Polarität überwinden

Polarität - Yin und Yang, aus einem hellen Ursprung kommend .. Starburst [SPID 4516]

Im Beitrag Polarität und Dualität habe ich über die Widersprüchlichkeit der Welt gesprochen, deren Quelle wir selbst sind. Ich habe darüber gesprochen, dass es unauflösbare Widersprüche nicht gibt, und dass das gegensätzlichste Widerspruchs-Paar wie gut und böse, Gott und Teufel, Kommunist und Faschist, doch immer in einem engen Zusammenhang stehen.

Gleichzeitig habe ich darüber gesprochen, dass sich der Mensch, der Element der Schöpfung ist und nicht Beobachter der Schöpfung wie er selbst meint .. er kann sich daher aus der Widersprüchlichkeit nicht lösen. Denn, Widersprüchlichkeit ist seine Seinsbedingung.

Yin und Yang als das Zeichen der Polarität in ihrer Einheit

Ich habe das obige Bild hinzugefügt, um dem eine Vorstellung beizugeben. Alles entstammt einer Quelle, im Bild ist es der Mittelpunkt. Im Mittelpunkt sind die Dinge undefiniert, alles ist möglich – das ist der Ursprung des Seins. Nach außen hin diversifizieren sich die Dinge, die Gegensätze treten auf und werden stärker, verfestigen sich. Das ist das Sein, so wie wir es kennen. Mit festen Begriffen, aber auch notwendigen Gegensätzen.

Die Widersprüchlichkeit in ihrer Einheit ist symbolisiert durch das Yin und Yang. Yin und Yang gehören zusammen, sind eins, doch sie sind sich scheinbar unversöhnlich in dem Sinn, dass, würden sie tatsächlich verschmelzen, dies das Ende ihres SEINS wäre. Denn es gibt kein Yin ohne Yang und umgekehrt. Und die Melange aus beiden wäre quasi der helle Fleck des Mittelpunktes … es wäre das Nichts im irdischen Sinn.

Das Bild soll verdeutlichen, dass es einen notwendigen Zusammenhang des Seins mit der Polarität gibt, also, den im Sein auftretenden Widersprüchen.

Die Lehre des Spirealismus

Doch was ist dann die Lehre des Spirealismus? Wie soll man denn die Polarität überwinden? Wird das Gute schließlich obsiegen? Wird ein allumfassender Glücksstaat den Kapitalismus ablösen? Wird es einen Zustand ewigen Friedens geben, oder müssen wir mit Krieg rechnen?

was ist richtig, was ist falsch?

Wenn man die Welt aus uns selbst hervorgehen sieht, den Menschen als die Quelle der Welt, dann wird begreiflich, dass sich, so verstanden, die Frage nach Schuld und Sühne, richtig und falsch, schlecht stellen lässt. Denn das Richtige kann nicht ohne das Falsche sein. Wer trägt nun die „Schuld“ am Falschen? Etwa das Richtige? Wer ist schuld am Mord? Der Ermordete? Das zu denken ist schwierig.

Zum Beispiel bedeutet das in Bezug die politische Diskussion, dass es linke Politik ohne ihren Gegenpart, die Rechte, nicht geben kann. Und umgekehrt. Das wird beiden Gruppen nicht schmecken, denn jede glaubt sich im Besitz eines einzigartigen, ganz eigenen Rechtes, im Besitz des (jeweils anders verstandenen) Guten, u.s.w.. Der Linke wird sagen, die Rechte sei alles das, was er hasst. Und der Rechte sagt das ebenso über die linke Bewegung.

Oder aber, auch das kennen wir aus dem Alltäglichen, wird derjenige, der die Liebe als das alleinig anzustrebende Prinzip ansieht, sagen, man dürfe nicht hassen. Doch Liebe und Hass sind eben gar nicht nur Gegensätze. Sie entspringen der selben polarisierenden Quelle: uns. Und sie benötigen einander, um sein zu können.

Die Polarität entsteht aus uns

Wenn ich soeben sagte, dass wir selbst die polarisierende Quelle sind, ist die Antwort auf die Frage was zu tun ist, gegeben: nicht polarisieren!

Jedoch muss man sich eben darüber klar sein, dass das polare Prinzip, man könnte auch sagen, die Welt der Zusammenhänge in gleichzeitiger Gegensätzlichkeit das Seinsprinzip ist. Das bedeutet, wir können gar nicht anders, als zu polarisieren. Indem wir sind, „tun“ wir es.

Erst wenn wir uns wirklich darüber klar werden, Element der Schöpfung zu sein, und nicht Beobachter, wenn wir dieses Prinzip verstehen, verinnerlichen und vor allem akzeptieren, dann kann uns das ein Werkzeug in die Hand geben, den Urprinzipien unserer Welt gerecht zu werden und ihnen gemäß zu leben. Ihnen gemäß zu leben – das bedeutet nicht etwa, sie außer Kraft setzen zu wollen!

Nicht gut sein wollen

Die Polarität liegt sowohl im Guten wie im Bösen. Das zu begreifen, darum geht es.

