Ein Buch schreiben – Wie? Kunst oder Handwerk?

Was benötigt man, um ein Buch zu schreiben? Ist Buch schreiben Kunst oder Handwerk?

Buch schreiben – das Interesse

Wer ein Buch schreiben möchte, der sollte vor allem eins haben: das unstillbare Interesse an einem bestimmten Thema, das zum Ausdruck gebracht werden soll.

Das Interesse am Thema ist aus vielen Gründen entscheidend, z.B. weil wir Begeisterung benötigen, um die Härten des Schreibens zu überwinden, um teils langwierige Recherchen anzustellen, konzentriert bei der Sache zu bleiben. etc.

Das Interesse, besser Begeisterung, ist ein guter Indikator für die inhaltliche Kompetenz in einem Thema, das man hat oder sich aneignen kann – schließlich beschäftigt uns das am meisten, worüber wir schon viel wissen, wir kennen die vielen Facetten und Querverbindungen des Themas.

Und schließlich können wir uns nur für Dinge und Themen begeistern, die uns nicht schon selbst trivial erscheinen – daher ist Interesse ein guter Indikator, dass das gesteckte Ziel anspruchsvoll ist und das Potential hat, auch den Leser in den Bann ziehen zu können.

Kunst

Ist nun das Buch Schreiben eine Kunst? Schreiben kann schließlich jeder, und Wörter aneinander reihen, bis schließlich ein Buch gefüllt ist, das ist eher eine Geduldsprobe …

Kunst als Handwerk

Versteht man Kunst als das Beherrschen eines Handwerkes, muss man sagen: Ja! Kunst ist wichtig. Sie ist das Mittel sich auszudrücken. Die Beherrschung des Wortes ist für den Schriftsteller das A und O.

Was mich hier aber vorsichtig sein lässt, ist folgende Überlegung:

Das Beherrschen der Schreibkunst ist letztlich eine Frage der Übung. Man muss einfach lange und ambitioniert schreiben, dann lernt man die Kunst des Ausdrucks, insofern macht es keinen Sinn, einem Schreibanfänger zu sagen, er müsse aber auch ja das Schreibhandwerk beherrschen. Zumal es im Beherrschen dieser Kunst kein definiertes Ende gibt, man lernt wohl immer dazu.

Zweitens kann auch ein sehr schlichter Schreibstil manchmal Stilmittel sein, geeignet, eine gewisse Geradlinigkeit zu wahren. Authentizität, die der Leser letztlich immer sucht.

Kunst als das Vermögen, quer zu denken

Buch schreiben ist auch deshalb eine Kunst, weil es das verquere Hirn des Künstlers braucht, einer Sache, und scheint sie dem Normalmenschen auch noch so trivial, die mystische Seite, das Symbolhafte, abzugewinnen. Man gewinnt den Leser, indem man das Geheimnisvolle durchblicken lässt – der Mensch ist nun einmal neugierig. Ohne Tiefe, ohne möglichen Hintersinn eine Abfolge von Ereignissen wiederzugeben, lässt das Werk flach und uninteressant erscheinen.

Es ist die magische Eigenschaft der Künste, dort am allermeisten zu den Menschen zu sprechen, wo sie der Phantasie des Betrachters Raum für Eigenes lassen, wodurch dieser den Eindruck hat, der Autor verstünde den inneren Seelenzustand desjenigen am allerbesten.

 

Ich will aber auch nicht verhehlen, dass es einen großen Markt für sehr Triviales gibt … Bücher, die sich „einfach so weglesen“ lassen, und die man nach dem Lesen wegwirft.

 

Ein Buch schreiben – Wie? Kunst oder Handwerk? was last modified: Dezember 1st, 2016 by Henrik Geyer

Warum schreiben? Warum ich schreibe

Das Schreibwerkzeug des Autoren [SPID 4002]

Warum schreiben? Zu welchem Zweck, mit welchem Ziel schreibe ich? Das  fragt sich mancher Schriftsteller – und dann schreibt er es auf.

Schreiben ist Selbsterkenntnis

Ich kann es heute besser an mir sehen als früher: es war wichtig für das Selbst-Erkennen, zu schreiben. Erkenne dich selbst! sagte man im antiken Griechenland … Selbsterkenntnis ist ein Bedürfnis. Nicht jeder hat es, vielleicht. Mir wurde es unabdingbar, als ich zu einer bestimmten Zeit in meinem Leben mit der Einsicht konfrontiert wurde, dass so vieles ein Irrtum ist. Ich hielt es plötzlich für überaus notwendig, einmal gründlich „über alles“ nachzudenken. Das habe ich getan und das Schreiben hat mir sehr dabei geholfen, meine Gedanken genauer und genauer zu fassen. Diesen stets fortdauernden Prozess möchte ich nicht mehr missen. Denn dieses Erkenne dich selbst! ist das Wichtigste, was man in dieser Welt zu erledigen hat.

Schreiben ist Eitelkeit

Mit dem Schreiben möchte man seine Gedanken verbreiten, sicherlich nicht um dafür gescholten zu werden. Sondern möglichst auch, um für deren Tiefe und Tragweite bewundert und geehrt zu werden. Ein gewisses Sendungsbewusstsein ist nötig, sonst würde man ja nicht schreiben. Ich hatte, als ich anfing etwas Philosophisches aufzuschreiben, den Gedanken, der Welt etwas „zurückgeben“ zu wollen. Etwas Großes, Umfassendes. Ich wollte das Wissen, das ich erlangt hatte, und das ich für äußerst ungewöhnlich und wichtig hielt, mitteilen.

Das will ich zwar immer noch, weiß aber nun durch das Schreiben auch, dass man der Welt nichts „Großartiges“ oder besonders „Neues“ übergeben kann; was man übergeben kann hängt eher davon ab, was die Welt sehen will. Die Welt wartet nicht auf das Neue, denn das Neue ist ihr unbekannt. Das „Großartige“ in der Wahrnehmung des Publikums ist zugleich auch immer das, was anderen bereits bekannt ist. „Das Bekannte“ sozusagen. Doch zu Anfang ist der Autor unbekannt – was man zu sagen hat kann also nicht großartig sein. Als beginnender Schriftsteller empfindet man sehr stark diese Selbstzweifel – wer ist man schon, dass man wagen dürfte, sich zu diesem oder jenem Thema zu äußern? Kurz: Man merkt gerade durch das Schreiben, dass es besser ist, die übergroßen Ambitionen bleiben zu lassen.

Besser man nähert sich dem Schreibhandwerk auf wohl ehrfürchtige, aber dennoch pragmatische Weise, schreibt und schreibt. Man lernt und lernt. Zuerst fehlt es auch am Handwerklichen, auch das muss reifen. Natürlich möchte man sofort gute Texte schreiben, am liebsten in den Himmel der Literatur-Götter eingehen .. Doch man muss Übung und Souveränität erlangen, man muss Momentum in der Wahrnehmung des Publikums aufbauen. Für beides braucht es Zeit und Übung.

