C.G. Jung – kollektives Unterbewusstsein

kollektives Unterbewusstsein

Kollektives Unterbewusstsein – was ist das? In diesem Artikel geht es um die Weiterentwicklung der Vorstellung von Bewusstsein und Unterbewusstsein, ausgehend von den Vorstellungen Sigmund Freuds.

Lesen Sie auch: Beitrag ‚Das ES – Sigmund Freud und die Entdeckung des Unbewussten‘

Freud und Jung

C.G. Jung entwickelte die Freudsche Vorstellung weiter. Freud und Jung kannten sich gut. Freud wollte den jungen und talentierten Jung eigentlich als Erbe und Multiplikator seiner eigenen wissenschaftlichen Erkenntnisse gewinnen. Jung hätte dazu die Forschungen Freuds vorbehaltlos studieren und selbst weitertragen müssen. Doch Jung hatte eigene Vorstellungen. Er empfand beispielsweise die Fixiertheit Freuds auf das Sexuelle als falsch. Er sprach sogar davon, Freud habe diesbezüglich eine Neurose. Freud erwiderte das mit eben solchen „Freundlichkeiten“. Das mutet ein wenig komisch an, wenn man sich vorstellt, dass es sich um den Streit zweier Psychiater handelte.

Jung hatte auch nicht die Vorstellung Sigmund Freuds, die Aufgabe des Bewusstseins sei es, das triebhafte Unterbewusstsein unter Kontrolle zu bringen, und es sei umgekehrt auch nicht das Wesen des Unterbewussten, tierische Triebe unter Verschluss zu halten. Er sah die Gedanken des Bewusstseins einfach in den unbewussten Bereich übergehen. Eine besondere, streng vom bewussten Denken zu trennende Qualität, wollte er den unbewussten Gedanken nicht zueignen.

kollektives Unterbewusstsein

Was Jung darüber hinaus feststellte, war, dass es Bilder und Vorstellungen in allen Menschen gibt, die nicht erlernt werden müssen, sondern einfach so „da“ sind. Diese „Archetypen“ – das sind Urbilder der Menschheit, wie zum Beispiel der Weise, oder die Mutter, und viele mehr. Er nannte das kollektives Unterbewusstsein – kollektiv, weil alle dieses (Unter-)Bewusstsein haben, ohne sich verbal abstimmen zu müssen.

Das war auch Jung rätselhaft und interessant, weil es ja nicht mit der Vorstellung des Bewusstseins zusammenpasst, dass der Mensch sich im Bewusstsein erst selbst erkennt. Eigentlich war (und ist) die Vorstellung doch, das der Mensch schon materiell „da“ sei, und das Bewusstsein liefere ihm nun noch ein genaues Bild seiner selbst.

Schon die Entdeckung des Unterbewusstseins selbst war spektakulär. Der Mensch soll sich seines Selbst nicht recht bewusst sein …! Was wissen wir eigentlich NICHT über uns? 

Lesen Sie auch: ‚Was ist das Nichts? als Grundfrage der Philosophie.‘

Nun soll der Mensch im Geistigen auch noch einer gemeinsamen geistigen Quelle entspringen … ! Einer Quelle sogar, die er selbst nicht kennt.

Das war doch merkwürdig! Das sah also so aus, als würde das Bewusstsein (das Geistige) aus etwas geboren, das schon „da“ ist, genau wie der materielle Mensch. Demnach konnte es nicht stimmen, wenn man sich das menschliche Denken so vorstellt, als ginge es aus einem universellem Werkzeugkasten hervor, in Form eines hochentwickelten Gehirns, das individuell erst noch „programmiert“ werden muss. Sondern es schien eher so, als sei das Gehirn bereits programmiert, und zwar mit Inhalten, von denen der Mensch gemeinhin annimmt, er würde sie sich aus eigener Kraft und eigener Genialität selbst aneignen. Ist der Mensch vielleicht gar nicht so frei, wie er glaubt? Ist er wie programmiert?

 

Das Verhältnis des Bewusstseins zum kollektiven Unterbewusstsein ist in der folgenden Grafik abgebildet:

Kollektives Unterbewusstsein / Das Unbewusste in der Vorstellung C.G.Jungs, als etwas Unter-der-Oberfläche-Liegendes / Bewusstsein wie Inseln im Meer
Das Unbewusste in der Vorstellung C.G.Jungs, als etwas Unter-der-Oberfläche-Liegendes / Bewusstsein wie Inseln im Meer. Kollektives Unterbewusstsein als unsichtbare Verbindung zwischen den Menschen

 

Jung stellte sich das Bewusstsein vor wie Inseln, die aus dem Meer ragen. Sie scheinen getrennt, sind es aber nicht. Was die Inseln verbindet ist unsichtbar, weil es unter der Wasseroberfläche verborgen ist. Das, was Freud das Unterbewusstsein nannte, sah Jung in einen allgemeinen Bereich übergehen – geistige Inhalte, in denen alle Menschen verbunden sind (im Bild der Meeresgrund). Er nannte dies kollektives Unterbewusstsein.

In diesem kollektiven Unterbewusstsein finden sich Begriffe und Geschichten, die jeder kennt (intuitiv), und die nicht erlernt werden müssen. Jung stellte das fest, indem er Worte und Vorstellungen verschiedenster Völker miteinander verglich, und Gleichheiten erkannte.

Sind wir am Ende gar nicht einzeln, sondern wie Zellen eines Körpers, die zusammengehalten werden, von einem uns zusammen-zwingenden Band (kollektives Unterbewusstsein), das wir nur selbst nicht erkennen können?

Siehe auch: ‚Anthropozentrismus – seine Ursache und Funktion‘

C.G. Jung – kollektives Unterbewusstsein was last modified: Februar 20th, 2016 by Henrik Geyer

Kann der Mensch etwas NICHT wissen? Unwissenheit.

Was wissen wir nicht? Kann der Mensch etwas NICHT wissen? Unwissenheit.

Kann der Mensch etwas nicht wissen? Gibt es so etwas?

Immer wieder erlebe ich, dass Menschen davon ausgehen, im Prinzip alles wissen zu können, bzw. im Grunde schon alles zu wissen. Was man nicht weiß, könne man nachschlagen.

Dass man etwas so Kompliziertes bedienen kann, wie ein Handy lässt es wie selbstverständlich erscheinen, dass man Teilhabe an dem Wissen hat, wie es funktioniert. Im Grunde, als sei man selbst der Erfinder.

