Die Entdeckung der Unendlichkeit in allen Dingen

Die Entdeckung der Unendlichkeit - die Unendlichkeit ist in den Dingen - 2 [SPID 4673]

Die Unendlichkeit – sie ist in den Dingen, die uns umgeben. Sie ist im Ich. Wie entdeckt man die Unendlichkeit, wie kann man sie sehen?

Die Unendlichkeit des Alls

Das All ist unendlich. Es ist das Alles. Das Weltall ist nicht „dort“, man muss nicht durch ein Teleskop sehen, um es betrachten zu können, sondern das All umgibt uns, ist in uns, durchdringt uns. Wir sind selbst das All.

Das All ist nur scheinbar die Summe seiner Teile. Wäre es einfach die Summe von irgendetwas, wäre es uns nicht paradox, denn es würde nicht im Widerspruch zu unserer Weltsicht stehen, dass alles erfassbar ist. Nein, das Wort unendlich bedeutet, dass niemand die Summe bilden kann, denn die Teile kommen, wie aus einer nie versiegenden Quelle, nie endend, zu uns. Aus uns.

Die Unendlichkeit des Kreises

Wir alle kennen das Symbol für Unendlichkeit, den Kreis. Wir könnten genauso gut die liegende Acht betrachten. Doch wir betrachten den Kreis. In der Symbolistik ist der Kreis das Zeichen für Unendlichkeit, ebenso für Gott.

Der Kreis ist ein sich intuitiv erschließendes Symbol für Unendlichkeit, denn man kann mit dem Finger um den Kreis herumfahren – er hat keinen Anfang und kein Ende. Ewig könnte dieses Herumfahren mit dem Finger fortgehen, wenn nicht wir selbst begrenzt wären.

die Unendlichkeit in der geometrischen Figur

Man kann die Unendlichkeit des Kreises auch erklären, wenn man den Kreis als eine geometrische Figur betrachtet. Die Definition eines Kreises in der Geometrie ist, dass ein Kreis sich aus einer Unendlichkeit von Punkten bildet, die sich in immer gleichem Abstand vom Mittelpunkt befinden.

Warum Unendlichkeit? Weil man, egal wie weit zwei Punkte voneinander entfernt sind, wie groß die Entfernung zwischen diesen zwei Punkten ist, diese Strecke immer teilen kann. Man kann in Gedanken einen Punkt zwischen zwei vorhandene Punkte setzen.

Das erfordert übrigens sich vorzustellen, dass die Punkte selbst immer weniger Raum einnehmen. Sie müssen selbst immer kleiner werden, um zwischen die vorhandenen Punkte zu passen. Bis sie – nur scheinbar – Null werden. Doch die Unendlichkeit des Infinitesimalen geht weiter, jenseits der Null sind Welten!

Die Unendlichkeit des Kreises als spirituelles Symbol

Wie schon gesagt ist der Kreis ebenso ein Symbol für Gott. Denn Gott und diese uns rätselhafte Unendlichkeit aus der alles kommt, dieser Raum der unbegrenzten Möglichkeiten, ist ein-und dasselbe.

Oft wird dieses Symbol dargestellt mit einem Punkt in der Mitte. Der Punkt in der Mitte ist der Mensch. Er ist das Element, das innerhalb der Unendlichkeit als ein Teil existiert. Der Mensch kann nicht ohne Unendlichkeit sein, sie umgibt ihn, durchdringt ihn. Und die Unendlichkeit kommt auf rätselhafte Weise aus dem Menschen.

Der Punkt in der Mitte ist raumlos. Warum raumlos? Weil sonst eine begrenzte Zahl an Punkten den Kreis völlig ausfüllen würde – er wäre nicht mehr unendlich in seinem Flächeninhalt, und als Symbol für Unendlichkeit untauglich.

Die Unendlichkeit jedes Objektes

Was wir über den Kreis sagten, lässt sich über jedes Objekt sagen. Um jedes Objekt herum können wir unseren Finger kreisen lassen, solange es uns nur möglich ist, und wir werden nur eins erfahren: die eigene Endlichkeit.