Alle Menschen wollen gut sein. Alle Menschen sind immer gut – aus ihrer Perspektive. Alle Menschen haben aus der eigenen Perspektive immer Recht. Das Gute, das Richtige, das wollen sie tun, und das tun sie, darauf kann man sich verlassen. Selbst der „böseste“ Mensch ist doch aus seiner Innensicht ganz erklärlich, ist nicht böse, sondern gut. Doch das Gute und Richtige der einen Perspektive ist das Böse und Falsche der anderen.

Im Guten, im Kampf für das Gute, liegt das Böse. Das eigentliche Übel der Welt sind die Kämpfe, die unversöhnlichen, bis aufs Blut geführten Kämpfe. Doch wir können uns aus der Notwendigkeit zu kämpfen nicht lösen. Wir können die Kämpfe aber in geordnete Bahnen führen. In der Gesellschaft ist beispielsweise ein Kampf, der mit parlamentarischen Mitteln ausgetragen wird, ein ganz anderer, als ein mit Waffengewalt ausgetragener Kampf.

Daher ist es falsch, zu polarisieren. Es ist falsch, gut sein zu wollen. Es ist natürlich auch falsch, böse sein zu wollen, doch man bedenke: wer will schon böse sein. Wollen denn nicht alle immer das Richtige aus ihrer Perspektive?

Es ist das überbordende Streben nach etwas, das eigenes oder fremdes Leiden in die Welt bringt.

Es gibt einen taoistischen Text, der dieses Geheimnis sehr schön ausdrückte; ich las es einmal – er lautet etwa so:

Versuche nicht, besonders gut zu sein, denn damit würdest du dich hervorheben.

Versuche nicht, dich hervorzuheben, denn dadurch würdest du bewundert werden.

Versuche nicht, Bewunderung zu erlangen, denn dadurch wirst du stolz.

Versuche nicht, stolz zu sein, denn damit wirst du geltungssüchtig und aufbrausend. Durch Geltungssucht und aufbrausenden Charakter kommen Unfrieden und Kummer in dein Leben – und in die Welt.

 

Polarisierung erkennen und vermeiden

Versuche nicht besonders gut zu sein [SPID 4004]

Nun wird jeder beim eben Gesagten feststellen, dass es geradezu unser Streben ist, uns hervorzuheben. Wir wollen stolz sein, wir wollen bewundert werden! Oder etwa nicht?

Unfriede und Leid sind seit Urzeiten Begleiter der Menschheit. Den Menschen scheinen sie von anderswo zu stammen, manche machen Gott dafür verantwortlich. Doch müssen wir, wenn wir ehrlich sind, doch sagen, dass Unfriede und Leid nur aus uns sein können!

So gesehen leuchtet die besprochene Sichtweise wohl besser ein: das Geheimnis, dass Dinge mit uns geschehen, die wir eigentlich nicht wollen, kann nur in etwas liegen, das uns gleichermaßen bekannt wie geheimnisvoll ist: Unser eigener Wille und unser eigenes Tun.

Unser eigener Wille und unser eigenes Tun ist geheimnisvoll? Ich ahne: wenige werden das so sehen. Doch, es sehen zu können bedeutet zu verstehen, was es bedeutet zu sagen: Wir sind Elemente der Schöpfung – nicht ihre Beobachter! Es ist eine Schöpfung, die aus Polarisierung besteht und entsteht. Indem wir sind, polarisieren wir. Jede unserer Meinungsäußerungen negiert etwas anderes, und zwar etwas, das sich spätestens in dem Moment bildet, wenn wir uns festlegen – als das Gegenteil. Der Streit zwischen den Gegensätzen ist das Wesen und der normale „Betriebszustand“ der Welt.

Was wir tun können, um Leid und Unglück von uns selbst und von den uns Nächsten fernzuhalten, ist, übergroße Polarisierungen zu vermeiden. Streit aus dem Wege gehen, nicht kämpfen wenn es nicht sein muss, nicht leichtfertig die Gewichte der Welt verschieben.

Die Grenzen des Ich akzeptieren

Die Begrenztheit des Menschen, die Grenzen seines Ichs zu akzeptieren, darin liegt eine der wichtigsten Lehren, die der Spirealismus hat.

Denn das oben Gesagte zeigt uns, dass wir keineswegs unsere eigenen Wirkungen, die wir auf die Welt und die Dinge haben, durchschauen. Vorsicht und Zurückhaltung sind daher oberstes Gebot.

Wir müssen nicht nur Rücksicht nehmen auf andere, deren Grenzen und Begrenztheiten, müssen nicht nur bedenken, dass aus zu viel eigenem Stolz Neid und Feindschaft im anderen erwächst. Sondern wir müssen auch für uns selbst das Gleiche bedenken. Setzen wir uns mit jemandem in Verbindung der stolz ist, so wächst Neid und Feindschaft in uns selbst.

