Aspekte des Ich-Universums, Teil 2: individuelle Wahrnehmung erschafft die Realität – Wahrnehmung ist immer verschieden

Im letzten Abschnitt ging es um eine Denkvoraussetzung, die es ermöglicht das Konzept des Ich-Universums zu verstehen. Um die Wahrnehmung, dass die Dinge Gedanken an Dinge sind. Warum sage ich Wahrnehmung, und nicht, es wäre eine These oder Überlegung, wenn ich von Dingen als Gedanken an Dinge spreche?

Ich will das einmal ganz praktisch ausdrücken: Für mich ist es die Basis meines Denkens geworden, die Gedanken als die Quelle des Kosmos anzusehen. Daher sind alle Begriffe, die ich denken kann an diese Denkvoraussetzung gebunden. Es ist meine Wahrnehmung, dass die Aussage „Die Dinge sind Gedanken an Dinge“ vollständig zutrifft.

Nun weiß ich, dass dies nicht die Wahrnehmung der Leser dieses Artikels ist, und akzeptiere das, jedoch die eigene Wahrnehmung in keiner Weise schmälernd, denn ich gehe ja nicht davon aus, dass Wahrnehmung etwas wäre, das alle zugleich haben müssten. Vielmehr gehe ich davon aus, das Wahrnehmung immer verschieden ist, und sein muss. Insofern sehe ich nicht den Imperativ der Abstimmung in dieser zutiefst fundamentalen Frage, auch wenn, man könnte auch sagen: gerade weil ich weiß, dass das Hauptsächliche Wirkprinzip des Materialismus die Übereinstimmung mit Anderen ist. Wo man also, im Denksystem des Materialismus wohlgemerkt, keine Übereinstimmung mit Anderen findet, vermutet man auch keine Wahrheit – diesen Grundsatz muss der Spirealismus durchbrechen,

Im Gegenteil: Wie man etwas wahrnimmt, ist eine Frage der Begriffe, die in einem sind. Und so kann, was man wahrnimmt, nie völlig gleich einer anderen Wahrheit sein, sind doch die selbst gekannten Begriffe (und damit das, was wir hier Ich-Universum nennen), immer verschieden.

Ich selbst erlangte meine Wahrnehmung der Welt, auf die Art wie ich sie beschreibe, durch das jahrelange Zusammensein mit einem psychisch „kranken“ Menschen aus unserer Familie, woraus für mich irgendwann der Gedanke erwuchs, den ich für uneingeschränkt richtig erkannte:

Die Realität ist die Realität unserer Gedanken

Ich kann die Eindringlichkeit der Erfahrung, die man mit psychisch kranken Menschen machen kann, in keinem Text wiedergeben (auch wenn ich es gleichwohl in Alles ist Geist versuchte), und bin sogar inzwischen einigermaßen pessimistisch, was das Vermitteln der hieraus gewonnenen Überzeugungen angeht. Denn nicht nur sehe ich Unverständnis bei vielen Lesern, ich weiß auch selbst noch recht gut, wie schwierig es war, diese Grundüberzeugung widerspruchsfrei in meinem eigenen Denken zu verankern. Denn sie trifft auf ein widerständliches (Ich-)Universum diametral entgegengesetzter Überzeugungen, die gelernt und verankert sind, die in uns Menschen eine jahrtausendelange Tradition haben (wir sind alle miteinander verbunden und die Überzeugungen der Menschen drücken sich natürlich auch in mir aus), so dass diese Überzeugung und der o.g. Satz, nicht in ein- und demselben gedanklichen Universum Platz haben.

Doch weil für mich nun die Dinge nichts anderes als Gedanken sind, fasse ich das Wörtchen Wahrnehmung ebenfalls ganz anders auf als die meisten Menschen, denn ich gehe davon aus, dass zwei Menschen nicht genau dieselbe Wahrnehmung haben können. Oder können zwei Menschen genau denselben Gedanken haben? Nein, das können sie nicht.

Denn erstens ist das Denken das Werkzeug der Wahrnehmung, nicht ein Auge oder ein Ohr, und daher kann das, was gedacht und begriffen wird, nie unabhängig sein von den im Ich bereits vorhandenen Gedanken bzw. Erfahrungen, nicht unabhängig sein von der vorhandenen Denkwelt. Alles was begriffen wird, kann nur begriffen werden mit den Begriffen die ich habe, so wie ich auch nur alles zu benennen weiß mit den Worten die ich habe.

