Ich – Universum. Die subjektive Welt als die einzig „vorhandene“ Welt

Spruchbild: Ich Universum und Ich Universen: "Ich Universum" ist ein Begriff des Spirealismus. Ein Ich-Universum ist das All (das Alles) des individuellen Begreifens.

In meiner Philosophie, dem Spirealismus, ist oft die Rede von einem Ich-Universum. Ich möchte in diesem Artikel kurz umreißen, worum es dabei geht.

Es gibt keine Objektivität

Der erste Grundsatz des Spirealismus ist, dass es keine Objektivität gibt.
Objektivität – verstanden als die materialistische Vorstellung einer Außenwelt, die vollkommen definiert, schon „da“ sei. Sondern der Spirealismus erklärt, dass es nur das Subjektive gibt, über das man reden kann.

Um sich das vorzustellen hilft es vielleicht, sich Descartes „Ich denke, also bin ich“ ins Gedächtnis zu rufen (wohlgemerkt: Descartes war beileibe kein Spirealist, jedoch ist sein berühmt gewordener Satz wohlverstanden die Aussage, dass als „Urgrund“ allen Seins und allen Folgerns der Gedanke selbst gesehen werden muss – nicht das Denken an ETWAS).

Siehe auch: Beitrag Die Ontologie des Spirealismus

Man denke auch an Kants vergebliche Suche nach dem Ding „an sich“ – auch hier blieb die Suche nach der vom Betrachter unabhängigen Außenwelt vergeblich.

Schließlich bleibt noch die Überlegung, dass jede Aussage, dies oder jenes sei objektiv, immer von einem Subjekt gemacht wird – also subjektiv ist. Wo wohl ist dann das Objektive?

Der Spirealismus sieht es so: Schließen sich mehrere Beobachter zusammen und machen eine Aussage, nennt der Spirealismus dies „supersubjektiv“ – wieder nicht objektiv, sondern subjektiv, auf einer anderen Ebene.

Es bleiben die subjektiven Welten – die Ich-Universen

Alles, was das Ich über das Universum sagen kann, kann nur den ihm selbst zugänglichen Gedanken entspringen . So gesehen ist jedes gedachte Universum von jedem anderen verschieden. Nur gedacht? Nein, nicht „nur“ …. Der Spirealismus sieht das Denken als das Zentrale, das Wichtige. Zu sagen, etwas wäre „nur“ gedacht, ist die Umkehrung der tatsächlichen Verhältnisse. Denn die Existenz ist Geist. Über etwas anderes reden zu wollen, als die Dinge, so wie sie im Denken existieren, hat keinen Sinn. Denken und Sein sind ein- und dasselbe.

Die Universen existieren immer im Denken, jenseits davon gibt es kein Universum

Das bedeutet wieder, dass es nichts Objektives gibt. Die Universen, die sich individuell ausdrücken, sind voneinander verschieden, uneindeutig, einzigartig. Universum hier als die Gesamtheit der Dinge, die ein subjektives Denken erfasst.

 

Im Individuum ist die Vorstellung eines Universums einzigartig. Man stelle sich vor, dass es demzufolge weder in irgendeinem Individuum ein „richtiges“, vollständiges Universum gibt, noch in der Gesamtheit aller Individuen. Warum nicht in der Gesamtheit der Individuen? Weil die Frage nach der Gesamtheit der Individuen die Frage nach dem Universum ist. Sie führt nicht weiter. Wer kennt alle Individuen, wüsste, was sie im Kopf haben, etc.?

Auch nicht, wenn man das vermeintlich objektive Außen untersuchen will, wird man Eindeutigkeit finden, siehe wiederum Kant… Wo ist es also, das Universum? Wer hat das Ganze? Wer hat das „richtige“ Universum… im Kopf, im Denken? Und … wer wiederum will etwas sagen über Dinge, die angeblich jenseits der Gedanken existieren sollen?

Die Sichtweise des Spirealismus: Niemand kann das. Das „richtige“ Universum gibt es nicht. Es macht keinen Sinn von der Existenz von etwas zu reden, das nicht beweisbar ist, und dabei die Tatsache zu ignorieren, nur weil das besser in das allgegenwärtige weltanschauliche Konzept des Materialismus passt, das etwas anderes sehr wohl beweisbar ist: der Gedanke. Indem er ist.

Verbunden mit dieser Einsicht ist die Feststellung, dass die fehlende Erkenntnisfähigkeit im Grundsätzlichen bzw. Objektiven, aus systematischen Gründen niemals änderbar ist. „Das“ Universum ist nicht objektiv erkennbar (zumal es in dieser Form nicht existiert) – das kann sich nie ändern. Und was für das Universum gilt, gilt für jedes Ding, das wir (wie wir nur glauben) „vor uns“ haben.

Kurz: Wir alle haben die Welten unserer Ich-Universen vor uns. „Das“ Universum (in der Einzahl, ein einziges) im eigentlichen Sinne gibt es nicht, sondern „nur“ die Universen der individuellen Sichtweise.

Ähnliches Thema: Das Äußerliche (die Dinge) versus das „nur Gedachte“. Gedanken zu Existenzialismus

Überwindung des materialistischen Weltbildes

Dies meint der Spirealismus aber nicht als eine feine Verschiedenheit der Formulierung, was unser Begreifen dann doch wieder zu der Vorstellung der einen Welt zurückführen würde.

Sondern gemeint ist tatsächlich ein Nichtvorhandensein einer Welt außerhalb des individuellen Begreifens – und umgekehrt: ein Vorhandensein vieler Welten, im Individuellen.

Letztlich ist dies auch die Konsequenz der Feststellung: „Die Welt ist die Welt unserer Gedanken“ – ganz ähnlich formulierte der Philosoph Schopenhauer : „Die Welt als Wille und Vorstellung“.

 

Aus dem grundsätzlich vom Materialismus verschiedenen Weltbild, dem Spirealismus, der die Existenz von Ich-Universen proklamiert, ergeben sich tiefgreifende Folgerungen und Grundsätze.

Beispielsweise den, dass es nichts gibt, das vom Blick des Beobachters unabhängig wäre. Außerdem ist eine andere Vorstellung von „Existenz“ damit verbunden, und weiterhin ein völlig anderes Menschenbild, als wir es derzeit haben.

Es verschwindet der Mensch als Krone der Schöpfung und Genie der Natur, der die Prozesse von außen sieht und im Geist spiegelt. Sondern im Spirealismus geht der Mensch aus Geist hervor,  Geist umgibt und verbindet ihn, mit allem was ist. Denken, das ist jedes Ding, das wir sehen, und von dem wir in Wirklichkeit nicht getrennt sind. Wir sind ein Gedanke des Schöpfers; nicht wir sind es, die in Gedanken die Schöpfung erfassen.