Allwissenheit als Sichtweise des materialistischen Weltbildes

Dieses Bewusstsein von Allwissenheit geht aus von einem Welt- und Menschenbild, das suggeriert, dass alles das, was „da“ ist, vom Menschen auch gewusst werden kann. Das was da ist, sei wiederum sehr begrenzt. Begrenzt, weil es nur eine Welt gibt.

Diese Vorstellung ähnelt der einer Bibliothek. Da sind die Bücher – sie beinhalten die möglichen Informationen. Ganz ähnlich der Materie, die alle Information enthält, die wir Menschen erlangen können. Somit ist die „noch nicht abgerufene“ Information jederzeit für uns verfügbar, wie in einer Bibliothek.

Ebenso wie wir die Wahrheit der Zukunft glauben vorhersagen können, über die Wahrscheinlichkeit, glauben wir quasi bereits im Besitz aller denkbaren Information zu sein, denn wir haben die Materie klar vor uns.

Wir selbst erschaffen die Information

Doch wer wahrnehmen kann, dass zu seiner Welt auch die Phantasien und Gedanken jeder Art gehören, der kann auch wahrnehmen, dass die Realität aus uns selbst kommt. Ich nenne das eine spirituelle Wahrnehmung der Welt – man benötigt Achtsamkeit.

Dann bemerkt man: Die Information ist nicht begrenzt auf ein Außen, auf Materie, die nur diese oder jene Form annehmen kann. Sondern die erlangbare Information ist unendlich.

Das, was wir nicht wissen, ist unendlich. Und es gibt keinen Weg, bei der Unendlichkeit an ein Ende zu gelangen. Die Grenze zwischen der Unendlichkeit und der Endlichkeit ist mit Notwendigkeit immer da. Wir können sie nicht sehen und wir können sie nicht überwinden.

Nicht Wissen / Nichtwissen – Unwissenheit als der größere Teil

Können wir im Bewusstsein das erfassen, was wir nicht wissen? Können wir das Nichts eingrenzen? Können wir im Bewusstsein das Unbewusste denken? Können wir wissen, was wir nicht wissen?

Weiterlesen: Beitrag ‚Das Unbewusste als das Unbekannte‘

Ich sage: Wir können nicht. Dass wir glauben zu können, wirft ein vielsagendes Schlaglicht auf unser materialistisches Weltbild.

Hier nur zwei Beispiele:

1.) Es gibt den Ausspruch von Friedrich Nietzsche „Es denkt“. Er meint damit das durchaus wahrnehmbare Denken, das vor sich geht, ohne dass der Mensch dazu irgendetwas tun muss. „Es denkt“, ganz ohne Grund und Veranlassung. „Es denkt“ logisch und weiterführend. „Es denkt“ – das bedeutet, nicht das Ich regiert das Denken, sondern das Denken regiert das Ich. Wenn aber das Denken das Ich regiert – wie kommt dann das Ich darauf, es habe einen Überblick über eine abgegrenzte Anzahl von Informationen aus einer Endlichkeit des Außen? Es erkennt sich nicht einmal selbst!

Zitat:

„Der Mensch kann zwar tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will.“ Arthur Schopenhauer

2.) In der Teilchenphysik wird klar, dass die menschliche Beobachtung das beeinflusst, was der Mensch beobachtet. Einstein sagte: „Die Theorie bestimmt, was beobachtet werden kann.“ Aber mehr noch, in bestimmten teilchenphysikalischen Versuchen (Ich beschrieb das in „Alles ist Geist“) wird klar, dass die Beobachtung das Ergebnis eines einzelnen Versuches beeinflusst. Auch insofern kann von einer festgelegten Anzahl objektiv abrufbarer Informationen nicht die Rede sein.

Das Subjekt beeinflusst das Objekt. Ist hier Telepathie am Werk? Ist es so, dass der Geist erschafft?
Weiterlesen: Artikel ‚Telepathie – was sind telepathische Fähigkeiten?‘

Lesen Sie auch: ‚C.G. Jung – kollektives Unterbewusstsein‘

 

Kann der Mensch etwas NICHT wissen? Unwissenheit. was last modified: Februar 20th, 2016 by Henrik Geyer

Das Denken ist die Realität – und nicht: das Denken erzeugt Realität

Das Denken ist die Realität. Traum und Realität vermischen sich: Surrealismus. Spruchbild: Was ist die Realität, wenn nicht genau das, was der Einzelne über sie denkt?

Dieser Artikel legt dar, was die Auffassung „Das Denken ist die Realität“ bedeutet, und warum sie notwendigerweise zu fundamental neuen weltanschaulichen Überlegungen führt.

Das Denken ist die Realität

Es gab eine Phase in meinem Leben, die ich am Anfang meines Buches „Alles ist Geist“ schildere, da begriff ich, dass das Denken die Realität ist. Also nicht: das Denken bildet die Realität ab, oder dergleichen. Die Grundauffassung des Spirealismus ist: Die Realität gibt es nicht noch einmal extra, jenseits meines Denkens, etwa in objektiver Form.

Ist die Aussage „Denken ist die Realität“ vereinfachend?
Wer dies nun für eine Binsenweisheit hält, weil man leicht formulieren kann: „Bis zu einem gewissen Grad mag das stimmen…“ : Nein, es ist nicht trivial und nicht einfach, vorausgesetzt, man denkt den Gedanken zu Ende.

Um das zu verbildlichen: Ebenso schwierig ist zu sagen, dass Raum und Zeit im Zusammenhang stehen, so wie es Einstein tat. Ist das denn wirklich einfach? Es scheint höchstens dann einfach, wenn man es so sieht: „Wenn man aus Zwei Eins macht, ist Eins einfacher.“ Aber es ist nicht einfach, denn es bleibt ja die Frage, in welchem Zusammenhang die beiden Begriffe stehen. Wesentlich einfacher ist es, wie gewohnt strikt zu trennen.

„Das Denken ist die Realität“ ist eine Aussage, die in der Konsequenz jede Vorstellung des materialistischen Weltbildes fundamental verändert. Diese Aussage führt zu einer anderen Vorstellung, was Denken überhaupt ist. Sie führt zu einer anderen Vorstellung von der Unabhängigkeit des individuellen Denkens – und zu einem anderen Menschenbild.

Siehe Artikel „Denken erschafft“

Das Denken ist die Realität als spirealistischer Grundgedanke

Wenn man den Satz „Das Denken ist die Realität“ ernst nimmt (was ich tat), dann entfernt man sich automatisch von der Vorstellung, der Mensch würde feste Objekte in seinem Außen beobachten. Denn, wenn sich die Realität im Denken bildet – was ist dann das, was wir gemeinhin Realität nennen? Was sind die festen Objekte des Außen?

