Nachweis des Spirealismus

Der Spirealismus trifft einige sehr fundamentale Aussagen, die er in ihrer Tragweite im Folgenden weiter untersucht. Doch wie steht es mit der Beweisbarkeit dieser Aussagen, sagen wir ruhig Thesen?

Noch einmal kurz zu den Aussagen: Die grundlegende Aussage des Spirealismus ist, dass es keine Objektivität gibt. Diese Aussage könnte „nur“ so verstanden werden, dass man sagt: Es gibt keine endgültig feststehenden Wahrheiten – damit wäre das materialistische Weltbild noch unbeschädigt. Aber mehr noch ist es die Überzeugung des Spirealismus, dass es auch die „reale Außenwelt“ der materialistischen Sichtweise nicht gibt. Schließlich ist demzufolge der Existenzbegriff des Spirealismus ein anderer, als der des Materialismus. Existenz ist im Spirealismus die Relation der Begriffe zueinander (Stichwort „semantische Natur der Dinge“), ohne dass sich für den einzelnen Begriff oder das einzelne Ding irgendeine Existenzberechtigung oder Existenznotwendigkeit formulieren ließe, als eben jene Relation. Und das führt wieder auf die Aussage zurück, dass es die Welt jenseits unseres Denkens, die Welt materialistischer Anschauung, nicht gibt, denn die Relation kommt unter anderem durch uns Menschen zum Ausdruck und „in die Welt“ – als Gedanke.

Alles ist relativ – auch der Spirealismus?

Es hat einige Zeit gebraucht bis ich mir darüber klar wurde, dass aus dem oben genannten Grund auch der Spirealismus nicht für sich proklamieren kann, objektiv zu sein. Denn, jede Aussage die objektiv genannt wird, muss unter dem Aspekt der Objektivität falsch sein. Doch – man sucht so sehr das „Objektive“ – als etwas, das dann alle (Menschen) so sehen müssen … weil es einfach „da ist“. Aber … eben das ist ja wiederum eine Vorstellung des Materialismus – dass die Dinge einfach „da sind“.

Ich weiß noch, wie jemand, der mein Buch „Alles ist Geist“ zur Probe gelesen hatte, und darin die Aussage fand, auch der Spirealismus sei nicht objektiv, mich fragte, wozu ich das Buch überhaupt schriebe. Ein nicht-objektives Buch sei irrelevant. Ich war damals ein wenig verunsichert, dachte an das Verständnis der Leser und ihr mögliches Desinteresse an einem Buch, das einerseits versucht Dinge zu erklären, andererseits von sich selbst sagt, nicht objektiv zu sein. Ich strich den schuldigen Satz aus „Alles ist Geist“.

Bemerkenswert erscheint mir der Vorgang heute in zweierlei Hinsicht. Erstens können Menschen das Buch „Alles ist Geist“ lesen und dessen fundamentale Aussage einfach nicht begreifen. (Ganz genau so übrigens wie es des Öfteren vorkam dass ich auf Philosophen traf, die alles Mögliche über Kant und dessen Suche nach dem Ding „an sich“ wussten, denen jedoch die Frage selbst, ihrem Ursprung und ihrer Tragweite nach, völlig nichtssagend war). Für mich ist eben das das Erscheinen von Denkgrenzen.

Und zweitens zeigt es mir (was ich eigentlich von Herzen weiß), wie schwierig das Begreifen und völlige Erfassen der Aussage „Alles ist Geist“ in ihrem grundlegenden Sinn ist – und zwar auch für mich! Die Denkgrenzen sind also nicht irgendwo anders, und wirken nicht auf unbeschreibliche Weise, sondern sie sind (natürlich) auch in mir, und ich kann sie in ihrer Wirkungsweise beobachten. Ich selbst hatte der Logik des Anderen folgend, den Satz aus meinem Buch gestrichen, war der Unlogik und der Unklarheit gefolgt. Der Mensch ist eben Element der Schöpfung, nicht ihr Beobachter. Die Gesetze der Schöpfung wirken durch uns … Ich beobachte nichts von den Gedanken Getrenntes und kann die Begrenztheit, die Schwere der Gedanken, auch in mir spüren. Heute weiß ich noch besser als vor einigen Jahren, wie schwierig und langwierig es ist, dass der spirealistische Gedanke einsinkt. Er muss gelernt werden, es muss zu einem festen Glauben werden, so wie der Materialismus ein fester Glaube ist. Erst dann kann man „Alles ist Geist“ mühelos denken und wahrhaft verstehen.

Heute erscheint mir die Aussage, der Spirealismus könne nicht objektiv sein, als das Natürlichste von der Welt. Die Sucht, objektiv sein zu wollen, und damit, jedem Denken gerecht werden zu wollen, ist gewichen. Nichts ist objektiv. Ich habe keine Angst mehr davor, das zu formulieren, etwa weil ich fürchte, ein Buch würde keine Leser finden, oder ich würde auf Unverständnis treffen. Denn ich denke inzwischen, dass die Mehrzahl der Menschen ohnehin nicht die mindeste Neigung verspürt, die Grundbegriffe des (eigenen) Seins zu hinterfragen, und eine Philosophie wie den Spirealismus einer geistigen Würdigung zu unterziehen, zumal das, wie ich ja zugebe, äußerst schwierig ist. Und die Neigung der Menschen ist doch eher, auch im Geistigen, das Allereinfachste zu tun (ich spreche durchaus auch von mir und von eigener Erfahrung) und sich nicht auf irgendwelche Mühen einzulassen, für die es im materialistischen Sinn keine Rechtfertigung zu geben scheint. Es ist eben keineswegs so, dass Denken leicht sei. Verständnis für den Spirealismus zu wecken ist in etwa so, als würde man versuchen Schüler für den Zen-Buddhismus zu finden, die bereit sind Jahre hinter Klostermauern zu verbringen. Sofort taucht im Kandidaten die Frage auf, was eine solche Aktion denn wohl bringe, wie man die Lehre des Zen-Buddhismus in einem Satz zusammenfassen könne damit man sie unmittelbar verstehen könne, was (konkret!) an Geld dabei herausspränge, etc.. Fast zwecklos also. Wenn man etwas verkaufen will, dann sollte das (wenn es ein Buch ist) einfach der Denkwelt Vieler entsprechen – das heißt, es kann nur sehr begrenzt grundlegend Neues enthalten. Und .. objektiv kann und muss es nicht sein.

Für die Philosophie jedoch kommt es mir abseits von Verkaufsüberlegungen eher darauf an, die zu machenden Aussagen möglichst klar und eindeutig zu formulieren, und sie durchaus populär zu schreiben – denn ich sehe keinen Sinn darin, eine Philosophie  akademisch zu formulieren, und sie am Ende verwirrend oder unverständlich zu machen. Der Spirealismus untersucht die Grundbegriffe des Denkens, nicht aber die x-te Ableitung aus der Namenswelt des Materialismus. Daher muss er sich keiner akademischen Sprache bedienen, das wäre kontraproduktiv.

Das soll meiner eigenen Klarheit dienen, denn nicht zuletzt habe ich mit der Formulierung des Spirealismus Klarheit im eigenen Denken gesucht. Aber natürlich soll das auch der Klarheit der Leser dienen. Dass aber der Spirealismus, wenn er Objektivität nicht sucht, sondern vielmehr Objektivität im ersten Schritt negiert, vielen unverständlich bleiben muss, ist nicht zu ändern. Es gibt hier einen Zielkonflikt zwischen Klarheit und (vermeintlicher) Verständlichkeit aus materialistischer Sicht – ich entscheide mich für Klarheit.

Der Spirealismus ist eine mögliche Vorstellung

Der Spirealismus als Vorstellung eines Kosmos relativer Vorstellungen ist wahrer als der Materialismus, in dem Sinn, wie der Spirealismus Wahrheit nur verstehen kann: wiederum als Relation von Vorstellungen. Seine Aussage ist: Es hat Sinn den Spirealismus zu formulieren, da er der Funktionalität unserer Vorstellungswelten näher ist, als der Materialismus.

Nun müsste man auf die Frage antworten: Die Funktionalität welcher Vorstellungswelten ist gemeint? Der Spirealismus sagt ja selbst, dass sich die Gedanken in den Individuen nur ähneln, nie aber wirklich gleich sein können. Hierzu die Erklärung: Der Spirealismus benötigt als Ressource eine gedankliche Achtsamkeit (Achtsamkeit dem Denken gegenüber). Wenn man so will eine Geistigkeit, eine Spiritualität. Gemeint ist aber nicht die Spiritualität üblicher Vermarktungsstrategien (die ohnehin mit Materialismus mehr zu tun hat, als mit Spiritualität). Dies allein ist schon eine hohe Hürde, denn nach meiner Auffassung ist diese Fähigkeit alles andere als verbreitet.

Jedenfalls wird, wer sein eigenes Denken achtsam beobachtet, zu der Überzeugung gelangen, dass die Dinge nichts anderes sind, als die (eigenen) Gedanken daran. Und zu beobachten ist, dass sich die Dinge mit den Gedanken wandeln – von Augenblick zu Augenblick. Die Gedanken an die Dinge wandeln sich im Verlauf, und ebenso müssen sich die Gedanken an Dinge von Individuum zu Individuum unterscheiden.

Dies ist die Achtsamkeit, die ich mindestens für erforderlich halte. Erst mit ihr ausgestattet kann sich die Frage nach den Dingen „an sich“ als sinnvoll erweisen. Es ist die Frage: Was sind die Dinge jenseits des Denkens?

Dass sich, auf diese Weise, die Aussagen des Materialismus als nur in einem Spezialfall als sinnvoll erweisen, sozusagen als das Fortschreiten des Denkens in ein spezielles Denkuniversum hinein, das gleichsam von unendlich vielen anderen möglichen Denkuniversen wie abgeschnitten ist – diese Aussage muss der Spirealismus einfach treffen, ohne hierfür eine Erklärung im materialistischen Sinn abgeben zu können. Der Sinn einer solchen Aussage liegt schlicht darin, dass dies die Realität der Denkwelten, sofern man sie wie gesagt überhaupt beobachten kann, am allerbesten beschreibt.

In einem materialistischen Sinn muss diese Aussage keinen Sinn machen, besser gesagt: kann sie keinen Sinn machen, da die Aussage dem Materialismus zutiefst widerspricht. Und die geliebte Frage nach der Objektivität (insgeheim: nach der Relevanz) all dessen muss unter den Tisch fallen.

Wie schon des Öfteren formuliere ich auch an dieser Stelle, um das Enden der materialistischen Kausalkette in einem irrationalen Nichts zu zeigen: Die göttliche Erschaffung der Welt in sieben Tagen unterscheidet sich nicht grundlegend von der Annahme, die Welt sei vor 14 Milliarden Jahren in einem lautlosen Knall ins Entstehen gekommen.

Man könnte in einer Mischform auch davon sprechen, dass Gott die Erde in einem lautlosen Knall erschuf, der vor 14 Milliarden Jahren stattfand. Und dieser Vorgang dauerte nicht etwa sieben Tage, sondern eine Milliardstel Sekunde. Warum nicht? Das klingt für mich nicht unplausibel.

Beides sind Begriffe für einen unbegreiflichen Vorgang. Und wenn ich unbegreiflich sage, dann meine ich, dass es in einem objektiven Sinn hierfür kein Begreifen geben kann – man könnte auch von Irrationalität sprechen. In einem subjektiven Sinn hingegen ist sehr wohl eine Aussage zu treffen, und das ist es auch, was wir tun, wenn wir von der göttlichen Erschaffung der Welt reden, oder aber vom Urknall. Es ist jeweils ein Griff in die Trickkiste der Unendlichkeit, innerhalb derer alles Sein und Werden haben kann.

Nicht-objektiv ist nicht irrelevant

Dass etwas Nicht-Objektives gleichzeitig sehr relevant sein kann, erschließt sich wiederum erst aus der spirealistischen Sicht. Denn für den Spirealismus ist es völlig natürlich zu denken, dass die subjektiven Welten die allerhöchste Relevanz besitzen. Objektivität gibt es schließlich nicht.

Überprüfbar ist das sofort:

Welche Realität hat die größte Relevanz für das Individuum? Die eigene. Ist das „die“ (eine) Realität? Nein.

Welche Realität hat die größte Relevanz für eine Gruppe von Individuen? Die der Gruppe. Ist das „die“ (eine) Realität? Nein.

Welche Realität hat die größte Relevanz für die Menschheit? Die der Menschheit. Ist das „die“ (eine) Realität? Wieder: Nein.

 

Subjektiv ist nicht irrelevant. Sondern subjektiv – das ist das uns Bekannte. Was könnte höhere Relevanz haben als das uns Bekannte, während das uns Unbekannte ungedacht und unbenannt bleiben muss?

Nichts ist objektiv bedeutet: alles ist subjektiv. Subjektivität wird nicht durch mehrfach ähnliche Gedanken zu Objektivität, sondern zu Supersubjektivität.

der Nachweis

Wie also könnte der Nachweis des Spirealismus aussehen?

Zunächst: Was wäre nachzuweisen? Es wäre nachzuweisen, dass unsere Gedanken von den Dingen die Dinge selbst sind. Dass es also keine „existierende“ Außenwelt gibt, die von den Gedanken getrennt wäre, sondern dass die Gedanken, ohne (von uns) bestimmbaren Grund, die Dinge erzeugen. Und … der Begriff „die Gedanken“ … das wäre wohlgemerkt nicht materialistisch zu verstehen, als Gedanken die ausgehen von Köpfen. Sondern das wären Gedanken kosmisch-unbestimmten Ursprungs; wertneutral: Informationen, die die materielle Welt erzeugen.

Wenn ich am Anfang sagte, dass der objektive Nachweis nicht gelingen kann, weil es keine Objektivität gibt, will ich es hier wiederholen. Wie sollte der Nachweis einer fehlenden materiellen Außenwelt gelingen, wenn die Vorstellung einer Welt stets die Welt selbst ist? Anders gesagt: Was auch immer wir uns vorstellen – innerhalb der Eckpfeiler unserer Vorstellungen müssen wir „richtig“ und „falsch“ definieren – darüber hinaus können wir nicht. „Richtig“ und „falsch“ wiederum haben in einem Kosmos unbegrenzter Möglichkeiten keine Notwendigkeit, und stehen in keiner Weise singulär für sich. Sondern „richtig“ und „falsch“ sind wiederum Möglichkeiten innerhalb eines semantisch definierten Begriffsraumes.

der Beweis des Nicht-Existenten

Den spirealistischen Kosmos der unbegrenzten Möglichkeiten kann man nicht nachweisen, weil er sich in seiner unendlichen Form nicht zeigen oder nachweisen lässt. Wir selbst sind begrenzt. Und der Kosmos der unendlichen Möglichkeiten ist unbegrenzt und somit undefiniert, man könnte auch sagen, dass er für uns, die wir endlich sind, nicht existiert. Existenz hingegen ist für uns das Definierte, und zwar definiert in unseren Vorstellungen.

Im materialistischen Sinn „zeigen“ lässt sich nur, was in unseren Vorstellungen ist; somit ist das Unbegrenzte nicht zeigbar, da unsere Vorstellungen per se begrenzt sind. Und der eigentlich wissenschaftliche Nachweis wäre etwas, das in unseren Vorstellungen ist, und sich in ähnlicher Form in Vielem findet. Man könnte auch sagen: die gemeinsamen Phantasien vieler Menschen sind die Realität der Gruppe.

Wie soll also der „realistische“ Beweis für etwas aussehen, das außerhalb der Realität (der Gruppe) ist? Es ist die Vorstellung des Materialismus, wie ein Beweis auszusehen habe, die einen Beweis des jenseits des Materialismus Liegenden verhindert. Der Materialismus beweist sich selbst in einer Endlosschleife – eine letztlich nichtssagende Tautologie. Der Materialist muss einen Beweis, der ihn fordert die Grenzen des materialistischen Denkens zu überschreiten, als unwirksam ansehen.

Ich formulierte übrigens „sich in Vielem findet“, und nicht in Vielen (Menschen), weil ja die Vorstellung des Spirealismus von einem Information erzeugenden Kosmos der eines Kontinuums aus Geist ist, der quasi stufenlos von uns fremden Gedanken zu menschlichen Gedanken übergeht. Das Urteil des Menschen über das Universum bleibt eine Möglichkeit, aber nur die Möglichkeit seiner Vorstellungen. Insofern wäre es falsch, die Vorstellungen der Menschen in irgendeiner Form objektivieren zu wollen, indem man sie ablöst von Vorstellungen des uns umgebenden geistigen Universums – man käme damit auf das materialistische Weltbild zurück, demzufolge die Vorstellungen vieler Menschen objektiv sind, die Vorstellungen des Einzelnen hingegen nicht. Die Vorstellungen vieler Menschen nennt der Spirealismus „supersubjektiv“ – sie bleiben eine subjektive Vorstellung.

 

Ich unterscheide, auch das sei noch hinzugesetzt, zwischen Universum und KosmosUniversum nenne ich den Begriffsraum unserer Vorstellungen, und gehe davon aus, dass es viele Universen gibt oder geben kann. Kosmos nenne ich die Notwendigkeit, dass es eine Ordnung der Begriffe aus sich selbst heraus geben muss – als Synonym für Bewusstsein.

Eine Ordnung der Begriffe aus sich selbst heraus … die es geben muss? Warum muss? Kann es nicht eine Ordnung von Begriffen, oder auch Dingen, jenseits von Bewusstsein geben, so wie es sich der Materialismus vorstellt? Die halb scherzhafte Antwort lautet: Nicht dass ich wüsste! Womit gesagt sein soll: Das Wissen, somit das Bewusstsein, ist die Voraussetzung für jede Frage die wir stellen, und jede Antwort die wir finden können.

Wenn man so will ist ein Kosmos die Voraussetzung des Entstehens von Universen. Vielleicht ist das auch der Sinn, in dem der Begriff Kosmos im antiken Griechenland gebraucht wurde, denn Kosmos heißt ja „Ordnung“.

Die materielle Außenwelt versus die Welt der zehntausend Namen

David Hume (1711-1776)  formulierte, dass sich eine materielle Außenwelt nicht durch rationale Begründungen nachweisen lasse. Dennoch könne der Mensch nicht umhin, an die Existenz der Außenwelt zu glauben.

Seine Formulierung legt nahe, dass es sich beim materialistischen Weltbild um einen Glauben handelt – was exakt die Formulierung der spirealistischen Sichtweise ist. Und man kann sagen, dass, wenn es sich also um einen Glauben handelt, es andererseits auch keinen besonderen Grund gibt, diesen Glauben auf Biegen oder Brechen beizubehalten. Sondern man könnte sich, insbesondere als Gläubiger des materialistischen Weltbildes, vorstellen, das Weltbild zu wechseln, anders gesagt: sich einen anderen Glauben „zuzulegen“. Einfach etwas anderes glauben! Denn das Denken (Glauben) geht ja vom menschlichen Kopf aus … und … sind denn die Gedanken nicht frei?

Doch an dieser Stelle sehen wir wieder sehr deutlich die Macht der Gedanken – sie sind keineswegs frei, und, sich einen anderen Glauben „zuzulegen“ ist keineswegs einfach. Ich komme insofern auf den weiter oben formulierten Satz über Klosterschüler des Zen-Buddhismus zurück – es ist eine Mühe, einen alten Glauben abzulegen und einen neuen zu gewinnen. Es hat auch etwas zu tun mit der ebenfalls bereits formulierten Tatsache, dass die gemeinsamen Phantasien vieler Menschen die Realität der Gruppe sind. Da die Realität der Gruppe quasi die sog. Realität selbst ist, der sich jeder Mensch geistig zuordnen will und muss, ist es alles andere als leicht, diese Realität zu verlassen. Das wahrscheinlichste Szenario, dass dies gelingen könnte, wäre, dass sich die Realität der Gruppe änderte (was ja ohnehin stets und ständig geschieht).

Ich hatte gesagt, dass sich der Spirealismus nicht beweisen lässt, indem man sagen kann, „Siehe, dort sind ist der Kosmos der unbegrenzten Möglichkeiten“. Jedoch, dass der Gedanke im oben genannten Sinne fest wird, indem er sich in ähnlicher Form in Vielem findet, indem die Realität der Gruppe „die Realität“ ist, das ist ein Beweis für den Spirealismus. Viele Beweise ähnlicher Art ließen sich finden und ich habe versucht sie auf diesem Blog zusammenzutragen.

