Ist das Leben nicht schön? Das Leben ist schön!

Ist das Leben nicht schön? Das Leben ist schön! - 3 [SPID 4550]

Einer der spirituellsten Filme, gleichzeitig ein sehr unterhaltsamer Familienfilm, ist „Ist das Leben nicht schön?“, ein amerikanischer Spielfilm von 1946, mit James Stewart und Donna Reed in den Hauptrollen.

Ist das Leben nicht schön? dreht sich um das Leben, um Verzweiflung, um Zweifel überhaupt (Verzweiflung=Zweifel). Und es geht um die Wieder-Erlangung von Glauben, was gleichzusetzen ist mit irdischem Glück. Es geht um den Glauben an die Liebe, an Selbstwirksamkeit, an das Gute.

Ist das Leben nicht schön? Das Leben ist schön! - 4 [SPID 4551]
Ist das Leben nicht schön? Das Leben ist schön!  George versagt sich den Traum seines Lebens – eine Reise rund um die Welt, um die heimatliche Firma seiner Eltern vor dem Ruin zu retten. Hier ist George gerade dabei, einen Koffer für seine Reise zu kaufen – eine Reise, die er nie antritt.
George Bailey (Stewart) ist ein guter Mensch, er opfert seine Träume für die Dinge, die zu tun er für seine Pflicht hält. So denkt George Bailey eben: in Kategorien von Pflichterfüllung und Sorge um andere. Daher geht er nicht auf Weltreise, wie er eigentlich wollte und wie es sein Traum war, sondern bleibt zu Hause und hilft, die ständig notleidende karitativ geführte Sparkasse im Familienbesitz zu retten.

Seine tiefsitzende Güte ist ihm Karrierebremse, soviel bekommt George selbst schon mit! Während Freunde und Verwandte ihre Träume in aller Welt realisieren, ist George zu Hause, in seiner kleinen Stadt; ist eingebunden und angebunden.

Doch die Kräfte des Bösen wollen die kleine Sparkasse vereinnahmen, George aus dem Weg räumen. In seiner dunkelsten Stunde verzweifelt George so, dass er sich das Leben nehmen, und im weihnachtlichen Schneegestöber von einer Brücke springen will. Alles erscheint ihm sinnlos: die Arbeit von Jahren scheint zerstört, sein Glaube an das Gute erscheint in diesem Licht wie Dummheit und Schwäche.

Ist das Leben nicht schön? Das Leben ist schön! - 2 [SPID 4549]
Ist das Leben nicht schön? Das Leben ist schön! George ist verzweifelt – er will in diesem Moment, im weihnachtlichen Schneegestöber, von einer Brücke springen.
Doch da tritt ein Engel in Georges Leben – er errettet ihn vor der Verzweiflung durch einen magischen Trick: Er zeigt ihm, wie die Welt aussähe ohne George Bailey. Er zeigt ihm, wie die kleinen guten Taten von George ihre Wirkung entfalteten, wie sie wieder Früchte trugen, um an ganz anderer Stelle erneut zu Liebe zu werden. An Stellen weit außerhalb von Georges erdgebundenem Blick – er hätte das nie erkannt, wenn sein guter Engel es ihm nicht gezeigt hätte. Es waren gute Taten, die weiter getragen wurden … und anderswo wieder Güte hervorbrachten.

Das zu sehen gibt George seinen Lebensmut zurück, macht ihn froh und stark. George kann wieder an die Liebe und an das Gute glauben. Er kann wieder leben, kann wieder kämpfen.

Ganz konkrete Früchte brachte sein Wirken für ihn aber auch: er hat viele Freunde – viel mehr als er dachte! Und die sind mehr als bereit, ihm in seiner Not beizustehen.

Happy End, was sonst! Ein wunderbarer Film für Weihnachten.

Ein fröhliches Weihnachtsfest und wunderschöne Feiertage für alle, die auf diesem Blog vorbeischauen! Ihr Henrik Geyer

Ist das Leben nicht schön? Das Leben ist schön! - 1 [SPID 4548]
Ist das Leben nicht schön? Das Leben ist schön! George kann sich wieder freuen – er findet selbst Anerkennung und findet in sich Dankbarkeit, für die Dinge, wie sie sind.
Ist das Leben nicht schön? Das Leben ist schön! was last modified: Dezember 24th, 2016 by Henrik Geyer

Polarität überwinden

Polarität - Yin und Yang, aus einem hellen Ursprung kommend .. Starburst [SPID 4516]

Im Beitrag Polarität und Dualität habe ich über die Widersprüchlichkeit der Welt gesprochen, deren Quelle wir selbst sind. Ich habe darüber gesprochen, dass es unauflösbare Widersprüche nicht gibt, und dass das gegensätzlichste Widerspruchs-Paar wie gut und böse, Gott und Teufel, Kommunist und Faschist, doch immer in einem engen Zusammenhang stehen.

Gleichzeitig habe ich darüber gesprochen, dass sich der Mensch, der Element der Schöpfung ist und nicht Beobachter der Schöpfung wie er selbst meint .. er kann sich daher aus der Widersprüchlichkeit nicht lösen. Denn, Widersprüchlichkeit ist seine Seinsbedingung.

Yin und Yang als das Zeichen der Polarität in ihrer Einheit

Ich habe das obige Bild hinzugefügt, um dem eine Vorstellung beizugeben. Alles entstammt einer Quelle, im Bild ist es der Mittelpunkt. Im Mittelpunkt sind die Dinge undefiniert, alles ist möglich – das ist der Ursprung des Seins. Nach außen hin diversifizieren sich die Dinge, die Gegensätze treten auf und werden stärker, verfestigen sich. Das ist das Sein, so wie wir es kennen. Mit festen Begriffen, aber auch notwendigen Gegensätzen.

Die Widersprüchlichkeit in ihrer Einheit ist symbolisiert durch das Yin und Yang. Yin und Yang gehören zusammen, sind eins, doch sie sind sich scheinbar unversöhnlich in dem Sinn, dass, würden sie tatsächlich verschmelzen, dies das Ende ihres SEINS wäre. Denn es gibt kein Yin ohne Yang und umgekehrt. Und die Melange aus beiden wäre quasi der helle Fleck des Mittelpunktes … es wäre das Nichts im irdischen Sinn.

Das Bild soll verdeutlichen, dass es einen notwendigen Zusammenhang des Seins mit der Polarität gibt, also, den im Sein auftretenden Widersprüchen.

Die Lehre des Spirealismus

Doch was ist dann die Lehre des Spirealismus? Wie soll man denn die Polarität überwinden? Wird das Gute schließlich obsiegen? Wird ein allumfassender Glücksstaat den Kapitalismus ablösen? Wird es einen Zustand ewigen Friedens geben, oder müssen wir mit Krieg rechnen?

was ist richtig, was ist falsch?

Wenn man die Welt aus uns selbst hervorgehen sieht, den Menschen als die Quelle der Welt, dann wird begreiflich, dass sich, so verstanden, die Frage nach Schuld und Sühne, richtig und falsch, schlecht stellen lässt. Denn das Richtige kann nicht ohne das Falsche sein. Wer trägt nun die „Schuld“ am Falschen? Etwa das Richtige? Wer ist schuld am Mord? Der Ermordete? Das zu denken ist schwierig.

Zum Beispiel bedeutet das in Bezug die politische Diskussion, dass es linke Politik ohne ihren Gegenpart, die Rechte, nicht geben kann. Und umgekehrt. Das wird beiden Gruppen nicht schmecken, denn jede glaubt sich im Besitz eines einzigartigen, ganz eigenen Rechtes, im Besitz des (jeweils anders verstandenen) Guten, u.s.w.. Der Linke wird sagen, die Rechte sei alles das, was er hasst. Und der Rechte sagt das ebenso über die linke Bewegung.

Oder aber, auch das kennen wir aus dem Alltäglichen, wird derjenige, der die Liebe als das alleinig anzustrebende Prinzip ansieht, sagen, man dürfe nicht hassen. Doch Liebe und Hass sind eben gar nicht nur Gegensätze. Sie entspringen der selben polarisierenden Quelle: uns. Und sie benötigen einander, um sein zu können.

Die Polarität entsteht aus uns

Wenn ich soeben sagte, dass wir selbst die polarisierende Quelle sind, ist die Antwort auf die Frage was zu tun ist, gegeben: nicht polarisieren!

Jedoch muss man sich eben darüber klar sein, dass das polare Prinzip, man könnte auch sagen, die Welt der Zusammenhänge in gleichzeitiger Gegensätzlichkeit das Seinsprinzip ist. Das bedeutet, wir können gar nicht anders, als zu polarisieren. Indem wir sind, „tun“ wir es.