Es ist ein altes hermetisches Prinzip: Alles ist Geist.

Das Ich-Universum als Sichtweise und als Brille

Ein Ich-Universum ist also das All (das Alles) des individuellen Begreifens. Das individuelle Begreifen wiederum ist es, das uns jeden Blick auf „das Andere“ wie durch eine Brille werfen lässt. Es gibt nichts, was von einer subjektiven Sichtweise, einer individuellen Brille,  unabhängig wäre.

So gesehen könnte man auch sagen, dass das Universum, und das Ich, ein- und dasselbe ist. Denn das, was die Welt für das Ich ist, und das Ich selbst, stehen in enger Verbindung. Sie entstehen aus der Relation zueinander. Das Ich definiert sich aus den Dingen, die es um sich herum wahrnimmt. Und durch sein Sehen definiert es „das Andere“ mit.
Jeder Gedanke den wir denken ist keine Spiegelung einer außerhalb von uns liegenden Welt, sondern formt unsere Welt.

 

Zitat: Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.
Ludwig Wittgenstein

Siehe auch: Artikel Änderung der Denkweise als Neu-Definition eines Bausteinchens des Universums

Ich – Universum. Die subjektive Welt als die einzig „vorhandene“ Welt was last modified: Mai 30th, 2017 by Henrik Geyer

Religion und Spiritualität – was ist der Unterschied?

Religion und Spiritualität

Für mich überraschend habe ich festgestellt, dass es Menschen gibt, die Religion und Spiritualität strikt voneinander trennen.

Ist man nicht religiös, wenn man spirituell ist? Ist man nicht spirituell, wenn man religiös ist?

Religion ist eine Form von Spiritualität

Meine Aussage ist ganz klar: Religion ist eine Form der Spiritualität. Man sehe sich an, welche Werte spirituelle Menschen suchen und vertreten, und welche Werte religiöse Menschen suchen und vertreten.

Spiritualität ist ein sehr allgemeiner Begriff, der viele mögliche Denkrichtungen umfasst. Man kann aber getrost sagen, dass Religion eine konkrete Form von Spiritualität ist. Mehr noch – was heute als Spiritualität praktiziert wird, ist ohne Religion nicht denkbar, denn die diversen Formen von Spiritualität kommen nicht ohne die so wichtigen religiösen Weisheiten aus. Sind doch diverse Denkrichtungen, wie zum Beispiel die Prinzipien der Hermetik (die wohl, das wird niemand bestreiten, spirituell sind), Abkömmlinge des Biblisch-Religiösen.

Biblische Lehren wiederum sind, so die Meinung vieler Religionswissenschaftler, eine Form buddhistischer bzw. hinduistischer Lehren – in eine neue Form gebracht.

Was will Religiosität, was will Spiritualität?

Religion und Spiritualität eint zunächst einmal der Versuch, eine Verbindung zum Höheren herzustellen. In Religionen heißt das Höhere „Gott“. In den diversen spirituellen Lehren heißt das Höhere oft „das Selbst“, „das höhere Selbst“, „die Natur“, „der Kosmos“, oder es werden Naturgötter wieder – und neu belebt.

Grundauffassung und Ziel sind bei Religion und Spiritualität gleich:

  • es gibt das Höhere
  • man möchte die wirkliche Wahrheit erkennen – und sie liegt nicht im offensichtlich Sichtbaren
  • man möchte aus der Verbindung mit dem Höheren Nutzen ziehen
  • die Erkenntnis: es kommt auf das Denken an / der Glaube erschafft

was unterscheidet Religion und Spiritualität?

Diejenigen, die einen fundamentalen Unterschied herbeidenken, sagen oft, Religion und Spiritualität unterschieden sich durch den Glauben – Religion sei „lediglich Glaube“ – offenbar im Unterschied zu Spiritualität.

Wissen vs Glauben

Aber kann man sagen, dass das Denken der spirituellen Menschen auf Wissen basiert, im Gegensatz zu Religion? Nein. Religiöser Glaube ist Wissen. Wäre er „irgendein unbewiesener Unfug“, so wie Diejenigen meinen, die einen Unterschied zwischen Wissen und Glauben herbeidefinieren, dann hätte er keinerlei Macht. Glaube hat aber Macht. Um die Macht des Glaubens geht es in jeder Religion, in jeder Weisheitslehre. Und die Macht des Glaubens ist es auch, die den Anhängern jeglicher spirituellen Lehre das eigene Denken wie das einzig mögliche Denken erscheinen lässt.

Es ist nur eine wahre Religion, aber es kann vielerlei Arten des Glaubens geben.
Immanuel Kant

Religion wird vermischt mit Institutionen

Religion hat für einige einen recht negativen Beigeschmack.  Wenn von Religion die Rede ist, denken sie an historische Ungerechtigkeiten, an Glaubenskrieg, oder an Kirchensteuer. Im Gegensatz zum Christentum haben viele spirituelle Lehren keine irdische Institution, so dass der Eindruck entsteht, das Spirituelle sei (im Gegensatz zum Religiösen) prinzipiell fehlerfrei.

Doch man bedenke: Das Höhere, wie auch immer man es definiert, hat nichts mit unseren irdischen Kriegen, nichts mit unseren Irrtümern, nichts mit Steuern zu tun. Hier wird etwas auf unzulässige Weise vermischt.

Gott oder nicht Gott

Viele Spirituelle stören sich am  Vorhandensein von Gott in der Religion, während sie selbst meinen, ohne Gott auszukommen. Das wiederum ist ihnen Beweis für ein Wissen, das sie selbst haben, gegenüber (dummem Wunder-)Glauben der anderen. Wir sprachen bereits davon.

Wenn man hingegen die Begriffe der Spirituellen für das Höhere, welche es auch sind, als eine Variante des Wortes „Gott“ sieht, kann man die Gleichartigkeit beider Bereiche besser erkennen.

Das Wichtige ist das Zur-Kenntnis-Nehmen von etwas, das größer ist, als das Ich des Menschen. Welchen Namen man dem gibt, ist hingegen weniger wichtig. Weniger wichtig sind auch die konkreten Formeln der Aussagen und Gedanken, mit denen man das Höhere denkt.

Der wahre Gegensatz

Den wirklichen und grundsätzlichen Unterschied sehe ich nicht in der Unterscheidung zwischen Religion und Spiritualität, sondern zwischen spirituellen Denkrichtungen (darunter auch Religion) und Materialismus. Denn dort hält sich, wenn auch verklausuliert, der Mensch selbst für das Höchste.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Religion und Spiritualität – was ist der Unterschied? was last modified: Dezember 22nd, 2015 by Henrik Geyer

Vorurteile und Urteile. Was sind Vorurteile?