Ausgangspunkt ist immer die Überlegung, dass Welten entstehen können, ohne dass das materialistische Weltmodell bemüht werden muss – was wiederum deutlich jenseits des materialistischen Weltbildes und seines Selbstbeweises liegt. Wenn man aber verstanden hat, dass das materialistische Weltbild keinen Imperativ darstellt, dann wird man bemerken, dass ein Weltmodell jenseits des materialistischen schlüssiger ist.

Was also sind weitere Beweise? Die Paradoxie unserer materialistischen Vorstellung vom Nichts beispielsweise, oder der Unendlichkeit. Oder unser ewiges Uns-selbst-für-den-Mittelpunkt-des-Universums-Halten, und zwar nicht nur in räumlicher Hinsicht, sondern auch in geistig-intellektueller Hinsicht. Beweise sind auch offensichtlich paradoxe Annahmen  zu Realität und Objektivität, wie z.B. hier formuliert.

Die erwähnten materialistisch-paradoxen Annahmen zu Nichts und Unendlichkeit finden sich wieder in paradoxen Annahmen zum äußerlichen Universum (gemeint ist jenes Universum „mit den Sternen darin“). Gemeint ist zum Beispiel die Frage nach den Grenzen des äußerlichen Universums. Ist das Überschreiten (nicht vorhandener) Grenzen möglich?

Wenn, wie der Spirealismus meint, die Natur der Dinge semantisch sei, und, ebenso wie die Sprache, je nach Stellung der Begriffe zueinander Sinn und Form verändert, dann ist das Untersuchen der Worte als ein Synonym für unsere Vorstellungen ein Beweis für den Spirealismus. Und zwar dann, wenn diese Untersuchung ergibt, dass die Worte, ihre Verwendung sowie ihre vorgestellten Einschränkungen oder Erweiterungen, unser Weltbild und unser Begreifen der Dinge, formen. Derlei Beispiele habe ich auf diesen Seiten einige niedergelegt, und im Prinzip läuft alle Beschäftigung mit Sprache darauf hinaus … Konkret kann ich, um beim genannten Beispiel des Universums zu bleiben, unsere Vorstellung von einem Weltall benennen, das doch Alles enthalten soll, und das sich gleichzeitig dem Verständnis unter diesem Aspekt, nämlich Alles zu sein, entzieht. Ist Alles unendlich? Alles, das finden wir, liegt außerhalb unserer Vorstellungen. Und Alles hat auch keine Grenzen – warum? Der Spirealismus sagt: Weil Bewusstsein Alles generiert. Der Materialismus hingegen sagt das nicht – und bleibt eben deshalb paradox und unverständlich. Er bleibt artig innerhalb des ewigen Selbstbeweis-Kreislaufes und kann, wie es scheint, sehr gut mit der eigenen Widersprüchlichkeit leben.

Die vorgenannte Paradoxie lässt sich überleiten zu der prinzipiellen Frage nach Teil und Ganzem … lässt sich das Universum aufsummieren, als die Summe aller Masse / aller Dinge in ihm? Die ständige Annahme des Materialismus ist ja, dass das Ganze eine festgelegte Anzahl an Teilen in sich haben müsse (die wir, paradox genug, selbst definieren können), denken wir an den Begriff „Atom„, oder umgekehrt, dass eine Summe von Teilen ein Ganzes ergäbe, in einer Art fester, vom Bewusstsein abgekoppelter, mathematischer Formel. Ich hatte hier des Öfteren das Paradox von Englands Küste erwähnt, das uns das Gegenteil zeigt, und das ebenfalls ein Beweis für den Spirealismus ist.

In Gott würfelt nicht? hatte ich über die Annahme nachgedacht, dass Kausalität materialistisch gesehen außerhalb von Bewusstsein existiert – also objektiv sei, obwohl doch jede Kausalität die wir kennen nur auf den Begriffen basiert, die wir Menschen haben, die wiederum nicht objektiv sind. Und dass, zumindest aus spirealistischer Sicht verständlich und beobachtbar, Kausalität, als Quelle und gleichzeitig abhängige Funktion unserer Kenntnis dessen was „es gibt“, einem stetigen Wandel unterliegt. Und sich daher auch die Vergangenheit ständig wandelt.

Beweise sind auch durchaus die Erkenntnisse der materialistischen Naturwissenschaft, die beispielsweise nahelegen, dass kleine Teilchen sich unserem Bewusstsein entsprechend verhalten und formen, oder, dass es Farben nicht im eigentlichen Sinn im Außen gibt (Optik), sondern, dass sie sich im Geiste bilden. Ich erinnere mich beispielsweise an die Lektüre des Buches QED: Die seltsame Theorie des Lichts und der Materie, in der der Autor recht eindrucksvoll erklärt, wie Licht und Farben einerseits gut berechenbar und nutzbar sind, wie unlogisch jedoch letztlich die dazugehörigen Theorien sind (gemeint ist unsere Vorstellung von Augen, die Lichtteilchen aufnehmen, welche vorher wie Bälle von im Außen liegenden Objekten abgeprallt sind).

All die Theorien des Materialismus sind letztlich Stückwerk, und passen am Ende nicht zusammen. Warum ist das so? Der Spirealismus sagt: Weil ein Zusammenpassen für das, was wir am Ende „die Realität“ nennen, gar nicht nötig ist!

DAS ist der Grund, warum ich die Aussage Humes ablehne. Nein, man muss keineswegs an die Existenz einer materiellen Außenwelt glauben! Man kann offensichtlich an vieles glauben, im subjektiven wie im supersubjektiven Sinn – das tut der Wirklichkeit der Realität, und auch ihrer Funktionalität, überhaupt keinen Abbruch.

Ich denke, dass das, was der Autor von „Die seltsame Theorie des Lichts und der Materie“ darlegt, sich dem aufmerksamen Geist in letztlich jeder Gestalt, jedem Ding, zeigt. Oder besser: zeigen könnte. Ich komme insofern wieder auf diese notwendige Ressource des Verstehens zurück: Spiritualität. Wer nicht denken kann, dass der Gedanke selbst die Ursache aller Erscheinungen ist, oder wer schon die Frage nach der Ursächlichkeit nicht versteht und die Möglichkeit des Primats der Gedanken nicht in Erwägung ziehen kann, der wird auch den nächsten Schritt nicht tun können. Insofern möchte ich dem Humeschen Postulat, dass sich eine materielle Außenwelt zwar nicht durch rationale Begründungen nachweisen ließe, man dennoch nicht umhin komme an sie zu glauben, ein Demokrit-Zitat gegenüberstellen: „Kein Phänomen kann ein Kriterium sein, weil Phänomene nicht existieren.“

Ganz offensichtlich kann beides eine gültige und wirksame Realität sein. Die Demokritsche Realität und die Humesche. Die Welt der zehntausend Namen und die Welt des materiellen Außen.  Und, weil beides die Realität sein kann, ist die spirealistische Weltsicht wahrer als die materialistische, denn sie schließt die Selbstverständlichkeit vieler Realitäten ein.

Nachweis des Spirealismus was last modified: Januar 19th, 2018 by Henrik Geyer

Das Atom – des Pudels Kern

Die Denkvoraussetzung des Materialismus ist: Jedes Ding besteht aus Stoff (Materie). Stoff hat Masse und Raum. Jedes Ding beansprucht einen Raum. Zweitens sind alle Dinge aus anderen Dingen zusammengesetzt … das Ganze hat immer Teile, so wie jedes Ganze auch Teil von etwas ist. Drittens ist demnach der Raum für ein Ding begrenzt … zumindest ja dadurch, dass das Ganze einen definierten Raum einnimmt. Und da alles auch Teil von irgendetwas anderem ist …

(übrigens ist das Universum das einzige Objekt, das nicht Teil von etwas anderem ist. .. siehe auch: Der Mensch kann niemals über die Grenzen des Universums hinaus).

Die logische Folge aus den o.g. Denkvoraussetzungen: Dann muss es irgend etwas Kleinstes geben. Es wäre ein Ding, so wie wir Dinge im Großen sehen. Nur eben sehr klein. Mit Masse, mit Raum, mit zeitlicher Kontinuität. Ein Atom! Es wäre der Beweis der Richtigkeit des Materialismus.

Ein Atom wäre ein Ding, das in seinen Eigenschaften eindeutig wäre, es hätte Raum und Zeit, und wäre nicht weiter teilbar. Ein wahrhaftiger Kern eben. Es wäre zugleich die Grenze von Erkenntnis, mindestens für diesen Kern. Wir könnten ihn nur anschauen und sagen: „Da ist er nun, der Kern der Dinge.“

So wie das Universum das Ding wäre, das sich aufteilt, aber nicht Teil von etwas anderem ist, wäre das Atom das Ding, das Teil von etwas anderem ist, aber sich nicht teilt. Beides zusammen, das Kleinste und das Größte, eröffneten eine wohldefinierte Spanne und führen zu einer Vorstellung von Endlichkeit. Eine Endlichkeit innerhalb eines Anfanges und eines Endes – wie in einem Gefäß. Einer Bestimmtheit – so wie jedes Objekt, wenn es denn existiert, in einer Bestimmtheit existieren muss, nicht wahr, in Raum, Zeit, Eigenschaften des Stoffes …. 

Die Schwierigkeit

Das Atom, so wie wir es in der Wissenschaft sehen, hat aber Eigenschaften, die wir eher dem Geistigen zurechnen würden, als einer Sache aus „Stoff“. Es hat, je nach Sichtweise, mal eine Masse, mal keine. Es hat, je nach Sichtweise, einen Raum, mal keinen. Eigentlich, so sagen Physiker, sei ein Atom quasi Nichts. Der Anständigkeit halber verbleiben der Phantasie noch ganz kleine Körperchen: Die winzigen Elektronen, die in riesigem Abstand um den selbst nicht viel größeren Atomkern kreisen. Atome sind auch nicht an einer bestimmten Stelle, sondern lediglich in einem Wahrscheinlichkeitsraum zu finden. Dort tauchen sie nach Gutdünken auf, in Abhängigkeit davon, wie man sie beobachtet.

Es ist auch kein endgültiger Kern da, sondern, der Kern lässt sich spalten, bzw. zerfällt von selbst…

Wenn sich alle Dinge infinitesimal in weitere Dinge aufspalten lassen, dann wäre es schließlich unmöglich, ein Kleinstes zu finden, denn es wäre in seiner infinitesimalen Unendlich-Kleinheit dem Nichts so nahe, dass es quasi wie „nicht vorhanden“ wäre. „Nicht vorhanden“ aber bedeutet: wir können es nie und nimmer finden. Das bedeutet z.B., es könnte auch makroskopische Dinge geben, die nicht dadurch erklärbar sind, dass sie sich aus irgendetwas anderem zusammensetzten, Dinge aus Nichts sozusagen – eine komische Vorstellung.

Etwas, das sich „nie und nimmer finden lässt“, wie oben formuliert … kann es so etwas geben? Das widerspricht dem sicheren materialistischen Glauben, der Mensch könne alles finden – als eine Art Gott des Wissens. Diesem Erkenntnisglauben zufolge gibt es nichts, was der Mensch nicht in Erfahrung bringen könnte, alles andere erscheint ihm paradox. Wenn es „da“ ist, so besagt der Glaube, dann müsste es sich doch auch finden lassen!

Aber, was heißt nun „da“? Indem ich sage, etwas sei nicht findbar – kann es dann „da“ sein? Dem Materialismus erscheint selbst das Nicht-Findbare irgendwie findbar … das ist sein Paradox.

Ist das Nichts „da“? Paradox ist das materialistische Verständnis des Nichts als Etwas. Letztlich besagt es, dass alles existieren könnte, was sich der Mensch denkt. Sogar das Nichts bekommt so eine Form von Existenz, und zwar als die Negation von ETWAS. Der Spirealismus findet darin nichts Ungewöhnliches – Existenz ist Bewusstsein. Das Kurios-Paradoxe ist aber eben die materialistische Sichtweise auf Existenz: Als von Bewusstsein unabhängig!

Jedenfalls fragt sich der Mensch, was es wohl geben könne, das er nicht finden kann .. ausgestattet mit diesem im weiten Universum unvergleichlich einzigartigen Gehirn, das Intelligenz besitzt, wo doch ringsum nur stumpfer Stoff  (Materie) ist?

Existenz aus Bewusstsein

Was aber bedeutet es, wenn etwas nicht auffindbar ist? Wenn das Atom im oben genannten Sinn, als fester Kern und Grenze der Erkenntnis, nirgendwo zu finden ist? Auch nicht im übertragenen Sinn, als irgendeine Begrenzung der Erkenntnis, irgendein Kern des Absoluten? Bedeutet das, dass es nicht vorhanden ist? Oder, dass es noch der Entdeckung harrt? Letzteres glaubt der Materialismus, der sich stets auf dem Gipfel der Erkenntnis, jedoch nie, auch nicht in irgendeinem aller kleinsten Detail, wirklich am Ziel sieht.

Für den Spirealismus hingegen zeigt sich in der Tatsache, dass wir immer weitere Teile erzeugen können, anstatt IRGENDWO, in auch nur IRGENDEINER HINSICHT auf einen Kern und eine Grenze der Erkenntnis zu stoßen, die Kreativität des Bewusstseins – dessen erschaffendes Prinzip. Das Bewusstsein wird immer finden, wonach es sucht, ausgehend von seinen Denkvoraussetzungen. Denn es ist ja gar nicht an eherne Naturgesetze gebunden. Die Objekte erzeugt es selbst. Das Bewusstsein hat keine Grenze, die wir finden können. „Ich“ und „unser Bewusstsein“ – das ist dasselbe. Das Ich-Universum erscheint immer zugleich vollständig und grenzenlos. Schauen wir tiefer in den Raum, entdecken wir neue Sterne am Rand, selbst sind wir stets in der Mitte.

„Vorhanden“ kann nur sein, was wir definieren. Und umgekehrt ist, was wir definieren, für uns auch vorhanden. Wir sind nicht die Beobachter der Schöpfung, sondern ihre Elemente. Unser Sein gebiert weitere Schöpfung.

Götze Atom

Der Materialismus als kreative Weltanschauung benötigt das Atom. Das Atom ist der Inbegriff der Vorstellung, dass die Dinge in Raum und Zeit existieren, also, dass sie einen Raum beanspruchen, dass sie aus Stoff (Materie) sind und eine Masse haben, und dass sie in einer unwandelbaren Kontinuität der Abhängigkeiten existieren, auch Zeit genannt, oder auch Kausalität genannt.

Wenn wir nicht vorfinden, was wir fundamental erwarten: Einen Anfang und ein Ende …

Wenn wir das nicht vorfinden, dann ist es uns rätselhaft – man sehe das Rätsel der Geburt und des Todes. Kann irgend etwas einfach aus dem Nichts entstehen, in Unterbrechung der ewigen Kausalität? Ein Bewusstsein zum Beispiel, ein Ich? Und … kann es dann auch wieder einfach verschwinden? Der materialistische Verstand benötigt die Vorstellung einer Fortdauer, um die Grundannahme sich ewig voneinander ableitender Existenz nicht zu beschädigen. Für das Ich braucht er: Seele!

Man sehe auch den Urknall. Woher kommt die Materie, unser Götze? Da muss es einen Knall gegeben haben – einen Urknall. Und dann war sie da, die Materie. Das ist die Erklärung. (Natürlich erklärt ein Urknall gar nichts, und ein Knall kann es auch nicht sein, so ohne Materie. Und ohne jemanden, der den Knall hört. Der Knall ist sozusagen die theatralische Verbindung zu einer Kausalität, die wir „nur noch nicht kennen“, und daher sicherlich irgendwann erschaffen werden)

Das ist in etwa wie die Frage nach Gott. Wer hat Gott eigentlich erschaffen? (mein kleiner Sohn stellte mir diese Frage neulich, auf seinem Töpfchen sitzend) Die Frage nach der Erschaffung Gottes wäre so zu beantworten: Das kann man nicht wissen, denn Gott ist nicht von dieser Welt. Allein die Vorstellung einer Person Gottes ist Unsinn. Aber wir sind ja erwachsen, ernsthafter. Die Frage nach der Erschaffung der Materie ist weit wissenschaftlicher beantwortbar: Da gab es einen Knall. Allmächtiger Verstand des Menschen!

Die Vorstellung des Atoms ist in sich kreativ, so wie jede Vorstellung. Sie bringt weitere Vorstellungen, als Ableitungen des Eigenen, hervor. Aus dem kleinsten Teilchen werden noch kleinere Teilchen. Die Ableitungen wiederum stabilisieren den logischen Ausgangspunkt: Das Atom. Denn, nur wenn es das Atom gibt, dann kann es auch Teile des Atoms geben, nicht wahr?

Was wäre wenn …

Was wäre, wenn sich nun verbreiten würde, was doch eigentlich bereits absehbar ist, nämlich, dass der materialistische Glaube nicht zutrifft … Sondern: Das Ganze ist nicht die Summe von Teilen. Nur dann, wenn wir es so definieren. Dinge müssen keinen Raum einnehmen. Nur wenn wir das so definieren. Raum und Zeit sind Phänomene des Geistes. Nicht unwandelbar. Und keineswegs nicht anders denkbar. Die Existenz basiert auf etwas, das der Materialismus als Nichts ansieht, denn es hat keinen Raum, kein Gewicht, keine Zeit: Geist. Es gibt Dinge, die aus Nichts gemacht sind. Zum Beispiel der Gedanke. Was ist wichtig für das Finden von Atomteilchen? Ein Atom? Nein, Bewusstsein! Ohne Bewusstsein gäbe es das Atom bereits nicht.

Ist der Mensch in der Lage, das zu erklären? Dem Ganzen einen Anfangs- oder Endpunkt zu geben? Nein. Aber, das muss er auch nicht. Sondern, es wäre für ihn bereits ein riesiger Fortschritt, zumindest eben das Prinzip des Geistigen zu verstehen.

 

 

 

Das Atom – des Pudels Kern was last modified: Dezember 21st, 2017 by Henrik Geyer

Fraktale – Selbstähnlichkeit, die Dinge erschafft

 

Alles ist Geist. Dort, wo wir materielle Dinge des Außen sehen wollen, sind keine Dinge im materialistischen Sinn „vorhanden“.

Informationen erschaffen sich aus unserem „Blick auf die Dinge“, als Relation. Es sind keine Objekte vorhanden, von denen wir Informationen abrufen, sondern wir sind, indem wir schauen, Erschaffer der Objekte, die wir sehen – das kreative Element liegt in uns.

Küstenlänge Englands

Ein bekanntes Denkmodell legt dar, dass die Grenze eines Landes immer länger wird, je genauer man misst. Es ist unter dem Begriff „Englands Küste“ bekannt, (zumindest mir). Wohl deshalb, weil sich die Gestalt Englands vornehmlich an seiner Küste festmacht. Wie groß die Länge der Küste ist, ist ja nicht unerheblich, sondern ein wichtiges Maß seiner äußeren Gestalt. Warum aber wird die Länge größer, je genauer man misst? Man benötigt dafür ein wenig Phantasie: Wenn man um jeden Kieselstein der Küste herummisst, (was einem gewissenhaften Menschen lediglich wie eine wünschenswerte Genauigkeit erscheinen mag), wird sich die Küstenlänge vergrößern. Sie wird umso länger, je genauer man misst, und je kleiner die Steinchen werden, die man in die Messung einbezieht. Schließlich geht die Küstenlänge ins Unendliche, man stelle sich vor, man würde jedes Atom einbeziehen. Das Objekt „England“, und das ist das Erstaunliche, ist also nicht in Eindeutigkeit definiert, sondern seine Eigenschaften hängen, zum Beispiel in der Frage der Küstenlänge (aber auch jeder anderen), von unseren „Messungen“ ab. Von unserem Blick. Man stelle sich vor, es wäre irgendein anderes Objekt. Nicht England, sondern beispielsweise eine Kaffeetasse, um deren Rand-Atome man herum-messen würde.

Dass wir mit unseren Messungen die Informationen, die Dinge, erst erschaffen, ist ein Phänomen, von dem die Wissenschaft bisher glaubt, dergleichen sei nur in der Quantenphysik zu beobachten. Dort wird es mit den Worten beschrieben, dass sich kleinste Teilchen erst dann über ihre Eigenschaften „klar werden“, oder sich zwischen Zustand A oder Zustand B „entscheiden“, wenn man misst. Wenn man schaut ….

