sich aus der materialistischen Vorstellungswelt nicht lösen. Die Dinge bleiben paradox.

Kann man ihn aber gehen, so ist der Weg zu der Erkenntnis, dass das Nichts das Nicht-Vorgestellte ist, nicht weit und auch nicht schwierig. Die Existenz ist der Gedanke (an etwas), also ist das Nichts ein Gedanke, den man nicht hat.

Einen Gedanken zu denken, den man nicht denkt, ist logischerweise unmöglich. Umgekehrt ist jeder Gedanke, auch der an ein Nichts, kein Nichts.

Jeder, der dieser Idee näher treten mag, möge sich vorstellen, dass der Gedanke, den er in diesem Augenblick nicht denkt, das Nichts dieses Augenblickes ist. Auf diese Weise wird sehr schnell klar, dass das Nichts riesig ist (ganz anders als die materialistische Quantifizierung des Nichts), und dass der Gedanke des Augenblicks wie ein Tropfen in einem unendlichen Meer ist.

Unendlichkeit Auch das kleinste Ding hat [SPID 895]Umgekehrt wird die Absurdität der Annahme begreiflicher, mit der der Mensch annimmt, es könne nichts anderes als das geben, was er denkt. Diese Annahme ist eng mit der materialistischen Auffassung verbunden, der Mensch würde eine ihm äußerliche materielle (also feste) Realität beobachten, die selbst in ihren Möglichkeiten eingeschränkt sei. Doch, dem widerspricht, was wir bereits über die Dinge sagten: Es gibt nichts Einzelnes, denn alles ist verbunden. Die Dinge und ihre Eigenschaften, ihre Vergangenheit und Zukunft, sind nichts Verschiedenes, sondern genau dasselbe. Daher sind die Dinge unendlich, und der Gedanke an ein Ding ist wieder: Wie ein Funke in einem unendlichen Dunkel. Denn jenseits dessen was man denkt, gibt es immer das Nichtgedachte. Und dies ist die dem Nichts am nächsten kommende Vorstellung. Das, was nicht der Gedanke ist, das ist das Nichts.

Gibt es das Nichts?

Gibt es also das Nichts?

Im Materialismus bleibt die Antwort auf diese Frage stets beliebig, paradox, widersprüchlich. Man könnte ebensogut sagen: „Ja, das Nichts gibt es, denn ich rede ja gerade von ihm, benenne es, quantifiziere es, stelle es mir vor…“, wie: „Wie soll es das Nichts geben, wo es doch nichts ist?“ Man könnte sagen: „Das Nichts ist das, was nicht da ist“ – aber um diesen Gedanken zu vollenden benötigen wir etwas, das eigentlich da ist, nur eben jetzt gerade nicht …

Im Spirealismus ist das Nichts dadurch charakterisiert, dass es jene unendlichen Welten sind, die wir nicht denken. Es ist ein Bereich, zu dem wir keinen Zutritt haben, denn wir selbst sind es, die auf Etwas festgelegt sind – es ist nicht die Materie, die festgelegt ist. Während das Nichts gleichsam das unendliche Dunkel ist, aus dem alles für uns entstehen kann. Es ist die unbegrenzte Möglichkeit, und zugleich das für uns Menschen nicht Existierende.

Siehe auch: Alles und Nichts – kann das Alles zugleich das Nichts sein?

Gibt es das Nichts? Wie kann man sich das Nichts vorstellen? was last modified: Februar 17th, 2017 by Henrik Geyer

Geistige Welten – objekthaftes Denken, vertikales Denken, Ding an sich

In dem, was ich bisher zum Thema Spirealismus schrieb, ging es häufig um die Frage, was die Realität ist, wie man die Probleme der materialistischen Weltanschauung auf ganz andere Weise sehen und angehen kann, etc…

 

In diesem Artikel, sowie einigen weiteren, die ich unter dem Stichwort „Welten der Vorstellung“ zusammentragen möchte, will ich so praktisch wie möglich darlegen, woran wir erkennen, in einer Matrixwelt zu leben („Matrixwelt“ … um ein populäres Wort zu gebrauchen, man könnte auch sagen: in einer traumhaften Welt, Welt des Traums, surrealen Welt, etc.).

Ich bemühe damit die Phantasie des Lesers – beweisen lässt sich das im materialistischen Sinn nicht, denn, den Materialismus mit seiner Annahme, die Dinge seien einfach „da“, verlassen wir. Das bedeutet, jemandem der darauf besteht, dass die Dinge eben die Dinge sind, und nichts anderes, wird man auch tatsächlich nichts anderes beibringen können. Das trifft sich mit dem spirealistsischen Grundsatz, dass die Dinge IMMER das sind, was man darunter versteht.

Das Ding an sich – die Dinge sind Dinge des Denkens

Die erste Möglichkeit sich klar zu machen, dass die Objekte die man sieht, oder sich denkt, nicht einfach „da“ sind, ist, die Überlegung Kants nachzuvollziehen, der davon sprach, dass die Dinge nicht „an sich“ erkennbar sind.

Er meinte damit, dass auch in der materialistischen Sichtweise, die davon ausgeht, das Gehirn würde eine materielle Außenwelt spiegeln, klar ist, dass das Spiegelbild nicht identisch mit dem Objekt selbst ist.

Das bedeutet, es gibt notwendigerweise eine Verschiedenheit zwischen dem was wir sehen und dem, was „wirklich da“ ist. Nur, dass wir von dieser Verschiedenheit überhaupt nichts wissen, sie nicht wahrnehmen, im Grunde auch nicht denken können (Kant war da eine seltene Ausnahme).

Und nun fragt es sich natürlich, wie groß der Unterschied zwischen den Dingen ist, und dem, was wir von ihnen denken. Doch wie könnte der Mensch darüber eine Aussage treffen, da er ja nur weiß, was er weiß … Er hat aber keinerlei Erkenntnisse darüber, was er nicht weiß und nicht wissen kann. Insbesondere die Annahme, er könne etwas nicht wissen, ist ihm in der materialistischen Denkweise ja auch völlig fremd geworden.

Dieser erste, eigentlich völlig logische Schritt, kann uns verdeutlichen, dass die Dinge jedenfalls nicht das sind, was wir uns unter ihnen vorstellen. Wenn man das eine Weile übt, man könnte auch sagen: lernt, oder: darüber meditiert, dann beginnen die Bedeutungen zu verschwimmen, und die Dinge fangen an, in ihrem Wesen und ihrer Bedeutung vieles sein zu können.

