Aspekte des Ich-Universums, Teil 3: praktische Erfahrung des Ich-Universums

In den Texten bisher ging es um eine eher theoretische Betrachtung des Begriffes Ich-Universum, bzw darum, einige Grundsätze darzulegen, die dieser Sichtweise innewohnen. In diesem Abschnitt möchte ich ein wenig praktischer werden und darlegen, wie ich selbst darauf kam, die Fragen zu stellen, die mich schließlich zum Spirealismus führten, und dazu, den Begriff Ich-Universum zu benutzen.

Wie ich schon beschrieb ging es damals, vor einigen Jahren, um psychiatrische Behandlung meines Sohnes, und im Zuge dieser Behandlung hatte ich natürlich vielfältigen Kontakt mit Ärzten, Psychologen, medizinischem Personal.

Was mir nach einiger Zeit auffiel, war, dass die in der Psychiatrie Tätigen selbst nur sehr selten die Rätselhaftigkeit der Psyche begreifen, darüber grübeln, versuchen zu verstehen. Vielmehr gingen sie meist in einer mir unverständlichen Vereinfachung davon aus, dass das, was sie in einem Moment über das Denken eines Patienten aussagen, dessen Geisteswelt gut beschreibt, so dass ihnen die Psyche Desjenigen nicht weiter fraglich erscheint. Dadurch erscheint es so, als sei die Psyche eines Anderen recht einfach zu begreifen und so, als sei sie völlig erforscht, wenn man nur ein Wort für eine Krankheit oder eine Zustandsbeschreibung parat hat.

Das alles wäre mir vielleicht nicht weiter aufgefallen, wenn es nicht von drastischsten Fehlbehandlungen begleitet worden wäre, so dass die Tatsache, dass hier etwas schief lief, geradezu mit Händen zu greifen gewesen wäre.

Letztlich nutzt das medizinische Personal Worte (und schreibt Worte auf Diagnosescheine), die nicht verstanden sind, und im Grunde wenig sagen. Diese Worte, Krankheitsbezeichnungen, sind eher eine Art Symptomeinordnung … oft werden Diagnosen so gestellt, dass man ein Medikament ausprobiert, und wenn dieses Medikament hilft, dann ist die Krankheit, gegen die das Medikament hilft, so wie es auf dem Beipackzettel steht, die Krankheit, die der Patient hat.

Ein tiefergehendes Verstehen-Wollen, ein grüblerisches Forscherbewusstsein, gar eine philosophische Ader, habe ich im Bereich der Psychiatrie nicht feststellen können. Statt dessen häufig eine Verwaltungsmentalität, oder auch eine gewisse technische Fertigkeit. Woran es aber meiner Ansicht deutlich mangelte, war Phantasie, war Sich-Einfühlen-Wollen, so wie es die Ikonen der Psychologie, wie es Freud oder Jung, taten. Warum sage ich Phantasie – und nicht wissenschaftliches Faktenwissen? Weil wir es bei der Psyche mit jener unerforschlichen Entität zu tun haben, die scheinbar eine äußerliche Welt beobachtet und interpretiert, eine äußerliche Welt wohlgemerkt, die, im Sinne der materialistischen Wissenschaft das eigentlich Wichtige ist – wohingegen es auf die Psyche, auf den Geist, angeblich nicht so ankommt. Gleichzeitig ist die Psyche Erzeugerin von Realität, denn nichts ist beobachtbar ohne sie, ohne dieses Werkzeug(?), diese Brille(?), dieses Kaleidoskop der Phantasie(?). Und so gesehen darf es als spannend gelten, welche Resultate die Psyche bei der phantasivollen Beobachtung ihrer selbst (was ihr vorkommt wie die Beobachtung von etwas Äußerlichem) zeitigt.

Natürlich wäre in der Psychiatrie das eigentliche Rätsel zu ergründen: Wie sieht die Welt eines Geisteskranken aus,  so dass er sich so verhält, wie wir es im Außen sehen? Dieses Rätsel zu lösen wäre gleichbedeutend mit dem wahren Verstehen einer Geisteskrankheit, und wäre damit sicherlich auch eine gute Voraussetzung, mit einer Geisteskrankheit richtig umzugehen. Ich meinte damals, es sei für die Psychologie selbstverständlich, sich diese Frage zu stellen, ganz ähnlich einem Autoschlosser, den doch der Zustand der Zündkerzen interessieren sollte, damit er dem mechanischen Problem zu Leibe rücken kann. Doch solche „tiefschürfenden“ Fragen stellt man sich in der Psychiatrie in der Regel nicht, vielmehr herrscht dort ein ziemlich flaches mechanistisches Denken, dem zufolge auch diese, eigentlich faszinierende Wissenschaft, im Grunde keine besonderen Überraschungen bereithält.

Erst später verstand ich, dass die Psychiatrie im Grunde das gleiche Problem hat, wie die Gesellschaft insgesamt: das einer Selbstentfremdung. Die meisten Menschen in der Gesellschaft, und auch die meisten Menschen, die in der Psychiatrie tätig sind, kennen sich selbst wenig, haben keine Ahnung von inneren Stimmen, von abgrundhaften Zuständen der Psyche, wie sie in Ausnahmefällen eintreten können, und verstehen eigentlich auch nicht, dass jeder Mensch in seiner eigenen Welt lebt. So etwas können sie mit dem Mund sagen, aber wirklich verstehen können sie es meist nicht. Nur deshalb erscheint ihnen die Frage nach dem Wesen dieser inneren Welten, die sie da vor sich haben, wie überflüssig und wie bereits geklärt.