Doch eigentlich handelt es sich nicht um ein quantenphysikalisches, oder mathematisches Problem, sondern um ein weltanschauliches, um ein philosophisches Problem. Es geht nicht um die Frage, wie man Eins und Eins zusammenrechnet, und sei es schließlich in noch so komplizierten Formeln (dem Materialisten umso glaubwürdiger, je weniger allgemein-verständlich es ist), sondern wie man Eins sieht. Eins, verstanden als „das Objekt“. Eins, verstanden als „der Gegenstand“ vor unserer Nase. Denn vor aller Mathematik kommt erst einmal dieses Verständnis: Was ist ein Objekt (die Eins)?

Dass wir die Erschaffer der Information sein könnten, kommt uns, gefangen in der materialistischen Sichtweise, nicht in den Sinn. Die Selbstverständlichkeit dessen ist hingegen das Grundprinzip des Spirealismus, der sagt, der Mensch sei nicht Beobachter der Schöpfung, sondern Element der Schöpfung.

Fraktale

Fraktale sind Rechner-erstellte Bilder, die auf einfachen Formeln beruhen, die immer wieder auf sich selbst angewendet werden. Fraktale Formen findet man überall in der Natur. Je weiter man den Begriff der Selbstähnlichkeit fasst, was der Spirealismus tut, desto öfter, schließlich überall.

Interessanterweise habe ich auf der Wikipedia-Seite zu Fraktalen folgende Formulierung gefunden, mit Bezug zum erwähnten Küstenlängen-Phänomen. Zitat:

 

Weit verbreitet sind fraktale Strukturen ohne strenge, aber mit statistischer Selbstähnlichkeit. Dazu zählen beispielsweise Bäume, Blutgefäße, Flusssysteme und Küstenlinien. Im Fall der Küstenlinie ergibt sich als Konsequenz die Unmöglichkeit einer exakten Bestimmung der Küstenlänge: Je genauer man die Feinheiten des Küstenverlaufes misst, umso größer ist die Länge, die man erhält. Im Falle eines mathematischen Fraktals, wie beispielsweise der Kochkurve, wäre sie unbegrenzt.

 

Ich muss folgendes ergänzen, damit die Verbindung der beiden Phänomene, also Küste Englands und Fraktale deutlicher wird: In mein Buch Alles ist Geist habe ich das Küste-Englands-Phänomen aufgenommen. Und Fraktale sah ich schon eine geraume Weile als ein gutes Modell der Weltentstehung – In der Titelzeile dieses Blogs ist daher ein Fraktalbild das Hintergrundbild. Fraktale sind mathematische Formeln, die, mit Selbstbezug angewendet, Formen ergeben, Bilder ergeben, die an Science-Fiction-Welten erinnern. Nach meiner Auffassung kommt unsere Welt ja nicht mit einer bestimmten Notwendigkeit zu Stande .. Das heißt, hätten wir eine andere Welt vor uns, beispielsweise eine fraktale Science-Fiction-Welt, wäre diese uns ebenso selbstverständlich wie jene, die uns tatsächlich vor Augen steht. So, wie den Menschen ja immer schon die Welt, in die sie geworfen waren, selbstverständlich war, welche auch immer das gewesen sein mochte.

Im oben zitierten Wikipedia-Eintrag werden nun beide Phänomene in einem Zusammenhang genannt, was für mich neu war. Aber, beide Phänomene zeigen sehr sinnfällig den erschaffenden Blick, um den es in diesem Beitrag ja geht. Was an beiden Phänomenen ebenfalls interessant ist: sie entstammen der seriösen Wissenschaft unserer Tage, d.h., man muss nicht mit der als subjektiv empfundenen Sichtweise eines Menschen argumentieren, sondern kann sich auf etwas sehr Anerkanntes beziehen.

Bezüglich der beiden Phänomene scheint zunächst ein Unterschied vorzuliegen … im einen Phänomen (England) geht es um die äußerliche Gestalt von etwas. Beim anderen (Fraktal) um einen Selbstbezug, der wunderschöne Formen erschafft, wie man sie aus der Kunst kennt, aber auch aus der Natur, und zwar scheinbar ohne menschlich-bewusstes Nachdenken. Aber es gibt auch eine Gemeinsamkeit. Bei beiden geht es um Formen, und deren Wandelbarkeit durch die Intensität des Schauens. Der intensive Blick, das genaue Nachmessen (England), das lange Rechnen an einem Fraktal, zoomen in die Wirklichkeit quasi hinein. Beim einen Phänomen (England) wird die Küsten-Länge umso größer, je genauer man schaut, beim anderen Phänomen wird die „Tiefe“ des Fraktals größer, man könnte auch sagen dessen „Raum“, je länger man berechnet. Denn man kann jede Strecke noch einmal teilen, egal wie klein sie schon ist. Wenn man die Fraktal-Formel wieder auf den „neu entstandenen“ Raum anwendet, ergeben sich neue Formen – nie die gleichen Formen, aber ähnliche. Man zoomt quasi in den Raum hinein – und erschafft ihn dabei!

Der Materialist wird vielleicht fragen: Was hat ein Fraktal und das Messen einer Küstenlänge mit dem Blick des Menschen zu tun?

Dem spirealistischen Denken ist es eigentlich fremd, hier große Unterscheidungen zu machen. Fraktalberechnungen sind nichts vom Menschen Unabhängiges, ebenso sind Messungen des Menschen nicht von diesem unabhängig. Im Grunde mutet es ziemlich merkwürdig an, jemanden („den Menschen“) Dinge tun zu sehen, oder über sich reden zu hören, und dann (von ihm, „dem Menschen“) zu erfahren, wie er redet und was er tut sei von ihm selbst unabhängig! Es ist eine Folge des spirealistischen Weltbildes, dass man diese Absurdität zu sehen beginnt. Nur das materialistische Weltbild will hier einen Grenzstrich ziehen, auf Grund seines Denkmodells, dem zufolge Denken und Dinge grundsätzlich verschieden wären – was letztlich nichts weiter ist, als eine mögliche Annahme.

Aber, ein wenig Achtsamkeit vorausgesetzt, können wir das Genannte an unseren Gedanken nachvollziehen. Man beobachte bei sich selbst, wie sich die Dinge im Bewusstsein vergrößern, wahrer und fester werden, einen immer größeren Platz beanspruchen, je genauer man über sie nachdenkt. Wie jeder Gedanke ähnliche Gedanken mit einer Art Zwanghaftigkeit nach sich zieht (Selbstähnlichkeit). Man beobachte, wie sich die gedanklichen Dinge aufteilen, in immer neue Aspekte, man muss nur über etwas sehr intensiv nachdenken. Sie werden nicht nur zu einer größer werdenden Summe von Einzelteilen des Ganzen, sondern gleichzeitig wandelt sich auch das Ganze in seiner äußerlich begriffenen Gestalt .. Das ist das Wunder der Schöpfung.

So, wie man jede Strecke, und sei sie noch so klein, noch einmal teilen kann, kann man jedes gedankliche Ding noch einmal genauer durchdenken, egal, wie genau man es vorher schon vor Augen hatte. Und man kommt zu immer neuen Aspekten. Die Gedanken drehen sich nie einfach im Kreis, sondern man hat den Eindruck, als würde man in immer neue gedankliche Tiefen vorstoßen. So wie bei der Küstenlänge, so wie beim Fraktal.

Die Einschränkung des erschaffenden Prinzips auf Sonderfälle

Nun macht aber die Wikipedia-Seite die explizite Einschränkung, fraktale Strukturen seien in der Natur zu finden, aber nicht überall. Und das Küstenlängen-Phänomen sei auf Küstenlängen beschränkt.

Doch, wie gesagt, das ist nicht so. Unter dem Küstenlängen-Gesichtspunkt, also dem, dass die Gestalt einer Sache vom darauf fallenden Blick abhängt, kann man jedes Objekt, jede Grenze, jeden Umfang, jede Gestalt sehen. Also: jeden Planeten, jede Kaffeetasse, und auch jeden Menschen.

Das Gleiche gilt für Fraktale, also die Selbstähnlichkeit der Dinge, die allein aus dem Prinzip des ständigen Selbstbezuges sinnfällige Muster erzeugt …

Man kann unter diesem Gesichtspunkt die Eigenschaften jedes Gedankens sehen. Wird ein Objekt unserer Anschauung, egal, um was es sich handelt, egal ob nun Phänomen oder Noumenon (also egal ob nun gedachtes oder „vorhandenes“ Objekt), nicht immer größer, je genauer wir gedanklich darauf schauen, je mehr wir darüber nachdenken? Man denke daran, wie Vorstellungen von etwas Unheimliches zu realem Schrecken werden können, wenn man viel daran denkt. Wie man sich auf eine Liebe fixieren kann, so dass das Leben ohne diese Liebe unmöglich zu werden beginnt. Wie Neurosen  entstehen, durch die Fixierung auf nicht funktionierende Gedankengerüste … Wie überhaupt dieses An-etwas-Denken, dieses Sich-auf-etwas-Konzentrieren, der Schlüssel zum individuellen Leben ist  …

Und, zur Frage der Selbstähnlichkeit: Weisen unsere Gedanken nicht per se die Eigenschaft der Selbstähnlichkeit auf, indem wir nichts erfassen können, das uns wirklich fremd wäre, weil wir alles, was uns geschieht, doch nur innerhalb der Begriffe sehen können, die bereits in uns sind? 

Was man beobachten kann (das Neue) hängt von den Begriffen ab, mit denen wir an die Beobachtung herangehen (das Alte). Ob das nun in der Quantenphysik geschieht, oder in der Beurteilung eines Menschen, oder, wenn die besagte Kaffeetasse vor uns steht.

Erst die Theorie entscheidet darüber, was man beobachten kann.

Albert Einstein

* 14. März 1879 in Ulm; † 18. April 1955 in Princeton, New Jersey

(Ich betone, dass man die Eigenschaften eines Gedankens unter diesem Gesichtspunkt sehen kann, weil dem Spirealismus die Objekte gleich dem Gedanken an Objekte sind. Der Materialismus hingegen sieht hier eine strenge Trennung: dort die Objekte, hier die Gedanken an Objekte. Hier Geist im Menschen, dort Nicht-Geist, also feste Materie)

 

Ebensowenig sind die Phänomene der Quantenphysik nur auf die Quantenphysik beschränkt – es sind Phänomene, die jeder sehen kann, und zwar im Alltag! Siehe auch: Schrödingers Katze und ein Knacken im Wald

Es ist eine Frage der „Anschauung der Dinge“, und nicht eine Frage die sich eingrenzen lässt als kuriose Sondertatsache exotischer wissenschaftlicher Bereiche. Fraktale, aber auch Phänomene aus dem „ganz normalen Leben“, verraten viel mehr über uns selbst, und unseren (erschaffenden) Blick auf die Welt den wir Wahrnehmung nennen, als dass sie uns nur Auskunft gäben über mathematische Merkwürdigkeiten oder Statistik. Man muss nur die Augen aufmachen. Und die Brille der Gewohnheit abnehmen.

 

Fraktale – Selbstähnlichkeit, die Dinge erschafft was last modified: Dezember 20th, 2017 by Henrik Geyer

Was ist „verrückt“? Gedanken, die krank machen.

Ich hatte im vorigen Beitrag mit dem Titel Was ist „verrückt“? gesagt, dass man gegenüber „Verrückten“ („verrückt“ im Sinne von: Von der Realität abge-rückt) eine Haltung einnehmen kann, die hilft. Und ich hatte auch gesagt, dass dieselbe Haltung im ganz normalen Alltag weiterhilft.

Ich will ein wenig illustrieren, wie ich das meine.

Mit meinem Sohn, der eine psychische Erkrankung hat, habe ich manches Mal sogenannte „Mindfuck-Filme“ gesehen. Das war sein Wunsch, er interessierte sich sehr dafür. Mindfuck-Filme (diesen Begriff hat er mir erklärt), das sind Filme, die die Realität aus einer ganz bestimmten, als normal empfundenen, Perspektive schildern, und diese dann, meist gegen Ende des Films, umdrehen. Zum Beispiel wird ein Verbrechen aus der Perspektive eines Detektives geschildert; minutiös wird dargestellt, wie der Detektiv dem Verbrecher immer auf der Spur ist, ihn stets nur knapp verpassend .. und am Ende stellt sich heraus, dass Verbrecher und Detektiv ein- und dieselbe Person sind!

Natürlich lässt das den Zuschauer zutiefst verblüfft zurück. Beispiele für solche Plots gibt es viele – zum Beispiel den Film „Shutter Island“, wie überhaupt viele Filme heutzutage, ich erinnere mich so etwas von Patricia Highsmith gelesen zu haben, oder vielleicht „Die Verwandlung“ von Kafka, oder die Geschichte von Jeckyll und Hyde von R.L.Stevenson, oder auch „Ubik“ von Philip K. Dick. Oder „Die Maske“ von Stanislaw Lem. Plots dieser Art sind jedenfalls keine Seltenheit, und nach meiner Auffassung machen sich die jeweiligen Autoren eine Tatsache zu Nutze, die zwar jeder beobachten kann, aber doch ganz unverstanden ist, und daher jedesmal aufs Neue verblüfft. Nämlich, dass „die Realität“ in jedem Individuum verschieden ist, und es überhaupt nicht klar ist, was denn nun „die Realität“ (in der Einzahl) sein soll.

Nun interessierte sich wie gesagt mein Sohn ausgerechnet für solche Filme, und wir haben uns den einen oder anderen angesehen. Hinterher war mein Sohn oft wie demoralisiert, einmal flossen Tränen, und wir haben einige recht tiefschürfende Gespräche geführt, weitergehende Gespräche, als sonst je möglich waren. Daher betrachte ich im Nachhinein die Auseinandersetzung mit diesem Thema als überaus hilfreich für ihn.

Meinem Sohn machte, wie sich herausstellte, die Vorstellung Angst, selbst so zu sein, wie der Protagonist in einem dieser Filme. Also jemand, der unter „Bewusstseinsspaltung“ leidet, und nicht weiß, welcher Realität er angehört. Angenommen man erlebt etwas (genau in diesem Moment), und weiß nun nicht: Ist das ein „krankhafter“ Traum, oder ist das die Wirklichkeit?

In dieser Situation war es, wie ich es heute empfinde, sehr gut, ihm sagen zu können, dass niemand weiß, was „die Realität“ (in der Einzahl) ist, dass uns allen dies rätselhaft ist, dass Zweifel an der Realität, wie sie in diesen Filmen ja dargestellt werden, in uns allen ruhen. Und dass deshalb seine Zweifel und sein Grübeln letztlich nichts „krankes“ sind, sondern völlig normal.

Sehr leicht hingegen, und ebenso falsch, wäre es gewesen, wie aus der Pistole geschossen zu antworten: dass die Realität eindeutig sei, dass sie für jeden Normalen jederzeit erkennbar sei, dass die Realität mit ewigen Wahrheiten verbunden sei, dass die Realität dass sei, was jedermann mit den Augen sehen könne, etc..

Denn man muss einmal eines feststellen: Der „Verrückte“ leidet natürlich an bestimmten Denkgewohnheiten, und begibt sich im Ergebnis in eine Realität, die leicht erkennbar abweicht von dem, was andere „normal“ nennen und als „die Realität“ bezeichnen. Aber, er leidet natürlich sehr darunter, dass er scheinbar so abwegige Gedanken haben soll – ist er doch meist intelligent, und nicht dement, was bedeutet, dass auch er durchaus die Unterschiede zwischen den Welten sehen kann! Und er leidet mindestens zusätzlich an diesen Unterschieden (wenn nicht hauptsächlich), wenn man ihm diese Unterschiede deutlich macht und ihn, quasi schuldig, auf die andere Seite der Realität stellt – die nicht reale. Weil er natürlich, wie wir alle, nicht krank sein möchte, nicht verrückt sein möchte, sondern eine ganz normale Realität erleben möchte, so, wie er meint, dass es sich auch gehört! Es könnte sogar sein, dass Psychiatrien oder auch Krankensäle jeder Art (man denke allein an psychosomatische Krankheiten) vor allem von jenen bevölkert werden, die ursprünglich besonders treue und ergebene Anhänger der materialistischen Weltanschauung mit ihrer Enge und Strenge waren. Man könnte auch sagen: verbissene Kinnmuskelspanner, die auf Biegen und Brechen (Brechen der eigenen Gesundheit) „der Welt“ gerecht werden möchten.

Und, wenn man nun, zumindest in diesem einen Punkt, einmal Klarheit schaffen kann, dass man ehrlich und zutiefst überzeugend sagen kann, dass es „die Realität“ nicht gibt, dass wir alle unseren eigenen Realitäten anhängen und in einem permanenten Bäumchen-wechsle-dich-Spiel befangen sind, was die vermeintlich „eine“ Realität betrifft, so ist das etwas, was den psychisch Kranken entlastet. Diese Normalität einzugestehen, verbunden vielleicht mit der Vorstellung, höheren Mächten unterworfen zu sein, die wir nicht verstehen – das hat etwas Heilendes. Während die Vorstellung, man habe es mit jener einen und einzigen Realität zu tun, und man sei nur nicht in der Lage zu erkennen, welche das ist .. DAS hat etwas Beängstigendes und Krankmachendes! Unter dieser Schizophrenie (ich nenne das „normale Denken“ schizophren – die Spaltung des Denkens liegt darin, dass man meint, alles müsse ganz eindeutig sein, man stellt aber ständig fest, dass das nicht so ist) leiden nicht nur die sogenannten Verrückten, sondern sehr viele, ganz „normale“ Leute.

Man kann dasselbe auch an der manchmal ungenügenden Funktionsweise der Psychiatrie zeigen. Ich nehme Bezug auf den Film „Einer flog über das Kuckucksnest“, den vielleicht jeder kennt, und der eigentlich ein recht treffendes Bild liefert.

Die Verrückten in der Psychiatrie, in die der Sträfling Murphy gerät, werden betreut von ganz normalen, rechtschaffenden, wohlmeinenden Menschen, die allerdings den kleinen Makel haben, dass sie über keinerlei Vorstellung verfügen, was wohl im Kopf eines Psychiatriepatienten vor sich geht. Und die sich auch in keiner Weise dafür interessieren. Sie sind Gläubige der einen Realität, und, da die Patienten von dieser einen Realität sichtbar abweichen, sei, meinen sie, jede Mühe überflüssig, nach deren Realität zu fragen. Sie sind Gefangene einer merkwürdigen Eindimensionalität, die aus ihrer Sicht „die Realität“ ist. Und diese Realität nun, meinen sie, müsse jedermann erkennen, dazu seien sie da, das ist ihre Ausbildung – alles andere sei sinnlos und eben verrückt.

Man denke an den bemüht-sachlichen Ton der Oberschwester Ratched im Film, die sich zwar formal nach den Ansichten der Patienten erkundigt, aber sich erkennbar nicht dafür interessiert – sie ist ganz mit ihrer eigenen strengen Welt beschäftigt, die keine Kompromisse jenseits des – aus ihrer Sicht – Vernünftigen kennt. Sie macht aus dem, was man als die Komödie des Lebens bezeichnen könnte, eine Tragödie. Sie sieht alles ganz eng, möchte mit ihrer sachlichen, aber jede Freude tötenden Art, der einen Wirklichkeit gerecht werden, die, wenn sie darüber redet, eine traurige Farbe annimmt. Und sie ist auf diese Weise eigentlich ungeeignet, den Verrückten helfen zu können.

Ausgerechnet Murphy aber, der weiß Gott kein Waisenknabe ist, der das „volle Leben“ verkörpert, der sicher kein Genie ist und dessen Gedanken sich um Schnaps, Frauen und Freiheit drehen, dringt in die Welt der Patienten ein, weiß zu faszinieren, und heilt die Verrückten ein wenig. Er sieht „die Dinge“ nicht eng, und das sind sie ja auch nicht – wenn man bedenkt, dass jeder einen eigenen Blick auf die Dinge hat, dann weiten sie sich; müssen denn die Dinge nicht in der Vorstellung von jedermann Platz haben? Also müssen sie weit sein! Er ist politisch unkorrekt und gerade deshalb realistisch. Er trifft die Realität der Verrückten dort, wo sie ganz normal ist, nämlich bei Schnaps, Frauen und Freiheit (im Film).