Vertikales Denken

Dass die Dinge vieles sein können, sieht man auch an sogenanntem vertikalem Denken. „Vertikales Denken“ ist die Bezeichnung für eine Art und Weise Dinge mit einander in Verbindung zu bringen, die phantasievoll und normalerweise unüblich ist. Muss etwa man sagen: unzulässig ist? Nein, keineswegs. Dass wir uns die Dinge wie eindeutig miteinander verknüpft vorstellen, wie eindeutig beschaffen und durch uns vollständig erfasst, ist lediglich eine Denkgewohnheit.

Wie gesagt, man kann üben, sich die Dinge stets unter einem ganz anderen Aspekt vorzustellen, und dann wird die Welt eine andere.

Das vertikale Denken kann man sich wie folgt vor Augen führen. Man stelle sich diese Tabelle vor

günblaurotschwarz
KräuterMinzeSalbeiKresseKümmel
TiereFroschPfauPapageiPanther
BäumeLindeBlauglockenbaumRotbucheSchwarzerle
HimmelskörperJupiterErdeMarsAsteroid

Normalerweise werden die Menschen sagen, die natürliche Zuordnung sei waagerecht, also gehöre beispielsweise Minze, Salbei, Kresse und Kümmel zusammen, nicht aber Kümmel und Panther.

Jedoch spricht, bei Lichte besehen, nichts Bewertbares gegen eine Zuordnung von Kümmel und Panther, der gemeinsame Aspekt ist da, es ist lediglich eine Frage der Bewertung und der Denkgewohnheit, diese Zuordnung nicht zu treffen.

Nun stelle man sich aber vor, dass solches vertikale Denken noch vor wenigen Jahrhunderten völlig üblich war – es war die Realität. Wir, mit unserer Überzeugung, die Dinge seien in einem Außen (außerhalb des menschlichen Geistes) von der Natur bereits festgelegt, und, es gäbe kein sinnvolles magisches Denken, haben eine neue und ungewöhnliche Auffassung.

Man kann die ungewöhnliche Zuordnung vornehmen, man kann die Dinge anders sehen, anders gewichten – und sie werden dadurch anders – ich komme insofern wieder auf Kants Überlegung zurück und die daraus folgende Konsequenz, dass die Dinge im Geist entstehen. Und – was anderes wohl können uns die Dinge sein, wenn nicht das, was wir unter ihnen verstehen?

Man kann vertikal denken, anstatt horizontal, und mehr noch: man stelle sich vor, dass die obige Tabelle in Wirklichkeit nicht zwei Dimensionen hat, sondern x. Denn man kann alles auf tausend verschiedene Weisen kategorisieren und in milliardenfacher Weise neu zusammenfügen. Unendlich wird die ganze Sache dann, wenn man sich vorstellt, dass wir selbst es sind, die die Kategorien erdenken, und stets frei sind, uns neue Kategorien zu erdenken, was wir ja auch tun.

Heute ist diese Art und Weise des vertikalen Denkens rar geworden, eines Denkens, das Querverbindungen herstellt; ein Denken, das solche Querverbindungen für möglich hält. Die normale Reaktion heute ist eher ein „Was nützt mir das jetzt?“

Diese Denkweise ist aber immer noch anzutreffen, insbesondere manchmal in der alternativen Medizin, esoterischen Wahrsagern, in der Religion. Letztlich auch in der Wissenschaft, denn was wohl wäre der wissenschaftliche Fortschritt, wenn nicht ein Neudenken und ein Querdenken … ein vertikales Denken?

Siehe auch: Phantasie und Wirklichkeit – Zufall, Kreativität und Kausalität

Lesen Sie auch: Beitrag Was ist Phantasie? Ist Phantasieren nötig – oder nur Spinnerei?

Doch, ich sage bewusst vorsichtig „manchmal“, weil all die tausend Spielarten auch spiritueller Vermarktungsmaschinerien oft genug weniger mit spirituellem Denken zu tun haben, als viel mehr mit materialistischem – denn sie bearbeiten einen materialistischen Markt. Ihnen kommt es oft weniger darauf an, die Phantasie anzuregen, und die tausend Möglichkeiten der Welt offen zu legen, sondern dienen dem eindimensionalen objekthaften Denken.

 

Noch mehr Gewicht erhalten diese Überlegungen noch dadurch, dass man sich vor Augen führen kann (und sollte), dass die Dinge nicht allein bestehen können. Die Dinge und die gedanklichen Zuordnungen die wir vornehmen, also etwa zu Farbe, Raum, Ursache, Wirkung, Material, Zusammensetzung, etc., sind nicht etwa zweierlei, sondern dasselbe. Das habe ich in folgendem Artikel beschrieben.

Siehe auch: Beitrag Das Einzelne – es gibt nichts, das einzeln sein kann. Es gibt nichts, das allein existiert.

 

Geistige Welten – objekthaftes Denken, vertikales Denken, Ding an sich was last modified: Mai 15th, 2017 by Henrik Geyer

Das Einzelne – es gibt nichts, das einzeln sein kann. Es gibt nichts, das allein existiert.

Das Einzelne. Ein einzelner Stuhl [SPID 4425]

Eine der grundlegenden Aussagen des Spirealismus ist, dass die Welten, die Ich-Universen, jeweils eine Relation sind.

Da in einer Relation alles nur durch die Verbindung entsteht, lautet eine der Folgerungen des Spirealismus, dass es nichts geben kann, was ganz „für sich“ existiert. Es gib nicht „das Einzelne“, es gibt überhaupt nichts, das einzeln sein kann.

We are accustomed to take everything separately. Here there was nothing separate, and it was extraordinarily strange to feel oneself in a world in which all things were connected one with another and all things followed one from another. Nothing existed separately. I felt that the separate existence of anything—including myself—was a fiction, something non-existent, impossible. The sensation of absence of separateness and the sensation of connectedness and oneness united with the emotional part of my conceptions. At the beginning the combined sensation was felt as something terrifying, oppressive and hopeless; but later, without changing its nature, it began to be felt as the most joyous and radiant sensation that could exist.

Aus den Visionen des P. D. Ouspensky, Buch:  A New Model of the Universe

Mir ist dieser Grundsatz selbstverständlich geworden, aber anfangs grübelte ich darüber sehr nach. Denn, wenn das stimmt, dann hat alles mit allem auch zu tun. Wie kommt es dann, dass man, ausgestattet mit dem materialistischen Weltbild, ganz verschiedene Dinge sieht, die miteinander scheinbar rein gar nichts zu tun haben?

Es ist innerhalb des materialistischen Weltbildes nicht üblich zu denken, es könne das Einzelne nicht geben. Ich will daher ein praktisches Anschauungsbeispiel geben.

Das Einzelne gibt es nicht – ein Beispiel

Wir alle kennen den Grundsatz, dass Druck Gegendruck erzeugt. In der Physik wie auch im Leben. Ebenso kann es keine Liebe ohne Hass geben, es kann keinen Krieg ohne Frieden geben, und umgekehrt. Glaubt man, man könne das Eine ohne das Andere haben, wird man verleitet sein, sich für die Einseitigkeit einzusetzen, für sie zu kämpfen. Man fördert so die Polarisierung und ruft an anderer Stelle das hervor, was man bei sich nicht sehen möchte.