Daher würfelt man die Gedanken geduldig und erwartet mit zurückhaltender Gespanntheit, wie das, was man schrieb, aufgenommen wird. Eitelkeit, das Ego, ist ein wichtiger Antrieb für das Schreiben. Doch, um lesbaren Text hervorzubringen muss man das Ego zurückdrängen.

Über-Ambitioniertheit, der Drang „etwas Großes“ schaffen zu wollen, ist wohl generell eher ein Hindernis als ein Trittbrett zu Höherem. Das gilt auch für die Art und Weise des Schreibens. Goethe sprach einmal davon, der Dichter solle lieber kleine, in sich geschlossene Werke herstellen, als sich einem großen und umfassenden Werk zu widmen. Ein solch großes ambitioniertes Vorhaben habe den Nachteil, dass es immer unperfekte Teile enthalten müsse, wodurch das Gesamte unperfekt sei. Wohingegen kleinere gelungene Werke, die noch dazu aus der Wahrheit des Augenblicks und der Kraft des Momentes entstehen, und nicht etwa in einem überlangen Bemühen, den Eindruck in sich geschlossener und perfekter Stücke machen.

Schreiben ist Offenheit

Schreiben ist Offenheit oder auch Ehrlichkeit, weil Schreiben immer eine Form moderater Selbstentblößung ist. Wenn man nicht gerade nichtssagende Texte fabrizieren will, muss man etwas von sich hergeben. Als Autor wird man dadurch zwangsläufig erkennbarer. Der Segen des Unerkannt-Seins, lernt man, liegt darin, dass man frei ist, (theoretisch) alles sein zu können. Das Festlegen auf Positionen hingegen führt dazu, dass Gegenpositionen erschaffen werden. Man begibt sich tiefer in die Welt der Polarität, und so mancher Schriftsteller will eigentlich gerade das nicht, sondern sich gerade durch das Schreiben von den Notwendigkeiten und den Kämpfen der Welt abkoppeln.

Dem Ego des Autoren tut die Erkennbarkeit gut, es definiert sich selbst zunehmend neu. Die Bücher die man schreibt, die Fragen die man behandelt, werden zwangsläufig zu wichtigen Gestirnen des Ich-Universums. Ähnlich ergeht es wohl Schauspielern, die nicht nur vom Publikum mit ihren Paraderollen identifiziert werden, sondern die sich selbst damit identifizieren. Nicht nur der Autor erschafft Bücher, sondern die Bücher erschaffen den Autoren ein Stück weit neu.

Schreiben ist Die-Welt-Entdecken

Es ist eines der Prinzipien meiner Philosophie … : im Geist lässt sich die Welt entdecken, denn es ist ohnehin alles Geist.

Das Schreiben als eine Beschäftigung mit dem Geist, lässt den Schriftsteller zu einem Geistes-Reisenden werden, der statt im Flugzeug vor seinem Schreibtisch sitzt und der Welt auf diese Weise ihre ungewöhnlichsten Geheimnisse entlockt. Selbst das kleinste Ding hat für ihn tausendfache Bedeutung – und das ist ein Abenteuer, das sich mit anderen Mitteln nicht in gleicher Weise durchführen lässt.

Die längste Fernreise kann uns nur an Orte führen, die wir dann im Geiste bestaunen. Wie wir staunen, was wir in welcher Weise bestaunen, das hängt vom Geistigen ab, nicht vom Gegenstand des Staunens. Das größte Weltwunder muss in einem dumpfen Geist zur Belanglosigkeit schrumpfen, und umgekehrt kann die kleinste Sache in einem wachen Geist die allergrößte Bedeutung gewinnen. Schreiben ist auch, sich in eine Welt der Wunder zu begeben.

Wenn mancher nun sagt: Im Geist lassen sich aber nicht die Fakten entdecken, das Wirkliche, dann frage ich: Welche Fakten? Im Geist lässt sich viel mehr entdecken, als das, was für andere „Fakt“ ist. Man kann mit Jules Verne in den Tiefen der Ozeane tauchen, man kann mit Dumas der Held eines Mantel- und Degen-Abenteuers sein. Für Einstein war das Reisen auf einem Photon Fakt – für wen sonst gilt das noch? Man kann so vieles entdecken – und das wird dann zu einem unbestreitbaren Fakt des Lebens. Was will man mehr als die Fülle des Lebens kosten? – das ist die Faszination der Phantasie! Das kann man mit keiner anderen Tätigkeit erreichen, als mit dem Schreiben. Oder dem Lesen.

Mit Schreiben der Welt auf die Schliche kommen

Es ist ein weiterer Aspekt des schon erwähnten Die-Welt-Entdeckens, dass man dem schlichten Wesen der Menschen-Welt auf die Spur kommt.

Man stellt fest, dass man der Welt letztendlich kaum etwas geben kann, was nicht ohnehin im Geist der Welt ist, ich erwähnte es schon. Der Leser entdeckt sich eher selbst mit dem Hilfsmittel eines Buches, als dass er eine fremde Gedankenwelt erforschen und bestaunen könnte. Die Welt verlangt nichts als das, was sie ohnehin schon kennt – was sie nicht kennt, danach kann sie nicht verlangen und kann es oft genug auch nicht würdigen.

Umgekehrt kann man nichts „zurückgeben“, was nicht originär der Welt entstammt. Man biegt nur ein wenig daran herum, fügt einen neuen Farbton hinzu – und dann gibt man zurück. Und dennoch ist Schreiben immer noch das denkbar kreativste Tun in dieser Welt.

Man sieht, wie etwas entsteht und wodurch es Verbreitung findet. In einem großen arbeitsteiligen Betrieb, als Rädchen im Getriebe, könnte man das nicht beobachten. Als Autor stellt man etwas in Gänze her und hat an dessen Verbreitung unmittelbaren Anteil. Die Person des Autors selbst ist dessen allerwichtigstes „Produktionsinstrument“. Den kreativen Prozess aus jeder Perspektive und in Gänze beobachten zu können, ist schon spannend.

Schreiben ist Antwort auf eine Suche

Das ist auch das, was ich suchte. Ich suchte Antworten auf verschiedene metaphysische Fragen. Wie: Was ist Kreativität eigentlich, wo doch im Grunde alles neu ist? Der 10-millionste VW-Käfer ist doch letztlich ebenso einzigartig wie der erste? Was verbindet alles und macht die Dinge doch einzigartig? Was ist meine Verbindung mit der Schöpfung, mit der Unendlichkeit? Das Ergebnis dessen sind die philosophischen Bücher, die ich nach und nach schreibe. Erst durch das Schreiben kam ich dem Philosophischen wirklich auf die Spur … das Schreiben ist also nicht nur das Resultat von Überlegungen, sondern auch Werkzeug. Man stellt Überlegungen in der richtigen, gründlichen, Weise an, stellt Fragen systematisch…

Schreiben ist gut für das Kaizen

Aus demselben Grund ist Schreiben gut fürs Köpfchen – es ist eine Beschäftigung, die eine dauerhaft hohe Konzentration erfordert, und man kann sich nach einer Weile tatsächlich besser konzentrieren. Es ist ein sehr angenehmer Nebeneffekt, dass komplizierte Dinge plötzlich besser gelingen. Das Schreiben macht genau.