Nur wer sich mit den Grenzen des Ich beschäftigt, sie schließlich akzeptiert, und nicht, wie es heute üblich ist, sich für einen gottgleiches Wesen hält, dessen Geist dazu geschaffen ist alles zu wissen und alles zu erkennen, kann die nötige Zurückhaltung und Genügsamkeit aufbringen, um Unfriede und Unglück zurückzudrängen.

Das Beste und Herrlichste, wozu man in diesem Leben gelangen kann, ist, daß du schweigst und Gott wirken und sprechen läßt.
Meister Eckhart

Ist das Zynismus?

Wie man sieht, ist das genau das Gegenteil dessen, was die moderne Welt für erstrebenswert und zwingend hält.  Der einem Gotte gleiche Mensch, der vorwärts stürmt, ist geradezu das Idealbild des Menschen seit der Aufklärung. Und nun sieht der Spirealismus hier eine Gefahr…

Das oben Gesagte mag, so gesehen, wie als zynische Ablehnung der großartigen Menschheitswerte der Gegenwart wirken.

Doch man bedenke: Die Welt in ihrem Wirken kann durch uns nicht beeinträchtigt werden, denn wir selbst sind die Elemente aus denen sie entsteht. Die Welt – das sind eben nicht nur wir Menschen. UNSERE Welt kann durch uns eine andere Form bekommen, aber wichtig ist das für „die Welt“ nicht. Nur für uns ist es wichtig, die wir Stabilität und Ruhe suchen, und keineswegs den Krieg. Um UNSERE Welt zu gestalten, müssen wir uns selbst unseres polarisierenden Wesens bewusst sein.

Also, so lautet die unabdingbare Folgerung, müssen wir unsere Wünsche überdenken, das überdenken, was wir für wahr und erstrebenswert halten. Anders geht es nicht.

Die Welt ist immer im Ausgleich

Wir müssen erkennen: die Welt ist immer im Ausgleich, ob nun mit oder ohne uns. Wir können uns bemühen, die Sinnhaftigkeit der Polarisierung in uns und im anderen zu erkennen, um sie nicht zu stark werden zu lassen – und zwar zu unserem eigenen Besten.

Wir müssen das aber im eigentlichen Sinn nicht tun, und würden den Unterschied nie begreifen. Denn die Welt ist ohnehin immer das, was wir in ihr sehen. Sehen wir in ihr eine Welt in der Kummer und Unfrieden unerklärliche Notwendigkeiten sind, so ist sie das. Sehen wir in der Welt etwas, das in Harmonie ist, was immer passiert, dann ist sie das ebenfalls.

Wenn Krieg und Hunger die Welt verheert, dann scheint uns die Welt wie aus den Fugen geraten. Doch das ist sie im eigentlichen Sinn nicht, ist sie nie. Würden wir Menschen verschwinden, dann geht der Prozess, aus dem alles entsteht, dem auch wir entspringen, ungestört weiter.

Soweit wir es beeinflussen können, muss unser Interesse darin liegen, die eigene polare Sichtweise mit der allgegenwärtigen Harmonie in Einklang zu bringen. Die Widersprüche, die wir überall sehen, sind immer an zwei Stellen auflösbar: im anderen und in uns selbst.

Sich selbst nicht überfordern

Es ist immer leichter, Dinge bei sich selbst zu bewirken, als im anderen. Aber, da man keineswegs uneingeschränkter Herrscher der eigenen Gedanken ist, polarisiert man, indem man das Rechte tut, sich aber jedoch selbst oder andere überfordert. Das sollte man im eigenen Interesse nicht tun. Man darf nicht versuchen, aus der zwangsläufigen Wechselwirkung, der immerwährenden Harmonie, herauszutreten; das kann nicht gelingen. Denn das wäre wieder die unzutreffende Vorstellung des Menschen von sich im materialistischen Weltbild: Der Mensch als der geniale Beobachter…

Nein, wir sind nicht Beobachter, sondern Teil. Wir müssen wissen, dass das, was im anderen ist, schließlich auch im Selbst auftritt. Wir selbst sind die Elemente, in uns und durch uns treten die Widersprüche auf, in ihrer Einheit. Der Hass des anderen wird zu meinem Hass, die Liebe des anderen wird zu meiner Liebe. Und umgekehrt. Man kann nichts denken, das vom Denken der anderen, des anderen, abgekoppelt wäre. Alles ist Geist, und wir sind ein Teil des Geistes.

Daher muss man darauf achten, mit wem und mit was man sich (auch räumlich) verbindet. Daher muss man sich selbst Freiräume zugestehen, darf Grenzen haben, muss Grenzübertritte nicht zulassen. Und man sollte anderen zugestehen, es ganz genauso zu halten, denn der Friede des anderen ist schließlich auch mein Friede.

Man darf sich nicht überfordern, muss nicht Jesus gleich sein – man kann es nicht sein. Man muss nicht jedermanns Freund sein. Man sollte nicht versuchen besonders gut zu sein. Umgekehrt sollte man Feindschaften meiden. Feindschaften, die man in anderen beobachtet, sind ein guter Indikator für mangelndes Verständnis – Verständnis dafür, dass die Kräfte, die im eigenen Inneren wirken, auch im anderen sind.