Ein für mich schönes Beispiel ist die politische Situation der Gegenwart. Eine politische Gruppierung hat die Ausmerzung einer anderen politischen Gruppierung zum Ziel. Je umfassender diese andere politische Gruppierung aufgefasst und bekämpft wird, desto stärker wird sie auch. Die Linke hat die Ausmerzung des Faschismus, des Nazitums, zum Ziel. Je stärker die Linke wird, in einer zunächst ausgewogenen Situation, umso weiter fasst sie den Begriff Nazi, bis schließlich jedermann dazugehört, der nur ein bestimmtes Wort in den Mund nimmt. Der Effekt dieser Bemühungen ist, dass so ziemlich jeder, der das Wort benutzt, als Feind gesehen wird … Das wiederum ruft (dessen) Widerstand hervor – die Dynamik gewinnt Fahrt. Während sich die Linke als die Kämpferin für das Gute sieht, erschafft sie das sie bekämpfende Element, von ihr wahrgenommen als das Böse.

Je größer der Kampf, sagen wir, für „das Gute“, desto größer auch die Polarisierung. Umso stärker kann „das Böse“ sein.

In diesem konkreten Fall: Je größer die Polarisierung, desto stärker der Effekt auf die Gesellschaft, was schließlich im Erstarken extremer Kräfte münden kann, oft in Bürgerkrieg oder Krieg. Es gibt nichts Einzelnes – alles hängt zusammen.

Das Einzelne gibt es nicht – ein weiteres Beispiel

Die Kirche verfolgt heute häufig den Gedanken, alles sei „in Wirklichkeit“ Eins. Das jetzige Verständnis des Spirituellen, auch der Bibel, muss in der Enttäuschung enden. Denn die Welt auf Erden ist nicht Eins. Eins zu sein mit dem Göttlichen ist dem Menschen auf Erden nicht möglich, denn hier ist „die Welt“ synonym mit „Getrenntheit“. Das Einzelne, hier verstanden als Alles, gibt es nicht.

Die Polarität ist zwar in ihren starken Auswirkungen oft unerwünscht, doch die Natur der Welt ist es, aus Gegensätzen zu bestehen. Aus Dingen, die scheinbar völlig getrennt voneinander sind, und doch könnten sie ohne einander nicht sein. Aus diesem Prinzip kann man sich nicht lösen. Während z.B. die Kirche das Prinzip der allumfassenden Liebe und des Einsseins propagiert, entfernt und entzweit sie sich von jenen, die ihr in die scheinbar so glänzende Zukunft nicht folgen wollen.

Eher ist es eine Frage der Ausgewogenheit zu sagen, man dürfe in allen Dingen nicht nur das Trennende sehen, sondern auch das Gemeinsame. Die Getrenntheit nicht zu stark werden zu lassen, das wäre ein sinnvolles Ziel, das richtig und willkommen wäre. Maß halten.

Jedoch den Menschen einreden zu wollen, sie müssten eins mit allem sein, es gäbe nur noch die Liebe, das bedeutet zu verabsolutieren. Und das ist wiederum ist eine starke Polarisierung. Eine Polarisierung, die eine Gegenbewegung zur Folge haben muss. Eine Gegenbewegung, die umso stärker sein wird, je stärker die Polarisierung ist.

Das Einzelne gibt es nicht – als Denkübung

Man kann die Vorstellung, dass es das Einzelne nicht geben kann, an einem beliebigen Gegenstand erklären. Denken wir an einen Stuhl. Den Stuhl kann es nur geben, wenn wir uns einen Menschen denken, der sich setzen will. Daher auch denken wir, wenn wir an einen Stuhl denken, an eine spezifische Form. Eine Form, die geeignet sein muss, damit ein Mensch sich setzen kann.

Wenn wir an einen Stuhl denken, denken wir an ein Material, beispielsweise Holz oder Metall. Wenn wir an einen Stuhl denken, denken wir an einem Raum, in dem er stehen muss, denn ohne Raum kann er nicht sein. Wir denken an einen Zweck, den der Stuhl in diesem Raum erfüllen muss.

Ohne all diese Nebenbedingungen kann der Stuhl nicht sein.

Die semantische Natur der Welt

Dies bringt uns übrigens auf die „semantische Natur der Dinge“, von der der Spirealismus spricht.

Alles ist nur im Zusammenhang denkbar, und nur im Zusammenhang existent. Das Einzelne gibt es nicht – alles hängt zusammen.

Das Einzelne – es gibt nichts, das einzeln sein kann. Es gibt nichts, das allein existiert. was last modified: Dezember 14th, 2016 by Henrik Geyer

Der Mensch kann niemals über die Grenzen des Universums hinaus

Grenzen des Universums - der Mensch im Multiversum [SPID 4343]

Der Mensch kann die Grenzen des Universums nicht verlassen. Warum ist das so? Was sind überhaupt die Grenzen des Universums?

Was sind überhaupt die Grenzen des Universums?

Das Universum ist unbegrenzt. Warum? Weil das Universum alles das ist, was ist, und was sein kann. Bereits der Name sagt es: Universum, das ist das, in dem universell alles ist. Das Welt-All ist alles. „Alles“ wiederum ist eine in der Konsequenz nicht zu begrenzende Größe. „Alles“ ist Unendlichkeit.

Die Unendlichkeit ist uns paradox, weil wir sie als Objekt benennen, und den Begriff so verwenden, als könne man die Unendlichkeit wie ein Objekt betrachten, sie vor sich hin halten und ansehen. Doch das kann man natürlich nicht.

Das Welt-All ist alles, was wir kennen und kennen lernen können. Daher können wir das Welt-All/Universum nie verlassen, denn wir werden nie etwas anderes im Kopf bewegen, als die Dinge die wir kennen oder kennen lernen können.

Besteht die Grenze des Universums in seiner Unbegrenztheit? Das ist Mindfuck!

Somit kann man sagen, das Universum kann nicht verlassen werden, weil es unendlich ist. Man könnte auch sagen, die Grenze kann nicht überwunden werden, weil es keine gibt.

