Macbeth Interpretation – die Frage nach dem Schicksal

Macbeth trifft drei Hexen [SPID 4664]

Die Tragödie Macbeth von William Shakespeare ist ein äußerst komplexes und zugleich spannendes (Bühnen-)Stück, mit vielen weltanschaulichen Aspekten.

Für mich ist die Frage nach dem Schicksal und der Ursächlichkeit des menschlichen Handelns das zentrale Thema bei Macbeth.

In Macbeth wird die Frage nach der Zwangsläufigkeit von Vergangenheit und Zukunft gestellt – und mit der Betrachtung des menschlichen Individuums, bzw. von dessen Willen, verwoben. Die Tragödie Macbeth lenkt die Gedanken auf die Frage: Ist das Ich (bin ich), ein zwangsläufiges Produkt meiner Vergangenheit? Und wird nun, ebenso zwangsläufig, aus diesem SEIN, auf einer vielleicht unbeeinflussbaren „Schiene“, (meine) Zukunft?

Macbeth – zur Handlung

Macbeth, ein junger und aufstrebender schottischer Adliger, von einer siegreich geführten Schlacht kommend, begegnet drei Hexen. Sie prophezeien ihm, dass er bald König sein werde.

Macbeth reitet sinnend davon. Das kommt für ihn überraschend, er schwankt zwischen Freude und Furcht, zwischen Glauben und Unglauben. Wie viel ist die Prophezeiung von Hexen wert? Und … es kann nur einen König geben – was wird aus dem jetzigen König, der der Freund Macbeths ist?

Letztlich setzt sich der Gedanke bei Macbeth fest: Er kann König sein. Seine Frau (Lady Macbeth), als sie von der Prophezeiung erfährt, bestärkt und ermutigt ihn. Macbeth soll das tun, was nötig ist um König zu werden – und Lady Macbeth wird seine Königin. Der Weisheit letzter Schluss ist, den jetzigen König zu ermorden – das sei der einzige Weg, damit das Schicksal seinen Lauf nehmen kann, glauben beide.

Und das Schicksal nimmt tatsächlich seinen Lauf – es wendet sich. Zwar erfüllen sich die Prophezeiungen der Hexen nach und nach, Macbeth wird König, nachdem er den Herrscher, seinen Freund, ermordete. Doch aus einem beliebten, in der Schlacht erfolgreichen und bewunderten jungen Macbeth, wird ein allseits gefürchteter Feind der Gesellschaft; ein Mann, den seine Dämonen verfolgen und der des Nachts aus dem Schlaf auffährt, denn die Schreckensbilder seiner ermordeten Freunde, die, wenn sie dem alten König treu waren, nun seine Feinde sind, lassen ihn nicht zur Ruhe kommen. Die Hofschranzen, die er um sich versammelt, sind verachtenswerte Kreaturen, die niemandem treu sind – wären sie es, könnten sie nicht am Hof des Verräters dienen. Macbeths Psyche wird zunehmend zerfahren, er fühlt sich verfolgt. Seine bösen Geister lassen ihn nicht mehr zur Ruhe kommen und bringen ihn an den Rand des Wahnsinns. Macbeths Welt – das sind nun Verrat, Mord und Hass.

Doch auch über das persönliche Schicksal Macbeths hinaus reicht die Prophezeiung der drei Hexen, welche sich als eine schlimme Zukunftsvision entpuppt – einem Fluch viel ähnlicher denn einem Segen, wie Macbeth zuerst dachte. Der Verrat und der Unfriede im Inneren hat Unfrieden im gesellschaftlichen Außen zur Folge. Die Armee Englands rückt nach Schottland vor, um den geschwächten König zu entthronen. Die Armeen treffen aufeinander … und auch das Schicksal der Länder nimmt seinen Lauf.

Die weltanschauliche Fragen

Die Prophezeiung der Hexen stimmt also, wie die Tragödie uns zeigt. Die Worte der Hexen werden zur Realität. Aus Worten wird Sein – und Nomen est Omen. War DER GRUND für die Prophezeiung der Hexen nun die Vision einer festen Zukunft? Oder war die Prophezeiung DER GRUND für die Realisierung der Zukunft … in dieser spezifischen Form?

Ist die Zukunft fest oder verschwommen? Man könnte auch sagen, dass es bei Macbeth letztlich um die Frage nach Kausalität ganz allgemein geht. Was wäre geschehen, wenn Macbeth den Hexen nicht begegnet wäre?

  1. Das Wesen einer Prophezeiung ist es ja eigentlich, mit einer gewissen Zwangsläufigkeit einzutreten – eintreten zu müssen. Ist Macbeth nun Werkzeug des Schicksals und glaubt nur, nach seinem eigenen Willen zu handeln? Was ist Wille? Kommt die Zukunft durch unabänderliche Umstände zu Stande, die sich dem Menschen auf trügerische Art als dessen freier Wille im Jetzt darstellen? Oder hat der Einzelne tatsächlich die Macht, sein Schicksal zu bestimmen?
  2. Welche Rolle haben die Verkünder des Schicksals, die Hexen, für das Schicksal? ERZEUGEN die Worte der Hexen eine Chance auf Realisierung? Was ist Wahrscheinlichkeit? Wird eine Wahrscheinlichkeit erzeugt, indem man Worte sagt? Zitat Einstein: „Erst die Theorie bestimmt, welche Beobachtung sich machen lässt.“
  3. Und noch weitergehende Fragen lassen sich formulieren: Wenn nun das Gespräch Macbeths mit den Hexen stattgefunden hätte, ohne dass der Zuschauer des Stücks davon Kenntnis erhalten hätte – wie hätte sich die Handlung dann für ihn, für den Zuschauer, dargestellt? Anders gesagt: Ein Phänomen, für das man den Grund nicht kennt, nennt man Zufall. So wäre also Macbeths Schicksal Zufall – aus der Sicht des Zuschauers, vorausgesetzt, dieser würde das Gespräch mit den Hexen nicht kennen. Hat er aber Kenntnis von dem Gespräch, dann glaubt er im Besitz eines Grundes zu sein. Und nun die große Frage: Ist, was Macbeth widerfährt, Zufall … denn, ob der Zuschauer vom Zusammentreffen Macbeths Kenntnis hat oder nicht, dürfte doch in der Sache gar keine Rolle spielen! Oder etwa doch? Ist Zufall vielleicht nur eine Sichtweise und es „gibt“ den Zufall eigentlich gar nicht?

 

Die Tragödie Macbeth wirft diese Fragen auf intelligente und höchst spannende Art und Weise auf, beantwortet sie aber nicht. Im Grunde ist die Geschichte von Verrat und Mord am Königshof ein Krimi, der sich in ungezählten Varianten in der Geschichte zutrug, und der sich, auf weniger spektakuläre Weise, täglich in unser aller Leben abspielt. Wir können uns selbst genauso gut fragen: Was ist der Grund für die Dinge, die wir tun? Was ist unser Schicksal? Wie hängt unser Schicksal mit den Gedanken zusammen, die wir jetzt, in diesem Augenblick, denken? Können  wir unser Schicksal durch Gedanken ändern? Wie?

 
Siehe auch: Artikel Spirealismus

Lesen Sie auch: Artikel Franz Kafka – das Schloss … eine Metapher für Gott

Macbeth Interpretation – die Frage nach dem Schicksal was last modified: Februar 7th, 2017 by Henrik Geyer

Ist das Leben nicht schön? Das Leben ist schön!

Ist das Leben nicht schön? Das Leben ist schön! - 3 [SPID 4550]

Einer der spirituellsten Filme, gleichzeitig ein sehr unterhaltsamer Familienfilm, ist „Ist das Leben nicht schön?“, ein amerikanischer Spielfilm von 1946, mit James Stewart und Donna Reed in den Hauptrollen.