 Die Notwendigkeit der Harmonie sehen – Karma

Die Notwendigkeit der Harmonie liegt in unseren Wünschen, in nichts sonst. Die Narur, Gott, ist ohnehin in Harmonie. Wir selbst wünschen uns ein harmonisches Sein.

Der Begriff des Karma ist verbunden mit der Einsicht, dass jedes Tun, jeder Gedanke, Folgen haben muss. Karma ist das Bild eines ewigen, uns weitgehend unsichtbaren Kreislaufes von Wechselwirkungen. Alles hat miteinander zu tun, nichts ist wirklich getrennt – auch wenn wir das weder sehen noch verstehen können, denn unsere Welt ist die der Gegensätze.

Man muss es aber wissen: Nichts, was man tut, ist wirkungslos. Alles was einem geschieht, hat auch einen Grund.

 Ausgleich, Integration durch Verständnis

Hier liegt die so oft im Religiösen besprochene „Schuld“ des Menschen: Er kann sich nicht aus seiner polaren Sichtweise lösen. Was immer er tut, bringt nicht nur das Gute hervor, sondern genauso das Böse. Beides nicht zu stark werden zu lassen – das ist Verständnis der Polarität. 

 

Polarität überwinden was last modified: Dezember 21st, 2016 by Henrik Geyer

Polarität und Dualität – es bleibt die Polarität

Yin und Yang allgegenwärtig - Kampf und Einheit der Gegensätze 2 [SPID 4150]

Liebe und Hass, Gott und der Teufel, Schöpfer und Werk, Christ und Antichrist, hell und dunkel, aber auch Konkreteres wie Nazis und Linke, Naturzerstörung und Umweltschutz, Krieg und Frieden, sind Teile des menschlichen Weltverständnisses und stellen sich als unversöhnlich dar. Kann man diese Gegensätze, die Prinzipien von Polarität und Dualität, aufheben, vielleicht durch Verständnis „heilen“?

Polarität und Dualität

Man bezeichnet, was sich als unvereinbarer Gegensatz gegenübersteht als Dualismus. In dem Gastbeitrag Polarität und Dualität ist die Sichtweise der Unterscheidung sehr gut herausgearbeitet, es heißt darin, Zitat:

Polarität wird häufig mit Dualität verwechselt. Dualität bedeutet: eine Zweiheit bildend, in voneinander unabhängiger Gegensätzlichkeit. Im philosophisch-religiösen Bereich ist es die Lehre von zwei unabhängigen ursprünglichen Prinzipien im Weltgeschehen: Gott-Welt, Leib-Seele, Christ-Antichrist usw.  Im Unterschied hierzu sind Polaritäten nie voneinander unabhängig.

Man sieht hier bereits die Denkschwierigkeit, die sich aus dem Begriff der Dualität ergibt. Was ist dieses Etwas, das der genaue Gegensatz von etwas anderem ist, aber von diesem Anderen völlig unabhängig?

Aus spirealistischer Sicht ist ein unauflöslicher Widerspruch, ein unabhängiges Gegensatzpaar, nicht möglich. Denn, gerade wenn man etwas in einem genau gegenteiligen Verhältnis sieht, wird zweifellos ein starkes Verhältnis daraus begründet. Und ein Verhältnis lebt von der Stellung der Teile zueinander, von Unabhängigkeit kann keine Rede sein.

Man kann sich das wie folgt vorstellen, zum Beispiel im Denken eines Christen: Wie soll es einen Gott geben, ohne Welt? Die wichtigste Eigenschaft Gottes ist es ja gerade, die Welt erschaffen zu haben. Und umgekehrt : wie soll es eine Welt geben ohne Gott? Wenn Gott das welterschaffende Prinzip ist, so muss es ihn wohl geben, oder ist die Welt vielleicht nicht „da“? Wenn die Welt nicht erschaffen ist, worüber reden wir dann? Wie man die Welt sieht, so sieht man Gott – und umgekehrt.

Oder so: Wie soll es das Gute geben ohne das Böse? Die Eigenschaft des Guten ist es ja gerade, nicht böse zu sein. Und umgekehrt. Je böser das Böse desto besser das Gute.

Oder, ganz weltlich, so: wie kann es Kommunisten geben ohne Faschisten? Wie kann es Reich geben ohne Arm? Auch hier bedingen sich die gegensätzlichen Paare – in einem armen Land ist reich, wer ein paar Ziegen hat. In einem reichen Land ist reich wer viele Millionen hat.

Und: wären alle reich, gäbe es keine Reichen mehr. Denn wo wären die Armen, die zum Bestehen des Reichen unabdingbar sind?

Im Spirealismus formuliere ich das Prinzip des Sich-gegenseitigen-Bedingens, und gleichzeitig Sich-gegenseitig-Ausschließens, so:

Es gibt nicht das Eine ohne das Andere. Das Eine kann nicht ohne das Andere sein.

