Das Reh

Denk dir, die Liebe sei ein Reh,
du willst es gerne fangen.
Der sanfte Blick, das weiche Fell
erwecken dein Verlangen.

 

Doch, mühe dich nicht gar zu sehr,
dräng nicht, streng dich nicht an
Lock es, dann kommt es willig zu dir her
und bringt sich selbst heran

 

Dann wird es kommen, von allein,
du musst nur warten still
darfst nicht rufen, darfst nicht schrei’n
es kommt, weil selbst es will

 

Du denkst: Ich zwing’s, so schieß‘ ich’s eh,
dann ist es mein sogleich!
Doch kommt zu dir dann nicht ein Reh
sondern der Tod, und rohes Fleisch.

 

Denk dir, dass jedes gute Ding
hat was vom Reh an sich
Geh sacht und leise zu ihm hin
sonst wirst du’s fangen nicht

 

 

Henrik Geyer, Mai 2018

 

 

 

 

Das Reh was last modified: Mai 26th, 2018 by Henrik Geyer

Vergessen

In schweren Erden weilend

in einem fahlen Licht

Wohl wimmelnd, doch auch schweigend

wird eine neue Sicht.

Dem Bruderblick verborgen

der Menschenwelt gestorben

im Erdenschoß geborgen

vergessen alle Pflicht

 

Erinnrung ist versunken

Traum von der Menschen Land

Die Wasser sind getrunken

Lachen und Qual verschwand

Die Bilder sind gelebet

der reife Geist, er schwebet

mit Erden nun verwebet

Gehirn und Herz und Hand

 

Von Säen und von Mäen

mal schneidend und mal stumpf

Gedanken, die erzählen

von Gliedern, Kopf und Rumpf.

Von Schweiß und Augenlichtern

von Nächten und von Dichtern

von Kühnheit und von Richtern

von Angst, Mut und Triumph

 

Ergab sich allen Lüsten

dem Traum des Menschensein

mit Fäusten und mit Brüsten

mit Wassern und mit Wein

Jetzt kann kein Ich mehr quälen

nur Freiheit anstatt Wählen

nichts Festes kann hier fehlen

in endlos-trübem Schein

 

Im Erdenschwarz hier unten

kehrt keine Ruhe ein

was nur erscheint versunken

geht neue Bindung ein.

Fleisch wird zu neuem Fleische

aus Andrem wird das Gleiche

aus Fäulnis werden Reiche

aus Äther wird Gestein

 

Wo Gottes Hand berühret

wird neu Gestalt gewählt

in Leben überführet,

formfügend abgezählt.

Das Gestern wird zu Morgen

wird Hoffen oder Sorgen

ganz offen uns verborgen

entsteht ein ander Welt.

 

Und neue Seelen wagen

mal grad wie Klingenstahl

oft krumm wie rost’ge Haken

des Schöpfers Ideal.

Gestalten, die sich beugen

in Wahrheit oder Leugnen

der Welten Werte zeugen –

ganz nach des Schicksals Wahl

 

Erinnrung bildet Borken

aus Raum wird neuer Ort.

Schicksal mit neuen Pforten –

in Ewigkeit geht fort.

Vergessen ist ein Streben

vergangner Lüste Beben

vergraben ist ein Leben

und neu entsteht ein Wort

 

Mit Hoffen oder Bangen,

Allmacht Gedankengang

sind sehnend wir gefangen

in eines Traumes Drang.

Der zeiget uns ein Ende

die Deckel vieler Bände

der Räume enge Wände

doch jedes fängt erst an

 

Henrik Geyer, Mai 2018

 

 

Vergessen was last modified: Mai 24th, 2018 by Henrik Geyer

Bitte, Gebitte, Gebet

Gibst du mir eine Reise,
dass ich meine Seele speise?
Gibst du mir einen Raum
für meines Lebens Traum?

 

Bitte gib mir Luft zum Atmen
Gib Gedanken, die mich tragen.
Gebe Phantasien mir,
gebe mir ein Jetzt und Hier.

 

Gib mir Bäume, die mich streichen.
Gib mir Freunde, die nicht weichen.
Gib das Grün, dann wird auch Rot
Gib das Leben, dann wird Tod.

 

Kannst du mich lehren zu unterscheiden
Zwischen Menschen die zu meiden,
und den Dingen die beflügeln
jenseits des Flusses, in den Hügeln?

 

Gib mir diese Weisheit, bitte
Führe mich zur Seelenmitte
Gib mir Einsicht, Akzeptanz.
Gib mir Vielfalt, mach mich ganz.

 

Henrik Geyer, Mai 2018

 

Bitte, Gebitte, Gebet was last modified: Mai 24th, 2018 by Henrik Geyer