Man könnte es auch so sagen: Das Wesen der inneren Welten der Patienten zu erforschen erscheint vielen Psychiatern und Psychologen müßig, denn diese sind ja dysfunktional in ihrem Denken – wozu wohl sollte man sich die Mühe machen, einen Verrückten zu verstehen? Die Definition des Irrsinns ist diesen Leuten eigentlich die, dass sie abweicht vom eigenen Denken, das sich in einem fast perfekten Gleichklang mit dem Denken der Mehrheit glaubt. Man sieht das ähnlich wie den Verkehr auf einer Autobahn: der Geisterfahrer ist der, dem hunderte Autos entgegenkommen, während in seiner Richtung niemand unterwegs ist. Um bei diesem Vergleich zu bleiben: Natürlich hat die Psyche (gerade wenn man den Begriff des Ich-Universums wirklich versteht und verinnerlicht) viel mehr Möglichkeiten Realität zu erzeugen, als die zwei Fahrtrichtungen auf einer Autobahn – gerade hier gewinnt der Vergleich: Letztlich geht es für die gefahrlose Benutzung der Autobahn nur um die EINIGUNG, in welcher Richtung sie befahren werden soll. Denn eigentlich ist es egal, ob Linksverkehr oder Rechtsverkehr vereinbart wird, das Wichtige ist nur, dass die Regelung kommuniziert wird und sich alle daran halten. Ganz ähnlich ist es mit der Geisteskrankheit, auch hier gibt es eine Unendlichkeit von Realitäts-Möglichkeiten für die Psyche, eigentlich ist es egal, was man denkt, wenn man sich nur im Gleichklang mit der Mehrheit befindet. Während unsere bisherige Weltsicht (Materialismus) es so aussehen lässt, als würde der Kranke die Realität nicht erkennen, wohingegen alle Gesunden ein- und dieselbe Realität beobachteten und sich darin völlig einig sind.

Die fremden Welten beginnen im Nächsten

Eine Psychose beispielsweise ist dadurch definiert, dass der Patient von der richtigen Wahrnehmung der Realität abweicht. Er hat Wahnvorstellungen, also Vorstellungen, die nicht der Wirklichkeit entsprechen. Das ist die gängige und allseits bekannte Vorstellung der Psychiatrie.

Das eigentlich Interessante bleibt, wenn man eine Psychose so beschreibt, völlig unverstanden. Ich will die sich aufdrängende Problematik in folgende Fragen kleiden (die ich damals, als ich mit Psychiatern und Psychologen zu tun hatte, auch stellte, und dabei weitgehendes Unverständnis erntete):

  • Wer hat die richtige Realität im Kopf? Schließlich ist es doch so, dass wir alle annehmen, wir seien nicht im Besitz der letztendlichen Wahrheit über die sogenannte Realität, da jeder Mensch nur einen Aspekt der Realität kennt. Wer also kennt die wirkliche Wirklichkeit? Wer kennt die reale Realität?
  • Wenn man die erste Frage in dem Verständnis abschließt, dass es niemanden gibt, der die Realität richtig und endgültig kennt, dann schließt sich die notwendige Frage an, wie und warum wir darauf kommen, es gäbe überhaupt eine einzige Realität, und nicht viele Realitäten? Denn – was wohl soll eine Realität sein, die nicht begriffen wird, die also in niemandes Denken als Realität existiert? Wenn also im Denken von 7 Milliarden Menschen 7 Milliarden Realitäten existieren, dann ist die eine und einzige Realität, von der wir ständig sprechen, definitionsgemäß nicht darunter. Aber wo ist sie dann?
  • Wie können wir, wenn wir doch das Fremde (den Patienten) nur mit den Mitteln verstehen können, die uns unsere eigene geistige Welt bietet, das eigentlich Fremde verstehen wollen? Muss das, was wir im Anderen erkennen, nicht zwangsläufig unsere eigene Welt sein, die wir dort, gewissermaßen spiegelbildlich verkehrt, vorfinden? Sieht der Gesunde im Kranken das (spiegelverkehrte) Bild der eigenen Psyche?
  • Was ist etwas, das uns definitionsgemäß unbekannt ist, und das wir dennoch benennen als sei es uns bekannt? Diese Frage entzündete sich an dem Benennen „des Unbewussten“ im Sinne von etwas Bekanntem (erst später erfuhr ich, dass es sich hier um ein allgemeines und ständig auftretendes Paradoxon handelt, das, in ganz ähnlicher Form, bereits durch den antiken Philosophen Plato  angesprochen worden war, und zwar in der Behandlung des Begriffes des Nichts). Es handelt sich also um die Frage: Kann man etwas, das nicht bewusst ist, im Bewusstsein haben? Kann man etwas Unaussprechliches aussprechen? Kann man etwas Unbekanntes kennen – und, kann man auf das Nichts zeigen und sagen: Da ist es?
  • Zu dem Vorgenannten gehört schließlich noch die aus meiner Sicht zentrale Frage, als was eigentlich man das Bewusstsein versteht: als ein Werkzeug, mit dem äußerliche Informationen im Inneren (im Gehirn) gespiegelt werden, oder als einen Generator von Realität? Denn wenn man akzeptiert, dass es nicht wirklich eine Realität gibt, sondern vielmehr so viele Realitäten wie es Menschen gibt (von den Realitäten der Tiere einmal ganz zu schweigen), dann fragt es sich doch, welche Freiheit das Bewusstsein hat, eine eigene Realität zu erschaffen, anstatt mit Notwendigkeit immer wieder auf eine einzige Realität zurückkommen zu müssen?

Gerade die letzte Frage ist es, die, einen aufmerksamen Blick vorausgesetzt, in der Psychiatrie beantwortbar wäre, denn hier hätte man Gelegenheit, die Wandlungsfähigkeit der Psyche in Vollkommenheit zu sehen. Wenn man das beobachtet, dann muss man die Macht des Geistes unbegrenzt nennen, nicht eingrenzbar durch unser „gesundes“ Denken jedenfalls, das selbst wie aus einem Käfig heraus unendliche Mannigfaltigkeit beobachtet. Die Realität kann jede Form annehmen! Ich habe das so beobachtet und dafür den Satz gefunden, der für mich nach wie vor vollständig gültig ist:

Das Denken ist die Realität. Es gibt die Realität nicht noch einmal extra.

DAS ist es, was uns die geistig Kranken zeigen können. Um das zu verstehen, müssen wir jedoch unsere Vorstellung einer geistigen Krankheit ändern. Wir sollten Geisteskrankheit als eine kontinuierlich geänderte Variante unseres eigenen Denkens verstehen, nicht als völlig abwegig, nicht als abartig, nicht als unverständlich etc.. Sondern Geisteskranke haben eine eigene Realität, das ist wahr. Aber, eine eigene Realität zu haben, das ist eigentlich nicht das Besondere, sondern das gilt ja für uns alle!