Jedes Objekt, sei es nun eine Kaffeetasse, ein anderer Mensch, ein Planet oder ein Sandkorn, können wir uns als eine nicht zu begrenzende Anzahl von Punkten, von Unterobjekten, von „kleinsten Teilchen“ (Atomen) vorstellen, die es ausmachen, die es wie eine Hülle umgeben, oder die es ausfüllen. Genau so, wie wir uns das Universum vorstellen: Als eine Summe von Teilen – von der wir schließlich doch begreifen, dass es keine Summe ist.

Die Unendlichkeit des Ich

Die Unendlichkeit findet man natürlich auch in sich selbst – vielleicht ist das sogar am allereinfachsten. Im Ich. Was ist das Ich? Beginnen Sie, es zu beschreiben, und Sie werden nie fertig, die Aspekte, die zu dem Ich gehören, aufzuzählen. Das Ich ist scheinbar nur ein kleines Wort, ein einzelnes Wort. So wie das All. Aber wie viel gehört dazu? Wie viele Dinge braucht es, das Ich zu beschreiben; Dinge, die das Ich formen, die das Ich umgeben, die das Ich tut, die das Ich sagt?

Ich sagte, in der Betrachtung des Kreissymbols, dass der Punkt in der Mitte, der in der Symbolistik den Menschen darstellt, raumlos ist. Warum raumlos?

Weil das Ich, weil der Mensch, nur scheinbar ein abgeschlossenes Objekt ist, das sich mit einem einfachen und eindeutigen Namen benennen lässt. Denn im Grunde ist er ebenso wenig fassbar, wie irgendein Ding, irgendein Objekt. Wenn man ihm einen eindeutigen Platz, einen endgültig definierten Raum zuwiese, hätte man bereits etwas falsch gemacht. Das Ich, der Mensch, lässt sich in einem wohlverstanden spirituellen Sinn nicht denken, wenn man ihn völlig abgrenzen will. Sondern in ihm ist die Unendlichkeit Gottes, so wie in jedem Ding Gottes Unendlichkeit ist.

Die Unendlichkeit des Lebens

Die Entdeckung der Unendlichkeit - die Unendlichkeit des Lebens [SPID 4669]Können Sie die Unendlichkeit der Ideen und Gedanken sehen? Der Dinge, die das Leben sind – und des Lebens, das dinghaft ist?

Der alte Baum, der nun tot ist, endete scheinbar. Doch seine Existenz ist jetzt in einer Fülle anderer Existenzen, anderer Ideen. Seine Stoffe werden zu den Stoffen der Erde, aus denen wieder andere Ideen wachsen – andere Pflanzen, andere Dinge. Andere Dinge, die wir „tot“ nennen – doch was ist tot in Gottes Welt der Ideen? Ideen sind niemals tot.

Die Existenz des Baumes ist jetzt die Existenz eines Ameisenheeres. Auch eine Existenz als Pilz, der nur scheinbar ein ganz eigenes Leben hat – doch es ist ein kontinuierlicher Strom, der aus dem Baum hervorgeht – und man bedenke: aus dem auch der Baum selbst hervorging. Nichts endet wirklich; die Fülle der Formen ist unbegrenzt, sie gehen nahtlos ineinander über. Und, nicht vergessen: wir sind ein Teil davon – wir betrachten es nicht „von außen“! Jede Idee, auch wir selbst, ist der Ausgangspunkt und Bedingung für weitere Ideen, in einem unendlichen Zirkelschluss.

Die Unendlichkeit der Sichtweisen

Denken wir an irgendeinen Begriff – denken wir an einen Tisch, zum Beispiel. Der Tisch, wenn wir ihn stehen sehen, kommt uns wie ein ganz eigenes, eindeutiges Objekt vor, das man nicht anders sehen könne.

Doch aus jeder anderen Sicht muss der Tisch ein wenig anders erscheinen, es gibt in der Raumzeit keine zwei völlig gleichen Perspektiven. Der Inbegriff der Mehrzahl – das ist die Unterschiedlichkeit, die wir in der materialistischen Weltsicht als die „Verschiedenheit der Perspektive in der Sicht auf dasselbe“ ansehen.

Wem das nun nicht als besonders gelungenes Beispiel erscheint, weil die Geringfügigkeit der Verschiedenheit nicht wirklich begründet, wo hier die Unendlichkeit sei … es sei ja doch immer noch dasselbe Objekt …. Die Perspektiven auf ein Objekt kann man sich als drastisch abweichender vorstellen, man muss sich allerdings die Mühe machen, auch wirklich abweichende Sichtweisen zu imaginieren.

