Was hat Intelligenz mit Kreativität zu tun?

Wer meinen letzten Artikel Über die Intelligenz einer Harke gelesen hat, dem sind vielleicht zwei Dinge aufgefallen, die noch einmal einer tieferen Erwähnung bedürfen.

Das Getrennt-Sehen von Dingen

Über Unabhängigkeit stand da: „.. kann denn ein Mensch etwas hervorbringen, das von ihm ganz getrennt zu sehen ist? Klares Nein.“

Warum „Klares Nein.“? Warum nicht: „Nicht unbedingt.“, oder so ähnlich?

Hierzu folgende kurze Erläuterung (denn ich habe dazu schon vielerlei geschrieben). Diese Erklärung ist überhaupt nicht einfach, dann aber doch wieder einfach. Denn es ist eine Art Glauben.

Zunächst handelt es sich um eine grundlegende Sichtweise des Spirealismus. Nichts ist einzeln. Alles hängt zusammen. Warum? Weil es das Objektive der materialistischen Sichtweise nicht gibt. Oder, wie ich immer formuliere: Die Realität gibt es nicht noch einmal extra, jenseits des Denkens (der Menschen). So dass sich die Menschen nicht auf „die“ Realität wie auf ein Ding beziehen können, das in Eindeutigkeit irgendwo sei.

Anders herum: Wie kommen die Dinge ins Entstehen? Wie „sind“ sie (Existenz)? Sie entstehen aus der Relation. Existenz ist Kommunikation. Daher hat das, was auffasst, auch immer etwas mit dem Aufgefassten zu tun, denn Kommunikation gibt es nur in einem Zusammenhang.

Da der Spirealismus das so sieht, nennt er die Realität also: „nicht eindeutig“. Oder auch: „vielfach“. Er hält demnach mit Leichtigkeit auch eine Realität für möglich, in der die Menschen glauben, die Realität gäbe es noch einmal extra! Wie könnte der Spirealismus das auch bestreiten, wo der Materialismus doch allgegenwärtig ist? Man könnte es also eine Art Glauben nennen, zu sagen, alles hinge zusammen. Ebenso wie der Materialismus ein Glaube ist.

Man möge also glauben, oder auch nicht! Im Prinzip sind ja alle Realitäten möglich.

Im konkreten Fall ist jedenfalls der Zusammenhang Mensch – Produkte des Menschen gegeben. Meiner Ansicht nach völlig offensichtlich. So dass man ohne Schwierigkeit sagen könnte: Der Mensch kann nichts von ihm Unabhängiges hervorbringen.

Das Denken in voneinander unabhängigen Objekten als Produkt des Materialismus ist jedoch geradezu allmächtig. Daher will ich die Aufmerksamkeit desjenigen, der gewillt ist darüber nachzudenken, auf die Frage lenken, was irgendein Ding wäre, mit dem es keinerlei Kontakt gibt. Das man also nicht sieht, nicht hört und an das man nicht denkt? Es ist im wahrsten Sinn des Wortes nicht vorhanden, zumindest für uns Menschen, ob es nun in irgendeiner Realität existiert oder nicht. Man könnte das auch „unabdingbar vorhandenes Unwissen“ nennen, oder auch „Denkgrenze“. Während ja, wie absurd!, der Materialismus glaubt, das Denken habe keine Grenzen.

(Übrigens Achtung, noch eine Kollision mit dem materialistischen Weltbild! An etwas zu denken hat für den Materialismus nichts mit der Sache zu tun, an die gedacht wird. Denn die Objekte sind ja für den Materialismus ganz separat von Denken. Für den Spirealismus ist das nicht so.)

So viel aber erst einmal dazu.

Intelligenz und Kreativität

Ich schrieb auch: “ …  dass Intelligenz definitionsgemäß das Unerwartete hervorbringen muss. Nur etwas sehr Eingegrenztes von Intelligenz zu erwarten widerspräche meiner Auffassung, was Intelligenz auszeichnet. (denn das hieße im Umkehrschluss, dass wir, während wir von Intelligenz sprechen, etwas Nicht-Intelligentes erwarten: nämlich eine Reaktion wie von einem Papagei – der etwas Bekanntes nachplappert.)“

Im Prinzip spreche ich, wenn ich von „etwas Unerwartetem“ spreche, von einem kreativen Vorgang. Etwas Neues kommt ins Entstehen. Etwas, das unvorhersagbar ist. Etwas, das nicht unbedingt hätte entstehen müssen.

Hier gibt es verschiedene Konflikte mit dem materialistischen Weltbild. Ich halte es für wichtig, diese Konflikte aufzuzeigen, weil sie für das Verständnis von Intelligenz, wie ich finde, wichtig sind.

Was hat Intelligenz mit Kreativität zu tun?


Im Materialismus gibt es ja diese Überlegung, dass das menschliche Denken letztlich von Objekten außerhalb des Denkens abhinge. So wie das Denken als Objekt gesehen wird (hier ist das Gehirn), sind dort die Objekte die das Denken (das Gehirn) spiegelt.

Daher erscheint es dem Materialismus, als gebe es eine absolute Folgerichtigkeit, der zufolge Entdeckungen gemacht werden. Also: Warum müssen Erfindungen und Entdeckungen gemacht werden? Weil dieser Fortgang der Wissenschaft einfach die beste Entsprechung der Realität ist, welche der Mensch vor-findet. Beispielsweise erscheint es völlig folgerichtig, dass der Mensch, nachdem er die Atome ge-funden hat, diese nun teilen kann, etc.. Das musste so entdeckt werden!

Das Forschen ist also eher ein Finden, denn ein kreativer Prozess, bei dem etwas erschaffen wird. Man sagt ja auch „Erfinder“ und nicht „Kreativkopf“.

Diese Vorstellung hat etwas Mechanistisches, etwas, das, glaube ich, auch jeder überzeugte Materialist innerlich als widersprüchlich empfindet. Einstein sagte einmal – er bezog sich auf das Finden mathematischer Zusammenhänge – es gäbe keine Notwendigkeit für solche Entdeckungen. Einstein wohlgemerkt war Materialist.

Jedoch: Letztlich weiß man, oder ahnt man, dass ein Erfinder kreativ sein muss, um Entdeckungen machen zu können. „Entdeckung“ ist übrigens auch so ein Wort, das das Finden von etwas suggeriert, das schon „da“ sei. So, als lüfte man einen Deckel, der über eine Sache gestülpt ist, oder man hebe eine Decke hoch …

Andererseits: Wenn es der Kreativität bedarf, also des Erschaffens von Neuem, was ja eigentlich an keine Notwendigkeit geknüpft ist, dann ist das Entdecken auch nicht zwangsläufig. Und die Wissenschaftswelt mit ihren Erkenntnissen ist ebenfalls nicht zwangsläufig.

Diese Widersprüchlichkeit kommt auch in dem Einsteinzitat zum Ausdruck: „Die Theorie entscheidet darüber, was man finden kann.“ Das bedeutet, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Bekannten gibt, und dem, was man zu finden erwartet. Es bedeutet aber natürlich auch, dass man nur finden kann, wofür man eine Theorie hat, was man also kennt. Und hier kommt nun wieder die Frage des Weltbildes ins Spiel. Glaubt man wirklich, dass es nur das geben kann, wofür wir Theorien haben (wie es der Materialismus suggeriert)? Also ich glaube das nicht.


Ich weiß, dass in diesem Moment in so manchem Leser der nicht abschüttelbare Gedanke durchs Hirn fahren wird, man könne doch nur entdecken was auch „da“ sei. Das ist eben ein Widerspruch zum vorher Gesagten, nämlich, dass Entdeckungen ohne eine Notwendigkeit gemacht werden.

Wenn ich gefragt würde, wie das auf der Basis des materialistischen Weltbildes zu erklären sei – ich könnte es nicht erklären. Niemand kann das. Der Materialismus ist einfach zu faul darüber nachzudenken. Das ist alles.

Das sind im Ergebnis die unauflösbaren Widersprüche des Materialismus: Paradoxien. Ich kann und will nicht weiter mit diesen letztlich unüberwindlichen Unstimmigkeiten argumentieren.


Für den Spirealismus ist alles einzigartig. So, wie auch der Millionste VW-Käfer einzigartig ist, und nicht der „selbe“ wie ein anderer. Das „selbe“ gibt es im Spirealismus nicht. Das „selbe“ ist ein Widerspruch in sich, denn es handelt sich um einen Bezug zwischen verschiedenen Dingen, deren absolute Ein-heit man ausdrücken will. Geht also nicht. Außerdem gibt es das Einzelne nicht – daher muss alles eine Relation zwischen Verschiedenem sein. Yin und Yang [SPID 4000]Als beste Illustration hierfür fällt mir das Yin-Yang-Symbol ein. Die aus materialistischer Sicht unbegreifliche Einheit in der Verschiedenheit. Insofern ist „dasselbe“ eines von vielen Wörtern, die der materialistischen Denkwelt entspringend, in sich zutiefst widersprüchlich sind.

Es gibt nicht „die“ Realität, sondern unzählige Realitäten. Diese Realitäten kommen beispielsweise durch uns Menschen zum Ausdruck, die wir Elemente der Schöpfung sind, nicht etwa Beobachter der Schöpfung, wie wir immer meinen.

Für den Spirealismus hat alles daher den Aspekt des Kreativen. Des Neuen, des Einzigartigen. Auch: des Nicht-Notwendigen. Wir selbst, indem wir sind, sind Kreation, und sind kreativ.

Die Frage des Materialismus, warum wir dann immer nur eine Welt sehen können, beantwortet der Spirealismus mit: Das können wir gar nicht. Erstens. Und zweitens: Die Illusion, wir beobachteten nur eine Welt, kommt nicht zuletzt auch aus der Denkvoraussetzung, das sei so. Es ist die Weltanschauung, die „Materialismus“ heißt, die suggeriert, es könne nicht anders sein. Mehr kann man dazu nicht begründen. Es ist das, was ich weiter oben einen „Glauben“ nannte.