Ist das Leben nicht schön? dreht sich um das Leben, um Verzweiflung, um Zweifel überhaupt (Verzweiflung=Zweifel). Und es geht um die Wieder-Erlangung von Glauben, was gleichzusetzen ist mit irdischem Glück. Es geht um den Glauben an die Liebe, an Selbstwirksamkeit, an das Gute.

Ist das Leben nicht schön? Das Leben ist schön! - 4 [SPID 4551]
Ist das Leben nicht schön? Das Leben ist schön!  George versagt sich den Traum seines Lebens – eine Reise rund um die Welt, um die heimatliche Firma seiner Eltern vor dem Ruin zu retten. Hier ist George gerade dabei, einen Koffer für seine Reise zu kaufen – eine Reise, die er nie antritt.
George Bailey (Stewart) ist ein guter Mensch, er opfert seine Träume für die Dinge, die zu tun er für seine Pflicht hält. So denkt George Bailey eben: in Kategorien von Pflichterfüllung und Sorge um andere. Daher geht er nicht auf Weltreise, wie er eigentlich wollte und wie es sein Traum war, sondern bleibt zu Hause und hilft, die ständig notleidende karitativ geführte Sparkasse im Familienbesitz zu retten.

Seine tiefsitzende Güte ist ihm Karrierebremse, soviel bekommt George selbst schon mit! Während Freunde und Verwandte ihre Träume in aller Welt realisieren, ist George zu Hause, in seiner kleinen Stadt; ist eingebunden und angebunden.

Doch die Kräfte des Bösen wollen die kleine Sparkasse vereinnahmen, George aus dem Weg räumen. In seiner dunkelsten Stunde verzweifelt George so, dass er sich das Leben nehmen, und im weihnachtlichen Schneegestöber von einer Brücke springen will. Alles erscheint ihm sinnlos: die Arbeit von Jahren scheint zerstört, sein Glaube an das Gute erscheint in diesem Licht wie Dummheit und Schwäche.

Ist das Leben nicht schön? Das Leben ist schön! - 2 [SPID 4549]
Ist das Leben nicht schön? Das Leben ist schön! George ist verzweifelt – er will in diesem Moment, im weihnachtlichen Schneegestöber, von einer Brücke springen.
Doch da tritt ein Engel in Georges Leben – er errettet ihn vor der Verzweiflung durch einen magischen Trick: Er zeigt ihm, wie die Welt aussähe ohne George Bailey. Er zeigt ihm, wie die kleinen guten Taten von George ihre Wirkung entfalteten, wie sie wieder Früchte trugen, um an ganz anderer Stelle erneut zu Liebe zu werden. An Stellen weit außerhalb von Georges erdgebundenem Blick – er hätte das nie erkannt, wenn sein guter Engel es ihm nicht gezeigt hätte. Es waren gute Taten, die weiter getragen wurden … und anderswo wieder Güte hervorbrachten.

Das zu sehen gibt George seinen Lebensmut zurück, macht ihn froh und stark. George kann wieder an die Liebe und an das Gute glauben. Er kann wieder leben, kann wieder kämpfen.

Ganz konkrete Früchte brachte sein Wirken für ihn aber auch: er hat viele Freunde – viel mehr als er dachte! Und die sind mehr als bereit, ihm in seiner Not beizustehen.

Happy End, was sonst! Ein wunderbarer Film für Weihnachten.

Ein fröhliches Weihnachtsfest und wunderschöne Feiertage für alle, die auf diesem Blog vorbeischauen! Ihr Henrik Geyer

Ist das Leben nicht schön? Das Leben ist schön! - 1 [SPID 4548]
Ist das Leben nicht schön? Das Leben ist schön! George kann sich wieder freuen – er findet selbst Anerkennung und findet in sich Dankbarkeit, für die Dinge, wie sie sind.
Ist das Leben nicht schön? Das Leben ist schön! was last modified: Dezember 24th, 2016 by Henrik Geyer

Philip K. Dick – die rote und die blaue Pille, Tore zu verschiedenen Universen

Philip K. Dick - die rote und die blaue Pille, Tore zu verschiedenen Universen [SPID 4408]

Wenn es um den Sinn für das Paradoxe geht (auch manchmal provokativ-drastisch Mindfuck genannt), dann ist Philip K. Dick unbedingt zu nennen. Er ist einer der Menschen, die geradezu ihr ganzes Leben dem Ergrübeln des Wesens der Realität widmeten.

Die rote und die blaue Pille – Tore zu verschiedenen Universen

In dem Film „Matrix“ wird der Held Neo mit der Tatsache konfrontiert, dass, welche Art von Welt er bewohnt, eine Frage der Medikation ist. Je nach Art der Pille, die er schluckt (ihm wird eine rote und eine blaue Pille zur Auswahl gestellt), wird sich seine Realität formen. Und: es wird eine jeweils ununterscheidbare Realität sein …. ununterscheidbar von einer anderen, richtigen, wirklichen Realität.

Anders gesagt: Realität ist Realität, es gibt nur eben verschiedene Realitäten. Nicht die Realität ist Eins – wir Menschen sind eins, und die Realitäten in uns sind Viele …

Die blaue Pille wird ihn in eine Welt des Komforts gleiten lassen, die rote Pille hingenen wird ihm die ganzen Möglichkeiten offenbaren, die die Realität anzunehmen in der Lage ist. Das wird ungemütlich, aber auch interessant! Mit Hilfe der roten Pille wird er sehen, wie tief „das Kaninchenloch“ ist, das von der oberflächlichen Welt in die dahinterliegenden Universen führt. Das „Kaninchenloch“ (rabbit hole) ist übrigens wiederum ein Zitat aus „Alice in Wonderland“, der Geschichte eines Mädchens, das, einem Kaninchen in dessen Bau folgend, in eine unterirdische, abenteuerlich-märchenhafte Traumwelt gerät.

Philip K. Dick hat nicht das Script zum Film Matrix geschrieben, aber der Film ist wie eine Aneinanderreihung von Sujets des berühmten Autors.

Philip K. Dick

Philip K. Dick war ein amerikanischer Autor, der sich um die Science Fiction Literatur sehr verdient gemacht hat. Seine Bücher führten mehrfach zu großartigen Filmen, beispielsweise dem Film Blade Runner, oder dem Film Minority Report.

Philip K. Dick war drogenabhängig, was manchen seiner Kritiker dazu verführt, den Wert des Schaffens Dicks gering zu nennen. Doch Dick war ein Visionär; die Frage „Was ist die Realität?“ war sozusagen das Thema seines Lebens. Und, wie sehr viele große Schriftsteller, die letztlich abhängig von Drogen waren, meist Alkohol, war auch er ein Manipulator des Geistes – und konnte daher aus erster Hand davon berichten, dass das, was gemeinhin „die Realität“ genannt wird, gar nicht Eins ist, sondern Vieles.

Man könnte auch sagen, dass er seine Drogensucht in einer konstruktiven und produktiven Weise verarbeitete. Ich glaube, dass die Visionen Dicks in mancher Hinsicht unverstanden und unterbewertet sind – wer diesen Blog kennt, wird das sicher verstehen. Denn hier geht es ja häufig, im Rahmen des Spirealismus, um die Realität. Was Dick oft als Frage formuliert, ist mir Grundüberzeugung, und ich glaube, dass, wenn die Menschen erst wirklich begreifen, dass „die Realität“ nicht Eins ist, sich wichtige und revolutionäre Ableitungen daraus ergeben werden, und zwar auch ganz wissenschaftlicher Art. Dick hat einige davon visionär in seinen Büchern vorweggenommen.

Philip K. Dick war schwer tablettenabhängig, er benutzte Drogen jeweils, um arbeiten zu können, um schlafen zu können, um wach zu werden, etc.. Folgerichtig tauchte in seinen Büchern häufiger das Motiv auf, dass jemand eine Tablette schluckt, und daraufhin in einer andere Realität gerät, die ihr Real-Sein dadurch kenntlich macht, dass sie bis ins letzte Detail und in die letzte Konsequenz folgerichtig ist, nur eben auf eine fremd erscheinende Art.