Erst wenn wir uns wirklich darüber klar werden, Element der Schöpfung zu sein, und nicht Beobachter, wenn wir dieses Prinzip verstehen, verinnerlichen und vor allem akzeptieren, dann kann uns das ein Werkzeug in die Hand geben, den Urprinzipien unserer Welt gerecht zu werden und ihnen gemäß zu leben. Ihnen gemäß zu leben – das bedeutet nicht etwa, sie außer Kraft setzen zu wollen!

Nicht gut sein wollen

Die Polarität liegt sowohl im Guten wie im Bösen. Das zu begreifen, darum geht es.

Alle Menschen wollen gut sein. Alle Menschen sind immer gut – aus ihrer Perspektive. Alle Menschen haben aus der eigenen Perspektive immer Recht. Das Gute, das Richtige, das wollen sie tun, und das tun sie, darauf kann man sich verlassen. Selbst der „böseste“ Mensch ist doch aus seiner Innensicht ganz erklärlich, ist nicht böse, sondern gut. Doch das Gute und Richtige der einen Perspektive ist das Böse und Falsche der anderen.

Im Guten, im Kampf für das Gute, liegt das Böse. Das eigentliche Übel der Welt sind die Kämpfe, die unversöhnlichen, bis aufs Blut geführten Kämpfe. Doch wir können uns aus der Notwendigkeit zu kämpfen nicht lösen. Wir können die Kämpfe aber in geordnete Bahnen führen. In der Gesellschaft ist beispielsweise ein Kampf, der mit parlamentarischen Mitteln ausgetragen wird, ein ganz anderer, als ein mit Waffengewalt ausgetragener Kampf.

Daher ist es falsch, zu polarisieren. Es ist falsch, gut sein zu wollen. Es ist natürlich auch falsch, böse sein zu wollen, doch man bedenke: wer will schon böse sein. Wollen denn nicht alle immer das Richtige aus ihrer Perspektive?

Es ist das überbordende Streben nach etwas, das eigenes oder fremdes Leiden in die Welt bringt.

Es gibt einen taoistischen Text, der dieses Geheimnis sehr schön ausdrückte; ich las es einmal – er lautet etwa so:

Versuche nicht, besonders gut zu sein, denn damit würdest du dich hervorheben.

Versuche nicht, dich hervorzuheben, denn dadurch würdest du bewundert werden.

Versuche nicht, Bewunderung zu erlangen, denn dadurch wirst du stolz.

Versuche nicht, stolz zu sein, denn damit wirst du geltungssüchtig und aufbrausend. Durch Geltungssucht und aufbrausenden Charakter kommen Unfrieden und Kummer in dein Leben – und in die Welt.

 

Polarisierung erkennen und vermeiden

Versuche nicht besonders gut zu sein [SPID 4004]

Nun wird jeder beim eben Gesagten feststellen, dass es geradezu unser Streben ist, uns hervorzuheben. Wir wollen stolz sein, wir wollen bewundert werden! Oder etwa nicht?

Unfriede und Leid sind seit Urzeiten Begleiter der Menschheit. Den Menschen scheinen sie von anderswo zu stammen, manche machen Gott dafür verantwortlich. Doch müssen wir, wenn wir ehrlich sind, doch sagen, dass Unfriede und Leid nur aus uns sein können!

So gesehen leuchtet die besprochene Sichtweise wohl besser ein: das Geheimnis, dass Dinge mit uns geschehen, die wir eigentlich nicht wollen, kann nur in etwas liegen, das uns gleichermaßen bekannt wie geheimnisvoll ist: Unser eigener Wille und unser eigenes Tun.

Unser eigener Wille und unser eigenes Tun ist geheimnisvoll? Ich ahne: wenige werden das so sehen. Doch, es sehen zu können bedeutet zu verstehen, was es bedeutet zu sagen: Wir sind Elemente der Schöpfung – nicht ihre Beobachter! Es ist eine Schöpfung, die aus Polarisierung besteht und entsteht. Indem wir sind, polarisieren wir. Jede unserer Meinungsäußerungen negiert etwas anderes, und zwar etwas, das sich spätestens in dem Moment bildet, wenn wir uns festlegen – als das Gegenteil. Der Streit zwischen den Gegensätzen ist das Wesen und der normale „Betriebszustand“ der Welt.

Was wir tun können, um Leid und Unglück von uns selbst und von den uns Nächsten fernzuhalten, ist, übergroße Polarisierungen zu vermeiden. Streit aus dem Wege gehen, nicht kämpfen wenn es nicht sein muss, nicht leichtfertig die Gewichte der Welt verschieben.

Die Grenzen des Ich akzeptieren

Die Begrenztheit des Menschen, die Grenzen seines Ichs zu akzeptieren, darin liegt eine der wichtigsten Lehren, die der Spirealismus hat.

Denn das oben Gesagte zeigt uns, dass wir keineswegs unsere eigenen Wirkungen, die wir auf die Welt und die Dinge haben, durchschauen. Vorsicht und Zurückhaltung sind daher oberstes Gebot.

Wir müssen nicht nur Rücksicht nehmen auf andere, deren Grenzen und Begrenztheiten, müssen nicht nur bedenken, dass aus zu viel eigenem Stolz Neid und Feindschaft im anderen erwächst. Sondern wir müssen auch für uns selbst das Gleiche bedenken. Setzen wir uns mit jemandem in Verbindung der stolz ist, so wächst Neid und Feindschaft in uns selbst.

Nur wer sich mit den Grenzen des Ich beschäftigt, sie schließlich akzeptiert, und nicht, wie es heute üblich ist, sich für einen gottgleiches Wesen hält, dessen Geist dazu geschaffen ist alles zu wissen und alles zu erkennen, kann die nötige Zurückhaltung und Genügsamkeit aufbringen, um Unfriede und Unglück zurückzudrängen.

Das Beste und Herrlichste, wozu man in diesem Leben gelangen kann, ist, daß du schweigst und Gott wirken und sprechen läßt.
Meister Eckhart

Ist das Zynismus?

Wie man sieht, ist das genau das Gegenteil dessen, was die moderne Welt für erstrebenswert und zwingend hält.  Der einem Gotte gleiche Mensch, der vorwärts stürmt, ist geradezu das Idealbild des Menschen seit der Aufklärung. Und nun sieht der Spirealismus hier eine Gefahr…

Das oben Gesagte mag, so gesehen, wie als zynische Ablehnung der großartigen Menschheitswerte der Gegenwart wirken.

Doch man bedenke: Die Welt in ihrem Wirken kann durch uns nicht beeinträchtigt werden, denn wir selbst sind die Elemente aus denen sie entsteht. Die Welt – das sind eben nicht nur wir Menschen. UNSERE Welt kann durch uns eine andere Form bekommen, aber wichtig ist das für „die Welt“ nicht. Nur für uns ist es wichtig, die wir Stabilität und Ruhe suchen, und keineswegs den Krieg. Um UNSERE Welt zu gestalten, müssen wir uns selbst unseres polarisierenden Wesens bewusst sein.

Also, so lautet die unabdingbare Folgerung, müssen wir unsere Wünsche überdenken, das überdenken, was wir für wahr und erstrebenswert halten. Anders geht es nicht.

Die Welt ist immer im Ausgleich

Wir müssen erkennen: die Welt ist immer im Ausgleich, ob nun mit oder ohne uns. Wir können uns bemühen, die Sinnhaftigkeit der Polarisierung in uns und im anderen zu erkennen, um sie nicht zu stark werden zu lassen – und zwar zu unserem eigenen Besten.

Wir müssen das aber im eigentlichen Sinn nicht tun, und würden den Unterschied nie begreifen. Denn die Welt ist ohnehin immer das, was wir in ihr sehen. Sehen wir in ihr eine Welt in der Kummer und Unfrieden unerklärliche Notwendigkeiten sind, so ist sie das. Sehen wir in der Welt etwas, das in Harmonie ist, was immer passiert, dann ist sie das ebenfalls.

Wenn Krieg und Hunger die Welt verheert, dann scheint uns die Welt wie aus den Fugen geraten. Doch das ist sie im eigentlichen Sinn nicht, ist sie nie. Würden wir Menschen verschwinden, dann geht der Prozess, aus dem alles entsteht, dem auch wir entspringen, ungestört weiter.

Soweit wir es beeinflussen können, muss unser Interesse darin liegen, die eigene polare Sichtweise mit der allgegenwärtigen Harmonie in Einklang zu bringen. Die Widersprüche, die wir überall sehen, sind immer an zwei Stellen auflösbar: im anderen und in uns selbst.