Es sollte ja um den Zusammenhang zwischen Intelligenz und Kreativität gehen, der zumindest aus spirealistischer Sicht unabdingbar ist. Intelligenz ist etwas Kreatives. Denn Intelligenz bringt etwas Neues hervor. Inwiefern unterscheidet sich Intelligenz von einem Huhn, das ein Ei legt, und somit etwas hervor bringt?

Für den Spirealismus unterscheidet es sich nicht unbedingt, denn Geist ist ja in allem. Auch in einem Huhn, das ein Ei legt. Aber, um die Phantasie des Lesers nicht überzustrapazieren:

Intelligenz als besondere Fähigkeit (nur) von Menschen definiert, wäre die Fähigkeit sinnvoll Neues hervorzubringen. „Sinnvoll“ hatte ich definiert als: „Mit Bezug auf einen gegebenen Bedeutungsraum“. Dieser Bedeutungsraum ist seinerseits nicht notwendig in dem Sinn, dass er seinerseits hat entstehen müssen. Sondern er ist, wie alles Neue, entstanden aus einem Prinzip, das den Zufall (das Unvorhersagbare) beinhaltet. Und so ist der Bedeutungsraum seinerseits zufällig. Wenn man so will ist „das“ Universum Zufall.

Man mag einwenden, der Zufall sei eigentlich doch vorhersagbar, ich verweise dann wieder auf die inneren Widersprüche des Materialismus.

Und das Neue, wie gesagt, ist letztlich unvorhersagbar und zufällig. Sonst wäre es nicht neu.

So hat also Kreativität das Element erstens des Neuen, des Nichtvorhersagbaren, des Zufalls. Und zweitens des Bezuges auf Bekanntes.


Intelligenz bezeichne ich als die besondere Fähigkeit eines Menschen, kreativ zu sein.

Das bedeutet, ist ist eine Art Gedankenreichtum: viele Gedanken zu durchwandern, und gleichzeitig ihren möglichen Bezug zu Bekanntem zu prüfen.

Es ist gedankliche Komplexität, die schließlich auch Möglichkeiten des n-ten Zusammenhanges prüfen kann.

Aus dieser Definition heraus kann man ableiten, dass Intelligenz erstens Wissen benötigt, als den Bezug zu Vorhandenem.

Zweitens geistige Freiheit, sich nicht zu sehr an das Bekannte anzulehnen – und somit unvorhersagbar Neues hervorzubringen.

Drittens eine gewisse Gedankenschnelligkeit, die Möglichkeiten durchzuspielen.

 

Über die Intelligenz einer Harke

„Kann künstliche Intelligenz die Menschheit vernichten?“ Mein Sohn stellte mir neulich diese Frage.

Ich antwortete: „Ja!“ Denn ich meinte, dass Intelligenz definitionsgemäß das Unerwartete hervorbringen muss. Nur etwas sehr Eingegrenztes von Intelligenz zu erwarten widerspräche meiner Auffassung, was Intelligenz auszeichnet. (denn das hieße im Umkehrschluss, dass wir, während wir von Intelligenz sprechen, etwas Nicht-Intelligentes erwarten: nämlich eine Reaktion wie von einem Papagei – der etwas Bekanntes nachplappert.)

Mein Sohn aber hatte auf Youtube ein Video gesehen, das darlegte, dass finstere Kreise das Ende der Menschheit betreiben, und zwar mit Hilfe künstlicher Intelligenz. Er wollte eigentlich wissen, ob das Video Recht hatte. Das nun wieder konnte ich nicht beantworten, denn ich kenne diese finsteren Kräfte nicht.

Ich sah mir das Video an und ärgerte mich über dessen platte Aussagen über „Denken“, „Intelligenz“, „Programmieren“. Künstliche Intelligenz sei die Programmierung kluger Computerfachleute, die es schaffen, eine „selbst denkende“ Maschine hervorzubringen, hieß es da. Die wirklich interessanten Fragen wurden nicht angesprochen. Was ist Intelligenz? Was erwartet man von ihr?


Zunächst einmal sind „Intelligenz“ und „Maschine“ doch Gegensätze des Verständnisses! Weil eine Maschine der Inbegriff des Re-Produzierens ist, und immer gleiche, vorhersagbare, Ergebnisse zeitigt. Ganz anders als Intelligenz. Auch der Begriff „selbst denken“ erfordert für mich genaueres Überlegen. Z.B.: kann denn ein Mensch etwas hervorbringen, das von ihm ganz getrennt zu sehen ist? Klares Nein.

Und, ist es tatsächlich so, dass eine Maschine nur reproduzieren kann, und in ihren Wirkungen ganz berechenbar ist? Eigentlich nicht, zumindest nicht im großen Bild. Jede Maschine ist auch kreativ! Ist denn die Welt, oder irgendein Detail in ihr, so vorhersagbar, wie wir immer glauben? Hängt alles was wir hervorbringen von unserem Willen ab, macht es immer das, was wir vorhersehen?

 

Alles ist eine Frage von Nuancen in einem Moment, denn alles fließt. Sieht man die Welt mit diesen Augen, dann verliert künstliche Intelligenz ein wenig von ihrem rätselhaften Schrecken. Was macht sie, was will künstliche Intelligenz? Will sie etwa etwas anderes als wir?? Man muss dann umgekehrt fragen: was wollen denn wir? Ist das so berechenbar für uns selbst? Sind wir selbst nicht Elemente von etwas, das sich aus unserer Sicht niemals völlig erklärt?

Diese Sichtweise entzaubert wie ich finde aber auch ein wenig die Sichtweise auf das menschliche Wollen, die menschliche Intelligenz, die menschliche Autonomie …

die Intelligenz einer Harke

Künstliche Intelligenz beginnt bereits bei einer Harke. Sie ist künstlich, denn sie ist menschengemacht. Aber inwiefern ist sie intelligent? Kann man ihre Intelligenz an ihren Wirkungen ermessen, wie man das bei Menschen tut? Ja, anders kann man das nicht überprüfen. Also: Welche Wirkungen kann die Harke hervorrufen?

Eine Harke trägt die Anwendbarkeit auf ein bestimmtes Thema in sich. Man kann damit in kurzer Zeit den Garten von Laub befreien. Eine Harke ist aber auch kreativ. Welcher Garten wann und wie von Laub gereinigt wird, das sagt die Harke nicht. Überhaupt redet sie nicht viel. Vielleicht lässt sie lieber Taten sprechen.

Man kann mit der Harke auch eine Rohrverstopfung lösen, indem man sie umdreht und den Stiel als Stößel benutzt. Man kann mit ihr einen Ball aus dem Geäst eines Baumes holen. Ganz wie künstliche Intelligenz aus dem Computer gibt uns die Harke unerwartete Antworten, einfach, indem sie da ist.

Sie erhöht die Produktivität, und ihre Ergebnisse sind letztlich unvorhersagbar. Nur als Beispiel: Während der Mensch ohne Harke seinen Garten vielleicht unaufgeräumt ließe, oder den ganzen Tag mit dem Aufsammeln von Blättern per Hand beschäftigt wäre, kann er in seiner durch die Harke gewonnenen Freizeit das Ziel der Krebsheilung angehen. Oder aber, für den ersten Fall, dass er den Garten Garten sein ließe – dann wäre die Welt des Menschen Welt eine andere. Sie wäre in einem Teilbereich natürlicher, bizarrer … und auf andere Weise schön. Der Mensch diesmal aus anderer Perspektive: Nicht als Ausgangspunkt einer Wirkung, sondern als Auswirkung …

Nebenbei gefragt: Hat eine Harke einen „Willen“? Das könnte man so sehen. Denn Wille ist für mich eine innere Vorbestimmtheit, die mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit zu einer Wirkung führt. Das wäre für die Harke gegeben; sie wird mit hoher Wahrscheinlichkeit harkend anzutreffen sein – zu harken als ihr „Wille“. So wie ein Mensch, der auf Grund seiner innerlichen Überzeugungen zu dem Schluss kommt, es sei wichtig für eine Sache zu kämpfen – wo wird man ihn mit großer Wahrscheinlichkeit antreffen? Im Kampf für diese Sache. Und man wird sagen: „Der will das so!“ Der Mensch selbst wird sagen: „Für die Sache zu kämpfen, das ist mein Wille.“ Die Schweigsamkeit der Harke ist hier der wesentliche Unterschied. Man wird einwenden, die Welt des Menschen sei komplexer, er will vieles und tut vieles, aus sich heraus. Das gilt für die Harke auch – je nach Welt in die sie geworfen ist, wird sie vieles wollen, man wird sie vielleicht auch antreffen bei der Rohrreinigung, beim Befreien eines Balles … Manchmal ruht sie sich einfach auch nur aus. Tut sie das aus sich heraus? Ja … Neei … weiß nicht. Tut der Mensch die Dinge nur aus sich heraus? Genauso. Eine Frage der Sichtweise.

Natürlich wird man einwenden, die Harke habe keinen Willen, denn sie handelt ja nicht selbst und nicht eigenständig, im Gegensatz zum Menschen. Aber das wäre ein Einwand, der auf die Frage selbst zurückführt – die des (eigenständigen) Willens. Und was wäre Wille, wenn nicht eine unabhängige und eigenständige Kraft? So verstehen wir Willen. Dass es aber letztlich nichts Eigenständiges gibt, auch keinen Menschen, darauf komme ich gleich.


Das bedeutet, auch eine Harke arbeitet nicht eindimensional, ihre Wirkungen sind unübersehbar. „Arbeitet“ die Harke überhaupt? Die Harke arbeitet doch nicht selbst, sondern der Mensch muss sie gebrauchen! Künstliche Intelligenz eines Computers hingegen arbeitet autonom, denkt selbst nach!