Vorurteile und Urteile. Was ist ein Vorurteil?

Was sind Vorurteile? Ein Vorurteil ist ein Urteil, das vorschnell ergeht, und für das somit die Vermutung besteht, dass es falsch ist.
Oder es ist bereits falsch, wenn es ausgesprochen wird.

Generaltugend Gerechtigkeit

Eine der vier klassischen Kardinaltugenden ist die Gerechtigkeit. Gerechtigkeit erfordert ein Urteil, denn zu sagen, etwas sei Recht oder Unrecht erfordert eine Beurteilung.

Aus Urteilen erwachsen Vorurteile

Ohne Beurteilung keine Gerechtigkeit, aber durch das Beurteilen entsteht die Gefahr, vorzuverurteilen.

Gerechtigkeit wird sehr schnell zur Selbst-Gerechtigkeit. Das Urteil wird sehr schnell zum Vorurteil.

Bibelzitat: Als eine Frau, die des Ehebruchs überführt war, gesteinigt werden sollte, trat Jesus dazwischen und sagte: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein“ (Joh 8,7). Dazu muss gesagt werden, dass damals die Steinigung (eine Todesstrafe, bei der der Tod durch das Werfen von Steinen herbeigeführt wird) die anerkannte Form der Gerechtigkeit in einem solchen Fall von Rechtsbruch war. So ist es in manchen Teilen der Welt auch heute noch.

Und dennoch forderte Jesus die Leute auf, zuerst an sich selbst und die eigenen Sünden zu denken, bevor sie das Recht im Außen durchsetzen.

Man denke auch an den Ausspruch Jesu (als jemand einen anderen kritisiert hatte): „Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem eigenen Auge; darnach erst siehe zu, wie du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst!“ Matthaeus 7:5

Zurückhaltend sein im Urteilen

Aus einer Generaltugend wie Gerechtigkeit wird sehr schnell Sünde – die Sünde vorzuverurteilen.

Daher ist die Generaltugend der Gerechtigkeit verbunden mit der Aristotelischen Auffassung von Tugend – als ein Beachten des rechten Maßes. Mäßigung in allem – das ist die Hauptforderung in einem gelungenen Leben. Mäßigung – das ist die Forderung, auch im Urteilen mäßig zu sein, und sich der Tatsache bewusst zu sein, dass Urteilen sehr schnell zum Vorverurteilen wird.

Unser Leben besteht aus Urteilen

Gleichzeitig müssen wir uns darüber klar sein, dass wir ohne das Beurteilen von richtig und falsch, von gut und böse, von wahr und unwahr, nicht auskommen. Diese Begriffe sind unsere Welt, sie sind verbunden mit der menschlichen Vorstellung von Folgerichtigkeit. Wir können also unsere Vorsicht gegen über vorschnellem Urteilen nie so weit treiben, dass wir ganz ohne Urteile auskommen könnten.

Wir Menschen sind nicht Gott, der ganz ohne Urteile auskäme. Wir müssen urteilen und sind stets in der Gefahr des Vorurteils. Umso wichtiger ist Vorsicht im Urteilen, und zu versuchen, stets das rechte Maß zu wahren.

Vorurteile und Urteile. Was sind Vorurteile? was last modified: Dezember 19th, 2015 by Henrik Geyer

Wirklichkeit – was ist das?

Wirklichkeit
Ich schrieb in einem Internetportal „Unsere Welten formen sich aus dem, was wir als wahr ansehen.“
Mir wurde zurückgeschrieben. Eine Frau schrieb, ob das heiße, man könne die Wirklichkeit beeinflussen?
„Und .. woher kommt das Wollen, das Denken, das Tun? Wo entsteht es? Wo hat es seinen Ursprung? In uns Menschen oder sind wir sowas wie ein „Werkzeug“?
Bin ich als Mensch vielleicht nur diejenige die alles wahrnehmen kann? Das Wollen, denken, tun?
Und egal ob ich all das bewusst wahrnehme oder nicht – es geschieht was geschieht weil es geschehen will/soll?“

Wirklichkeit, was ist das?

Ich antwortete:
„Ja, man kann die Wirklichkeit durch Denken beeinflussen. Das, „was geschieht“, kommt erst durch den Einzelnen in eine individuelle Existenz. „Alles ist Geist“ ist ein Grundprinzip der Hermetik, das ich zur Basis meiner Philosophie machte, und zum Titel eines Buches.
„Alles ist Geist“ zu Ende gedacht bedeutet, man kommt zu einer anderen Vorstellung von „Existenz“ (oder wie Sie sagen, von den Dingen, wie sie geschehen).
Akzeptiert man „Alles ist Geist“, dann akzeptiert man, Teil zu sein von diesem Geist. Teil heißt, man ist nicht Alles. „Teil“ bedeutet auch, der Geist ist nicht in einem, sondern Geist ist überall, und Geist verbindet alles.
Wenn man wiederum nicht Alles ist, dann kann man den Blick auf das Alles, auf das Höhere, nur aus der Position des Teilchens haben. Dann kann man nicht sagen, was den Prozess betreibt. Warum nicht? Weil das Alles aus den Teilchen besteht, deren Teil auch ich bin. Ohne mich wäre das Alles ein wenig anders. Das bedeutet, es gibt keinen endgültigen Begriff für das Alles – außerhalb von mir.
Wie Meister Eckhart einmal sagte: Wenn man sagt, Gott sei dies oder jenes, dann kann man davon ausgehen, dass er DAS jedenfalls nicht ist.

Sind wir in Wirklichkeit ein Werkzeug einer höheren Macht?

 Man sollte auch nicht annehmen, man sei ein Werkzeug von irgendetwas oder irgendwem. Denn das hieße, die eigenen begrenzten Begriffe auf das Alles anzuwenden.
Die Religion benennt das Höhere – es ist Gott. Gott ist unergründlich. In den materialistischen Wissenschaften ist das Entscheidende und der Grund für alles die Materie. Und doch sieht man in einer Art Gottesblick auf sie herab – was uns dann wieder in Vielem rätselhaft ist. Rätselhaft, denn trotz dieses Gottesblickes, aus dem heraus wir an die letztendliche Erkennbarkeit von Allem glauben, bleibt das Unergründliche, das Rätselhafte, das Unendliche. Ich nenne das das Paradox des Materialismus. In jedem Fall ist das, was wir für wahr halten, unsere Welt.

Sichtweise des Spirealismus

Es geht dem Spirealismus nicht so sehr um die Namen, sondern um das Erkennen, nach welchen Prinzipien die Existenz funktioniert. Zu erkennen, dass alles Geist ist, halte ich für äußerst wichtig. Denn dann können die Menschen, kann die Menschheit, mit der Schöpferkraft, die durch sie hindurchgeht, noch bewusster umgehen. Sieht man alles nur im Außen geschehen, dann geschehen die Dinge einfach so.. irgendwie.