SO verstanden erscheint eine Geisteskrankheit wie etwas ganz anderes, als die Psychiatrie gemeinhin darin sieht. Nicht als eine falsche Widerspiegelung „der Realität“, sondern als eine fehlgeleitete Kommunikation – denn es ist die Sichtweise des Spirealismus, die Realität als eine Funktion der Kommunikation zu sehen; außerhalb und unabhängig von uns Menschen gibt es die Realität nicht. Jedenfalls nicht die Realität, von der wir Menschen sprechen. Und: Außerhalb und unabhängig vom Indidviduum gibt es aus demselben Grund und mit denselben Konsequenzen keine individuelle Realität.

Übrigens ist ja tatsächlich ein Schlüssel für die Gesundung eines geistig Kranken die Kommunikation – man denke nur an Freud und seine Couch. Man denke an Psychoanalyse, Therapiegespräche u.v.m.. Auch ich selbst habe das so erlebt: Die Kommunikation, so mühevoll sie ist, so beschwerlich und teilweise auch dröge sie sein mag, ist der Schlüssel, einen psychisch Kranken wieder an die Welt zu binden. Und … Kommunikation ist umfassend zu verstehen. Es sind die Worte, aber auch die Blicke, die Dinge die man miteinander erlebt, und die Dinge die man ablehnt zu erleben.

„Die Welt“, das ist eigentlich nur eine bestimmte Art der Sichtweise; der Eindruck trügt, es gäbe die Welt in der Einzahl.

Die Notwendigkeit des Ich-Universums

Und das war der Grund für mich, diesen Terminus Ich-Universum gewissermaßen zu erfinden – um damit, in einem Wort, in einem recht sinnbildlichen Begriff, etwas auszudrücken, das in unserem Gewohnheitsdenken eigentlich nicht vorkommt. Nämlich die Vorstellung, dass im anderen Menschen eine Welt ist, ein eigenes Universum, und dass wir, von unserem eigenen Universum aus gesehen, das Universum des Fremden nicht im eigentlichen Sinn betreten können. Wir können es nicht sehen, wir können es nicht ver-stehen und wir können nicht darin stehen, so wie es das andere Ich kann.

Worte sind unser äußerer Ausdruck für innerliche Vorstellungen, beides lässt sich nicht sinnvoll trennen. Daher ist es manchmal nötig, ein neues Wort zu kreieren, um neuen Vorstellungen Raum zu geben, und um deutlich anzuzeigen: Hier kommt man mit der hergebrachten Denkweise nicht weiter, hier braucht man neue Vorstellungen, ein neues Herangehen. Aus diesem Grund ist der Terminus Ich-Universum sehr vielsagend, denn er beinhaltet eine ganze Welt von Vorstellungen, die von unseren materialistischen Vorstellungen abweichen.

Aspekte des Ich-Universums, Teil 3: praktische Erfahrung des Ich-Universums was last modified: Mai 29th, 2017 by Henrik Geyer

Aspekte des Ich-Universums, Teil 2: individuelle Wahrnehmung erschafft die Realität – Wahrnehmung ist immer verschieden

Im letzten Abschnitt ging es um eine Denkvoraussetzung, die es ermöglicht das Konzept des Ich-Universums zu verstehen. Um die Wahrnehmung, dass die Dinge Gedanken an Dinge sind. Warum sage ich Wahrnehmung, und nicht, es wäre eine These oder Überlegung, wenn ich von Dingen als Gedanken an Dinge spreche?

Ich will das einmal ganz praktisch ausdrücken: Für mich ist es die Basis meines Denkens geworden, die Gedanken als die Quelle des Kosmos anzusehen. Daher sind alle Begriffe, die ich denken kann an diese Denkvoraussetzung gebunden. Es ist meine Wahrnehmung, dass die Aussage „Die Dinge sind Gedanken an Dinge“ vollständig zutrifft.

Nun weiß ich, dass dies nicht die Wahrnehmung der Leser dieses Artikels ist, und akzeptiere das, jedoch die eigene Wahrnehmung in keiner Weise schmälernd, denn ich gehe ja nicht davon aus, dass Wahrnehmung etwas wäre, das alle zugleich haben müssten. Vielmehr gehe ich davon aus, das Wahrnehmung immer verschieden ist, und sein muss. Insofern sehe ich nicht den Imperativ der Abstimmung in dieser zutiefst fundamentalen Frage, auch wenn, man könnte auch sagen: gerade weil ich weiß, dass das Hauptsächliche Wirkprinzip des Materialismus die Übereinstimmung mit Anderen ist. Wo man also, im Denksystem des Materialismus wohlgemerkt, keine Übereinstimmung mit Anderen findet, vermutet man auch keine Wahrheit – diesen Grundsatz muss der Spirealismus durchbrechen,

Im Gegenteil: Wie man etwas wahrnimmt, ist eine Frage der Begriffe, die in einem sind. Und so kann, was man wahrnimmt, nie völlig gleich einer anderen Wahrheit sein, sind doch die selbst gekannten Begriffe (und damit das, was wir hier Ich-Universum nennen), immer verschieden.

Ich selbst erlangte meine Wahrnehmung der Welt, auf die Art wie ich sie beschreibe, durch das jahrelange Zusammensein mit einem psychisch „kranken“ Menschen aus unserer Familie, woraus für mich irgendwann der Gedanke erwuchs, den ich für uneingeschränkt richtig erkannte:

Die Realität ist die Realität unserer Gedanken

Ich kann die Eindringlichkeit der Erfahrung, die man mit psychisch kranken Menschen machen kann, in keinem Text wiedergeben (auch wenn ich es gleichwohl in Alles ist Geist versuchte), und bin sogar inzwischen einigermaßen pessimistisch, was das Vermitteln der hieraus gewonnenen Überzeugungen angeht. Denn nicht nur sehe ich Unverständnis bei vielen Lesern, ich weiß auch selbst noch recht gut, wie schwierig es war, diese Grundüberzeugung widerspruchsfrei in meinem eigenen Denken zu verankern. Denn sie trifft auf ein widerständliches (Ich-)Universum diametral entgegengesetzter Überzeugungen, die gelernt und verankert sind, die in uns Menschen eine jahrtausendelange Tradition haben (wir sind alle miteinander verbunden und die Überzeugungen der Menschen drücken sich natürlich auch in mir aus), so dass diese Überzeugung und der o.g. Satz, nicht in ein- und demselben gedanklichen Universum Platz haben.