Sich selbst nicht überfordern

Es ist immer leichter, Dinge bei sich selbst zu bewirken, als im anderen. Aber, da man keineswegs uneingeschränkter Herrscher der eigenen Gedanken ist, polarisiert man, indem man das Rechte tut, sich aber jedoch selbst oder andere überfordert. Das sollte man im eigenen Interesse nicht tun. Man darf nicht versuchen, aus der zwangsläufigen Wechselwirkung, der immerwährenden Harmonie, herauszutreten; das kann nicht gelingen. Denn das wäre wieder die unzutreffende Vorstellung des Menschen von sich im materialistischen Weltbild: Der Mensch als der geniale Beobachter…

Nein, wir sind nicht Beobachter, sondern Teil. Wir müssen wissen, dass das, was im anderen ist, schließlich auch im Selbst auftritt. Wir selbst sind die Elemente, in uns und durch uns treten die Widersprüche auf, in ihrer Einheit. Der Hass des anderen wird zu meinem Hass, die Liebe des anderen wird zu meiner Liebe. Und umgekehrt. Man kann nichts denken, das vom Denken der anderen, des anderen, abgekoppelt wäre. Alles ist Geist, und wir sind ein Teil des Geistes.

Daher muss man darauf achten, mit wem und mit was man sich (auch räumlich) verbindet. Daher muss man sich selbst Freiräume zugestehen, darf Grenzen haben, muss Grenzübertritte nicht zulassen. Und man sollte anderen zugestehen, es ganz genauso zu halten, denn der Friede des anderen ist schließlich auch mein Friede.

Man darf sich nicht überfordern, muss nicht Jesus gleich sein – man kann es nicht sein. Man muss nicht jedermanns Freund sein. Man sollte nicht versuchen besonders gut zu sein. Umgekehrt sollte man Feindschaften meiden. Feindschaften, die man in anderen beobachtet, sind ein guter Indikator für mangelndes Verständnis – Verständnis dafür, dass die Kräfte, die im eigenen Inneren wirken, auch im anderen sind.

 Die Notwendigkeit der Harmonie sehen – Karma

Die Notwendigkeit der Harmonie liegt in unseren Wünschen, in nichts sonst. Die Narur, Gott, ist ohnehin in Harmonie. Wir selbst wünschen uns ein harmonisches Sein.

Der Begriff des Karma ist verbunden mit der Einsicht, dass jedes Tun, jeder Gedanke, Folgen haben muss. Karma ist das Bild eines ewigen, uns weitgehend unsichtbaren Kreislaufes von Wechselwirkungen. Alles hat miteinander zu tun, nichts ist wirklich getrennt – auch wenn wir das weder sehen noch verstehen können, denn unsere Welt ist die der Gegensätze.

Man muss es aber wissen: Nichts, was man tut, ist wirkungslos. Alles was einem geschieht, hat auch einen Grund.

 Ausgleich, Integration durch Verständnis

Hier liegt die so oft im Religiösen besprochene „Schuld“ des Menschen: Er kann sich nicht aus seiner polaren Sichtweise lösen. Was immer er tut, bringt nicht nur das Gute hervor, sondern genauso das Böse. Beides nicht zu stark werden zu lassen – das ist Verständnis der Polarität. 

 

Polarität überwinden was last modified: Dezember 21st, 2016 by Henrik Geyer

Gurdjieff und die Mysterien des geheimen Wissens, des verlorenen Wissens

Gurdjieff und die Mysterien des geheimen Wissens [SPID 4496]

In diesem Artikel geht es darum aufzuzeigen, warum manche Menschen darauf kommen, die Welt sei voller Rätsel,während es dem Materialisten doch eher so scheint, als habe die Welt keinen geheimnisvollen Aspekt – denn die Dinge der Welt erscheinen so vollständig beschrieben, so rund in ihrem Sein, so erfasst. Er glaubt, alles wäre im Grunde schon entdeckt, und das Unentdeckte sei etwas, das er benennen könnte.

Ein schönes Beispiel hierfür ist Gurdjeff (bei der Nennung dieses Namens fällt so manchem sofort Ouspensky ein, der Schüler Gurdjeffs, der sich explizit auf die Suche nach dem Rätselhaften machte, und ein Buch gleichen Namens schrieb: In Search of the Miraculous).

 

Der Auffassung, die Welt sei entdeckt und in ihrer Offensichtlichkeit geradezu langweilig, waren Gurdjieff und Ouspensky jedenfalls nicht. Aus Gurdjieffs Leben berichtet dieser selbst, sein Vater sei eine Art Dorfbarde (in Georgien) gewesen, ein uralter Berufsstand mit hohem Ansehen. Um die Dorfbevölkerung mit Liedern zu unterhalten und zu unterrichten, kannte er viele uralte Weisen.

One day, Gurdjieff read in a magazine that archaeologists had discovered ancient tablets of the Epic in Babylonia, and he speaks of experiencing ’such an inner excitement that it was as if my future destiny depended on all this.‘ He was impressed that the verses of the epic, as printed in the magazine, were almost identical to those his father had recited; yet they had been passed on by word of mouth for thousands of years. What matters here is the unstated implication: that in that case, other kinds of ancient knowledge may have also survived in the same way.

Eines Tages entdeckte Gurdjieff in einem Magazin, dass Archäologen eine uralte Tafel mit Heldensagen in Babylon entdeckt hatten, und er (Gurdjieff) spricht von einer unvergleichlichen Freude …
Er war beeindruckt, dass die Verse der Sage, wie sie im Magazin abgedruckt waren, fast identisch waren mit jenen, die sein Vater immer rezitiert hatte (der Vater hatte den uralten Beruf des Sängers ausgeübt, und war mit alten Liedern und Texten vertraut). Sie waren also mündlich weitergegeben worden, in tausenden Jahren. Was hier wichtig ist, ist das Verständnis, dass ähnlich diesem Fall, uraltes Wissen die Zeiten überdauert haben kann.

G.I. Gurdjieff: The War Against Sleep and The Strange Life of P.D. Ouspensky von Colin Wilson

Wir verfügen, so lehrte es dieses Vorkommnis Gurdjieff, über uraltes Wissen, haben aber keinen Bezug mehr zu  seinen Ursprüngen. Uns sieht die Welt ganz modern aus, doch wir bauen in jedem Detail auf einem uralten Wissen, auf uralten Bildern in unseren Köpfen auf. Wir bemerken das nicht, denn uns fehlen die Bezüge, die Querverbindungen.

Das zu verstehen hat mindestens zwei Aspekte.

Erstens denken wir an Jungs kollektives Unterbewusstsein. Im kollektiven Unterbewusstsein werden Dinge erhalten und gewusst, deren Ursprung wir nicht kennen. Etwas wird gewusst, das man nicht erlernen muss. Denken wir jetzt an die Erkenntnis Gurdjieff, dass Wissen, das verloren scheint, sich erhält, in alltäglichen Dingen und Worten, jedoch anders aussieht, und uns in nichts an das erinnert, was es den Menschen einmal war … Und umgekehrt? Haben wir denn ein Gefühl dafür, aus welchen Sinn-Atomen sich jedes Faktum, das wir wissen, zusammensetzt? Ich glaube nein. Wenn wir uns das aber vorstellen, dann bekommen wir ein Gefühl für das Geheimnis, das in allem ist, das aber auch erkannt und geahnt werden kann … Die Dinge bleiben unerkannt, weil uns die Bezüge fehlen. Was ist ein Geheimnis anderes als etwas, das man nicht weiß? Und was wiederum weiß man über Dinge, die man nicht kennt? Was kann uns besser ein Gefühl für diese ungeahnten Geheimnisse geben, als zu verstehen, dass das, was wir nicht wissen, unbegrenzt und ungeahnt ist?

Ähnliches Thema: Gibt es das Nichts? Wie kann man sich das Nichts vorstellen?

Zweitens: Einmal mehr zeigt sich die Eigenart des objekthaften Denkens – des Glaubens, etwas, eine Sache etwa, eine logische Schlussfolgerung, sei vollständig beschrieben, indem man sie benennt. Doch in Wirklichkeit abstrahiert man von tausenderlei Querverbindungen, die in die Unendlichkeit reichen – man kappt die Information, man abstrahiert, und dem menschlichen Geist erscheint trotzdem, oder vielleicht eben deshalb das Objekt seiner Anschauung wie völlig rund und vollständig beschrieben. Ebenso nehmen wir die Informationen des Jetzt so wahr, als wären sie im Jetzt vollständig beschrieben. Dass sie das nicht sind, erfahren wir dann ab und zu zufällig – und merken: Wir wären ganz ohne diese Information ausgekommen, und hätten immer angenommen, wir wären vollständig informiert und „weise“ – ein Gefühl, das den Materialisten immer umgibt, nicht jedoch den Suchenden.
Weiterlesen: Beitrag Was ist paradox am Wort „das Alles“ / „alles“ / „das All“?