Diese Sichtweise ist dem Einzelnen meist völlig unverständlich. Er fragt sich, vielleicht als Kommunist: „Was habe ich mit den Faschisten zu tun?“ Oder als Klerikaler: „Was habe ich, der ich ein guter Christ bin, mit dem Teufel zu tun?“

Die Unvereinbarkeit von beidem kommt in folgendem Satz zum Ausdruck, der zum obigen Zitat zwingend hinzugehört:

Das Eine kann nicht das Andere sein.

Das bedeutet, dass sich ein Etwas, was immer es sein mag, als etwas definiert, das in einem Verhältnis zu etwas anderem steht. Das zwingende Grundverständnis eines Verhältnisses ist, das es aus mehreren Elementen bestehen muss, die sich unterscheiden. Es gibt kein Verhältnis zwischen völlig gleichen Dingen. Noch einmal: Das Eine kann nicht das Andere sein.

Sichtweisen im Wettstreit – konkrete Auswirkung

Im Konkreten bedeutet das: Hätte der Kommunist so viel Verständnis für den Faschisten, dass er sich ihm auf die größtmögliche Art und Weise annähert, dann wäre er selbst ein Faschist. Aber es kommt noch ein Aspekt hinzu: angenommen alle Kommunisten würden das tun, dann verschwände der Faschismus. Wo bliebe er? Er würde als Gegenteil von etwas anderem nicht mehr wahrnehmbar sein.

Kann man sich das vorstellen? Das ist schwierig, aber lassen Sie uns diesen Gedanken dennoch kurz zu Ende denken.

Wenn alle Menschen Anhänger des Faschismus würden, wo bliebe dann die Ungerechtigkeit des Faschismus? Anhänger zu sein bedeutet doch Zustimmung, wohingegen allein die Vorstellung von Ungerechtigkeit die ist, dass man mit ihr nicht einverstanden sein kann.

Am oben Gesagten ist folgende Erkenntnis wichtig:

  • Das Aufheben der Gegensätze ist uns nicht möglich. Wir Menschen sind diesbezüglich begrenzt, sind gefangen.  Um es religiös zu sagen: Wir können nicht Gott sein. Wir können uns aus einer Position nicht „lösen“, die die Grundbedingung unseres Seins ist.

In meinen philosophischen Aussagen habe ich es immer so formuliert:

Wir sind Element der Schöpfung, nicht Beobachter der Schöpfung.

  • Andererseits muss uns zweitens möglich sein, die Gestalt der Gegensätze, ihre Position zueinander, zu beeinflussen. Das aber offensichtlich erst dann, wenn man Punkt 1 tatsächlich versteht. Denn andernfalls ist man das Element, aus dem heraus die Polarität unerkannt fließt, und was man als den eigenen Willen sieht, als die eigenen Entscheidungen, oder auch als das Wirken des Äußerlichen (das Wirken der Natur), ist das, was sich aus dem Zwangsläufig-Polarisierenden des Selbst ergibt.

Element der Schöpfung

Als Element der Schöpfung, muss man sich selbst als Etwas verstehen, durch das hindurch die Schöpfung erst zu Stande kommt. Nur in dieser Sichtweise ist es möglich, Verständnis für das uns eigentlich rätselhafte Prinzip des Selbstbezuges, der weitere Aussagen unmöglich macht, zu gewinnen.

Dieses Prinzip wird versinnbildlicht durch den Ouroboros, eine sich selbst verschlingende Schlange. Man denke auch an das Wort Tautologie – es bezeichnet in der Logik eine Herleitung aus sich selbst, also etwa: Etwas ist eins, weil es eins ist. Oder das bekannte literarische „eine Rose ist eine Rose ist eine Rose.“ In der Logik ist dies eine nutzlose Herleitung, denn das Ergebnis des logischen Schließens sagt nicht mehr, als sein Ausgangspunkt. Andererseits aber kennt die Logik keinen klaren Urgrund für nur den kleinsten und alltäglichsten Gegenstand. So dass man sagen kann: Die Dinge der Welt, so fest und klar umrissen sie auch scheinen, haben ihre Wurzeln im Unbestimmten, in der Unendlichkeit. Alles trägt daher, in der Tiefe, den Charakter des Tautologischen.

„Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose“ – diese Aussage ist richtig. Richtig aber in einem Sinn, wie man diesen Satz meist nicht versteht. Meist wird der Satz verstanden als: man müsse nicht weiter erklären, was die Rose ist, denn mit dem Wort Rose sei das Wichtige bereits gesagt.

Richtiger hingegen ist es zu sagen: es kann nicht erklärt werden. Denn wir sind Element der Schöpfung. Was wir über die Rose sagen kommt durch uns in die Welt, ist eine Schöpfung. Die Rose existiert nicht in dem von uns gedachten Sinn, in Zeit und Raum, von uns unabhängig. Sondern sie entsteht durch uns, durch Denken. Was die Rose in einem objektiven Sinn sein könnte, jenseits unseres Denkens, ist niemals ermittelbar, denn Objektivität existiert nicht (für uns), ebenso wenig wie ein Denken jenseits des Denkens.