Und – eine ganz wichtige Frage: Haben etwa die festen Objekte in meinem Außen etwas mit mir zu tun? Und wenn ja, was?

Das Denken ist die Realität <> das Denken erzeugt Realität

Man kennt den Satz „Das Denken erzeugt Realität“.

Es kommt darauf an, wie man diesen Satz versteht. Er bleibt eindimensional, wenn es bei der Vorstellung eines Gehirns bleibt, das Realität wie eine Fabrik erzeugt.

Zweitens wird „das Denken erzeugt Realität“ meist so verstanden, dass das Denken im Gehirn einen Teil der Realität erzeugt, während der andere Teil in Form vorhandener Objekte weiterhin „da“ ist. Das enthebt der Mühe, sich von der Vorstellung eines aus Materieobjekten bestehenden Außen zu entfernen – die widersprüchliche materialistische Sichtweise bleibt.

Nein, nicht das Denken erzeugt Realität, das Denken ist bereits die Realität.

Wie kann man sich das vorstellen – wie ist das gemeint? Wenn man sagt, dies sei die Realität, oder jenes … was immer ich über die Realität aussage … Was könnte (für mich) die Realität jemals anderes sein, als das, was ich über sie denke oder sage?

Man bedenke: Wäre nicht eigentlich jede andere Aussage absurd? Soll man vielleicht das nicht als die Realität bezeichnen, was man doch für sie hält? Gemeinhin ist es umgekehrt. Denn man sieht sich gemeinhin selbst als den Realisten, und nur bei anderen wird vermutet, diese hätten nicht die richtige Vorstellung von der Realität.

Was also ist die Realität, wenn nicht genau das, was der Einzelne über sie denkt?

Verbindung zu uraltem Wissen

Ich fühlte mich, nachdem ich die Vorstellung „Das Denken ist die Realität“ mehr und mehr durchdrang, zu uralten spirituellen Weisheiten hingezogen, wie dem hermetischen Grundprinzip  „Alles ist Geist“ (daher nannte ich auch mein Buch schließlich „Alles ist Geist„).

Wenn das Denken (Geist) die Realität ist, dann müssen die Objekte, die ich in meinem Außen sehe, ebenfalls Geist sein. Es kann keine prinzipielle Trennung geben. Also ist tatsächlich alles Geist. Das Problem ist nur das Verständnis.

Normalerweise wird Geist als das Element verstanden, das die festen Objekte des Außen beobachtet und nachformt.

Wenn Geist aber das nicht ist, was dann? Wenn alles Geist ist, was sind dann die festen Objekte des Außen – die Bäume, die Straßen, die Dinge? Was ist dann das, was das eine Ich von einem anderen Ich trennt?

Man sieht: spirituelle Weisheiten, die sich seit Jahrtausenden überliefern, erhalten viel Sinn, wenn man die Welt unter dem Aspekt betrachtet: „Das Denken ist die Realität“. Doch bleiben sie in der materialistischen Begriffswelt rätselhaft und unverständlich. Man muss diese Vorstellung zu Ende führen – was mich zu den Gedanken brachte, die ich als Spirealismus zusammenfasse.

Surrealismus – Traum und Realität vermischen sich

Übrigens war die Erfahrung, von der ich in „Alles ist Geist“ berichtete, eine Erfahrung ganz ähnlich der, die Andre Breton machte. In dessen Leben führte diese Erfahrung zu etwas so Merkwürdigem wie der Kunstform des Surrealismus – man bezeichnet Breton als den Kopf der surrealistischen Bewegung in Frankreich.

Surrealismus ist eine Kunstform, die die Rätselhaftigkeit des Lebens ausdrückt. Diese Rätselhaftigkeit zu sehen – das muss man erst wieder lernen. In der heutigen materialistischen Gesellschaft ist diese Sichtweise weithin verloren gegangen.

Surrealismus ist eine Kunstform, die die Vermischung von Traum und Wirklichkeit als Tatsache begreift. (Surrealismus = Über-Realismus. Über-Realismus als eine Synthese von Gedachtem und Realem)

Und so fragt eben auch Surrealismus letztlich, was überhaupt die Realität ist.

siehe Artikel „was ist surreal?“

 

 

Das Denken ist die Realität – und nicht: das Denken erzeugt Realität was last modified: Februar 27th, 2016 by Henrik Geyer

Erkenntnis – was ist das? Die Chance und der Preis des Erkennens.

Erkenntnis - was ist das? Was ist die Chance des Erkennens - und sein Preis? Platos Höhlengleichnis und die Transformation einer Realität in die nächste.

Erkenntnis – erkennen. Etwas etwas er-kennen (im Sinne von „sehen“), und es dann kennen (also wissen). Etwas anfassen (angreifen), und dadurch etwas be-greifen. Erkenntnis ist ein Zuwachs an Wissen über die Welt.

Erkennen für den Spirealismus, bzw. den Materialismus. Wie erkennt man?

an dieser Stelle nur kurz der Unterschied in den Sichtweisen:

Der Materialismus geht davon aus, dass Geist (der Mensch) einen äußerlichen (materiellen) Prozess beobachtet. Erkenntnisprozess ist daher dem Materialismus vor allem das Beobachten der äußerlichen Zusammenhänge – also der Natur, des Stoffes, der Materie …

Dem Spirealismus, dessen Grundauffassung „alles ist Geist“ heißt, ist das Erkennen des Selbst identisch mit dem Erkennen der Welt. Denn die Frage WIE erkannt wird ist für den Spirealismus der Schlüssel dafür, WAS erkannt wird. Oder, anders gesagt: Die Denkvoraussetzungen entscheiden über die Folgerungen. Es ist somit das „Erkenne dich selbst“ des antiken Griechenlandes, das der Spirealismus für den Schlüssel der Erkenntnis hält.

Siehe auch Artikel zum Thema „Worte formen die Realität“

Erkenntnis in Platos Höhlengleichnis – mit dem Wissen ändert sich die Welt

Erkenntnis hat zwei Seiten.