Um ein kleines Beispiel dafür zu geben, wie allgegenwärtig und keineswegs selten die Geheimnisse sind, will ich etwas schildern, was mich neulich wunderte.

Ich las ein englisches Buch, in dem das Wort „hag“ vorkam. Ich ahnte, dass das Wort „Hexe“ bedeutet, denn mein Vater hatte mir einmal gesagt, das Wort Hexe leite sich von dem Wort Hag-Sesse ab. Hagsesse ist eine Person (Frau), die in einem Hag (Wald) ansässig ist. Hag ist Wald, so wie wir das Wort oft in Ortsnamen finden, wie z.B. Steinhagen, Friedrichshagen, Petershagen, etc..

Die Idee einer Hagsesse wiederum, die in der Vorstellung von Dorfbewohnern unheimlich ist, verleiht dem Wort Hexe eine ganz neue, tiefere Bedeutung. So wie ein Eremit, der die Kommunikation mit der Gesellschaft kappt, wird die Hagsesse den Dörflern unheimlich, genauso vermutlich, wie umgekehrt, und das Wesen und der innere Sinn des Wortes Hexe erscheint umso klarer und verständlicher. Eine Hagsesse ist jemand, der einen unkommunikativen Lebensstil pflegt, dadurch zu einer unheimlichen Person mit merkwürdigen Gebräuchen und unbekannten, und dadurch umso unheimlicheren, Ressourcen wird.

Hier noch, was das englische Wörterbuch zur Herkunft des Wortes hag sagt:

The term appears in Middle English, and was a shortening of hægtesse, an Old English term for witch, similarly the Dutch heks and German Hexe are also shortenings, of the Middle Dutch haghetisse and Old High German hagzusa respectively.

Was damit gesagt sein soll: Die Geheimnisse umgeben uns. Wir müssen sie nur sehen. Sie zu sehen ist nicht etwa unnütz, sondern eine Bewusstseinserweiterung. So, wie uns der Begriff Hagsesse einen anderen Zugang zum Wort Hexe gewährt, als es das Wort Hexe allein kann. Wir erweitern unser Bewusstsein durch diese Art von Wissen, durch die Querverbindungen, ganz ähnlich einem Raumschiff, das unbekannte Weiten des Universums durchstreift, und dadurch auf Ungesehenes, Unerhörtes, Wunderbares stößt. So erweitern wir auch unser uns unendliches Ich-Universum, durch die Entdeckungen im Geistigen.

 

Gurdjieff und die Mysterien des geheimen Wissens, des verlorenen Wissens was last modified: Dezember 19th, 2016 by Henrik Geyer

Was ist paradox am Wort „das Alles“ / „alles“ / „das All“?

Das All ist paradox wie die Unendlichkeit [SPID 4492]

Das Wort „das Alles“ / „alles“ / „das All“ ist paradox, weil es etwas bezeichnet, das es nicht geben kann.

Es ist insofern ganz ähnlich der Wort „das Nichts“. Lesen Sie auch: Beitrag Gibt es das Nichts? Wie kann man sich das Nichts vorstellen?

Während das Wort „alles“ oder „das All“ einen, wenn auch sehr großen, Gegenstand suggeriert, der umfassend beschreibbar ist, abzählbar ist (eins), ist doch das Wort „das All“ oder „alles“ das vielfältigste, das es geben kann. Es bezeichnet eine Unendlichkeit, denn mit dem Aufzählen all dessen, was es beinhaltet, wird man nicht fertig.

Das All ist all das, was es gibt, aber auch das, was es geben könnte.

Im Materialismus: „Alles“ ist paradox

Im Materialismus ist es paradox das Alles denken zu wollen, es ist paradox die Frage beantworten zu wollen, was „es geben könnte.“

Denn, wie man schnell merkt, ist das, was es geben könnte, unendlich, und hängt nur von dem ab, was wir uns in diesem Augenblick vorstellen. Beispielsweise könnte es im All, das ja alle Möglichkeiten beinhaltet, und das unendlich ist, auch Bibel-schreibende Affen geben. Das sagt uns schon die Wahrscheinlichkeitsrechnung. Wenn es eine noch so geringe Wahrscheinlichkeit gibt, dass ein Affe, wenn er auf einer Schreibmaschine wahllos Tasten drückt, auch einmal ein sinnvolles Wort schreiben kann, dann muss es in einem Raum, der unbegrenzt ist, und in dem daher in einer Unendlichkeit „alle“ Möglichkeiten zum Tragen kommen, auch Affen geben, die gerade dabei sind, die Bibel aufzuschreiben.

Die geringste Wahrscheinlichkeit multipliziert mit dem Unendlichen ergibt eine Notwendigkeit.

Im Spirealismus: „Alles“ ist nicht (be-)greifbar, jedoch nicht paradox

Im Spirealismus ist der Gedanke die Existenz. „Alles“ ist, was der Mensch in Gedanken erfassen kann. Was der Mensch in Gedanken erfassen kann ist aber nicht, wie der Mensch materialistischen Glaubens meint, unendlich, sondern, was er denkt ist endlich. Hingegen bezeichnet der Spirealismus das, was der Mensch nicht denkt, als „möglich“, aber „nicht realisiert“. „Möglich“ ist dem Spirealismus ein Begriff synonym mit Unendlichkeit, wieder wird hier etwas benannt, das nicht gedacht werden kann. Der Materialismus hält das Mögliche für eingrenzbar, weil er nur die menschlichen Gedanken für möglich hält. Ausgehend vom menschlichen Denken erscheint nur das möglich, was sich aus diesem Denken ableiten lässt – ein Zirkelschluss ewiger Redundanz.

Zur Beachtung: zwischen dem „Möglichen“ und dem „Realisierten“ verläuft eine Grenze, die selbst undenkbar ist, denn der Bereich des unendlich Möglichen, des Nichts, des Undenkbaren, ist für den Spirealismus tatsächlich undenkbar. Also kann keine Grenze sichtbar werden, die das Undenkbare eingrenzt.

Ähnliches Thema: Artikel Gibt es das Nichts? Wie kann man sich das Nichts vorstellen?

Aus der Undenkbarkeit der Grenze ergibt sich in der materialistischen Sichtweise die Annahme, es gäbe keine Grenze. Dem Materialisten erscheint die Begrenzung des Denkens auch deshalb unmöglich, weil es doch zu den Grundannahmen seines Glaubens gehört, Geist sei im menschlichen Gehirn verortet, und dieser Geist sei frei.

Hingegen nennt der Spirealismus die Grenze zwar undenkbar, jedoch ist es innerhalb des Spirealismus eine Notwendigkeit festzustellen, dass es eine Grenze, eine Unterscheidung, gibt. Denn erstens sind Grenzen, wenn alles Geist ist,  im Geist – also hat der Geist Grenzen. Zweitens ist, wenn alles verbunden ist, das Nicht-Verbundene nur scheinbar, nur Abstraktion; ist die Unterscheidung eine notwendige Denkgrenze, die die Dinge entstehen lässt – siehe auch die Welt der Namen des Taoismus.

Der Mensch ist ein Element der Schöpfung, durch ihn läuft die Schöpfung hindurch, so wie Wasser aus einer Quelle austritt. Der Quelle ist das Wasser unendlich, in dem Sinn, dass es nie und nimmer aufhört, aus ihr herauszurinnen. Endet aber das Wasser, ist auch die Quelle nicht mehr da – und jede Frage, was die Quelle über Wasser aussagen oder für möglich halten kann, endet. Um den Umfang der Möglichkeiten des Wassers weiß die Quelle nichts, denn sie weiß nur von dem Wasser, das aus ihr kommt, und das, genau gesagt, nichts anderes ist, als sie selbst. „Alles“ kann ihr nur das Wasser sein, das sie aus sich herausrinnen sieht. Überträgt man diese Analogie auf den Menschen: Enden die menschlichen Gedanken, ist der Mensch nicht mehr da. Die Gedanken gehen weiter. Mit dem Tod enden, zusammen mit der menschlich-irdischen Existenz, die Denkgrenzen. Über die Möglichkeiten der Gedanken weiß der Mensch nichts. Er kennt nur sein eigenes, begrenztes Denken – dort, wo es sich verfestigt, ist es ihm synonym mit Existenz.

Aus der Sicht des Spirealismus wird ersichtlich, warum der Begriff des Unendlichen, bzw. des Alls, paradox ist. Der Begriff bezeichnet etwas Abzählbares, Endliches. Das All. Der Mensch rechnet im wahrsten Sinn des Wortes mit dem Unendlichen, mit dem All. Das Wesen der Unendlichkeit aber ist, nicht zählbar, nicht erfassbar, dem Menschen nicht denkbar zu sein. Und sofern der Mensch mit dem Unendlichen rechnet, ist es falsch. Falsch insofern, als Unendlichkeit dem Menschen nichts sagen kann, denn dessen Existenzbegriff ist gleichbedeutend mit Endlichkeit.