Ich möchte jetzt die Sichtweise umkehren, und nicht die Harke anschauen, sondern den Computer.

Ist er autonom? Kann er ohne uns auskommen? Adressiert er etwas anderes als eine menschliche Thematik? Kann er uns Fragen beantworten, die über unser Verständnis hinausgehen?

… Autonomie, bezogen auf Intelligenz, das wäre das Stellen ganz eigener, von uns unabhängiger Fragen, und die Beantwortung solcher Fragen. Also etwa das, was ein Vögelchen tut, wenn es, von uns völlig unverstanden und unabhängig, durch die Luft zwitschert, und damit Probleme löst oder auch erschafft, die wir nicht kennen und nicht bemerken. Das wäre ein Beispiel für weitgehende Autonomie, nur mit dem kleinen Makel, dass es von uns nicht völlig autonom ist, denn wir hören das Vögelchen ja noch, bilden uns eine Meinung, fangen das Vögelchen. Aber: Meinen wir, wenn wir von autonomer Intelligenz sprechen, ein Vögelchen? Nein. Sondern, wir meinen, merkwürdig genug, ausschließlich Intelligenz, die unsere eigene Intelligenz adressiert. Alles andere IST für uns keine Intelligenz.

Merkwürdig übrigens auch folgender Gedanke: Auf diese Weise werden wir natürlich keine höhere Intelligenz als die eigene bemerken. Und das ist es auch, was meiner Ansicht nach stets und ständig zu sehen ist, im einzelnen Menschen, wie auch in der Gesamtheit. Die uns umgebende Intelligenz nennen wir „tot“, „nicht-denkend“. Oder bei Tieren: „nicht richtig intelligent“. Welche Egozentrik! Eine höhere Intelligenz stellen wir uns immer so vor, dass sie uns gegenüber irgendeine Meinung haben müsse, uns helfen wolle, oder uns vernichten. Eine uns völlig indifferent gegenüberstehende Intelligenz ist uns unsichtbar.

Doch zurück zum Computer. Computer-Intelligenz kann uns nur Fragen innerhalb unseres Verständisses beantworten. Eine Antwort außerhalb unseres Verständnisses wäre uns keine Antwort. Denken wir an den Supercomputer in „Per Anhalter durch die Galaxis“. Gefragt nach dem Sinn des Lebens kam er nach Jahrzehnten mit der Antwort: 43! Also Quatsch. Oder: Sinnvoll in einem Kontext, den wir nicht kennen. Man kann es auch so sehen: Alles, was wir irgendwie auffassen, adressiert auch unser Verständnis. Insofern spielt sich eine Kommunikation per se innerhalb eines bestimmten Verständnisraumes ab; und das uns völlig Fremde wäre gleichzusetzen mit dem uns Unbekannten.

Computer-Intelligenz ist nicht völlig autonom, denn sie wird definitionsgemäß vom Menschen erschaffen, so wie jedes menschliche Werkzeug, z.B. eine Harke.

Künstliche Intelligenz ist geschaffen um unsere Fragen zu beantworten, sie ist bereits dem Sinn nach an die menschliche Welt gebunden, und damit nicht autonom. Sie ist kreativ wie die Harke, denn, wenn uns KI nur sagen würde, was wir schon wissen, würden wir sie nicht „intelligent“ nennen. Und auf diese Weise ist ja auch eine Harke kreativ … sie beantwortet uns Fragen, die wir nicht kannten, als wir die Harke herstellten. Warum eigentlich nennen wir die Harke dumm?

Wir sind nicht gewohnt, die Natur als intelligent zu sehen.


Künstliche Computerintelligenz ist auch insofern nicht eigenständig, als sie, wie die Harke, die Bedienung durch den Menschen erfordert. Füttert man die Maschine nicht mit Strom, geht sie aus. Fragt man sie nichts, ist sie bedeutungslos und man bemerkt sie gar nicht. Da könnte sie noch so intelligent sein, diese Intelligenz. Der Mensch muss den Computer füttern, er muss mit ihm interagieren bzw. ihn nutzen, so, wie er die Harke nutzt.


Angenommen KI würde in Form von „völlig autonomen“ Robotern ein Eigenleben auf der Erde führen, würde den Menschen vielleicht bekämpfen oder mit ihm partnerschaftlich zusammenleben – wären diese Roboter wirklich „völlig autonom“?

Das wäre jedenfalls nicht die Sichtweise des Spirealismus, denn hier wäre immer noch dieser Dialog. KI würde Fragen für den Menschen aufwerfen, die Antworten erfordern. Und umgekehrt. Die Intelligenz läge in der Interaktion – in der Kommunikation. Intelligenz hier ganz wertfrei verstanden: als eine Frage, die sinnvolle Antworten hervorbringt.

 

Spirealistisch gesehen ist alles nur eine Relation. Das lässt jedes Wort in einem anderen Licht erscheinen. Ich will daher einige Definitionen nachschieben.

„Sinnvoll“ hieße: Mit Bezug auf einen gegebenen Bedeutungsraum.

„Intelligenz“: Sinnvolle Kommunikation/Interaktion. Hier ist also die Anknüpfung an die spirealistische Grundaussage „alles ist Geist“, oder „in allem ist Geist“. Der Geist liegt in der Natur, in allem! Wir suchen vergebens, wenn wir den Geist nur im menschlichen Hirn verorten wollen, sondern, Geist liegt in der Kommunikation. Geist ist z.B. unsere Interaktion mit der Natur. KI wiederum sucht man vergeblich in einem Computer, wenn man nur ihn anschaut; um die Intelligenz der KI zu finden muss man die Kommunikation ansehen.

„Autonom“ .. das ist schwierig. Völlig autonom in dem Sinn, dass es mit uns Menschen nichts zu tun hat, das gibt es nicht für den Spirealismus. Denn alles was wir sehen können hat auch mit uns etwas zu tun. Geist, Intelligenz, das ist Kommunikation. Kommunikation ist Relation. Kommunikation erfordert mindestens zwei. Das Einzelne gibt es nicht. Jeder Satz entfaltet nur dann Sinn und bekommt eine bestimmte Aussage, wenn er gehört wird. So gesehen, ist Unabhängigkeit, Autonomie, eine Sichtweise. Wie immer eine Frage von Nuancen, von stärker und schwächer.

 

 

 

 

Metaphysik – spirealistisch gesehen

Metaphysik ist die Vorstellung einer Weltordnung, die hinter der „offensichtlichen“ Weltordnung liegt. Einer Weisheit hinter der offensichtlichen Weisheit. Einer Wahrheit hinter der Wahrheit, etc..

Uns begegnet dieses Denken in mannigfacher Weise, eben im Begriff Metaphysik, aber auch in den Begriffen „verborgenes Wissen“ (von Ouspensky oft verwendet), oder „Geheimwissenschaft“ (mit Bezug auf Hermetik oder die Weisheiten des Talmud, oder auch Freimauerer etc..). Man denke auch an den Begriff der „vertikalen Logik“, der meint, dass es neben der eindeutigen Logik, die „offensichtliche“ Zusammenhängende miteinander verbindet, wie zum Beispiel die Worte Rabe und Feder, auch eine Logik geben kann, die Zusammenhänge erschaffend, eine neue, ebenfalls sinnvolle Ordnung ergibt. Wie zum Beispiel Rabe und Schornsteinfeger, die beide schwarz sind.

Vertikale Logik dient übrigens häufig als Begründung für die Sinnhaftigkeit von Astrologie oder Tarot.

Viele kennen sicherlich folgenden Holzschnitt eines Künstlers namens Flammarion von 1888, der das Konzept des Begriffes Metaphysik sehr schön illustriert:

 

Metaphysik ist ganz normales Wissen

Metaphysik ist eigentlich ganz normales Wissen. Die Realität jenseits der Realität ist ja im obigen Bild sehr schön dargestellt – die normale Realität ist in dieser Darstellung die irdische, d.h. jene der Erdoberfläche, mit Sonne und Sternen am Firmament.

Wer nur das sieht, der wird zu anderen Schlüssen kommen als jemand, der über die Wolken hinaussehen kann. In der Antike glaubte man, der Sonnenwagen würde vom Gott Helios über das Himmelsgewölbe gelenkt, dadurch gebe es Sonnenlicht. Man hatte sozusagen den Blick „dahinter“ nicht.

Später, als es die aufkommende Wissenschaft der Optik ermöglichte, wurden mit Hilfe von Teleskopen Beobachtungen von Planetenbahnen vorgenommen, und man entwickelte Theorien über die Planetenbewegungen, etc..

So gesehen ist also unser heutiges Denken, mit seiner Gewissheit der physikalisch begründbaren Planetenbewegungen, eine Metaphysik aus der Sicht des Gestern. Die damalige Metaphysik, als die Ahnung zukünftigen Wissens, ist heutige Realität. Metaphysik ist eigentlich etwas sehr Geheimnisvolles – jedoch, wie diese Überlegung zeigt, hat Metaphysik den Anklang von Normalität, sobald das metaphysische „Geheimwissen“ verinnerlicht ist. Metaphysik erscheint dann wie ganz „normales“ Wissen. Und ganz normales Wissen hat, eigentlich zu Unrecht, nicht mehr den Anklang des Geheimnisvollen, sondern erscheint den meisten Zeitgenossen als geradezu langweilig.

spirealistische Realität

Ich möchte die spirealistische Sichtweise auf den Begriff der Metaphysik verdeutlichen. Denn ich hatte an anderer Stelle geschrieben, dass der Spirealismus nicht vorgibt, hinter die Realität sehen zu können, oder der aufmerksamen Leserschaft irgendetwas anderes bieten zu können, als die Variante einer Realität.