Doch weil für mich nun die Dinge nichts anderes als Gedanken sind, fasse ich das Wörtchen Wahrnehmung ebenfalls ganz anders auf als die meisten Menschen, denn ich gehe davon aus, dass zwei Menschen nicht genau dieselbe Wahrnehmung haben können. Oder können zwei Menschen genau denselben Gedanken haben? Nein, das können sie nicht.

Denn erstens ist das Denken das Werkzeug der Wahrnehmung, nicht ein Auge oder ein Ohr, und daher kann das, was gedacht und begriffen wird, nie unabhängig sein von den im Ich bereits vorhandenen Gedanken bzw. Erfahrungen, nicht unabhängig sein von der vorhandenen Denkwelt. Alles was begriffen wird, kann nur begriffen werden mit den Begriffen die ich habe, so wie ich auch nur alles zu benennen weiß mit den Worten die ich habe.

Und zweitens steht dies nun wieder in tiefer Übereinstimmung mit dem Resultat der Spirealismus Überlegungen:

Wir (Menschen) sind Elemente der Schöpfung, nicht ihre Beobachter.

Das bedeutet, dass, während wir von objektiv vorhandenen Dingen (Objekten), von denen wir uns umgeben glauben, Informationen abzurufen meinen, sie also im materialistischen Sinn zu beobachten, sind wir selbst die Quelle der Objekte. Während wir beobachten erschaffen wir eigentlich.

Der materialistisch geschulte Mensch meint, auf der Basis seiner Überzeugungen, wir würden alles auf dieselben äußerlichen Objekte schauen, wir müssten doch im Prinzip alle dieselbe Wahrnehmungsfähigkeit haben. Ich hingegen bestreite dies bereits im allerersten Grundsatz, und sage, dass das im Gegenteil gar nicht möglich ist. Was wir als „gleich“ bezeichnen ist in Wirklichkeit mehr eine Ähnlichkeit als eine wirkliche Gleichheit, und diese Ähnlichkeit wiederum tritt nicht auf der Basis von äußerlich festen Objekten auf, die wir alle zugleich beobachten, sondern treffender kann man formulieren, dass die Gleichheit das Ergebnis eines Abstimmungsprozesses ist. Diesen Abstimmungsprozess kennen wir als unser Miteinander-Sprechen, oder unser gemeinsames Erleben, er tritt aber auch in nahezu jeder anderen Gestalt auf, die wir kennen. Der Abstimmungsprozess von dem ich spreche (oft nenne ich ihn Kommunikation), ist nicht in erster Linie etwas, zu dem es den freien Willen des Menschen benötigt, oder seinen hohen Geist, mit dem er Dinge erkennt und benennt, sondern dieser Abstimmungsprozess, diese Kommunikation, tritt sozusagen natürlich auf, und sie ist in vollem Gange, wenn wir nur die Augen öffnen, oder etwas hören. Es ist also die Rede von einer nicht-menschlichen Kommunikation, die sich in aller Natur stets und ständig ausdrückt, zu der es uns Menschen also nicht im Besonderen braucht, und die auch nicht vom Menschen ausgeht, sondern die sich einfach im Menschen, auf menschenspezifische Art, fortsetzt.

Dazu passt, was ich über die hier vorliegende Kommunikation sagen kann, über die hier niedergelegten Worte: Indem ich vom Spirealismus schreibe und über Konsequenzen dieser Überlegungen berichte, kann ich nicht davon ausgehen, jedermann zu „überzeugen“, denn Kommunikation ist ja kein Ausrichten des Verstandes auf äußerlich vorhandene Dinge, auch Fakten genannt, die also jedermann im Endeffekt überzeugen müssen. Sondern der Kosmos (gemeint ist die kosmische Ordnung, Kosmos soll hier nicht verstanden werden als ein zweites Wort für „das Universum“) ist eine Abstimmung, die innerhalb eines Feldes völlig unbegrenzter Möglichkeiten auf etwas Einzigartiges führt, dessen Existenz der Gedanke daran ist, und dessen „materielle Festigkeit“ davon abhängt, wie stark, wie oft dieser kosmische Gedanke in Ähnlichkeit auftritt.

Im menschlichen Verständnis sehen wir die Funktionalität dieser Abstimmung auf etwas Einzigartiges, jedoch nicht mit einer Notwendigkeit Existierendes daran, dass jeder Gedanke den man „sinnvoll“ äußern kann, auf Grund der im individuellen Denken vorhandenen Voraussetzungen beurteilt wird. Was dem Individuum nicht recht sinnvoll erscheint, oder nicht wahrscheinlich, wird die Menschen mit einer Art Müdigkeit und Desinteresse erfüllen, und sie werden sich fragen, was sie wohl etwas interessieren soll, das doch die meisten anderen Menschen (ihrer Umgebung) nicht für möglich halten oder nicht wissen. Das wiederum führt zu Kommunikationslosikeit, und wo Kommunikationslosigkeit ist, kann es keine Objekte geben, die im Denken auftauchen. Man könnte sich das Letztgesagte auch so vor Augen führen: Für uns kann es nur das geben, was wir auch sehen können, worauf wir unsere Augen richten, wohingegen das uns im Rücken Befindliche, nicht Gesehene, nicht Gedachte, keine Existenz hat und nicht haben kann.

Umgekehrt bekommt all das eine sofortige Form von Existenz, an das wir nur denken, wir nennen das Denken, das zunächst „unbewiesen“ ist, weil es „nur“ im Individuum auftritt, eine Phantasie, einen Glauben, eine Wahrscheinlichkeit, etc..

