Bewusstsein und Materie

Wo ist die Grenze zwischen Bewusstsein und Materie?

Wer noch nicht an sich selbst beobachtete, dass die Wandlung einer inneren Auffassung von etwas dieses Etwas selbst verändert, der nennt Menschen, die die Veränderung der eigenen Situation vom Glauben her angehen, vielleicht „Wunschdenker“. Die Vorstellung, mit Bewusstsein die Realität verändern zu wollen, nennt man „unrealistisch“. Man meint einen Kinder-Irrglauben im Anderen zu entdecken, hält das für naiv.

Ein Wort zu Glauben und Wissen, Bewusstsein und Materie

Man sieht nicht, dass es sich bei dem von der Religion gemeinten „Glauben“ aus der subjektiven Sicht nicht um einen Glauben, sondern um Wissen handelt. Nur als felsenfestes Wissen ist Glaube wirksam.

Der Glaube ist als Wissen entstanden, nicht als Wunsch, oder gar als Etwas-nicht-genau-Wissen.

Es ist eine unbestreitbare Tatsache, dass Gedanken Realität besitzen, sogar die entscheidende. Die Frage ist nur: in welchem Maß lässt sich durch Bewusstsein die Realität beeinflussen? Das ist verbunden mit der Frage, was unsere Wirklichkeit in Wirklichkeit, eigentlich, im Grunde, in der Realität, ist?

Ist die Realität vielleicht der Gedanke an eine Realität … in uns? Oder handelt es sich bei der Realität um Objekte und Vorgänge außerhalb von uns, was beides eindeutig voneinander unterscheidbar machen würde??

Bewusstsein und Materie – wer kann genau unterscheiden?

„Ich weiß nicht, ob ich ein Mann bin, der träumt, ein Schmetterling zu sein, oder ob ich ein Schmetterling bin, der träumt, ein Mann zu sein..“

… dieses Zitat stammt von Dschuang Dsi, einem taoistischen Philosophen etwa 350 – 275 v. Chr.

Sind die Gedanken meines Wachseins genauso real wie die Gedanken meiner Träume? Was unterscheidet beides? Haben Gedanken überhaupt Realität? Scheinbar sind doch die Objekte des Außen, die materiellen Objekte, von einer ganz anderen Beschaffenheit, als Gedanken? Die Tische, die Häuser, die Sterne sind doch scheinbar so grundverschieden von den Gedanken, den Gedanken beispielsweise an Tische, Häuser, Sterne.

Wir erleben zwar ständig, dass Gedanken Realität werden – sich materialisieren, indem sich Dinge aus unserem Geist in der Realität umsetzen. Wir denken an einen Kaffee und haben im nächsten Moment einen Kaffee in der Hand, den wir trinken können. Und wir erleben auch ständig, dass äußere Objekte Gedanken werden, indem wir uns von den äußeren Objekten Begriffe bilden, die dann in unserem Geist existieren. Nur möchten wir etwas Grundverschiedenes, Gegensätzliches in Materie und Geist sehen. Oder besser ausgedrückt: wir sind es gewohnt, diesen Gegensatz zu sehen.

Die Verwandlung des Geistigen in etwas Reales erleben wir also ständig – es ist Normalität. Und doch sehen wir etwas so Gegensätzliches in Geist und Materie, in Phantasie und Realität. Irgendwo muss doch die Umwandlung von der Idee in Materie einsetzen und stattfinden. Wo und wann?

Wenn man sich einen Kaffee macht, dann wird aus dem Gedanken an einen Kaffee eine Tasse in der Hand! Etwas materialisiert sich. Der Gedanke wird zu Stoff, indem der Körper handelt, sich den Kaffee macht, Bewegungsenergie sinnvoll einsetzt, um den Kaffee zu machen – es handelt sich also zumindest um eine Umwandlung von Geist in Bewegungsenergie (nach Einstein ist Energie eine Form der Materie).

Die Welt ist bereits durch und durch geistig

Der Spirealismus vertritt die Auffassung, dass Materie unsere Sichtweise auf Information ist. Die Welt ist Geist, ist Information, und der Versuch unterscheiden zu wollen, zwischen Geist und Materie, ein künstlicher.