Ubik

Ein für Dick typisches und sehr gut lesbares Buch ist Ubik.

Achtung Spoiler Ubik ist ein Mittel (Droge), das man einnimmt, um ganz bestimmte Realitäten zu erzeugen, andere zu verdrängen. Als hintersinniger Effekt des Buches wird dem Leser erst am Ende klar, dass das Mittel Ubik nicht in der wirklichen Welt eingenommen wird, sondern in der Welt, bzw. der Realität, von der der Leser bis dahin annahm, es sei die nicht-wirkliche. Und es fragt sich natürlich .. in welche Realität führt Ubik eigentlich? Die erste oder die zweite? Oder eine Welt der unendlichen Variabilität?

Blade Runner

Der Text, der dem Film Blade Runner zu Grunde liegt, trägt eigentlich nicht den Titel Blade Runner, sondern: Träumen Androiden von elektrischen Schafen?

Wie der Titel im Grunde schon verrät, geht es wieder um die Frage des Bewusstseins. Philip K. Dick setzt voraus, dass eine künstliche Intelligenz auch Willen und Wünsche haben muss; wovon träumt sie wohl? Was ist ihr eine notwendige Anschaffung (vielleicht ein künstliches/elektrisches Schaf?), was ist ihr ein Must-See, u.s.w.?

Interessant wird es in Blade Runner, wenn es um die tiefsinnige Frage geht, woran genau man künstliche Intelligenz erkennt, wenn man sie vor sich hat? Die Fabel, künstliche Intelligenz müsse weniger intelligent sein als der Mensch, entpuppt sich in diesen Tagen als falsch. (Man denke an Google, dem geradezu jede Frage gestellt werden kann, und diese Frage wird von Google in einer Weise beantwortet, wie das kein einzelner Mensch je könnte. Was Google fehlt, um als Mensch wahrgenommen zu werden, ist eine Art menschliche Stimme, doch, hat Google diese, wird Google zunehmend ununterscheidbar von einer „richtigen“ Intelligenz. Kommt jetzt noch ein Element hinzu, das man von jedem Menschen kennt: das Nicht-Vorhersagbare, man könnte auch sagen: der Zufall, dann wird eine solche vernetzte Maschinenintelligenz zu einem erfindungsreichen Partner, ununterscheidbar von einem „sehr klugen Typen“.)

Interessant ist in Blade Runner natürlich auch die Frage (die Philip K. Dick vielleicht als einer der ersten formulierte), welche moralische Einstellung der Mensch gegenüber künstlicher Intelligenz eigentlich einnehmen wird. Darf man sie einfach vernichten, in der Art eines Blade Runners, d.h., eines auf das Stilllegen von Maschinenmenschen spezialisierten Detectives .. eigentlich müsste man sagen: Killers?

Thema Blade Runner: Verloren wie Tränen im Regen

Eye in the sky – das Auge des Schöpfers

Eye in the Sky ist ebenfalls ein interessantes Buch von Philip K. Dick. Eine Gruppe von Personen wird durch einen Unfall in einer technischen Anlage in eine geistige Welt einer anderen Person hineinkatapultiert, eine Welt, in der religiöse Werte eine sehr direkte Macht bekommen. Gott existiert, und zuweilen erscheint sein Auge tatsächlich am Himmel. Gehaltsabrechnungen gibt es nicht, man muss um Geld beten, das dann wie Manna vom Himmel fällt. Autos fahren durch Gottes Kraft, man steuert sie durch Gebete.

Dieser Text erinnerte mich an die spirealistische Aussage, dass Wissenschaft und Religion im Grunde nicht verschieden sind. Beide begründen sich aus einem Funktionieren in der „wirklichen“ Welt – man kann nicht sagen, dass Religion nur Aberglaube sei, im Gegensatz zur objektiven Wahrheit der Wissenschaft, und zwar wenn man zweierlei (oder auch nur eins davon) irgendwann verstanden hat, bzw. am eigenen Leib erlebte:

Erstens gibt es keine objektive Wahrheit, es gibt nichts Objektives

Zweitens ist Religion wirksam, und zwar in dem Sinne, dass das, was man glaubt, auch die subjektive Realität ist. Umgekehrt kann man nichts anderes von der Wissenschaft sagen – auch der Glaube vieler Menschen (=Wissen) ist subjektiv, oder besser gesagt supersubjektiv; entscheidendes Kriterium der Wissenschaft ist, dass sie funktioniert.

 

Das Motiv in Eye in the Sky, dass die Menschen in der Vorstellung eines Dritten dessen subjektive Welt bewohnen, ist letztlich das spirealistische Konzept der Ich-Universen. Das Andere, z.B. andere Personen, Dinge etc., sind nie etwas anderes, als das, was der Einzelne subjektiv darüber denkt. So gibt es keine zwei völlig gleichen Ich-Universen, und die einzelne Sichtweise auf die Dinge und die Kausalität der Welt, unterscheidet sich stets.

Philip K. Dick formulierte das einmal so:

Zitat Dick: Die Science Fiction ermöglicht es dem Schreibenden, etwas, das eigentlich ein innerliches Problem ist, in eine äußere Umwelt zu projizieren; er tut das in Form einer Gesellschaft oder eines Planeten, und hier hausen jetzt praktisch alle, die vorher in dem einen Kopf gesteckt haben. Ich mache niemandem einen Vorwurf, wenn ihm dies nicht zusagt, denn der Kopf von so manch einem von uns ist nicht unbedingt der Ort, wo man sich gerne aufhält. Aber andererseits: Was für ein nützliches Werkzeug ist das doch für uns – um zu begreifen, dass wir nicht alle in derselben Weise das Universum sehen, ja gewissermaßen nicht einmal dasselbe Universum.

 

 

 

 

 

 

 

 

Philip K. Dick – die rote und die blaue Pille, Tore zu verschiedenen Universen was last modified: Dezember 6th, 2016 by Henrik Geyer

Gut ist böse, böse ist gut

Gut ist böse, böse ist gut - Dr. Manhattan sieht mehr [SPID 3992]

in diesem Artikel bespreche ich die philosophisch- spirituellen Aspekte des Films Watchmen und die Frage: gut und böse – was ist das?

Watchmen ist vordergründig ein Film um eine Gruppe Superhelden, die Watchmen. Der Film spielt in einer parallelen Realität, im Jahr 1985. Der Name Watchmen (Wachmänner) ist Programm, die Watchmen haben es sich zur Aufgabe gemacht, das Böse zu bekämpfen, und wo es geht, es auszumerzen. Und – man möge es glauben – sie sind wirklich nicht böse, sondern gut!

Gut ist böse, böse ist gut - völlig fremde Welten im Welten-Raum [SPID 3991]
Gut ist böse, böse ist gut – völlig fremde Welten im Welten-Raum

Watchmen ist kein „Kinospaß“

Ich habe den Film vor Jahren im Kino gesehen, er kam mir damals verworren, zynisch, gewalttätig und überlang vor. Er hatte aber eine faszinierende Bildsprache, wie ich damals fand. Entgegen zeitweiliger Impulse das Kino zu verlassen, blieben wir bis zum Ende.

Nun habe ich den Film noch einmal gesehen, habe auf Wikipedia die Geschichte der Watchmen gelesen, die ich vorher nicht kannte. Das hat mir manche Logiklücke geschlossen, und ich konnte die spirituell-philosophische Tiefe von Watchmen würdigen. Und die hat mich zutiefst beeindruckt, daher schreibe ich diesen Artikel.

Dennoch sei noch einmal gesagt: Watchmen ist kein Kinospaß, kein Actionkracher, kein Buddyfilm und auch eigentlich kein „richtiger“ Superheldenfilm, denn die Superhelden sind doch allzu menschlich. Watchmen ist oft explizit gewalttätig, enthält Sexszenen und ist oft, wie mancher es empfinden wird, zynisch.