Und zweitens steht dies nun wieder in tiefer Übereinstimmung mit dem Resultat der Spirealismus Überlegungen:

Wir (Menschen) sind Elemente der Schöpfung, nicht ihre Beobachter.

Das bedeutet, dass, während wir von objektiv vorhandenen Dingen (Objekten), von denen wir uns umgeben glauben, Informationen abzurufen meinen, sie also im materialistischen Sinn zu beobachten, sind wir selbst die Quelle der Objekte. Während wir beobachten erschaffen wir eigentlich.

Der materialistisch geschulte Mensch meint, auf der Basis seiner Überzeugungen, wir würden alles auf dieselben äußerlichen Objekte schauen, wir müssten doch im Prinzip alle dieselbe Wahrnehmungsfähigkeit haben. Ich hingegen bestreite dies bereits im allerersten Grundsatz, und sage, dass das im Gegenteil gar nicht möglich ist. Was wir als „gleich“ bezeichnen ist in Wirklichkeit mehr eine Ähnlichkeit als eine wirkliche Gleichheit, und diese Ähnlichkeit wiederum tritt nicht auf der Basis von äußerlich festen Objekten auf, die wir alle zugleich beobachten, sondern treffender kann man formulieren, dass die Gleichheit das Ergebnis eines Abstimmungsprozesses ist. Diesen Abstimmungsprozess kennen wir als unser Miteinander-Sprechen, oder unser gemeinsames Erleben, er tritt aber auch in nahezu jeder anderen Gestalt auf, die wir kennen. Der Abstimmungsprozess von dem ich spreche (oft nenne ich ihn Kommunikation), ist nicht in erster Linie etwas, zu dem es den freien Willen des Menschen benötigt, oder seinen hohen Geist, mit dem er Dinge erkennt und benennt, sondern dieser Abstimmungsprozess, diese Kommunikation, tritt sozusagen natürlich auf, und sie ist in vollem Gange, wenn wir nur die Augen öffnen, oder etwas hören. Es ist also die Rede von einer nicht-menschlichen Kommunikation, die sich in aller Natur stets und ständig ausdrückt, zu der es uns Menschen also nicht im Besonderen braucht, und die auch nicht vom Menschen ausgeht, sondern die sich einfach im Menschen, auf menschenspezifische Art, fortsetzt.

Dazu passt, was ich über die hier vorliegende Kommunikation sagen kann, über die hier niedergelegten Worte: Indem ich vom Spirealismus schreibe und über Konsequenzen dieser Überlegungen berichte, kann ich nicht davon ausgehen, jedermann zu „überzeugen“, denn Kommunikation ist ja kein Ausrichten des Verstandes auf äußerlich vorhandene Dinge, auch Fakten genannt, die also jedermann im Endeffekt überzeugen müssen. Sondern der Kosmos (gemeint ist die kosmische Ordnung, Kosmos soll hier nicht verstanden werden als ein zweites Wort für „das Universum“) ist eine Abstimmung, die innerhalb eines Feldes völlig unbegrenzter Möglichkeiten auf etwas Einzigartiges führt, dessen Existenz der Gedanke daran ist, und dessen „materielle Festigkeit“ davon abhängt, wie stark, wie oft dieser kosmische Gedanke in Ähnlichkeit auftritt.

Im menschlichen Verständnis sehen wir die Funktionalität dieser Abstimmung auf etwas Einzigartiges, jedoch nicht mit einer Notwendigkeit Existierendes daran, dass jeder Gedanke den man „sinnvoll“ äußern kann, auf Grund der im individuellen Denken vorhandenen Voraussetzungen beurteilt wird. Was dem Individuum nicht recht sinnvoll erscheint, oder nicht wahrscheinlich, wird die Menschen mit einer Art Müdigkeit und Desinteresse erfüllen, und sie werden sich fragen, was sie wohl etwas interessieren soll, das doch die meisten anderen Menschen (ihrer Umgebung) nicht für möglich halten oder nicht wissen. Das wiederum führt zu Kommunikationslosikeit, und wo Kommunikationslosigkeit ist, kann es keine Objekte geben, die im Denken auftauchen. Man könnte sich das Letztgesagte auch so vor Augen führen: Für uns kann es nur das geben, was wir auch sehen können, worauf wir unsere Augen richten, wohingegen das uns im Rücken Befindliche, nicht Gesehene, nicht Gedachte, keine Existenz hat und nicht haben kann.