Womit ich sagen will, dass im Prinzip all unser Denken eine Art Glaube ist, der (ganz ähnlich einem religiösen Glauben) im Letzten nicht beweisbar ist. Und wieder (ganz ähnlich einem religiösen Glauben) seine Funktionalität in einer Realität findet, die durch ihn erschaffen wird. Weiterhin findet dieser Glaube (ganz ähnlich einem religiösen Glauben) seine Beweiskraft in sich selbst und stellt sich (ganz ähnlich einem religiösen Glauben) dem Gläubigen als ein Wissen dar, also als das Denken gesicherter Fakten. Und schließlich, ganz ähnlich einem religiösen Glauben, ist auch dieser Glaube wirksam, denn mit dem Glauben wird eine Realität erschaffen, und was wohl ist für uns das ultimative Kriterium für Wahrheit, wenn nicht die ach so heilige, „eine und einzige“, Realität?

Dass man innerhalb einer zusammenhängenden Gruppe (von Menschen) nur das kommunizieren kann, was die anderen bereits  denken, ist eine für die Kommunikation (im Sinne einer Abstimmung) sehr verständliche Funktionalität. Man stelle sich vor, ein chinesischer Gelehrter würde die wichtigsten Weisheiten des chinesischen Volkes vor einem deutschen Publikum ausbreiten … und zwar auf chinesisch. Das würde den Deutschen vorkommen wie etwas zutiefst Überflüssiges, und der fernöstliche Weise würde ihnen erscheinen wie ein Narr, der unverständliches Zeug von sich gibt.

Ganz ähnlich ergeht es mir, wenn ich davon rede, dass die Gedanken die Quelle des Universums sind, eigentlich die Quelle der Universen (Mehrzahl), und das vor einem Publikum, das doch seit Urzeiten gelernt hat, und nun ganz sicher weiß, dass die Quelle des Universums materielle Objekte sind, die wir im Außen beobachten, die eindeutig sind und immer in der Einzahl – woraus dann auch die Mär des Universums (Einzahl) resultiert. Und dieses eine Universum, so glaubt man materialistisch, würden wir Menschen in unserem Denken auf bestmöglich, auf „objektive“ Art und Weise, abbilden, und zwar mit dem Ziel, die Objekte des Außen auf eine effektive Weise zu beeinflussen, sprich: uns in der Welt zurechtzufinden, und diese zu unserem Nutzen zu verwandeln.

Ich weiß also, dass meine Philosophie von den Meisten nicht verstanden werden kann, ich bin mir dessen bewusst. Und ich spüre die Müdigkeit auch in mir, die den Chinesen überkommen muss, der innerhalb einer deutschen Bevölkerung als Einziger seine Landessprache spricht, und der sich schließlich fragen muss, bei aller Richtigkeit dessen, was er da vorträgt, welchen Sinn all dieses Vortragen eigentlich haben kann. Die Funktionalität der Kommunikation, deren erste Regel darin besteht, sich im Denken annähern zu müssen, um schließlich in einem (scheinbar äußerlichen) Punkt übereinstimmen zu können, er verstößt gegen sie. Die Regel selbst ist intakt, und beweist ihre Wirksamkeit eben durch die genannte Müdigkeit.

Dennoch kann ich nicht davon lassen, den Spirealismus in der von mir gedachten Weise darzulegen – ich kann mich dem Denken der Meisten nicht annähern, besteht doch die Aussage des Spirealismus gerade darin, dass der Kosmos in seinen Möglichkeiten unbegrenzt ist und von unserem Denken auf Etwas reduziert, eingegrenzt, materialisiert wird – und dieses Eingegrenzte bezeichnet der Materialist gerade als das Mögliche. Es ist also klar, dass der Spirealismus vom Denken der Meisten abweichen muss, eine neue Form der Weltsicht etablieren muss und deren Konsequenzen benennen muss. Würde er dieses Ziel aufgeben wäre er besser kommunizierbar, bliebe aber beliebig und widersprüchlich und wäre nun erst recht nichts, was mich interessieren könnte.

Der Philosoph Schopenhauer drückte das soeben Gesagte einmal so aus, dass er schrieb, all seine Philosophie (die in ähnliche Aussagen resultiert wie der Spirealismus) habe ihm nie etwas eingebracht: kein Geld, keinen Ruhm (beides irdische Äquivalente für Zustimmung); sie habe ihm jedoch wenigstens viel erspart. Erspart hat sich Schopenhauer durch seine Philosophie viele intellektuell anspruchslose Gespräche, Zeitverschwendung aus seiner Sicht … Immerhin!

Zusammengefasst

Wie man an diesen Überlegungen sehen kann: man kommt hier vom Hundertsten ins Tausendste, von der Auffassung der Gedanken als der Quelle der Universen zu einer anderen Auffassung des Wortes „Wahrnehmung“, und schließlich wäre, an dieser Stelle durchaus passend, einiges zu einem ganz anderen Verständnis des Wortes „menschlicher Wille“ und auch „Freiheit“ zu sagen.

Doch will ich kurz zusammenfassen, worum es in diesem Abschnitt eigentlich geht.

Der Begriff des „Ich-Universums“ wird uns im Grunde nur verständlich, wenn wir die wichtigen Begriffe, die unsere Welt(en) formen, neu denken. Oder andersherum: die aufmerksame Beobachtung unseres Denkens, der Art und Weise wie wir Dinge auffassen, begreifen, lernen, führt uns, wenn wir offen genug sind von den erlernten Imperativen unseres herkömmlichen Weltbildes (des Materialismus) einmal zu lassen, mit Notwendigkeit zur Vorstellung eines Ich-Universums, also einer in sich geschlossenen Welt die in jedem Individuum verschieden ist. Und die im Letzten, von Außen gesehen, nicht begreifbar ist, oder sein kann, denn die Seins-Bedingung des Ich-Universums ist, individuell zu sein, oder, anders gesagt, das Individuum ist der Ausdruck oder die äußerliche Form eines Ich-Universums.

Insbesondere Wahrnehmung muss man sich vorstellen als etwas Einzigartiges, das im Ich seine ganz eigene Form annimmt, und niemals völlig übereinstimmen kann mit etwas Äußerlichem.