Ich empfinde es als wunderbar, dieser hochkonzentrierten und effektiven Arbeit nachgehen zu können, wann immer ich Lust dazu habe. Ich muss nirgendwo hinfahren, um es zu tun. Und ich benötige auch niemandes Erlaubnis. Selten habe ich in meinem Leben so viel gearbeitet, und es noch dazu gar nicht als Arbeit empfunden. Selten hatte ich in meinem Leben das Gefühl, so kontinuierlich und systematisch zu lernen, zu wachsen.

Zu lernen gibt es übrigens nicht nur, wie man ein Buch schreibt, wie man richtig formuliert etc., sondern auch, wie man den Umschlag gestaltet, das ganze Management der Titel, ISBN, Preise, das Programmieren von Webseiten für den Blog, und vieles mehr. Schreiben ist also gut für das Kaizen – die stetige Verbesserung der Persönlichkeit, bzw. der persönlichen Fähigkeiten.

Schreiben ist einsam

Schreiben ist eine Gewohnheit und eine Liebhaberei, etwas, das man gern tut. Ich habe als Junge bereits Geschichten aufgeschrieben. Das ist eine wichtige Voraussetzung für „das Schreiben“ – man muss es mögen … wenn man das Schreiben nicht mag dann gibt es wenig, was einen dazu treiben könnte es dennoch zu tun. Der Erfolg kann es nicht sein – denn man kann ohnehin schwerlich mit etwas Erfolg haben, das man gar nicht mag … Voraussetzung für Erfolg ist eben Leidenschaft und Ausdauer, zumindest nach meiner Erfahrung und Auffassung. Schreiben dauert lange und erfordert viel Sorgfalt, und man ist allein. Nach der Veröffentlichung eines Buches kann man dann darüber sprechen, aber die Zeit des Schreibens ist gekennzeichnet durch Einsamkeit und Ruhe.

Man benötigt diese Ruhe, um die Gedanken fließen zu lassen, man benötigt die Einsamkeit, um sich vom Denken der Welt zu lösen und frei sein zu können; um jede Phantasie hervorzubringen. Man stelle sich vor, jemand stünde daneben und bewertete: Dies geht nicht, jenes ist unwahrscheinlich … Dies zu tun ist nur dem Autoren selbst überlassen, und anders kann es nicht sein, sonst käme gar nichts dabei heraus.

Die Einsamkeit ist attraktiv, aber sicherlich nicht für jeden.

Schreiben ist eine Herausforderung

Schreiben ist eine Kunst. Wie bei jeder Kunst gibt es kein Ende der Entwicklung. Immer lernt man. Immer grübelt man über Stil, beste Wortwahl, die Balance zwischen kürzester Aussage und umfassender Weitschweifigkeit – was ist wo besser? Auch das Weitschweifige hat seinen Sinn – Lesen ist eine Art spirituelle Konzentration, eine Art Meditation; und seit wann käme es bei der Meditation darauf an, sie in möglichst kurzer Zeit hinter sich zu bringen? Der Schriftsteller ändert hier einen Punkt in ein Komma, dort macht er es umgekehrt .. Wie viele Bedeutungen kann ein Text haben? Wie verschieden kann er aufgefasst werden? Das zu begreifen, sich in dieser Kunst zu üben, das fasziniert. Schreiben ist ein Streben, das einen erlösen kann („Wer immer strebend sich bemüht…“).

Das Wichtigste für gutes Schreiben ist, etwas zu sagen zu haben. Der Leser verzeiht so manche Unvollkommenheit eines Textes, aber eitles und leeres Geschwätz braucht er einfach nicht.

Etwas zu sagen zu haben ist auch der beste Antrieb für den Schriftsteller. Der Schriftsteller hat eigentlich keine Lust leere Floskeln zu Papier zu bringen. Das, was man gemeinhin als eine „Schreibhemmung“ bezeichnet, sehe ich aus so einer Ziellosigkeit erwachsen. Man darf froh sein, wenn man als Schriftsteller das Gefühl hat, eine Aufgabe vollbringen zu müssen. Was man zu sagen hat sucht man sich nicht unbedingt selbst aus, sondern umgekehrt, man wird von den Themen, die man behandeln muss, erwählt. Man darf glücklich sein, erwählt zu werden.

 

 

 

Warum schreiben? Warum ich schreibe was last modified: Oktober 30th, 2016 by Henrik Geyer

Der Antagonist im literarischen Werk

Kein Antagonist, keine Spannung [SPID 1216]

Was wäre der Gute ohne den Bösen?  Was wäre ein Engel ohne einen Teufel? Was wäre der strahlende Held eines Buches ohne Antagonisten?

Spannung bedeutet: Differenz

Bewegung kommt immer nur dort zu Stande, wo es einen Unterschied gibt. Man denke an einen Fluss, der nur dort fließt, wo ein Höhenunterschied ist. Das Gleiche gilt für Strom – auch hier kommt es auf einen Unterschied an: einen Spannungsunterschied. Mehr noch: es ist das fundamentalste Prinzip dieser Welt, dass Entwicklung jeder Art, Bewegung, durch Differenz entsteht – der Philosoph Hegel nennt es den Kampf (bei gleichzeitiger) Einheit der Gegensätze: die Dialektik. Aus einer These und einer Gegenthese (Antithese) entsteht die Synthese.

Übersetzt in die Sprache der Literatur oder eines anderen dramatischen Werkes bedeutet das: Neben dem Protagonisten braucht es den Antagonisten.

Protagonist und Antagonist

Was eint Protagonisten und Antagonisten?

Bei Hegel sehen wir die Dialektik vor allem auch als eine Einheit der Gegensätze.

Und so sind auch Protagonist und Antagonist verbunden: durch eine gemeinsame Leidenschaft, einen Drang, ein Interesse. Es kann eine (gemeinsame) Liebe sein, oft ist es eine beiden gemeinsame Gier. Ohne dieses Gemeinsame gibt es kein Handeln der Elemente, das in einem gemeinsamen Rahmen (dem Buch) spannend wäre und zu Entwicklung führte, sondern das wäre lediglich Gleichgültigkeit.

Was unterscheidet beide?

Was Protagonisten und Antagonisten unterscheidet ist natürlich das, WAS sie tun. Innerhalb des beide bindenden Rahmens versuchen Protagonist und Antagonist verschiedene Wege zu gehen, und geraten zwangsläufig in einen Konflikt. Beide handeln aus eigenen Überzeugungen heraus – und somit durchaus verständlich.

Zu den Überzeugungen der beiden Gegenspieler gehört die Art und Weise ihres Handelns, und welche Mittel sie einsetzen können, einzusetzen bereit sind. So wird beispielsweise in einem Western die Überzeugung, die Welt ließe sich mit Gewalt erobern, von einem martialischen Äußeren begleitet, von Waffen, etc.. Umgekehrt wird Friedfertigkeit durch Unbewaffnet-Sein dokumentiert. Ein solcher klassischer Konflikt findet sich beispielsweise in dem Western „Der Mann, der Liberty Valance erschoss“.