Einerseits ist Erkenntnis das Begreifen der Welt in einer neuen Weise. Spirealistisch gesehen ist es die Erweiterung des Ich-Universums um Begriffe – um Festlegungen des Denkens in einer neuen Konstellation (Zitat: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“ Ludwig Wittgenstein)

der Preis der Erkenntnis

Daher bedeutet Erkenntnis andererseits durchaus auch das Verlassen einer Denkrealität zugunsten einer anderen. Da jede Denkrealität in sich logisch und vollständig zu sein scheint, ist das Verlassen einer Denkrealität zugunsten einer anderen nicht nur schön, und nicht nur bequem, sondern immer auch mit einem Verlust verbunden. Wenn man so will dem Verlust einer Welt.

Plato beschreibt das sehr schön in seinem Höhlengleichnis.

Er beschreibt Erkenntnis wie das Verlassen einer Höhle, aus der heraus man in das offene Sonnenlicht tritt. Das helle Licht des Tages ist das Erkennen der Welt in einem neuen Licht. In der Höhle hatte man die ganze Zeit Schatten an der Wand beobachtet, und diese Schatten als die Realität angesehen. Und nun begreift man: Die Realität liegt draußen, im gleißenden Sonnenlicht des Tages.

Mancher sehnt sich zurück in die Heimeligkeit der Höhlenschatten. Wenn es auch in der Höhle muffig und dumpf war, dennoch war auch die Welt der Höhlenschatten in sich vollständig. Es mangelte nichts. Die gleißende Sonne des Außen kann manches aufdecken, die Illusionen rauben….

Wer aber zurück will, der stellt fest: Ein Zurück gibt es nicht. Im spirealistischen Verständnis heißt das: Der Mensch kann die Objekte seines Ich-Universums nicht einfach willentlich verschwinden lassen. Die Objekte des Denkens sind seine Welt. Erweitert er diese Welt um das Sonnenlicht des Außen, kann er nicht ohne weiteres in die Höhle zurück: Er kann sich sich die Welt nie mehr als nur aus Schatten bestehend, denken.

Siehe auch Martin Eden – die negative Seite des Erkennens

Ende der Erkenntnis. Oder kommen wir von einer Höhle in die nächste?

Aus spirealistischer Sicht gibt es hier folgenden Aspekt. Das Denken ist mit einem Erkenntnisschritt in eine neue Realität getreten, aber es kann nach Verständnis des Spirealismus nicht „die Realität“ sein. Nicht die eine Realität, die einzige, die endgültige Realität – es gibt sie aus spirealistischer Sicht nicht.

Somit ist das Gleichnis der Höhle unvollkommen, denn aus dem Sonnenlicht des Gleichnisses kann man nicht in ein weiteres Sonnenlicht treten – das ist schwer vorstellbar. Doch genau das ist die Auffassung des Spirealismus – es gibt kein Ende der Erkenntnis. Insofern komme ich einmal mehr auf das Grundthema dieses Blogs zurück: die fehlende Objektivität.

Wir haben in nichts, nicht einmal dem kleinsten Begriff, Objektivität erlangt – und können das auch nicht. Denn es gibt kein Ende der Information zu irgendeinem Objekt. Wir können zu dem winzigsten Gegenstand immer weiterführende Überlegungen anstellen (und tun das auch), immer weiterführende Erkenntnisse erlangen, und kommen nie zu einem Ende. Eine Monade im eigentlichen Sinn, als äußerliches Objekt, gibt es nicht. Was also könnte ein endgültiges Erkennen sein? 

Erkenntnis – was ist das? Die Chance und der Preis des Erkennens. was last modified: Januar 14th, 2016 by Henrik Geyer

Martin Eden – die negative Seite der Erkenntnis

Henrik Geyer Martin Eden - die negative Seite der Erkenntnis. Martin Eden - Roman von Jack London. In Jack Londons Roman "Martin Eden" will ein einfacher Mann Schriftsteller werden. Sein Werdegang ist ein Weg der Erkenntnis, der ihn verzweifeln lässt..

Jack Londons Roman „Martin Eden“ beschreibt den Werdegang eines jungen Matrosen, der Schriftsteller werden möchte.

Gekonnt wie fast immer beschreibt London diesen Werde-Gang als einen Erkenntnisprozess, getrieben von dem unstillbaren Hunger des jungen Mannes, alles zu lernen was nötig ist, jede Bürde und jede Mühe auf sich zu nehmen, um schließlich als Schriftsteller erfolgreich zu werden.

Der Roman hat autobiografische Züge – es ist durchaus Londons eigene Geschichte.

Martin Eden und die Phase der Unschuld

Am Anfang ist Martin Eden fasziniert von der Welt der Intellektualität, der Worte, der Wahrheit wie er glaubt. Er muss viel lernen, damit aus dem unbeholfenen Slang des Seemanns Sätze werden, die gelesen werden.

Dann ist da der Zwang, ein Einkommen zu haben, der  ihn immer wieder vom Schreiben abbringt, hin zu einer Beschäftigung, die zwar Geld, aber keine geistige Erneuerung bringt.

Für sein Schreiben setzt Martin Eden alles ein und alles aufs Spiel – auch sein Liebesglück mit der Frau seines Herzens. Die fordert von ihm, endlich eine Stellung anzunehmen. Doch Eden ist starrköpfig. Eine Stellung anzunehmen würde die Aufgabe seines Planes, Schriftsteller zu werden, bedeuten. Er allein glaubt an sich – und scheinbar niemand sonst.

Martin Eden – „ausgeschrieben“ & Erfolg bahnt sich an

Er schreibt und schreibt. Seine Manuskripte kommen aus den Redaktionen der Magazine zurück. Man will sie nicht.

Seine Manuskripte werden von Freunden und Verwandten gelesen. Man findet ganz gut, was er schreibt. Man findet es manchmal aber auch verstörend, ungehörig, zu direkt. Eden schreibt zu „straight“ für viele seiner Angehörigen und Bekannten – etwa so, wie es die Art und Weise von Jack London selbst war.

Und sie fragen sich insgeheim: Kann wirklich gut sein, was niemand liest? Den Vertrauten seines Umfeldes bleibt das das Wichtigste. Alle müssen gut finden, was er schreibt, denn nur das, was alle gut finden, das kann dann auch gut sein. Daher ist ihr wichtigster Maßstab das Äußerliche, der Ruhm, das Geld in der Kasse, und nichts anderes.

 

Irgendwann ist Martin Eden „ausgeschrieben“. Er ist fertig, in ihm ist nichts mehr.

Zitat:

„I have done— Put by the lute.

Song and singing soon are over

As the airy shades that hover

In among the purple clover.

I have done— Put by the lute.

Once I sang as early thrushes

Sing among the dewy bushes;

Now I’m mute.