Doch Watchmen ist ein bildgewaltiges Epos um Gut und Böse, und könnte (Erwachsene!) kaum mehr faszinieren. Seine Länge von über 2 Stunden ist eigentlich wohlbemessen. Der Film ist eine lange Meditation über Gewalt, den Kampf der Gegensätze in der Welt, und wie es dem Menschen möglich ist, sich daraus zu lösen.

Gut ist böse, böse ist gut - Liebe in Zeiten des Atomkrieges [SPID 3990]
Gut ist böse, böse ist gut – Liebe in Zeiten des Atomkrieges

3D Superhelden

Die Superhelden in Watchmen werden uns dreidimensional gezeigt – sie wollen wahrhaftig nur das Gute, doch erscheinen sie im Film teilweise alles andere als gut, oft alles andere als menschlich. Sie haben, um dem Recht Geltung zu verschaffen, ganz andere Mittel zur Verfügung als der Normalmensch, doch unterliegen sie den Zweifeln und den Schwingungen des menschlichen Gemütes. Und ihre Methoden reichen je nach charakterlicher Disposition von Splatterbrutalität (Rohrschach) zu philosophischer Gleichgültigkeit (Dr. Manhattan).

Und das Faszinierende ist: wir sehen den Superhelden-Charakteren dabei zu, wie sie sich entwickeln. Sie stellen sich Fragen, beantworten sie, kommen weiter…

Gut ist böse, böse ist gut - Kriegsverbrechen in Vietnam [SPID 3988]
Gut ist böse, böse ist gut – Kriegsverbrechen in Vietnam

Die Ambivalenz von gut und böse

Die Filmrealität von Watchmen spielt in einer Zeit des Vietnamkrieges, einer Zeit der nuklearen Konfrontation der Supermächte, in der die nukleare Apokalypse wie zwangsläufig, wie nur noch eine Minute entfernt, erscheint.

Die Superhelden werden von der Regierung im Vietnam-Krieg eingesetzt, wo sie ihre Pflicht tun, und die Kapitulation Nordvietnams herbeiführen. Doch sie machen sich auch die Hände schmutzig, werden Schuldige an Kriegsverbrechen – ganz ungewollt. So wie die Soldaten dieses Krieges … jedes Krieges.

Der faszinierende Comedian ist ein zynischer Realist – ihm macht es Spaß, gegen Verbrecher mit aller Härte vorzugehen. In Vietnam begeht er ein dem Zuschauer kaum erträgliches Verbrechen. Doch, wie der Film zum Ende hin zeigt, liegt auch im Comedian die Saat des Guten.

Dr. Manhattan hat von allen Superhelden eine übernatürliche Einsicht in Vergangenheit und Zukunft. Doch das führt nicht etwa dazu, dass er sich umso effektiver für das Gute einsetzt. Sondern, er scheint nicht mehr zu wissen, was das Gute ist. Das Gute erscheint ihm belanglos, sich aufhebend, gleich dem Bösen. Er löst sich von der Menschheit und ist nur durch den intensiven Appell seiner Ex-Geliebten dazu zu bewegen, eine letzte Anstrengung zu unternehmen, die Menschheit vor dem endgültigen Untergang zu bewahren. Und kommt dabei, im Gleichklang mit Superheld Ozymandias, dem „klügsten Menschen der Welt“, zu einer überraschenden, brutalen, aber wirkungsvollen Lösung.

Das Gute ist im Bösen. Das Böse ist im Guten

Ich möchte in diesem Artikel nicht den Film wiedergeben, auch nicht seine Pointen verraten.

Ich will nur so viel sagen: wer sich auf diesen Film einlässt, nicht wie man sich auf einen Superheldenfilm einlässt, sondern auf einen schwierigen, vielschichtigen Film, bekommt hier einiges geboten. Einiges auch, was mehr als schwer verdaulich scheint. Und was doch, wie ich glaube, in unserer Zeit mehr und mehr Realität gewinnt. Und was zum Teil mitten ins Herz trifft.

Der Film wirft einen Blick auf den Menschen, aber ohne sein verklärendes Selbstbild vom „gottähnlichen Menschen“. Es stellt die ganz ehrlich gemeinte Frage „Wie können wir der Selbstvernichtung entgehen?“ – und gelangt zu überraschenden Einsichten.

Taugt etwa unser Gut-Böse-Schema in Wirklichkeit gar nicht, um die wirklich wichtigen Fragen zu beantworten? Man bedenke: Sind wir denn nicht immer auf der Seite des Guten, was immer wir tun? Liegt daher denn nicht … im Guten das Böse?

Wie sagte Dr. Manhattan so treffend: „Ich kann alles ändern. Nur das menschliche Wesen, das kann ich nicht ändern.“ Was wir brauchen sind neue Antworten.

Gut ist böse, böse ist gut - ist der Holocaust die beste Prävention des Holocaustes? [SPID 3986]
Gut ist böse, böse ist gut – ist der Holocaust die beste Prävention des Holocaustes?
Gut ist böse, böse ist gut was last modified: September 26th, 2016 by Henrik Geyer

Glück suchen … es gibt so viel Welt zu sehen

Frühstück bei Tiffanys mit Audrey Hepburn als Holly [SPID 3972]

Den Film Frühstück bei Tiffany’s kennen bestimmt viele, und viele werden ihn in’s Herz geschlossen haben, so wie ich.

Es ist eigentlich kein „spiritueller“ Film, sondern, wie man so schön sagt, eine „leichte Filmkomödie“. Aber für mich ist „spirituell“, was eine besondere, tiefere Bedeutung in den Gedanken gewinnt. Und dieser Film, den ich oft sah, und dessen Melodie ich oft hörte, hat das: eine tiefere Bedeutung.

 

Holly Golightly ist ein Callgirl, eine Prostituierte, im New York der 50er Jahre. Im Film ist Holly, gespielt von der bezaubernden Audrey Hepburn, allerdings so blütenweiß und so rein, dass man diesen Aspekt der Geschichte von Truman Capote eigentlich gar nicht bemerkt. Holly scheint lediglich etwas leichtsinnig zu sein, der Name Golightly hat auch den Anklang von Leichtlebigkeit, von Nichts-wichtig-Nehmen.

Holly ist fest entschlossen, ihr Glück durch Heirat eines reichen Mannes zu machen. Liebe, meint sie, spiele dabei keine Rolle. Sie lernt einen jungen Schriftsteller namens Paul kennen, der sich in sie verliebt, und sie verliebt sich in ihn, will es sich aber nicht eingestehen.

Paul sieht nicht gern, womit Holly ihr Geld verdient. Doch die macht ihm schnell klar, dass er gar nicht so verschieden von ihr ist – im Grunde führt er das Leben eines Gigolo. Denn er lebt von Gnaden einer reichen Frau: wohnt in ihrer Wohnung, nimmt ihr Geld. Als Schriftsteller jedenfalls verdient er (noch) nichts.

Glücks-Sucher

Die beiden, Holly und Paul, sind zwei Glücks-Sucher, jeder auf seinem eigenen, abenteuerlichen Weg.

Holly glaubt, sich nicht festlegen zu dürfen. Sie könnte alles sein, was zu sein man von ihr erwartet. Sie will im Gegenzug nur eins: reich sein.

Konsequenterweise lebt sie ein Leben auf Abruf, nichts lässt sie sich ans Herz wachsen. Der Kater, der bei ihr „nur wohnt“, und mit dem sie, wie sie sagt, ansonsten nichts zu tun hat, ist eine Metapher für ihr freies Denken. Sie hat dem Kater noch nicht einmal einen Namen gegeben, und nennt ihn nur … Kater.

Auch den Schriftsteller Paul will sie nicht in ihr Herz lassen, denn der hat ja nichts.

Moon River von Henry Mancini

Eine geniale Facette des Filmes ist die Filmmusik von Henri Mancini.  Henri Mancini war ein großer Film-Komponist, er erschuf z.B. auch das Thema des Films „Der rosarote Panther“.