Alles hat einen Ursprung: uns selbst. Daher ist „alles“ synonym mit „unendlich“. Unendlich ist etwas, das für uns nie aufhört, etwas, womit wir nicht fertig werden. Das Einzelne fährt fort zu entstehen, solange wir da sind – denn es kommt ja aus uns. Der Mensch ist das endliche Element in einer ihm unzugänglichen Unendlichkeit.

Was ist paradox am Wort „das Alles“ / „alles“ / „das All“? was last modified: Dezember 21st, 2016 by Henrik Geyer

Gibt es das Nichts? Wie kann man sich das Nichts vorstellen?

Gibt es das Nichts? Wie kann man sich das Nichts vorstellen? - [SPID 4464]

Im Spirealismus geht es oft um das Nichts. Die Frage Gibt es das Nichts? nannte ich manchmal die zentrale Frage der Philosophie, denn am Nichts und an seiner Vorstellung trennt sich die Weltanschauung in jene, die glaubt, der Mensch würde eine äußerliche Welt spiegeln, könne die Dinge objektiv erfassen und sein Gehirn sei prinzipiell geeignet, alles („alles“ ist ein ebenso paradoxes Wort wie das Nichts) zu begreifen, etc. – und jene, die all das nicht glaubt.

Ähnliches Thema: Artikel Was ist paradox am Wort „das Alles“ / „alles“ / „das All“?

Der Spirealismus neigt letzterer Auffassung zu. Ihm ist das Nichts das Unbegreifbare im eigentlichen Wortsinn – es ist tatsächlich nicht denkbar.

Kann man dennoch über das Nichts sprechen?

Kann man dennoch über das Nichts sprechen? Kann man es sich vorstellen? Nein, im eigentlichen Sinn vorstellen kann man sich das Nichts nicht.

Und im materialistischen Sinn ist das Nichts die Vorstellung von Etwas – ein Paradox.

Der Spirealismus geht davon aus, dass die Existenz im Gedanken liegt. Hier liegt ein unabdingbarer Scheideweg. Wenn man ihn nicht zu gehen vermag, kann man sich aus der materialistischen Vorstellungswelt nicht lösen. Die Dinge bleiben paradox.

Kann man ihn aber gehen, so ist der Weg zu der Erkenntnis, dass das Nichts das Nicht-Vorgestellte ist, nicht weit und auch nicht schwierig. Die Existenz ist der Gedanke (an etwas), also ist das Nichts ein Gedanke, den man nicht hat.

Einen Gedanken zu denken, den man nicht denkt, ist logischerweise unmöglich. Umgekehrt ist jeder Gedanke, auch der an ein Nichts, kein Nichts.

Jeder, der dieser Idee näher treten mag, möge sich vorstellen, dass der Gedanke, den er in diesem Augenblick nicht denkt, das Nichts dieses Augenblickes ist. Auf diese Weise wird sehr schnell klar, dass das Nichts riesig ist (ganz anders als die materialistische Quantifizierung des Nichts), und dass der Gedanke des Augenblicks wie ein Tropfen in einem unendlichen Meer ist.

Unendlichkeit Auch das kleinste Ding hat [SPID 895]Umgekehrt wird die Absurdität der Annahme begreiflicher, mit der der Mensch annimmt, es könne nichts anderes als das geben, was er denkt. Diese Annahme ist eng mit der materialistischen Auffassung verbunden, der Mensch würde eine ihm äußerliche materielle (also feste) Realität beobachten, die selbst in ihren Möglichkeiten eingeschränkt sei. Doch, dem widerspricht, was wir bereits über die Dinge sagten: Es gibt nichts Einzelnes, denn alles ist verbunden. Die Dinge und ihre Eigenschaften, ihre Vergangenheit und Zukunft, sind nichts Verschiedenes, sondern genau dasselbe. Daher sind die Dinge unendlich, und der Gedanke an ein Ding ist wieder: Wie ein Funke in einem unendlichen Dunkel. Denn jenseits dessen was man denkt, gibt es immer das Nichtgedachte. Und dies ist die dem Nichts am nächsten kommende Vorstellung. Das, was nicht der Gedanke ist, das ist das Nichts.

Gibt es das Nichts?

Gibt es also das Nichts?

Im Materialismus bleibt die Antwort auf diese Frage stets beliebig, paradox, widersprüchlich. Man könnte ebensogut sagen: „Ja, das Nichts gibt es, denn ich rede ja gerade von ihm, benenne es, quantifiziere es, stelle es mir vor…“, wie: „Wie soll es das Nichts geben, wo es doch nichts ist?“ Man könnte sagen: „Das Nichts ist das, was nicht da ist“ – aber um diesen Gedanken zu vollenden benötigen wir etwas, das eigentlich da ist, nur eben jetzt gerade nicht …

Im Spirealismus ist das Nichts dadurch charakterisiert, dass es jene unendlichen Welten sind, die wir nicht denken. Es ist ein Bereich, zu dem wir keinen Zutritt haben, denn wir selbst sind es, die auf Etwas festgelegt sind – es ist nicht die Materie, die festgelegt ist. Während das Nichts gleichsam das unendliche Dunkel ist, aus dem alles für uns entstehen kann. Es ist die unbegrenzte Möglichkeit, und zugleich das für uns Menschen nicht Existierende.

Siehe auch: Alles und Nichts – kann das Alles zugleich das Nichts sein?

Gibt es das Nichts? Wie kann man sich das Nichts vorstellen? was last modified: Februar 17th, 2017 by Henrik Geyer

Geistige Welten – objekthaftes Denken, vertikales Denken, Ding an sich

In dem, was ich bisher zum Thema Spirealismus schrieb, ging es häufig um die Frage, was die Realität ist, wie man die Probleme der materialistischen Weltanschauung auf ganz andere Weise sehen und angehen kann, etc…

 

In diesem Artikel, sowie einigen weiteren, die ich unter dem Stichwort „Welten der Vorstellung“ zusammentragen möchte, will ich so praktisch wie möglich darlegen, woran wir erkennen, in einer Matrixwelt zu leben („Matrixwelt“ … um ein populäres Wort zu gebrauchen, man könnte auch sagen: in einer traumhaften Welt, Welt des Traums, surrealen Welt, etc.).

Ich bemühe damit die Phantasie des Lesers – beweisen lässt sich das im materialistischen Sinn nicht, denn, den Materialismus mit seiner Annahme, die Dinge seien einfach „da“, verlassen wir. Das bedeutet, jemandem der darauf besteht, dass die Dinge eben die Dinge sind, und nichts anderes, wird man auch tatsächlich nichts anderes beibringen können. Das trifft sich mit dem spirealistsischen Grundsatz, dass die Dinge IMMER das sind, was man darunter versteht.

Das Ding an sich – die Dinge sind Dinge des Denkens

Die erste Möglichkeit sich klar zu machen, dass die Objekte die man sieht, oder sich denkt, nicht einfach „da“ sind, ist, die Überlegung Kants nachzuvollziehen, der davon sprach, dass die Dinge nicht „an sich“ erkennbar sind.

Er meinte damit, dass auch in der materialistischen Sichtweise, die davon ausgeht, das Gehirn würde eine materielle Außenwelt spiegeln, klar ist, dass das Spiegelbild nicht identisch mit dem Objekt selbst ist.

Das bedeutet, es gibt notwendigerweise eine Verschiedenheit zwischen dem was wir sehen und dem, was „wirklich da“ ist. Nur, dass wir von dieser Verschiedenheit überhaupt nichts wissen, sie nicht wahrnehmen, im Grunde auch nicht denken können (Kant war da eine seltene Ausnahme).

Und nun fragt es sich natürlich, wie groß der Unterschied zwischen den Dingen ist, und dem, was wir von ihnen denken. Doch wie könnte der Mensch darüber eine Aussage treffen, da er ja nur weiß, was er weiß … Er hat aber keinerlei Erkenntnisse darüber, was er nicht weiß und nicht wissen kann. Insbesondere die Annahme, er könne etwas nicht wissen, ist ihm in der materialistischen Denkweise ja auch völlig fremd geworden.

Dieser erste, eigentlich völlig logische Schritt, kann uns verdeutlichen, dass die Dinge jedenfalls nicht das sind, was wir uns unter ihnen vorstellen. Wenn man das eine Weile übt, man könnte auch sagen: lernt, oder: darüber meditiert, dann beginnen die Bedeutungen zu verschwimmen, und die Dinge fangen an, in ihrem Wesen und ihrer Bedeutung vieles sein zu können.