Was der Protagonist tut ergibt sich meist als eine Folge der Handlungen des Antagonisten, und umgekehrt.

Was ist das Resultat des Kampfes?

Das Resultat des Kampfes ist die Synthese aus These und Antithese – die Synthese ist etwas Neues, etwas Drittes. Die Synthese ist nie der vollständige Sieg nur eines der Elemente.

Das ist es, was die Handlung eines Buches oder dramatischen Werkes so spannend macht und realitätsnah erscheinen lässt: Die Entwicklung der Figuren, die Entwicklung der Handlung, führt hin zu einer neuen Qualität, einer neuen Erkenntnis – und damit wiederum zu etwas Unvorhersehbarem aus der Sicht des Lesers.

Ist der Antagonist immer der Böse?

Nein. Der Held, der Protagonist eines Dramas, muss kein moralisch unbefleckter Mensch sein. Man denke an das Buch „Der talentierte Mr. Ripley“ (verfilmt als „Das Böse unter der Sonne“), in dem ein Mörder die zentrale Figur ist. Der Leser begleitet ihn, hofft mit ihm, dass sein Plan aufgehen möge … Seine Gegenspieler sind zwangsläufig „die Guten“.

Dank Antagonisten …

wird eine ausgedachte Handlung farbig und interessant. Der Antagonist eröffnet ganz neue Möglichkeiten, indem er selbst handelt. Er erzeugt die Spannung, die nur mit strahlendem Helden allein nicht vorhanden sein kann.

Das Gleiche gilt für das Leben überhaupt. Woher wissen wir, dass wir in einer Sache gut sind? Was erzeugt Glück und das Gefühl zu leben? Es ist das Erreichen von Zielen gegen Widerstände, das Obsiegen im Kampf, das Überwinden eines Antagonismus.

 

 

 

 

Der Antagonist im literarischen Werk was last modified: Juli 20th, 2016 by Henrik Geyer

Faszination Lyrik – was macht Lyrik so magisch?

Faszination Lyrik, Stairway to heaven

Die Faszination an der Lyrik – wie entsteht sie?

Besprochen wird das anhand eines magischen Songs – „Stairway to heaven“ von Led Zeppelin – ein Song, den man sicherlich immer wieder gern hört und uns in diesem Moment inspirieren kann.

unklare Lyrik

Ich habe das Beispiel „Stairway to heaven“ gewählt, weil man über die Lyrik dieses Songs durchaus geteilter Meinung sein kann.

Da ist die Dame, die glaubt sie könne sich den Zugang zu himmlischen Gefilden (die Treppe in den Himmel) einfach erkaufen, da ist der lockende Pfeifer (am Tor zur Dämmerung?), da ist das Geheimnis, das sich im Gebüsch verbirgt, Rauch steigt zwischen den Bäumen auf und schließlich liegt die Treppe in den Himmel im flüsternden Wind (verborgen) … weißt du? Was ergibt das alles zusammen? Der weniger Spirituelle wird vielleicht sagen: „Nichts! Man könnte hier zwar sonstwas für einen tiefgründigen Sinn vermuten, aber eigentlich ist doch da Leere.“

Aber da ist ja noch die wunderschöne Musik, zu der eine spirituell-mystische Lyrik gut passt. Diese Lyrik erscheint zwar zusammengewürfelt aus Versatzstücken spiritueller Klischees – und genauso so wurde der Song auch geschrieben, wie es heißt: an einem Abend, von zwei pragmatischen jungen Leuten die einen Song für ihr  Album fertigbekommen wollten, und inspiriert waren von verschiedenen spirituellen Quellen. In der Aussage ist diese Lyrik so wenig eindeutig, dass man eigentlich gar nicht sagen kann, worum es geht. Aber die Verse sind mystisch und spirituell genug, um die Musik vieldeutig und attraktiv erscheinen zu lassen. Und darauf kommt es an.

Die Phantasie des Zuhörers erschafft die Faszination

Denn die Bedeutung entsteht erst im Zuhörer, im individuellen (und damit immer unterschiedlichen) Verstehen. Wer nun die Faszination der Verse in den Worten sucht, wird schwerlich fündig. Denn sie liegt mindestens ebenso im Zuhörer, in dessen Begreifen, in seinen Erfahrungen, etc..

Und das ist die eigentliche Faszination der Lyrik als einem Beispiel für unser Wahrnehmen (auf eben dieselbe Weise könnte man das Sehen untersuchen und käme zu ganz Ähnlichen Ergebnissen). Da, wo nichts ist, erschafft das Denken – aus sich heraus, geheimnisvoll.

Die Lyrik fasziniert ganz besonders dort, wo sie unbestimmt und geheimnisvoll ist, wo sie nur wenige dürre Versatzstücke bereit hält, die geeignet sind, die Phantasie anzuregen. Die Worte geben eine Denkrichtung vor, die Leere aber wird aufgefüllt mit den Phantasien des Zuhörers, ja, diese Leere ist geradezu nötig, um Raum zu lassen, für diese Phantasien.

Oder würde eine alles erklärende Lyrik denn nicht platt und mechanisch erscheinen und somit alle Faszination einbüßen?

Faszination Lyrik – was macht Lyrik so magisch? was last modified: Mai 24th, 2016 by Henrik Geyer

Method Writing – die Methode besser zu schreiben

Method Writing - der Schlüssel?

Method Writing – was ist das?

Was man zu Papier bringt, ist in seiner gefühlsmäßigen Tendenz, seiner Klarheit und Spannung, sehr abhängig von der Stimmung, in der der Autor gerade ist. Gibt es eine Methode die dabei hilft, realistische und interessante Texte entstehen zu lassen? Eine Art Method Acting, nur eben für Schriftsteller?

Method Acting

Das Wort „Method Acting“ ist wohl vielen ein Begriff. Lee Strasberg brachte in seinem New Yorker „Actors Studio“ (einer Schauspielschule) vielen später berühmten Schauspielern Method-Acting bei. Darunter waren z.B. Robert De Niro und Marlon Brando.

Vor dem Method Acting bestand Schauspiel oft im Auswendiglernen von Texten etc.. mit entsprechend kargem Ergebnis. Hölzerne Dialoge mechanisch vorgetragen – schrecklich langweilig.

Um das Drama der Drehbücher besser auf die Bühne, bzw. in den Film zu bringen, formulierte Strasberg Grundsätze des Method Acting. Method Acting sollte dem Schauspieler durch eine erlernbare Vorgehensweise dabei helfen, glaubhaft Rollen zu spielen. Method Acting lehrt, wie man Rollen „lebt“, wie man sich mit Haut und Haaren in eine Figur und in die Situation, in der sie gerade ist, hineinversetzt.

Das Ziel dabei ist, die Rolle mit realistischer Intensität und hautnahem Drama zu erfüllen. Emotionen sollten so sichtbar werden, wie sie im richtigen Leben, in ähnlicher Situation, ebenfalls zu beobachten sind.

Der Erfolg vieler Schauspieler, die im „Actors Studio“ ausgebildet wurden, zeigt die Wirksamkeit des Method Acting – Prinzips. Man denke an gelungene Filme wie „Taxi Driver“ oder „Endstation Sehnsucht“.