Der Song „Moon River“, so befand Henry Mancini einmal, ist von Audrey Hepburn auf die bestmögliche und gelungenste Weise vorgetragen worden, obwohl es sicher tausend Interpretationen dieses Liedes gibt. „Moon River“ ist traurig-schön. Die Verse drücken den Aspekt des Suchens und der Sehnsucht aus. Sie spielen mit den Wortbildern des amerikanischen Selbstverständnisses.

Der Mondfluss ist jener geheimnisvolle Schicksalsstrom, den zu bereisen gleichsam das Abenteuer des Lebens ist. Hinter jeder Flussbiegung kann das Glück warten („waiting round the bend“) – man muss sich nur auf das Abenteuer einlassen. Ähnlich  Huckleberry Finn (my Huckleberry friend), der tausend Kilometer auf einem Floß den Mississippi hinunter fährt, um Freiheit und Glück für sich und seinen Freund Jim zu finden. Huckleberry und Jim sind zusammengeschmiedet, durch ihre Sehnsucht und ihre Suche, und ganz ähnlich sind auch Holly und Paul Schicksalsgenossen. Sie sind Herumtreiber, die sich auf den Weg gemacht haben, die Welt zu sehen … und es gibt so viel Welt zu sehen! Wozu sich festlegen? Reisen bedeutet, Dinge und Orte zu verlassen; besser man reist mit leichtem Gepäck.

Two drifters off to see the world
There’s such a lot of world to see
We’re after the same rainbow’s end
Waitin‘ round the bend
My Huckleberry friend

Eines Tages wird Holly erreichen, was sie sich vorgenommen hat, wird den Fluss in Reichtum und Glück befahren (crossing you in style, some day), da ist sich Holly sicher. Sie und Paul haben die gleichen hochfliegenden Pläne, beide wollen zum Ende des Regenbogens gelangen. Eine schöne Metapher für Glück – das Ende des Regenbogens ist ein verführerisch scheinender Ort, jedoch kann man ihn nicht erreichen … jedenfalls nicht, indem man ihm nachjagt.

Glück ist nicht Suchen

Zum Ende des Films findet Holly was sie sucht: einen reichen Mann zum Heiraten. Alles scheint perfekt, und doch ist sie unglücklich. Der reiche „Knilch“ bedeutet ihr nichts, und sie bedeutet ihm ebenso wenig. Dennoch ist sie entschlossen, ihr Vorhaben umzusetzen. Zum Zeichen ihrer Entschlossenheit überlässt sie „Kater“ seinem Schicksal – auch er soll sich umorientieren, so ist eben das Leben! Im strömenden Regen, zwischen Mülltonnen und alten Kisten soll er sich von Ratten ernähren.

Paul, der das sieht, lässt es nicht zu, und erklärt Holly, dass Glück Ankommen ist. Wertschätzen der Dinge und Menschen, aber nicht unstete Suche. Glück kann man daher in sehr einfachen Dingen finden. Wo man wertschätzt, und wo man wertgeschätzt wird, da ist man auch glücklich. Glück muss man nicht in der Welt suchen, sondern in sich.

Holly sieht das ein, und sucht Kater. Sie findet ihn völlig durchnässt zwischen Müll, nimmt ihn an sich. Im strömenden Regen bahnt sich das Happy End an – man darf vermuten, dass Holly ihren reichen „Knilch“ nicht heiratet, sondern Paul, und dass „Kater“ endlich einen richtigen Namen bekommt.

Weiterlesen: Verloren wie Tränen im Regen.

 

Weiterlesen: Schätzen, was man hat. Wertschätzen.

Ähnliches Thema: Artikel Schätzen, was man hat. Wertschätzen und dankbar sein, wer – man ist und wie man ist

Ähnliches Thema: Glücklich sein – wie geht das? Völlig idiotisch glücklich sein!

Glück suchen … es gibt so viel Welt zu sehen was last modified: September 19th, 2016 by Henrik Geyer

Verloren wie Tränen im Regen

Liebe zum Leben … Der Cyborg Batty liebt sein Leben, aber plötzlich auch das Deckerts, seines Feindes. Er begreift Deckert als eine Variante seiner selbst. Der Cyborg erkennt das Gemeinsame von Mensch und Maschine, dort, wo der Mensch diese Gemeinsamkeit nicht zu sehen vermag. Und er hat Mitleid mit dem Leben, mit der Erinnerung. Er schätzt das, von dem er weiß, dass er es verlieren wird.rr [SPID 1166]

Was wir nicht wertschätzen, das verlieren wir. Das ist ein alter taoistischer Grundsatz. Und oft lernen wir erst wertzuschätzen, wenn wir verlieren …

Neulich, beim Joggen, nahm ich eine Weinberg-Schnecke vom Weg auf und warf sie ins Gras. Wie automatisch – ich wunderte mich selbst. Hat das Sinn? Ist sie nun vor irgendetwas gerettet? Früher hätte ich es nicht getan. Vielleicht ist das ein Zeichen, dass man das Leben wertschätzt. Ich erinnerte mich an den Film Blade Runner, den ich vor vielen Jahren gesehen habe, und seitdem noch oft. Es gibt darin eine magische Szene, an die ich denken musste. Der Moment, in dem ausgerechnet künstliches Leben … Wertschätzung für das Leben lehrt.

Es geht um Leben und Tod

Der Blade Runner (gespielt von Harrison Ford) ist ein abenteuerlicher Kerl – er ist Privatdetektiv, sein Job ist es, entflohene Cyborgs einzufangen. Diese entziehen sich in der Zukunftswelt des Films regelmäßig ihrer planmäßigen „Stilllegung“, man könnte auch sagen: dem Tod.

Blade Runner – das kann Klingenläufer bedeuten, was auf das hohe Risiko hindeutet, das der Detektiv einzugehen hat. Oder es bedeutet Klingen-(Aus-)Lieferer, im Sinne von Killer.

Denn ein Killer im eigentlichen Sinn ist dieser Detektive namens Deckert, allerdings nur, wenn man das Sein dieser Roboter als Leben begreift. Begreift man es als maschinenhaftes Funktionieren, dann ist die Tätigkeit des Detektives lediglich ein Ausschalten. Und darum dreht sich der Film auch. Es ist die Frage: Was ist Leben? Was ist lebenswertes Leben? Was ist schützenswertes Leben? Sind die künstlich in die Roboter implementierten Erinnerungen an Familie, Freunde, Urlaube, nicht letztlich Erinnerungen wie alle anderen auch? Was unterscheidet künstliches Denken von natürlichem?

Showdown im Regen

Nachdem der Blade Runner einige dieser Roboter „erledigt“ hat, kommt es zum Showdown, und zum Kampf auf Leben und Tod zwischen ihm und einem Cyborg namens Roy Batty – dem letzten der kleinen Gruppe, gleichzeitig dem stärksten und gerissensten.

Deckert hat keine Chance gegen den Cyborg, schließlich hängt er über einem Abgrund und droht abzustürzen.

Doch der Maschinenmensch erweist sich als „menschlich“, er hat Mitleid und rettet Deckert. Damit erteilt er Deckert eine Lehre, die diesem zeigen könnte, dass Leben Bewusstsein ist, dass Leben Erinnerung ist und dass die Cyborgs keine mechanischen Puppen sind, sondern fühlende Wesen mit eigenem Bewußtsein. Das zu entdecken hatte Deckert im Film einige Male Gelegenheit. Doch scheinbar wollte er es nicht wissen, durfte es nicht denken – die Erfüllung seines Jobs erfordert eine ganz bestimmte Sichtweise …

Nun rettet der Cyborg Roy Batty dem Blade Runner, der ihm nach dem Leben trachtete, das Leben. Doch er selbst muss sterben, sein auf Vergänglichkeit programmiertes Bewusstsein ist abgelaufen. Seine letzten Worte sind eine Erinnerung an Phänomene, die er weit draußen im Weltall, in den außerirdischen Kolonien, sah. Sie sind dem Zuschauer rätselhaft …

„Ich habe C-Beams gesehen, glitzernd im Dunkeln, nahe dem Tannhäuser Tor. All diese Momente werden verloren sein in der Zeit, so wie Tränen im Regen.