Vertikales Denken

Dass die Dinge vieles sein können, sieht man auch an sogenanntem vertikalem Denken. „Vertikales Denken“ ist die Bezeichnung für eine Art und Weise Dinge mit einander in Verbindung zu bringen, die phantasievoll und normalerweise unüblich ist. Muss etwa man sagen: unzulässig ist? Nein, keineswegs. Dass wir uns die Dinge wie eindeutig miteinander verknüpft vorstellen, wie eindeutig beschaffen und durch uns vollständig erfasst, ist lediglich eine Denkgewohnheit.

Wie gesagt, man kann üben, sich die Dinge stets unter einem ganz anderen Aspekt vorzustellen, und dann wird die Welt eine andere.

Das vertikale Denken kann man sich wie folgt vor Augen führen. Man stelle sich diese Tabelle vor

günblaurotschwarz
KräuterMinzeSalbeiKresseKümmel
TiereFroschPfauPapageiPanther
BäumeLindeBlauglockenbaumRotbucheSchwarzerle
HimmelskörperJupiterErdeMarsAsteroid

Normalerweise werden die Menschen sagen, die natürliche Zuordnung sei waagerecht, also gehöre beispielsweise Minze, Salbei, Kresse und Kümmel zusammen, nicht aber Kümmel und Panther.

Jedoch spricht, bei Lichte besehen, nichts Bewertbares gegen eine Zuordnung von Kümmel und Panther, der gemeinsame Aspekt ist da, es ist lediglich eine Frage der Bewertung und der Denkgewohnheit, diese Zuordnung nicht zu treffen.

Nun stelle man sich aber vor, dass solches vertikale Denken noch vor wenigen Jahrhunderten völlig üblich war – es war die Realität. Wir, mit unserer Überzeugung, die Dinge seien in einem Außen (außerhalb des menschlichen Geistes) von der Natur bereits festgelegt, und, es gäbe kein sinnvolles magisches Denken, haben eine neue und ungewöhnliche Auffassung.

Man kann die ungewöhnliche Zuordnung vornehmen, man kann die Dinge anders sehen, anders gewichten – und sie werden dadurch anders – ich komme insofern wieder auf Kants Überlegung zurück und die daraus folgende Konsequenz, dass die Dinge im Geist entstehen. Und – was anderes wohl können uns die Dinge sein, wenn nicht das, was wir unter ihnen verstehen?

Man kann vertikal denken, anstatt horizontal, und mehr noch: man stelle sich vor, dass die obige Tabelle in Wirklichkeit nicht zwei Dimensionen hat, sondern x. Denn man kann alles auf tausend verschiedene Weisen kategorisieren und in milliardenfacher Weise neu zusammenfügen. Unendlich wird die ganze Sache dann, wenn man sich vorstellt, dass wir selbst es sind, die die Kategorien erdenken, und stets frei sind, uns neue Kategorien zu erdenken, was wir ja auch tun.

Heute ist diese Art und Weise des vertikalen Denkens rar geworden, eines Denkens, das Querverbindungen herstellt; ein Denken, das solche Querverbindungen für möglich hält. Die normale Reaktion heute ist eher ein „Was nützt mir das jetzt?“

Diese Denkweise ist aber immer noch anzutreffen, insbesondere manchmal in der alternativen Medizin, esoterischen Wahrsagern, in der Religion. Letztlich auch in der Wissenschaft, denn was wohl wäre der wissenschaftliche Fortschritt, wenn nicht ein Neudenken und ein Querdenken … ein vertikales Denken?

Siehe auch: Phantasie und Wirklichkeit – Zufall, Kreativität und Kausalität

Lesen Sie auch: Beitrag Was ist Phantasie? Ist Phantasieren nötig – oder nur Spinnerei?

Doch, ich sage bewusst vorsichtig „manchmal“, weil all die tausend Spielarten auch spiritueller Vermarktungsmaschinerien oft genug weniger mit spirituellem Denken zu tun haben, als viel mehr mit materialistischem – denn sie bearbeiten einen materialistischen Markt. Ihnen kommt es oft weniger darauf an, die Phantasie anzuregen, und die tausend Möglichkeiten der Welt offen zu legen, sondern dienen dem eindimensionalen objekthaften Denken.

 

Noch mehr Gewicht erhalten diese Überlegungen noch dadurch, dass man sich vor Augen führen kann (und sollte), dass die Dinge nicht allein bestehen können. Die Dinge und die gedanklichen Zuordnungen die wir vornehmen, also etwa zu Farbe, Raum, Ursache, Wirkung, Material, Zusammensetzung, etc., sind nicht etwa zweierlei, sondern dasselbe. Das habe ich in folgendem Artikel beschrieben.

Siehe auch: Beitrag Das Einzelne – es gibt nichts, das einzeln sein kann. Es gibt nichts, das allein existiert.

 

Geistige Welten – objekthaftes Denken, vertikales Denken, Ding an sich was last modified: Mai 15th, 2017 by Henrik Geyer

Das Einzelne – es gibt nichts, das einzeln sein kann. Es gibt nichts, das allein existiert.

Das Einzelne. Ein einzelner Stuhl [SPID 4425]

Eine der grundlegenden Aussagen des Spirealismus ist, dass die Welten, die Ich-Universen, jeweils eine Relation sind.

Da in einer Relation alles nur durch die Verbindung entsteht, lautet eine der Folgerungen des Spirealismus, dass es nichts geben kann, was ganz „für sich“ existiert. Es gib nicht „das Einzelne“, es gibt überhaupt nichts, das einzeln sein kann.

We are accustomed to take everything separately. Here there was nothing separate, and it was extraordinarily strange to feel oneself in a world in which all things were connected one with another and all things followed one from another. Nothing existed separately. I felt that the separate existence of anything—including myself—was a fiction, something non-existent, impossible. The sensation of absence of separateness and the sensation of connectedness and oneness united with the emotional part of my conceptions. At the beginning the combined sensation was felt as something terrifying, oppressive and hopeless; but later, without changing its nature, it began to be felt as the most joyous and radiant sensation that could exist.

Aus den Visionen des P. D. Ouspensky, Buch:  A New Model of the Universe

Mir ist dieser Grundsatz selbstverständlich geworden, aber anfangs grübelte ich darüber sehr nach. Denn, wenn das stimmt, dann hat alles mit allem auch zu tun. Wie kommt es dann, dass man, ausgestattet mit dem materialistischen Weltbild, ganz verschiedene Dinge sieht, die miteinander scheinbar rein gar nichts zu tun haben?

Es ist innerhalb des materialistischen Weltbildes nicht üblich zu denken, es könne das Einzelne nicht geben. Ich will daher ein praktisches Anschauungsbeispiel geben.

Das Einzelne gibt es nicht – ein Beispiel

Wir alle kennen den Grundsatz, dass Druck Gegendruck erzeugt. In der Physik wie auch im Leben. Ebenso kann es keine Liebe ohne Hass geben, es kann keinen Krieg ohne Frieden geben, und umgekehrt. Glaubt man, man könne das Eine ohne das Andere haben, wird man verleitet sein, sich für die Einseitigkeit einzusetzen, für sie zu kämpfen. Man fördert so die Polarisierung und ruft an anderer Stelle das hervor, was man bei sich nicht sehen möchte.

Ein für mich schönes Beispiel ist die politische Situation der Gegenwart. Eine politische Gruppierung hat die Ausmerzung einer anderen politischen Gruppierung zum Ziel. Je umfassender diese andere politische Gruppierung aufgefasst und bekämpft wird, desto stärker wird sie auch. Die Linke hat die Ausmerzung des Faschismus, des Nazitums, zum Ziel. Je stärker die Linke wird, in einer zunächst ausgewogenen Situation, umso weiter fasst sie den Begriff Nazi, bis schließlich jedermann dazugehört, der nur ein bestimmtes Wort in den Mund nimmt. Der Effekt dieser Bemühungen ist, dass so ziemlich jeder, der das Wort benutzt, als Feind gesehen wird … Das wiederum ruft (dessen) Widerstand hervor – die Dynamik gewinnt Fahrt. Während sich die Linke als die Kämpferin für das Gute sieht, erschafft sie das sie bekämpfende Element, von ihr wahrgenommen als das Böse.

Je größer der Kampf, sagen wir, für „das Gute“, desto größer auch die Polarisierung. Umso stärker kann „das Böse“ sein.

In diesem konkreten Fall: Je größer die Polarisierung, desto stärker der Effekt auf die Gesellschaft, was schließlich im Erstarken extremer Kräfte münden kann, oft in Bürgerkrieg oder Krieg. Es gibt nichts Einzelnes – alles hängt zusammen.