Der Film „Einer flog über das Kuckucksnest“ ist in der Psychiatrie angesiedelt, aber man bezeichnet ihn nicht umsonst auch als eine Kritik an der Gesellschaft. Denn, was die Patienten in der Psychiatrie kränker macht, manchmal tötet (wie im Film), das hat auch außerhalb der Psychiatrie seinen Platz, und macht in der „ganz normalen“ Alltagswelt Leute krank.

Derselbe Anspruch wie der im Film bei der Stationsleitung gezeigte, nämlich der, dass man Dinge nur auf eine einzige Art und Weise sehen könne, brachte und bringt in der normalen Welt Leute in Gefängnisse, und manchmal zu Tode. Eben wie im Film.

So lacht doch!

Ich sagte, man müsse „die Dinge“ nicht so eng sehen, denn wenn die Dinge in der Vorstellungswelt jedes Individuums etwas anderes sind, dann sind sie auch weit. Man könnte es auch umgekehrt erklären: Wenn die Dinge in jedem Menschen etwas anderes sind, dann haben sie nur einen ganz kleinen „wirklichen“ Kern. Wie groß ist dieser Kern? Das ist nicht bestimmbar.

Der Spirealismus sagt: Es gibt keinen Kern. Denn, je nachdem, innerhalb welcher Gruppe man ein Objekt betrachtet, scheint der „reale Kern“ größer oder kleiner zu sein. Wenn man sich aber vorstellt, man würde mit beliebigen kosmischen Beobachtern in Kontakt treten können, muss sich der Kern auflösen. Denn das, was wir Menschen als das Wesen der Dinge ansehen, sind menschliche Vorstellungen vom Wesen der Dinge, die wir im anderen Beobachter nicht antreffen würden.

Dieses Verständnis der Welt, die Sichtweise des Spirealismus, sehe ich als heilend an. Denn sie fragt nicht, was die richtige Realität ist, sondern setzt als erste Prämisse voraus, dass es „die“ Realität (in der Einzahl) nicht gibt. Und Spirealismus ist, so gesehen, der Erlebniswelt von Psychiatriepatienten sehr viel näher, als der Materialismus, der jedermann aufzufordern scheint, man müsse die eine Realität doch einmal zur Kenntnis nehmen, man müsse die einzige Alternative sehen (was zu einer Sichtweise der Enge und Alternativlosigkeit führt), man müsse doch die Wahrheit erkennen, und so weiter. Spirealismus ist natürlich auch der Erlebniswelt ganz normaler Menschen viel näher als der Materialismus, sofern diese denn die sogenannte Realität einmal unter dem vorgenannten Aspekt zu sehen beginnen.

Die Welt (die Welten) sind ernst, aber auch lustig. Es hat etwas Komisches, wie wir uns gegenseitig die Realitäten erklären, und sie so zu einer werden lassen. Und das Erkennen der Nicht-Eindeutigkeit, und damit das Ablassen von dem Sich-Abarbeiten an den Dingen, die man ganz genau zu wissen glaubt, hat etwas Heilendes.

Sie möchten gern lachen – aber so tun Sie es doch. Die Welt ist durchaus nicht zu ernst dazu. Sie ist weder ernst noch lächerlich, sondern in jeder Sekunde anders, anders, anders.

Sie lieben zu vereinfachen und meinen dadurch den Dingen „auf den Grund“ zu kommen. Aber dieser Grund existiert gar nicht, und nur wer ohne Ende auflöst, verunendlichfacht: wen die ganze maßlose Fülle des Lebendigen nah und fern schließlich seines vermeinten Verantwortungsgefühls – als ob auf ihm just alle Pflicht und Schwere läge – lächeln macht -, er wird in seinem und in allem Leben einigermaßen gerecht werden können. Alles Vereinfachen tötet, (denn es führt zum Buchstaben, zur Ruhe, zur Starrheit), der Schmetterling Welt steckt ausgespannt im Glaskasten; was lebendig macht, ist allein der Geist des Allumfassens, Alldurchdringens, des Glaubens an nichts und alles, und zwar zugleich an restlos nichts und restlos alles.

Christian Morgenstern
deutscher Dichter und Schriftsteller
geb. 6. Mai 1871 in München; gest. 31. März 1914 in Untermais, Tirol, Österreich-Ungarn

 

 

Was heißt „verrückt“?

 

 

 

 

 

 

Was ist „verrückt“? Gedanken, die krank machen. was last modified: Dezember 15th, 2017 by Henrik Geyer

Nicht Beobachter, sondern Element der Schöpfung …

 

 

In meinen Texten taucht des Öfteren die Formulierung auf, der Mensch sei nicht Beobachter, sondern Element der Schöpfung. Dies steht im engen Zusammenhang mit der Grundaussage des Spirealismus, dass es nichts Beobachtbares gibt, das vom Menschen unabhängig wäre.

Und umgekehrt: Alles das, was man „vom Menschen unabhängig beobachtbar“ nennen möchte, ist nicht durch den Menschen beobachtbar.

 

Hier wird also eine virtuelle Grenze des Denkens / Beobachtens gezogen, die einerseits „da“ ist, die man aber nicht zeigen kann … denn es handelt sich eben um eine Grenze des Denkens. Da eine Grenze des Denkens genau jenes EINE Mittel der Welterkennung betrifft das wir haben, das Denken nämlich, ist diese Grenze für uns nicht sichtbar. Dem materialistischen Verständnis mag es paradox sein, dem spirealistischen ist es selbstverständlich: Wie könnte etwas, was jenseits des Denkens ist, von uns gedacht werden?

 

Ich habe das oft so formuliert, dass, während wir denken, wir würden nur etwas erschaffen, wenn wir mit den Händen arbeiten, erschaffen wir, indem wir da sind. Wir erschaffen diesen Moment, der in uns einzigartig ist – durch uns fließt die Schöpfung, während wir glauben, wir könnten eine Schöpfung wie etwas Drittes beobachten.

Dieser Fehleinschätzung begegnen wir beispielsweise in der Quantenphysik, wo wir feststellen, dass unsere Gedanken die Realität der Quanten verändern. Doch, nur in der Quantenphysik? Nein, keineswegs! Die Beobachtung, dass der Blick das Sein formt, kann eine sehr alltägliche Beobachtung sein, man muss dazu nur seine Perspektive auf das ändern, was wir gemeinhin „die Realität“ nennen. Man muss sozusagen eine andere Philosophie annehmen.

Aber, um diese Formulierung, und wie sie gemeint ist, noch besser zu verdeutlichen, fiel mir folgender Vergleich ein:

Man stelle sich vor, man beobachte das Spiel Mariobrothers auf einem Computer. Das sind quietschbunte Figuren in einer Arkadenwelt, sie springen hin und her und sammeln dabei Punkte.

Plötzlich wendet sich ein Mariobrother dem vor dem Computer sitzenden Menschen zu und sagt, er wolle nun die objektiven Gesetzmäßigkeiten der Welt ergründen.

Der Mensch fragt verblüfft zurück: „Welcher Welt? Deiner Welt, also jener Welt, die aus bunten Arkaden besteht?“

Er antwortet: „Ja, natürlich, welche sonst? Eine andere gibt es nicht!“

„Hm. Wie willst du das machen?“

„Nun, ich werde alle Informationen über die zweifelsfrei vorhandenen quietschbunten Arkaden sammeln, diese Informationen minutiös auswerten, und schließlich eine völlig objektive Aussage treffen können. Dann weiß ich, was die Welt im Innersten zusammenhält.“

 

Der Mensch ist verblüfft. Er könnte nun folgendes antworten:

„Erstens kannst du mit den dir zur Verfügung stehenden Informationen nichts ermitteln, was die Welt im Innersten zusammenhält, oder was „objektiv“ genannt werden könnte. Denn was du suchst liegt außerhalb deiner Welt. Deine Welt hängt von Gesetzmäßigkeiten ab, die du nicht siehst und nicht sehen kannst, nämlich den Gesetzmäßigkeiten meiner Welt. Du bist nur das Element der Schöpfung deiner Welt, nicht ihr Beobachter. Die quietschbunten Arkaden sind keine objektiven Tatbestände. Und alles das, was du für objektiv, unabänderlich, und für gegeben hältst, ist es nicht, sondern jederzeit in Wandlung begriffen.

Zweitens ist das Spiel, um das es hier geht, und das Mariobrothers heißt, unter anderem abhängig von deinen Handlungen. Das heißt, jede Aussage die du triffst, ändert auch das Spiel, und ist daher nicht endgültig und auch nicht objektiv. Das bedeutet, indem du das Unabänderliche suchst, änderst du. Indem du das Objektive suchst, erschaffst du das Objekt.“

 

Doch der Mensch vor dem Computer erspart sich diese Diskussion, denn, wie soll er dem Mariobrother „zeigen“, was dieser nicht sehen kann, und was für diesen nirgendwo ist? Worauf soll er „zeigen“? Mit welchen Worten, die der Mariobrother verstehen kann, soll er etwas verständlich machen? Und, was der Mariobrother macht, ist in jedem Fall richtig … für ihn. Er wird seiner Rolle in der ihn umgebenden Schöpfung gerecht, er existiert und er handelt. Braucht es da eine Belehrung? Was soll er „besser“ machen?

Resümee

Damit möchte ich folgendes verdeutlichen:

Der Mariobrother könnte den Menschen nun fragen, was denn die wirkliche Welt sei, und der Mensch wird, wenn er die vorliegende Analogie verstanden hat, nicht antworten. Weil er versteht, dass es keine Antwort gibt. Seine eigene Situation ist von der des Computer-Wesens nicht verschieden. Was kann er wissen über das, was ihm nicht erfahrbar ist? Wie soll er das denken, was ihm gemeinhin als sinnlos, als „nicht da“, als Nichts erscheint?

Wer sitzt vor unserem Bildschirm?

Analog zu dem Beispiel, in dem ein menschlicher Computerbenutzer sich gegenüber einer Figur IM Computer wie ein Gott fühlen darf, hat der Mensch stets das Gefühl gehabt, und hat es auch heute, dass er selbst höheren Mächten unterworfen ist. Höhere, ungreifbare Mächte, jenseits dessen, was man direkt sehen kann. Das ist sozusagen der Begriff Metaphysik – Metaphysik als die Wissenschaft von den Gesetzmäßigkeiten der Dinge jenseits des „Offensichtlichen“. Das ist das Thema der Religionen, der spirituellen Denkrichtungen etc.. Einstein dachte so. Bei allem Materialismus gibt es wohl nur wenige, die den Gedanken an „höhere Mächte“ völlig verwerfen.

Wie kommt man darauf, es könne oder müsse „höhere Mächte“ geben? Ist das Unsinn?

Nun, dieses Denken ist eigentlich sehr nahe liegend.

Was wir benötigen, um die angeführte Parabel in unserer Welt zu verstehen, und nicht nur als etwas, das vielleicht in einer Computer-Realität Gültigkeit hat aber nirgendwo sonst, das ist ein waches Auge für die Art und Weise des menschlichen Wahrnehmens, was einen schließlich sehen lässt, dass jede Wahrnehmung auch alle weiteren Wahrnehmungen bedingt. Insofern gehen unsere Wahrnehmungen nicht einfach von Dingen aus, sondern beziehen sich in fester Redundanz auf sich selbst. Einstein: „Die Theorie entscheidet darüber, was man entdecken kann.“ Es gibt also nichts, das nicht mit etwas anderem in Zusammenhang stünde. Weil man nichts begreifen kann, für das man nicht schon ein Konzept hätte. Das widerspricht der Grundvorstellung von objektiven, unabhängig vom menschlichen Betrachter existierenden, Dingen.

Dass zweitens Wahrnehmungen auch auftreten, wenn man sich von der scheinbar so objektiven Welt abkoppelt (der Weg des Eremiten). Man benötigt also keine Dinge, um Dinge des Denkens, um Objekte entstehen zu lassen.

Drittens geht jede Wahrnehmung auf keine notwendige Eindeutigkeit zurück, sondern auf eine ins Unendliche gehende Fülle von Möglichkeiten – so dass man nicht davon sprechen kann, der Mensch müsse auf diese oder jene Schlüsse kommen. Was wiederum der Grundvorstellung von „etwas Objektivem“ widerspricht. Wenn es etwas Objektives gäbe, dann gäbe es letztlich nur einen Weg, es sich vorzustellen. Den richtigen nämlich. Doch das kann man in keinem denkbaren Fall sagen.

Viertens ist da der ganz praktische Zweifel am materialistischen Konzept überhaupt – es kann nicht stimmen. Überall will der Mensch feste Objekte sehen, findet aber keine. In den Grenzbereichen des Denkens werden die materialistischen Begriffe absurd … ich will mich nicht wiederholen, sondern nenne nur wieder: das Alles (das Universum), das Nichts (Leere), das Kleinste, das Größte, die Unendlichkeit. Auch: die Wahrheit … Jedoch findet der Geübte in den normalen Dingen des Alltags ebenfalls die Unendlichkeit, und damit das Ungreifbare, er muss also nicht in die Weiten des Weltalls schauen, und somit sehr „fernliegende“ Gedanken denken, um die Widersprüchlichkeit des Materialismus sehen zu können.

Was wir weiterhin benötigen, um diese Parabel in unserer Welt zu verstehen und überhaupt für wichtig zu halten, ist ein gehöriges Maß an Phantasie, damit wir uns vorstellen können, was gemeinhin kaum vorstellbar erscheint – nämlich dass die Vorstellung einer materiellen Welt, die wir glauben in einem Außen zu beobachten, und von der wir glauben objektive Informationen abzurufen, falsch ist. Es ist die Frage nach dem „Ding an sich“, also die Frage nach der Größe des Unterschiedes zwischen der Wahrnehmung VON einem Objekt, und dem Objekt selbst. Wie ist das Objekt „wirklich“ beschaffen, wenn die Wahrnehmung von ihm definitionsgemäß nur ein Abklatsch ist? (das korrespondiert mit dem oben angeführten Beispiel, wenn nämlich der Mariobrother fragt, was denn die Welt „wirklich“ sei…) Bei aller Bekanntheit des Philosophen Kant ist diese seine Frage nach dem Ding „an sich“ im Grunde unverstanden.

Was man, wie ich denke, auch noch benötigt, ist ein gehöriges Maß an Spiritualität, also Geistigkeit, die die Gedanken und ihre Bezogenheit aufeinander, ihre Wirkungsweise also, achtsam beobachtet. Wo beobachtet? Bei Kollegen? Bei Patienten in einer psychiatrischen Anstalt als Versuchskaninchen? Nein. Im Grunde ist das Beobachten des Geistigen, auch im Anderen, immer nützlich. Die geistigen Welten Anderer sind jedoch immer nur ahnbar – niemals können wir in den Kopf von jemandem „hineinsehen“. Man sollte vor allem die Gedanken dort beobachten, wo sie am unmittelbarsten auftreten: Bei sich selbst.

Ist Relativismus sinnlos?

Was durch dieses Beispiel, weitergedacht, auch deutlich wird: Bei allem Relativismus ist die Handlungsweise des Mariobrothers (und genauso ist es beim Menschen), der seine Welt auf die genauest mögliche Weise untersuchen will, nicht falsch, sondern Teil des Spiels, dessen Element er nun einmal ist. Dem Zwang zu handeln kann er sich nicht entziehen. Seine Erkenntnisse sind immer nur Teil SEINER Welt, und nie objektiv. Jedoch kann er andere Erkenntnisse als diese nicht erlangen. Was jenseits seines Horizontes liegt ist völlig ungewiss und muss es bleiben. Es ist ihm verschlossen zu fragen, ob sich jenseits seiner Welt eine „objektive“ Welt anschließt, oder nur eine weitere Schicht aus möglichen Realitäten.

Und, könnte er den Menschen fragen, wüsste dieser die Antwort ebenso wenig, denn der Mensch ist ja in keiner anderen Situation.

Ich wage aber zu behaupten, dass eben diese Frage, nämlich, ob es jenseits der uns sichtbaren Welt eine objektive Welt gibt, oder, wenn man die Frage in der Variante stellt: „wie muss man sich Gott vorstellen?“, die Frage ganz falsch gestellt ist. Denn diese Frage setzt ja etwas voraus, das wir im fast gleichen Atemzug als „nicht existent“ bezeichneten. Wenn wir sagen, die Welt sei nicht im materialistischen Sinn objektiv „vorhanden“, warum sollte man ebendiese Vermutung in einem metaphysischen Sinn äußern und danach fragen? Und noch dazu, wenn wir auf der anderen Seite eine ganze Unendlichkeit von Möglichkeiten vermuten dürfen! Denn die Frage ist ja nicht, ob es eine „objektive“ Welt gibt oder nicht, sondern, die möglichen Antworten sind völlig offen. Und damit ist die Zahl der möglichen Antworten nicht eingrenzbar, und die Wahrscheinlichkeit, dass man zufällig auf die richtige Antwort stößt, Null. Also: Wer sitzt vor unserem Bildschirm? Die Frage ist falsch gestellt. Es muss niemand nach unserer Vorstellung vor einem Bildschirm sitzen, es muss niemand in Wolken wohnen, damit Sein, damit Existenz, sein kann.

Alles, was man von Gott aussagen kann, das ist Gott nicht.

Meister Eckhart, spätmittelalterlicher Theologe und Philosoph

 

Frage: Hat es Sinn, das hier aufgeführte Nachdenken anzustellen? Wenn es zu keinem objektiven Ergebnis führt, ist es doch sinnlos!

Antwort: Es hat Sinn. Die Antworten wirken nur in einem materialistischen Bezugssystem wie sinnlos, sind es jedoch nicht. (Dies sei jenen gesagt, die die Ansichten von Relativisten, Konstruktivisten etc., für irrelevant und nichtssagend halten.) Die hier gezeigten Fragen und Aussagen sind im Ergebnis sehr relevant, weil sie uns ganz andere Möglichkeiten der Entwicklung aufzeigen, als wir sie jetzt sehen können. Möglichkeiten jenseits des materialistisch Denkbaren. Natürlich müssen sie verstanden werden, um nützlich sein zu können.

Alles, was dem „Wesen der Dinge“  näherkommt, auch wenn dies „nur“ auf eine relative Art geschehen kann, ist natürlich auch nützlich und wichtig. Alles andere ist Selbsttäuschung.

Schlüssel Kommunikation

An dieser Stelle will ich noch auf die Rolle der Kommunikation verweisen, die im genannten Beispiel deutlich wird. In der spirealistischen Betrachtung nenne ich Kommunikation das Wesen des Kosmos, und Kommunikation ist für mich ein umfassender Begriff. Jeder Blick, jede Berührung, jeder Gedanke, ist Kommunikation. Kommunikation ist die Verbindung, die die Relation ermöglicht. Wenn Relation die Verbindung zwischen zwei Verschiedenheiten ist, dann ist Kommunikation die Vereinigung, die Brücke zwischen beiden. Das Sein ist Relation, anders gesagt: Existenz ist Kommunikation.

Kommunikation integriert das scheinbar Sinnlose in den Sinnzusammenhang den wir kennen, und transformiert es in das Sinnvolle.

Im Beispiel: Die Unterhaltung eines Computer-Users mit einer künstlichen Intelligenz IM Computer würde bedingen, dass eine sprachliche gemeinsame Basis vorliegt, eine Brücke, sozusagen. Ich hatte im Beispiel ja angenommen, dass der Mariobrother nur die Begriffe seiner Welt kennen könne … indem aber das vorgestellte Gespräch geführt wird, ist offenbar eine Kommunikation vorhanden, und Gemeinsamkeit von Vorstellungen auf beiden Seiten kommt in die Existenz.

Das Beispiel illustriert wieder den Grundgedanken „der Mensch ist Element der Schöpfung“. Während Mariobrother und Mensch in der materialistischen Sichtweise den Eindruck haben, sie würden sich über etwas Drittes unterhalten, nämlich das Getrenntsein von zwei Welten, entsteht die Verbindung.

Insofern widerspricht das Beispiel der selbst vorausgesetzten Prämisse: nämlich dass es einerseits keinen Kontakt/keine Verbindung der verschiedenen Welten gibt, weil die Computer-Intelligenz des Beispiels ja nur die eigene Welt kennt, über die sie sprechen kann – aber andererseits ein Gespräch stattfindet. Wenn ich sage, das Beispiel sei widersprüchlich – ist es dann ein falsches oder dummes Beispiel? Nein, es lässt sich eben kein Beispiel konstruieren, in dem sich Welten einerseits nicht berühren, aber andererseits ein Gespräch/Nachdenken darüber stattfinden kann, aus was die andere Welt denn beschaffen sei. Das ist schlicht unmöglich. Das Nachdenken IST die Berührung.