In meinen Büchern gehe ich der Frage nach, was die Dinge, die wir sehen, „wirklich“ sind. Was ist der Ursprung und das Wesens unserer Vorstellung von Realität? Was ist ein Objekt? Was ist Zeit und Raum? Wodurch ist die Realität definiert? Die Grenze zwischen Geistigem und Materiellem ist und bleibt weitgehend undefiniert.

Ausgangspunkt für meine Überlegungen war, dass ich am eigenen Leib erfuhr, dass eine Änderung der geistigen Disposition eine Änderung der Welt bewirkt. Meiner Welt immerhin …. aber auch der einzigen Welt, die ich kenne.

Geistig ist materiell. Die Grenze ist zwischen beidem ist eine Vorstellung. Eine Vorstellung des Geistes.

Bewusstsein und Materie was last modified: Juli 19th, 2016 by Henrik Geyer

C.G. Jung – kollektives Unterbewusstsein

kollektives Unterbewusstsein

Kollektives Unterbewusstsein – was ist das? In diesem Artikel geht es um die Weiterentwicklung der Vorstellung von Bewusstsein und Unterbewusstsein, ausgehend von den Vorstellungen Sigmund Freuds.

Lesen Sie auch: Beitrag ‚Das ES – Sigmund Freud und die Entdeckung des Unbewussten‘

Freud und Jung

C.G. Jung entwickelte die Freudsche Vorstellung weiter. Freud und Jung kannten sich gut. Freud wollte den jungen und talentierten Jung eigentlich als Erbe und Multiplikator seiner eigenen wissenschaftlichen Erkenntnisse gewinnen. Jung hätte dazu die Forschungen Freuds vorbehaltlos studieren und selbst weitertragen müssen. Doch Jung hatte eigene Vorstellungen. Er empfand beispielsweise die Fixiertheit Freuds auf das Sexuelle als falsch. Er sprach sogar davon, Freud habe diesbezüglich eine Neurose. Freud erwiderte das mit eben solchen „Freundlichkeiten“. Das mutet ein wenig komisch an, wenn man sich vorstellt, dass es sich um den Streit zweier Psychiater handelte.

Jung hatte auch nicht die Vorstellung Sigmund Freuds, die Aufgabe des Bewusstseins sei es, das triebhafte Unterbewusstsein unter Kontrolle zu bringen, und es sei umgekehrt auch nicht das Wesen des Unterbewussten, tierische Triebe unter Verschluss zu halten. Er sah die Gedanken des Bewusstseins einfach in den unbewussten Bereich übergehen. Eine besondere, streng vom bewussten Denken zu trennende Qualität, wollte er den unbewussten Gedanken nicht zueignen.

kollektives Unterbewusstsein

Was Jung darüber hinaus feststellte, war, dass es Bilder und Vorstellungen in allen Menschen gibt, die nicht erlernt werden müssen, sondern einfach so „da“ sind. Diese „Archetypen“ – das sind Urbilder der Menschheit, wie zum Beispiel der Weise, oder die Mutter, und viele mehr. Er nannte das kollektives Unterbewusstsein – kollektiv, weil alle dieses (Unter-)Bewusstsein haben, ohne sich verbal abstimmen zu müssen.

Das war auch Jung rätselhaft und interessant, weil es ja nicht mit der Vorstellung des Bewusstseins zusammenpasst, dass der Mensch sich im Bewusstsein erst selbst erkennt. Eigentlich war (und ist) die Vorstellung doch, das der Mensch schon materiell „da“ sei, und das Bewusstsein liefere ihm nun noch ein genaues Bild seiner selbst.

Schon die Entdeckung des Unterbewusstseins selbst war spektakulär. Der Mensch soll sich seines Selbst nicht recht bewusst sein …! Was wissen wir eigentlich NICHT über uns? 

Lesen Sie auch: ‚Was ist das Nichts? als Grundfrage der Philosophie.‘

Nun soll der Mensch im Geistigen auch noch einer gemeinsamen geistigen Quelle entspringen … ! Einer Quelle sogar, die er selbst nicht kennt.