I am like a weary linnet,

For my throat has no song in it;

I have had my singing minute.

I have done. Put by the lute.“

 

Jetzt kann Martin Eden seine Manuskripte nur noch vermarkten.

Die Erkenntnis

In diesem Augenblick kommt der Erfolg. Ein Buch, das er verkaufen kann, wird von den Lesern angenommen. Plötzlich kommt er in die Magazine. Was er über Jahre schrieb, ist plötzlich begehrt. Er kann alle Manuskripte verkaufen – zu seinen eigenen Bedingungen verkaufen.

Von einem Tag auf den anderen ist Martin Eden beliebt, erhält Zustimmung, ist wohlhabend, wird bei seinen Feinden eingeladen, ist jetzt ihr Freund. Er erkennt, dass man in ihm, dem Schriftsteller, zuallererst den Erfolg sieht, nicht das, was in ihm ist. Denn der erfolglose Eden ist mit dem erfolgreichen Eden völlig identisch – lediglich in den Augen seines Umfeldes hat er sich komplett gewandelt.

Eden erkennt, dass er in den Augen der Menge etwas ganz anderes ist, als der wirkliche Eden. Etwas Erfolgreiches, aber auch etwas sehr Triviales und Durchsschnittliches. Das lässt ihn verzweifeln. Denn diese Erkenntnis löst seine Ideale auf, derenthalben er das Schreiben überhaupt angefangen hatte.

Auch sein Ideal von der Liebe ist zerstört. Seine Geliebte hat sich kurz vor seinem Erfolg von ihm getrennt. Jetzt, da er erfolgreich ist, möchte sie zu ihm zurück. Auch sie sieht nichts anderes in ihm, als das Äußerliche …

Der Roman endet in einer Tragödie – Martin Eden nimmt sich das Leben.

Es führt kein Weg zurück

Ich hatte an anderer Stelle über Erkenntnis geschrieben, über Platos Höhlengleichnis, und die darin zum Ausdruck kommende Tatsache, dass der Weg der Erkenntnis unumkehrbar ist. Der Roman „Martin Eden“ illustriert sehr schön diese Unumkehrbarkeit, und er macht auch deutlich, aus welchem Grund  sich mancher, der Erkenntnis erlangt, wünscht, die alte heile Welt möge sich wieder herstellen lassen.

 

 

Martin Eden – die negative Seite der Erkenntnis was last modified: Januar 10th, 2016 by Henrik Geyer

Roboter Mensch. Ist der Mensch ein humanoider Roboter?

Roboter Mensch - humanoider Roboter. Der Unterschied beginnt zu verschwimmen.

Ist der Mensch ein humanoider Roboter?

„Roboter Mensch.“ Der Titel klingt verrückt.

Ein humanoider Roboter ist ein Roboter mit menschlichen Zügen. Man stellt ihn sich als hochentwickelten Roboter vor, dem man vielleicht mit einer Art elastischem Plastik ein Gesicht modelliert.

Ich schreibe oft in diesem Blog über meine Sichtweise, den Spirealismus, über das hermetische Prinzip, (das auch einer meiner Buchtitel ist) „Alles ist Geist“. Alles ist Geist bedeutet: Geist ist überall. Geist verbindet alles miteinander. Geist ist im Menschen, und Geist ist auch im Roboter – Geist verbindet beide.

Schon bald, mit der Weiterentwicklung der Maschinen und der Informationstechnologie, wird man sich fragen (und tut es bereits zunehmend in der Gegenwart): was genau wird der Unterschied zwischen Roboter und Mensch sein? Werden sie verschmelzen, wird es keinen (sichtbaren) Unterschied mehr geben, vielleicht irgendwann auch keinen sonstwie merkbaren? Hierzu eine kurze Betrachtung.

Der Ursprung des Begriffes „Roboter“

Die Wurzel des Wortes Roboter liegt im Russischen, wo „rabota“ arbeiten bedeutet. Der Begriff „Roboter war in seinem Entstehen mit der Vorstellung verbunden, dass der Mensch immer bessere technische Hilfsmittel für sich herstellt – Maschinen. Die ultimativ hilfreichste Maschine wäre etwas, das alles machen kann wie ein Mensch, so geschickt und flexibel ist wie ein Mensch, aber doch kein Mensch ist. Etwas, das keinen eigenen Kopf hat, keinen Willen. In den populär werdenden Science-Fiction-Literatur (und Film) wurden Roboter daher immer als eine Art Sklave dargestellt, aber als nette Sklaven. Sklaven, die es nicht übel nehmen, wenn sie Befehle empfangen, und arbeiten müssen. Ein mechanischer Kumpel, sozusagen. Man denke an den Filmklassiker „Alarm im Weltall“, und den darin vorkommenden hilfreichen „Robbi“.

Der Begriff „Roboter“ heute

Heute hat sich der Begriff gewandelt, und alle möglichen Phantasien über Maschinen gingen in unsere Realität ein. Man denke an das böse Computergehirn aus „2001 – Odyssee im Weltraum“, oder den viel jüngeren Film „Ex_Machina“, in dem hochintelligent das Thema künstliche Intelligenz behandelt wird.

Der Roboter als mechanischer Hilfskumpel hat sich als Vorstellung überlebt. Der Roboter wird uns unheimlicher, je klüger er wird. Was kommt, ist ein ganz anderer Vorstellungsraum. Wenn wir künstliche Intelligenz haben werden, wird sich unsere Sicht auf uns selbst grundlegend ändern.

Roboter Mensch – Stellt die Natur den Menschen „her“?

Kann man den Menschen als humanoiden Roboter sehen? Wenn, dann müsste man über dieses „Produkt“ sagen, dass der Mensch es nicht selbst „herstellt“, sondern dass es zwar aus uns und durch uns entsteht, aber durch einen Vorgang, den wir nicht erfunden haben, und den wir „Fortpflanzung“ nennen. Das wäre also von der Vorstellung, wir würden etwas „herstellen“, weit entfernt. Eher könnte man sagen, Gott stellt hier „her“ – alles ist Geist. Auch die Natur „stellt Dinge her“, wenn man so will.

Sie stellt Geschöpfe her, die, nicht unähnlich einem Roboter, wenn man so will programmiert sind – aber so programmiert, dass die Programmierung dem Menschen selbst natürlich nicht erkennbar ist. Denn nicht er hat hier programmiert, er wurde programmiert.