Es gibt nichts Beobachtbares, das vom Beobachter unabhängig wäre.

Yin und Yang

Und so entsteht der Gegensatz der Dinge aus uns. Warum? Weil Teil der Rose wir selbst sind. Was wäre die Rose ohne uns, ohne den, der sie denkt, der sagt: „Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose..“?

Ouroboros, Oroboro [SPID 3981]Und hier kommen wir wieder auf den uns eigentlich unerklärlichen Widerspruch, den die sich selbst verspeisende Schlange verkörpert.
Einerseits beißt sich die Schlange in den Schwanz und verspeist sich selbst, zurück bleibt Leere. Andererseits ist die Schlange im Verspeisen begriffen und solange dieser Zustand anhält, ist sie auch „da“. Gleiches gilt für „die Welt“, denn der Ouroboros versinnbildlicht die Welt in ihrem grundlegenden Prinzip.

Man kann den Ouroboros auch als Verkörperung des dialektischen Prinzips sehen, bei dem aus dem Kampf (bei gleichzeitiger Einheit!) der Gegensätze das stets Neue entsteht, das Dritte.

Man kann es auch so formulieren: Die Schlange beinhaltet sich selbst, und doch ist sie von sich verschieden. Die Schlange verspeist die Schlange – da sind zwei: da ist erstens die Schlange die gerade etwas verschlingt, und da ist zweitens der Gegenstand ihrer Gier. Zählen wir noch das Ergebnis des Augenblicks hinzu, eine Schlange die halb da ist und halb aufgefressen, sind es drei.

Man kann das Symbol des Ouroboros auch in das Symbol des Yin und Yang übersetzen – Ouroboros und Yin/Yang ähneln sich – das Eine durchdringt das Andere, das Eine ist im Anderen. Ohne das Eine nicht das Andere und umgekehrt.

Yin und Yang [SPID 4000]Es ist nicht genau dasselbe, ob man von völliger Vermischung spricht, oder ob man sagt, die Gegensätze durchdringen sich ununterscheidbar und bleiben als Gegensätze dennoch intakt. Yin und Yang, auch Ouroboros, verkörpern den unauflösbaren Widerspruch für das materialistische Denken, verkörpern ein Paradox – und dennoch charakterisieren sie die Beschaffenheit der Welt auf die bestmögliche Weise.

Man bedenke: wenn Yin ununterscheidbar im Yang aufginge – was wäre dann „da“? Die Antwort ist: Nichts! Bildlich überlegt könnte man sich vorstellen, dass sich schwarz und weiß zu grau durchmischen. Was wiederum wäre grau auf grau? Grau wäre nur erkennbar als Gegensatz zu etwas anderem – und da sind sie wieder: Die existenziellen (für die Existenz notwendigen) Gegensätze. …. Und das Prinzip der Gegensätze wiederum ist eben durch Yin und Yang bereits verkörpert.

Das bedeutet: Das völlige Verschmelzen der Gegensätze ist Aufgehen in Allem, ist Nirvana, ist Tod. Das Existieren der Gegensätze ist selbst Existenz.

 

Aus der Existenz der Gegensätze, die durch uns in die Welt kommen, können wir uns nicht lösen. Wir können sie nicht im eigentlichen Sinn „überwinden“. Wir können sie lediglich in der Schärfe der Trennung mildern – und haben dafür nur ein Werkzeug: Verständnis.

Verständnis, eben für das dargelegte Prinzip, nämlich, dass das Eine das Andere bedingt, und zwar in zwei Richtungen: Das Eine kann nicht das Andere sein, aber das Eine kann auch nicht ohne das Andere sein.

Polarität ist der Urgrund und die Urbedingtheit der Welt.

Polarität und Dualität – es gibt nur Polarität

Aus diesem Grund habe ich den Artikel überschrieben mit „Polarität und Dualität – es bleibt die Polarität“.

Es gibt keine Dualität im Sinne eines objektiven Gegensatzes. Ein Gegensatz also, der außerhalb und unabhängig von uns vorhanden wäre … und daher uns unauflösbar. In uns entstehen die Gegensätze und in uns und mit uns lösen sie sich auch auf.

Etwas, das von etwas anderem unabhängig wäre, und gleichzeitig in einem Zusammenhang gedacht wird, existiert nicht. Etwas, das der unbedingte und unauflösbare Gegensatz von etwas anderem ist, kann nicht sein – jedenfalls nicht außerhalb von uns selbst.

Was ich mit dem oben Gesagten darlegen will, ist, dass die Überlegungen zu Polarität und Dualität erstens in unserer Welt sehr konkrete Auswirkungen haben. Wenn man über Gott und den Teufel spricht, über den Schöpfer und die Schöpfung, dann klingt das alles sehr vage und theoretisch. Wenn man aber über Rechts und Links spricht, Kommunismus und Faschismus, Krieg und Frieden, das Richtige und das Falsche tun, im Jetzt, dann nehmen diese Überlegungen eine viel konkretere Form an und man erkennt ihre Wichtigkeit. Man kann diese Überlegung als eine Grundhaltung in der täglichen Auseinandersetzung gut nutzen, ich will in einem weiteren Artikel konkretisieren, auf welche Weise.