Umgekehrt bekommt all das eine sofortige Form von Existenz, an das wir nur denken, wir nennen das Denken, das zunächst „unbewiesen“ ist, weil es „nur“ im Individuum auftritt, eine Phantasie, einen Glauben, eine Wahrscheinlichkeit, etc..

Womit ich sagen will, dass im Prinzip all unser Denken eine Art Glaube ist, der (ganz ähnlich einem religiösen Glauben) im Letzten nicht beweisbar ist. Und wieder (ganz ähnlich einem religiösen Glauben) seine Funktionalität in einer Realität findet, die durch ihn erschaffen wird. Weiterhin findet dieser Glaube (ganz ähnlich einem religiösen Glauben) seine Beweiskraft in sich selbst und stellt sich (ganz ähnlich einem religiösen Glauben) dem Gläubigen als ein Wissen dar, also als das Denken gesicherter Fakten. Und schließlich, ganz ähnlich einem religiösen Glauben, ist auch dieser Glaube wirksam, denn mit dem Glauben wird eine Realität erschaffen, und was wohl ist für uns das ultimative Kriterium für Wahrheit, wenn nicht die ach so heilige, „eine und einzige“, Realität?

Dass man innerhalb einer zusammenhängenden Gruppe (von Menschen) nur das kommunizieren kann, was die anderen bereits  denken, ist eine für die Kommunikation (im Sinne einer Abstimmung) sehr verständliche Funktionalität. Man stelle sich vor, ein chinesischer Gelehrter würde die wichtigsten Weisheiten des chinesischen Volkes vor einem deutschen Publikum ausbreiten … und zwar auf chinesisch. Das würde den Deutschen vorkommen wie etwas zutiefst Überflüssiges, und der fernöstliche Weise würde ihnen erscheinen wie ein Narr, der unverständliches Zeug von sich gibt.

Ganz ähnlich ergeht es mir, wenn ich davon rede, dass die Gedanken die Quelle des Universums sind, eigentlich die Quelle der Universen (Mehrzahl), und das vor einem Publikum, das doch seit Urzeiten gelernt hat, und nun ganz sicher weiß, dass die Quelle des Universums materielle Objekte sind, die wir im Außen beobachten, die eindeutig sind und immer in der Einzahl – woraus dann auch die Mär des Universums (Einzahl) resultiert. Und dieses eine Universum, so glaubt man materialistisch, würden wir Menschen in unserem Denken auf bestmöglich, auf „objektive“ Art und Weise, abbilden, und zwar mit dem Ziel, die Objekte des Außen auf eine effektive Weise zu beeinflussen, sprich: uns in der Welt zurechtzufinden, und diese zu unserem Nutzen zu verwandeln.

Ich weiß also, dass meine Philosophie von den Meisten nicht verstanden werden kann, ich bin mir dessen bewusst. Und ich spüre die Müdigkeit auch in mir, die den Chinesen überkommen muss, der innerhalb einer deutschen Bevölkerung als Einziger seine Landessprache spricht, und der sich schließlich fragen muss, bei aller Richtigkeit dessen, was er da vorträgt, welchen Sinn all dieses Vortragen eigentlich haben kann. Die Funktionalität der Kommunikation, deren erste Regel darin besteht, sich im Denken annähern zu müssen, um schließlich in einem (scheinbar äußerlichen) Punkt übereinstimmen zu können, er verstößt gegen sie. Die Regel selbst ist intakt, und beweist ihre Wirksamkeit eben durch die genannte Müdigkeit.