Zeit zu sterben.“

Erinnerungen in der Zeit – verloren wie Tränen im Regen

Im Zeitpunkt des Todes versteht der Cyborg den Wert des Lebens, so, wie es wohl auch die Menschen zum Zeitpunkt des Todes am besten verstehen. Das Leben ist Erinnerung und mit dem Leben gehen die Erinnerungen verloren. Im riesigen Strom der Zeit sind alle Erinnerungen, so bedeutsam sie scheinen mögen, belanglos wie Regentropfen im Regen, und doch bedeuten sie dem, der sie hat, viel. So wie Tränen, die sich ununterscheidbar in den Regen mischen.

Und so schätzt Batty sein Leben, aber auch das Deckerts, seines Feindes. Er begreift Deckert als eine Variante seiner selbst. Der Cyborg erkennt das Gemeinsame von Mensch und Maschine, dort, wo der Mensch diese Gemeinsamkeit nicht zu sehen vermag. Und er hat Mitleid mit dem Leben, mit der Erinnerung. Er schätzt das, von dem er weiß, dass er es verlieren wird.
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Verloren wie Tränen im Regen was last modified: Juli 2nd, 2016 by Henrik Geyer

Lebenslügen: leben wie eine Katze auf einem heißen Blechdach … es aushalten

Lebenslügen - leben wie eine Katze auf einem heißen Blechdach …. Es aushalten

Im Film „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ geht es um Lebenslügen.

Der Film entstand im Jahr 1958 nach einem erfolgreichen Theaterstück von Tennessee Williams.

Der Plot

Es geht um eine reiche Südstaatenfamilie, um Erbschaftsstreitigkeiten, um Enttäuschungen, um den schönen Schein, und vor allem um Lebenslügen.

Das Oberhaupt der Familie, „Big Daddy“, feiert im Kreis seiner Familie seinen 65. Geburtstag. Er ist durch eine schwere Krankheit todgeweiht, doch niemand hat den Mut, es ihm zu sagen.

Er wird nicht müde zu sagen, dass er sein Reich, die Farm, eben alles, ganz allein aufgebaut hat, mit seinen eigenen Händen. Big Daddy nimmt an, dass es das ist, wofür man ihn liebt. Derweil entfaltet sich ein munteres Ränkespiel um das bald fällig werdende Erbe, denn alle anderen wissen über seine Erkrankung Bescheid. Big Daddy ist in diesem Ränkespiel Statist und weiß es nicht einmal.

Auch sein Sohn Gooper lebt mit einer Lüge. Er hat alles getan, so wie sein Daddy es ihm gesagt hat: Er wurde Anwalt, zog nach Memphis, heiratete, bekam viele Kinder. Er hat das Leben seines Daddy gelebt und glaubt nun, dies verschaffe ihm die Liebe seines Vaters. Doch der liebt seinen anderen Sohn mehr, Brick.

Brick (gespielt von Paul Newman) wiederum ist insgeheim homosexuell (das kommt im Film nicht zur Sprache – wohl aber im Theaterstück), doch er verbirgt das seit seiner Jugend. Mit seinem Vater konnte er darüber nie sprechen, alles was der verstand, und alles was ihn alleinig interessierte, das waren Leistung und Erfolg. Brick ist sich der Lügen zum Teil bewusst und sie sind ihm unerträglich. Sein Leiden kompensiert er mit dem Konsum von reichlich Alkohol.

Bricks junge Frau Maggie „die Katze“ (gespielt von Elizabeth Taylor), kommt aus ärmlichen Verhältnissen und hat gelernt mit allen Härten umzugehen. Sie durchschaut die Lebenslügen und Intrigen dieser Familie voll und ganz, spielt mit. Sie ist gewohnt und fähig, das Unerträgliche zu ertragen, sie ist zäh wie eine Katze auf einem heißen Blechdach. Ihr „Trick“ ist, einfach solange wie möglich darauf zu bleiben.

Lebenslügen – Höhepunkt in einem Keller voller Ramsch

In einem eskalierenden Streit erklärt Brick Big Daddy, dass dieser nur noch kurze Zeit zu leben hat. In einem stimmungsvollen Höhepunkt entlädt sich nun Wahrheit um Wahrheit, ebenso wie die Blitze des zur selben Zeit stattfindenden Gewitters. Dass die Wahrheit über das nahe Ende Big Daddys ausgesprochen wurde, löst alles. Auch andere Wahrheiten können nun gesagt werden.

In einem Keller voll mit luxuriösem Ramsch, der angeschafft wurde, weil er so wertvoll schien, aber seine vollständige Nutzlosigkeit dadurch preisgibt, dass er aufgestapelt nur die Sicht versperrt, so wie die Lebenslügen dieser Familie die Sicht auf die Wahrheit versperren, sprechen sich Brick und Big Daddy aus.

Die Katze auf dem heißen Blechdach als DVD

Big Daddy beklagt, sein Vater habe ihm nicht mehr hinterlassen als einen Koffer und einen alten Hut aus dessen Soldatenzeit. Doch durch Brick erst versteht Big Daddy, dass da etwas anderes war, zwischen ihm und seinem Vater. Big Daddy konnte seinen Vater lieben, viel mehr, als es Brick bei Big Daddy möglich gewesen war. Die Gewöhnung an die allgegenwärtigen Lebenslügen hatte die Liebe zwischen Vater und Sohn erstickt.

Wie die Natur nach dem reinigen Gewitter, das über den Mississippi hin abzieht, sind die Menschen nach dieser Entladung von Wahrheiten, die so lange verborgen gehalten worden waren, befreit und geläutert.

 

Die Katze auf dem heißen Blechdach als Buch

Ein wunderbarer Film (und Buch), der uns gemahnt, in unserem Leben aufzuräumen, Lebenslügen zu meiden, wertzuschätzen, ehrlich zu sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

Weiterlesen: Beitrag Letzte Wahrheit – gibt es sie?

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Lebenslügen: leben wie eine Katze auf einem heißen Blechdach … es aushalten was last modified: Juni 1st, 2016 by Henrik Geyer

Das Ende vom Lied – ein Anfang?

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort Thema: das Ende - Ich glaube, dass wenn der Tod unsere Augen schließt, wir in einem Lichte stehen, von welchem unser Sonnenlicht nur der Schatten ist. Schopenhauer

In diesem Beitrag geht es um den Klassiker Knocking On Heavens Door von Bob Dylan – ein Song, der sicherlich viele Menschen erreicht und inspiriert hat.

Der Titel stammt aus dem Film Patt Garrett & Billy The Kid, von Regisseur Sam Packinpah, aus dem Jahr 1973. Bob Dylan schrieb den gesamten Musik-Score für diesen Film, weitere bekannte Titel entstammen diesem Score. Der Titel Knocking On Heavens Door wurde viele Male gecovert – bekannte gute Coverversionen sind z.B. von Eric Clapton, Guns n‘ Roses, u.v.a..

Filmszene aus Patt Garrett & Billy The Kid, mit dem Titel Knockin on heavens door:

Im Film geht es um die Freundschaft zwischen zwei gegensätzlichen Typen: Billy the Kid, und Patt Garrett. Beide sind Revolverhelden, doch Patt Garrett verbündet sich mit den Mächtigen im Land, nimmt den Job eines Sheriffs an. Er erhält den Auftrag, Billy the Kid dingfest zu machen, der in den historisch verbürgten Lincoln County War verwickelt ist.