Grenzen des Universums [SPID 4341]
Der Mensch, den Weltraum von Außen betrachtend, kann sich wiederum nur im All (das ihn stets umgebende „Alles“) befinden. Nicht, wie hier abgebildet in einem Nichts. Doch was hier abgebildet ist, ist ja schon kein Nichts mehr. Es sind zwei Dinge darin: Das Weltall und der Beobachter, beide zusammen ergeben schon wieder einen Raum.
Vorgestellt, der menschliche Betrachter könnte aus dem Universum hinaus (in der nebenstehenden Grafik ist das abgebildet), müsste er sich irgendwo befinden. Auch dieser Standort hätte notwendigerweise Dinge, Orte, die der Mensch kennen würde bzw. kennengelernt hätte. Eines dieser Dinge wäre das Universum, das er gerade verließ. Es wäre nun eines der „Dinge“ seiner Welt, es wäre eines der Dinge des Welt-Alls. Das bedeutet, er befände sich immer noch innerhalb des Universums der Definition, also dem Raum, in dem alles ist. Er wäre nicht aus dem Universum im eigentlichen Sinn herausgetreten.

Soll es in diesem Artikel um die pingelige Auslegung der Definition des Begriffes „Universum“ gehen, und nicht um das Reale?

Es geht in diesem Artikel um den Begriff des Universums, und zwar unter der Prämisse (und das muss erklärt werden): unsere Begriffe und unsere Realität sind nicht zweierlei, sondern genau dasselbe.

Eine Frage der Kreativität

Dass unsere Begriffe (Worte) und unsere Realität genau dasselbe ist, ist eine spirealistische Aussage. Sie dürfte sich materialistischem Denken kaum erschließen, das ja davon ausgeht, unabhängiger Geist (Mensch) würde feste Materie beobachten. Während der Spirealismus sagt: Alles ist Geist.

Doch schauen wir, was passiert, wenn wir den Begriff „Universum“ anpassen, um sagen zu können, wir würden aus Universum 1 heraus, und in Universum 2 hineintreten. Wir bemerken bei dieser phantasievollen Annahme, dass die Frage, in welchem Universum wir uns befinden, einzig und allein eine Frage der Definition ist. Eine Frage des Begriffes also … eines Begriffes, der sich durch uns erst formt. Doch, wenn es eine Frage der Definition ist, so könnte man doch auch in diesem Augenblick definieren, man würde ein Universum verlassen, wenn man aus der Haustür tritt!

Wir sehen, woher das Paradox kommt. Wir formen die Begriffe, definieren, und glauben, etwas Äußerliches damit zu beschreiben. Etwas durch uns nicht Formbares, das wir nur beobachten.

Doch statt dessen ist, was wir wahrnehmen, mindestens auch eine Frage unserer eigenen Kreativität.

Das unendliche All ist nicht erfahrbar

Das Besondere am Begriff des Universums, des Alls, ist seine Unendlichkeit. Unendlichkeit ist uns paradox, weil wir Unendlichkeit als solche nicht erfahren können, den Begriff aber gebrauchen, als könnten wir. (das Wort erfahren kann man übrigens an dieser Stelle so sehen, als würde man tatsächlich irgendwo hinfahren. Man kann immer irgendwo hinfahren, aber man kann nicht überall hinfahren, was wiederum auf das eben Besprochene zurückführt).

Wir nähern uns auf diese Weise der dem Materialismus unzugänglichen Wahrheit: Die Begriffe des Menschen sind seine Realität. Die Begriffe des Menschen sind, materialistisch gebraucht, in sich widersprüchlich. Die Unendlichkeit entsteht durch den Menschen, er kann sie nicht beobachten, als wäre es ein Ding. Das All entsteht – in der menschlichen Form – durch den Menschen; auch hier beobachtet er nichts im materialistischen Sinn.

Der Mindfuck, der in der Formulierung liegt, die Begrenztheit des Universums bestehe in seiner Grenzenlosigkeit, basiert auf der bereits im Beginn paradoxen Annahme (die ich die materialistische Weltsicht nenne), der Mensch würde feste Objekte in seinem Außen beobachten, von denen er deren Eigenschaften durch seine Sinnesorgane abruft. So stellt er sich letztlich alles als ein Objekt vor, auch „das Universum“. Doch das Universum ist kein Objekt, sondern ein Prozess, der aus dem Menschen hervorgeht.
Siehe auch: Wir können kein fremdes Universum betreten

Der Mensch kann niemals über die Grenzen des Universums hinaus was last modified: November 19th, 2016 by Henrik Geyer

Die Zahl Null ist ETWAS

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Das ist die Zahl Null. Sie ist nicht nicht da!

Die Zahl Null ist ein Begriff, der sich in unser materialistisches Weltbild nahtlos einfügt – in unsere Systematik des Denkens. Daher erscheint uns die Zahl Null aus anderer Perspektive rätselhaft und widersprüchlich, ich möchte in diesem Artikel kurz darlegen, warum.

Ähnliches Thema: Beitrag Was ist das Nichts? als Grundfrage der Philosophie.

Die Zahl Null bezeichnet ETWAS

Es ist uns nicht gegeben, uns wirklich das Nichts vorzustellen, aus diesem Grund ist uns der Tod ebenso rätselhaft wie der Begriff der Unendlichkeit.

Die Zahl Null repräsentiert, unserer materialistischen Weltanschauung entsprechend, und ganz folgerichtig, eigentlich das Nicht-Vorhandensein von ETWAS. Sie entspricht nicht dem Nichts.

 

Nehmen wir eine simple Rechenoperation wie die Multiplikation. Wenn wir ETWAS multiplizieren, dann addieren wir dieses ETWAS so viele Male zu sich selbst hinzu, wie es der Faktor verlangt.

x * 0 = 0, das bedeutet, von der irgendeiner Sache, die bereits  x mal vorhanden ist, gibt es kein Vorkommen. Also letztlich keinmal die Sache. Was damit gezeigt werden soll, ist, dass die Mathematik zwar von der eigentlichen Sache abstrahiert, ohne irgendeine Sache, die letztendlich benannt wird, wäre Mathematik aber sinnlos. Es geht daher bei den Zahlen um die Sache .. um die Dinge unserer Vorstellungen. Das gilt auch für die Null.

Die Zahl Null bezeichnet also nicht Nichts.

Die Zahl Null und die Unendlichkeit

Auf ganz ähnliche Weise rätselhaft ist uns das Unendliche. Es ist ebenfalls ein Begriff aus der Systematik der Zahlen, daher bezeichnet der Begriff des Unendlichen das Nicht-enden-wollende-Vorhandensein von ETWAS.

„Gibt“ es das – ETWAS, das kein Ende nimmt? Woher soll man das wissen, wo es doch (für uns Menschen) kein Ende nimmt?

Auf ganz ähnliche Art lässt sich fragen:

„Gibt“ es das – ETWAS, das gar nicht da ist? Woher soll man das wissen, wenn es doch nicht vorhanden ist? Jedoch – wenn man ETWAS  denkt, dann ist es bereits da – und zwar im Denken. Das eigentliche Nichts ist das nicht, denn das Nichts wäre etwas, das nicht gedacht wird. Die Null FÜR ETWAS kann es nur geben, wenn es ETWAS gibt. Und wenn dieses ETWAS die Zahl Null selbst wäre.