Der bekannte Okkultist Gurdjeff glaubte, die Handlungen von Menschen liefen nach einem Schema ab, die Menschen seien quasi wie unbewusste Maschinen. Man muss sich fragen: Wie könnte die Maschine mehr über sich wissen, als das, was in ihr angelegt ist? Wie können wir eingrenzen, was wir nicht wissen. Ähnliches Thema zu Gurdjeff: Artikel Der vierte Weg

Umgekehrt: wenn wir die Prinzipien der Natur von dieser „abgucken“, und Produkte „herstellen“,  dann stellt im Grunde auch wieder die Natur Dinge her – denn wir Menschen sind ja selbst Produkte der Natur.

Ein wichtiger Unterschied scheint auch das Verständnis des Wortes „Programmieren“ zu sein – das scheint sich doch wesentlich vom menschlichen Geist zu unterscheiden. Programmieren – das ist die Vorstellung, wir würden Programmzeilen schreiben, und dieses Programm liefe dann komplett nach Fahrplan ab, so wie vorgedacht. Und, was einen Menschen von einem Roboter unterscheidet, ist, dass wir den Menschen nicht durchschauen können. Man kann also nicht an einem Plan ablesen, wie der Mensch handeln wird – und das wäre ja unsere Vorstellung von: etwas sei programmiert. Doch diese Vorstellung schleift sich an beiden Enden ab. Komplizierte Programme werden nicht so geschrieben, dass man das Endergebnis im Kopf, einfach Programmzeilen schreibt. Sondern es ist ein schöpferischer Prozess, bei dem das Produkt „Programm“ auf das „Wollen“ des Programmierers zurückwirkt; auf dessen Welt, sozusagen. Insofern versteht man die Programme nicht komplett, sondern man kann an Modulen Veränderungen vornehmen, und daraufhin prüfen, ob das gewünschte Resultat eintritt. Und umgekehrt – dass der Mensch nicht zu durchschauen wäre, oder dass er geistig völlig frei agieren würde, auch das erweist sich als immer weniger stimmig.

Die Welt ist eine Vorstellung

Der Spirealismus besagt, dass unsere Vorstellung von der Welt, und die Welt selbst, eins sind. Unsere Vorstellung von der Welt ist eben „nur“ eine Vorstellung. Man denke auch an Schopenhauers Werk „Die Welt als Wille und Vorstellung“ von 1819.

Unsere Vorstellung, wir wären von der Natur, bzw von der uns umgebenden Welt (und in diesem Artikel meine ich damit Roboter), getrennt und verschieden, ist nur eine Vorstellung. Wir sind es nicht – und dann wieder doch, weil unsere Vorstellungen zugleich unsere Realität sind. Doch unsere Vorstellungen, und damit unsere Realität, wandeln sich. Sie wandeln sich gerade sehr fundamental – denn je näher wir dem Wesen von Information kommen, umso mehr entdecken wir unsere eigene Natur.

Was uns Menschen grundsätzlich von den Maschinen unterscheidet, die wir schaffen können, oder, was uns auch nicht unterscheidet, werden wir wohl erst besser verstehen, wenn es technisch machbar ist, humanoide Roboter herzustellen. Dann werden wir auch verstehen, dass der humanoide Roboter eine Art Mensch ist. Dann werden wir eine neue Sicht auf uns selbst haben.

Lesen Sie auch: Artikel Was ist Gott? Die Notwendigkeit der Götter

Ähnliches Thema: Realität – was ist das?

Roboter Mensch. Ist der Mensch ein humanoider Roboter? was last modified: Juni 7th, 2016 by Henrik Geyer

Alles ist relativ. Kann einem dann alles egal sein? Einstein und die Relativität

Alles ist relativ. Wenn alles relativ ist, ist dann alles egal?

Alles ist relativ

Alles ist relativ – Albert Einstein sah Raum, Zeit, Geschwindigkeit, als zueinander relativ an. Er sagte, dass diese Größen von der Position des Beobachters abhängen. Für ihn war die Konstante die Lichtgeschwindigkeit.

Was wäre, wenn auch die Lichtgeschwindigkeit relativ wäre?

Gefragt, was passieren würde, wenn sich auch die Lichtgeschwindigkeit als relativ erweisen würde, antwortete er, dann müsse man sich eine andere Konstante suchen. Jedwede Berechnung oder sonstige feste Aussage  funktioniert eben nur mit einem festen Bezugssystem.

Spirealismus und die fehlende Objektivität

Der Spirealismus setzt voraus, dass es keine Objektivität gibt. Mithin ist, was wir beobachten, relativ. Will ich behaupten, Einstein sei Spirealist gewesen? Nein. Einstein war Vertreter der materialistischen Naturwissenschaften, die davon ausgeht, eine außerhalb des Menschen gelegene Wirklichkeit zu beobachten. Während der Spirealismus davon ausgeht, dass sich die menschliche Wirklichkeit durch den Menschen selbst erst realisiert.

Sichtweisen

Aber vielleicht hätte Einstein gesagt, dass man die Lichtgeschwindigkeit als relativ betrachten könnte, wenn man ein anderes Bezugssystem als fest begreifen würde. Vielleicht den Raum.

Jedenfalls war Einstein der Meinung, dass die Überzeugungen der Wissenschaft nicht mit einer absoluten Notwendigkeit in die Welt kommen. Beispielsweise gäbe es keine Notwendigkeit für die Gausssche Mathematik. Einstein bezeichnete es auch nicht als absolute Notwendigkeit, dass die kürzeste Strecke zwischen zwei Punkten eine Gerade sein müsse.

Insofern betrachtete er das Denken selbst als die eigentliche Quelle des Erkennens. Und das ist wiederum die spirealistische Sicht der Dinge.

Der Spirealismus sieht die Notwendigkeit für Konstanten dem Denken entspringen, nicht den Festlegungen einer nicht anders denkbaren Realität, bzw. auch nicht der Objektivität einer materiellen Außenwelt.

Ist, was wir sehen, davon abhängig, wie wir sehen?

Im Gegensatz zur materialistischen Betrachtung der gegenwärtigen Wissenschaft sieht der Spirealismus die Relativität in jedem Objekt des Denkens – durchaus auch des alltäglichen Denkens, während es die Sichtweise der Quantenphysik ist, dass diese nur bei den allerkleinsten Teilchen zu beobachten ist.