Das ist dem Materialisten gemeinhin nicht gegeben, denn seiner (eigentlich unbegreiflichen) Auffassung zufolge, hat „der Mensch“ die einzig gültige Weltsicht. Denn er sei so klug.

Stellen wir uns dennoch einen Holzwurm vor – er würde den Tisch als eine Behausung begreifen. An dem Tisch, den wir kennen, müsste ihm nichts bekannt vorkommen. Weder unsere Auffassung von der stofflichen Art, noch der räumlichen Beschaffenheit des Tisches, müsste er teilen. Damit wir die Auffassung des Holzwurmes als relevant für unseren hohen Geist ansehen können, stellen wir uns vor, es handele sich um einen außerirdischen, sehr vernunftbegabten Holzwurm. (Doch … wozu in die Ferne schweifen? Ersatzweise können wir auch annehmen, der irdische Holzwurm habe irgendeine Art Vernunft – nur eben keine Vernunft menschlichen Zuschnitts, weshalb wir ja über dessen Vernunft auch keinerlei Aussage treffen können. Denken wir einfach, im Holzwurm sei die Vernunft Gottes – so wie in jedem Ding und jedem Geschöpf.)

Die Unendlichkeit der selbstreferenziellen Gedanken

Die Gedanken führen auf sich selbst zurück, weil das Ich nichts begreifen kann, wenn nicht mit den Begriffen, die es schon hat. Daher ist jeder Gedanke, den wir fassen können bedingt durch die Gedanken, die wir schon dachten. Wir können nichts beschreiben, wenn nicht  durch den Vergleich mit Bekanntem. Wir kommen daher auch hier wieder auf den unendlichen Selbstbezug des Kreises, bei dem man mit jedem Fingerkreisen einerseits dort ankommt, wo man begann. Andererseits ist jedes Fingerkreisen einzigartig, denn es gibt keine zwei „selben“ Punkte in der Raumzeit.

Was das Eine vom Anderen trennt ist der Unterschied – der Unterschied kann niemals „völlig gleich“ sein, denn das wäre das Ende des Einen, das sich vom Anderen unterscheiden muss, ums selbst Existenz zu erhalten.

Die Entdeckung: Englands Küste ist unendlich lang!

Mancher kennt das Paradox, demzufolge die Küste Englands immer länger wird, je genauer man misst. (Dasselbe Denkmodell lässt sich übrigens auf jeden Gegenstand anwenden … Englands Küste ist nur ein Beispiel für etwas sehr Allgemeingültiges)

Die Küste Englands ist definiert durch eine Küstenlinie, die England eingrenzt und umhüllt. Sandstrände. Doch überlegt man genauer, ist Englands Küste eigentlich definiert durch einzelne Sandstrände mit ganz unregelmäßigen Formen, durch viele kleine Buchten. Noch genauer überlegt liegen größere und kleinere Steine an den Stränden, schließlich könnte man auch sagen, es sind Sandkörner, die die Sandstrände der Küste formen …

Man kann die Küste Englands messen, indem man mit einem kilometerlangen „Zollstock“ die Länge abgeht und die große Küstenlinie abmisst. Oder, indem man jede Bucht, jeden Hafen, mit einem kleinen Zollstock genau ausmisst. Dann ist die Küstenlänge viel größer. Man kann diese Methode gedanklich immer weiter treiben. Man kann um jedes Sandkorn, das von Wasser umspült wird, mit einem ins unendlich Kleine gehenden Zollstock herum messen. Und man wird, in die Welt der immer kleiner werdenden Teilchen gelangend, eine beliebig lange Küstenlänge messen. Unendlich.

Wir sind beim selben Paradox, von dem wir auch sprachen, als wir von der Unendlichkeit des Alls redeten. Dieses Paradox lässt sich innerhalb der materialistischen Sichtweise nicht auflösen. Das All ist nicht die Summe von Teilen. Die Küste Englands ist nicht die Summe des Umfangs unendlich klein werdender Teile, nicht die Summe von Sandkörnern, die von Wasser umspült werden. Und auch nicht die Summe von Atomen und Subatomen, die die Sandkörner bilden.

Die Küste Englands ist eine Idee – ist eine Sichtweise. Eine Möglichkeit.