Der Mensch und das Nichts

Das Beispiel illustriert auch die Grenzen des Denkens (die der Materialismus nicht wahrnehmen kann), den Übergang des Sinnvollen (alles was gedacht werden kann hat auch irgendeinen Sinn für uns) in den unendlichen Bereich des Sinnlosen. Es illustriert somit auch die Grenze des Erklärbaren.

Weiter illustriert das Beispiel die Fixiertheit der Wahrnehmung auf etwas, das wir sinnvoll nennen. Man frage sich: Was alles schließen wir mit dieser Fixiertheit aus? Wie groß ist dieser Bereich, den wir sinnlos nennen und den wir für Nichts halten? Die Antwort ist: Wir schließen alles aus, wofür wir keine Vorstellung haben, keine Worte haben, keine Bezüge finden. Was wir nicht denken ist das Undenkbare. Frage: Warum das Undenkbare? Ich kann doch jederzeit denken, was ich gerade nicht dachte? Antwort: Nein, man kann nur denken, was im Zusammenhang mit den schon vorhandenen Gedanken steht, während der Bereich, der nicht im Zusammenhang mit den vorhandenen Gedanken steht, unendlich ist.

Man mag diese Überlegung als sinnlos ansehen. Doch, gerade deshalb die Frage: Existiert das Sinnlose? … Man stelle sich einen unbegrenzten Raum der Möglichkeiten vor. (Gemeint ist mit diesem „Raum der unbegrenzten Möglichkeiten“ ein Raum, also eine Fülle, eine Unendlichkeit möglicher Information. Jedoch, stellen wir uns den Raum ruhig als das Weltall vor …) Was kann es in diesem unbegrenzten Raum alles geben? Alles? Was ist alles? Ist alles auch das Sinnlose? Umgekehrt gefragt … Kann es in diesem unendlichen Raum etwas nicht geben? Er ist doch unendlich. Wenn unendliche Möglichkeiten da sind … warum sollte es dann nicht möglich sein, dass es etwas nicht gibt? Kann es das Weltall nicht geben?

Das Beispiel dieser in der materialistischen Denkweise unmöglichen Fragen korrespondiert mit der Platoschen Sichtweise auf den Begriff des Nichts. Plato zeigte  einen fundamentalen Widerspruch des (materialistischen) Denkens auf. Er sagt, einerseits stelle man sich das Nichts wie ETWAS vor, wie etwas Eingrenzbares und Abzählbares (das Nichts), andererseits könne man über das Nichts eigentlich keinerlei Aussagen treffen, denn es ist ja nicht da, und somit nicht denkbar (Denkgrenze).

 

Und genau dasselbe gilt für das Sinnlose – es ist uns Nichts. Es erscheint uns müßig, es zu denken, obwohl es doch existieren könnte, nach der materialistischen Vorstellung zumindest, und zwar in einer anderen Welt, in einer anderen Konstellation. Doch das Sinnlose, das Nichts, das eigentlich Alles ist, wäre eine Unendlichkeit, die zu denken uns unmöglich ist. Wir Menschen sind, das ist unsere Daseinsbedingung, fixiert auf unsere Welt. Wir sind fixiert auf die Zusammenhänge dessen was wir kennen. Das eigentlich „Fremde“ können wir nicht erfahren. In einer vorgestellten Unendlichkeit der Information sind wir ein Punkt. Und das können wir nicht ändern, indem wir „mehr erfahren“. Wir bleiben ein Punkt der umgeben ist von der Unendlichkeit des Möglichen.

 

 

 

Nicht Beobachter, sondern Element der Schöpfung … was last modified: Dezember 22nd, 2017 by Henrik Geyer

Aspekte des Ich-Universums, Teil 4: das Universum außerhalb von mir ist das Universum in mir

In diesem Abschnitt soll es nun darum gehen, wie wir uns das Ich-Universum vorstellen können, welche Parallelen sich zu dem Universum ergeben, das wir im Außen sehen, welche Sinnhaftigkeit darin liegt, etc..

Was ist ein Universum?

Stellen wir uns ein Universum zunächst als ein All vor, als eine Summe von Allem, was einen Menschen oder eine Menschengruppe (die Menschheit) umgibt. Es ist dabei wichtig, folgenden Aspekt im Hinterkopf zu behalten: das Wichtige am Universum sind eigentlich nicht die Sterne und Sonnen und Planeten, sondern die ganz normalen Dinge des Alltags. Die Kaffeetasse, die Kollegen, die kleinen und großen Sorgen.

Wenn man das Universum so sieht: die kleinen Dinge, die unser tägliches Leben sind als nicht wirklich getrennt von den großen Dingen, sondern wirklich alles als integralen Bestandteil des Alls, des Universums, dann haben wir einen wichtigen Schritt getan, um uns das Universum in seiner spirituellen Variante vor Augen zu führen, und zu ermöglichen, dass wir das Majestätischste, die Sterne und Galaxien, mit dem Trivialsten, in einem Zusammenhang denken können.

Und eigentlich gibt es ja auch keinen Grund zu sagen, dass der Bleistift, der vor mir liegt, weniger Teil des Universums sei, als eine Supernova in Milliarden Lichtjahren Entfernung. Mehr noch: der Bleistift ist in meinem Leben wichtiger! Und der Raum, der in meiner Kaffeetasse ist, in die hinein ich den Kaffee gieße, den ich dann trinken möchte, ist nicht verschieden von dem Raum der zwischen den Planeten ist.

Wir haben so auch das Fundament gelegt, um einem wichtigen hermetischen Grundsatz in unserem Denken zu genügen, bzw. seine Denkbarkeit vorzubereiten: ich meine das Prinzip der Entsprechungen, dem zufolge sich alles in allem findet. Wie oben, so unten. Wie außen, so innen. Wie im Großen, so im Kleinen. Das bedeutet: alles hat mit allem zu tun, es gibt keine wirkliche Trennung. Die Prinzipien die für die genannte Supernova gelten, gelten auch für den Bleistift. Die Verbindungen sind allumfassend und weit über das hinausgehend, was ich sehen kann.

Ich will auch gleich, ein wenig vorgreifend, den Grund nennen. Könnte ich sonst keine Verbindung zwischen der Supernova und Bleistift sehen, so ist doch eine Verbindung ganz offensichtlich: die meines Geistes. Beide Dinge sind Bestandteile meines Geistes, und indem ich sie in meiner Vorstellungskraft bewege und gewichte, ist es mir möglich, in der Art eines Schöpfers, hier ein wenig Gewicht hinzuzufügen, dort ein wenig wegzunehmen. Ich kann die Gewichtung in meinem Geist so verteilen, dass beide Dinge gleichwertig sind, und dass der Bleistift nicht geringer wiegt, als die Supernova.

Und das ist nun wieder das Verbindende, das Analoge. Der Geist, der als Ich eine ganz konkrete Form annimmt. In mir wird alles analog, ebenso, wie in mir auch alles divers wird. Ich kann alles, jeden Gegenstand, immer nur mit demselben Geist erfassen. Jeder Gegenstand wird durch mich, in meinem Geist, zu einem individuellen Gegenstand. Denn meine Sichtweise auf die Dinge ist einzigartig.

Sich den Geist wiederum als das eigentlich Welt-Erschaffende zu denken, genügt dem ersten hermetischen Prinzip Alles ist Geist, und beweist es. Der Beweis kann durch jeden Menschen geführt werden, der über genügend Phantasie verfügt, sich das oben Genannte vorzustellen, und in seinen Gedanken Objekte entstehen zu lassen, zu verringern oder auch zu vergrößern.

Warum Ich-Universum?

Der Grund, warum ich die Worte Ich und Universum in eine Verbindung brachte, war, dass ich darin ein Synonym sah – eine Gleichheit. Das Ich ist eine Einzelheit, etwas Individuelles, denn ich bin von jedem anderen Menschen verschieden. Mein Ich ist von jedem anderen Ich verschieden. Und mir wurde irgendwann klar, dass das Universum, so wie ich es verstehe, nur in mir existiert, und sich also wiederum von jedem anderen Universum, das andere sehen, unterscheiden muss. Das wird insbesondere klar, wenn man „das Universum“ so versteht, wie ich es im vorigen Abschnitt beschrieb – als die Gesamtheit auch der kleinen Dinge, die im Leben eines Menschen sind. Dessen All, sozusagen.

Aber auch, wenn ich das Universum als die Gesamtheit von Sternen in einem unendlichen Raum sehe, kann ich das gleiche Denkexperiment anstellen. Man stelle sich vor, man würde eine Anzahl Sterne kennen, aber einige auch nicht. Es gibt Menschen, die kennen andere Sterne als ich. Vielleicht mehr Sterne. Kann man sagen, dass deren Universum gleich meinem sei? Nein. Was ich über das Universum weiß, macht es einzigartig (ich sage nicht: macht es gut oder schlecht). Es wird einzigartig dadurch, dass ich die Dinge, egal um was es sich handelt, einen Bleistift, eine Supernova, oder ein Universum, immer als die Summe ihrer Bestandteile ansehe; als die Gesamtheit der Dinge, die darin und darum sind; als die Gesamtheit ihrer Eigenschaften. Die Dinge, die um und in einer Sache sind, und seine Eigenschaften, sind austauschbar – oder, um es anders auszudrücken: die Dinge und die Eigenschaften, die an den Dingen sind, sind eigentlich dasselbe. Ein Beispiel hierzu: Eine Sache ist grün, weil ihr grüne Farbteilchen anhaften. Grün zu sein ist nun einmal das, woran ich diese Sache erkenne. Hätte sie diese Eigenschaft nicht, wäre es auch nicht diese Sache. Oder: Ein Auto ist schnell, weil es vorn einen Motor unter der Haube hat. Ist ein Auto noch ein Auto ohne Motor? etc.. Am Anfang habe ich mir das vorgestellt, indem ich (mich) fragte: Wie sieht ein Mann aus, der gar keine Eigenschaften hat? Ist das noch ein Mann? Ein Mensch?

Also ist das, was wir als die Eigenschaften der Dinge ansehen, auch immer verbunden mit den Objekten in denen wir sie finden. Die Eigenschaften SIND die Dinge – es ist austauschbar.

Manchem mag es vielleicht immer noch schwer fallen, sich vorzustellen, dass die Dinge nichts anderes sind als eine Gesamtheit von Eigenschaften. Daher ein kleines Gedankenexperiment: stellen Sie sich einen Baum vor. Er hat vier Räder, kann 100 km/h schnell fahren, und ist rot. Ist das ein Baum? Natürlich nicht. Es ist ein Auto. Ein Baum muss bestimmte Eigenschaften haben, damit ich ihn als Baum erkennen kann. Es muss der Stamm da sein, die Unbeweglichkeit im Erdreich, die grüne Blätterkrone.

Ich will ein weiteres Beispiel nennen, das mir immer sehr vielsagend erschien. Ich versuchte mir einen Mann ohne Eigenschaften vorzustellen. Es gibt ja in der Literatur und Kunst Versuche, dieses Eigenschaftslose vorstellbar zu machen – es wird dann als eine Art interessantes Paradox verstanden. Mir fällt dazu „Der Namenlose“ von Samuel Beckett ein …

Wenn Sie, geschätzter Leser, versuchen, sich einen Mann ohne Eigenschaften vorzustellen, werden Sie schnell verstehen, dass allein die Aussage, es handele sich um einen Menschen oder Mann, mit Eigenschaften bei diesem verbunden sein muss. Etwas, das ohne Eigenschaften ist, ist nicht. Ein Ding ohne Eigenschaften ist kein Ding. Es existiert nicht.

Und so wird eben jede Sache durch die Eigenschaften bestimmt, die ihr gegeben sind. Die Art und Qualität ihrer Eigenschaften wiederum unterscheidet die Dinge. So unterscheidet sich ein Baum vom anderen durch die Art und Weise seiner Baumkrone, seines Stammes etc..

Die Eigenschaften des Universums das ich kenne, sind in mir einzigartig. Es ist das Universum meines Ichs. Im Grunde, weil ja auch ich selbst ein Bestandteil meines Universums bin, sind das Ich und das Universum im Ich, ununterscheidbar miteinander verwoben. Sie sind genau dasselbe. Denn auch mein Ich, also das, was ich in mir sehe, was ich über mich denke, wie ich mich beschreibe, wird bestimmt durch die Eigenschaften der Dinge, die ich dem Ich zuordne. Es sind die Dinge, die ich kenne. Es sind die Dinge die in mir und um mich sind, die in Raum und Zeit existieren und dadurch kausale Beziehungen zueinander haben. Es ist das Universum in mir – mein spezifisches und einzigartiges All. Das All wie gesagt sind alle Dinge, die da sind … in meinem Ich.

Und, so merkwürdig das nun dem Gewohnheitsmaterialisten erscheinen mag, der alles fein säuberlich trennen und unterscheiden will, so dass schließlich nur noch eine einzige Kausalbeziehung übrig bleibt: Der Bleistift, der vor mir liegt, hat mit mir zu tun. Er ist Bestandteil meiner Welt, und macht, in der Konstellation, in der er sich in einer relativen Position zu mir befindet, einen Teil meines Ichs aus.

Das Universum außerhalb von mir ist das Universum IN mir

Und so kommen wir zu der verblüffenden Feststellung, dass das Universum, dass der Mensch gewohnt ist außerhalb seiner selbst zu sehen, eigentlich in ihm ist. Denn, und hier komme ich wieder auf den Grundgedanken des Spirealismus zu sprechen: was könnte etwas sein, was nicht in Gedanken existiert? Mag man das nun auf materialistische Art überlegen, also: die Dinge existieren in materieller Form außerhalb des menschlichen Beobachters … dennoch muss man fragen: was wäre eine noch so existente Sache, wenn sie nicht in den Gedanken auftauchte. Oder, mag man das auf die spirealistische Art durchdenken, die von vorn herein die Überzeugung vertritt, dass die Existenz geistiger Natur ist.

DAS Universum (in der Einzahl) – existiert in keinen zwei Menschen in gleicher Form. Man könnte auch sagen: DAS Universum gibt es nicht.

DIE Universen sind in uns. Und: DIE Universen und wir selbst sind nicht zu unterscheiden. Denn alles was wir denken können, hängt mit den Objekten der Universen zusammen, die wir jeweils vor dem (geistigen) Auge haben. Alles was wir denken können, entsteht aus den Objekten, entwickelt sich aus den Objekten, begründet sich aus den Objekten dieser innerlichen Universen.

Das äußere Universum ist eigentlich ein innerliches, und umgekehrt. Und – da ist es wieder: das hermetische Gesetz der Entsprechung. Es stimmt: wie innen, so außen.

 

 

 

Aspekte des Ich-Universums, Teil 4: das Universum außerhalb von mir ist das Universum in mir was last modified: Oktober 18th, 2017 by Henrik Geyer

Ist ein Elefant, bzw. ein Rhinozeros im Raum? Wittgenstein und die Frage nach der Struktur der Wirklichkeit

Den jungen Philosophen Wittgenstein beschäftigte die Frage, ob ein vorhandenes Problem, oder das Vorhandensein von ETWAS, bemerkt werden müsse, wenn das (kollektive) Verständnis dieses ETWAS nicht sehen will oder kann. Link z.B. hier . Man kennt das als die Frage nach einem Elefanten im Raum, das bedeutet, etwas ist eigentlich unübersehbar vorhanden, erdrückt einen geradezu durch seine körperliche Präsenz, so wie ein Elefant, der sich im selben Raum aufhält wie man selbst, und dennoch kann man es nicht bemerken. Die Denkweise des Philosophen Wittgenstein war sehr speziell und für viele seiner Zeitgenossen (und Heutige) unbegreiflich, daher erlangte das Gespräch zwischen Wittgenstein und Russel eine gewisse Berühmtheit und oft wird darauf Bezug genommen. Der Elefant im Raum – kann man ihn sehen? Muss man ihn wahrnehmen?

Ich will versuchen die Fragestellung und ihre Beantwortung, die aus spirealistischer Sicht eine recht eindeutige Färbung bekommt, in diesem kurzen Artikel darzulegen.

 

Die Frage sieht man gemeinhin als eine Fragestellung aus der Psychologie. In der Psychologie ist ja bekannt, dass Personen sich bestimmten „Tatsachen der Wirklichkeit“ gegenüber verschließen können. Man nennt das Verdrängung. Das bedeutet, diese Personen nehmen Tatsachen nicht wahr, haben demzufolge selbst eine andere Wirklichkeit, was innerhalb der materialistischen Weltsicht als ziemlich unbegreiflich gelten darf. Die Wirklichkeit kann man sich doch nicht ausdenken!!! Doch insgeheim fragt sich so mancher: Aber was, wenn doch? Was, wenn man sich die Wirklichkeit ausdenken kann – der „Kranke“ macht es doch uns vor! Es funktioniert – zwar nicht in dem Sinn, dass es gesellschaftlich funktional und damit anerkannt wäre, aber im Sinn einer Möglichkeit funktioniert es.

Ich möchte an dieser Stelle einige sehr weitgehende Brückenschläge vornehmen, wer meine Bücher kennt wird sicher einiges wiederfinden. Wir kennen die Wahrnehmung einer anderen, einer fremden Realität von Menschen, die der anerkannten Wirklichkeit entrückt sind – von „Ver-Rückten“, Kranken also. Wir kennen es aber auch von ganz normalen Menschen – religiös Gläubigen etwa. Begeben sie sich denn nicht in geistige Realitäten, für die sich äußerlich kein Anzeichen finden lassen? Wir kennen das Phänomen genau genommen aber in jedem fremden Menschen – und sind geneigt bei jedem Fremden zu denken (und manchmal sagen wir es auch), dieser oder jener habe eine merkwürdige Vorstellung von Realität. Warum? Weil sie abweicht von unserer eigenen. Im Grunde haben wir, wenn wir die Frage nach dem Elefanten im Raum behandeln, die seit Jahrtausenden bekannte Frage nach dem Schmetterling, der glaubt ein Mensch zu sein, der aber ebenso gut ein Mensch sein könnte, der glaubt ein Schmetterling zu sein, vor uns. Was ist derjenige nun wirklich? Kann man über das, was man als die Realität erkennt, hinaus denken? Was anderes wohl könnte jedem die Realität sein, wenn nicht das, was er dafür hält?

Man kann dasselbe Problem, statt es unter dem Gesichtspunkt der Psychologie zu sehen, auch in die Soziologie eingliedern. Die Fragestellung wäre hier: wie lernen die Menschen von einander (Peer-Group-Beziehungen)? Wie nehmen sie Informationen auf. Ist denn dem Menschen nicht ein möglicher Beweis für das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein von etwas die Aussage eines anderen Menschen? Ist es denn nicht sogar so, dass allermeistens der Mensch Kenntnis von etwas erhält, indem er durch andere Menschen davon hört?

Oder man kann das Ganze in einem sehr grundsätzlichen Sinn als Problem der Informationstheorie sehen. Was ist eine Information, woher kommt sie, wie bildet sie sich? War sie vorher schon „da“, bevor sie in meinem Denken auftauchte? In welcher Form?

Bleiben wir bei der Psychologie, warum nicht? In der Psychologie geht es stets um die Wahrnehmungen von Menschen. Menschen nehmen scheinbar unzulässigerweise etwas wahr, das andere nicht wahrnehmen können, und umgekehrt. Immer geht es darum, Wahrnehmungen und Handlungsrezepte „auf Linie“ zu bringen, so dass sie beim Patienten eine solche Form annehmen, wie die Wahrnehmungen und Handlungsrezepte der Allgemeinheit, oder, um im Verständnis der Psychologie zu reden: so dass sie die Realität richtig adressieren.  (aber um die Realität, d.h. was sie ist, geht es ja auf diesem Blog)

Sieht man den konkreten Fall eines Betroffenen (psychisch Kranken), so ist es immer eindrucksvoll zu lernen, wie das NICHTVORHANDENSEIN einer doch vorhandenen Problematik, eines Faktums, einer Sache, absolut realistisch und überzeugend im Bewusstsein von demjenigen verankert ist. Oder, ebenso gut: das VORHANDENSEIN von etwas, das man selbst nicht sehen kann. Das zu erleben kann ich an dieser Stelle kaum beschreiben – wenn man es nicht selbst erfahren hat, kann eine Beschreibung dessen immer nur trocken und unzureichend sein – zum Vergleich: ebenso wenig lässt sich ein selbst erlebter Fallschirmsprung durch die Erzählung eines Fallschirmsprunges ersetzten. Das Erleben dessen lässt einen auch sehen, welch weitreichende Konsequenzen ein spezifisches Denken für denjenigen hat – diese Konsequenzen reichen viel weiter, als man geneigt ist anzunehmen. Das Nichtvorhandensein von etwas offensichtlich Vorhandenem im Bewusstsein eines Patienten produziert alle möglichen Folgen, und Folgen von Folgen. Man stelle sich das auf das Körperliche übertragen vor: ein krankes Gelenk verändert schließlich den ganzen Körper, beispielsweise durch Fehlhaltungen, übermäßige Beanspruchung anderer Gelenke. Und ebenso hat eine geistige Besonderheit immer unabsehbare Auswirkungen, die in jeden Winkel des Bewusstseins ausstrahlen.