Die Ontologie des Materialismus beruhte auf der Illusion, daß man die Art der Existenz, das unmittelbar Faktische der uns umgebenden Welt, auf die Verhältnisse im atomaren Bereich extrapolieren könne.
Werner Heisenberg

Der Spirealismus ist eine Philosophie, und untersucht nicht Teilchen. Er sieht aber auch keine Notwendigkeit, Teilchen zu untersuchen, wenn es um die Grundfunktionalität des Denkens geht. Und die Art und Weise unseres Denkens sieht er als bestimmend dafür an, was wir sehen – z.B. auch Teilchen. Während die materialistische Vorstellung nahelegt, die Welt, wie wir sie sehen, sei nicht anders denkbar.

Wenn alles relativ ist, ist dann alles egal?

Bedeutet „alles ist relativ“ Beliebigkeit, Auflösung des Universums? Bedeutet das, dass dem Spirealisten alles egal ist?

Nein. Denn die Notwendigkeit Feststellungen zu treffen liegt in der Natur der Existenz, auch der Existenz des Menschen.  Im Spirealismus geht die Festlegung aus dem Menschen hervor, nicht aus der ihn umgebenden Welt (von der er in Wirklichkeit gar nicht zu trennen ist). Damit ist aber nicht gesagt, dass die Festlegungen eine Absolutheit hätten. Beispielsweise kommen wir nicht umhin, die Realität als dies oder jenes zu bezeichnen. Dennoch ist die Realität unter spirealistischen Gesichtspunkten keineswegs fest, sondern unterliegt der Sichtweise des Augenblicks. Dies zu wissen bedeutet nicht, dass alles egal ist, oder dass sich alles auflöst, sondern einfach, dass man sich der Relativität der Festlegungen bewusst ist, und diese in die Überlegungen einbeziehen kann. So wie es im Grunde Einstein tat.

 

 

 

Alles ist relativ. Kann einem dann alles egal sein? Einstein und die Relativität was last modified: November 29th, 2015 by Henrik Geyer

Was ist das Nichts?

Was ist das Nichts? Dies ist nicht das Nichts.

Wo ist das Problem?

Ist „das Nichts“ ETWAS? Ist es das, was ich in diesem Artikel als „das Nichts“ bezeichne?

Nein, das kann es nicht sein. Denn, wenn ich es bezeichne, dann tue ich doch so, als ließe sich das Nichts benennen, eingrenzen.

Doch das lässt es sich nicht. Was muss das Nichts in Wirklichkeit sein? Etwas Unendliches, nicht Benennbares, nicht Denkbares. Es steht im Gegensatz zu all dem, von dem ich sage, dass es IST. Es ist alles das, was das Sein nicht ist.

Wie sollte es also eingrenzbar sein?

Das Andere, das Nichts … ist nicht eingrenzbar und nicht benennbar.

Platos Nicht-Sein

Man kennt eine ähnliche Diskussion aus den Schriften des Philosophen Plato.

Vor  2500 Jahren sagte Plato, dass das Nicht-Seiende weder gültig auszusprechen noch zu sagen noch zu denken sei. Es sei unausdenkbar, unaussprechlich, nicht in Worte zu fassen, begriffslos. Es sei ein Unbegriff, ein Alogon.

Was den Widerspruch noch verstärkt, sei, wenn man dem Nichtseienden eine Zahl hinzufügt, wenn man beispielsweise sagt, es sei „ES“. Also, wenn man von ihm, dem Nichts, in der Einzahl spricht.

Analogien in unseren Worten

Es gibt viele Worte, die in diesem Sinn widersprüchlich sind, wenn sie sich direkt oder indirekt auf „das Nichts“ beziehen. Beispielsweise wie gesagt das Wort „das Andere“, oder „das Unaussprechliche“, „das Undenkbare“, und so weiter.

In  „Alles ist Geist“ komme ich auf diese Paradoxie über das Wort „das Unbewusste“. Auch wenn man von „dem Unbewussten“ spricht, wird etwas bezeichnet, von dem man sagt, es sei nicht bewusst, also nicht im aussprechbaren Denken. Wie kann man es dann aussprechen? Psychologen verstehen die Fragestellung nicht. Meist wird sofort begonnen zu erklären, das Unbewusste sei dies, und dann das… man bemerkt es erst wenn …  etc. Man spricht. Während des Sprechens formt sich das Unbewusste. Aus dem Nicht Bewussten wird das Bewusste; aus dem Nichts, das Nicht-Etwas ist, wird Etwas. Aus dem Nichtsein wird Sein.

der Spirealismus und das Nichts

Das Nichts lässt sich nicht eingrenzen. Plato hatte Recht. Warum spielt Platos Weisheit in der Gegenwart keine Rolle? Warum meinen die Menschen immer, das Nichts sei etwas, dem sie auf der Spur sind, sobald sie anfangen zu sprechen? Der Grund ist, dass unsere materialistische Weltanschauung nahelegt, dass der Mensch in Widerspiegelung von etwas anderem, dieses Andere vollständig erkennen könne. Es erschließt sich uns nicht, dass etwas scheinbar so Schlichtes, etwas so Winziges wie das Nichts, unbegreifbar sein soll. Wir begreifen doch alles! Das Alles ist riesig und das Nichts ist winzig klein. Warum sollten wir also, wenn wir alles begreifen können, gerade das Nichts nicht begreifen?

Der Spirealismus ist eine dem Materialismus entgegengesetzte Denkrichtung. In ihm ist es eine Denkgrundlage, dass der Mensch nicht das alles erkennende Genie ist, das in seinem Denken einen äußerlichen Prozess widerspiegelt. Sondern er ist ein Element eines umfassenden Denkens. Daher kommt, was durch ihn gedacht wird, erst in eine Existenz. Jenseits der Existenz zu denken, liegt daher nicht in seiner Macht, denn er und sein Denken – das ist die Existenz. Insofern erklärt sich das Paradox des Plato. Das Nichts ist für uns nicht zu denken, da wir immer an ETWAS denken.

Den Zusammenhang von Denken und Realisierung, von Denken und Existenz, drückte Paul Watzlawick einmal so aus: „Die Prophezeiung des Ereignisses führt zum Ereignis der Prophezeiung..“

Das alte hermetische Prinzip „Alles ist Geist“ formt der Spirealismus zu: Die Existenz ist die Existenz der Gedanken. Sobald wir vom Nichts sprechen, hat „das Nichts“ eine Existenz in den Gedanken. Und die Gedanken können nichts anderes erfassen, als ETWAS. ETWAS zu denken ist die Existenz. Die Gedanken können nicht NICHT-ETWAS erfassen. Man kann nicht nicht denken. Nichts zu denken ist individuelle Nicht-Existenz, man könnte auch sagen: Nirvana, Tod.