Das Ich-Universum, die Gedankenwelt des Einzelnen also, ist individuell und kann von außen nicht als solches „erkannt“ werden. Da es sich um ein Universum (einen Raum) handelt, könnte man auch sagen, dass man das Universum eines anderen nicht betreten kann. Man kann nicht hinein, man kann es nicht einsehen, man kann es nur von „Außen“ beurteilen, und zwar mit den geistigen Mitteln die man selbst hat, und die, eben weil die Wahrnehmung von den geistigen Mitteln abhängt, die zur Verfügung stehen, abweichen muss. Abweichen wovon? Von der geistigen Welt Desjenigen, der sie in sich trägt.

Das, was wir über die geistigen Welten unserer Mitmenschen wissen, können wir ebenso gut unsere eigene Welt nennen, wie eine fremde Welt.

 

Und schließlich kommen wir, wenn wir die Menschen verstehen als die Träger in ihnen existierender, immer verschiedener, Universen, oder auch verstehen als äußerlichen Ausdruck dieser Universen, auf die Frage, was oder wer wohl von dem einen Universum , von dem wir stets phantasieren, und das wir alle zu beobachten meinen, weiß, wer es denkt, wo es sein soll, etc.. Wenn es nicht im Kopf irgendeines Menschen ist … wo ist es dann?

Davon soll im nächsten Abschnitt die Rede sein.

Aspekte des Ich-Universums, Teil 2: individuelle Wahrnehmung erschafft die Realität – Wahrnehmung ist immer verschieden was last modified: Mai 16th, 2017 by Henrik Geyer

Alles ist Eins – bedeutet das, die Welt sei ohne Grenzen … grenzenlos?

In der spirituellen, esoterischen, religiösen Szene wird heutzutage oft „Alles ist eins“ zitiert – oft wird dieser Satz so verstanden, dass man sagt, der Mensch, insbesondere der spirituelle Mensch, habe auf einen Zustand hinzuarbeiten, hinzudenken, in dem er sich verbindet … mit allem. Dieser Satz wird häufig von Menschen gebraucht, die Alles ist eins völlig falsch verstehen und die sich durch die falsche Anwendung dieses sehr tiefsinnigen Gedankens einen spirituellen Heiligenschein überstülpen möchten.

Daher hier eine Anmerkung zum spirituellen Verständnis von alles ist eins.

Man versteht dieses Alles ist eins falsch, wenn man meint, es hieße, dass eigentlich alles dasselbe sei, oder dass es nicht wichtig sei, dass die Dinge verschieden aussehen, verschieden wirken, da sie doch im Grunde gleich seien. Man versteht es falsch, wenn man meint, es sei angeraten alle Grenzen einzureißen, denn, da alles eins sei, werden diese Grenzen in Wahrheit nicht benötigt.

Es wäre dies die äußerste Verballhornung, ein völliges Ad-Absurdum-Führen dieses Satzes, dessen Verständnis so einfach nun auch wieder nicht ist.

Nein.

Alles ist eins ist eine Weisheit, die sich auf eine metaphysische Ebene bezieht, also eine Ebene, die hinter den (trügerischen) Erscheinungen dieser Welt liegt. Alles ist eins bedeutet, dass alles auf ein Prinzip zurückgeht, nennen wir es das göttliche Prinzip.

Ein Prinzip also hinter den verschiedenen Erscheinungen der Welt. Schon an dieser Stelle sei angemerkt, dass das Entstehen der Unterschiedlichkeit aus einem einzigen Prinzip heraus nicht so verstanden werden sollte, als sei die Unterschiedlichkeit irgendwie überflüssig. Alles andere als das – sie macht ja unsere Welt erst aus!

Dieses eine Prinzip von dem ich spreche ist das geistige Prinzip – alles ist Geist. Wenn man dieses Prinzip versteht, versteht man auch, was die Dinge in ihrer Unterschiedlichkeit gemeinsam haben, wie sie einander brauchen um existieren zu können. Wie ein Ding, um ein Ding sein zu können, Grenzen braucht, und wie es (daher!) die anderen Dinge braucht, damit es Grenzen finden kann. Und (nur) in diesem Sinn hat sogar die größte Unterschiedlichkeit auch den Aspekt der Einheit! Ganz so, wie es Anaximander ausdrückte:

Die Grenzen eines Dinges sind die Grenzen eines anderen

Man versteht dann, dass das Gute das Böse bedingt, und umgekehrt. Dass ein Mensch nur existieren kann, in einer Unterschiedlichkeit von etwas anderem. Man versteht dann auch Grenzziehungen, sei es im Privaten (denken wir an einen privaten Rückzug; denken wir an einen Eremiten), oder auch im Gesellschaftlichen (beispielsweise Landesgrenzen) als Ausdruck dieses Prinzips.

Nun wäre es völlig verfehlt, wenn man alles ist eins so verstünde, als müssten wir Menschen diesem göttlichen Prinzip hier, in dieser Welt, zum Durchbruch verhelfen. Das wäre dumm, und durchaus gefährlich, denn hier würde etwas sträflich missverstanden. Nein, wir Menschen brauchen dem Prinzip nicht zum Durchbruch zu verhelfen, denn das Prinzip ist intakt – das war es immer und wird es immer sein. Wir Menschen können nicht Gott spielen und wir müssen nicht der Unterschiedlichkeit in ihrer Begrenztheit den Kampf ansagen. Wir müssen nicht Yin und Yang erfinden (das Prinzip des Yin und Yang ist das hier besprochene Prinzip in einer Variation), und müssen auch nicht Yin und Yang durchsetzen, denn das Prinzip ist bereits in uns – wir selbst sind sein Ausdruck.

Wir sollten das Prinzip verstehen, aber dann bitte richtig verstehen. Verständnis ist der Schlüssel zu verständigem Handeln, dem Vermeiden von Falschem. Verständnis ist aber nicht der Schlüssel zur Auflösung der Dinge der Welt … in Allem.

Hier, in dieser Welt, ist die Unterschiedlichkeit die Quelle der Dinge, der Grund für die Dinge. Und das dem zugrunde liegende Prinzip heißt: alles ist eins – es bedeutet: alles entstammt dem unbegrenzten Raum der Möglichkeiten, dem wahrhaftigen „All“ (das Alles), dem Nirvana, welches nur einen kleinen Makel hat: es existiert nicht im menschlichen Sinn. Das menschliche Sein hingegen kommt zu Stande in der Unterschiedlichkeit der Dinge. Denken wir ganz direkt an uns: ein Mensch muss sich von einem anderen unterscheiden, wie könnte er sonst sein?