Lesen Sie weiter: Polarität überwinden – Lehre des Spirealismus

 

 

 

Polarität und Dualität – es bleibt die Polarität was last modified: Oktober 3rd, 2016 by Henrik Geyer

Danke sagen – sag „danke“ zur Welt und erhalte ein „gern geschehen“

Danke sagen - sag "danke" zur Welt und erhalte ein "gern geschehen"

Danke sagen ist eine wichtige spirituelle Übung – mindestens all jener spirituellen Denkrichtungen, für die das Höhere existiert – als Gott, als „das Höhere“, das „höhere Selbst“, wie immer man es nennt. Wer nur sich nur selbst für das Höchste hält, die Krone der Schöpfung und das einzige vernunftbegabte Wesen, der verlernt manchmal, danke zu sagen, denn er wüsste nicht, wem.

was passiert, wenn wir danke sagen?

Was passiert, wenn wir „Danke“ sagen?

Wenn wir Danke sagen, dann erkennen wir an, dass es etwas gibt, wofür wir dankbar sein können. Es kommt in die Existenz, dieses Gute, wo es vorher keine Existenz hatte.

Wenn wir sagen: „Danke, Gott, für diesen schönen Tag, an dem ich hier sein kann, auf der Erde“, dann kommt ein schöner Tag in die Existenz (unser Bewusstsein), wo vorher nichts war. Oder, wo vielleicht vorher dumpfes Grübeln war, z.B., wieso alles so schlecht ist …

Danke sagen ist, wie jedes Gebet, eine Übung der Konzentration. Sich auf das Gute zu konzentrieren, diese Übung immer zu wiederholen, lässt die Gedanken erstarren – zu einer Wahrheit werden. Aus dem pessimistischen Grübler kann so ein optimistischer Mensch werden, der es nun versteht, sich ganz auf das Positive zu konzentrieren.

Danke sagen ist nichts „nur Gedachtes“

Wer Gebete als eine Art Scharlatanerie sieht, der kann sich sich das soeben Gesagte in einer ganz realistischen, äußerlichen Form denken:

Wer sich angewöhnt Danke zu sagen, vielleicht viel öfter und viel herzlicher, als es „nötig“ wäre,  dessen ganze Aura verändert sich. Andere Menschen spüren, dass hier Wertschätzung ist, und nicht dieses gedanken- und seelenlose Für-selbstverständlich-Halten, dem man überall begegnet.

Wer sich angewöhnt Danke zu sagen, der wird erfahren, dass er oft und manchmal völlig unerwartet ein herzliches „gern geschehen“ zurückerhält, und viele andere Zeichen von Wertschätzung und Freundlichkeit.

Und so schließt sich der Kreis. Gedanken, die oft und konzentriert gedacht werden, gerinnen zu unserer dauerhaften Realität. Gedanken „unwirklich“zu nennen, ist falsch. Dies ist eine spirealistische Sichtweise.

Worte sind die mächtigste Droge, welche die Menschheit benutzt.
Rudyard Kipling

unsere Einstellung gegenüber den Dingen bestimmt, was wir erleben

Alles was wir tun, wird von unserer Einstellung bestimmt. Wir haben es in der Hand, das Leben, die Realität, als einen Kampf, auch als grausames Ringen zu sehen, oder aber als ein Geschenk, als ein Fest. Unsere Einstellung – das ist, was wir denken – und es wird, was wir tun.

Danke zu sagen ist eine ganz konkrete Tat, die eine Einstellung der Güte und Wertschätzung ausdrückt. Auf diesem Weg gestalten wir unsere Welt.

Danke kann man zu jedem Menschen sagen, und mann kann auch danke sagen, wenn man ganz allein ist. Man kann es laut sagen oder im Kopf, schweigend.

Danke, dass ich heute hier bin.

Danke für all das, was ich an diesem wunderschönen Tag erleben kann.

Danke für die klare Luft, den Regen, den Himmel über mir.

Danke, dass meine Gedanken klar und unbeschwert sind.

Danke, dass ich bei den Menschen sein kann, die mir viel bedeuten.

Danke sagen – sag „danke“ zur Welt und erhalte ein „gern geschehen“ was last modified: Januar 9th, 2016 by Henrik Geyer

Geistiges Heilen, spirituelle Heilmethoden

Geistiges Heilen

Geistiges Heilen – gibt es das? Ist es wirksam?

Ich las neulich folgende Geschichte. Ein Buchautor berichtete von einem gesundheitlichen Problem, das er in mittleren Jahren gehabt hatte.

Er hatte ein Magengeschwür entwickelt und hatte sich dagegen behandeln lassen, mit den üblichen Medikamenten und Methoden. Natürlich beachtete er, was der Arzt ihm gesagt hatte: er nahm die Medikamente, er trank viel Milch, er aß Hüttenkäse mit Toast et cetera.