Infinitesimalrechnung

Mancher wird sich fragen, warum dann wohl mit der Infinitesimalrechnung der Umfang und der Flächeninhalt geometrischer Figuren sehr genau bestimmt werden kann? Die Infinitesimalrechnung geht doch ins unendlich Kleine, warum kommt dann niemals „Unendlich“ als Ergebnis der Infinitesimalrechnung zustande, wenn beispielsweise der Umfang eines Kreises, oder eine Küstenlänge, bestimmt wird?

Weil die Infinitesimalrechnung unseren Blick nachformt, der selbst bereits eine Abstraktion Gottes ist. Die Infinitesimalrechnung formt unser Denken nach – bildet nicht wirklich etwas Äußerliches ab, so wie wir uns das in der materialistischen Weltsicht vorstellten. Um auf das Beispiel von Englands Küste zurückzukommen: Das ist so ähnlich, als wenn wir mit einem Maßband, das durch seine Form und Struktur begrenzt ist, um die Küste Englands herum messen. So ein Maßband kann niemals jedes Sandkorn erfassen. Dafür bräuchten wir ein anderes Maßband. Die Infinitesimalrechnung ist so ein Maßband, das eine bestimmte Form annimmt, indem man mit ihr rechnet. Diese Form ermöglicht eine ganz bestimmte Form der Berechnung, eine bestimmte Sichtweise. Doch sie schließt eine Unendlichkeit an Sichtweisen gleichzeitig aus, begrenzt die Möglichkeiten anderer Sichtweisen. Erst wenn wir die Infinitesimalrechnung auf jedes Sandkorn anwenden würden, kämen wir zu einem anderen Ergebnis – doch das wäre verbunden mit einer anderen Weltsicht.

Was uns die Infinitesimalrechnung zeigt: Der ewige Zirkelschluss der Ideen, ihr Selbstbezug, bringt unsere Welt hervor. Die Art und Weise des Sehens bestimmt, was man sehen kann.

Der offensichtliche Widerspruch zwischen dem Paradox von Englands Küste, das ist der Widerspruch zwischen dem Sehen eines Dinges und der Feststellung, dass in diesem Ding Unendlichkeit ist. Das ist der Widerspruch zwischen unserer scheinbar so eindeutigen Sicht auf die Dinge, und der Erkenntnis, dass wir kein Ende finden können. Das ist der Widerspruch zwischen der Zahl Eins und dem Finden, dass wir die Eins bis in die Unendlichkeit aufteilen können … und erhalten immer wieder Eins. Ein Ding.

Das ist kein mathematisch auflösbarer Widerspruch! Sondern dieser Widerspruch, dieses Paradox, ist nur weltanschaulich auflösbar.

Die Entdeckung der Unendlichkeit in der Semantik

Ein sehr praktisches Beispiel ist es, wenn man sich die Welt als eine semantische Welt aus Begriffen denkt. Letztlich gibt es keinen Grund dies nicht so zu sehen, denn was wir über die Welt wissen, was wir über die Welt sagen können, drücken wir in Sprache aus, und unterliegen somit den Regeln der Semantik. Ein Wort gewinnt seine Bedeutung durch ein anderes Wort. Es gibt in dieser Kette der Bezüge kein Ende – Jedes Ding hat seine Wurzel im Unendlichen.

Denken wir an den Tisch, seine Kausalitäten, seinen Sinn, sein Ziel … Wenn uns jemand fragt, was ein Tisch ist, dann brauchen wir die Begriffe Holz, Stuhl, vielleicht Essen. Und so weiter. Jeder dieser anderen Begriffe ist wie ein Planet umgeben von weiteren Begriffen, die ihn wiederum erklären, begründen, ermöglichen. Man könnte diese Begriffe wie Objekte eines Universums sehen. Wir finden kein Ende dieses Universums. Die Objekte (Begriffe) erzeugen den Raum des Universums. Das Universum ist ein Raum, in dem universell alle Objekte sind.

Einen Raum ohne Objekte gibt es nicht. Ein Objekt, das nicht beobachtet wird, dem also nicht ein anderes Objekt gegenübersteht, gibt es nicht.