Als Materialisten grenzen wir Menschen aus, die in ihren Bewusstseinsinhalten sehr offensichtlich von unseren abweichen. Wir bezeichnen sie als krank, oder als ver-rückt, wenn eine gesellschaftliche Dysfunktionalität mit diesem Anders-Sehen einhergeht.

Die etwas mildere Form des Anders-Sehens bei anderen stigmatisieren wir gern als „nicht realistisch“, oder als „Realitätsverweigerung“. Wobei wir stets davon ausgehen, selbst im Vollbesitz des irgend-möglichen Realismus zu sein, mithin in vollster Kenntnis aller möglich Elefanten, die jemals im Raum sein könnten. Das bedeutet, wir beurteilen die Möglichkeiten der Realität so eingegrenzt, wie es unser eigenes Bewusstsein ist! Ist das nicht kurios? Das gelingt uns, indem wir, mit Hilfe des Materialismus, unser Bewusstsein nicht als eingegrenzt und begrenzt sehen, sondern als genialisch-allumfassend. Das Begrenzte sei die Wirklichkeit, denn davon gebe es nur eine! Und – so schließt sich der Kreis – diese eine Wirklichkeit, die sog. Realität, widerspiegelten wir in unserem scharfen Verstand, der so realistisch sei, wie er nur sein könne. Und das denkt nun jeder!

Damit das jeder denken kann, und von der einfachen Wahrnehmung völlig ungestört bleibt, dass jeder Mensch seine eigene Realität in sich trägt, müssen wir alles ab- und ausgrenzen, was diesen Gedanken stören könnte. Aus diesem Grund eben sehen wir Verrückte als völlig von uns verschieden an – hier läge eine ganz andere Art und Weise des Denkens vor, mutmaßen wir. Auf diese Weise vermeiden wir den Gedanken (können es uns nicht vorstellen), dass in unserem eigenen Denken dieselben Mechanismen am Werke sind, wie im Denken eines „Verrückten“, oder eines Menschen, den wir als „unrealistisch“ bezeichnen. Denn wir können und wollen uns nicht vorstellen, dass das „Problem des Anders-Sehens“, das wir bei einer anderen Person bemerken, ebenso uns selbst betrifft und eigentlich das Grundprinzip jedes Bewusstseins ist.

Aber, natürlich ist auch unser Denken, unser Wissen, alles was wir tun und je tun können, begrenzt. Und das, was jenseits unseres Denkens ist, können wir nicht denken; so wie das, was wir nicht tun, auch nicht getan werden kann.

Ich will gleich darlegen, warum und inwiefern es unser eigenes Problem ist, und warum übrigens DIESES Verdrängen selbst das beste Beispiel für einen „Elefanten im Raum“ ist.

Die Struktur der Realität

Wer einmal die Tatsache der veränderten Wirklichkeit in einem anderen Menschen 1:1 beobachten durfte, der nimmt das Mahnende dieser Beobachtung wahr, denn man fragt sich unwillkürlich: Und was kann ich selbst in diesem Moment nicht sehen, was doch „da“ ist? Und, weil sich die Psychologie des Einzelnen in der Psychologie der Menge wiederfindet, lässt sich aus sehr nahe liegenden Gründen dieselbe Frage für die Masse, für die Gesellschaft, stellen. Was können wir als Gesellschaft nicht sehen, obwohl es doch „da“ ist?

Denken wir uns das Problem einmal so herum: Wir wissen, dass wir heute auf der Basis bestimmter Denkinhalte entscheiden, und dass wir viele der heute getroffene Entscheidungen morgen bereuen werden. Warum? Weil sie falsch waren. Aus der Sicht der Zukunft erscheint die heute getroffene Entscheidung mit einer nicht geringen Wahrscheinlichkeit falsch, sie erscheint geradezu dumm! Und dennoch müssen wir die heutigen Entscheidungen dumm treffen, denn wir können ja nicht in die Zukunft sehen. Das bedeutet, dass uns Tatsachen, die eigentlich heute bereits existieren, was aus der Sicht des Morgen sehr deutlich zu sehen ist, in der Heute-Sicht völlig unbekannt sind.  Und unbekannt sein müssen! Denn, wie gesagt, wir können ja nicht in die Zukunft sehen. Wir können nicht wissen, was uns übermorgen wie vollständig sichtbar und vorhanden erscheinen wird, in diesem Augenblick aber völlig unsichtbar und nicht-vorhanden ist. Und das wiederum bedeutet, wohl bedacht:

IN DIESEM MOMENT sind Elefanten im Raum, wir können sie nur nicht wahrnehmen! So gesehen sind wir uns selbst der beste Beweis für unsichtbare Elefanten, die sich mitten unter uns, im Raum befinden …

Das gilt sowohl für den Einzelnen, wie auch für die Gesellschaft, denn für die Gesellschaft gilt natürlich ebenso wie für den Einzelnen, dass viele Entscheidungen sich schon sehr bald als falsch erweisen werden. Und dass man in der Zukunft sagen wird, dass Entscheidungen im Heute hätten anders getroffen werden müssen, als sie getroffen werden (wurden), würde man nur diese oder jene Tatsache wahrnehmen (wahrgenommen haben) … was zu der entsprechenden Zeit (unser Heute)  möglich ist (möglich gewesen wäre).

Im Grunde geht es bei der Frage nach einem Elefanten im Raum um viel mehr, als eine psychologische oder soziologische Fragestellung, mehr als um eine Besonderheit bei bestimmten Menschen („Verrückten“) etc.. Es handelt sich um die Frage, was wir eigentlich als Fakten bezeichnen und wie wir diese Fakten abgrenzen wollen von dem, was auch „da“ ist, uns jedoch völlig unbekannt ist. Wie entsteht unsere Wirklichkeit, was ist die sogenannte Realität eigentlich? Vielleicht kennen Sie die alte philosophische Frage: Was ist ein Knacken im Wald, das niemand hört? Ist es „da“ oder nicht „da“?

Und schließlich um die Frage aller Fragen; Was ist das Sein? Es handelt sich bei der Frage nach dem Elefanten im Raum um eine Facette der ewig gleichen Frage nach dem Wesen und der Struktur der Realität, was diese mit unserer Wahrnehmung zu tun hat, und vielem mehr.

Die Grundfrage des Seins (Ontologie) beantwortet der Materialismus bekanntermaßen so: Die Realität hat mit dem Bewusstsein nichts zu tun, denn sie liegt außerhalb des Bewusstseins und ist unabhängig von diesem. Es gibt die Dinge – sie sind das Sein. Und es gibt das Denken VON den Dingen, das ist eine Reflexion des Seins. Das Sein kommt auch ohne die Reflexion aus, andersherum hingegen benötigt die Reflexion des Seins (das Denken) das materielle Sein, und es entsteht aus diesem. Das Denken kommt also nicht ohne das Sein aus – was wiederum auf die vorausgesetzte Trennung von Sein und Bewusstsein zurückführt.

Der Spirealismus sieht das natürlich genau anders herum. Das Bewusstsein IST das Sein – die Realität ist niemals unabhängig von einem Bewusstsein, im Gegenteil. Es ist ganz und gar dasselbe. Und … die Dinge haben immer mit dem Denken zu tun. Niemals können wir etwas sehen, niemals etwas beobachten, in der Physik niemals etwas messen, das unabhängig vom Denken in seiner spezifischen Ausprägung wäre. Schließlich: Alles ist Geist, auch die Dinge.

Wichtige Fragen

Ich möchte auf einige ganz offensichtliche Tatsachen hinweisen, die bei der Diskussion der Fragestellung zum „Elefanten im Raum“ Wichtigkeit haben, und von den Interessierten beachtet und durchdacht werden sollten. Sie sind gleichzeitig der Einstig in eine ganz andere Denkwelt, als sie der Materialismus bietet.

  1. Es kann es für uns nichts geben, das nicht in unserem Bewusstsein ist. Allein das ist uns bereits in der materialistischen Weltsicht völlig unbegreiflich, in der es doch so aussieht, als seien die Dinge ganz unabhängig von unserem Bewusstsein „vorhanden“. Doch man bedenke: Was soll es geben, das nicht als Gedanke in uns existiert? Wir sehen hier die zwingende Verbindung von Bewusstsein und Dingen.
  2. Auf meinem Blog diskutiere ich das in Punkt 1 Genannte häufig als die Frage nach dem Nichts, die uns durch den Materialismus paradox erscheint. Denn im Materialismus ist das Nichts das Fehlen von Etwas, das Nicht-Vorhandensein einer Sache, somit ist das Nichts die Negation einer Sache, und dadurch eigentlich eine Sache (so ähnlich wie Antimaterie auch Materie ist, nur eben auf einer anderen Ebene). Das Nichts im eigentlichen Sinn, so, wie es auch Plato verstand, ist aber ein reines Nichtvorhandensein, und somit auch etwas Undenkbares, etwas Unaussprechliches, etwas Unabzählbares (also nicht DAS Nichts in der Einzahl). Das Nichts ist etwas für den Materialismus Paradoxes – nur wenn der Materialist das Nichts als Etwas versteht, erscheint es ihm als „völlig klar“ und nicht-paradox.
  3. was ich in Punkt 1 ansprach gilt ebenso für die Qualität dessen, was wir über die Dinge denken. ETWAS kann nur etwas sein, das wir uns in einer bestimmten Form denken. Und, was immer es ist, wir werden es nie als etwas anderes denken können als das, was es im konkreten Bewusstsein ist. In seiner Art, seinem Umfang, seinem Wesen, kann es immer nur das sein, was wir denken. Das wiederum bedeutet, dass es in jedem Bewusstsein ein wenig anders sein muss, die Dinge sind also nie völlig gleich. Jedes Bewusstsein ist sein eigenes Universum, das ist das Konzept der Ich-Universen.
  4. Ich hoffe der Leser versteht, was ich mit dem unter Punkt 3 Gesagten meine. Hat er dies verstanden, fällt ihm sicherlich auf, dass, so gesehen, etwas vertauscht ist, was wir in der materialistischen Sichtweise genau anders herum denken. Normalerweise (d.h. im Materialismus) glauben wir, die Dinge könnten in ihrem Wesen nie etwas anderes sein, als sie nun einmal sind („eine Rose, wie auch immer sie genannt würde, müsste duften“), die Gedanken hingegen seien frei. Wenn ich nun aber sage, dass die Dinge nie etwas anderes sind, als was sie uns in unseren konkreten (also festen) Gedanken erscheinen, ist dieses Verhältnis auf den Kopf gestellt. Und das wiederum beschreibt sehr genau das Verhältnis des Spirealismus zum Materialismus – dem Spirealismus sind die Gedanken die Existenz, dem Materialismus ist die Materie die Existenz.

Nachdem ich auf diese bedenkenswerten Besonderheiten hingewiesen habe, möchte ich darauf zurückkommen, was das für die Problematik des „Elefanten im Raum“ bedeutet. Hierauf übertragen bedeutet es

  • zu Punkt 1: Ein Problem, das uns nicht bewusst ist, existiert nicht. Ein Problem, ein Ding, eine Tatsache, sie Existenz hat oder bekommen soll, muss in das Bewusstsein von jemandem gelangen. Ein Beispiel hierzu: 2 Personen sind in einem Raum, der eine sieht den Elefanten, der andere nicht. Die eine Person begreift nicht, warum die andere Person den Elefanten nicht sehen kann. Die zweite Person wiederum wundert sich, worüber die erste eigentlich redet. Da ist doch nichts!
  • Aber, nun angenommen, beide Personen können den Elefanten nicht sehen. Dann können sie darüber nicht sprechen, niemand wird sich wundern, wo er denn sei, der Elefant … gibt es ihn? (der Spirealismus ist hier ganz klar: Nein!). Wer sich das verbildlichen möchte – es ähnelt der Umkehrung der bekannten Paradoxons: Denke nicht an einen rosa Elefanten! Die Umkehrung wäre die Aufforderung: Denke bitte an das, an das du gerade nicht denkst!
  • Sind beide Personen im Raum der Überzeugung, es gäbe ihn, den Elefanten, dann ist der materialistische Normalzustand erreicht. Dieser Zustand wird erreicht, indem der eine dem anderen vom Vorhandensein des Elefanten unterrichtet, ihn überzeugt, ihn belehrt. Jetzt sehen beide den Elefanten – der Beweis ist erbracht, dass es auch „da“ sein müsse (Dasein = unsere Vorstellung von Existenz). Gemäß dem materialistischen Weltbild ist dort also etwas vorhanden, und zwar kurioserweise außerhalb und unabhängig von der Beobachtung der beiden Individuen.
  • Wenn man sich bis hierher auf das Gesagte eingelassen hat, dann wird man jetzt auch verstehen, warum es dem Menschen als Beweis für die Existenz einer Sache, einer Problematik, eines Dinges, stets ausreicht, wenn er von anderen hört, diese Sache würde existieren. Und warum das eigentlich nicht der Beweis für Existenz (im materialistischen Sinn) sein kann, denn, wie gerade die Problematik des Elefanten im Raum zeigt, hat ja jeder seine eigenen Vorstellungen, ob etwas da ist, und in welcher Form es da ist. Nun fordert aber gerade die materialistische Weltsicht, die Dinge müssten in objektiv-materialistischer Weise „da“ sein – in einer Meinung sieht der Materialismus keine Existenz. Jedoch … wenn es aber nun nichts weiter gibt als Meinungen zu Dingen? Was folgt wohl daraus?
  • zu Punkt 2: Der Elefant, kommt er denn durch Denken in die Existenz, er kann nur die Form haben, die ihm das Denken konkret zubilligt. Der Elefant kann auch ein Rhinozeros sein, er kann rosa, gelb, blau oder grau sein – im Bewusstsein wird er aber stets eine bestimmte Form erhalten müssen. Denn Dinge ohne Eigenschaften sind letztlich auch keine Dinge. Diese Aussage hat große Bedeutung für das vorher Gesagte. Oder ist es etwa kein riesiger Unterschied, ob man sagt, etwas wäre grundsätzlich da, oder ob man sagt, etwas wäre in einer bestimmten Form da? Etwas kann doch nur in einer bestimmten Form „da“ sein – Das Dasein ist an Formen gebunden! Es ist ein riesiger Unterschied, ob ein Elefant, oder ein Rhinozeros, oder vielleicht eine Mücke im Raum ist. Solche Unterscheidungen sind alles, womit wir uns auf dieser Welt beschäftigen können, daher ist die Form des Daseins und das Dasein selbst, untrennbar verbunden. Ein formloses Dasein gibt es nicht – das Formlose im eigentlichen Sinn ist das undenkbare Nichts. Daher: Durch das Bewusstsein wird der Elefant konkret, im Bewusstsein wird er fest. Er ist nicht fest in einer vom Bewusstsein unabhängigen, materiellen Form – umgekehrt gesagt: diese ist für das Erscheinen des Elefanten auch gar nicht nötig.

Ich hoffe ich konnte darlegen, wie weitreichend die von Wittgenstein in einem bekannten Streitgespräch behandelte Problematik ist, und wie sehr sie geeignet ist, das materialistische Weltbild auf den Kopf zu stellen. Natürlich nur, wenn man sie lange und nachhaltig bedenkt, und nicht sofort abtut, als etwas Bekanntes, denn dann ist man auf dem besten Weg, den Elefanten im Raum zu übersehen.

Ist ein Elefant, bzw. ein Rhinozeros im Raum? Wittgenstein und die Frage nach der Struktur der Wirklichkeit was last modified: Juni 12th, 2017 by Henrik Geyer

Warum kann es keine Zeitmaschinen geben?

In der Zeit zu reisen ist eine alte Utopie, die uns viel verrät über unsere Sichtweise auf die Zeit. Aus spirealistischer Sicht ist klar: eine Zeitmaschine kann es nicht geben. Ich will erläutern warum.

Ich möchte kurz mit einer Definition beginnen, wie man sich die Zeit im materialistischen Sinn vorstellt: als etwas Objektives, als etwas, das „da“ ist. Und so stellt man sich verschiedene Punkte in der Zeit als eindeutig definiert vor, als (ehemals) „vorhanden“. Man stellt sich Zeit-Punkte in der Zeit wie Perlen vor, die auf einer Schnur aufgereiht sind …  wie auf einem Strahl angeordnete Punkte …. und die Zeit eben wie einen Zeitstrahl. Nur so, nur unter Zuhilfenahme dieser Vorstellung, kann man auf die Idee kommen, man könne zu einem bestimmten Zeit-Punkt reisen, so als würde man zu einer bestimmten Sehenswürdigkeit reisen.