Method Writing

Beim Schreiben ist es im Grunde ähnlich. Wenn man eine bestimmte Art von Text schreiben möchte, vielleicht ein heiteres Buch, oder einen spannenden Roman, dann sollte man sich tunlichst in den Text „hineinbegeben“. Man sollte die zu schildernde Situation sozusagen selbst „erleben“ – erleben, wie sich Situation aus Situation entwickelt, um im selben Moment, und mit demselben Gefühl, realistischen und packenden Text hervorzubringen. Man sollte also Method Writing betreiben.

Hineinversetzen

Eines der Grundprinzipien des Method Writing ist (ganz wie beim Method Acting), sich in die Figur, die man beschreiben will, hineinzuversetzen. Sich also intensiv vorzustellen, wer sie ist; aus welcher Notwendigkeit, welchen Erfahrungen heraus sie handelt. Wo sie sich befindet.

Sich konzentriert in eine Figur und eine Situation hineinzuversetzen – das braucht Zeit. Aus diesem Grund benötigt der Autor einige ungestörte Zeit der Ruhe und des Nachdenkens. Um die Konzentration auf dem höchstmöglichen Niveau zu halten, sollte man außerdem darauf achten, zur (Tages-)Zeit der höchsten geistigen Leistungsfähigkeit zu schreiben.

Method Writing – Emotionen suchen und zulassen

Method Writing bedeutet auch, sich darüber im Klaren zu sein, dass sich der Schriftsteller nicht hinter seinen Texten verbergen kann. Umgekehrt: in seinen Büchern nimmt er für den Leser selbst Gestalt an, er wird erkennbar.

Sich in die Figuren hineinzuversetzen geschieht mit dem Ziel, die eigenen Erfahrungen, das eigene Fühlen, in Verbindung zu bringen mit einer vorgestellten Situation. Worüber man schließlich schreibt, das sind die eigenen Gedanken und Gefühle, nicht die von Fremden. Das ist gut so, das macht das Buch authentisch und für den Leser interessant.

Das bedeutet nicht bedingungslose Selbstentblößung, dennoch aber sollte sich der Autor darüber im Klaren sein, dass man sich in seinen Büchern auch immer selbst zu erkennen gibt. Und er sollte dieser Tatsache keine allzu großen Widerstände entgegen setzen.

Entspannen

So, wie das Schicksal seinen Lauf nimmt, so wie die Dinge sich oft ganz ohne Zutun entwickeln, kann und sollte sich auch der Autor entspannen. Er kann selbst dem Lauf der Dinge folgen – und zusehen, wie sie sich die Handlung aus seinem Denken heraus entwickelt. Mit einem „Ich muss!“ im Kopf zu arbeiten gibt dem Text etwas Konstruiertes, Künstliches.

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Method Writing – die Methode besser zu schreiben was last modified: April 16th, 2016 by Henrik Geyer

Die Metapher – wozu ist es gut, in Metaphern zu denken?

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Alles hat mit allem zu tun. Metaphern beschreiben diesen Aspekt der Realität

Die Metapher – bildhafter Ausdruck. Wozu ist die Metapher gut? Wie äußert sie sich, und warum sagt man nicht einfach, was man wirklich sagen will?

Metapher als Umschreibung

Dies ist beispielsweise eine Metapher:

Die Menschheit ist ein Fluss des Lichtes, der aus der Endlichkeit zur Unendlichkeit fließt. (Khalil Gibran)

Der eigentlich betrachtete Gegenstand der Betrachtung, die Menschheit, wird im Verständnis des Lesers auf das Bild eines Flusses gelenkt.

Wozu? Um den Leser verwirren?

Der Grund ist, dass die Menschheit diesen Aspekt des Fließenden hat. Er ist im geläufigen Verständnis des Wortes Menschheit nicht enthalten, wodurch der Lesende spürt, hier etwas Neues und auch Wahres zu erfahren.

Einen Gegenstand unter einem anderen Aspekt als dem geläufigen zu sehen, bringt uns also sehr viel Erkenntnis und Verständnis.

Alles ist eine Metapher

Einmal mehr bleibt darauf hinzuweisen (auf diesem mindestens zur Hälfte philosophischen Blog), dass es Objektivität nicht gibt. Demzufolge existieren alle Begriffe in Eindeutigkeit nur in unserer individuellen Vorstellung.

Statt dessen ist jeder Begriff ist mit jedem anderen kombinierbar; und jeder Begriff geht erst aus einer Kombination anderer Begriffe hervor.

Metapher und Kausalität – alles ist mit allem verbunden

Es ist das Wesen des alles hervorbringenden Denkens, dass es das Einzelne nicht geben kann. Alles sehen wir aus etwas anderem hervorgehen. Alles steht in Verbindung mit allem anderen.

Das ist zugleich das Wesen unseres kausalen Verständnisses jedes Dinges: Es hinge ab von etwas anderem.

Ebenso bildet jeder Begriff, neben einen anderen gestellt, eine zumeist kreative und interessante Verbindung.

So ziemlich jede Kombination von Begriffen trägt auch eine Art von Wahrheit in sich.

  • Die Menschheit könnte man auch als eine Blume bezeichnen, die wächst, eine Reife erlebt, vielleicht auch endet.
  • Man könnte die Menschheit auch in eine metaphorische Verbindung mit einer Uhr bringen, weil  ihre äußerlichen Zeichen den Stand ihrer Entwicklung angeben.

etc..

Symbolhaftes Denken und Metapher

Materialismus – Welt der Eindeutigkeit

Dass alles in Verbindung mit jedem anderen Ding steht ist andererseits nicht das Wesen der materialistischen Weltanschauung, mit ihrer Eindeutigkeit, ihrer Objektivität. Aus ihrer Sicht erscheint metaphorisches Denken wie eine trickreich-amüsante Geschicklichkeit ohne größeren Nutzen.

Metaphern ersinnen

Doch die Quelle für Metaphern ist symbolhaftes Denken. Das In-Verbindung-Bringen von Dingen, die für den „realistisch und geradlinig Denkenden“ nicht zusammengehören. Symbolhaftes Denken bedeutet, es für normal zu halten, dass gedankliche Verbindungen prinzipiell in allem bestehen können – oder jederzeit hergestellt werden können.

Metaphorisches Denken geht aus einem Gefühl hervor, nämlich dem, dass die sogenannte Realität nicht eindeutig ist. In den unendlichen begrifflichen Verbindungen liegen Welten jenseits des normal Sichtbaren.

Siehe auch: Symbolismus – was ist das? Symbolhaftes Denken

der Nutzen der Metapher

Der Nutzen der Metapher erscheint damit hinreichend beschrieben. Die Metapher beschreibt die Realität genauer, als es das „eindeutige, realistische und geradlinige Denken“ vermag. Die Metapher macht einen Aspekt der Realität deutlich, den man ohne weitere Beschreibung, im Wort selbst, nicht finden kann..

Die Metapher beleuchtet anders, manchmal neu.