Wirklichkeit – was ist das? was last modified: Dezember 19th, 2015 by Henrik Geyer

Die Entstehung der Realität – Bewusstsein erschafft Realität

Die Entstehung der Realität - Bewusstsein erschafft Realität?

Der Materialist weiß, dass die Entstehung der Realität nichts mit dem Bewusstsein zu tun hat. Denn sein Inbegriff von Realität ist ihm ja gerade NICHT Bewusstsein. Sondern das Außen, die Materie – DAS sei die eigentliche Realität. In diesem Beitrag geht es um die Die Entstehung der Realität, und was unser Denken, was unsere Worte, damit zu tun haben. Wenn auf diesem Blog manchmal Worte diskutiert werden, wie das Nichts, oder das Unbewusste, oder das Undenkbare, dann fragt sich so mancher, welche Relevanz das haben soll. Wie kommt jemand, wie kommen Philosophen überhaupt, darauf, die Realität an Worten festmachen zu wollen?

Ich möchte zeigen, dass die Worte, die wir verwenden, eine bestimmte Vorstellung in uns hervorrufen. Und unsere Vorstellungen VON der Realität, und die Realität selbst, sind eins.

Die Entstehung der Realität – in Gedanken und in Worten

Ich schrieb am Anfang: der Materialist weiß, dass die Entstehung der Realität nichts mit Bewusstsein zu tun hat. Woher weiß er das? Es ist einfach seine erlernte Überzeugung. Eine andere Begründung gibt es nicht. Wie ich, und viele vor mir, feststellte (und in meinen Büchern und Beiträgen begründe), lässt sich die Realität letztlich nicht an unabänderlichen Fakten festmachen. Es gibt keine Objektivität. Ebenso wenig und aus demselben Grund lässt sich das Nicht-mehr-weiter-Spaltbare in der Physik finden.

Wenn der Philosoph über die Dinge in der Welt nachdenkt, was sie IM WESEN ausmacht, dann geht es immer um Worte. Warum? Weil wir zwangsläufig mit Worten operieren müssen, wenn wir die Realität denken. Man könnte auch sagen, über die Realität lässt sich nur in Gedanken nachdenken – und die Gedanken drücken wir in Worten aus.

Unser Denken steckt in einem allgemeinen Sinn bereits in den Worten selbst. Dass wir über die Realität nachdenken, das ist materialistisch gedacht. Der Spirealist würde sagen: wir denken die Realität.

Jeder hat ein eigenes Stückchen Realität in sich

Für den Materialisten aber gibt es nur die (eine) Realität – die ist im Außen, und über die müssen alle nachdenken. Doch so ist es nicht. Jeder hat ein ein Stückchen dessen im Kopf, was uns schließlich wie „die Realität“ erscheint. Und jedes Stückchen ist einzigartig.

Einzigartig? Ja! Denken wir einmal an das, was man versteht, wenn man ein Wort hört. Worte sind stellvertretend für das, was wir denken. Ich nenne es auch unsere „Begriffe“, also das, was wir begreifen. Nur so herum gesehen versteht man, dass ein Wort nicht zwangsläufig ein bestimmtes Bild in jedem Kopf entstehen lässt. Es ist ganz anders. Die Begriffe sind IMMER im Detail verschieden. Das ist interessant – weil der Materialist doch annimmt, Worte seien ein gutes Mittel, um die EINE Realität, die im Außen vorhanden sei, zu BESCHREIBEN. Anders herum gedacht, so wie ich es formulierte, klingt es hingegen, als dienten Worte dazu, Realität ENTSTEHEN zu lassen.

Und genau darum geht es mir auch. Dies ist meine Grundüberzeugung, die ich in meiner Philosophie, dem Spirealismus, formuliere. Sie geht davon aus, dass wir abseits dessen, was wir denken, nichts formulieren können – anders gesagt: das Denken ist unsere Welt. ( Schopenhauer formulierte übrigens ähnlich; er schrieb, die Welt sei eine Vorstellung).

Es erscheint dem Materialisten oft wie  selbstverständlich, die Frage nach der Realität als philosophische „Kuriosität“ zu bezeichnen, oder als „Wortspiel“. Was solle man die Realität schon in Frage stellen – sie existiere eben, und zwar jenseits der Gedanken.

Und nun frage ich immer: was ist dann? Offenbar hat „die Realität“ niemand „richtig“, alle haben nur ihre eigene Vorstellung davon. Was ist sie also, jenseits der Vorstellungen?

 

Damit soll gesagt sein: Die Frage nach der Realität  ist sehr wichtig, es geht um ihre Entstehung. Dies „Wortspiel“ zu nennen, diskreditiert die Frage. Allerdings „nur“ aus materialistischer Sicht. Im Grunde ist der Begriff „Wortspiel“ nicht völlig falsch, weil unsere Realität die Gedanken sind. Mithin ist die Realität auch abhängig von Worten.

Aber unbestreitbar ist doch, dass es nach herkömmlicher Auffassung wohl nichts Wichtigeres gibt, als die Realität. Also sollte man sich auch einmal mit grundlegenden Fragen zu ihr beschäftigen. Wenn die Realität ein Wortspiel ist, dann lohnt es sich, dieses Spiel zu spielen – und darüber nachzudenken.

Bewusstsein erschafft die Realität – denken wir uns die Welt aus?

Nun könnte man auf den Gedanken kommen, dass Bewusstsein die Realität sozusagen „erfindet“. Das wird mir manchmal als Gegenargument präsentiert – das könne ja wohl nicht sein. Und man muss sagen: Das ist auch tatsächlich schwer zu denken, wenn man auf dem materialistischen Weltbild aufbaut, denn es kollidiert (wieder!) mit dessen Grundüberzeugung – der Mensch würde eine äußerliche Realität „abbilden“.  Diese Vorstellung verbindet sich mit willenhaftem Nachgrübeln und „Erfinden“.

Meine Antwort darauf ist: Erstens kann man sich seine Welt tatsächlich herbeidenken, und jeder tut es bereits. Dass die meisten dennoch glauben, selbst der Hort und das Zentrum der einen Realität zu sein, das sich also nahezu jeder gern als „Realisten“ bezeichnet, das ist eine ganz andere Frage.