Denken wir uns den Tisch einfach als Teil des materialistischen Weltbildes … auch hier passiert das Gleiche, wenn wir den Tisch begründen wollen .. wir verlieren uns in der Unendlichkeit der Kausalitäten. Sie haben keinen Anfang und kein Ende. Letztlich geht der Tisch auf den Urknall zurück – doch der Urknall ist uns nicht wirklich ein end-gültiger Grund, sondern lediglich ein Paradox. Was war vor dem Urknall? Etwas, z.B. ein Urknall, kann doch nicht aus Nichts kommen (oder doch?)! Was löste den Urknall aus, aus welcher Notwendigkeit ergab er sich? Nichts hindert uns, außer unserer eigenen Begrenztheit, die Gründe für den Tisch weiterzudenken, über den Urknall hinaus, vor den Urknall zurück.

Die Unendlichkeit des Wortes „unendlich“

Die Unendlichkeit lässt sich auch sehr schön am Wort Unendlichkeit zeigen. Das Wort Unendlichkeit ist ein einzelnes Wort. So wie der Kreis eine scheinbar ganz einfache Figur ist. Ebenso die liegende Acht. Ebenso wie jedes Ding. Doch das Wort unendlich ist uns paradox, ist uns rätselhaft, ist uns unbegreiflich.

Es ist nur ein einfaches Wort. „Natürlich ist das Weltall unendlich.“ – wie leicht lässt sich das sagen! Wie leicht lässt sich das Wort schreiben. Wie leicht lässt sich ein  Foto des unendlichen Alls machen. Wir rechnen mit dem Unendlichen. X mal unendlich ist unendlich. Ein mögliches Ereignis in einem unendlichen Raum ist ein sicheres Ereignis. In einer unendlichen Raumzeit ist ein Affe, der Krieg und Frieden von Tolstoi aufschreibt, ein sicheres Ereignis. Eigentlich muss man sagen: eine Unendlichkeit literaturbeflissener Affen sind in einer unendlichen Raumzeit ein sicheres Ereignis.

Das Wort Unendlichkeit ist scheinbar einfach, scheinbar endlich, doch liegt darin in Wirklichkeit eine Unendlichkeit an Fragen und Sichtweisen.

Die Unendlichkeit meiner Beispiele

Schließlich und „endlich“ spüre ich die Unendlichkeit, indem ich diese Aufzählung aufschreibe. Ich könnte ewig so fortfahren, in dem ich die Unendlichkeit an jedem Ding, jeder Idee, jedem Wort, zeige. Doch was sind alle Dinge? Ich muss aufhören, denn ich selbst bin endlich, als Idee in einem nicht eingrenzbaren Kontinuum von Ideen. Als endliches Element einer Unendlichkeit.

Die Entdeckung der Unendlichkeit in allen Dingen was last modified: Februar 14th, 2017 by Henrik Geyer

„Objekthaftes Denken“ – was ist damit gemeint?

Wir sehen Objekte, wir reden über Objekte. Wir sehen den Baum, den Stuhl, den Stern.

Doch, in den Dingen ist Unendlichkeit. Nichts, das sich nicht auch anders sehen ließe. Nichts, das nicht auch einen ganz anderen Sinn haben könnte, als den, den wir gerade meinen. Also: Es gibt nichts, das nur in dem Sinn „da“ wäre, wie wir ihn in einem Augenblick sehen – man könnte auch sagen, dass jede Aussage, die man treffen kann, aus einer anderen Perspektive falsch ist. Wenn man so will bereits im nächsten Gedanken.

Auch das kleinste Ding hat seine Wurzel in der Unendlichkeit, ist also nicht völlig zu ergründen.
Wilhelm Busch

Alles steht im Zusammenhang. Alles ist nur durch etwas anderes begründbar. Nichts kann für sich allein stehen.

Und doch sehen wir die Dinge einzeln, so als hätten sie im Moment, da wir sie sehen, nur diesen einen Aspekt – und mit nichts anderem zu tun! Und dieses rätselhafte, nicht weiter begründbare Phänomen, nenne ich „objekthaftes Denken“. Denn wir sehen Objekte, wo diese in ihrer vorgestellten Abgeschlossenheit, eigentlich nicht „sind“.

Ich sehe den Ausdruck „objekthaftes Denken“ einfach als Symbol der Anerkenntnis, dass viele die Unendlichkeit in den Dingen wohl wahrnehmen, wohl sehen können, und dennoch nicht aus ihrer Haut können, zu glauben, die Dinge seien einfach auf eine eindeutige Weise „da“, es gäbe sie exakt definiert in einem Außen, etc..