Die Metapher eröffnet Welten der Phantasie und der Assoziation. Die Metapher ist ein Türöffner zu neuen und ungewöhnlichen Verständnis-Welten.

 

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Die Metapher – wozu ist es gut, in Metaphern zu denken? was last modified: April 6th, 2016 by Henrik Geyer

Effektivität und Effizienz in Kunst und Kultur

Effektivität und Effizienz in Kunst und Kultur

Ich hatte neulich eine Diskussion über Effektivität und Effizienz in der Kunst. Es hieß, dass Effektivität und Effizienz auf der einen Seite, sowie Kunst auf der anderen Seite, nicht recht zusammenpassen.

Ist das so?

Was ist der Unterschied zwischen Effektivität und Effizienz?

der Unterschied zwischen Effektivität und Effizienz lässt sich wie folgt beschreiben:

Effektivität fragt, ob die Ziele richtig sind. Was will man überhaupt erreichen. Ist das, was getan wird, geeignet, den gewünschten Effekt hervorzurufen?

Effizienz fragt nach dem Verhältnis des Resultates zu den eingesetzten Mitteln – werden die Ziele mit einem guten Verhältnis von Einsatz und Ergebnis (Effekt) erreicht?

Effektivität und Effizienz in der Kunst

Die großen Künstler waren und sind produktiv …

… was auf Effizienz schließen lässt. Große Künstler haben Wege gefunden (oder erfunden), die Herzen ihres Publikums zu erreichen – was auf Effektivität schließen lässt.

Man denke an Picasso, Dahli, Rembrandt, Dumas und viele andere.

Kunst ist für die Kunst-Konsumenten da

Der Erfolg der Kunst wird letztlich am Erfolg beim Publikum gemessen. Das ist so selbstverständlich wie: Ohne Huhn kein Ei – und ohne Ei kein Huhn. Ohne Blüte keine Biene – ohne Biene keine Blüte.

(ähnliches Thema: Was war eher da – Ei oder Henne? Über ein Paradox.)
Der Künstler will beim Publikum ankommen. Der Künstler will den Erfolg.

Die Worte von Künstlern, die sagen, sie machten Kunst nur für sich, darf man getrost überhören. Würden sie nur für sich selbst arbeiten, würde man ihre Kunst auch nicht kennen  – ihre Worte blieben ungehört.

Kunst, die auf keine Resonanz trifft, endet.

Effektivität: welche Wirkung kann ich erzielen / worauf arbeite ich hin?

So muss sich jeder Künstler fragen, was er will und worauf er hinarbeitet. Welche Fertigkeiten benötigt er, um Menschen an seiner Kunst zu interessieren? Was will er erreichen?

Was muss er können – und was muss er nicht können, um den von ihm gewünschten Effekt zu erzielen?

Effizienz

Wie schnell man arbeitet, wie viel man erschaffen kann, ist wichtig für den Künstler.

Erstens ist der Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg manchmal hauchdünn – man kann am Ende nicht genau sagen, woran es lag, dass man Erfolg hatte, oder woran Pläne scheiterten. In der Regel muss man einfach viel versuchen. Manches hat keine Wirkung. Jedoch ist ein gelungenes Werk immer auch ein Multiplikator. Es schafft Aufmerksamkeit – Menschen sehen es und interessieren sich für mehr.

Zweitens übt jeder Schaffensprozess. Was der Künstler ausdrücken möchte, wird ihm selbst klarer, zugleich wird der Ausdruck seiner Kunst klarer, direkter, besser, reiner. Und damit wird die Chance, beim Publikum anzukommen, höher.

Drittens ist die Zahl der (guten) Arbeitsresultate dafür entscheidend, wie schnell der Künstler bekannt wird und Erfolg hat. Zeit ist immer ein wichtiger Faktor – für jede Art von Erfolg

Viertens erschafft der Künstler mit gelungenen Werken einen Markt. Es ist ihm daher angelegen (und in der Realität ja auch stets zu beobachten), dass er aus dem, womit er Erfolg hat, umgehend viele Varianten erschafft.

Fünftens kommt es auf Effektivität des künstlerischen Werkes selbst an. Ein pointiert geschriebener Text ist spannend, ein berührendes Bild ist interessant. Für Theaterstücke oder Filme gilt das gleichermaßen. Wir kommen insofern auch auf Punkt Zwei zurück.

Resüme: Effektivität und Effizienz sind auch in der Kunst wichtig …

… allerdings gibt es in der Kunst keine fertigen Maßstäbe dafür. Was ein Künstler „zu produzieren hat“ – das ist weitgehend offen. Es gibt keine fertigen Pläne, es gibt keine fertigen Übersichten – das Wesen eines künstlerischen Prozesses ist es, Neues zu erschaffen, kreativ zu sein.

Dennoch ist jeder Künstler gut beraten, einen effektiven und effizienten Weg für seine kreativen Ziele zu finden.
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Effektivität und Effizienz in Kunst und Kultur was last modified: April 2nd, 2016 by Henrik Geyer

Kreativ sein – die 80 % Regel

Kreativ sein - die 80 % Regel

Kreativ sein – wie geht das? Ausgehend von meinen Erfahrungen als Autor hier eine grundsätzliche Überlegung, die ebenso Gültigkeit hat für jede Kunstform.

Wir können nichts wahrnehmen jenseits der Begriffe, die in uns sind.

Man muss sich darüber klar sein, dass alles was man auffassen kann, nicht völlig neu sein kann. Alles, was das Ich begreifen kann, muss es mit den ihm eigenen Begriffen auffassen.

Das Wissen (oder ist es Glaube?) über das, was die Dinge sind, formt, was das Ich in ihnen sehen kann.

Der Leser sucht das Bekannte

Zurück zum Konkreten.

Zwar sucht der Buchleser das Unbekannte, die neue Erfahrung, aber immer nur in dem (sehr engen) Rahmen dessen, was ihm bereits bekannt ist.

Man mag das an sich selbst beobachten: Zeitungsartikel vergleicht man mit dem, was man für wahr hält. Bücher sucht man nach den Vorlieben aus, die man schon hat.

Zu kreativ zu sein, im Sinne von: komplett neue Welten zu entwickeln, sich „auszuspinnen“, ist daher kein Erfolgsrezept. Der Konsument jeder Art von Kunst muss auf die Ressourcen zurückgreifen können, die er hat. Was nützt es ihm, eine Kunstform präsentiert zu bekommen, die er nicht begreift?

Raum für Deutungen lassen

Auch deshalb ist es ein überaus wichtiger Teil des Kreativ Seins, Raum für Deutungen zu lassen, nicht zu klar werden zu wollen. Man denke an Lyrik – jeder findet seine eigene Welt in ihr, nicht die des Dichters. Das Mystische und Rätselhafte ist immer ein wichtiger Teil von Kunst. Der Leser nimmt das Mystische überaus dankbar auf, als Raum für die eigene Phantasie. Es erleichtert ihm, sich anzueignen, was der Dichter eigentlich aus seiner eigenen Vorstellungswelt heraus schrieb – und es macht ihn neugierig.

der Autor sucht den Leser

Braucht der Autor den Leser so dringend? Schreiben kann man doch erst einmal ohne!