Das war doch merkwürdig! Das sah also so aus, als würde das Bewusstsein (das Geistige) aus etwas geboren, das schon „da“ ist, genau wie der materielle Mensch. Demnach konnte es nicht stimmen, wenn man sich das menschliche Denken so vorstellt, als ginge es aus einem universellem Werkzeugkasten hervor, in Form eines hochentwickelten Gehirns, das individuell erst noch „programmiert“ werden muss. Sondern es schien eher so, als sei das Gehirn bereits programmiert, und zwar mit Inhalten, von denen der Mensch gemeinhin annimmt, er würde sie sich aus eigener Kraft und eigener Genialität selbst aneignen. Ist der Mensch vielleicht gar nicht so frei, wie er glaubt? Ist er wie programmiert?

 

Das Verhältnis des Bewusstseins zum kollektiven Unterbewusstsein ist in der folgenden Grafik abgebildet:

Kollektives Unterbewusstsein / Das Unbewusste in der Vorstellung C.G.Jungs, als etwas Unter-der-Oberfläche-Liegendes / Bewusstsein wie Inseln im Meer
Das Unbewusste in der Vorstellung C.G.Jungs, als etwas Unter-der-Oberfläche-Liegendes / Bewusstsein wie Inseln im Meer. Kollektives Unterbewusstsein als unsichtbare Verbindung zwischen den Menschen

 

Jung stellte sich das Bewusstsein vor wie Inseln, die aus dem Meer ragen. Sie scheinen getrennt, sind es aber nicht. Was die Inseln verbindet ist unsichtbar, weil es unter der Wasseroberfläche verborgen ist. Das, was Freud das Unterbewusstsein nannte, sah Jung in einen allgemeinen Bereich übergehen – geistige Inhalte, in denen alle Menschen verbunden sind (im Bild der Meeresgrund). Er nannte dies kollektives Unterbewusstsein.

In diesem kollektiven Unterbewusstsein finden sich Begriffe und Geschichten, die jeder kennt (intuitiv), und die nicht erlernt werden müssen. Jung stellte das fest, indem er Worte und Vorstellungen verschiedenster Völker miteinander verglich, und Gleichheiten erkannte.

Sind wir am Ende gar nicht einzeln, sondern wie Zellen eines Körpers, die zusammengehalten werden, von einem uns zusammen-zwingenden Band (kollektives Unterbewusstsein), das wir nur selbst nicht erkennen können?

Siehe auch: ‚Anthropozentrismus – seine Ursache und Funktion‘

C.G. Jung – kollektives Unterbewusstsein was last modified: Februar 20th, 2016 by Henrik Geyer

Das ES – Sigmund Freud und die Entdeckung des Unbewussten

Sigmund Freud - das ES, die Entdeckung des Unbewussten / Die Ungeheur des "ES"

Im 20. Jahrhundert wurde das Unbewusste durch Freud quasi wiederentdeckt. Eigentlich nahm man an, dass das, was der Mensch denkt, auch das sein müsse, was es gibt, und die Welt des Menschen sei durch das bewusste Denken vollständig beschrieben. Das ES – die unheimliche Vorstellung einer Welt jenseits der Welt war geboren.

Ähnliches Thema: ‚Was wissen wir nicht? Kann der Mensch etwas NICHT wissen? Unwissenheit.‘

das ES steuert den Menschen

Freud entdeckte, dass der Mensch neben den Gedanken, die er bewusst denkt, auch Gedanken hat, die nicht in seinem Bewusstsein auftauchen, ihn aber dennoch bestimmen und handeln lassen. Das war sehr spektakulär, denn die Menschen dachten bis dahin (was sie wohl heute immer noch denken), das Bewusstsein sei alles, was ist. Sie wüssten also mit einiger Vollständigkeit, was die Welt ist. Und sie wüssten noch viel mehr und besser, was sie selbst sind.

Die Methode, mit der Freud diese Gedanken aufdeckte, war die Psychoanalyse. Also Gespräche über die Gedanken des Patienten, mehr oder weniger in der Form, dass der Patient über seine Erfahrungen und Träume spricht, und der Psychoanalytiker hört zu und analysiert.

Sigmund FreudFreuds Vorstellung vom Unbewussten war dabei (weiterhin), dass das Bewusstsein das Unbewusste dominiert und kontrolliert. So gesehen war Freuds Vorstellung lediglich eine Variante der schon vorher anzutreffenden Annahme, der Mensch überblicke und kontrolliere mit seinem Bewusstein eine äußerliche Realität.