 

So schließt sich der Kreis. Die Zahl Null und das Unendliche haben vieles gemeinsam. Im eigentlichen Sinn können wir sie nicht erfassen. Sie können nicht im eigentlichen Sinn stellvertretend für Existenz sein, so, wie wir (materialistisch) Existenz verstehen.

Im Grunde sind sie gleich: die Unendlichkeit ist zugleich das Nichts, weil wir es nirgendwo sehen. Und das Nichts ist wiederum in Unendlichkeit „da“ – für uns Menschen allerdings unsichtbar. Es ist alles das, was wir nicht denken.

Die Rätselhaftigkeit der Zahl Null in der materialistischen Sichtweise ist sehr verwandt mit den Rätseln der Zahl Eins.

Siehe auch: Die Zahl Eins

Lesen Sie auch: Beitrag Das Unendliche. Was ist unendlich?

Weiterlesen: Beitrag Was ist unendlich? Nachdenken über das Endliche und die Unendlichkeit

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Im Grunde sind Unendlichkeit und Nichts gleich: die Unendlichkeit ist zugleich das Nichts, weil wir es nirgendwo sehen. Und das Nichts ist wiederum in Unendlichkeit "da", wenn auch für uns Menschen unsichtbar. Es ist alles das, was wir nicht denken.

Die Zahl Null ist ETWAS was last modified: Mai 19th, 2016 by Henrik Geyer

Das Eine und das Andere

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Das eine kann nicht das andere sein. Das eine kann nicht ohne das andere sein.

Während es der materialistischen Sichtweise eigen ist, die Dinge in einem Außen zu sehen, und ihre (dort) definierte Existenz vorauszusetzen, ist es das Wesen des Spirealismus eben dies zu verneinen und zu sagen: Die Dinge kommen mit dem Gedanken in die Existenz. Der Spirealismus fragt: Was ist ein Ding? Was ist das Eine?

Aber auch viele (Nach-)Denker, die sich dem materialistischen Lager zurechnen lassen, also Kernphysiker wie Heisenberg, Dichter wie Goethe, stellten sich diese Frage: Was unterscheidet das Eine vom Anderen, was bringt das Eine in die Existenz, und macht die Existenz eines Zweiten notwendig … getreu dem Grundsatz

Die Grenze des einen Dinges ist zugleich die Grenze eines anderen Dinges
Anaximander, griechischer Philosoph

 

Das Eine und das Andere – was unterscheidet es? … wie kommt man überhaupt auf solche Frage?

Diese Frage ergibt sich mit Notwendigkeit, wenn man sieht, dass sich ein Ding, welches auch immer man nimmt, nicht in Vollständigkeit ergründen lässt. Wenn man wie Immanuel Kant feststellt: ein Ding „an sich“ lässt sich nicht beschreiben. Wenn man das also wahrnimmt, dass es nichts gibt, das man nicht ganz anders sehen, beschreiben, verstehen könnte (spirealistisch gesagt: Es gibt keine Objektivität) – dann fragt man sich: Was ist dieses Eine? Und was unterscheidet dieses Eine wirklich vom Anderen?

Denn das eigentliche Prinzip der Welt können diese Formen, die wir vor uns sehen, nicht sein. Das Prinzip hinter den Formen, die selbst im Unendlichen wurzeln, und quasi vor dem beobachtenden Blick ständig neu entstehen, muss ein einfaches sein, etwas immer Gültiges. Und dieses Prinzip finden wir in unserer Auffassung, denn wir Menschen sind nicht die Beobachter einer Schöpfung, die von uns abgetrennt wäre. Sondern wir selbst sind ihr Element, und daher kommt die Schöpfung in uns selbst, und ihre Prinzipien in „unserem“ Denken, zum Ausdruck. Und dieses ganz einfache Urprinzip liegt in den Worten das Eine und das Andere.

Das eine kann nicht das andere sein.

und

Das eine kann nicht ohne das andere sein.

Weiterlesen: Die Zahl Drei

Aus dem Einen und dem Anderen entsteht das Neue

Spirealismus, das ist Denken in Metaphern. Warum? Weil der Spirealismus die Dinge nicht als in einem Außen definiert sieht – Objektivität gibt es nicht. Daher ist die Welt eine Sichtweise, und eine Sichtweise ist dadurch geprägt, dass sie nicht mit einer zwingenden Unbedingtheit entsteht. Anders gesagt: Die Welt ist eine Möglichkeit, keine Notwendigkeit. Das versteht man durch Metaphorik, durch Symbolismus. Ein für seinen Symbolismus bekannter Autore ist P.D. Ouspensky ic h möchte ein Zitat einfügen aus einem Buch, in dem er psychologische Selbstversuche beschreibt, die er auf der „Suche nach dem Rätselhaften“, wie er es nannte, machte.

Er erhielt während dieser Versuche einen visionären Eindruck vom entstehen der Welt durch eine Dreiheit – das Dritte als Ergebnis der Zweiheit, Ausdruck der Differenz, der Harmonie und des gleichzeitigen Unterschiedes von Yin und Yang, der Einheit im Widerspruch, der Synthese aus These und und Antithese.

Further, there was a picture or mental image which entered into everything and appeared as a necessary part of every logical or illogical construction. This image showed two aspects, both of everything taken together, that is, the whole world, and of every separate part of it, that is, each separate side of the world and of life. One aspect was connected with the First Principle. I saw, as it were, the origin of the whole world or the origin of any given phenomenon or any given idea. The other aspect was connected with separate things: I saw the world, or those events which interested me at the particular moment, in their final manifestation, that is, as we see them around us, but connected into a whole, incomprehensible to us. But between the first aspect and the second aspect there always occurred an interruption like a gap or blank space. Graphically I might represent this approximately in the following way: Imagine that from above three lines appear from one point; each of these three lines is again transformed into three lines; each of these three lines again into three lines. Gradually the lines break more and more and gradually become more and more varied in properties, acquiring colour, form and other qualities, but not reaching real facts, and transforming themselves into a kind of invisible current proceeding from above. From below, imagine the infinite variety of phenomena collected and classified into groups; these groups again unite, and as a result great numbers of very varied phenomena are actually bound into wholes and can be expressed by one sign or one hieroglyph. A series of these hieroglyphs represents life or the visible world at a certain distance from the surface. From above goes the process of differentiation, and from below goes the process of integration. But differentiation and integration do not meet.

Außerdem gab es ein Bild, oder einen geistigen Eindruck, der als notwendiger Teil jeder … Vorstellung alles durchdrang. Dieses Bild hatte zwei Aspekte, beide zusammengenommen – das war die ganze Welt. Und die einzelnen Teile – das waren die einzelnen Aspekte der Welt und des Lebens.