Hier bei uns sind 1 + 1 =  2. Wäre alles eins, im plattesten Sinn, gäbe es nicht einmal die Eins, denn was wäre dieses Eine, wenn es sich nicht von etwas anderem unterschiede? Dann könnte keine Gleichung entstehen 1 + 1 …

Die Zahlen sind Ausdruck der Unterscheidbarkeit der Dinge, sind Ausdruck unserer Welt. Die erste eigentliche Zahl ist die Zwei – sie symbolisiert das Enstehen des ersten Unterschiedes zwischen einem Ding …. und etwas anderem.

 

Alles ist Eins – bedeutet das, die Welt sei ohne Grenzen … grenzenlos? was last modified: Dezember 20th, 2017 by Henrik Geyer

Aspekte des Ich-Universums, Teil 1

In diesem Artikel und einigen weiteren werden verschiedene wesentliche Bestandteile besprochen, die der Begriff Ich-Universum in sich trägt, und zwar folgende:

  • die Dinge können nichts anderes sein, als das, was wir uns unter ihnen vorstellen
  • das Ich ist ein Universum. Ein Universum ist ein Ich.
  • die Welt als Vorstellung
  • das Universum als Ganzes aus Teilen. Ist das Universum nun auch Teil … ?
  • nur alles, was gewusst wird, kann Teil des Universums sein, nicht das Nicht-Gewusste
  • das Unbewusste als das Nicht-Gewusste
  • das Nichts, im materialistischen Sinn verstanden, als Widerspruch in sich
  • die Vielzahl der Universen – Multiversen
  • die Abgegrenztheit der Universen
  • das Unvermögen, das eigene Universum zu verlassen
  • die Durchdringung der Universen
  • die Rundheit des Universums
  • der Mensch in der Mitte
  • Objekte des Denkens sind wie himmlische Körper
  • Phantasie führt uns in neue Universen
  • das schwarze Loch als himmlische Versinnbildlichung der einen Idee
  • die Dinge sind semantischer Natur
  • Beweisbarkeit

 

Den Begriff Ich-Universum führte ich in meinem ersten Buch „Alles ist Geist“ ein, und zwar als Überschrift einer Buchreihe, deren erster Teil eben dieses „Alles ist Geist“ sein sollte; das bedeutet, unter dem Oberbegriff „Ich-Universum“ werden noch weitere Bücher folgen, die den ursprünglichen Gedanken  genauer fassen, beschreiben, Folgerungen ableiten.

Ich wollte stets vermeiden, eine neue Philosophie zu erschaffen, die lediglich eine Neuformation alter Inhalte unter Zuhilfenahme neuer Worte ist. Ich wollte keine neuen Sinngefüge vortäuschen während ich im Grunde das Alte nur neu benenne. Nein, vielmehr wollte ich wirklich Neues schreiben, und nur dort, wo es unbedingt notwendig schien, ein neues Wort einführen.

Das Wort Ich-Universum einzuführen schien mir aber unbedingt notwendig, drückt es doch eine Vielzahl von Gedanken aus, die uns in der herkömmlichen materialistischen Sichtweise völlig ungewohnt und einigermaßen unbegreiflich scheinen – trotzdem sie aus der Sicht des Spirealismus unbedingt zu konstatieren sind. Kurz wiederholt: „Materialismus“ bedeutet im spirealistischen Verständnis die allgemein übliche Sichtweise (man könnte auch sagen „das Fundament unseres kollektiven Bewusstseins“), dass menschlicher Geist eine außerhalb seiner selbst befindliche Welt beobachtet. Während es die spirealistische Sichtweise ist, dass der Mensch Element der Schöpfung ist, nicht deren Beobachter; und dass es außerdem nicht die „die Welt“ gibt, sondern „die Welten“, deren Ausdruck unter anderem wir selbst sind.

Was den Begriff Ich-Universum notwendig macht, ist zum ersten die Feststellung, dass die Dinge, die wir vor uns sehen, nie etwas anderes sein können, als wir uns darunter vorstellen.

Die Dinge können nichts anderes sein, als das, was wir uns unter ihnen vorstellen

In der materialistischen Denkweise stellt man sich die Welt folgendermaßen vor: Äußerliche Dinge werden beobachtet und im menschlichen Verstand „nur“ gespiegelt. Und nun fragt es sich natürlich, inwiefern diese äußerlichen Dinge in ihrem Wesen von den Dingen, so wie sie sich uns darstellen, also, wie wir sie uns vorstellen, abweichen. Nun nimmt der Mensch an, da sei lediglich eine zu vernachlässigende Differenz zwischen Vorstellung und wirklichem Sein; er tut das unter Zuhilfenahme vieler begleitender Annahmen, wie zum Beispiel der, der Mensch selbst sei das einzig ernst zu nehmende Bewusstsein des Kosmos, weil als einziges mit Vernunft (!) ausgestattet. Wer also könnte wohl eine bessere Vorstellung von den Dingen, was sie wirklich sind, haben?

Eine zweite Krücke die sein Weltbild stützt ist eigentlich eine aus der Erstannahme folgernde These, die etwa folgendermaßen lautet: wenn die Menschheit eine einzige Welt außerhalb ihrer selbst beobachtet, eben „die Welt“, und wenn diese Beobachtung umso genauer gelingt, je mehr Menschen sich an der Beobachtung beteiligen, dann ist das Übereinstimmen der Menschen in einigen Grundfragen der beste Beweis dafür, dass diese Grundannahmen auch stimmen müssen. Der beste Beweis für die Dinge, was sie wirklich sind, ist also, das viele Menschen über die Dinge dasselbe sagen. Wenn man dann aber sieht, wie die Menschen ja nicht jeder einzeln die Dinge beobachten und untersuchen, sondern im Gegenteil, wie jeder gewohnt ist vom anderen abzuschreiben, abzuschauen, abzulernen, dann bedeutet das nichts anderes, als dass die Menschheit sich in einem ewigen Zirkelschluss der Redundanz selbst beweist, stets auf ihre eigenen Vermutungen zurückgreifend, dass ihre Grundannahmen (des Materialismus) zutreffen. Der Materialismus führt stets auf sich selbst zurück, beweist sich selbst, und lässt auf absolutistische Manier keine andere Annahme zu ….