Warum denn nicht? Ich bediene mich doch sehr gern und häufig Konzepten wie Tarot, der Visionen von Autoren wie Ouspensky, ich bin ein überzeugter Vertreter von Konzepten wie vertikaler Logik. Und doch negiere ich das Konzept der Metaphysik, der hinter der offensichtlichen Wahrheit liegenden Wahrheit?

Nein, ich negiere es nicht. Ich erweitere es. Das metaphysische Konzept ist interessant, denn es geht von mehreren Realitäten aus. Von zwei, nämlich einer „normalen“ Realität, und einer dahinterliegenden, verborgenen, „richtigen“ Realität.

Als Spirealist aber denke ich zunächst, dass es keine offensichtlichen Realitäten bzw. Wahrheiten gibt. Jede Wahrheit ist nur die momentane Variante von Wahrheit. Selbst 1 + 1 = 2 ist für mich eine Variante von Wahrheit, da ich bereits das Objekthafte bestreite, also das Bestehen eindeutiger Objekte, die dann, in der Folge, von Zahlen bezeichnet werden. (Der Logiker wird einwenden, dass die Logik jenseits konkreter Objekte existiert, als ein festes Bezugssystem von Variablen und ewig gültiges System von Operatoren. Ähnlich dem Zahlensystem, in dem die Zahl 1 für ein beliebiges Objekt steht. Aber welchen endgültigen Wert, welche absolute Festigkeit kann ein Bezugssystem von Variablen haben, bei denen die Variablen ALLES sein können, oder umgekehrt, NICHTS?).

Hingegen trägt für mich alles den Charakter von Kommunikation. Alles trägt für mich den Charakter von Einigungen des Momentes. (Der Moment – das kann aus der menschlichen Ameisenperspektive auch ein sehr langer Zeitraum sein – es ist immer eine Frage von Relationen).

Häufig verwendete spirealistische Sätze sind z.B. „Es gibt nichts Objektives“ oder „Der Mensch ist eine Quelle des Seins, ist Element der Schöpfung, nicht deren Beobachter“. Oder „Die Welt gibt es nicht (in der Einzahl).“

Das bedeutet, dass wir, jeder für sich, eine Variante von Welt in uns tragen, sie repräsentieren, und in der Summe, oder auch im Durchschnitt, entsteht daraus der Eindruck einer Welt. Insbesondere durch die materialistische Weltanschauung, die das Vorhandensein einer Welt voraussetzt, und in jeden unserer Gedanken quasi injeziert. Dieser Eindruck täuscht aber insofern, als es „die“ Welt nicht noch einmal extra gibt, jenseits von Denken.

Mit der spirealistischen Sichtweise einher geht eine vollständig verschiedene Auffassung von Denken, Geist, Materie u.v.m., als es sie im Materialismus gibt. Ich füge das auch an dieser Stelle wieder hinzu, weil im Materialisten verständlicherweise sofort die Frage auftaucht, was dann wohl vom klugen menschlichen Gehirn gespiegelt würde, wenn es nicht die Welt sei.


Verwirrenderweise ist hinzuzusetzen, dass der Eindruck einer Welt wiederum eine absolut mögliche und taugliche Beschreibung von Realität ist. Der Spirealismus kann den Materialismus daher auch nicht in einem absoluten Sinn als falsch bezeichnen. Denn der Spirealismus behauptet ja eben nicht, er könne eine einzige Realität finden und diese dann als die „allein gültige Realität“ bezeichnen.

Auch für keine alleinige metaphysische Realität hinter einer „richtigen“ Realität ist das möglich. Warum sollte er auch, wenn er stets und ständig auf das Bestehen vieler Realitäten verweist? Für den Spirealismus gibt es keine „richtige“ Realität.

Und so sind wir bei dem Begriff der Metaphysik, und dessen problematischem Konzept, dass es jenseits einer bestehenden Realität eine andere gibt.

Metaphysik

Die spirealistische Auffassung illustriere ich wie folgt:

Immer, egal auf welcher geistigen Stufe wir uns befinden, haben wir eine singuläre Welt vor uns, mit Himmel, mit Erde, mit den Dingen darin. Und immer gibt es eine dahinterliegende Welt, die wir zu entdecken hoffen. Und wir dürfen hoffen, denn es gibt sie tatsächlich immer wieder, die metaphysische Welt „dahinter“. Denn wir selbst sind die Quelle der Welten, ihre Repräsentanten. Daher können wir, aus denen sie entstehen, auch nicht ihr Ende beobachten, ähnlich wie eine Quelle nicht das Versiegen des Wasser beobachten könnte, das ihr entströmt. Jeder Einzelne ist der Träger einer eigenen Welt (Ich – Universum). Und diese Welt, dieses Universum, schreibt sich fort, von Moment zu Moment, immer anders, immer neu.

Der Übergang einer Realität in eine neue ist letztlich das Konzept von Platos Höhlengleichnis. In diesem Gleichnis ist die neue Erkenntnis eine ultimative Befreiung des Geistes: neues Wissen, neues Erkennen. Statt Schatten an einer Höhlenwand sieht der Erleuchtete nun das wahre Licht, die einzig wirkliche Realität, außerhalb der Höhle – und ist nun völlig befreit. Spirealistisch kommt der Erleuchtete, der einer Höhle entgeht, nun nicht ins Endgültig-Freie, ins endgültige Licht, sondern in eine weitere Höhle, die etwas größer und heller erscheint.

Das bedeutet also: der Spirealismus kann nicht „die Welt dahinter“ beschreiben, weil es nicht eine „Welt dahinter“ gibt, sondern unendlich viele Welten. Immer bewegen wir uns in „der Realität“, wenn wir dies so sehen wollen. Es ist das Anliegen des Spirealismus, eben dieses Nicht-enden-Wollende zu beschreiben – eben aus diesem Grund kann es für ihn keine Endgültigkeit der Aussagen geben.


Achtsamkeit vorausgesetzt können wir sofort beobachten, dass es viele Welten gibt. Jawohl, wir können die Welten und Welten sehen, sie beginnen im uns Nächsten. Wir können das auch an uns selbst sehen, denn unser Wissen schreitet fort, und wir können das metaphysische Konzept im Vergleich von Gestern zu Heute sehen. Jeden Tag entwickeln wir uns weiter, entwickeln neue Konzepte, neue Sichtweisen. Die Sichtweise des Morgen ist Metaphysik für das Heute. Viele Menschen entdecken diese Weisheit erst im Alter, wenn sie feststellen, dass sie als junge Leute quasi „andere Menschen“ waren. Man kann diese Weisheit aber auch jeden Tag entdecken.

 

Irrationalität

Das Konzept nicht enden wollender Erkenntnis, die sich stets neu aus sich selbst heraus generiert, geht schließlich zum Begriff der „Irrationalität“ über, denn wenn die Welt mit ihrer Realität und ihrer Logik nicht in der Einzahl existiert, sondern letztlich alles sein könnte, dann lässt sich auch keine alleinige Logik definieren, bzw. man kann sich auch denken, dass jede Logik in einer spezifischen Sichtweise Realität haben kann. Das bedeutet, es gibt nichts endgültig Aussagbares über Realitäten, Welten, Logik, das über das Menschlich – Subjektive hinausginge.

Man könnte formulieren, dass Logik grundsätzlich subjektiv ist (die Menschheit als Subjekt). Man könnte auch sagen, dass es Logik nicht gibt, denn das Grundkonzept der Logik wie wir sie bisher verstehen ist ja, dass sie eindeutig und unabänderlich logische Ableitungen hat. Ebenso, wie man sagen kann, dass es „die“ Welt in der Einzahl nicht gibt.

Daher nannte ich die Welt an mancher Stelle „irrational“ – sich dem rationalen Schließen entziehend.

Rational in der Irrationalität

Mit dem Spirealismus geht aber keinerlei Verzweiflung einher („Oh, diese Irrationalität!“), sondern einfach die Gewissheit, dass wir nichts weiter tun können, als in unserer Logik zu bleiben, welche das auch immer sein mag. Dies zu tun, bestmöglich zu tun, und dies zu akzeptieren, das ist der Gewinn des Spirealismus, der ja im Ergebnis wieder eine mögliche Form von Rationalität hervorbringt. Wieder eine Welt hinter der Welt, wieder eine Physik hinter der Physik, wieder eine Metaphysik.

Allein schon die Tatsache, dass der Spirealismus das Auftreten vielfach unterschiedlicher Logik, vielfacher Deutungen, das Vorhandensein von Welten und Welten, einfach beobachten kann, ohne sich zu verwirren mit den Widersprüchen der materialistischen Sichtweise, der zufolge all das eigentlich nur einmal auftreten dürfte („Haben wir denn nicht nur eine Welt vor uns?“), ist ein riesiger Gewinn.

Metaphysik und Okkultismus

Dies war eine sehr allgemeine und grundsätzliche Betrachtung des Begriffes Metaphysik, die fragte, was ist das Konzept von Metaphysik? Unter Metaphysik kann man aber auch etwas sehr Konkretes verstehen.

Doch für viele ist Metaphysik Inbegriff für das Geheimnisvolle, das zu Erahnende, das Uralte und zugleich Nicht-Begriffene. Insofern auch wieder die Verbindung zu Ouspensky, dessen „verborgenes Wissen“, alte Schriften, Okkultismus (als die Verbindung grundlegender, oft religiöser, Menschheitsweisheiten). Metaphysik auch als ein uns verborgenes Regelwerk, das durch „Werkzeuge“ wie Tarot seine Gültigkeit erweist (man könnte Tarot auch als Denkmethode sehen).

Metaphysik also als ein Regelwerk das einerseits „da“ ist, man kann es nur nicht richtig beschreiben – anders als die wissenschaftliche Physik beispielsweise. Zugegeben ist diese mangelnde Beschreibbarkeit auch der Grund dafür, dass Metaphysik der Tummelplatz für vielerlei Scharlatane ist, denn im Grunde benötigt man für eine Physik dieser Art wenig Faktenwissen (was das Ganze sehr leicht macht), es käme eigentlich umso mehr auf ein Weltverständnis an (was das Ganze sehr schwer macht). Die Scharlatane aber kommen ohne das Verständnis aus, sie nutzen einfach die bekannten Worte der Geheimwissenschaften, die insofern gar nicht geheim sind. Das Geheimnisvolle an ihnen ist eben das in den Worten liegende Verständnis.