Aber zweitens ist die Entstehung der Realität durch „freies Herbeidenken“ oder „Ausdenken“ offenbar begrenzt. Aber die Annahme, dass das denken völlig frei sei, ist ja auch wiederum mit der materialistischen Vorstellungswelt verbunden (ein freier Geist beobachtet die Materie). Der Spirealismus hingegen, dessen Grundüberlegung ist: „Die Gedanken sind die Realität“ sieht dagegen aus dieser Grundvoraussetzung die Notwendigkeit vieler Folgerungen entstehen, die dem materialistischen Weltbild völlig widersprechen. Ein Beispiel: es ist unter spirealistischen Gesichtspunkten ganz offensichtlich falsch, von einem „freien Geist“ auszugehen. Allein, wenn man sich fragt: Frei wovon, wenn der Geist doch nichts abbildet, sondern selbst Ausdruck dessen ist, was er nur abzubilden glaubt?

Das Bewusstsein (unser Bewusstsein) selbst wird aus Geist geschaffen, allerdings aus einem Prinzip, das „unserem“ Bewusstsein übergeordnet ist. Das bedeutet, dass die Entstehung der Realität aus „unserem“ Geist so nicht stimmt. Der Geist.. das sind eben nicht (nur) wir einzelnen Menschen – sondern alles ist Geist.

Die Entstehung der Realität – Bewusstsein erschafft Realität was last modified: Dezember 10th, 2015 by Henrik Geyer

spirituell sein – wie geht das?

hhtp:// spireo.de: spirituell - was ist das?

Spirituell – der Begriff

Spiritualität bedeutet „Geistigkeit“. In einem allgemeinen Sinn erscheint das Wort „spirituell“ ein wenig unscharf – was besagt es eigentlich? Ist denn nun „spirituell“ mit „religiös“ gleichzusetzen? Oder bedeutet Geistigkeit vielleicht Intellektualität – sind also Intellektuelle, also Geistesarbeiter, auch gleich spirituell?

Ich habe von dem Begriff Geistigkeit eine etwas spezielle Auffassung, die ich kurz erläutern möchte.

Spirituell sein ist ein Für-wahr-Halten der Gedanken

Spiritualität ist für mich ein Für-wahr-Halten der Gedanken, ein „Beachten der inneren Wahrheit“, wie ich es nenne.
Es ist die Eigenschaft dieser inneren Wahrheit, dass sie sich nicht mit Notwendigkeit im Außen zeigt, und daher oft einfach nur im Innen wahrzunehmen ist.

Das bedeutet gleichzeitig eine enge Verbindung zur Schöpfung, und die Wahrnehmung, dass die Entstehung der Schöpfung aus dem Selbst, und durch das Selbst, geschieht.

Siehe auch Artikel zum Thema : Was ist Gott? 

Sich der eigenen, inneren Wahrheit, zuzuwenden, bedeutet gleichzeitig, sich zumindest ein Stück weit von den äußerlichen Wahrheiten zu entfernen. Menschen, die auf das Äußerliche fixiert sind, erscheint eine solche Geisteshaltung oft merkwürdig, oder weltfremd, manchmal auch weise. Jedenfalls ist es für sie nicht offensichtlich, woher solche spirituellen Gedanken und Einstellungen wohl kommen mögen, entstammen sie doch nicht der „beweisbaren“ äußerlichen Welt, die man auch als eine „Konsens-Welt“ bezeichnen könnte.

Siehe auch Artikel zum Thema : Spiritualität

Spiritualität als realer Faktor

Gleichwohl ist doch Spiritualität ein nicht wegzudenkender, realer Faktor in der Gesellschaft. Selbst wenn man der Meinung ist, dass es nur das geben kann, was im „Außen zu sehen“ ist, ist doch die Existenz sehr vieler spiritueller Menschen sehr wohl im Außen zu sehen. Und damit ist Geistigkeit ein realer Faktor – ebenso real wie die Bäume am Straßenrand.

Der Nutzen der Spiritualität

Dieser realen Existenz des Spirituellen verdankt das Spirituelle seine Funktionalität, nicht etwa einer unbegründbaren Irrationalität, wie das oft Materialisten sehen. Soviel sich die Menschen gegenseitig beweisen, was es geben kann, und was nicht, bleiben sie doch immer nur innerhalb der Grenzen des eigenen Denkens – und das Unbekannte, die letztendlich rätselhafte Unschärfe der Realität, die sie vor sich  haben, bleibt. Denken wir nur an die weitgehend offenen Fragen zu Entstehung des Bewusstseins, Tod, Wiedergeburt, Sinn und Ziel des Universums, etc.. Und daraus resultiert der unbestreitbare Nutzen von Spiritualität, den der Einzelne mal mehr, mal weniger für sich erkennt.

Vielfalt des Spirituell-Seins

Wenn man Geistigkeit als ein Für-wahr-halten-der-Gedanken sieht, dann ist damit auch gesagt, dass es viele Formen und Möglichkeiten gibt, spirituell zu sein. Gemeinsam ist diesen Formen die Konzentration, und der Versuch, die Gedanken einen bestimmten Weg nehmen zu lassen.

Wer das versucht, bemerkt, dass es gar nicht so einfach ist, die Gedanken zu beeinflussen. „Es denkt“ sagte Nietzsche. Die Gedanken – sie sind der unendliche Quell unserer Realität – und dieser Quell sprudelt nur aus sich heraus. Darauf Einfluss zu nehmen bedeutet, das ultimative Werkzeug des Menschen – sein Denken – als solches zu erkennen und nutzbar zu machen.

Die vielen Formen des Spirituellen sind denn auch nahezu immer eine Form von Konzentration – wie etwa Yoga, das Gebet, Kontemplation, das Ruhen-Lassen der Gedanken..

Siehe auch Artikel zum Thema: Symbolismus – was ist das? Symbolhaftes Denken

spirituell sein – wie geht das? was last modified: Februar 9th, 2016 by Henrik Geyer

Glaube vs wissenschaftliches Wissen. Was ist Glaube?

http://Spireo.de: Glaube vs wissenschaftliches Wissen. Was ist Glaube?

Das Problem

Sowohl sehr materialistische Naturwissenschaftler wie auch religiöse Fanatiker verstehen sich selbst als Inhaber einer unbestreitbaren Wahrheit. Der eine nennt sein Wissen fundiert, bewiesen, und unbestreitbar, der andere nennt sein Wissen „Glaube“, und es ist für ihn ebenfalls fundiert, bewiesen und unbestreitbar.

Was ist nun richtig? Was ist die Wahrheit? Was ist tatsächlich unbestreitbar?

Unsere Realität ist das, was wir für wahr halten.

Wie der Leser dieses Artikels in diesem Moment wahrnehmen wird, neigt er der einen oder anderen Überzeugung zu. Das, was er in diesem Moment für wahr hält, ist seine innere Wahrheit. Die Überzeugung des Lesers, die Dinge seien so oder so sind selbst das Fundament seiner Realität.

Und dies ist der Punkt, auf den ich in diesem kurzen Beitrag hinaus will.