Eines Tages ging er zu einer Massage, und er bat den Masseur, pfleglich mit ihm umzugehen, er habe ja dieses Problem, das Magengeschwür.

Der Masseur fragte ihn, wie alt er sei.

„36.“

Der Masseur fragte „Willst du wirklich von diesem Magengeschwüren geheilt werden?“

„Ja, selbstverständlich!“

„Dann vergiss es.“

Das erschien dem Mann rätselhaft, er bestellte sich jedoch an demselben Abend ein Bier (entgegen ärztlichem Rat) – an Stelle der Milch. Es befürchtete es könne zu Schmerzen kommen, aber es passierte – erst einmal nichts. Er dachte tatsächlich immer weniger an das Magengeschwür und wurde in der Folge geheilt. Die Heilung war durch ein Umdenken erfolgt, sie ging vom Kopf aus. 

Bei dieser Geschichte denkt man an einen Satz PlatosDie größte Behinderung des Lebens liegt darin, ständig auf die Gesundheit zu achten.

Kann geistiges Heilen wirksam sein?

Gerade bei sogenannten „psychosomatischen“ Erkrankungen, bei denen die Erkrankung auch aus schulmedizinischer Sicht „geistiger Natur“ ist, sind die Chancen auf Heilung durch ein Umdenken, durch mehr Spiritualität, groß.

Ich selbst habe eine solche Heilung erlebt, und ich habe auch erlebt, dass die Schulmedizin zwar den Begriff der Psychosomatik hat, also des durch die Psyche hervorgerufenen Krankheitssymptoms. Aber sie kann damit wenig anfangen, weil ihr die Psyche letztendlich rätselhaft ist. Die Psyche ist nicht naturwissenschaftlich fassbar – die Resultate, die sie zeitigt, sind nicht in einem Außen nachweisbar.

Zu den Wegen der Psyche haben Religionen und spirituelle Weisheitslehren die besseren Aussagen. Dies wiederum hört man in den materialistischen Naturwissenschaften nicht gern – dort wird geistiges Heilen eher als Scharlatanerie gesehen.

Dennoch ist, ich habe es selbst erlebt, geistiges Heilen durchaus wirksam – und darauf kommt es letztlich an.

Geistiges Heilen und der Unterschied zwischen Körper und Geist

In unserer Kultur wird der Unterschied von Körper und Geist als gegeben angesehen. Es ist die Basis unseres Denkens – wir denken in den Kategorien der materialistischen Sichtweise, der Unterscheidung: dort die Materie in einem Außen, hier der Geist (wir selbst), der das Materielle in seinem Innen widerspiegelt.

In diesem Blog komme ich oft genug auf meine Philosophie, den Spirealismus, zu sprechen, dem zufolge alles Geist ist, auch unser Körper. Der Spirealismus verbindet die Wahrheit des Spirituellen mit den Wahrheiten der Wissenschaft, nennt die Macht des Glaubens ebenso existent wie die Wirksamkeit der Wissenschaft. Weil das alles verbindende Element Geist ist.

Einheit von Körper und Geist

Dem Spirealismus zufolge besteht also eine Einheitlichkeit von Körper und Geist. Um dies wirklich zu verstehen muss man allerdings „den Geist“ anders sehen, als wir ihn materialistisch sehen.

Alles ist Geist – das bedeutet zu verstehen, Teil zu sein; Teil eines umfassenden Geistes. Nicht wir sehen mit gottgleichem, geistigen Blick, auf das Nichtgeistige, sondern Geist umhüllt und erschafft uns. Teil zu sein bedeutet, wir sind nicht alles. Es bedeutet, gegenüber dem Allem ist unser Begriffsvermögen begrenzt.

Es ist dies ein völlig anderes Menschenbild, als es der Materialismus hat, der ja, abgeleitet von seinem Grundsatz „ein freier Geist beobachtet die Festlegungen der Materie“ zu wissen meint, der Mensch könne die Natur in Endgültigkeit erkennen.

Auch wenn es von einer Begrenztheit des menschlichen Geistes ausgeht, ist das spirealistische Menschenbild kein den Menschen klein machendes, oder herabwürdigendes Menschenbild. Es ordnet richtiger ein. Es hält andere Folgerungen bereit; setzt andere Prämissen.

In medizinischer Hinsicht wird dadurch klarer, dass wir „geistige Wirkungen“ nicht klar umgrenzen können. Was wir denken hat immer seine Wirkung. Denn das, was wir als „unseren Geist“ ansehen geht nahtlos über in das, was uns als Geist umgibt, das wir aber nicht als unser Ich kennen. Somit geht „Psychosomatik“ nahtlos über in jede andere Krankheitsform.

Dieser Gedanke macht uns achtsamer uns selbst gegenüber, und dem, was wir denken – und es macht uns in der Folge gesünder.

Geistiges Heilen, spirituelle Heilmethoden was last modified: Februar 13th, 2016 by Henrik Geyer