Jede Kunstform, die keine Beachtung findet, endet. Oder hat sie schon geendet? Wer will eine Aussage über etwas Unbekanntes machen?  Siehe auch Artikel zum Thema: Alles und Nichts – kann das Alles zugleich das Nichts sein?

Kurz: der Autor braucht die Leser. Ohne Leser kein Buch.

Weil der Autor den Leser benötigt, ist gibt es ein Spannungsfeld des Kreativ Seins –  zwischen der grenzenlosen Phantasie des Autors, und dem, was der Leser an Neuem aufnehmen kann – und will.

Kreativ sein: 80 % Bekanntes, 20 % Neues

Wenn man kreativ ist, dann ist es eine gute Regel, nur 20 % dessen was man kreiert, erfindet, erschafft, völlig neu sein zu lassen. Alles andere sollte den geistigen Inhalten des „gesellschaftlichen Wissens“, dem Bekannten, oder sagen wir dem „kollektiven Unterbewusstsein“, entstammen.

Man denke an den Film „Krieg der Sterne“. Für seinen Zukunfts-Sternenkrieg hat der Regisseur George Lucas so viele Anleihen bei der Vergangenheit gemacht, dass uns das Szenario bekannt vorkommt, wenn auch in eine funkelnde, neue Form gebracht. Jedes Detail sagt uns etwas, jeder Name ist assoziativ. Man denke an Darth Vader – den dunklen Vater. Oder an den kleinen und doch so weisen Yoda, der uns an die Worte Jota (wie klein), oder Yoga erinnert. Oder man denke an eine eigentlich uralte Waffe, das Schwert – in diesem Film ist es nicht aus Stahl, sondern aus Licht. Oder man denke an die Abwehrgschütze der Sternenflotte, die nicht zufällig wie Flak-Geschütze aus dem zweiten Weltkrieg aussehen. Man denke auch an das Aussehen von Darth Vader, das, wiederum nicht zufällig, dem Auftreten von Nazi-Größen nachempfunden ist.

Kreativ sein – Würfelbecher der Gedanken

Es ist viel besser, den Leser, den Zuschauer, den Kunstinteressierten, an das zu erinnern was er schon weiß. Zu verlangen, dass sich der Leser  etwas völlig neu aneignen muss, führt einfach zu einem sehr eingeschränkten Leser-Kreis.

Man bedenke auch, dass unsere Vorstellung von Wahrheit so funktioniert, dass wir alles mit dem vergleichen, was wir bereits kennen. Womit sonst? Der so wichtige Aspekt der Authentizität eines Kunstwerkes hängt also davon ab,  dass der Konsument sich in dem wiederfindet, was er konsumiert.

Der Leser, der Beschauer – er muss mit, auf die geistige Reise. Der Autor sucht die Leser, der Kinofilm sucht die Zuschauer. Ohne Leser kein Buch. Ohne Zuschauer kein Film.

Kreativ sein gleicht eher einem Würfelbecher, in dem das Neue sich als die Synthese des Wohlbekannten ergibt, nicht einem Quell, dem völlig Neues entspringt. Man sollte nicht vergessen, die 80 % / 20 % Regel im Hinterkopf zu behalten.

 

Siehe auch Artikel zum Thema: Kreativität – der in uns sprudelnde Quell der Schöpfung

Kreativ sein – die 80 % Regel was last modified: Februar 10th, 2016 by Henrik Geyer

Suche nach Kreativität – Wie ich zum Schreiben kam

Suche nach Kreativität - Wie ich zum Schreiben kam

Wie kam ich zum Schreiben? Es war eine Suche nach Kreativität … ich fragte mich: Was ist Kreativität, wie drückt sie sich aus? Was ist wirklich neu in der Welt?

In „Alles ist Geist“ beschrieb ich eine persönliche Erfahrung, die ich so formulierte: „Das Denken ist die Realität“ – sie steht im Gegensatz zu: Das Denken spiegelt die Realität wieder. Eine Facette dieser Überlegung ist: Was ist etwas völlig Neues? Was ist kreativ – schöpferisch im eigentlichen Sinn?

Weil die Überlegung „Das Denken ist die Realität“ zu diesem Zeitpunkt mein Leben neu formte, war es mir wichtig, der Frage nach Kreativität auf die Spur zu kommen.

Was ist der Knackpunkt?

Die Frage „was ist Kreativität“ wird vielen vielleicht nicht besonders interessant erscheinen – ist denn nicht bereits bestens bekannt, was Kreativität ist??

Für mich nicht. Ein sehr treffendes Arthur-Schopenhauer-Zitat formuliert, was hinter der Frage steckt:

Denken können sehr Wenige, aber Meinungen wollen Alle haben: was bleibt da anderes übrig, als daß sie solche, statt sie sich selber zu machen, ganz fertig von Andern aufnehmen? – Da es so zugeht, was gilt noch die Stimme von hundert Millionen Menschen? – So viel wie etwa ein historisches Faktum, das man in hundert Geschichtsschreibern findet, dann aber nachweist, daß sie alle einer den andern ausgeschrieben haben, wodurch zuletzt alles auf die Aussage eines Einzigen zurückläuft.

Schopenhauer weist damit auf die Tatsache hin, dass doch vieles von dem, was wir als „persönliches Wissen“ zu haben glauben (so als hätten wir es selbst entdeckt und wüssten es daher ganz zuverlässig), übernommen ist, oft aus letztlich nicht benennbaren Quellen.

Wir reden die Dinge zwar wieder und wieder, glauben an eine besondere Beweiskraft wenn viele Menschen dasselbe sagen. Doch – wie Schopenhauer es formuliert – welche Beweiskraft hat die Stimme von hundert Millionen Menschen wirklich? Letztlich keine besondere – alles führt zurück auf eine subjektive Sichtweise.

Was ist nun auch Kreativität eigentlich, wenn „der eine vom anderen nur abschreibt“, anders ausgedrückt: die vorgefundenen geistigen Inhalte übernimmt und bestenfalls neu formt?

(Schopenhauer bezieht sich in dem Zitat auf Geschichtsschreibung, aber was er sagt, gilt letztlich für jeden Wissensbereich. Man denke an die Wissenschaft, oder bereits an die Sprache selbst, in der die Bedeutungen all dessen, was sagbar ist, bereits vorgegeben sind. Was genau ist völlig „neu“?)

Suche nach Kreativität – Neugierde auf Schöpfertum

Ich wollte ein Buch schreiben und mir selbst diese Frage beantworten. Ich begann zu schreiben. Weil das Zentrum meines Interesses damals das Nachdenken über die Welt war, war es ein philosophisches Buch, das da entstand; es war „Alles ist Geist“.

Das Thema, so fühlte ich, war in dieser Form nur in mir – das war es auch, was ich wollte. Allbekanntes neu zu formulieren, kam mir nicht interessant genug vor – es schien auf der Suche nach Kreativität auch nicht wirklich weiter zu führen. Es sollte auch kein Fantasy-Buch sein; als nützlich und interessant empfand ich Philosophie.