Es gibt eine innere Wahrheit

Es ist für den Naturwissenschaftler nicht nachvollziehbar, dass es Menschen gibt, die sozusagen ganz bewusst einer inneren Wahrheit folgen, die im Außen nicht nachweisbar ist. Die diese Wahrheit formen, kultivieren, beachten.

Und es ist umgekehrt für den Gläubigen nicht nachvollziehbar, dass Menschen auf der Suche nach Wahrheit nur in das Außen schauen.

Jedoch ist das eigentliche Kriterium zur Beurteilung der Wahrheit für das Individuum immer die individuelle Wahrheit, die ich eben auch oft „innere Wahrheit“ nenne. Also das, was ich in dem Abschnitt „Unsere Realität ist das, was wir für wahr halten“, beschrieb. Die innere Wahrheit kann fast jede Form annehmen. Und das, was man als „die äußere Wahrheit“ bezeichnen könnte, ist im Grunde eine kommunikative Übereinkunft.

Glaube ist Wissen

Daher ist auch Glaube Wissen. Religiöser Glaube, von dem der Materialist annimmt, dieser sei irrational, dumm, unbewiesen, ist ein Wissen des Gläubigen. Bewiesenes Wissen. Wäre es das, was der Materialist annimmt, nämlich ein Nicht-genau-Wissen, dann hätte der Glaube für den Gläubigen keine Bedeutung.

Spirealistische Sicht der Dinge

Der Spirealismus sieht die Realität in Gedanken entstehen. Die Gedanken – hier allerdings verstanden als ein umfassendes Prinzip, das den Menschen hervorbringt und umschließt, nicht etwa dessen Vorstellung von „seinen“ Gedanken, die er nur selbst denkt, selbst erdenkt, selbst erfindet. Sondern Gedanken, die aus sich heraus Existenz schaffen (Descartes: „Ich denke also bin ich“) und deren Existenz wir als das Ich erleben, das wir selbst nicht erfinden, uns aber zurechnen (Nietzsche: „Es denkt“)

Daher ist es einer der Grundsätze des Spirealismus zu sagen, dass die Realität das ist, was wir dafür halten. Man kann auch sagen, das, was wir für wahr halten. Einen grundsätzlichen Unterschied gibt es zwischen Wissen und religiösem Glauben nicht.

 

Der Vorteil des (spirituellen) Glaubens ist aber, dass der Gläubige, oder sagen wir, der Spirituelle, besser versteht, dass sich die Realität aus Gedanken entwickelt – und dass man dieses (für den Menschen äußerst wichtige!) Prinzip in einem Außen schwerlich nachweisen kann. Es sei denn, man würde verstehen, dass die Realität IN einem Individuum selbst eine Realität ist – während man ja gemeinhin davon spricht, dies sei nur ein Glaube, der von „der Realität“ zu unterscheiden ist.

 

 

 

 

Glaube vs wissenschaftliches Wissen. Was ist Glaube? was last modified: November 28th, 2015 by Henrik Geyer

Definition der Freiheit. Ist Freiheit immer die Freiheit der Andersdenkenden?

Definition der Freiheit: Eure Freiheit, vergesst es nicht, taugt gerade so viel, als ihr taugt.

Das Problem

Jüngste Terrorakte (in Paris) werden als Angriff auf die Freiheit verstanden. Wenn wir unser Leben ändern müssen, wenn wir uns nicht mehr so frei bewegen können, dann ist unsere Freiheit eingeschränkt. Jedenfalls die Definition der Freiheit, so wie wir sie verstehen – als eine Offenheit und Freizügigkeit der Gesellschaft.

Das Problem ist, dass gerade unsere Auffassung von Freiheit, dass man bis zu einem gewissen Grad alles tun und sagen darf, die Freiheit zu bedrohen scheint. Denn es gibt Menschen, die das ausnutzen, unsere Grenzen übertreten, und dennoch nicht belangt werden können. Denn einer unserer ganz wichtigen Leitsätze ist:

Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden. Rosa Luxemburg

 Freiheit der Definition. Definition der Freiheit.

Es lohnt sich, ein wenig über die Freiheit nachzudenken – wie man sie definiert, was sie ist, wie sie in die Welt kommt.

Ich schrieb einmal einen Beitrag darüber, dass die Gedanken nicht so frei sein dürfen, dass sich Gedanken des Hasses überall ausdrücken und äußern lassen. Denn jede böse Tat, jeder Akt des Unfriedens, äußert sich zuerst als Gedanke. Wir sind wehrlos, wenn wir jeden Gedanken zulassen. Ein Herr schrieb mir daraufhin: „Die Freiheit ist niemals wehrlos dem Hass gegenüber. In ihr (der Freiheit) liegt die eigentliche Stärke, immer und überall allem zu widerstehen.“

Ich fragte: „Sich wehren können bedeutet Einhalt gebieten. Darf man Menschen in ihren Gedanken Einhalt gebieten? Ist die Freiheit wehrlos, wenn man diese Frage nicht beantworten kann? Denn, Hass ist nichts weiter als Gedanken in Menschen.“

Die Freiheit ist ein Gedanke in uns.

Die Freiheit ist ein Gedanke – ebenso wie der Hass.
Wenn wir die Freiheit nicht klar denken, hat sie auch keine Kraft. Der Gedanke der Freiheit kann keine Kraft haben, wenn wir unsere Gedanken verwirren, mit Aussagen wie: Die Freiheit habe immer Kraft, oder sei immer frei. Daher stimmt für mich auch nicht der Satz, die Freiheit sei immer die Freiheit der Andersdenkenden. Immer? Auch die Freiheit der Andersdenkenden muss enden.  Oder sind Hassprediger vielleicht keine Andersdenkende, deren Freiheit enden muss? Hätte Hitler heute alle Freiheit, weil er ein Andersdenkender ist?
An dem berühmten Zitat Rosa Luxemburgs stimmt natürlich auch so manches. sie war zweifellos eine kluge Frau – und ihr lag die Freiheit im besten Sinn wirklich am Herzen. Gerade an dem Luxemburg-Zitat sieht man, dass die Aussage eines Satzes zu verschiedenen Zeiten ganz verschieden aufgefasst werden kann, selbst wenn die Worte gleich bleiben. Aber all das zu erörtern muss einem anderen Beitrag vorbehalten bleiben. Wenn wir von unserer Freiheit reden, die wir schützen wollen – wogegen wollen wir sie schützen, wenn nicht gegen die Angriffe von … anderen? Von Andersdenkenden?

Definition der Freiheit – schwierig und nie pauschal

Pauschale Aussagen sind beliebt, sie sind so einfach, und scheinen dadurch Macht zu haben. Doch sie nehmen auch Kraft und verwirren. Nur wenn wir klug definieren, genau überlegen, erhalten wir Gedanken von einigem Wert.