Was ist dran an Metaphysik, verstanden als Geheimwissenschaft mit Bezug zu unserer gegenwärtigen Weltsicht? („unsere gegenwärtige Weltsicht“ würde ich als materialistische Weltsicht bezeichnen. Es ist nicht meine Weltsicht, aber es ist ein Bündel an Denkvoraussetzungen, die fast überall als gegeben angesehen werden).

Metaphysik, verstanden im genannten Sinn, hat für mich viel Wahrheit. Der Spirealismus, den ich auf diesen Seiten immer wieder beschreibe, ist verwandt mit den Grundaussagen der Hermetik. Diese (wenigen) Grundprinzipien gehen stets von der Sichtweise des Geistes aus; erstes hermetisches Prinzip: Alles ist Geist. Diese Metaphysik sagt, bzw. fragt: Was kann über die Welt ausgesagt werden, wenn man nicht den Geist betrachtet, der das letztendliche Werkzeug allen Erkennens ist? Und kommt zu dem Schluss: Nichts! Der Geist ist das grundlegende Prinzip, nicht die Welt. Spirealistisch formuliert: Die ursprüngliche Existenz ist der Gedanke. 

Und diese Sichtweise uns in der heutigen Welt fremd. Die materialistische Physik, wie auch jede andere „richtige“ Wissenschaft will das Psychische ganz aus ihren Betrachtungen ausschließen (lustigerweise will das sogar die Psychologie, die heute allgemeinste wissenschaftliche Aussagen mit Hilfe der Statistik anstrebt).

Ich hatte oft genug dargestellt, inwiefern die „richtigen Wissenschaften“ immer wieder an Grenzen stoßen, durch die hindurch nur eine geistige Sichtweise führen würde, jedoch finden sie sich stets mit dem Beibehalten der grundsätzlichen Widersprüche ab – ganz dem materialistischen Weltbild entsprechend.

Die metaphysische Betrachtung der Dinge als ein geistiges Prinzip hat aber Berechtigung, hat Logik, hat Nutzen, hat Wahrheit. Sie ist daher durch die „richtigen“ Wissenschaften auch nicht auszumerzen, sondern erfährt in der Gegenwart, teils unter ganz anderen Namen, ein Revival. Man denke zum Beispiel an die vielen Filmveröffentlichungen, die einen psycholigischen, existenzphilosophischen, surrealistischen oder spirituell-wissenschaftlichen Plot haben, z.B. Blade Runner, Shutter Island, Krieg der Sterne, Minority Report. Und in den Wissenschaften denken wir an die Atomforschung, Forschungen zur Ausdehnung des Weltalls, des Entstehens von Masse, des Entstehens von Farben. Oder denken wir an den Quantencomputer, denken wir an künstliche Intelligenz.

Ich denke, die „Entdeckung des Geistigen in den Dingen der Welt“ ist der ultimative, fundamental wichtigste Schritt, den die Menschheit irgendwann tun könnte. Und ich hoffe, dass das irgendwann eintritt, denn ich glaube wiederum nicht, dass es hierfür eine absolute Notwendigkeit gibt.

Es wäre, wenn man so will, die Entdeckung der real existierenden Metaphysik.

Lass es geschehen

Gerade las ich zufällig ein schönes Zitat, über das es sich lohnt, einmal nachzudenken.

Leben ist Veränderung. Dieser Veränderung zu widerstehen, wirkt dem Lebensfluß mehr entgegen, als sich ihr zu ergeben. Die Essenz des Lebens ist dessen Verlauf: Die Ereignisse, Bedingungen und Erfahrungen, die uns formen und zeitweise auch aus der Bahn werfen.

Samuel Taylor Coleridge
englischer Dichter und Philosoph
geb. 21. Oktober 1772 in Ottery St Mary, Devon; gest. 25. Juli 1834 in Highgate, London

 

 

Wie oft überlegen wir (stimmt es oder nicht?), wie wir die Spuren des Alters verwischen können, um wieder jung auszusehen. Oder, wenn wir vielleicht 25 oder 30 Jahre alt sind, dann überlegen wir, wie wir verhindern können, dass wir die Freiheiten der Jugend eintauschen gegen das Gebundensein des Erwachsenenlebens. Oder, wenn wir sehr jung sind, dann überlegen wir, wie wir möglichst schnell erwachsen sein können. Und schließlich, wenn wir sehr alt sind, dann möchten wir dem Tod von der Schippe springen und können oft dessen Folgerichtigkeit nicht sehen.

Aber letztlich hat jedes Alter seine Notwendigkeiten, die, wenn man sie akzeptiert, schöne und einzigartige Lebenserfahrungen mit sich bringen. Diese Erfahrungen und Erlebnisse sind so mannigfaltig und so wechselhaft, als würde man durch einen Frühlingswald gehen, und voller Faszination und Ehrfurcht das endlose Wechselspiel von Licht und Schatten betrachten, dass durch Sonnenstrahlen entsteht, die durch grüne Blätter fallen.

Diese Erfahrungen machen zu dürfen, das ist Leben. Ihrer wird teilhaftig, wer sich dem hingibt. Wer das verleugnen will, wer es nicht wahrhaben will, wer damit beschäftigt ist etwas zu verhindern, was kann er beobachten?

Wer sich aber in die Position eines Schauenden begibt, und aufhört in Kategorien von Absolutheit und Objekthaftigkeit zu denken, also zu glauben, die Dinge seien statisch und man könne sie erhalten, der wird einer tieferen Weisheit gewahr. Alles fließt, und wir sind, als Teilchen, Teil eines Flusses.

Das obige Zitat ist schön, denn es drückt eine Lebenshaltung aus, die der Sichtweise des „Alles Fließt“, folgt. Es sagt: Lass die Dinge geschehen! Anders als du glaubst, bist du nicht Herr dessen, was geschieht. Beobachte, und entdecke diese Weisheit! Entdecke die natürliche Kraft, die uns durch das Leben führt, ganz willenlos. Sie ist uns unsichtbar und widersetzlich, wenn wir dagegen kämpfen, aber sie führt uns gütig, wenn wir sie in den Dingen des Lebens erkennen können.

Die Welt als Sichtweise – die Welt als Phantasie

Die Welt ist eine Sichtweise, die sich nach dem Sehenden richtet. Das haben viele kluge Köpfe gesagt, ich habe nur wenige Sekunden gebraucht, um ein passendes Zitat aufzutreiben; jenes von Thackeray. Natürlich wird es dem Materialisten scheinen, als sei das wahr, dann aber auch wieder nicht … Aber das ist eine andere Geschichte.


Auch der große Philosoph Schopenhauer kam zu dem Schluss, die Welt sei eine Vorstellung (sein Hauptwerk: „Die Welt als Wille und Vorstellung“). Er versuchte das in seinen Schriften zu beweisen, darzulegen. In wissenschaftlicher Weise zitierte er, lateinisierte er, bewies er – und war, auf Grund seines enzyklopädischen Wissens auch dazu in der Lage! Doch, eine allzu große Wirkung erzielte er damit nicht, wie er selbst einmal feststellte. Er schrieb, er habe von seiner ganzen Philosophie nicht mehr gehabt, als dass sie ihm vieles erspart habe. Er meinte wohl (in seiner etwas hochtrabenden Art), dass ihm seine Philosophie die Zeit und Mühe erspart habe, sich mit nichtssagenden Leuten abzugeben, sowie deren nichtssagenden Äußerungen. Diese Zeit habe er für sich selbst gewonnen, der besten Gesellschaft, die er kannte.

Dass er der Welt nichts beweisen konnte lag wohl zum Allerersten daran, dass er nichts vorzuweisen hatte, das jenen, die ihn beurteilten sollten, sichtbar war. Was ihm sichtbar war, war jenen unsichtbar. Und so fiel sein Urteil über jene, die ihn umgaben, bitter aus. Umgekehrt machte man sich oft über ihn lustig, empfand ihn als Un-Persönlichkeit, die nur im Abseitig-Geistigen, jenseits des „prallen Lebens“, ihre Existenz hatte. Kurz gesagt: Man verstand ihn nicht.

So wie er versuchten sich viele daran, wissenschaftlich nachzuweisen, was doch in einem Außen nur dann sichtbar wäre, wenn es auch der Glaube der Vielen wäre. Die materialistische Weltanschauung ist ebenfalls ein Glaube. Ein Glaube, der erst einmal durchbrochen sein will, um sich einem anderen Glauben zuwenden zu können. Denn die materialistische Weltanschauung hält sich ihrem Wesen nach nur selbst für möglich, beweist sich selbst, stabilisiert sich selbst. Es ist ein Monotheismus. Der materialistische Glaube hat seine (scheinbaren) Vorteile und Unabdingbarkeiten für die Gläubigen, die nur allzu gern an das Feste, an die Materie, die ihnen ein anderes Wort für Gott ist, glauben möchten.

Die materialistische Wissenschaft möchte stets Psychologie und Glauben abtrennen von dem, was sie selbst formuliert – denn es gehöre nicht zusammen. Glaube und Wissenschaft seien zweierlei. Das sieht Spirealismus natürlich anders. Glaube, Psychologie und Wissenschaft gehören zusammen. Wir haben nur ein Organ der Wahrnehmung für alle Formen des kausalen Schließens, des Beweisens, des Imaginierens – das Bewusstsein. Der Spirealismus fragt: Welche ontologischen Entitäten könnte man untersuchen, würde man beispielsweise den Glauben an das Atom verlieren?