Daher können wir  in Worten nicht sinnvoll „das Nichts“ ausdrücken. Für den Spirealismus ist das Nichts nicht winzig, sondern, im Gegenteil, die Unendlichkeit, eben weil sie nicht eingrenzbar ist. Das Nichts ist die Unendlichkeit, aus der das Sein erwächst.

 

Nebenbei gesagt, ist dies für den Materialismus eine unbefriedigende Auskunft, denn aus seiner Systematik heraus glaubt der Materialismus, der Mensch könne alles denken und prinzipiell alles erkennen. Und was seiner Grundannahme zuwiderläuft, sieht aus der Systematik des Materialismus wie unlogisch aus.

Der Spirealismus bringt insofern ein anderes Menschenbild ins Spiel, von dem aber an anderer Stelle noch die Rede sein wird.

 

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Was ist das Nichts? was last modified: Januar 11th, 2016 by Henrik Geyer

Geistiges Heilen, spirituelle Heilmethoden

Geistiges Heilen

Geistiges Heilen – gibt es das? Ist es wirksam?

Ich las neulich folgende Geschichte. Ein Buchautor berichtete von einem gesundheitlichen Problem, das er in mittleren Jahren gehabt hatte.

Er hatte ein Magengeschwür entwickelt und hatte sich dagegen behandeln lassen, mit den üblichen Medikamenten und Methoden. Natürlich beachtete er, was der Arzt ihm gesagt hatte: er nahm die Medikamente, er trank viel Milch, er aß Hüttenkäse mit Toast et cetera.

Eines Tages ging er zu einer Massage, und er bat den Masseur, pfleglich mit ihm umzugehen, er habe ja dieses Problem, das Magengeschwür.

Der Masseur fragte ihn, wie alt er sei.

„36.“

Der Masseur fragte „Willst du wirklich von diesem Magengeschwüren geheilt werden?“

„Ja, selbstverständlich!“

„Dann vergiss es.“

Das erschien dem Mann rätselhaft, er bestellte sich jedoch an demselben Abend ein Bier (entgegen ärztlichem Rat) – an Stelle der Milch. Es befürchtete es könne zu Schmerzen kommen, aber es passierte – erst einmal nichts. Er dachte tatsächlich immer weniger an das Magengeschwür und wurde in der Folge geheilt. Die Heilung war durch ein Umdenken erfolgt, sie ging vom Kopf aus. 

Bei dieser Geschichte denkt man an einen Satz PlatosDie größte Behinderung des Lebens liegt darin, ständig auf die Gesundheit zu achten.

Kann geistiges Heilen wirksam sein?

Gerade bei sogenannten „psychosomatischen“ Erkrankungen, bei denen die Erkrankung auch aus schulmedizinischer Sicht „geistiger Natur“ ist, sind die Chancen auf Heilung durch ein Umdenken, durch mehr Spiritualität, groß.

Ich selbst habe eine solche Heilung erlebt, und ich habe auch erlebt, dass die Schulmedizin zwar den Begriff der Psychosomatik hat, also des durch die Psyche hervorgerufenen Krankheitssymptoms. Aber sie kann damit wenig anfangen, weil ihr die Psyche letztendlich rätselhaft ist. Die Psyche ist nicht naturwissenschaftlich fassbar – die Resultate, die sie zeitigt, sind nicht in einem Außen nachweisbar.

Zu den Wegen der Psyche haben Religionen und spirituelle Weisheitslehren die besseren Aussagen. Dies wiederum hört man in den materialistischen Naturwissenschaften nicht gern – dort wird geistiges Heilen eher als Scharlatanerie gesehen.

Dennoch ist, ich habe es selbst erlebt, geistiges Heilen durchaus wirksam – und darauf kommt es letztlich an.

Geistiges Heilen und der Unterschied zwischen Körper und Geist

In unserer Kultur wird der Unterschied von Körper und Geist als gegeben angesehen. Es ist die Basis unseres Denkens – wir denken in den Kategorien der materialistischen Sichtweise, der Unterscheidung: dort die Materie in einem Außen, hier der Geist (wir selbst), der das Materielle in seinem Innen widerspiegelt.

In diesem Blog komme ich oft genug auf meine Philosophie, den Spirealismus, zu sprechen, dem zufolge alles Geist ist, auch unser Körper. Der Spirealismus verbindet die Wahrheit des Spirituellen mit den Wahrheiten der Wissenschaft, nennt die Macht des Glaubens ebenso existent wie die Wirksamkeit der Wissenschaft. Weil das alles verbindende Element Geist ist.

Einheit von Körper und Geist

Dem Spirealismus zufolge besteht also eine Einheitlichkeit von Körper und Geist. Um dies wirklich zu verstehen muss man allerdings „den Geist“ anders sehen, als wir ihn materialistisch sehen.

Alles ist Geist – das bedeutet zu verstehen, Teil zu sein; Teil eines umfassenden Geistes. Nicht wir sehen mit gottgleichem, geistigen Blick, auf das Nichtgeistige, sondern Geist umhüllt und erschafft uns. Teil zu sein bedeutet, wir sind nicht alles. Es bedeutet, gegenüber dem Allem ist unser Begriffsvermögen begrenzt.

Es ist dies ein völlig anderes Menschenbild, als es der Materialismus hat, der ja, abgeleitet von seinem Grundsatz „ein freier Geist beobachtet die Festlegungen der Materie“ zu wissen meint, der Mensch könne die Natur in Endgültigkeit erkennen.

Auch wenn es von einer Begrenztheit des menschlichen Geistes ausgeht, ist das spirealistische Menschenbild kein den Menschen klein machendes, oder herabwürdigendes Menschenbild. Es ordnet richtiger ein. Es hält andere Folgerungen bereit; setzt andere Prämissen.

In medizinischer Hinsicht wird dadurch klarer, dass wir „geistige Wirkungen“ nicht klar umgrenzen können. Was wir denken hat immer seine Wirkung. Denn das, was wir als „unseren Geist“ ansehen geht nahtlos über in das, was uns als Geist umgibt, das wir aber nicht als unser Ich kennen. Somit geht „Psychosomatik“ nahtlos über in jede andere Krankheitsform.

Dieser Gedanke macht uns achtsamer uns selbst gegenüber, und dem, was wir denken – und es macht uns in der Folge gesünder.

Geistiges Heilen, spirituelle Heilmethoden was last modified: Februar 13th, 2016 by Henrik Geyer