Das Unterbewusstsein als der triebhafte Troll

Er sah das Bewusstsein, dieses gesellschaftlich akzeptierte, vornehme Gentleman-Bewusstsein, das den Menschen erst ausmacht, und ihn gegenüber der Tierwelt hervorhebt (von der Tierwelt nahm man als gesichert an, dort gäbe es kein Bewusstsein), als den Gegenspieler des Unterbewusstseins. Die Annahme war, dass sich die vielfältigen tierischen Begierden und Triebe des Menschen in das Unterbewusstein zurückgezogen hätten,  und nur im Ausnahmefall in das Bewusstein zu bringen wären – zum Beispiel eben durch Psychoanalyse.

Das Unterbewusstsein führe aber ein denkendes Eigenleben, und äußere sich auch im Handeln des Menschen – zum Glück bekomme der Mensch in der Regel davon gar nicht so viel mit.

Zu akzeptieren, dass das Denken des Menschen auch Anteile hat, von denen der Mensch nichts weiß, bedeutet allerdings auch, dass der Mensch sich von der Illusion trennen müsse, er könnte im Bewusstsein alle ihn bestimmenden Einflüsse nennen – eine Kontradiktion zum allgemeinen Denken, und zum Denken Freuds. Denn auch Freud glaubte ja an die Erkennbarkeit des Unbewussten (eben durch Psychoanalyse). Immerhin aber sagte er, dass sich der Mensch von der ihn überheblich machenden Vorstellung trennen müsse, „Herr im eigenen Haus“ zu sein.

Dass Freud mit dem Unterbewusstsein tierische Triebe verband, bezeugt die Tatsache, dass er in erster Linie alle möglichen sexuellen (Ab-)Artigkeiten im Unterbewusstsein suchte und fand. Am Anfang des 20. Jahrhunderts war das ein sehr weites Feld, da man von dem, was sich „schickt“, eine überaus strikte Vorstellung hatte.

Das ES in der Popkultur

Populäre Verarbeitungen der Sichtweise „das Unbewusste als das schreckliche Tier in uns“ trifft man im gesellschaftlichen Denken dieser Zeit an.

Beispielsweise im Film „Spellbound“ („Ich kämpfe um dich“) von 1945, in dem der von Gregory Peck gespielte Held seine vermeintlichen Untaten in das Unterbewusstsein verbannt hat. In den nicht erkennbaren und nicht benennbaren Bereich – das ES. Erst durch geschicktes Assoziieren gelingt es hervorzubringen, was der Held eigentlich die ganze Zeit schon „wusste“, jedoch nicht benennen konnte. Der surrealistische Maler Salvador Dali gestaltete für diesen Film eindrucksvolle Kulissen insbesondere der „Traumsequenz“.

In einem anderen Film, einem Science-Fiction-Film namens „Alarm im Weltall“ von 1956 geht es um einen Wissenschaftler namens Morbius, der in den Besitz einer außerirdischen Technologie kommt – diese kann Gedanken materialisieren. An dem Gerät einschlafend, werden die Ungeheuer seines Unterbewusstseins lebendig. Es sind im Film die Ungeheuer des ES. Diese Ungeheuer, durch Morbius erst geschaffen, bringen Mord und Verderben über ihn selbst und seine Familie. Also im Grunde eine Metapher für die Bösartigkeit und Allmacht des Unbewussten, wenn es „von der Leine“ gelassen wird.

Das Es – der Star

Star beider Filme ist das ES – die dem Menschen unheimlich anmutende Vorstellung, er sei von etwas anderem regiert, als den Inhalten des Bewusstseins. Denn man fragt sich ja dann: „Was ist eigentlich meine Realität? Was ist mein freier Wille?“

 

Weiterlesen: ‚C.G. Jung – kollektives Unterbewusstsein‘

Auch interessant: ‚Das Unbewusste als das Unbekannte‘

Das ES – Sigmund Freud und die Entdeckung des Unbewussten was last modified: Juni 5th, 2016 by Henrik Geyer

Das Unbewusste als das Unbekannte

Das Unbewusste als das Unbekannte

Ich möchte in diesem Artikel ein anderes Konzept für das Unbewusste darstellen. Das Unbewusste als das Unbekannte. Das Unbewusste als das, was wir nicht wissen, und aus systemischem Grund nicht wissen können. Das Unbewusste als Synonym für das Nichts.