Auch ich mühte mich, die Ergebnisse meiner Überlegungen und meines Glaubens für andere sichtbar zu machen. In der Art eines Konvertiten vom Materialismus hatte ich den Anspruch, das müsse doch beweisbar sein. Doch, was heißt das, wenn man sagt, die Welt ist eine Vorstellung?

Es bedeutet, dass die Welt abhängig ist von der Sichtweise des Individuums. Das Individuum .. das kann auch eine Gruppe von Personen sein – siehe Supersubjektivität). Aber, wenn man nun eine andere Sichtweise hat, die weit von der Sichtweise der Vielen abweicht … ? Was wohl kann man dann den Vielen beweisen? Ich bin da ein bisschen pessimistisch geworden. Im Grunde ist es den Gläubigen des Materialismus schon unverständlich, wenn man nach dem Unterschied zwischen dem Objekt der Anschauung, und der Anschauung selbst fragt – diesen Unterschied soll es dem Materialismus zufolge ja geben. Der Materialist glaubt ja, er habe die einzig mögliche, beste Vorstellung vom ihm vor Augen stehenden Objekt, gleichwohl gäbe es eine Differenz zwischen Denken und Objekt … (man denke an Kants Frage nach dem Ding „an sich“).


Muss man etwas beweisen? Auf materialistische Art kann man jedenfalls nichts Nichtmaterialistisches beweisen. Getreu einer Hauptaussage des Spirealismus („Die Welt ist semantischer Natur“) sehe ich meine Aufgabe eher darin, Worte zu finden, die das Spirealistische in der besten Weise ausdrücken. Das ist gar nicht einfach – die materialistische Welt steckt bereits in unseren Worten. Die Welt (als Vorstellung) ist eben semantischer Natur. Worte sind verdichtete Vorstellungen. Die Aufgabe ist, nicht-materialistische Vorstellungen mit materialistischen Worten zu formulieren! Wenn das denn überhaupt möglich ist, so ist es schwer. Doch es hilft, wenn man sich zumindest der Problematik und des Ziels bewusst ist.

Weil ich eben den Spirealismus in der wirksamsten Form darlegen und nachweisen möchte, sind mir Worte des Glaubens, des Okkulten, des Symbolismus, nicht fern (siehe auch Ouspenskys „Der Symbolismus des Tarot“. Sie gehören dazu, denn die Welt als Vorstellung ist naturgemäß auch eine Welt der Phantasie. Ich kenne keine Worte, die es schöner ausdrücken, als jene Ouspensky’s. Es geht ihm um jene allgegenwärtige Phantasie … sie ist eine Naturkraft.

 

Die Natur träumt, improvisiert, erschafft Welten. Lerne, deine Vorstellungskraft mit ihrer Vorstellungskraft zu vereinen, und dir wird nichts jemals mehr unmöglich sein. Wende dich ab von der äußerlichen Welt und suche in dir. Dann wirst du das Licht finden.

P. D. Ouspensky
esoterischer Schriftsteller, Schüler von Georges I. Gurdjieff
* 4. März 1878 in Moskau; † 2. Oktober 1947 in Lyne Place, Surrey

 

 

 

Hilfe, ich höre Stimmen! Die innere Stimme und die Vielschichtigkeit des Selbst

Es ist eine Kuriosität, dass die Menschen sich als Individuen sehen, ohne die vielfältigen Verbindungen zu bemerken, die in ihnen sind.

Was genau meine ich? Woran können wir das sehen?

Nun, an uns, zum Beispiel.

Hilfe, ich höre Stimmen!

In uns sind Stimmen – viele Menschen hören sie gar nicht. Die sogenannte „innere Stimme“ ist ihnen fremd. Daher gibt es Trainer, die den Menschen erklären, dass sie innere Stimmen haben und lernen können, auf sie zu hören.

Ich erinnere mich, dass es auch mir einmal fremd war, von einer „inneren Stimme“ zu sprechen, und die Vorstellung Stimmen im Kopf zu haben, erschreckte mich und erschien mir bedrohlich wie eine Erkrankung. Ich lernte erst, diese Dinge als normal anzusehen und die innere Stimme als etwas ganz Alltägliches und Hilfreiches wahrzunehmen. Als etwas, das einfach da ist – es ist niemandes Verdienst … Es ist aber auch eine bedauernswerte Selbstentfremdung, wenn man diese innere Stimme nicht hören kann. Es lohnt sich, auf sie zu achten.

Ich weiß noch, wie kurios es mir schließlich vorkam zu erfahren, dass viele Psychologen mit dieser inneren Stimme wenig anzufangen wissen, sie nicht kennen. Sie wollen also Patienten davon heilen (böse) Stimmen zu hören, und haben nicht die mindeste Vorstellung davon, wie das ist, so eine innere Stimme. (Ich war, wie ich in Alles ist Geist schrieb, eine Zeit lang recht involviert mit Psychiatrie und Psychologen, denn mein Sohn hatte eine psychische Erkrankung)

Schweigen über das Selbst

Da übrigens die Menschen über ihre innersten Vorstellungen kaum reden, ist es fast ein geheimes Wissen, wie selbstentfremdet die Menschen heutzutage sind. Sie beurteilen sich und andere demgemäß, was sie sich in einer Art unehrlichem Smalltalk gegenseitig über „vernünftiges Denken“ erzählen. Auch Allernächsten wird nur ganz selten das Innerste offenbart; meist jedoch wollen die Menschen als irgendetwas erscheinen.

Insofern ist das Unwissen über die Mächte des Inneren sehr groß, obwohl doch der Mensch stets meint, sich in sich selbst sehr gut auszukennen. So entsteht das Bild des unheimlichen „Es“, eines Gedanken-Ungeheuers, das im Keller des Ich einer geheimnisvollen Denk-Tätigkeit nachgeht, und sich erfrecht Gedanken zu denken, die einerseits ganz tierisch und grob sind, uns andererseits nicht gerade unbekannt. Wir haben einige Mühe, sie in unser Selbstbild, das vom oben genannten unehrlichen Smalltalk geprägt ist, zu integrieren.

Statt offen zu sein für das, was sie in sich finden, haben die Menschen ein eher heiliges Bild von sich selbst, das sie nach Außen transportieren wollen. Andere sollen ja nicht (über sie) denken, dass …

Der Smalltalk erleichtert die illusorische Integrität des Selbstbildes; man führt tagein tagaus seltsam seichte Konversationen, um nur ja nicht das zu berühren, das man doch mit Fug und Recht eigentlich als das Wichtigste sehen könnte – die Art und Weise wie man Dinge sieht; und wie man schließlich und endlich sich selbst und andere wahrnimmt …

Nur einmal angenommen, die Menschen würden mit dem Smalltalk aufhören und anfangen offene Gespräche zu führen, so würden sie sich ihres Scheins entblößen; sie stünden sie da wie der Kaiser ohne Kleider. Man könnte das Lächerlichste sehen. Die geheimen Gedanken, die Dummheiten, die oft unanständige innere Stimme …

Man stelle sich das vor … auch bei den Mächtigen, den Regierenden, die, entkleidet ihres Pompes, nur als das erscheinen könnten was in ihnen ist. Dann ginge es um kluge Gedanken, so aber geht es um Floskeln.

Es wäre es eine große Erleichterung, zu erfahren, wie alltäglich all die inneren Welten sind, wie normal. Was im Außen geschieht käme uns weit weniger unvorhersehbar vor, gäbe es eine Kultur der Ehrlichkeit. Andererseits hätten Moral-Scharlatane, wie sie heutzutage Konjunktur haben, geringe Chancen.

Aber, eine solche Offenheit ist natürlich reine Theorie.

Ich glaube jedoch, dass hierin die Chance der Menschheit liegt, sich weiterzuentwickeln. Sie fände, was sie angeblich so lange sucht: die Möglichkeit eins zu werden, bis zu einem gewissen Grad. Denn die Chance der Menschheit auf Frieden muss in Selbsterkenntnis liegen … worin sonst? Schließlich liegt alles (beeinflussbare) Ungemach des Menschen seiner Quelle nach in ihm selbst.

Wahre Selbsterkenntnis aber ist dem Wesen nach nicht angenehm. Selbsterkenntnis ent – täuscht – d.h.: Ihr Wesen ist, Täuschungen über das Selbst aufzuheben. Die dafür nötige Offenheit erzeugt unangenehm-angreifbare Nacktheit. Die Täuschung des geliebten heiligen Selbstbildes wird zerstört. Wer glaubt, so etwas sei ein Fest, der irrt. Jedoch befreit es.

Spruchbild Bildspruch Spruchbild Bildspruch Indem wir etwas beim Namen nennen, verliert es an Macht

Indem wir etwas beim Namen nennen,
verliert es an Macht über uns.

Hermann Bahr
österreichischer Schriftsteller und Kritiker
geb. 19. Juli 1863 in Linz; gest. 15. Januar 1934 in München, lebte 71 Jahre.

Wessen Stimme ist das?

Merkwürdig genug ist so eine innere Stimme ja, denkt man sich den Menschen als Eines. Mit wem spricht man da? Mit sich selbst, natürlich, aber zu welchem Zweck? Welche zwei Meinungen will man da einholen, wenn es doch nur einer ist, der spricht? Wie kann Eins zu Zwei werden?

Die Antwort ist: Es ist von Anfang an nicht Einer. Das ist nur, wie wir uns sehen – im Großen als voneinander völlig getrennte Individuen, und das Individuum wiederum als einen Geist, der getrennt von einem vielgliedrigen Körper ist.

