Alles und Nichts – kann das Alles zugleich das Nichts sein?

Alles und Nichts - Bildrauschen des Kosmos. Kann das Alles zugleich das Nichts sein?

Alles und Nichts – kann das dasselbe sein?

In diesem Artikel werden die Worte  „Alles“ und „Nichts“ unter unterschiedlichen philosophischen Perspektiven gesehen, und zwar der materialistischen und der spirealistischen Sichtweise.

Über das Nichts

Das „Nichts“ ist in der materialistischen Sichtweise paradox, wie schon Plato feststellte. Obwohl dieser Begriff keine Aussage beinhalten dürfte (denn, was will man über etwas aussagen, das man nicht kennen kann?), erscheint der Begriff wie inhaltsreich. Man verbindet gar Mengenangaben mit ihm („das Nichts“, „ein Nichts“), etc..

Das Paradox  ergibt sich aus der grundsätzlichen Überzeugung, dass der Mensch in der Lage ist, die Welt vollständig zu erkennen. Was er nicht kennt, sei nicht vorhanden. Diese Überzeugung kommt aus der materialistischen Weltanschauung, der zufolge Geist (der Mensch) einen äußerlichen Prozess im Gehirn abbildet. Daher erscheint das Nichts lediglich wie ein momentanes Nichtkennen dessen, was es zwar gibt, was der Mensch aber momentan nicht weiß. Das Nichts erscheint so, als sei es beschreibbar und bereits erkannt. Denn grundsätzlich kann sich der Mensch im materialistischen Gedankengebäude nicht vorstellen, dass es etwas geben kann, das ihm prinzipiell unzugänglich ist.

Der materialistische Mensch sieht die Materie als begrenzt in ihren Möglichkeiten – sie könne nur bestimmte Formen annehmen. Wohingegen der menschliche Geist frei sei, Materie abzubilden wie er will, oder auch zu phantasieren.

Siehe auch der Artikel „Was ist das Nichts?“

das spirealistische Nichts

Demgegenüber nennt der Spirealismus das Nichts nicht erkennbar und nicht eingrenzbar. Dem Spirealismus ist das Nichts ein „Alogon“ im Sinne Platos, also etwas für den Menschen nicht (sinnvoll) Aussprechbares.

Denn es ist eine Konsequenz der spirealistischen Sichtweise, die das menschliche Denken als einen Teil eines umfassenderen Denkens sieht, dass die Begrenzungen, die der Mensch zu sehen glaubt, im Menschen sind, nicht in den Möglichkeiten dessen, was ihn hervorbringt (was ebenfalls Geist ist). Das ergibt sich bereits aus der ersten Überlegung, dass der Mensch, wenn er Teil ist, keine Aussage über das „Alles“ machen kann. Der Teil kann nicht das „Alles“ sein – und kann es nicht beschreiben.

Zwischen dem Teil und dem Alles gibt es eine notwendige Differenz, die nicht überwunden werden kann. Insofern liegen alle Möglichkeiten, aber auch nicht überwindbare Grenzen, im Denken.

Das Alles, und damit auch die Vorstellung vom All, vom Universum, vom Kosmos, ist widersprüchlich, legt man die materialistische Auffassung zu Grunde. Wenn der Mensch das All sieht, glaubt er, er sähe quasi in das Alles. Doch er kann es nicht erfassen – es ist für ihn die paradoxe Unendlichkeit des Möglichen.

Daher ist, was der Mensch sieht, wenn er in das All schaut, nicht das Alles und nicht das Nichts. Sondern eine Möglichkeit.

Alles und Nichts zugleich

Hieraus erklärt sich die Sichtweise, dass das Alles und das Nichts im Grunde dasselbe ist.

Denn, worüber der Mensch eine Aussage machen kann, ist das, was er kennt.

Er kann hingegen nicht sagen, was er nicht kennt, kann es nicht sinnvoll benennen, nicht abzählen, nicht begreifen. Das, was er nicht kennt, könnte man „etwas“ nennen, doch genauso gut auch „nichts“. Das Nichts wiederum ist nicht eingrenzbar – es umfasst alle Möglichkeiten.

Diese Sichtweise hängt auch eng mit der Erfahrung zusammen, dass das Wissen, das der Mensch (die Menschheit) hat, eine Variante ist, eine Möglichkeit; aber keine Notwendigkeit.

Alles und Nichts bildhaft vorgestellt

Man stelle sich das vor wie einen Fernseher, auf dem alle Sender zugleich laufen. Zu sehen ist lediglich ein Rauschen. Keine Information. Keine Möglichkeit zu sagen, wie viele Sender da „zu sehen“ sind. Das ist das Alles. Es ist dem Menschen zugleich das Nichts, denn er erkennt nichts. Alles, was er kennt, ist nicht da.

Wird ein Sender scharf eingestellt, dann ist das in diesem Gleichnis die menschliche Realität. Sie ist eine Möglichkeit, aber keine Notwendigkeit. Man hat einen Sender eingestellt, sieht ein scharfes Bild, aber was ist mit den anderen Sendern? Man verpasst sie, weiß nicht, was auf ihnen läuft. Kann es nie benennen, und dennoch sind sie (vielleicht?) da.

Dieser eine Sender ist die Welt für den Menschen.

 

Zitat Tao Te King

Der Sinn, der sich aussprechen läßt,
ist nicht der ewige Sinn.
Der Name, der sich nennen läßt,
ist nicht der ewige Name.
 »Nichtsein« nenne ich den Anfang von Himmel und Erde.
 »Sein« nenne ich die Mutter der Einzelwesen.
 Darum führt die Richtung auf das Nichtsein
 zum Schauen des wunderbaren Wesens,
 die Richtung auf das Sein
 zum Schauen der räumlichen Begrenztheiten.
 Beides ist eins dem Ursprung nach
 und nur verschieden durch den Namen.
In seiner Einheit heißt es das Geheimnis.
Des Geheimnisses noch tieferes Geheimnis
ist das Tor, durch das alle Wunder hervortreten.

 

Alles und Nichts – das sind doch nur Worte!

Alles und Nichts sind „nur“ Worte, wird mancher meinen – wer sich ihnen zu lange widmet, spräche an der Realität vorbei. Lesen Sie hier, warum Worte die Realität sind ..

 

Alles und Nichts – kann das Alles zugleich das Nichts sein? was last modified: Januar 16th, 2016 by Henrik Geyer