Im hier vorgestellten Sinn ist das Unbewusste Ausdruck des spirealistischen Weltbildes. Der spirealistische Begriff des Unbewussten steht im Gegensatz zum materialistischen Begriff des Unbewussten, als erkennbar (und damit bereits erkannt).

Ähnliches Thema: Artikel ‚Materialismus – was ist das?‘

Das Unbewusste als das Unbekannte – wozu soll das gut sein?

Zunächst einmal zu einer Frage, die mir öfters begegnet. Wenn man schlicht sagt, das Unbewusste sei quasi einfach das Unbekannte, ist das nicht ein Rückschritt? Gibt man damit nicht Wissen auf, das man hat – nämlich das Wissen über das Unbewusste?

Ist das überhaupt Wissen, was der Spirealismus da ausdrückt, oder nicht einfach „Wissen, dass man nichts weiß“, was wiederum ziemlich überflüssig klingt?

Nein.

Erstens: Man gibt kein Wissen auf, denn man vergisst ja nichts. Man muss auch nicht alles Hoffen und Streben aufgeben, nur weil man feststellt, dass das, was man Wissen nennt, eine andere Bedeutung haben könnte.

Zweitens: die Sichtweise, das Unbewusste als das Unbekannte zu sehen, ist einfach eine andere Wahrnehmung des Bewusstseins. Diese Wahrnehmung verbindet sich im Spirealismus mit einer anderen Wahrnehmung was der Mensch ist, was Erkenntnis ist und Wahrheit. Und was das Wesen des Kosmos ist. (Denn alles, was ist, was das All ist, sehen wir ja durch das Bewussstein)

Weiterlesen: Artikel ‚Weltall – All – Alles. Was ist alles? Das Weltall als Vorstellung‘

Drittens: Spirealismus führt in seinen Schlüssen sehr viel weiter, und in eine ganz andere Richtung, als der Materialismus. Erst einmal führt er weltanschaulich weiter, aber später sicherlich auch wissenschaftlich.

Warum ist das Unbewusste gleich dem Unbekannten?

Man redet vom Unbewussten, und glaubt, dieses benennen zu können. Doch wie will man etwas benennen, das man nicht kennt? Schließlich ist doch alles, von dem wir denken oder sprechen können, definitionsgemäß IM Bewusstsein, und nicht außerhalb.

Plato hatte einen ganz ähnlichen Einwand (eigentlich denselben) zum Nichts gemacht. Was kann man über das Nichts sagen, wenn der Begriff des Nichts doch nichts beinhaltet? Und ebenso verhält es sich mit dem Unbewussten.

Das Unbewusste ist das, was wir nicht wissen

Demgemäß ist das Unbewusste das, was wir nicht wissen.

Genauso gut könnte man technische Wissen, wie ein Elektromotor funktioniert, angenommen man hat dieses Wissen nicht, „unbewusst“ nennen. Oder man nennt jemanden, der dumm ist, unbewusst.

Dummheit ist unbewusste Unwissenheit.
Josh Billings

Oder man könnte das Wissen, wie Photosynthese funktioniert „unbewusst“ nennen. (die Besonderheit ist hier, dass es kein menschliches Wissen gibt, wie Photosynthese funktioniert).

Oder man könnte all das Denken, das die Funktionalität des Körpers betrifft, unbewusst nennen. Der Körper „handelt“, er funktioniert, all das ist etwas, was „Ich mache“ – und zwar aus Gründen und aus Gedanken heraus, die ich nicht kenne. Also trifft hier alles zu, was wir über das Unbewusste wissen – es ist uns eben nicht bewusst. Es ist uns unbekannt.

Das Bewusste ist das, was wir wissen

Das Bewusste wiederum – das sind die Gedanken die wir von Moment zu Moment denken, und die eine gewisse Redundanz aufweisen, was wir Erinnerung nennen.

Was wir über die Funktionalität des Magens wissen, ist uns bewusst. Was wir über die Gründe von uns selbst wissen, unsere geistigen Wurzeln in der Jugend etwa, etc., ist uns bewusst. Man kann all das nicht unbewusst nennen.

Den Grenzbereich zwischen Bewusstem und Unbewusstem nenne ich Phantasie, Assoziieren, Traum.