Allein schon die vorausgesetze Trennung von Geist und Körper ist ein kaum nachvollziehbarer Kunstgriff der materialistischen Weltsicht – sie muss wohl sein, wenn man einmal Geist und Materie als voneinander strikt getrennt definiert. Heben wir diese Trennung einmal gedanklich auf, denken wir also spirealistisch, dann haben wir den ganzheitlichen Menschen vor uns. Ein Körper, der Geist ist, und dessen ganzes Sein in diesem Körper zum Ausdruck kommt. Der Körper als Bild des geistigen Seins. Sehen wir also unseren Körper an, so besteht er aus vielen Teilen, die jeder für sich auch Bedürfnisse haben, die sich wohl fühlen können, oder auch nicht; Teile, die leben wollen, es aber nicht einzeln können. Sie benötigen die Verbindung dazu, den Staat … dessen Bild der Körper ist.

Das ist der Mensch – das ist das Ganze; es besteht aus Vielem. In uns ist Vieles. Wir können es nicht im Einzelnen benennen (oder können wir es doch benennen? Neulich sagte mein kleiner Sohn, als ich ihn fragte, ob er noch Hunger habe, sein Bauch sage ihm „nein“ …), aber, das ist der Ursprung der „inneren Stimme“. Es sind eigentlich Stimmen (Mehrzahl).

Gehorchen uns (dem Ganzen) diese Stimmen? Oder ist es umgekehrt  – gehorcht das Ganze den Stimmen? Das ist wohl eine Frage der Sichtweise. Üblich ist, dass sich das Ich als Eins sieht und es den Widerstreit der Vielstimmigkeit als Ausdruck des eigenen freien Willens interpretiert. Schließlich entstammt der Vielstimmigkeit dann jeweils ein Entschluss … ein einziger. Und das Ich sieht sich als eins.

Doch es lässt sich auch anders denken: Das Ich als Sprachrohr der Vielheit, d.h. der vielen Einzelinteressen.

So gesehen macht auch Nietzsches „Es denkt“ mehr Sinn: nämlich als innere Stimme (Denken), die ohne eine Absicht, die das Ich vereinnahmend als „meine Absicht“ bezeichnen könnte, spricht.

Spruchbild Bildspruch Spruchbild Bildspruch Es denkt

Es denkt.

Friedrich Nietzsche
deutscher klassischer Philologe und Philosoph
geb. 15. Oktober 1844 in Röcken; gest. 25. August 1900 in Weimar, lebte 56 Jahre.

 

Zusatz

Der Spirealismus sieht den Menschen als Element der Schöpfung, nicht lediglich als deren Beobachter. Alles Grundsätzliche des Außen findet er in sich. Daher auch kann man die vielfältigen Verbindungen, die der Mensch gewohnt ist im Äußerlichen zu sehen oder herzustellen, auch in sich selbst finden.

Sich aber als getrennt von der Schöpfung zu sehen, als Geist innerhalb toter Materie, DAS ist die täuschende Welt der zehntausend Namen.

Als Grundsatz des Spirealismus erwähnte ich auch des Öfteren, das Eine könne nicht das Andere sein. Das ist, bezogen auf den Menschen, das Prinzip der Individualität. Das Eine könne aber auch nicht ohne das Andere sein – das ist das (uns rätselhafte) Prinzip der allgegenwärtigen Verbindung, die mindestens ebenso Wirklichkeit in unserem Sein hat, wie das Erstgenannte. In uns selbst spüren wir das. In uns sind Viele.

Aus Vielem wird immer wieder Eins – das ist, wieder bezogen auf das menschliche Subjekt, Supersubjektivität. Betrachtet sich das Eine (das Subjekt) genauer, stellt es fest, aus Vielem zu bestehen – das ist Subsubjektivität.

Subsubjektivität ist einfach ein Wort für die spirealistische Gewissheit, dass im Einzelnen, aus dem jedes Ganze (auch der Mensch) besteht, jeweils ein subjektiver Wille herrscht. Subsubjektivität ist ebensowenig „objektiv“ zu umreißen wie Supersubjektivität.

 

Wissen um die eigene Begrenztheit ist auch ein Wissen. Und es ist nicht dumm.

Wissen um die eigene Begrenztheit ist auch ein Wissen, und es ist nicht dumm.

Warum?

Heutzutage hört man vieles über die Allmacht des Menschen, seine Unbegrenztheit, seinen scharfen Verstand. Der Mensch ist sich sein eigener Gott geworden, und er kann nichts Intelligenteres finden als sich selbst. Aus dem esoterischen Bereich (der sich heutzutage oft auf das Allereinfachste verlegt und das Gegenteil einer „Geheimwissenschaft“ ist) kommt die Nachricht, der Mensch sei unendlich. Solche Worte lassen sich leicht sagen. Sie klingen dem Materialisten angenehm; man hört diese Worte häufig und man sagt sie sicherlich gern.

Jedoch waren die klügsten Köpfe stets überzeugt, von einer höheren Macht umgeben und durchdrungen zu sein. Höher als sie selbst. Größer als das menschliche Denken. Wie kamen sie wohl darauf?

Einstein bekannte sich zu Gott – in seiner Sichtweise war es eine namenlose Kraft, auch identifizierbar mit der Natur, mit dem Universum.

Newton, der Physiker der die Gravitationstheorie erschuf und der erstaunten Wissenschaftsgemeinde Formeln zur Berechnung von Planetenbahnen präsentierte, so wie man sie heute noch in Raumschiffen anwendet, wollte zunächst mit seinem Wissen gar nicht an die Öffentlichkeit. Denn er wusste, dass, alles was er präsentieren würde, nur ein Aspekt der Wahrheit sein würde. Das Wesen des Kosmos hingegen, das auch er so gern ergründet hätte, blieb ein Rätsel. Ein Rätsel, dem zumindest er voller Ehrfurcht gegenüberstand.

Und war es nicht Sokrates, der sagte: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“?

Spruchbild, Bildspruch: Ich weiß daß ich nichts weiß Um diesen Unterschied

Die Allermeisten die wir heute „groß“ nennen, hatten die feste Vorstellung, dass es eine höhere, eine rätselhafte, eine namenlose Macht geben müsse, jenseits ihrer Begriffe. Dass die Welt rätselhaft ist, und sie diesem Rätsel gegenüberstehen wie Winzlinge.

Hingegen glauben ausgerechnet die Kleingeister stets an die Allmacht des eigenen Geistes. Denn, so räsonieren sie, was soll es wohl „bringen“, den eigenen Geist, das eigene Wesen, als begrenzt anzusehen? Und im Umkehrschluss: Einen Gott zu imaginieren, der über ihr Schicksal waltet?

Hier die Antwort: Der Gott ihrer Vorstellungen ist so klein wie sie selbst. Es ist ein Gott nach ihrem Ebenbilde. Und so fragen sie sich natürlich: Warum soll ein Gott, der so einer sein muss wie ich, über mich bestimmen? Tja, so gesehen, haben sie natürlich Recht.

Aber … das ist das absurdeste Verständnis Gottes!

Spruchbild, Bildspruch: Alles was man von Gott aussagen kann das ist Gott nicht

Und – was soll es „bringen“, die eigene Begrenztheit zu erkennen? Nun, ganz einfach: Es bringt uns der Wahrheit ein Stückchen näher. Es ist wahrer als die unerträgliche Selbstschmeichelei. Erst durch Erkenntnis der eigenen Beschränktheit wird der Weg frei zu Gott, zum Höheren, wie auch immer man es bezeichnet, worin auch immer man es sieht.

Das Wissen um die eigene Beschränktheit bedeutet nicht zu sagen: „Ich bin dumm.“ Sondern, das zu wissen ist erstens auch ein Wissen, das es erst einmal zu erlangen gilt – offenbar ist das gar nicht so einfach. Es ist zweitens ein wesentlich intelligenteres Wissen, als das Wissen um die eigene Unbegrenztheit, das man auch eine hochmütige Blasiertheit nennen könnte.

An das Höhere zu glauben, es zu sehen, das ist Wahrheit. Es tut gut, und es macht gesund. Weil es uns in ein natürliches Verhältnis zu dem uns umgebenden Geist bringt. In der richtigen Proportion.

 

Endlich im Unendlichen – Verständnis für Kontingenz

Kontingenz ist ein philosophischer Begriff, der die Nicht-Notwendigkeit des Vorhandenen charakterisiert, und andererseits die Möglichkeit von Allem. Kontingenz (griech., „etwas, was möglich ist“). Wie kommen Philosophen auf so etwas – und was bewirkt es? Ist denn das Sein nicht begrenzt auf das, was wir vor uns sehen?


Kontingenz ist ein Gegenbegriff zu jenem Denken, das die Möglichkeiten der Natur als eng begrenzt sieht, als einschränkbar auf das, was das (menschliche) Denken wahrnehmen kann.

Kontingenz ist der Gegenbegriff zu Alternativlosigkeit – jenem Denken in angeblichen Unabdingbarkeiten, in Notwendigkeiten etc..

Kontingenz ist eine schwer fassbare, aber deshalb nicht weniger zutreffende Weltauffassung. Es handelt sich dabei nicht um etwas ganz Abstraktes, sondern wir begegnen dem Unterschied der Begriffs-Welten in vielen Themen der Gegenwart. Im ganz Alltäglichen ist der Unterschied zwischen jenen, die auf Grund ihrer Weltsicht alles für möglich halten, und jenen, die in der Natur enge Grenzen des Möglichen vermuten, sehr sichtbar und geht in die einfachsten Begriffe ein.

Die Vertreter der Alternativlosigkeit können es sich beispielsweise schon nicht so recht vorstellen, dass es eine vernünftige Vernunft jenseits der eigenen geben kann. Man denke an das Wort „postfaktisch“: die „Fakten“ sind im eigenen Besitz; jene aber, die eine Gegenposition zur eigenen Position einnehmen, werden als „jenseits von Fakten“ imaginiert.

Oder, dass sich ein (gesellschaftlicher) Zustand leicht wandeln kann, zum Beispiel von Reichtum zu Armut, von Frieden zu Krieg, von Freiheit zu Unterdrückung. Sie glauben im Sein stets eine sichere Bank zu haben, gleich einem unwandelbaren Objekt. Das Sein betrachten sie als starr und statisch – und sich selbst als im Besitz des besten Begriffes davon.