Ein Aspekt war mit dem ersten Prinzip verbunden. Ich sah das Entstehen der ganzen Welt oder das Entstehen jedes Phänomens oder jeder einzelnen Idee.

Der andere Aspekt war mit verschiedenen Dingen verbunden: Ich sah die Welt, oder die Vorgänge, die mich in diesem Moment interessierten, in ihrer endgültigen Erscheinung, also wie wir sie gewohnt sind zu sehen, aber in einem Ganzen verbunden, das nicht wahrnehmbar für uns ist.

Doch zwischen dem ersten Aspekt und dem zweiten Aspekt trat immer eine Unterbrechung auf, oder ein leerer Raum.

Grafisch würde ich das wie folgt beschreiben: Man stelle sich vor, dass von oben drei Linien von einem Punkt ausgehen. Nach und nach brechen die Linien auf und variieren zunehmend ihre Proportionen, erhalten Farbe, Form und andere Eigenschaften, jedoch nicht zu realen Fakten werdend, und wandeln sich zu einer Art unsichtbaren von oben kommenden Strom. Von unten, muss man sich vorstellen, erscheint eine unendliche Vielfalt von Phänomenen, die eingeteilt und geordnet sind in Gruppen; und diese Gruppen wiederum verbinden sich, und als Resultat können sich große Mengen an verschiedenen Phänomenen verbinden, und werden so zu Zeichen oder Hieroglyphen. Eine Reihe dieser Hieroglyphen repräsentiert das Leben oder die sichtbare Welt in einer gewissen Entfernung von der Oberfläche. Von oben erfolgt der Prozess der Differenzierung, von unten der Prozess der Integration. Aber Integration und Differenzierung treffen nicht zusammen.

Ähnliches Thema: Beitrag Dreifaltigkeit – Interpretationen

 

Das eine und das Andere – die alles antreibende Differenz

Das Eine muss das Andere mit sich bringen, weil sich ein Ding oder ein Thema, ein Gedanke oder eine Höhe, eine Spannung oder ein Punkt im Raum, immer nur definieren lässt als ein Unterschied zu etwas anderem.

Zugleich ist dieses Andere naturgemäß anders, das bedeutet, es gibt den schon erwähnten Unterschied, die Differenz zwischen beiden.

Die Differenz wiederum, verstanden als eine Spannung innerhalb eines gemeinsamen Raumes oder eines Käfigs, führt dazu, dass sich eine Entwicklung ergibt. Die Kugel rollt von der schrägen Fläche herunter, die Welten ziehen sich durch Gravitationsunterschiede an, verschmelzen. Der Unterschied der Meinungen betreibt den Fortschritt des Wissens, die Pole an der Autobatterie machen es möglich dass der Motor startet.

Nebenbemerkung: Was ist dieser „Käfig“, von dem ich sprach? Materialistisch gesehen ist es das Vorkommen der Differenz in einem „gemeinsamen Zusammenhang“. Spirealistisch gesehen steht alles in Zusammenhang, es ist eher eine Frage der Wahrnehmung. Die Wahrnehmung (das was der Mensch denken kann) ist im Gegensatz zum grenzenlosen Raum der möglichen Gedanken sehr begrenzt – das sieht der Materialismus  genau anders herum, weil er annimmt, der Mensch beobachte eine von ihm außerhalb befindliche Wirklichkeit, und diese sei in ihren Möglichkeiten begrenzt, anders gesagt: materiell definiert.

So ist also das, was wir als Differenz wahrnehmen, auch nur in einem gemeinsamen Zusammenhang anzutreffen. Stünde es nicht in diesem Zusammenhang, der so unabdingbar ist wie ein Käfig, wäre es allein, und, wie gesagt, das Eine ohne das Andere ist ebenso unmöglich, wie, dass das Eine und das Andere deckungsgleich sind. In der Dialektik ist das das Prinzip des „Kampfes und der Einheit der Gegensätze“. 

 

 

Die Differenz ist das innere Prinzip des Werdens und Vergehens, aus der Differenz ergibt sich das Dritte, die Entwicklung, das Neue … das, was weder das Eine noch das andere ist. 

 

Das Eine und das Andere was last modified: Juni 1st, 2016 by Henrik Geyer

Was ist Zeit?

Was ist Zeit eigentlich?

Zeit ist ein Gradmesser der Veränderung der Welt. oder: Die Zeit ist ein Äquivalent für die Veränderung der Dinge.

Wenn  man das so formuliert, dann ist zumindest klar, dass die Zeit nicht ohne Dinge auskommt. Die Zeit scheint die Veränderung der Dinge zu treiben. Oder ist es umgekehrt? Ist es die Veränderung der Dinge, die den Schritt der Zeit bestimmt?

Was ist Zeit? Der Zeitstrahl

Bei der Frage „Was ist Zeit?“ kommt uns zuallererst der Zeitstrahl in den Sinn, der wohl unserer materialistischen Vorstellung von Zeit recht gut entspricht. Er stellt die Zeit als eindeutig in eine Richtung „fließend“ dar, und zwar ausgehend von einem Punkt (der Beginn von Raum und Zeit – vielleicht als der Urknall), und in die Unendlichkeit sich fortbewegend.

 

Zeitstrahl, Zeit und Kausalität

 

Zeitstrahl umgekehrt

Kann man den Zeitstrahl einfach umdrehen? Allein schon die Darstellung des Zeitrahles, als von rechts nach links gehend, lässt uns das Ganze wie falsch erscheinen, obwohl doch an den Grundaussagen des Zeitstrahles gar nichts geändert wird. Dieses kleine gedankliche Experiment soll einfach zeigen, wie sehr die Zeit eine Denkgewohnheit ist, deren scheinbare Eindeutigkeit längst nicht so festgemeißelt ist, wie wir glauben.

Zeitstrahl umgekehrt, Zeit und Kausalität, Zeitstrahl und Kausalitätsstrahl

Im Zusammenhang mit der Frage „Was ist Zeit?“ könnte man auch die Frage stellen „Was ist Kausalität?“, denn ohne Zeit ist keine Kausalität denkbar. Und umgekehrt. Und auch und gerade bei der  Kausalität könnten wir uns eine Umkehr kaum vorstellen, mindestens ebenso wenig wie bei der Zeit.

Lesen Sie auch: Definition der Zeit

Ähnliches Thema: Ursache und Wirkung – Wirkung und Ursache. Umgekehrte Kausalität

 

Zeit als Punkt

Letztendlich (so ist es natürlich die spirealistische Sichtweise die auf diesem Blog thematisiert wird, und der zufolge es keine Objektivität gibt) kann man keine objektive oder endgültige Aussage über die Zeit machen, da die Welten aus Gedanken entstehen, und damit eine Frage der Vorstellungen sind.