Weiterlesen:  ‚Kreativität und Phantasie‘

 

Das Unbewusste in der Vorstellung C.G.Jungs, als etwas Unter-der-Oberfläche-Liegendes / Bewusstsein wie Inseln im Meer
Das Unbewusste in der Vorstellung C.G.Jungs, als etwas Unter-der-Oberfläche-Liegendes / Bewusstsein wie Inseln im Meer

In der obigen Grafik kommt die Sichtweise von C.G.Jung auf das Bewusstsein, bzw. Unterbewusstsein zum Ausdruck. In Weiterentwicklung der Anschauungen Sigmund Freuds sah er das Unbewusste als teilweise individuell an, teilweise kollektiv.  D.h., dass das, was sich dem Menschen als Inhalt seines Unterbewusstsein entlocken lässt, ist teilweise seine eigene, individuelle Erfahrung, teilweise kommt in jedem Individuum eine Menschheitserfahrung (kollektives Unterbewussstein/Archetypen) zum Ausdruck, die nicht erlernt werden muss.

 

Das Unbewusste / Nicht Bewusste als das Unbekannte
Das Unbewusste / Nicht Bewusste als das Unbekannte

Im obigen Bild wird die vorhergehende Grafik so abgewandelt, dass man das Unbewusste, also das Nicht-Bewusste, als unbekannt darstellt. Doch auch das sieht im Bild zu sehr danach aus, als könne man eine klare Grenze ziehen. Und das wäre nicht der Sinn von „etwas ist unbekannt“. Man könnte beispielsweise denken, man wüsste, wo die Inseln sind (man hat zur Orientierung die Wasseroberfläche), wo das Unbekannte beginnt, was es ist… Daher die nächste Grafik…

 

Das Unbewusste / nicht Bewusste konsequent als das Unbekannte verstanden, das Nichtwissen, das Nichts
Das Unbewusste / nicht Bewusste konsequent als das Unbekannte verstanden, das Nichtwissen, das Nichts

Der Sinn dieser Grafik ist es, offen zu lassen was das Unbewusste (im Sinn von „das Unbekannte“) ist, wo es ist, wo es endet und beginnt, wie groß es ist. Es ist die spirealistische Auffassung des Unbewussten.

Man sieht, dass das, was wir zu unserem Ich-Universum rechnen, zu unserem Bewusstsein, als relativ scharf erscheint. An den Rändern jedoch löst es sich auf (in dieser Grafik nach unten hin), und wird zu Erinnerungen, Träumen, Gedanken. Es ist dieses Auflösen in der Unendlichkeit, das Generationen fragen ließ, was der Unterschied zwischen Traum und Realität, zwischen Gedachtem und „realem“ Objekt ist. (Ich weiß nicht, ob ich ein Mann bin, der träumt, ein Schmetterling zu sein, oder ob ich ein Schmetterling bin, der träumt, ein Mann zu sein. Dschuang Dsi)

In der Grafik repräsentiert jede Spitze ein Ich – das Ich ist das Zentrum jedes Ich-Universums.

So gesehen ist das Weiße, das die Spitzen, bzw. Inseln umgibt, das Unbekannte. Es trennt die Spitzen voneinander. Zugleich verbindet das Unbekannte alles, auf eine dem Ich unbekannte Weise. Dass eine Verbindung besteht und bestehen muss, über das hinaus, was wir gemeinhin wahrnehmen, ist das Konzept beispielsweise des Begriffes „kollektives Unterbewusstsein“.

Wir können zwar im Einzelnen benennen, wie geistige Inhalte in ähnlicher Form immer wieder auftauchen (Sprache, Kommunikation) – doch es gibt eine Kommunikation jenseits des uns Sichtbaren.

Diese Grenze des Denkens, also das Nicht-Wissen um die Form und die Inhalte des uns Unbekannten, ist mit Notwendigkeit da, und nicht überwindbar so sieht es der Spirealismus. Das Ich muss in seinen Fähigkeiten begrenzt sein, denn es ist Teil, nicht alles. „Alles“ zu sein würde zugleich die individuelle Existenz des Ich auflösen.

Weiterlesen: Artikel ‚Alles und Nichts – kann das Alles zugleich das Nichts sein?‘

 

Das Unbewusste als das Unbekannte was last modified: März 25th, 2016 by Henrik Geyer