Eure Freiheit, vergesst es nicht, taugt gerade so viel, als ihr taugt. (A. Vinet)

Leider ist es so – wir werden nie aufhören uns darum zu streiten, welche Definition von Freiheit denn „klug“ ist. Dennoch ist es eine Überlegung von einigem Wert, wenn man begreift, dass Freiheit nichts anderes ist, als unser Verständnis von ihr, und dass es auf den Streit um dieses Verständnis eben ankommt.

Nichts ist „immer“ und auch die Freiheit hat nicht als bloßes Wort Kraft. Sie hat Kraft, wenn wir sie richtig denken – nur durch uns kommt sie in die Welt. Das bedeutet, welche Freiheit wir haben, hängt von unserer Definition der Freiheit ab, wie klug und wie scharf wir sie denken können.

Freiheit hängt somit auch von Abgrenzung ab, denn Freiheit bedeutet gerade nicht, jeden brutalen und hässlichen Gedanken frei sein zu lassen. Die Freiheit verschwindet, wenn man sie nicht gegen Andersdenkende verteidigt.

 

Definition der Freiheit. Ist Freiheit immer die Freiheit der Andersdenkenden? was last modified: November 30th, 2015 by Henrik Geyer

Was ist Phantasie? Ist Phantasieren nötig – oder nur Spinnerei?

Phantasie & Einstein - Einstein/Münchhausen - Ritt auf der Photonen-Kugel. Was ist Phantasie? Was ist Inspiration?

Phantasie, landläufig verstanden, ist …

… das „Nicht-Wirkliche“. Das, was nur im Kopf existiert. Mit „Phantasie“ ist gleichzeitig die Fähigkeit gemeint, etwas nicht Existierendes im Kopf entstehen zu lassen, oder sich etwas Existierendes, das man aber nicht vor Augen  hat, vorzustellen. Phantasie kommt lt. Wikipedia von altgriechisch φαντασία phantasía – „Erscheinung“, „Vorstellung“, „Traumgesicht“, „Gespenst“

Wozu ist Phantasie gut?

Ist Phantasie nur wichtig für die Autoren von Penny-Romanen, für Spiele-Entwickler und sonstige Arbeiter der Unterhaltungsindustrie, während die ernsthafte Forschung sich nicht um Phantasie schert, weil es für sie ausschließlich um das Arbeiten mit Fakten, mit richtigen Prognosen, Statistik etc., geht?

Nein. Ein vielsagendes Beispiel mögen die Überlegungen Albert Einsteins zu dessen Relativitätstheorie sein. Seine Relativitätstheorie kam nach Einsteins Worten durch recht ungewöhnliche und phantasievolle Überlegungen zu Stande – etwa der Art: Einstein stellte sich vor, selbst auf einem Lichtteilchen, einem Photon, zu reiten. Und er fragte sich, wie ihm die ihn umgebende Welt dann vorkommen müsse. Beispielsweise stellte er sich vor, auf diesem Photon reitend, eine Taschenlampe, die er in Flugrichtung hielte, einzuschalten. Wie würde er die Photonen, die der Taschenlampe entströmen, sehen? Würden sie wie fest gefroren im Raum hängen?

Einstein sagte „nein“. Sie würden sich wiederum mit Lichtgeschwindigkeit entfernen. Dies würde er sehen. Würde sich also die Lichtgeschwindigkeit, mit der Einstein sich bereits bewegte, zu der Lichtgeschwindigkeit der Photonen aus der Taschenlampe addieren? Doppelte Lichtgeschwindigkeit der Taschenlampen-Photonen also?

Wieder nein. Die Lichtgeschwindigkeit sah Einstein als konstant an. Was sich beugen müsse, sei die Zeit. Dies ist der Grundgedanke der Relativitätstheorie.

Man sieht also, wie sehr wir auf die Phantasie angewiesen sind, und zwar in Wissenschaft und Forschung ebenso, wie in jedem Bereich unseres Lebens.

Was ist Phantasie im Gegensatz zu Wirklichkeit?

Es geht auf diesem Blog natürlich auch um die ewig junge Frage, was das Reale im Gegensatz zu Phantasie und Ausgedachtem ist.

Nach spirealistischer Auffassung ist eine Phantasie ein Stück unserer Wirklichkeit, und zwar im Moment des Entstehens. Die Gedanken selbst sind die Quelle der Existenz und haben Realität. Mithin hat, was immer sich die Phantasie erdenkt, für uns auch eine Realität. Im materialistischen Sinn würde man sagen: Eine beginnende Realität. Jedenfalls: in dem Maß, wie wir Möglichkeiten erdenken, erdenken wir ein Stück weit unsere Welt.

Und – was immer wir im Jetzt als Möglichkeit oder als Prognose oder als Szenario im Kopf entwickeln, werden wir später, in der dann so genannten  eingetretenen Realität, wiedererkennen. Was sonst könnten wir wieder-erkennen, wenn nicht etwas, das bereits gedacht wurde?

Umgekehrt: ohne unsere Phantasien im Jetzt gäbe es im Jetzt der Zukunft nicht den Eindruck, man hätte das (zukünftige) Jetzt geplant und vorgedacht. Ob eine Phantasie im Jetzt eine Realität der Zukunft wird, lässt sich nicht im Jetzt sagen.

Utopien sind oft nur vorzeitige Wahrheiten. (Alphonse de Lamartine)

Statistik als eine Form von Phantasie – Wir formen die Zukunft mit Phantasie

Phantasie formt unsere Zukunft. Statistik bezeichnet die Häufigkeit des Eintretens von Ereignissen (in der Zukunft), die wir benennen. Als eine beginnende Form der Wahrheit definiert sie den Wahr-Schein. Die Wahrscheinlichkeit. Die Wahrscheinlichkeit (in Form der statistischer Berechnungen beispielsweise) ist uns selbst eine Wahrheit und scheint mit Zufall, als dem Nicht-Vorhersagbaren, schon gar nichts mehr zu tun zu haben.

Wer nun glaubt, Statistik sei eine exakte Wissenschaft, ganz ohne Phantasie, dem sei folgendes Beispiel ans Herz gelegt. Wer kennt nicht den verblüffenden Effekt, dass wir Ereignisse benennen, und bereits durch das Benennen erhält etwas ganz Unglaubhaftes Existenz und Wahrscheinlichkeit?

siehe Artikel Gott würfelt nicht

Man denke an den Effekt, wenn man ein Sterberisiko in einen statistischen Zusammenhang mit dem Essen von Quarktaschen bringt. Ist es nicht wahrscheinlich, irgendeine Art von Korrelation zu finden? Nur durch Benennen? Und nun frage man sich: Was ist „wirklich“? – und was ist „nur  ausgedacht“? Formen wir unsere Zukunft.. in Gedanken? Wer kann hier „nein“ sagen?