  • aber so ist die Zeit nicht. Allein die Denkweise, es gäbe eindeutig „eingerichtete“ Zeit-Punkte, die außerhalb des Menschen definiert sind, was ja die Voraussetzung wäre solche Zeit-Punkte anzusteuern, ist unzutreffend. Ein Zeit-Punkt ist immer etwas Dynamisches, in der Vielfalt seiner Ereignisbeziehungen Unüberblickbares. Was wir Menschen nur tun, und tun können, ist, aus dieser unendlichen Fülle wenige Aspekte wahrzunehmen. Und weil die menschliche Sichtweise, die menschliche Wahrnehmung, einzigartig ist und nicht etwa die bloße Spiegelung einer notwendigerweise äußerlich vorhandenen Form, spricht der Spirealismus von einem Erschaffen. Was in jedem Moment erschaffen wird, kann nicht einfach vor- oder zurückgespult werden. Es könnte nur in ähnlicher Form neu erschaffen werden – doch das kennen wir ja: als die Erinnerung.
  • der Spirealismus sieht die Welt, sieht die Zeit, „nur“ als Vorstellung. Dieses nur setze ich in Anführungszeichen, denn die Vorstellung ist keiner anderen Seins-Form gegenüber unterlegen, ist also nicht „nur“ eine Vorstellung. Die Welt IST eine Vorstellung, die Vorstellung eines anderen, eines materiellen Seins, ist mithin ebenfalls eine Vorstellung. Eine ganz wesentliche Eigenschaft des Geistes, des Denkens, ist, dass jeder Gedanke einzigartig ist und sein muss. Der einzig wahrnehmbare Zeit-Punkt, zu welchem Gedanken auftauchen, und daher der einzig „existente“ Zeit-Punkt, ist das Jetzt. Denn im Grunde sind wir immer im Jetzt. Schon daher gibt es keine Zeitreisen der objektiv-materialistischen Sichtweise.
  • Der Spirealismus sieht die Welt als Vorstellung. Wenn man sich vorstellt in der Zeit zu reisen, kann natürlich, in diesem Sinn, auch in der Zeit gereist werden – nur eben nicht in einem „objektiven“ Sinn. Eine „Vorstellung“ – das bedeutet ja auch: es kann viele Vorstellungen des Jetzt geben. Nein, besser: es MUSS viele Vorstellungen geben, denn nur so entsteht ja der Gedanke an EINE Welt. Zu welcher dieser endlosen Vorstellungen von Zeit-Punkten in Vergangenheit und Zukunft soll man also reisen? Zu deiner? Zu meiner? Und wenn wir von kollektiven Erinnerungen an Zeit-Punkte sprechen: Zur europäisch-kollektiven Erinnerung eines Zeit-Punktes? Zur asiatisch-kollektiven Erinnerung eines Zeit-Punktes? Zur hündisch-kollektiven Erinnerung eines Zeit-Punktes oder einem kätzischen?
  • Um das zu verdeutlichen: In Phantasien von Zeitreisen ist es stets so, dass ein Zeitreisender zwar nominell einen bekannten Zeit-Punkt der Vergangenheit ansteuert, diesen aber durch sein Erleben zu einem nie zuvor erlebten Moment macht, nämlich den fraglichen Zeit-Punkt aus seiner subjektiven Perspektive. Angenommen, alles andere dieses „Zeit-Punktes“ wäre gleich, machte die subjektive Perspektive des Beobachters, der den Zeit-Punkt in der Vergangenheit bereits kennt, diesen Moment zu einem singulären Ereignis. (Anders machen Zeitreisen ja auch keinen Sinn, man muss wissen, dass man in der Zeit reist Woran erkennt man das? In dem man Umstände (wieder-)erkennt, entweder aus der Erinnerung bei Reisen in die Vergangenheit, oder aus der Erwartung bei Reisen in die Zukunft). Und weiterhin: der Beobachter ist Element des Zeit-Punktes, der, wenn sonst alles gleich wäre, den Zeit-Punkt auch für andere Teilnehmer des Zeit-Punktes einzigartig machen würde. Aus eben diesem Grund aber erweist es sich als völlig illusorisch, dass „alle anderen Elemente gleich sein“ könnten, denn was wir über den Zeitreisenden sagen, trifft auf jedes Element des Zeit-Punktes zu. D.h., ein Zeit-Punkt wird durch die neue Beobachtung singulär, und als Element der Welt macht der Beobachter jeden Moment singulär. Es wiederholt sich also nicht etwas, sondern etwas gänzlich Neues entsteht.
  • Der Grundsatz des Spirealismus, dass jeder Gedanke einzigartig ist, weil er als Relation aus einer nicht zu erfassenden Menge an Festlegungen des Augenblicks hervorgeht, verbietet die Vorstellung, man könne irgendetwas genauestens wiederholen. Bzw. so zurückholen, so dass man genau dasselbe vor sich hat. „Dasselbe“ ist überhaupt als Begriff ein Paradox, wenn es sich mit der Vorstellung von Verschiedenheit verbindet. „Dasselbe“ kann nicht zwei sein. „Dasselbe“ ist immer eins.
  • Zur Illustration: hätte man einen Zeit-Punkt der Vergangenheit ein zweites Mal in genau derselben Form vor sich, so dass man also wirklich sagen könnte, es sei genau derselbe, wäre das Erleben dieses Zeit-Punktes ununterscheidbar von einem anderen Zeit-Punkt. Es wäre das geistige Nirvana, überspitzt gesagt, der Tod – ist doch das (Er-)Leben, die Zeit, dadurch geprägt, dass sie in jedem Moment des Jetzt einzigartige Konstellationen hervorbringt, die dadurch, dass sie voneinander unterscheidbar sind, die Zeit ergeben. Und nun eine Zeitreise vorgestellt unter diesem Aspekt: Das Erleben genau Desselben erfordert den Beobachter, der dann wieder genau das auf dieselbe Art und Weise, mit genau denselben Gedanken beobachtet, was einmal beobachtet wurde. Doch das wäre ja kein unterscheidbarer Zeit-Punkt, sondern eben genau derselbe. Das wiederum würde das Wissen um einen anderen Zeit-Punkt ausschließen, und man könnte nicht sagen, dass „hier“ genau dasselbe vorläge wie „dort“. Das ist das Paradox von dem ich sprach – es ergibt sich aus der materialistischen Sichtweise.
  • das eben Gesagte kann man auch so formulieren (und damit einen Anknüpfungspunkt an das ewige Jetzt schaffen): wenn man in der Zeit reisen könnte, wäre man an diesem anderen Zeit-Punkt natürlich wie immer im Jetzt. Das Jetzt aber ist ein im und durch das Individuum entstehendes einzigartiges Bild. Und: Das Jetzt gibt es im Individuum nur einmal. Das kann jeder an sich sofort prüfen. Gäbe es ein zweites Jetzt, identisch mit diesem gerade erlebten Jetzt, wäre es ununterscheidbar – eben identisch. Wie soll ich von einem Jetzt wissen, das ich erlebe, aber eben nicht jetzt? So gesehen wäre doch ein Jetzt, das ich erlebe, und das sich vom jetzigen Jetzt unterscheidet, das gute alte Gestern und das Morgen, also die Zeit selbst. Und von der Zeit weiß ich, dass sich immer unterscheiden muss, was passiert, eben das definiert ja Zeit … sonst könnte ich nicht auf die Idee kommen, es gäbe überhaupt Zeit. Also kann ich auch nicht an einen früheren identischen Zeit-Punkt reisen. Wenn ich dabei bin, muss sich jeder Zeit-Punkt auch von jedem anderen unterscheiden.
  • Schließlich und endlich kann man auch mit dem Fehlen von Objektivität argumentieren – wenn man so will die Kantsche Frage nach dem Ding an sich. Wenn es keine Objektivität gibt (wie der Spirealismus sagt), oder auch, wenn man die Dinge „an sich“ nicht erfassen kann, obwohl es sie gibt (was auf die gleiche Aussage hinausläuft als sagte man, es gäbe sie nicht), lässt sich auch kein objektives Kriterium ermitteln, demzufolge man sich an einem bestimmten Zeit-Punkt jenseits des Jetzt befindet. Denn die Zeit manifestiert sich ja gerade, in der materialistischen Sichtweise, als die Veränderung der Objekte – einfach gesagt zum Beispiel der Uhrzeigerstellung.
  • Man kann es auch mit dem Heraklitschen „Alles fließt“ begründen. Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen. Man kann nicht einmal in denselben Fluss steigen. Der Fluss von eben, der Fluss meiner Erinnerung, ist eine einmalige, unwiederbringliche Konstellation des vergangenen Augenblicks, dessen endgültige Definition (Ding „an sich“) sich niemals erschließen kann.
  • zu guter Letzt: Warum kann sich die endgültige Definition nicht erschließen? Weil jeder neue Gedanke eine neue, einzigartige Konstellation ist. Jede versuchte Rekonstruktion des Eben, jede Erinnerung, ist eine Konstruktion im Jetzt. Jetzt, in diesem Augenblick, kann ich einen Gedanken haben. Der Gedanke von eben, an den ich mich erinnere, ist in Wirklichkeit ein Gedanke des Jetzt. Daher verändert sich die Vergangenheit in uns – ständig, mit jedem neuen Gedanken. Für das gesellschaftliche, das kollektive Bewusstsein, gilt das Gleiche: Es bringt immer neue Versionen der Vergangenheit und Zukunft hervor. Wir sehen das auch an dem erwähnten metaphorischen Fluss. Die Vorstellung geht aus uns hervor, wir erzeugen sie. Unser Begriff des Flusses ist der Begriff des Jetzt. Etwas, das sich mit jedem Gedanken verändert, neu formt. Und … etwas, das wir selbst produzieren, das aus uns hervorgeht, können wir nicht in die Hand nehmen und drehen und begutachten, als sei es außerhalb von uns und habe mit uns nichts zu tun, so wie es uns das materialistische Weltbild glauben machen will. Ich wiederhole daher auch an dieser Stelle: Wir sind nicht die Beobachter der Schöpfung, sondern wir sind Elemente der Schöpfung. „Die Welt“ ist nicht außerhalb von uns, sondern geht aus uns hervor. Aus uns sprudelt das Sein, mit seinem Raum, mit seiner Zeit.

Aus diesen Gründen kann es keine Zeitmaschinen, keine Zeitreisen, keine Zeitreisenden geben, jedenfalls nicht im materialistischen Sinn. Wohl aber Zeitreisen im geistigen Sinn, wenn man versteht, dass man niemals „dasselbe“ vor sich haben kann (man hat es ja eigentlich auch nicht „vor sich“), egal in welche geistigen Dimensionen man sich zu reisen aufmacht. Und dass man, welche Zeitreise man auch immer antritt, dabei nur einen einzigen Zeit-Punkt erlebt: das Jetzt.

In den Phantasien von Science Fiction Autoren wird das Reisen in der Zeit oft mit vielerlei Paradoxien garniert; oft gerät das Universum in Gefahr zu explodieren, wenn ein Zeitreisender die Vergangenheit so verändert, dass das Jetzt nicht zustande kommen kann. Wenn man aber einmal begriffen hat, dass es nicht die EINE Welt der materialistischen Denkweise gibt, sondern viele Welten, nicht EIN Universum, sondern viele (Ich-) Universen, nicht EIN Jetzt sondern viele Jetzt, lösen sich auch beunruhigende Phantasien auf, DAS (eine) Universum geriete durch Manipulationen an der Zeit in Gefahr …

Eine Zeitreise haben wir am ehesten vor uns, wenn wir ein gutes Buch lesen über eine vergangene oder zukünftige Zeit. Die Phantasie transportiert uns und überbrückt die riesigsten Abgründe der Vorstellung, nennen wir sie nun Zeit oder Raum. Und wir können an dieser Analogie auch dieses wesentliche Element der Zeit verstehen: sie ist niemals völlig gleich, nie festgelegt, außer in uns. In uns gewinnt jeder Gedanke an ein Morgen, Gestern oder Jetzt, eine einzigartige, unwiederbringlich singuläre Form. Um bei dem Beispiel zu zu bleiben: … in Abhängigkeit davon, WER das Buch liest.

Warum kann es keine Zeitmaschinen geben? was last modified: Juni 16th, 2017 by Henrik Geyer

Aspekte des Ich-Universums, Teil 3: praktische Erfahrung des Ich-Universums

In den Texten bisher ging es um eine eher theoretische Betrachtung des Begriffes Ich-Universum, bzw darum, einige Grundsätze darzulegen, die dieser Sichtweise innewohnen. In diesem Abschnitt möchte ich ein wenig praktischer werden und darlegen, wie ich selbst darauf kam, die Fragen zu stellen, die mich schließlich zum Spirealismus führten, und dazu, den Begriff Ich-Universum zu benutzen.

Wie ich schon beschrieb ging es damals, vor einigen Jahren, um psychiatrische Behandlung meines Sohnes, und im Zuge dieser Behandlung hatte ich natürlich vielfältigen Kontakt mit Ärzten, Psychologen, medizinischem Personal.

Was mir nach einiger Zeit auffiel, war, dass die in der Psychiatrie Tätigen selbst nur sehr selten die Rätselhaftigkeit der Psyche begreifen, darüber grübeln, versuchen zu verstehen. Vielmehr gingen sie meist in einer mir unverständlichen Vereinfachung davon aus, dass das, was sie in einem Moment über das Denken eines Patienten aussagen, dessen Geisteswelt gut beschreibt, so dass ihnen die Psyche Desjenigen nicht weiter fraglich erscheint. Dadurch erscheint es so, als sei die Psyche eines Anderen recht einfach zu begreifen und so, als sei sie völlig erforscht, wenn man nur ein Wort für eine Krankheit oder eine Zustandsbeschreibung parat hat.

Das alles wäre mir vielleicht nicht weiter aufgefallen, wenn es nicht von drastischsten Fehlbehandlungen begleitet worden wäre, so dass die Tatsache, dass hier etwas schief lief, geradezu mit Händen zu greifen gewesen wäre.

Letztlich nutzt das medizinische Personal Worte (und schreibt Worte auf Diagnosescheine), die nicht verstanden sind, und im Grunde wenig sagen. Diese Worte, Krankheitsbezeichnungen, sind eher eine Art Symptomeinordnung … oft werden Diagnosen so gestellt, dass man ein Medikament ausprobiert, und wenn dieses Medikament hilft, dann ist die Krankheit, gegen die das Medikament hilft, so wie es auf dem Beipackzettel steht, die Krankheit, die der Patient hat.

Ein tiefergehendes Verstehen-Wollen, ein grüblerisches Forscherbewusstsein, gar eine philosophische Ader, habe ich im Bereich der Psychiatrie nicht feststellen können. Statt dessen häufig eine Verwaltungsmentalität, oder auch eine gewisse technische Fertigkeit. Woran es aber meiner Ansicht deutlich mangelte, war Phantasie, war Sich-Einfühlen-Wollen, so wie es die Ikonen der Psychologie, wie es Freud oder Jung, taten. Warum sage ich Phantasie – und nicht wissenschaftliches Faktenwissen? Weil wir es bei der Psyche mit jener unerforschlichen Entität zu tun haben, die scheinbar eine äußerliche Welt beobachtet und interpretiert, eine äußerliche Welt wohlgemerkt, die, im Sinne der materialistischen Wissenschaft das eigentlich Wichtige ist – wohingegen es auf die Psyche, auf den Geist, angeblich nicht so ankommt. Gleichzeitig ist die Psyche Erzeugerin von Realität, denn nichts ist beobachtbar ohne sie, ohne dieses Werkzeug(?), diese Brille(?), dieses Kaleidoskop der Phantasie(?). Und so gesehen darf es als spannend gelten, welche Resultate die Psyche bei der phantasivollen Beobachtung ihrer selbst (was ihr vorkommt wie die Beobachtung von etwas Äußerlichem) zeitigt.

Natürlich wäre in der Psychiatrie das eigentliche Rätsel zu ergründen: Wie sieht die Welt eines Geisteskranken aus,  so dass er sich so verhält, wie wir es im Außen sehen? Dieses Rätsel zu lösen wäre gleichbedeutend mit dem wahren Verstehen einer Geisteskrankheit, und wäre damit sicherlich auch eine gute Voraussetzung, mit einer Geisteskrankheit richtig umzugehen. Ich meinte damals, es sei für die Psychologie selbstverständlich, sich diese Frage zu stellen, ganz ähnlich einem Autoschlosser, den doch der Zustand der Zündkerzen interessieren sollte, damit er dem mechanischen Problem zu Leibe rücken kann. Doch solche „tiefschürfenden“ Fragen stellt man sich in der Psychiatrie in der Regel nicht, vielmehr herrscht dort ein ziemlich flaches mechanistisches Denken, dem zufolge auch diese, eigentlich faszinierende Wissenschaft, im Grunde keine besonderen Überraschungen bereithält.

Erst später verstand ich, dass die Psychiatrie im Grunde das gleiche Problem hat, wie die Gesellschaft insgesamt: das einer Selbstentfremdung. Die meisten Menschen in der Gesellschaft, und auch die meisten Menschen, die in der Psychiatrie tätig sind, kennen sich selbst wenig, haben keine Ahnung von inneren Stimmen, von abgrundhaften Zuständen der Psyche, wie sie in Ausnahmefällen eintreten können, und verstehen eigentlich auch nicht, dass jeder Mensch in seiner eigenen Welt lebt. So etwas können sie mit dem Mund sagen, aber wirklich verstehen können sie es meist nicht. Nur deshalb erscheint ihnen die Frage nach dem Wesen dieser inneren Welten, die sie da vor sich haben, wie überflüssig und wie bereits geklärt.

Man könnte es auch so sagen: Das Wesen der inneren Welten der Patienten zu erforschen erscheint vielen Psychiatern und Psychologen müßig, denn diese sind ja dysfunktional in ihrem Denken – wozu wohl sollte man sich die Mühe machen, einen Verrückten zu verstehen? Die Definition des Irrsinns ist diesen Leuten eigentlich die, dass sie abweicht vom eigenen Denken, das sich in einem fast perfekten Gleichklang mit dem Denken der Mehrheit glaubt. Man sieht das ähnlich wie den Verkehr auf einer Autobahn: der Geisterfahrer ist der, dem hunderte Autos entgegenkommen, während in seiner Richtung niemand unterwegs ist. Um bei diesem Vergleich zu bleiben: Natürlich hat die Psyche (gerade wenn man den Begriff des Ich-Universums wirklich versteht und verinnerlicht) viel mehr Möglichkeiten Realität zu erzeugen, als die zwei Fahrtrichtungen auf einer Autobahn – gerade hier gewinnt der Vergleich: Letztlich geht es für die gefahrlose Benutzung der Autobahn nur um die EINIGUNG, in welcher Richtung sie befahren werden soll. Denn eigentlich ist es egal, ob Linksverkehr oder Rechtsverkehr vereinbart wird, das Wichtige ist nur, dass die Regelung kommuniziert wird und sich alle daran halten. Ganz ähnlich ist es mit der Geisteskrankheit, auch hier gibt es eine Unendlichkeit von Realitäts-Möglichkeiten für die Psyche, eigentlich ist es egal, was man denkt, wenn man sich nur im Gleichklang mit der Mehrheit befindet. Während unsere bisherige Weltsicht (Materialismus) es so aussehen lässt, als würde der Kranke die Realität nicht erkennen, wohingegen alle Gesunden ein- und dieselbe Realität beobachteten und sich darin völlig einig sind.

Die fremden Welten beginnen im Nächsten

Eine Psychose beispielsweise ist dadurch definiert, dass der Patient von der richtigen Wahrnehmung der Realität abweicht. Er hat Wahnvorstellungen, also Vorstellungen, die nicht der Wirklichkeit entsprechen. Das ist die gängige und allseits bekannte Vorstellung der Psychiatrie.

Das eigentlich Interessante bleibt, wenn man eine Psychose so beschreibt, völlig unverstanden. Ich will die sich aufdrängende Problematik in folgende Fragen kleiden (die ich damals, als ich mit Psychiatern und Psychologen zu tun hatte, auch stellte, und dabei weitgehendes Unverständnis erntete):

  • Wer hat die richtige Realität im Kopf? Schließlich ist es doch so, dass wir alle annehmen, wir seien nicht im Besitz der letztendlichen Wahrheit über die sogenannte Realität, da jeder Mensch nur einen Aspekt der Realität kennt. Wer also kennt die wirkliche Wirklichkeit? Wer kennt die reale Realität?
  • Wenn man die erste Frage in dem Verständnis abschließt, dass es niemanden gibt, der die Realität richtig und endgültig kennt, dann schließt sich die notwendige Frage an, wie und warum wir darauf kommen, es gäbe überhaupt eine einzige Realität, und nicht viele Realitäten? Denn – was wohl soll eine Realität sein, die nicht begriffen wird, die also in niemandes Denken als Realität existiert? Wenn also im Denken von 7 Milliarden Menschen 7 Milliarden Realitäten existieren, dann ist die eine und einzige Realität, von der wir ständig sprechen, definitionsgemäß nicht darunter. Aber wo ist sie dann?
  • Wie können wir, wenn wir doch das Fremde (den Patienten) nur mit den Mitteln verstehen können, die uns unsere eigene geistige Welt bietet, das eigentlich Fremde verstehen wollen? Muss das, was wir im Anderen erkennen, nicht zwangsläufig unsere eigene Welt sein, die wir dort, gewissermaßen spiegelbildlich verkehrt, vorfinden? Sieht der Gesunde im Kranken das (spiegelverkehrte) Bild der eigenen Psyche?
  • Was ist etwas, das uns definitionsgemäß unbekannt ist, und das wir dennoch benennen als sei es uns bekannt? Diese Frage entzündete sich an dem Benennen „des Unbewussten“ im Sinne von etwas Bekanntem (erst später erfuhr ich, dass es sich hier um ein allgemeines und ständig auftretendes Paradoxon handelt, das, in ganz ähnlicher Form, bereits durch den antiken Philosophen Plato  angesprochen worden war, und zwar in der Behandlung des Begriffes des Nichts). Es handelt sich also um die Frage: Kann man etwas, das nicht bewusst ist, im Bewusstsein haben? Kann man etwas Unaussprechliches aussprechen? Kann man etwas Unbekanntes kennen – und, kann man auf das Nichts zeigen und sagen: Da ist es?
  • Zu dem Vorgenannten gehört schließlich noch die aus meiner Sicht zentrale Frage, als was eigentlich man das Bewusstsein versteht: als ein Werkzeug, mit dem äußerliche Informationen im Inneren (im Gehirn) gespiegelt werden, oder als einen Generator von Realität? Denn wenn man akzeptiert, dass es nicht wirklich eine Realität gibt, sondern vielmehr so viele Realitäten wie es Menschen gibt (von den Realitäten der Tiere einmal ganz zu schweigen), dann fragt es sich doch, welche Freiheit das Bewusstsein hat, eine eigene Realität zu erschaffen, anstatt mit Notwendigkeit immer wieder auf eine einzige Realität zurückkommen zu müssen?