Als Beispiele für die Anerkenntnis der Unendlichkeit in den Dingen, gleichzeitig das Übergehen der sich daraus ergebenden Fragen und die Rückkehr zur materialistischen Sichtweise, habe ich oft Kant genannt, mit seiner unlösbaren Frage nach den „Dingen an sich“, oder David Hume (1711-1776), der formulierte, dass sich der Glaube an eine Außenwelt nicht durch rationale Begründungen stützen lasse. Dennoch könne der Mensch nicht umhin, als an die Existenz der Außenwelt zu glauben. Die Natur, so Hume, habe uns hierin keine Wahl gelassen.
Zur Erläuterung: Die Zweifel an der „Existenz einer Außenwelt“ kommen eben gerade durch das Begreifen dieser Unendlichkeit in den Dingen zustande, und der Wahrnehmung, dass der individuelle Eindruck „von den Dingen“ und die Dinge selbst, ein- und dasselbe sind. Inwiefern, so fragte sich eben auch Hume, muss es daher vom Wahrnehmenden, dem Subjekt, abgetrennte Gegenstände der Wahrnehmung, Objekte, geben?

Den Begriff „objekthaftes Denken“ kann man also einfach als die Feststellung der Tatsache ansehen, dass es uns nicht gegeben ist, die Unendlichkeit der Objekte zu sehen, sondern jeweils immer nur einen Aspekt – wie der Spirealismus sagt: einen schöpferischen, einzigartigen Aspekt. Denn den Menschen sieht der Spirealismus als Element der Schöpfung, nicht als Beobachter der Schöpfung. Was aus dem Menschen hervorgeht ist Kreation, nicht die Widerspiegelung einer festen Äußerlichkeit (Materie).

Was ist objekthaftes Denken? Ein Beispiel

Wie sich konkret „objekthaftes Denken“ darstellt, ist in einem Beispiel schwer wiederzugeben, denn es ist eher eine Denkgewohnheit, die man erlernen muss, so dass man die Unendlichkeit in den Dingen sehen kann, und somit auch weiß, was genau mit „objekthaftem Denken“ gemeint ist. Dennoch ein Beispiel, von dem ich hoffe, dass es einigermaßen anschaulich ist.

Erstes Beispiel

Denken wir an irgendeinen Begriff – denken wir an einen Tisch, zum Beispiel. Der Tisch, wenn wir ihn stehen sehen, kommt uns wie ein ganz eigenes, eindeutiges Objekt vor, das man nicht anders sehen könne.

Doch aus jeder anderen Sicht muss der Tisch ein wenig anders erscheinen, es gibt in der Raumzeit keine zwei völlig gleichen Perspektiven. Der Inbegriff der Mehrzahl – das ist die Unterschiedlichkeit, die wir in der materialistischen Weltsicht als die „Verschiedenheit der Perspektive in der Sicht auf dasselbe“ ansehen.

Wem das nun nicht als besonders gelungenes Beispiel erscheint, weil die Geringfügigkeit der Verschiedenheit nicht wirklich begründet, wo hier die Unendlichkeit sei … es sei ja doch immer noch dasselbe Objekt …. Die Perspektiven auf ein Objekt kann man sich als drastisch abweichender vorstellen, man muss sich allerdings die Mühe machen, auch wirklich abweichende Sichtweisen zu imaginieren.

Das ist dem Materialisten gemeinhin nicht gegeben, denn seiner (eigentlich unbegreiflichen) Auffassung zufolge, hat „der Mensch“ die einzig gültige Weltsicht. Denn er sei so klug.

Stellen wir uns dennoch einen Holzwurm vor – er würde den Tisch als eine Behausung begreifen. An dem Tisch, den wir kennen, müsste ihm nichts bekannt vorkommen. Weder unsere Auffassung von der stofflichen Art, noch der räumlichen Beschaffenheit des Tisches, müsste er teilen. Damit wir die Auffassung des Holzwurmes als relevant für unseren hohen Geist ansehen können, stellen wir uns vor, es handele sich um einen außerirdischen, sehr vernunftbegabten Holzwurm. (Doch … wozu in die Ferne schweifen? Ersatzweise können wir auch annehmen, der irdische Holzwurm habe irgendeine Art Vernunft – nur eben keine Vernunft menschlichen Zuschnitts, weshalb wir ja über dessen Vernunft auch keinerlei Aussage treffen können. Denken wir einfach, im Holzwurm sei die Vernunft Gottes – so wie in jedem Ding und jedem Geschöpf.)