Dennoch kann ich nicht davon lassen, den Spirealismus in der von mir gedachten Weise darzulegen – ich kann mich dem Denken der Meisten nicht annähern, besteht doch die Aussage des Spirealismus gerade darin, dass der Kosmos in seinen Möglichkeiten unbegrenzt ist und von unserem Denken auf Etwas reduziert, eingegrenzt, materialisiert wird – und dieses Eingegrenzte bezeichnet der Materialist gerade als das Mögliche. Es ist also klar, dass der Spirealismus vom Denken der Meisten abweichen muss, eine neue Form der Weltsicht etablieren muss und deren Konsequenzen benennen muss. Würde er dieses Ziel aufgeben wäre er besser kommunizierbar, bliebe aber beliebig und widersprüchlich und wäre nun erst recht nichts, was mich interessieren könnte.

Der Philosoph Schopenhauer drückte das soeben Gesagte einmal so aus, dass er schrieb, all seine Philosophie (die in ähnliche Aussagen resultiert wie der Spirealismus) habe ihm nie etwas eingebracht: kein Geld, keinen Ruhm (beides irdische Äquivalente für Zustimmung); sie habe ihm jedoch wenigstens viel erspart. Erspart hat sich Schopenhauer durch seine Philosophie viele intellektuell anspruchslose Gespräche, Zeitverschwendung aus seiner Sicht … Immerhin!

Zusammengefasst

Wie man an diesen Überlegungen sehen kann: man kommt hier vom Hundertsten ins Tausendste, von der Auffassung der Gedanken als der Quelle der Universen zu einer anderen Auffassung des Wortes „Wahrnehmung“, und schließlich wäre, an dieser Stelle durchaus passend, einiges zu einem ganz anderen Verständnis des Wortes „menschlicher Wille“ und auch „Freiheit“ zu sagen.

Doch will ich kurz zusammenfassen, worum es in diesem Abschnitt eigentlich geht.

Der Begriff des „Ich-Universums“ wird uns im Grunde nur verständlich, wenn wir die wichtigen Begriffe, die unsere Welt(en) formen, neu denken. Oder andersherum: die aufmerksame Beobachtung unseres Denkens, der Art und Weise wie wir Dinge auffassen, begreifen, lernen, führt uns, wenn wir offen genug sind von den erlernten Imperativen unseres herkömmlichen Weltbildes (des Materialismus) einmal zu lassen, mit Notwendigkeit zur Vorstellung eines Ich-Universums, also einer in sich geschlossenen Welt die in jedem Individuum verschieden ist. Und die im Letzten, von Außen gesehen, nicht begreifbar ist, oder sein kann, denn die Seins-Bedingung des Ich-Universums ist, individuell zu sein, oder, anders gesagt, das Individuum ist der Ausdruck oder die äußerliche Form eines Ich-Universums.

Insbesondere Wahrnehmung muss man sich vorstellen als etwas Einzigartiges, das im Ich seine ganz eigene Form annimmt, und niemals völlig übereinstimmen kann mit etwas Äußerlichem.

Das Ich-Universum, die Gedankenwelt des Einzelnen also, ist individuell und kann von außen nicht als solches „erkannt“ werden. Da es sich um ein Universum (einen Raum) handelt, könnte man auch sagen, dass man das Universum eines anderen nicht betreten kann. Man kann nicht hinein, man kann es nicht einsehen, man kann es nur von „Außen“ beurteilen, und zwar mit den geistigen Mitteln die man selbst hat, und die, eben weil die Wahrnehmung von den geistigen Mitteln abhängt, die zur Verfügung stehen, abweichen muss. Abweichen wovon? Von der geistigen Welt Desjenigen, der sie in sich trägt.

Das, was wir über die geistigen Welten unserer Mitmenschen wissen, können wir ebenso gut unsere eigene Welt nennen, wie eine fremde Welt.

 

Und schließlich kommen wir, wenn wir die Menschen verstehen als die Träger in ihnen existierender, immer verschiedener, Universen, oder auch verstehen als äußerlichen Ausdruck dieser Universen, auf die Frage, was oder wer wohl von dem einen Universum , von dem wir stets phantasieren, und das wir alle zu beobachten meinen, weiß, wer es denkt, wo es sein soll, etc.. Wenn es nicht im Kopf irgendeines Menschen ist … wo ist es dann?

Davon soll im nächsten Abschnitt die Rede sein.

Aspekte des Ich-Universums, Teil 2: individuelle Wahrnehmung erschafft die Realität – Wahrnehmung ist immer verschieden was last modified: Mai 16th, 2017 by Henrik Geyer