Gerade die letzte Frage ist es, die, einen aufmerksamen Blick vorausgesetzt, in der Psychiatrie beantwortbar wäre, denn hier hätte man Gelegenheit, die Wandlungsfähigkeit der Psyche in Vollkommenheit zu sehen. Wenn man das beobachtet, dann muss man die Macht des Geistes unbegrenzt nennen, nicht eingrenzbar durch unser „gesundes“ Denken jedenfalls, das selbst wie aus einem Käfig heraus unendliche Mannigfaltigkeit beobachtet. Die Realität kann jede Form annehmen! Ich habe das so beobachtet und dafür den Satz gefunden, der für mich nach wie vor vollständig gültig ist:

Das Denken ist die Realität. Es gibt die Realität nicht noch einmal extra.

DAS ist es, was uns die geistig Kranken zeigen können. Um das zu verstehen, müssen wir jedoch unsere Vorstellung einer geistigen Krankheit ändern. Wir sollten Geisteskrankheit als eine kontinuierlich geänderte Variante unseres eigenen Denkens verstehen, nicht als völlig abwegig, nicht als abartig, nicht als unverständlich etc.. Sondern Geisteskranke haben eine eigene Realität, das ist wahr. Aber, eine eigene Realität zu haben, das ist eigentlich nicht das Besondere, sondern das gilt ja für uns alle!

SO verstanden erscheint eine Geisteskrankheit wie etwas ganz anderes, als die Psychiatrie gemeinhin darin sieht. Nicht als eine falsche Widerspiegelung „der Realität“, sondern als eine fehlgeleitete Kommunikation – denn es ist die Sichtweise des Spirealismus, die Realität als eine Funktion der Kommunikation zu sehen; außerhalb und unabhängig von uns Menschen gibt es die Realität nicht. Jedenfalls nicht die Realität, von der wir Menschen sprechen. Und: Außerhalb und unabhängig vom Indidviduum gibt es aus demselben Grund und mit denselben Konsequenzen keine individuelle Realität.

Übrigens ist ja tatsächlich ein Schlüssel für die Gesundung eines geistig Kranken die Kommunikation – man denke nur an Freud und seine Couch. Man denke an Psychoanalyse, Therapiegespräche u.v.m.. Auch ich selbst habe das so erlebt: Die Kommunikation, so mühevoll sie ist, so beschwerlich und teilweise auch dröge sie sein mag, ist der Schlüssel, einen psychisch Kranken wieder an die Welt zu binden. Und … Kommunikation ist umfassend zu verstehen. Es sind die Worte, aber auch die Blicke, die Dinge die man miteinander erlebt, und die Dinge die man ablehnt zu erleben.

„Die Welt“, das ist eigentlich nur eine bestimmte Art der Sichtweise; der Eindruck trügt, es gäbe die Welt in der Einzahl.

Die Notwendigkeit des Ich-Universums

Und das war der Grund für mich, diesen Terminus Ich-Universum gewissermaßen zu erfinden – um damit, in einem Wort, in einem recht sinnbildlichen Begriff, etwas auszudrücken, das in unserem Gewohnheitsdenken eigentlich nicht vorkommt. Nämlich die Vorstellung, dass im anderen Menschen eine Welt ist, ein eigenes Universum, und dass wir, von unserem eigenen Universum aus gesehen, das Universum des Fremden nicht im eigentlichen Sinn betreten können. Wir können es nicht sehen, wir können es nicht ver-stehen und wir können nicht darin stehen, so wie es das andere Ich kann.

Worte sind unser äußerer Ausdruck für innerliche Vorstellungen, beides lässt sich nicht sinnvoll trennen. Daher ist es manchmal nötig, ein neues Wort zu kreieren, um neuen Vorstellungen Raum zu geben, und um deutlich anzuzeigen: Hier kommt man mit der hergebrachten Denkweise nicht weiter, hier braucht man neue Vorstellungen, ein neues Herangehen. Aus diesem Grund ist der Terminus Ich-Universum sehr vielsagend, denn er beinhaltet eine ganze Welt von Vorstellungen, die von unseren materialistischen Vorstellungen abweichen.

Aspekte des Ich-Universums, Teil 3: praktische Erfahrung des Ich-Universums was last modified: Mai 29th, 2017 by Henrik Geyer

Aspekte des Ich-Universums, Teil 2: individuelle Wahrnehmung erschafft die Realität – Wahrnehmung ist immer verschieden

Im letzten Abschnitt ging es um eine Denkvoraussetzung, die es ermöglicht das Konzept des Ich-Universums zu verstehen. Um die Wahrnehmung, dass die Dinge Gedanken an Dinge sind. Warum sage ich Wahrnehmung, und nicht, es wäre eine These oder Überlegung, wenn ich von Dingen als Gedanken an Dinge spreche?

Ich will das einmal ganz praktisch ausdrücken: Für mich ist es die Basis meines Denkens geworden, die Gedanken als die Quelle des Kosmos anzusehen. Daher sind alle Begriffe, die ich denken kann an diese Denkvoraussetzung gebunden. Es ist meine Wahrnehmung, dass die Aussage „Die Dinge sind Gedanken an Dinge“ vollständig zutrifft.

Nun weiß ich, dass dies nicht die Wahrnehmung der Leser dieses Artikels ist, und akzeptiere das, jedoch die eigene Wahrnehmung in keiner Weise schmälernd, denn ich gehe ja nicht davon aus, dass Wahrnehmung etwas wäre, das alle zugleich haben müssten. Vielmehr gehe ich davon aus, das Wahrnehmung immer verschieden ist, und sein muss. Insofern sehe ich nicht den Imperativ der Abstimmung in dieser zutiefst fundamentalen Frage, auch wenn, man könnte auch sagen: gerade weil ich weiß, dass das Hauptsächliche Wirkprinzip des Materialismus die Übereinstimmung mit Anderen ist. Wo man also, im Denksystem des Materialismus wohlgemerkt, keine Übereinstimmung mit Anderen findet, vermutet man auch keine Wahrheit – diesen Grundsatz muss der Spirealismus durchbrechen,

Im Gegenteil: Wie man etwas wahrnimmt, ist eine Frage der Begriffe, die in einem sind. Und so kann, was man wahrnimmt, nie völlig gleich einer anderen Wahrheit sein, sind doch die selbst gekannten Begriffe (und damit das, was wir hier Ich-Universum nennen), immer verschieden.

Ich selbst erlangte meine Wahrnehmung der Welt, auf die Art wie ich sie beschreibe, durch das jahrelange Zusammensein mit einem psychisch „kranken“ Menschen aus unserer Familie, woraus für mich irgendwann der Gedanke erwuchs, den ich für uneingeschränkt richtig erkannte:

Die Realität ist die Realität unserer Gedanken

Ich kann die Eindringlichkeit der Erfahrung, die man mit psychisch kranken Menschen machen kann, in keinem Text wiedergeben (auch wenn ich es gleichwohl in Alles ist Geist versuchte), und bin sogar inzwischen einigermaßen pessimistisch, was das Vermitteln der hieraus gewonnenen Überzeugungen angeht. Denn nicht nur sehe ich Unverständnis bei vielen Lesern, ich weiß auch selbst noch recht gut, wie schwierig es war, diese Grundüberzeugung widerspruchsfrei in meinem eigenen Denken zu verankern. Denn sie trifft auf ein widerständliches (Ich-)Universum diametral entgegengesetzter Überzeugungen, die gelernt und verankert sind, die in uns Menschen eine jahrtausendelange Tradition haben (wir sind alle miteinander verbunden und die Überzeugungen der Menschen drücken sich natürlich auch in mir aus), so dass diese Überzeugung und der o.g. Satz, nicht in ein- und demselben gedanklichen Universum Platz haben.

Doch weil für mich nun die Dinge nichts anderes als Gedanken sind, fasse ich das Wörtchen Wahrnehmung ebenfalls ganz anders auf als die meisten Menschen, denn ich gehe davon aus, dass zwei Menschen nicht genau dieselbe Wahrnehmung haben können. Oder können zwei Menschen genau denselben Gedanken haben? Nein, das können sie nicht.

Denn erstens ist das Denken das Werkzeug der Wahrnehmung, nicht ein Auge oder ein Ohr, und daher kann das, was gedacht und begriffen wird, nie unabhängig sein von den im Ich bereits vorhandenen Gedanken bzw. Erfahrungen, nicht unabhängig sein von der vorhandenen Denkwelt. Alles was begriffen wird, kann nur begriffen werden mit den Begriffen die ich habe, so wie ich auch nur alles zu benennen weiß mit den Worten die ich habe.

Und zweitens steht dies nun wieder in tiefer Übereinstimmung mit dem Resultat der Spirealismus Überlegungen:

Wir (Menschen) sind Elemente der Schöpfung, nicht ihre Beobachter.

Das bedeutet, dass, während wir von objektiv vorhandenen Dingen (Objekten), von denen wir uns umgeben glauben, Informationen abzurufen meinen, sie also im materialistischen Sinn zu beobachten, sind wir selbst die Quelle der Objekte. Während wir beobachten erschaffen wir eigentlich.

Der materialistisch geschulte Mensch meint, auf der Basis seiner Überzeugungen, wir würden alles auf dieselben äußerlichen Objekte schauen, wir müssten doch im Prinzip alle dieselbe Wahrnehmungsfähigkeit haben. Ich hingegen bestreite dies bereits im allerersten Grundsatz, und sage, dass das im Gegenteil gar nicht möglich ist. Was wir als „gleich“ bezeichnen ist in Wirklichkeit mehr eine Ähnlichkeit als eine wirkliche Gleichheit, und diese Ähnlichkeit wiederum tritt nicht auf der Basis von äußerlich festen Objekten auf, die wir alle zugleich beobachten, sondern treffender kann man formulieren, dass die Gleichheit das Ergebnis eines Abstimmungsprozesses ist. Diesen Abstimmungsprozess kennen wir als unser Miteinander-Sprechen, oder unser gemeinsames Erleben, er tritt aber auch in nahezu jeder anderen Gestalt auf, die wir kennen. Der Abstimmungsprozess von dem ich spreche (oft nenne ich ihn Kommunikation), ist nicht in erster Linie etwas, zu dem es den freien Willen des Menschen benötigt, oder seinen hohen Geist, mit dem er Dinge erkennt und benennt, sondern dieser Abstimmungsprozess, diese Kommunikation, tritt sozusagen natürlich auf, und sie ist in vollem Gange, wenn wir nur die Augen öffnen, oder etwas hören. Es ist also die Rede von einer nicht-menschlichen Kommunikation, die sich in aller Natur stets und ständig ausdrückt, zu der es uns Menschen also nicht im Besonderen braucht, und die auch nicht vom Menschen ausgeht, sondern die sich einfach im Menschen, auf menschenspezifische Art, fortsetzt.

Dazu passt, was ich über die hier vorliegende Kommunikation sagen kann, über die hier niedergelegten Worte: Indem ich vom Spirealismus schreibe und über Konsequenzen dieser Überlegungen berichte, kann ich nicht davon ausgehen, jedermann zu „überzeugen“, denn Kommunikation ist ja kein Ausrichten des Verstandes auf äußerlich vorhandene Dinge, auch Fakten genannt, die also jedermann im Endeffekt überzeugen müssen. Sondern der Kosmos (gemeint ist die kosmische Ordnung, Kosmos soll hier nicht verstanden werden als ein zweites Wort für „das Universum“) ist eine Abstimmung, die innerhalb eines Feldes völlig unbegrenzter Möglichkeiten auf etwas Einzigartiges führt, dessen Existenz der Gedanke daran ist, und dessen „materielle Festigkeit“ davon abhängt, wie stark, wie oft dieser kosmische Gedanke in Ähnlichkeit auftritt.

Im menschlichen Verständnis sehen wir die Funktionalität dieser Abstimmung auf etwas Einzigartiges, jedoch nicht mit einer Notwendigkeit Existierendes daran, dass jeder Gedanke den man „sinnvoll“ äußern kann, auf Grund der im individuellen Denken vorhandenen Voraussetzungen beurteilt wird. Was dem Individuum nicht recht sinnvoll erscheint, oder nicht wahrscheinlich, wird die Menschen mit einer Art Müdigkeit und Desinteresse erfüllen, und sie werden sich fragen, was sie wohl etwas interessieren soll, das doch die meisten anderen Menschen (ihrer Umgebung) nicht für möglich halten oder nicht wissen. Das wiederum führt zu Kommunikationslosikeit, und wo Kommunikationslosigkeit ist, kann es keine Objekte geben, die im Denken auftauchen. Man könnte sich das Letztgesagte auch so vor Augen führen: Für uns kann es nur das geben, was wir auch sehen können, worauf wir unsere Augen richten, wohingegen das uns im Rücken Befindliche, nicht Gesehene, nicht Gedachte, keine Existenz hat und nicht haben kann.

Umgekehrt bekommt all das eine sofortige Form von Existenz, an das wir nur denken, wir nennen das Denken, das zunächst „unbewiesen“ ist, weil es „nur“ im Individuum auftritt, eine Phantasie, einen Glauben, eine Wahrscheinlichkeit, etc..

Womit ich sagen will, dass im Prinzip all unser Denken eine Art Glaube ist, der (ganz ähnlich einem religiösen Glauben) im Letzten nicht beweisbar ist. Und wieder (ganz ähnlich einem religiösen Glauben) seine Funktionalität in einer Realität findet, die durch ihn erschaffen wird. Weiterhin findet dieser Glaube (ganz ähnlich einem religiösen Glauben) seine Beweiskraft in sich selbst und stellt sich (ganz ähnlich einem religiösen Glauben) dem Gläubigen als ein Wissen dar, also als das Denken gesicherter Fakten. Und schließlich, ganz ähnlich einem religiösen Glauben, ist auch dieser Glaube wirksam, denn mit dem Glauben wird eine Realität erschaffen, und was wohl ist für uns das ultimative Kriterium für Wahrheit, wenn nicht die ach so heilige, „eine und einzige“, Realität?

Dass man innerhalb einer zusammenhängenden Gruppe (von Menschen) nur das kommunizieren kann, was die anderen bereits  denken, ist eine für die Kommunikation (im Sinne einer Abstimmung) sehr verständliche Funktionalität. Man stelle sich vor, ein chinesischer Gelehrter würde die wichtigsten Weisheiten des chinesischen Volkes vor einem deutschen Publikum ausbreiten … und zwar auf chinesisch. Das würde den Deutschen vorkommen wie etwas zutiefst Überflüssiges, und der fernöstliche Weise würde ihnen erscheinen wie ein Narr, der unverständliches Zeug von sich gibt.

Ganz ähnlich ergeht es mir, wenn ich davon rede, dass die Gedanken die Quelle des Universums sind, eigentlich die Quelle der Universen (Mehrzahl), und das vor einem Publikum, das doch seit Urzeiten gelernt hat, und nun ganz sicher weiß, dass die Quelle des Universums materielle Objekte sind, die wir im Außen beobachten, die eindeutig sind und immer in der Einzahl – woraus dann auch die Mär des Universums (Einzahl) resultiert. Und dieses eine Universum, so glaubt man materialistisch, würden wir Menschen in unserem Denken auf bestmöglich, auf „objektive“ Art und Weise, abbilden, und zwar mit dem Ziel, die Objekte des Außen auf eine effektive Weise zu beeinflussen, sprich: uns in der Welt zurechtzufinden, und diese zu unserem Nutzen zu verwandeln.

Ich weiß also, dass meine Philosophie von den Meisten nicht verstanden werden kann, ich bin mir dessen bewusst. Und ich spüre die Müdigkeit auch in mir, die den Chinesen überkommen muss, der innerhalb einer deutschen Bevölkerung als Einziger seine Landessprache spricht, und der sich schließlich fragen muss, bei aller Richtigkeit dessen, was er da vorträgt, welchen Sinn all dieses Vortragen eigentlich haben kann. Die Funktionalität der Kommunikation, deren erste Regel darin besteht, sich im Denken annähern zu müssen, um schließlich in einem (scheinbar äußerlichen) Punkt übereinstimmen zu können, er verstößt gegen sie. Die Regel selbst ist intakt, und beweist ihre Wirksamkeit eben durch die genannte Müdigkeit.

Dennoch kann ich nicht davon lassen, den Spirealismus in der von mir gedachten Weise darzulegen – ich kann mich dem Denken der Meisten nicht annähern, besteht doch die Aussage des Spirealismus gerade darin, dass der Kosmos in seinen Möglichkeiten unbegrenzt ist und von unserem Denken auf Etwas reduziert, eingegrenzt, materialisiert wird – und dieses Eingegrenzte bezeichnet der Materialist gerade als das Mögliche. Es ist also klar, dass der Spirealismus vom Denken der Meisten abweichen muss, eine neue Form der Weltsicht etablieren muss und deren Konsequenzen benennen muss. Würde er dieses Ziel aufgeben wäre er besser kommunizierbar, bliebe aber beliebig und widersprüchlich und wäre nun erst recht nichts, was mich interessieren könnte.

Der Philosoph Schopenhauer drückte das soeben Gesagte einmal so aus, dass er schrieb, all seine Philosophie (die in ähnliche Aussagen resultiert wie der Spirealismus) habe ihm nie etwas eingebracht: kein Geld, keinen Ruhm (beides irdische Äquivalente für Zustimmung); sie habe ihm jedoch wenigstens viel erspart. Erspart hat sich Schopenhauer durch seine Philosophie viele intellektuell anspruchslose Gespräche, Zeitverschwendung aus seiner Sicht … Immerhin!

Zusammengefasst

Wie man an diesen Überlegungen sehen kann: man kommt hier vom Hundertsten ins Tausendste, von der Auffassung der Gedanken als der Quelle der Universen zu einer anderen Auffassung des Wortes „Wahrnehmung“, und schließlich wäre, an dieser Stelle durchaus passend, einiges zu einem ganz anderen Verständnis des Wortes „menschlicher Wille“ und auch „Freiheit“ zu sagen.

Doch will ich kurz zusammenfassen, worum es in diesem Abschnitt eigentlich geht.

Der Begriff des „Ich-Universums“ wird uns im Grunde nur verständlich, wenn wir die wichtigen Begriffe, die unsere Welt(en) formen, neu denken. Oder andersherum: die aufmerksame Beobachtung unseres Denkens, der Art und Weise wie wir Dinge auffassen, begreifen, lernen, führt uns, wenn wir offen genug sind von den erlernten Imperativen unseres herkömmlichen Weltbildes (des Materialismus) einmal zu lassen, mit Notwendigkeit zur Vorstellung eines Ich-Universums, also einer in sich geschlossenen Welt die in jedem Individuum verschieden ist. Und die im Letzten, von Außen gesehen, nicht begreifbar ist, oder sein kann, denn die Seins-Bedingung des Ich-Universums ist, individuell zu sein, oder, anders gesagt, das Individuum ist der Ausdruck oder die äußerliche Form eines Ich-Universums.

Insbesondere Wahrnehmung muss man sich vorstellen als etwas Einzigartiges, das im Ich seine ganz eigene Form annimmt, und niemals völlig übereinstimmen kann mit etwas Äußerlichem.

Das Ich-Universum, die Gedankenwelt des Einzelnen also, ist individuell und kann von außen nicht als solches „erkannt“ werden. Da es sich um ein Universum (einen Raum) handelt, könnte man auch sagen, dass man das Universum eines anderen nicht betreten kann. Man kann nicht hinein, man kann es nicht einsehen, man kann es nur von „Außen“ beurteilen, und zwar mit den geistigen Mitteln die man selbst hat, und die, eben weil die Wahrnehmung von den geistigen Mitteln abhängt, die zur Verfügung stehen, abweichen muss. Abweichen wovon? Von der geistigen Welt Desjenigen, der sie in sich trägt.

Das, was wir über die geistigen Welten unserer Mitmenschen wissen, können wir ebenso gut unsere eigene Welt nennen, wie eine fremde Welt.

 

Und schließlich kommen wir, wenn wir die Menschen verstehen als die Träger in ihnen existierender, immer verschiedener, Universen, oder auch verstehen als äußerlichen Ausdruck dieser Universen, auf die Frage, was oder wer wohl von dem einen Universum , von dem wir stets phantasieren, und das wir alle zu beobachten meinen, weiß, wer es denkt, wo es sein soll, etc.. Wenn es nicht im Kopf irgendeines Menschen ist … wo ist es dann?

Davon soll im nächsten Abschnitt die Rede sein.

Aspekte des Ich-Universums, Teil 2: individuelle Wahrnehmung erschafft die Realität – Wahrnehmung ist immer verschieden was last modified: Mai 16th, 2017 by Henrik Geyer