Und so entfaltet sich der blutige Reigen, in dem die Figuren wie willenlose Geschöpfe des Schicksals agieren. Sich dieser Zwangsläufigkeit bewusst, scheint es weder Billy noch Patt besonders zu überraschen, dass sie sich schließlich in einem tödlichen Rendezvous zusammenfinden.

Der Songtext von Knockin on heavens door lässt sich aus dem Filmkontext verstehen. Im Film wird ein alter Sheriff tödlich verwundet, als er in den blutigen Konflikt einbezogen ist. Seine Frau ist bei ihm, und erlebt das Ende ihres Mannes. „Mama, take this badge off o‘ me. I can’t use it anymore“ – das sind die Worte, die der Mann wohl an seine Frau richtet: „Mama, nimm das Abzeichen (der Sheriff-Stern) weg, ich brauche es nicht mehr.“

Ist das Ende ein neuer und besserer Anfang?

Der Song und auch der Film haben sicher Generationen dazu gebracht, mindestens einen Moment über Leben und Tod nachzudenken. Gerade der Film, äußerlich ein recht blutiger Western, doch in seinem Wesen ein nachdenklich machendes Meisterwerk, beschäftigt sich mit vielen elementaren menschlichen Themen, wie Freundschaft, Verrat, der nicht enden wollenden Spirale der Gewalt.

Wenn man bedenkt, wie die im Leben unversöhnlichsten Feinde in ihren Gräbern zuweilen friedlich nebeneinander ruhen, dann fragt man sich, was die Menschen davon abhält, dieses friedliche Miteinander nicht bereits im Leben zu ermöglichen.

Ist es möglich? Der Film scheint „nein“ zu sagen. Die Zwangsläufigkeit der Gewalt, die im Film mit der Präzision eines Uhrwerkes abläuft, ergibt sich aus dem Selbstverständnis der Figuren, ihrer Unbeugsamkeit, ihrer Pflichterfüllung, ihrer Gier. Das Ende – es kann in diesem Fall nicht „gut“ sein.

 

Und wenn das Leben zu Ende ist – was kommt danach? Wird mit dem „Klopfen an das Himmelstor“ eine Tür aufgestoßen in ein ganz neues Leben? Ist das Ende nur ein Anfang? In diesem anderen Dasein braucht es sicherlich keine Abzeichen, keine Gewehre. Was muss dieses Jenseits auszeichnen, dass es im Gegensatz zum Leben auf Erden ein friedlicher Platz sein kann?

Ich glaube, dass wenn der Tod unsere Augen schließt, wir in einem Lichte stehen, von welchem unser Sonnenlicht nur der Schatten ist.
Arthur Schopenhauer

 

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Das Ende vom Lied – ein Anfang? was last modified: Mai 15th, 2016 by Henrik Geyer

Wenn du frei sein willst, nimm dir Zeit

Wenn du frei sein willst, nimm dir Zeit. Film Bruder Sonne, Schwester Mond

Bruder Sonne, Schwester Mond

Der Film „Bruder Sonne, Schwester Mond“ beschreibt Momente aus dem Leben des heiligen Franz von Assisi, dem Begründer des Mönchsordens der Franziskaner.

Francesco (der spätere heilige Franziskus oder Franz von Assisi) wächst im 14. Jahrhundert in Assisi, einer Stadt im italienischen Umbrien auf, als Sohn reicher Kaufleute. Die Teilnahme an einem lokalen  Krieg lässt ihn umdenken. Von nun an möchte er ein Leben nach dem Vorbild Jesu führen. Er entledigt sich allen Besitzes, auch seiner Kleider, und beginnt das Leben eines Bettlers zu führen. Ein Leben, das er sucht.

Frei sein als Thema

Der Film ist ein typisches Produkt der 70er Jahre, ein sehr bewegender und mitreißender Film übrigens, denn sowohl die Schauspieler wie auch der Plot wissen zu überzeugen. Wenn man den Film sieht, fragt man sich, warum scheinbar so wenig aus dieser doch kreativen und der Natur zugewandten Zeit der Hippies und Flower Power ins Heute gerettet wurde.

Fracescos einfache Botschaften sind so rein und wahr, dass sie die Zuschauer (ebenso wie die Menschen im Film)  immer wieder in den Bann schlagen – obwohl sie doch für den materialistisch Denkenden recht ungewohnt und widersinnig klingen.

Das Thema des Films könnte man auch beschreiben als: „Wie kann man frei sein?“

Francescos Antwort ist: Indem man sich befreit, von allem, was einen belastet. Und was einen belastet., das ist nicht nur das, was man nicht will, sondern auch das, von dem man in einer Art Sucht nicht lassen kann – der weltliche Besitz. Frei sein, im Einklang mit Gott und der Natur leben – das ist für Francesco das Lossagen von allem Besitz. Bedürfnislosigkeit.

Mit der Klarheit seiner Aussage und seinem festen Willen, jenseits der Kämpfe und Süchte der materialistischen Gesellschaft zu leben, überzeugt Francesco schließlich auch hohe geistliche Würdenträger (unter ihnen Papst Innocent III, im Film gespielt von Sir Alec Guinness), die selbst schon in einem Dickicht aus Reichtum und Ansprüchen erstarrt sind, und so die ursprüngliche Botschaft des Evangeliums gar nicht mehr wahrnehmen können.

Nimm dir Zeit

Der kongeniale Soundtrack von Donovan tut ein übriges, dass sich die Botschaft des Films erschließt. Zu traumhaften Landschaftsaufnahmen singt Donovan einfühlsame Verse, darunter: Wenn du frei sein willst, nimm dir Zeit.  (aus dem Lied: On this lovely Day)

Von Donovan ist auch der Song „Brother Sun, Sister Moon“, nach dem bekannten Dankgebet des heiligen Franz (Francesco), dem „Sonnengesang“.

Text des Sonnengesangs:

Höchster, allmächtiger, guter Herr,
dein sind der Lobpreis, die Herrlichkeit und Ehre und jeglicher Segen.
Dir allein, Höchster, gebühren sie,
und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.

Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen,
zumal dem Herrn Bruder Sonne;
er ist der Tag, und du spendest uns das Licht durch ihn.
Und schön ist er und strahlend in großem Glanz,
dein Sinnbild, o Höchster.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Mond und die Sterne;
am Himmel hast du sie gebildet, hell leuchtend und kostbar und schön.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Wind und durch Luft
und Wolken und heiteren Himmel und jegliches Wetter, durch das du deinen Geschöpfen den Unterhalt gibst.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Wasser,
gar nützlich ist es und demütig und kostbar und keusch.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Feuer,
durch das du die Nacht erleuchtest;
und schön ist es und liebenswürdig und kraftvoll und stark.

Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, Mutter Erde,
die uns ernähret und lenkt
und vielfältige Früchte hervorbringt und bunte Blumen und Kräuter.

Gelobt seist du, mein Herr, durch jene, die verzeihen um deiner Liebe willen
und Krankheit ertragen und Drangsal.
Selig jene, die solches ertragen in Frieden, denn von dir, Höchster, werden sie gekrönt werden.

Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, den leiblichen Tod;
ihm kann kein Mensch lebend entrinnen.
Wehe jenen, die in schwerer Sünde sterben.
Selig jene, die sich in deinem heiligsten Willen finden,
denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.

Lobt und preist meinen Herrn
und sagt ihm Dank und dient ihm mit großer Demut.

 

Wenn du frei sein willst, dann sei es

Der Film weiß zu berühren, durch die Einfachheit seiner Aussage. „Wenn du frei sein willst, dann sei es! Es liegt nur an dir.“

Frei zu sein bedeutet Verzicht – mithin gerade das Gegenteil dessen, was die moderne Gesellschaft als Freiheit definieren würde. Es ist der Gegenentwurf zu unserer modernen Vorstellung von Freiheit, die vielleicht eher mit Fernreisen zu tun hat, oder schnellen Autos.
Wertschätzung und Dankbarkeit, die Francesco den „selbstverständlichen“ Dingen gegenüber ausdrückt, wie der Sonne (dem Bruder Sonne), dem Mond (der Schwester Mond), dem Wind (Bruder Wind), sind es, die ihm ein ganz anderes und viel freieres Sehen ermöglichen.