Während also das Denken in Unbedingtheiten stets im Objekthaften verharrt, der Mensch sei so und so, die Gesellschaft sei so und so (und nicht anders denkbar), ist Kontingenz verbunden mit der Vorstellung einer Welt, die im Flusse ist; durch den menschlichen Geist letztlich als Objekt unfassbar, denn sie ist in jedem Moment des Begreifens ein wenig anders. Und – wenn sie kaum fassbar ist, so ist damit auch eine Vorstellung eines Unwissens über ihre Möglichkeiten verbunden.

Spruchbild, Bildspruch: Es ist unmöglich zweimal in denselben Fluss zu springen

Dazu im Gegensatz meint der Vertreter des Objekthaften stets, die Objekte seiner Anschauungen seien nicht anders auffassbar, als in der eigenen Perspektive. Auch auf die Zukunft projeziert er seine Überzeugungen – die Zukunft könne sich nur zwischen den Zuständen A und B abspielen, meint er.

Aus dem Wissen um das prinzipielle Wesen der Zukunft leitet der statisch Denkende beispielsweise ab, der Mensch würde sich vom Niederen zum Höheren entwickeln. Seine Zukunft, das könne nicht anders sein, sei die einer weltumspannenden Einigkeit, eines End-Glücks ohne Widersprüche. Dass der Mensch die Widersprüche, und damit Streit und Krieg, selbst generiert, wie ein ewig drehender Dynamo, will dem Vertreter der Unbedingtheiten nicht so recht einleuchten. Er sieht den Menschen als getrennt von der Welt, als geniehaften Beobachter. Die Welt, so meint er, würde vom Menschen lediglich klug analysiert und gestaltet, und betreut wie ein alter Opi.

Und, noch eins: Weil selbstverständlich keine Sekunde zu verlieren ist, die Welt ihrem glücklichen Schicksal zuzuführen, findet man im Lager der Verabsolutierer viele Revolutionäre, Heilsbringer und Weltverbesserer. Sie sehen sich als Katalysatoren des Weltglücks – einer ihrer Auffassung nach unvermeidlichen Entwicklung, wodurch sie sich auf Seiten einer natürlichen Gesetzmäßigkeit wähnen. Die Menschheit, so meinen sie, werde ihnen Dank wissen, ist erst der glückliche Endzustand erreicht.

Doch sind sie es meist selbst, die die Welt verheeren mit ihren vielversprechenden Ideen. Diese Ideen wirken verschieden, sind es aber im Wesen gar nicht. Es geht immer um die Erlösung des Menschen durch ein großes Glück in Einigkeit … ein festes und dauerhaftes Glück sozusagen – so statisch wie das Denken jener, die an es glauben.

Denken wir an den Dreißigjährigen Krieg, der um den rechten Glauben (Katholizismus an Stelle des aufkommenden Reformgedankens) geführt wurde. Und damit um die „richtige“ Erlösung. Denken wir überhaupt an sogenannte „Glaubenskriege“ (geht es denn nicht immer um Glauben?). Denken wir an die große chinesische Hungersnot, die ausbrach, weil die chinesische kommunistische Regierung die Landwirtschaft ihrem Glauben gemäß umbauen wollte; sie kostete viele Millionen das Leben. Denken wir an die Gulags Stalins – das waren Säuberungen im Namen des großen sozialistischen Gedankens, der alle Menschen als potentielle Brüder sieht. Wer wohl konnte gegen dieses Große Glück sein? Derjenige musste in den Gulag! Denken wir an den Zweiten Weltkrieg, den Hitler sich zu führen traute, denn er wollte die Deutschen ihrem dauerhaften Glück und ihrer Erlösung zuzuführen – wieder liegt die Erlösung in der uneingeschränkten Gültigkeit der Ideologie, respektive ihrer Weltherrschaft. Denken wir an die Roten Khmer, die einmal mehr die Welt mit der altbekannten Erlösungsideologie beglückten, welche natürlich wieder,  für den Moment, die „harte Hand“ nötig machte.


Der Spirealismus ist eine Philosophie, die den Menschen als endlich im Unendlichen sieht. Das Endliche seiner Gedanken, das ist das menschliche Sein. Die Unendlichkeit dessen, was nicht in seinen Gedanken ist, die Unendlichkeit des Möglichen also, ist ihm das Nichts, oder auch die „Nichtexistenz“.

Doch, was weiß er über das Nichts? Nichts. Nur innerhalb seiner paradoxen materialistischen Weltanschauung will es ihm scheinen, als verfüge er über die  Möglichkeit, das Nichts einzugrenzen, in dem er es verdinglicht, zu dem Nichts.

Aus der Sichtweise des Spirealismus folgt Kontingenz – die Möglichkeit von allem, die Nicht-Notwendigkeit alles Bestehenden, als völlig normale und logische Konsequenz. Statisches Denken ist ihm fremd.

Du bist nicht eins mit der Welt

Du bist nicht eins mit der Welt – und musst es auch nicht sein.

Die Welt – das sind Viele und Vieles. Vieles, das sich unterscheidet, so wie du dich unterscheidest von allem anderen. Das ist das kosmische Grundgesetz: Das Eine kann nicht das Andere sein. Das Eine kann nicht ohne das Andere sein.

Das Eine kann nicht das Andere sein bedeutet, dass es nicht zwei gäbe, wenn alles gleich wäre.

Und, das Eine kann auch nicht ohne das Andere sein, aus demselben Grund: sonst könnte es nicht zwei Dinge geben. Das Eine definiert das Andere. Ohne Zwei keine Eins, ohne Eins keine Zwei.

Übereinstimmung zu suchen ist eine Sache. Aber, Grenzen zu definieren ist die andere Sache – beides gehört zusammen. Die eine Seite des Prinzips ist nicht besser oder schlechter als die andere.

Viele Menschen suchen die Einheit. Sie wollen unbedingt passen, sie wollen übereinstimmen, sie wollen Gleichheit und Einheit mit der Welt. Es gibt für diese Einheit viele schöne Worte und Namen. Worte, die zu Ideologien wurden, und zum Unglück für Viele. Denn sie hörten auf, an sich zu denken und daran, dass sie immer noch ganz eigene Gedanken haben. Dass sie ganz eigene Gedanken haben dürfen, und ganz eigene Gedanken haben müssen.

Viele Menschen leiden sehr darunter, dass sie einfach nicht zu dem passen können, was sie für die eine und einzige Realität halten. Und dass, aus ihrer Sicht, umgekehrt, vieles Äußerliche einfach nicht passen will, nicht dazugehören will. Dass sich das Viele der Einheit(lichkeit) entzieht, die ihnen doch als das einzig Vernünftige erscheint. Warum ist das so? Wieder: weil es nicht anders kann – das Viele muss verschieden sein! Wo oder was wäre sonst die Welt?

Wenn du das kosmische Prinzip verstehst, dann ist der (schöne?) Traum von der Einheit der Welt dahin. Dafür aber verspürst du etwas Besseres und viel Stärkeres: Ein Verständnis für die kosmische Ordnung. Wenn du die Einheit in Gott suchst – das ist sie; sie liegt in deiner Individualität. Wenn du die Verbindung zum Unendlichen suchst – das ist sie; sie liegt in deiner Endlichkeit.

Das ist die Einheit die du wirklich suchst, sie liegt in diesem Verständnis.

Lerne zu schweigen, wenn du nichts Rechtes zu sagen weißt

Unsere Welt ist, was wir darüber denken. Daher ist jeder Gedanke an die Welt .. die Welt selbst.

Es ist eine alte Weisheit, sich in seinen Gedanken zu zügeln. Was man denkt, wird zum eigenen Schicksal. Denn, so wie man denkt, so wird man handeln. Man kann es auch so sehen: Was man denkt, das ist bereits das Schicksal. Denn, so wie man denkt, gibt man die Welt wieder, so, wie man sie erlebt. So, wie sie sich schicksalhaft für das Ich geformt hat.

Mehr noch als unsere Gedanken ist, was wir reden, unser Schicksal. Denn der Gedanke ist schnell im Vergleich zum Wort. Was wir reden, haben wir in vielen schnellen Gedanken geformt.

Und, bedenke: Was du redest, das wird auch gehört. Mindestens von dir selbst. Du kennst das, dass dich jemand zu etwas überredete. Dass du von etwas überzeugt wurdest, durch die starke Kraft von Worten. Doch wer wäre überzeugender, als du, dir selbst gegenüber? Daher: Achte auf deine Worte, ob sie sich im Geist bilden, oder ob sie dir über die Lippen kommen; ob du nun allein bist, oder in Gesellschaft.

Bevor wir uns noch unseren Gedanken zuwenden können, und versuchen können, durch sie unsere Welt zu formen, müssen wir auf unser Reden Acht geben. Der erste Schritt ist, dass wir schweigen, wenn uns nichts Rechtes einfällt. Wenn wir nicht zielführend reden können, sondern nur so daher. Wenn wir defätistisch reden – welchen Sinn soll das haben? Wenn wir nur reden, um auch einmal etwas zu sagen, oder um klug zu erscheinen. Wenn wir werten, urteilen, schlecht reden – so zum Smalltalk, oder, weil wir Klatsch lieben.

Mehr nützt es dir, die Dinge offen zu lassen. Nicht werten, so lange die Dinge oder Menschen keine Bewertung benötigen. Dann werden dort, wo du durch Reden Verschlossenheit erzeugen würdest, viele Möglichkeiten bleiben. Möglichkeiten, die Chancen sein können. Möglichkeiten … Dinge, die noch nicht ausgeformt sind und die der Bewertung, des Fest-Werdens, harren. Dann vielleicht in einem von dir gewünschten Sinn.