Man kann aber sagen, dass die Zeit eine fundamentale Kategorie des menschlichen Begreifens ist (man nennt die Zeit nicht umsonst „Dimension“ – und verleiht ihr so eine fundamentale Bedeutung), die Bezüge zwischen den Objekten des Denkens herstellt. Die Zeit steht gewissermaßen am Ende der von uns schaffbaren Kausalketten, daher wirkt sie wie rätselhaft und unerklärlich. Sie ist selbst nicht begründbar, sondern sie ermöglicht erst Begründungen, z.B. etwa dieser Form: „A ist möglich, weil B (vorher) da war.“

Weiterlesen: Was war eher da – Ei oder Henne? Was besagt dieses Paradox?

Wenn der Spirealismus das Vorhandensein von Objektivität negiert, dann ist damit auch gesagt, dass die Welt(en) aus Vorstellungen entstehen. Sie sind, als Vorstellungen, natürlich bei weitem nicht so „fest“, wie wir uns Welten aus Materie denken würden, von denen wir annehmen, wir könnten diese Welten aus Materie nur auf eine einzige Art und Weise be-greifen.

Daher dürfen wir uns auch die Zeit ruhig ganz anders vorstellen, als dies landläufig geschieht, ohne in Gefahr zu geraten, der sogenannten Wirklichkeit zu enteilen – jedenfalls ist das aus spirealistischer Sicht so.

Wir können uns die Zeit ruhig vorstellen, z.B. nicht als Strahl, sondern als Punkt. Denn tatsächlich „gibt“ es ja nur das Jetzt als eigentlich „erlebbar“.

Ähnliches Thema: Es gibt nur das Jetzt. Immer ist Jetzt

Weiterlesen: Beitrag Was ist Phantasie? 

 

Die Zeit, vorgestellt als Punkt

Die obige Grafik entstand als Folge der Überlegungen zu Kausalität und Wahrheit, die nach meinem Dafürhalten von der Frage „Was ist Zeit?“ nicht zu trennen sind. Überhaupt führt die Frage nach der Zeit auf das Wesen der Dinge, bzw.  ist es die Frage nach der Art und Weise unseres Denkens.

Visionärer Text Ouspenskys

Vorstellungswelten

An dieser Stelle eine Sichtweise, die der obigen Darstellung der Zeit als Punkt nicht widerspricht, jedoch sehr widersprüchlich zur Vorstellung der Zeit als ein Zeitstrahl ist. Ich weiß nicht, inwiefern sich der Leser dieser Phantasie annähern mag oder annähern kann; es würde nach meinem Dafürhalten erfordern, dass man die Welt grundsätzlich als eine Welt aus Gedanken, aus Vorstellungen sieht (was schon können wir denken, jenseits unserer Gedanken? Man denke auch an Schopenhauer und sein „Die Welt als Wille und Vorstellung“).

Für den Spirealismus ist also die im Folgenden dargestellte Denkweise eine natürliche Folge der eigenen Überlegungen. Denn erstens sieht der Spirealismus alles metaphorisch. Man kann demzufolge alles auch anders sehen, bewerten, sich vorstellen. Denn die Eindeutigkeit der Worte selbst, ist ja bereits Illusion (es gibt nichts Objektives).

Zweitens ist der Gedanke des Spirealismus an „Ich-Universen“ ja letztlich der an voneinander getrennte Ichs, die, was immer sie wahrnehmen, auf verschiedene Art und Weise wahrnehmen. Es gibt also nichts von vorn herein Gleiches – der Eindruck des Gleichen entsteht eben erst durch Abstimmung (Kommunikation), so wie wenn Zahnräder ineinander greifen. Den Berührungspunkt der Zahnräder könnte man beispielsweise als die Uhr sehen.

Drittens gibt es dem Spirealismus zufolge gar keine von uns abgetrennte Außenwelt, wodurch es im eigentlichen Sinn auch keine Objekte gibt, die „in Raum und Zeit“ existieren. Anders formuliert: wir können nichts beobachten, dass von uns selbst (dem Beobachter) unabhängig wäre, also auch keine (von uns unabhängige) Zeit. Was ja wiederum in keinerlei Widerspruch zu Einsteins Vorstellungen von Relativität steht.

Nun aber zu dem, was eigentlich dargelegt werden sollte:

Zeit als ineinander greifende Räder

Der Symbolist Ouspensky schuf einen visionären Text über die Zeit, an den ich oft denken muss, und der ein bestimmtes Bild in der Phantasie entstehen lässt, das (mir) ebenso geheimnisvoll wie wahr erscheint. Ouspensky bespricht in dem Buch „A new model of the universe“ die Tarotkarte „Mäßigkeit“, auf der ein Engel abgebildet ist, der zwei Kelche in Händen hält.

Der Name des Engels ist Zeit. …

Der eine Kelch in den Händen des Engels ist die Vergangenheit, der andere ist die Zukunft. Der Regenbogenstrom zwischen den Kelchen ist die Gegenwart. Du siehst, dass er in beide Richtungen fließt.

Dies ist Zeit in ihrem unverständlichsten Aspekt. Die Menschen meinen, dass alles stets nur in eine Richtung fließt. Sie sehen nicht, dass sich alles ständig trifft und dass die Zeit eine Vielzahl sich drehender Kreise ist. Verstehe dieses Mysterium, und lerne die gegensätzlichen Strömungen im Regenbogenstrom der Gegenwart zu unterscheiden.

aus: A new model of the universe, von P.D. Ouspensky

 

Als Illustration für den Text Ouspenskys habe ich das (unten wiedergegebene) Bild zweier Strohballen gefunden – man hätte hierfür auch Zahnräder nehmen können. Doch gerade die Strohballen machen, wie ich finde, das chaotische Durcheinander der Vorstellungen innerhalb eines Kosmos aus Geist deutlich. Wo sich die Strohalme treffen, da entsteht innerhalb des Getrennt-Seins der Eindruck des Gemeinsamen – auch der gemeinsamen Zeit, die doch in Wirklichkeit nicht gemeinsam ist. Die Zeit trennt und verbindet die verschiedensten Galaxien der Vorstellung, die ihrerseits wieder zahllose (durch uns nicht zählbare, d.h. unendliche) Strömungen enthalten – sie wirbeln einerseits gegensätzlich durcheinander, aber sie treffen sich auch immer wieder.

Spruchbild: Zeit ist eine Vielzahl sich drehender, ineinandergreifender Kreise mit gegensätzlichen Strömungen, die sich in vielen verschiedenen Punkten treffen. Wir Menschen können nur einen Punkt sehen, doch das bedeutet nicht, es gäbe nur einen.