Das Einzelne gibt es nicht – ein weiteres Beispiel

Die Kirche verfolgt heute häufig den Gedanken, alles sei „in Wirklichkeit“ Eins. Das jetzige Verständnis des Spirituellen, auch der Bibel, muss in der Enttäuschung enden. Denn die Welt auf Erden ist nicht Eins. Eins zu sein mit dem Göttlichen ist dem Menschen auf Erden nicht möglich, denn hier ist „die Welt“ synonym mit „Getrenntheit“. Das Einzelne, hier verstanden als Alles, gibt es nicht.

Die Polarität ist zwar in ihren starken Auswirkungen oft unerwünscht, doch die Natur der Welt ist es, aus Gegensätzen zu bestehen. Aus Dingen, die scheinbar völlig getrennt voneinander sind, und doch könnten sie ohne einander nicht sein. Aus diesem Prinzip kann man sich nicht lösen. Während z.B. die Kirche das Prinzip der allumfassenden Liebe und des Einsseins propagiert, entfernt und entzweit sie sich von jenen, die ihr in die scheinbar so glänzende Zukunft nicht folgen wollen.

Eher ist es eine Frage der Ausgewogenheit zu sagen, man dürfe in allen Dingen nicht nur das Trennende sehen, sondern auch das Gemeinsame. Die Getrenntheit nicht zu stark werden zu lassen, das wäre ein sinnvolles Ziel, das richtig und willkommen wäre. Maß halten.

Jedoch den Menschen einreden zu wollen, sie müssten eins mit allem sein, es gäbe nur noch die Liebe, das bedeutet zu verabsolutieren. Und das ist wiederum ist eine starke Polarisierung. Eine Polarisierung, die eine Gegenbewegung zur Folge haben muss. Eine Gegenbewegung, die umso stärker sein wird, je stärker die Polarisierung ist.

Das Einzelne gibt es nicht – als Denkübung

Man kann die Vorstellung, dass es das Einzelne nicht geben kann, an einem beliebigen Gegenstand erklären. Denken wir an einen Stuhl. Den Stuhl kann es nur geben, wenn wir uns einen Menschen denken, der sich setzen will. Daher auch denken wir, wenn wir an einen Stuhl denken, an eine spezifische Form. Eine Form, die geeignet sein muss, damit ein Mensch sich setzen kann.

Wenn wir an einen Stuhl denken, denken wir an ein Material, beispielsweise Holz oder Metall. Wenn wir an einen Stuhl denken, denken wir an einem Raum, in dem er stehen muss, denn ohne Raum kann er nicht sein. Wir denken an einen Zweck, den der Stuhl in diesem Raum erfüllen muss.

Ohne all diese Nebenbedingungen kann der Stuhl nicht sein.

Die semantische Natur der Welt

Dies bringt uns übrigens auf die „semantische Natur der Dinge“, von der der Spirealismus spricht.

Alles ist nur im Zusammenhang denkbar, und nur im Zusammenhang existent. Das Einzelne gibt es nicht – alles hängt zusammen.

Das Einzelne – es gibt nichts, das einzeln sein kann. Es gibt nichts, das allein existiert. was last modified: Dezember 14th, 2016 by Henrik Geyer

Was ist die Wahrheit in Wahrheit? Die Wahrheit ist kein Ding

Was ist die Wahrheit? Die Wahrheit als Ding. [SPID 4422]

„Die Wahrheit“ gibt es nicht – sie ist kein Ding. Das ist die spirealistische Sichtweise auf die Wahrheit, die vielleicht manchem paradox erscheint. Doch paradox im eigentlichen Sinn ist eher die Verwendung des Wortes „die Wahrheit“ im materialistischen Sinn.

Die „Wahrheit“ ist einer der zentralen Begriffe des menschlichen Denkens. An ihr können wir die Widersprüchlichkeit des Materialismus sehen – und, diese Widersprüchlichkeit sehend, können wir sie überwinden.

Die Wahrheit als Absolutheit

Gemeinhin wird die Wahrheit als eine Absolutheit gesehen. Dies sei die Wahrheit jenes nicht. Dies ist die Grundauffassung des materialistischen Weltbildes, das davon ausgeht, der Mensch beobachte eine äußerliche Welt, spiegele sie in seinem Hirn. Das, was er da spiegelt, sei eine festgelegte Realität, und die Wahrheit liege in der Information, die dieser Festgelegtheit am nächsten ist.

Der Spirealismus hat hierzu eine gänzlich andere Auffassung. Der Mensch beobachtet keine Welt, sondern ist ein Element der Schöpfung von Welten. Doch woran kann man feststellten, dass der Materialismus eine falsche Vorstellung ist? Der Spirealismus sagt: an den Widersprüchlichkeiten des Materialismus, seinen Paradoxien.

Beispielsweise dem Denken, es gäbe eine feste Wahrheit. Nicht nur, dass man diese Vorstellung in jedem einzelnen Begriff widerlegen kann, auch in einem umfassenden Sinn lässt sich, philosophisches Verständnis vorausgesetzt, sagen, dass die menschlichen Vorstellungen nur eine Möglichkeit sind, keineswegs eine Notwendigkeit.

Die Wahrheit ist im Materialismus an die Erscheinung äußerlicher Materieobjekte geknüpft

Für den Materialismus ist die Wahrheit an den Materieobjekten abzulesen. Diesem Weltbild entsprechend ruft der Mensch die Informationen von äußerlichen Dingen ab, und spiegelt sie in seinem Hirn. Die unabdingbar eindeutige Wahrheit über diese Objekte – das ist das menschliche Wissen. Insofern ist die Frage nach Wahrheit eng verbunden mit Betrachtung des Begriffes Wissen. Wissen ohne Wahrheit erscheint sinnlos. Doch: gibt es absolutes Wissen? Wenn nein: welche graduelle Wahrheit hat dann unser Wissen?

Es gab viele, die darauf hinwiesen, dass der Mensch nicht im eigentlichen Sinn etwas spiegeln kann. Allein schon aus der Überlegung heraus, dass der Mensch nur Dinge begreifen kann mit den Werkzeugen seiner Wahrnehmung – den Augen, den Ohren, dem Fühlen. Und diese Werkzeuge sind beim Menschen zweifellos spezifisch, keineswegs absolut.

Wer darüber hinaus das Denken selbst als das eigentliche Werkzeug der Wahrnehmung betrachtet (das tat beispielsweise C.G. Jung), der wird zu der Überlegung gelangen, dass der Mensch alles nur mit jenen Begriffen verstehen kann, die er bereits hat. Er ist also keineswegs frei, etwas in einem objektiven Sinn zu spiegeln. Bei Albert Einstein liest sich das so: „Erst die Theorie entscheidet darüber, was man beobachten kann.“

Zumal Untersuchungen der materialistischen Wissenschaft zeigen, dass hier nichts „gespiegelt“ wird. Denn, die Ergebnisse materialistisch-wissenschaftlicher Beobachtungen hängen, so zeigen Versuche in der Quantenphysik, ab, von der Art und Weise der Beobachtung. Das bedeutet: der Beobachter beeinflusst die Beobachtung, indem er beobachtet. Indem der Mensch da ist, beeinflusst er seine Umwelt. Das ist der materialistischen Wissenschaft natürlich paradox, denn sie glaubt ja, Beobachter und Beobachtungsgegenstand seien getrennt. 

Im Spirealismus übersetzt sich das in die Auffassung, dass der Mensch nichts beobachten kann, so, wie es materialistisch verstanden wird. Der Mensch ruft keine Informationen von äußerlichen Dingen ab, die von ihm selbst unabhängig sind. Sondern das Menschenbild des Spirealismus ist, dass der Mensch Element der Schöpfung ist – durch ihn hindurch fließt Schöpfung. Die Existenz des Menschen besteht darin, Relation zu sein, zu den Dingen der Schöpfung. Das, was er Beobachten nennt, ist ebenso ein Erschaffen. Und das, so der Spirealismus, lässt sich in den normalen Dingen des Alltags beobachten, eine wissenschaftliche Untersuchung von Materieteilchen, beispielsweise im Rahmen der Quantenphysik, ist hierzu nicht nötig. Zu beobachten, dass die menschlichen Wahrheiten, dass das menschliche Wissen, eine Relation des Augenblicks ist, dafür genügt eigentlich eine philosophische Betrachtung.