Zweites Beispiel

Ein sehr praktisches Beispiel ist es, wenn man sich die Welt als eine semantische Welt aus Begriffen denkt. Letztlich gibt es keinen Grund dies nicht so zu sehen, denn was wir über die Welt wissen, was wir über die Welt sagen können, drücken wir in Sprache aus, und unterliegen somit den Regeln der Semantik. Ein Wort gewinnt seine Bedeutung durch ein anderes Wort. Es gibt in dieser Kette der Bezüge kein Ende – Jedes Ding hat seine Wurzel im Unendlichen.

Denken wir an den Tisch, seine Kausalitäten, seinen Sinn, sein Ziel … Wenn uns jemand fragt, was ein Tisch ist, dann brauchen wir die Begriffe Holz, Stuhl, vielleicht Essen. Und so weiter. Jeder dieser anderen Begriffe ist wie ein Planet umgeben von weiteren Begriffen, die ihn wiederum erklären, begründen, ermöglichen. Man könnte diese Begriffe wie Objekte eines Universums sehen. Wir finden kein Ende dieses Universums. Die Objekte (Begriffe) erzeugen den Raum des Universums. Das Universum ist ein Raum, in dem universell alle Objekte sind.

Einen Raum ohne Objekte gibt es nicht. Ein Objekt, das nicht beobachtet wird, dem also nicht ein anderes Objekt gegenübersteht, gibt es nicht.

Denken wir uns den Tisch einfach als Teil des materialistischen Weltbildes … auch hier passiert das Gleiche, wenn wir den Tisch begründen wollen .. wir verlieren uns in der Unendlichkeit der Kausalitäten. Sie haben keinen Anfang und kein Ende. Letztlich geht der Tisch auf den Urknall zurück – doch der Urknall ist uns nicht wirklich ein end-gültiger Grund, sondern lediglich ein Paradox. Was war vor dem Urknall? Etwas, z.B. ein Urknall, kann doch nicht aus Nichts kommen (oder doch?)! Was löste den Urknall aus, aus welcher Notwendigkeit ergab er sich? Nichts hindert uns, außer unserer eigenen Begrenztheit, die Gründe für den Tisch weiterzudenken, über den Urknall hinaus, vor den Urknall zurück.

Kann es nicht-objekthaftes Denken geben?

Der Begriff objekthaftes Denken ist nicht als Gegensatz zu einem irgendwie anderen Denken gedacht, etwa einem „richtigen“ Denken, oder Ähnlichem.

Ob es ein Denken geben kann, das diese Paradoxie überwindet, kann man nicht sagen. Aus dem Blickwinkel des menschlichen Denkens erscheint das nicht so. Jedoch kann ja auch niemand, dessen Natur es ist, mit den Augen eines Menschen zu sehen, mit den Augen eines Nichtmenschen sehen.

Die Form des Denkens, die der Vorstellung am nächsten kommt, das objekthafte Denken zu überwinden, ist der Spirealismus, oder sind relativistische Vorstellungen, oder ist die Vorstellungswelt des Zen-Buddhismus. Doch es läuft letztlich auf ein Zur-Kenntnis-Nehmen der Tatsache objekthaften Denkens hinaus – das Sehen-Können, dass „die Welt“ eine Welt der zehntausend Namen ist. Es bedeutet, diese Tatsache so oft wie möglich, in möglichst vielen Gedanken, mitschwingen zu lassen, bedeutet, es als fundamentales Wissen anzuerkennen.

Damit ist nicht gesagt, man käme umhin, die „Dinge der Welt“ anzusehen, um sich vollständig aus der Objekthaftigkeit zu lösen.

Siehe auch: Artikel Was besagt der Begriff Lichtwesen?

Ähnliches Thema: Die Ontologie des Materialismus

„Objekthaftes Denken“ – was ist damit gemeint? was last modified: Februar 10th, 2017 by Henrik Geyer