Siehe auch Artikel zum Thema: Ist Philosophie Wissenschaft? Warum Philosophie die wichtigste Wissenschaft ist.

Es dämmerte mir allerdings erst nach und nach, dass der unwillkommene Umkehrschluss dieser Neuartigkeit ist, dass sich das Thema im Grunde dem normalen Verständnis entzieht. Der Spirealismus, den ich in „Alles ist Geist“ erstmalig formulierte, besagt selbst, dass Voraussetzung für ein wirkliches Verständnis ein fundamentales Neubegreifen der selbstverständlichsten Worte ist – eine „Überwindung des Materialismus“, wie ich es nannte. Aber welcher Leser will so etwas?

Zögerlich wurde mir klarer, wie schwierig es für den Leser ist, Begriffe jenseits des normalen Verständnisses (neu) aufzufassen, und wie selten man sich darauf einlassen wird. Mir wurde auch klar, dass diese Form der Kreativität den Nachteil hat, nicht besonders populär sein zu können. Denn bei aller Kreativität sucht der Lesende doch das Bekannte – und der Schreibende sucht letztlich den Lesenden.

Siehe auch Artikel zum Thema kreativ sein : Kreativ sein – die 80 % Regel

Jedoch wurde durch meine ganz praktisch angegangene Suche nach Kreativität tatsächlich bewusster, was Kreativität überhaupt ist und wie man sie lebt.

Suche nach Kreativität – Wie ich zum Schreiben kam was last modified: Februar 10th, 2016 by Henrik Geyer

Martin Eden – die negative Seite der Erkenntnis

Henrik Geyer Martin Eden - die negative Seite der Erkenntnis. Martin Eden - Roman von Jack London. In Jack Londons Roman "Martin Eden" will ein einfacher Mann Schriftsteller werden. Sein Werdegang ist ein Weg der Erkenntnis, der ihn verzweifeln lässt..

Jack Londons Roman „Martin Eden“ beschreibt den Werdegang eines jungen Matrosen, der Schriftsteller werden möchte.

Gekonnt wie fast immer beschreibt London diesen Werde-Gang als einen Erkenntnisprozess, getrieben von dem unstillbaren Hunger des jungen Mannes, alles zu lernen was nötig ist, jede Bürde und jede Mühe auf sich zu nehmen, um schließlich als Schriftsteller erfolgreich zu werden.

Der Roman hat autobiografische Züge – es ist durchaus Londons eigene Geschichte.

Martin Eden und die Phase der Unschuld

Am Anfang ist Martin Eden fasziniert von der Welt der Intellektualität, der Worte, der Wahrheit wie er glaubt. Er muss viel lernen, damit aus dem unbeholfenen Slang des Seemanns Sätze werden, die gelesen werden.

Dann ist da der Zwang, ein Einkommen zu haben, der  ihn immer wieder vom Schreiben abbringt, hin zu einer Beschäftigung, die zwar Geld, aber keine geistige Erneuerung bringt.

Für sein Schreiben setzt Martin Eden alles ein und alles aufs Spiel – auch sein Liebesglück mit der Frau seines Herzens. Die fordert von ihm, endlich eine Stellung anzunehmen. Doch Eden ist starrköpfig. Eine Stellung anzunehmen würde die Aufgabe seines Planes, Schriftsteller zu werden, bedeuten. Er allein glaubt an sich – und scheinbar niemand sonst.

Martin Eden – „ausgeschrieben“ & Erfolg bahnt sich an

Er schreibt und schreibt. Seine Manuskripte kommen aus den Redaktionen der Magazine zurück. Man will sie nicht.

Seine Manuskripte werden von Freunden und Verwandten gelesen. Man findet ganz gut, was er schreibt. Man findet es manchmal aber auch verstörend, ungehörig, zu direkt. Eden schreibt zu „straight“ für viele seiner Angehörigen und Bekannten – etwa so, wie es die Art und Weise von Jack London selbst war.

Und sie fragen sich insgeheim: Kann wirklich gut sein, was niemand liest? Den Vertrauten seines Umfeldes bleibt das das Wichtigste. Alle müssen gut finden, was er schreibt, denn nur das, was alle gut finden, das kann dann auch gut sein. Daher ist ihr wichtigster Maßstab das Äußerliche, der Ruhm, das Geld in der Kasse, und nichts anderes.

 

Irgendwann ist Martin Eden „ausgeschrieben“. Er ist fertig, in ihm ist nichts mehr.

Zitat:

„I have done— Put by the lute.

Song and singing soon are over

As the airy shades that hover

In among the purple clover.

I have done— Put by the lute.

Once I sang as early thrushes

Sing among the dewy bushes;

Now I’m mute.

I am like a weary linnet,

For my throat has no song in it;

I have had my singing minute.

I have done. Put by the lute.“

 

Jetzt kann Martin Eden seine Manuskripte nur noch vermarkten.

Die Erkenntnis

In diesem Augenblick kommt der Erfolg. Ein Buch, das er verkaufen kann, wird von den Lesern angenommen. Plötzlich kommt er in die Magazine. Was er über Jahre schrieb, ist plötzlich begehrt. Er kann alle Manuskripte verkaufen – zu seinen eigenen Bedingungen verkaufen.

Von einem Tag auf den anderen ist Martin Eden beliebt, erhält Zustimmung, ist wohlhabend, wird bei seinen Feinden eingeladen, ist jetzt ihr Freund. Er erkennt, dass man in ihm, dem Schriftsteller, zuallererst den Erfolg sieht, nicht das, was in ihm ist. Denn der erfolglose Eden ist mit dem erfolgreichen Eden völlig identisch – lediglich in den Augen seines Umfeldes hat er sich komplett gewandelt.

Eden erkennt, dass er in den Augen der Menge etwas ganz anderes ist, als der wirkliche Eden. Etwas Erfolgreiches, aber auch etwas sehr Triviales und Durchsschnittliches. Das lässt ihn verzweifeln. Denn diese Erkenntnis löst seine Ideale auf, derenthalben er das Schreiben überhaupt angefangen hatte.

Auch sein Ideal von der Liebe ist zerstört. Seine Geliebte hat sich kurz vor seinem Erfolg von ihm getrennt. Jetzt, da er erfolgreich ist, möchte sie zu ihm zurück. Auch sie sieht nichts anderes in ihm, als das Äußerliche …

Der Roman endet in einer Tragödie – Martin Eden nimmt sich das Leben.

Es führt kein Weg zurück

Ich hatte an anderer Stelle über Erkenntnis geschrieben, über Platos Höhlengleichnis, und die darin zum Ausdruck kommende Tatsache, dass der Weg der Erkenntnis unumkehrbar ist. Der Roman „Martin Eden“ illustriert sehr schön diese Unumkehrbarkeit, und er macht auch deutlich, aus welchem Grund  sich mancher, der Erkenntnis erlangt, wünscht, die alte heile Welt möge sich wieder herstellen lassen.

 

 

Martin Eden – die negative Seite der Erkenntnis was last modified: Januar 10th, 2016 by Henrik Geyer