Ein wenig störend wirkte mir zuerst die Überlegung, dass die Illustration doch idealerweise die 3D-Verflechtung der verschiedensten Strömungen darstellen sollte, während das Bild der Strohballen zweidimensional wirkt. Doch andererseits ist ja auch die Dreidimensionalität lediglich eine Vorstellung und durch eine noch so komplizierte Verbildlichung würde der Phantasie, die doch die eigentliche Arbeit zu tun hat, nicht geholfen.

Im Grunde kann man, so mag mancher mit Recht einwenden, wieder zu Ouspenskys Tarotkarte zurückgehen.

 

 

Was ist Zeit? was last modified: Mai 4th, 2016 by Henrik Geyer

Was heißt kausal? Kausalität und Zeit

Was ist „kausal“? Causa = lat. die Ursache.

In diesem Beitrag soll ein wenig näher betrachtet werden, was den Begriff „kausal“ mit zeitlichen Vorstellungen verbindet.

Kausal erfordert ein vorher und nachher

Alle kausalen Verbindungen, die wir finden können, sind auch zeitlich miteinander verknüpft (ebenso übrigens wie räumlich).

Und jedes Phänomen, Ding oder Ereignis, hängt mit anderen Ereignissen zusammen.

Dies ist unsere Art und Weise, die Dinge zu sehen. Wir sehen die Dinge als getrennt (von uns), sie dann doch aber wieder miteinander zu verbinden, durch Kausalität (das eine begründet das andere), ist unsere grundsätzliche Sicht auf die Welt.

Und die Dinge, bzw. die Ereignisse, ordnen wir zeitlich und räumlich ein. Das landläufige Verständnis eines kausalen Zusammenhanges ist dabei, das ein Ereignis ein anderes bedingt, oder sich von einem anderen ableitet.

Die URSACHE für etwas ordnen wir in der Regel vor einem betrachteten Ereignis (Phänomen) ein. Ein  Ereignis, das nach dem betrachteten Ereignis (Phänomen) auftritt, und mit diesem in Zusammenhang steht, würden wir Folge oder Konsequenz nennen.

Kausalität und Zeit – austauschbar

Insofern wird deutlich, dass Kausalität und Zeit miteinander auf das Engste verknüpft sind.

Nicht nur ist Zeit „nötig“, um Kausalität zu formulieren, es ist auch Kausalität „nötig“, für eine Zeitvorstellung. Denn wenn die Ereignisse nicht zusammenhingen (Kausalketten), welche Bedeutung hätte dann Zeit?

Man kann es auch so sehen, dass, wenn wir die Ereignisse nicht in kausalen Zusammenhängen sehen könnten, dann verschwände auch die Vorstellung von Zeit. Wir könnten nicht messen, welche Zeit zwischen zwei einander bedingenden Ereignissen vergeht – wenn wir nicht sehen würden, oder einfach definieren würden, dass zwei Phänomene zusammenhingen. Insofern steht die Zeit in einer Abhängigkeit von der Kausalität. Kausalität verursacht Zeit.

Weiterlesen: Was ist Zeit?

Kausalität als x-te Dimension

So gesehen könnte Kausalität als weitere Dimension unserer Welt gelten – neben Zeit und Raum die Kausalität, die gewissermaßen ein weiteres Element der Bühne ist, die unser Leben möglich macht.

Grafik

In der Grafik unten wurde der Zusammenhang von Kausalität und Zeit aufgezeigt. Die Vorstellung von der Zeit ist einerseits, dass sie in einem einzigen Strom und in einer einzigen Richtung von der Vergangenheit in die Zukunft fließt.

Was ist kausal? Kausalität - Zeit - Wahrheit - Wahrscheinlichkeit

Und von der Kausalität ist das ja auch die einfachste und gängigste Vorstellung, wie sie bereits in unserer Sprache zum Ausdruck kommt: alles hat eine Ursache.

Ähnliches Thema: Die semantische Natur der Dinge

Tatsächlich aber, und das ist uns widersprüchlich, wissen wir ja eigentlich, dass es keine eindeutigen kausalen Beziehungen gibt. Denn jedes Ding hat mindestens mit vielem zu tun, wenn nicht gar mit allem. Dass wir etwas herauspicken, und daraus eine eindeutige kausale Beziehung machen wollen, darf man Willkür nennen. Vielleicht könnte man auch: Zufalls. Denn dass wir bestimmte kausale Zusammenhänge finden müssen, ist nicht richtig.

Eine andere Weise, dieses Nicht-unbedingt-Zusammenhängen zu verstehen ist, sich begreiflich zu machen, dass wir mit dem Finden von kausalen Zusammenhängen nicht fertig werden können – sie sind uns immer unendlich. Das bedeutet, es gibt keine eindeutige kausale Relation. Denn wenn wir mit dem Bilden kausaler Zusammenhänge nicht fertig werden können, wissen wir nie, ob ein gefundener kausaler Zusammenhang im materialistisch-eindeutigen Verständnis der „richtige“ ist…

Auch das kleinste Ding hat seine Wurzel in der Unendlichkeit, ist also nicht völlig zu ergründen.
Wilhelm Busch

Fazit: was bedeutet kausal?

Was also meint das Wort „kausal“? Es ist die Vorstellung, dass alles, jedes Ereignis, jedes Ding, mit etwas anderem zusammenhängt. Das Eine begründet das andere.

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Das eine kann nicht das andere sein. Das eine kann nicht ohne das andere sein.

 

Die uns eigentlich recht offensichtliche Tatsache, dass alles mit allem zusammenhängt, ist uns im materialistischen Verständnis rätselhaft, denn die Welt, wie wir sie kennen, erscheint in dieser Sichtweise als nicht eindeutig. Denn wir nehmen ja an (und das ist das Wesen des materialistischen Weltbildes), dass es für alles einen Grund gibt.

Aus spirealistischer Sicht „gibt“ es keine Kausalketten in einem Außen – sondern auch das sind Vorstellungen eines umfassenden (kosmischen Geistes).

Die Vorstellung, die Welt sei aus eindeutigen kausalen Zusammenhängen geschaffen, tritt nur an einem Ort auf: einem Ich Universum, d.h. einem Bewusstsein. Es ist EINS – und kann als solches immer nur einen Zusammenhang sehen. Ein solches „Ich-Universum“ bildet sich auch in einem dem Individuum übergeordneten Maßstab siehe Supersubjektivität. Das Denken über die Dinge, und die Dinge selbst, sind im Spirealismus ein- und dasselbe.

 

 

Ähnliches Thema: Beitrag Alles und Nichts – kann das Alles zugleich das Nichts sein?

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Was heißt kausal? Kausalität und Zeit was last modified: Juni 27th, 2016 by Henrik Geyer