Doch nun sollte sich dem Materialismus der eine oder andere Zweifel einschleichen, denn man wird sich der Tatsache immer bewusster, dass dieses Weltbild in sich widersprüchlich ist, und im Ergebnis eigentlich unerklärlich. Beispielsweise wird die Wissenschaft der Tatsache gewahr, dass die Objekte des Außen im Eigentlichen keine Farben haben, sondern dass Farben eine Zusatzleistung des Verstandes sind … und man fragt sich also unwillkürlich: Wenn die Objekte des Außen keine Farben haben – was haben sie wohl noch alles nicht, das wir so sicher an ihnen annehmen? Oder sehen wir uns die Atome an, eigentlich gedacht als feste Kerne, also ganz ähnlich allen anderen festen Objekten, die uns umgeben: Genauestens definiert in Zeit und Raum und somit bestens geeignet als Anschauungsobjekte, und dazu, ihnen zugehörige Informationen „abzurufen“ und diese dann in unseren Gehirnen zu spiegeln – doch nun stellt man fest, dass diese Atome eigentlich aus Nichts bestehen, denn zwischen ihren bis ins Unendliche teilbaren Teilen (Teilchen) gibt es riesige Zwischenräume, in denen nichts ist, und die eigentlichen „Kerne“ können als Substanz gar nicht identifiziert werden. Sie haben auch eine alles andere als gesicherte Existenz, denn sie existieren eher innerhalb gewisser Wahrscheinlichkeiten und sogar in Abhängigkeit davon, wer sie beobachtet, wo und wie sie beobachtet werden! Was nichts anderes heißt als: Hier ist nichts Festes! Hier ist keine Substanz im gedachten, vorgestellten Sinn. Hier ist keine Materie!

Nun ist es vielleicht das Neue, das ich mit meinem Spirealismus ausdrücken kann, wenn ich sage, dass diese Rätselhaftigkeit nicht erst eigentlich in der Kernphysik auftritt, sondern in jedem Ding, das wir vor uns sehen – und dass sich das sehr gut übersetzen lässt in die Worte, die schon Schopenhauer gebrauchte: die Welt ist eine Vorstellung. Woran dann allerdings wieder zu sehen ist, dass in Bezug auf diese Feststellung der Spirealismus eine Richtung vertritt, die überaus historische Bezüge hat; man muss sich allerdings wundern, dass die Gedanken Schopenhauers oder auch die Folgerungen klassischer griechischer Philosophie so gar keinen Eingang in die Sichtweisen der heutigen Gesellschaft gefunden haben, so dass den heutigen Wissenschaftlern das eben Gesagte so rätselhaft ist, wie es schon vor 2000 Jahren war. Eigentlich rätselhafter, wie ich glaube, denn der Materialismus als eine völlige Zweifelsfreiheit, als ein alles verdrängender Nazigedanke der Philosophie, dürfte sich erst in dieser Zeit entwickelt haben.

Jedenfalls macht aus all dem Vorgenannten der Spirealismus ein: Die Welt ist eine Vorstellung, eine Phantasie. Die vorgestellte Festigkeit von Materie, im Sinne eines Vorhandenseins vor der Beobachtung, im Sinne eines alternativlosen Vorhandenseins, im Sinne eines unleugbaren eindeutigen kausalen Zusammenhangs, der aus der Vergangenheit auf einem einzigen Strahl in eine eindeutige Gegenwart fließt, ist Materie eine Vorstellung, aber nicht mehr. Als Vorstellung in einem Kosmos aus Vorstellungen hat auch diese Vorstellung von Festigkeit, von Eindeutigkeit zweifellos ihre Gültigkeit, aber keine alleinige, schon gar keine unbedingte.

Warum nun sage ich nicht (so wie mir selbst das allenthalben begegnet): Die Welt als Vorstellung … das mag zum Teil stimmen … die Welt ist eine Vorstellung … zum Teil!

Ich will den Grund nennen.

Jeder gesunde Gedanke muss uns sagen, dass die Dinge, was sie sind und was sie sein können, von unseren Vorstellungen abhängen. Aber jeder noch tiefere Gedanke muss uns sagen, dass die Vorstellungen von den Dingen unsere geistige Endstation sind. Oder was sollen wir uns vorstellen können, jenseits unserer Vorstellungen?

Die Eindeutigkeit der Aussage „die Dinge sind das, was wir uns darunter vorstellen“ ist also in nichts zu schmälern, vielmehr würde man durch ein Relativieren die zutiefst wahrhaftige Erfahrung des Prinzips Alles ist Geist der Hermetik verwässern, würde die Begriffe zurück-verwirren, und uns wieder in die Widersprüchlichkeit des Materialismus zurückführen. Während hingegen so, ausgestattet mit dieser eindeutigen und unwiderlegbaren Aussage, sich weiterarbeiten lässt, weiterdenken, weiter schließen. Wir verabschieden uns von der Nicht-Nachweisbarkeit einer materiellen Außenwelt bei gleichzeitiger Anerkenntnis ihrer Existenz (Hume), was doch zutiefst widersprüchlich ist.

Und wenn wir nun sagen, dass die Dinge nichts anderes sind als der Gedanke an Dinge, dann kann man wohl kaum etwas anderes über das Universum sagen. Denn das Universum ist als Substantiv, als Gegenstand einer Betrachtung, als Ding, nun wieder nichts anderes als eines jener Objekte, die wir gewohnt sind, im Geist zu bewegen, und die ich im Spirealismus „Objekte des Denkens“ nenne, weil ich damit dokumentieren will, dass die Objekte, welche auch immer gemeint sein können, ob nun ein Tisch oder ein Haus oder ein Universum, nirgendwo anders existieren als in einem Denken, und nichts anderes sind als ein Gedanke.

 

In weiteren Artikeln werde ich weitere Aspekte des Begriffes Ich-Universum besprechen

Aspekte des Ich-Universums, Teil 1 was last modified: Mai 8th, 2017 by Henrik Geyer