Frei sein, das kann man – als Gottes Kreatur, als ein Teil Gottes, wie eine Zeile aus dem Songtext in Donovans „Bruder Sonne, Schwester Mond“ lautet.

„Bruder Sonne, Schwester Mond“ ist ein Film mit hohem Suchtfaktor, ein wunderschöner Film, und spirituell natürlich sehr empfehlenswert.

 

Zwei schöne Zitate aus dem Film (sinngemäß, nicht wortgetreu wiedergegeben)

Clara zu Francesco: „Als du in den Krieg zogst, nannte man dich normal. Aber jetzt, wo du dir nur noch die Schmetterlinge und Blumen anschaust, sagt man, du seiest verrückt. Ich finde, es ist genau umgekehrt.“

Der Papst zu Francesco (der wissen wollte, worin seine Verfehlungen im Glauben bestehen könnten): „Ihr denkt immer so viel an die ererbte Sünde. Doch denkt auch an die ererbte Unschuld!“

Siehe auch: Apokalypse – Offenbarung. Der ewige Kreislauf der unschuldigen Sünde

Siehe auch: Artikel Definition der Freiheit. Ist Freiheit immer die Freiheit der Andersdenkenden?

Weiterlesen: Bild Gottes: Was ist mein Bild?

Wenn du frei sein willst, nimm dir Zeit was last modified: April 20th, 2016 by Henrik Geyer

Über den Glauben, der uns besser macht

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Wenn die Menschen den Glauben verlieren, werden sie zu Dämonen.

Brauchen wir Glauben? Glauben jenseits von Religion vielleicht? Wenn ja, wozu?

Der Film „Prisoners“

Neulich sah ich einen äußerst spannenden Film. Er hieß „Prisoners“ („Gefangene“).

Er handelt von der Entführung zweier kleiner, befreundeter Mädchen. Bald wird ein Tatverdächtiger festgenommen – ein geistig Behinderter, den man am Entführungsort zur Tatzeit gesehen hat.

Die Familien der Mädchen sind erklärlicherweise am Boden zerstört. Die Väter fragen den ermittelnden Polizisten (gespielt vom großartigen Jake Gyllenhaal) immer aggressiver, was er denn nun zu tun gedenke, den Festgenommenen Tatverdächtigen zu überführen – schließlich laufe die Zeit davon! Vielleicht verhungern die Mädchen in diesem Augenblick?

Doch statt den Behinderten zu überführen, muss die Polizei ihn laufen lassen, und zwar aus Mangel an Beweisen. Der Behinderte hatte sich nicht zur Tat geäußert – angeblich konnte er nicht. Und ihm ist auch nichts nachzuweisen. Nicht nur der Zuschauer hat an dessen Unschuld aber Zweifel.

Ein Vater, der foltert

Einer der Väter (gespielt von dem nicht weniger großartigen Hugh Jackman), „schnappt“ sich den Verdächtigen in der Nähe von dessen Wohnort. Er bringt ihn in ein verlassenes Haus, und foltert ihn, um eine Aussage zum Versteck der beiden Mädchen zu erlangen. Hinweise im Film (die auch der Zuschauer kennt), deuten darauf hin, dass dieser das Versteck der Mädchen kennen muss.

Ein Priester, der mordet

Eine weitere Facette des Themas Glaube sehen wir in Gestalt eines Priesters, in dessen Haus der Ermittler zufällig eine Leiche findet.

Die Leiche – das ist ein Kindesentführer und -Mörder, der dem Priester während einer Beichte seine jahrelangen Untaten berichtet hatte. Der Priester hatte daraufhin den Mann ermordet und die Leiche in seinem Haus versteckt.

Nun ist der Priester schuldig, dem Alkohol verfallen, sichtlich gequält von Gewissensbissen. Er hat seinen Glauben verraten, denn die Beichte ist geschaffen, um Vergebung zu erlangen, und nicht, um Gottes Gerechtigkeit selbst in die Hand zu nehmen.

Ein Polizist, der die Gesetze dehnt

Noch eine Perspektive auf das Thema Glauben wird durch die Sichtweise des Ermittlers (Gyllenhaal) eröffnet.

Der Glaube des Polizisten (an das Gesetz) ist ihm ein zu enges Korsett. Gyllenhaal dehnt das Gesetz, um dem Verlangen nach Gerechtigkeit, das auch in ihm ist, Genüge zu tun. Er dehnt es hier, weitet es dort. Sein Captain bremst ihn immer wieder, mit dem Hinweis auf das geltende Recht. Das geltende Recht verkörpert der Chef geradezu selbst – von Gestalt und Wesen ein übergewichtiger, schwerfälliger Bürokrat.

Gyllenhaal ist im Film aber auch Profi, so dass er weiß, dass bei aller verständlichen Sorge um die Mädchen, der Pfad des Rechts aus Prinzip nicht verlassen werden darf. Er bleibt bei seinem Glauben, auch wenn es ihn sichtbar mitnimmt, nicht so agieren zu können, wie er will.

Der Zuschauer mit im Boot

Der Zuschauer kann einerseits sehr gut den Folterer verstehen. Es muss etwas getan werden, jenseits der scheinbar halbherzigen Bemühungen der Polizei-Behörde. Andererseits leidet man geradezu selbst Schmerzen, die grausamen Szenen der Folter ansehen zu müssen – immer auch im Zweifel, ob denn der Verdächtige nicht am Ende doch unschuldig ist.

Ich möchte jenen, die den Film noch nicht gesehen haben, nicht die unglaubliche Spannung verderben – und der Film ist wahnsinnig fesselnd, und wirklich sehr zu empfehlen. (ab 16 Jahre).

Eine Botschaft über den Glauben

Der Film hat für mich eine vielschichtige Message zum Thema Glauben.

  • Zum einen erleben wir den Facettenreichtum des Begriffes „Glauben“. Im Film: der Glaube an das Gesetz. Der Glaube an Jesus Christus. Der Glaube, dass alles gut wird. Der Glaube an die Zukunft (verkörpert durch die Eltern, die an die Zukunft der Kinder glauben)
  • Frage: Wenn Glaube etwas ist, dem man überall in der Gesellschaft begegnet, und nicht nur religiöser Glaube gemeint ist – was ist dann Glaube im Unterschied zu Unglaube?
  • Im Film ist eindrucksvoll zu sehen, wie Menschen, die den Glauben verlieren, für ihre Mitmenschen zu Dämonen werden.

 

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Der Film lässt auch an Länder denken, in denen der Rechtsbegriff in der von uns gekannten Weise nicht existiert – und in denen jeder frei ist, für seine Mitmenschen zum Dämon zu werden. Und wo genau das auch geschieht!

Man denkt an die dünne Hülle des Rechts, die unsere Gesellschaft einhüllt, und die Gesellschaft wie völlig sicher aussehen lässt; wo diese Hülle aber sehr schnell aufbricht, wenn die Menschen den Glauben an Recht und Gesetz verlieren.

Es ist der Glaube, den wir schätzen müssen, die Ordnung. Der Glaube der uns besser macht, realisiert sich erst durch uns. Wenn wir den Glauben verlieren, dann werden wir dämonisch, und leben in einer dämonischen Welt. Den Glauben an Recht und Gesetz. Den Glauben an den Schöpfer, der die Welt zu unserem Besten ständig neu entstehen lässt – wir brauchen ihn. Es ist der Glaube an uns, und an das Gute in uns.
Siehe auch: Artikel ‚Wo ist Gott‘

Siehe auch: Beitrag ‚Es gibt keinen Gott – sagen die einen. Es gibt ihn doch, die anderen‘

Über den Glauben, der uns besser macht was last modified: Februar 20th, 2016 by Henrik Geyer