Die menschlichen Begriffe, die menschlichen Wahrheiten, formen dessen Existenz – es gibt sie außerhalb des Menschen nicht. Die menschliche Vorstellung von Existenz – als außerhalb und unabhängig von ihm – ist hingegen nirgendwo nachweisbar. Das ist eine der Grundaussagen des von mir vertretenen Spirealismus. Und so ist auch das gängige Prognoseverfahren der Statistik abhängig von unserem spezifischen Denken, unserem Erfindungsreichtum, unserer Phantasie.

Zitat: Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.
Albert Einstein

 

 

 

 

 

Was ist Phantasie? Ist Phantasieren nötig – oder nur Spinnerei? was last modified: Februar 20th, 2016 by Henrik Geyer

Freiheit der Gedanken. Wie frei und gleich können Andersdenkende sein? Eine spirituelle Betrachtung.

Andersdenkende: Was unterscheidet die Menschen und was macht sie gleich?

Heute muss man Terror zur Kenntnis nehmen, und man schaut zu, wenn Hassprediger im freiheitlichen Staat tun was sie wollen. Zu oft wird gesagt, die Freiheit insbesondere der Gedanken sei ein hohes Gut – man könne demzufolge nichts tun, solange sich der hasserfüllte Gedanke nicht in einem tatsächlichen Gewaltakt Bahn bricht. Andersdenkende sind zu schützen.

Man fragt sich (als spiritueller Mensch): Ist es spirituell, alles zuzulassen? Friede sei mit dem Andersdenkenden – und zwar in jeder Hinsicht?
Wie absolut ist eigentlich die Freiheit der Gedanken, wie absolut darf sie sein?

Andersdenkende – was die Menschen in ihrer Verschiedenheit definiert

Für mich macht insbesondere der Geist die Unterschiedlichkeit der Menschen aus – ihr Denken. Zu fordern, man solle jedes Denken von  Andersdenkenden tolerieren, ist für mich die Forderung, alles andere im eigenen Leben integrieren zu wollen oder zu können. Und – was ist „anders“? „Anders“ als das Eine ist alles. Will man wirklich pauschal „anders“, will man alles?

Menschen suchen die Gleichheit in der Unendlichkeit des Alles

Das entspräche keiner Lebenserfahrung. Es kann dem Einzelnen nicht gleichgültig sein, mit welchen Leuten, mit welchem Denken, er sich in Verbindung bringt. Jeder Mensch setzt sich in Verbindung mit Denken, dem er selbst zuneigt. Er vermeidet das Denken in Kategorien, die er sich für sich selbst nicht wünscht. Ob man das nun gut oder schlecht findet – es ist so.

Wer Frieden möchte, geht weder zu gewalttätigen Menschen, noch lässt er es zu, dass ihre Welt in die eigene einbricht. Er hält sich von ihnen fern, verhält sich restriktiv, nicht offen.

Gerade jene, die vorgeben alles integrieren zu wollen oder zu können, liefern nicht den Beweis, dass das möglich wäre. Grenzen sie ihr Denken denn nicht ab? Können und wollen sie jedes Denken tolerieren? Natürlich nicht.

Man muss einfach zur Kenntnis nehmen: Unter Menschen gibt es keine völlige Freiheit des Denkens. Das Einzelne kann nicht zugleich Alles sein. Es muss sich auch abgrenzen.
„Anders“ ist nicht „gleich“. Man definiert sich durch die Gemeinsamkeit – das ist das wichtige Prinzip, Andersdenkende zu tolerieren. Man definiert sich aber mindestens im gleichen Maße auch durch die Verschiedenheit, durch Abgrenzung. Auch Abgrenzung ist wichtig. Dem einen Prinzip gegenüber dem anderen eine Absolutheit zuzuschreiben, ist unmöglich, und muss an der Realität scheitern.

Der Staat ist nichts völlig Anderes als der Einzelne.

Wenn es um Staatsräson geht, also um die allgemeinen Regeln des Staates, dann heißt es oft, was irgendwo im Staat gedacht wird, muss den Politiker nicht berühren, muss den Bürger nicht berühren; oft meint man sogar, es ginge den Einzelnen gar nichts an!

Aber – besteht denn der Staat nicht aus den Bürgern? Wo würde man beim Einzelnen das Prinzip finden, er müsse alles integrieren, ohne auch das Prinzip der Abgrenzung von Andersdenkenden? Die Illusion, der Staat könne das tun, was sonst niemand kann, d.h. er könne Beliebiges integrieren, kommt vielleicht aus der Wahrnehmung, dass man sich selbst nicht mit dem Andersdenken auseinandersetzen muss – der Staat ist ja groß.

Aber, dieses Denken stößt bei den konkreten Menschen an eine Grenze – irgendjemand muss sich dann doch mit dem Konkreten auseinandersetzen.

Daher muss, was für den Einzelnen selbstverständlich ist, der Staat ebenso beachten. Der Staat kann nur funktionieren, wenn er die Gemeinsamkeit fördert, wenn er integriert, wenn er sich im gleichen Maß aber auch abgrenzt. Sich nicht abzugrenzen bedeutet in der Konsequenz Auflösung.

Eine unrealistische Denkweise, der zufolge man alles tolerieren müsse, dem Staat zurechnen zu wollen, widerspricht dem Denken der Menschen, aus denen sich der Staat formt. Der Staat ist den Regeln der Menschen unterworfen, aus denen er sich formt. Und so muss und darf sich der Staat auch abgrenzen.

Es gibt keine absolute Freiheit des Tuns, und damit auch nicht des Denkens. Denn es kann nichts getan werden, was nicht auch gedacht wird.

Was getan wird, muss gedacht sein. Auch Gewaltakte jeglicher Art – sie entstehen in Gedanken. In Gedanken werden sie durchgeführt. Man wird zur Kenntnis nehmen müssen, dass Gedanken nicht egal sind. Sie sind nicht unreal, nicht unwirklich, und daher sind gerade sie nicht völlig frei, und waren es nie.

Die Freiheit von humanistischem Denken zu bewahren- das ist ein hohes Gut. Man kann dieses hohe Gut nur bewahren, wenn man es definiert, aber auch in seiner Verschiedenheit von anderem Denken abgrenzt. Und da das Denken in Menschen ist – von Andersdenkenden. Man muss klar sagen was man will, um es zu leben. Was will man annehmen und fördern, und was ist abzulehnen und klar auszugrenzen? Nicht jede Denkrichtung kann im Staat willkommen sein.

 

 

 

Freiheit der Gedanken. Wie frei und gleich können Andersdenkende sein? Eine spirituelle Betrachtung. was last modified: Dezember 2nd, 2015 by Henrik Geyer