Fundamentale Paradoxien: Das Nichts und das Alles

Eine wichtige philosophische Frage in diesem Zusammenhang ist die Frage nach dem Nichts. Denn, wenn die Wahrheit an den „Dingen der Welt“ abgelesen werden könnte, im Sinne von: etwas würde gespiegelt, dann fragte man sich doch, wie viele Dinge der Welt es geben kann? Wie viele Formen also kann die Wahrheit annehmen? Umgekehrt gefragt: Welche Dinge gibt es denn nicht, in einem unbegrenzten Universum? Welche Wahrheiten kann es also niemals geben? Und hier gelangt man zu dem meiner Ansicht nach wichtigsten und fundamentalsten Paradox.

Für den Spirealisten steht das Nichts in engem Zusammenhang mit dem Denken. Das Nichts ist dem Spirealismus der Gedanke, der nicht gedacht wird. Für den Materialismus ist das Nichts ETWAS, das nicht da ist. Für den Materialismus ist das Nichts also eigentlich ETWAS und nicht Nichts. Auf dieses Paradox wies schon Plato hin.

Um den Unterschied zwischen spirealistischer und materialistischer Sichtweise zu veranschaulichen stelle man sich einmal folgende Frage:

Weiß die Menschheit viel oder wenig? Der Materialist wird sagen: Viel, aber natürlich nicht alles. Vieles ist noch zu erforschen. Das bedeutet, dem Materialisten erscheint das Nichtwissen als sehr begrenzt und die Möglichkeiten der Welt als eng umrissen – eng umrissen von dem Wissen, das er schon hat, wohlgemerkt.

Der Spirealist hingegen wird sagen: Wie soll der Mensch eine Aussage über eine Quantität eines Nichtwissens treffen, wenn er zwar das, was er weiß, kennt, aber doch nicht das, was er nicht weiß? Was er nicht weiß ist so unvorstellbar riesig, ist so unendlich, dass das, was er weiß, im Verhältnis zu Nichtwissen, in das infinitesimale Nichts übergeht. Der Spirealist sieht die Welt daher als eine Sichtweise an. Man könnte nun fragen: Wie viele Sichtweisen kann es geben? Die Antwort muss lauten: unendlich viele. Die menschliche Sichtweise ist nur eine Möglichkeit, und nicht etwa eine unabdingbare Notwendigkeit, wie der Mensch im Rahmen des Materialismus ja gewohnt ist zu glauben.

Dem Materialismus sieht das, was der Mensch nicht weiß, wie wenig aus, da er das, was er nicht weiß, im Grunde auch schon zu kennen glaubt. Was er nicht weiß, müsse, so nimmt der Mensch an, sich aus dem ableiten, was er weiß. In ewiger Redundanz, einem in sich geschlossenen logischen Kreis, beweist sich der Mensch nun, dass es nur das geben könne, was er sich denkt. Für diese Sichtweise braucht er die Vermutung, dass das menschliche Wissen, dass die menschliche Wahrheit, absolut sei. Denn, würde man das, was der Mensch weiß, nur als Sichtweise sehen, dann würde man sehr schnell sagen müssen, dass das, was der Mensch nicht weiß, nicht zu quantifizieren ist, weil es unendlich ist.

Man würde auch sagen müssen, dass eine Wahrheit, die auf der Basis einer Möglichkeit des Denkens gewonnen wird, nicht aber auf der Basis einer anderen absoluten Wahrheit, nichts anderes sein kann, als wieder eine Möglichkeit, und keine absolute Wahrheit. Wenn man so will eine sich stets „verdünnende“, weniger wahr werdende Wahrheit … wenn man das materialistische Weltbild der absoluten Wahrheiten zugrunde legt.

Die Wahrheit“, die eine und einzige Wahrheit – dieser Begriff enthält eben die Vermutung, dass das menschliche Wissen absolut sei. Für die Wahrheit gilt das Gleiche, was wir über die äußerlichen Materieobjekte sagten, über die Sichtweise auf menschliches Wissen als Absolutheit, über die Annahme, das Nichts müsse ganz wenig sein, bzw. über die Annahme, dass das, was der Mensch nicht weiß, wenig ist. Die materialistische Sichtweise benötigt die Vorstellung der Wahrheit als Absolutheit. Denn er fragt sich ja stets: Ist das auch wirklich die Wahrheit? Ist das, was ich mir denke, auch wirklich die wirkliche Wirklichkeit … und damit absolut wahr?

Würde man jedoch die Wahrheit als etwas sehen, dass nur in einem relativen Sinn existiert, so wie es der Spirealismus tut, kommt man zu einem völlig anderen Weltbild. Zum sprirealistischen Weltbild, dem zufolge die Welt die supersubjektive Sichtweise des Menschen ist. Eine Welt, die innerhalb unbegrenzter Möglichkeiten gewissermaßen „schwebt“ – ein Hologramm einer Möglichkeit. Eine Welt, eine Wahrheit, die eine Sichtweise innerhalb nicht begrenzbarer Unendlichkeiten ist. Eine Welt, die in ihrem Wesen semantisch ist, das bedeutet, die Welt entsteht wie in einem kreativen Text, beschreibend … aber sie ist nicht in einem absoluten Sinn (be-)greifbar, und in einem absoluten Sinn auch nicht existent.

Das Denken des Menschen ist Alles

Wir sahen, wie paradox das das Nichts in der materialistischen Sichtweise ist. Betrachten wir das Nichts nun umgekehrt, und fragen: Was ist das Alles? Wir können es auch objekthafter auffassen, und fragen: Was ist das (Welt-)All? Wir kommen zu einer ganz ähnlichen Paradoxie.

Dem Menschen ist das, was er denken kann, alles. Aber das, was er sich denkt, ist immer nur wenig, verglichen mit dem, was er denken könnte – als abstrakte Möglichkeit. Was er denkt kann daher nie „alles“ sein.

Das Denken ist dem Menschen alles, weil es nichts gibt, was der Mensch nicht denkt, und dennoch für existent halten könnte. Drehen wir das um: Alles, was der Mensch für möglich halten kann, muss der Mensch auch denken. Weil es für den Menschen nichts geben kann, was der Mensch nicht auch in einem Gedanken erfasst, ist das Sein an die Gedanken geknüpft. Was über die menschlichen Gedanken hinausgeht, muss man folgerichtig als unbegreiflich bezeichnen. Und zwar im direktesten Wortsinn. Unbegreiflich als: Niemals und unter keinen Umständen je fassbar. Ich hatte das in Alles ist Geist auch als Denkgrenze bezeichnet – dass das Denken Grenzen haben könnte ist dem Materialisten im Grunde schon unbegreiflich, da er den Geist als das freie Element sieht, und die Materie (die Materie ist dem Materialismus die „eigentliche“ Existenz) als das Begrenzte.

Der Spirealismus hat daher eine andere Vorstellung von Existenz. Existenz entsteht im Prozess der Beobachtung. Die eigentliche Existenz ist der Gedanke an eine Existenz, so, wie die Welt der Gedanke an eine Welt ist. Die Welt ist eine Vorstellung – und der Mensch ein Element der Schöpfung, durch den die Welt mit ihrer Wahrheit eine konkrete, menschliche Existenz erhält.

Was ist die Wahrheit in Wahrheit?

Dass es „die Wahrheit“ nicht gibt, ist für den Spirealismus übersetzbar mit: „Die Welt“ gibt es nicht, oder „das Leben“ gibt es nicht. All dies gibt es nur in einem relativen Sinn, als durch uns hindurch laufender Prozess. Aber nicht in der materialistisch verstandenen Weise, nicht als etwas, das wir von Außen beobachten, nicht als etwas, das von uns unabhängig zu sehen sein kann.

Ist diese Aussage nun wiederum die Wahrheit? Entwertet der Spirealismus die eigene Aussage, wenn er die Wahrheit als nicht existent bezeichnet? In welcher Weise ist dann der Spirealismus wahr?

Die Wahrheit ist dem Spirealismus ein logischer Operator, der etwas kennzeichnet, das in einer Relation mehr zutrifft als etwas anderes. Da auch „die Logik“ gemeinhin unter dem Gesichtspunkt der materialistischen Objekthaftigkeit gedacht wird, muss der Spirealist die Erweiterung hinzufügen, dass es auch in Bezug auf Logik keine wirkliche Endgültigkeit geben kann, denn es gibt nicht nur eine Logik, und nicht nur die menschliche Logik. Nur wenn man innerhalb eines Denksystems bleibt, dann gibt es (scheinbare) Endgültigkeit.

Ausgangspunkt für die Wahrheit und davon untrennbar sind die Objekte des Denkens. Die Wahrheit ist kein Ding, ist kein Objekt. Daher ist der Begriff „die Wahrheit“, verstanden als ein Objekt, innerhalb des materialistischen Denkens paradox. Denn, einerseits befindet sich die Wahrheit als Objekt im Denken, als „die Wahrheit“, und ist als Gedanke somit existent. Andererseits ist wahrnehmbar, dass sie nicht allein existieren kann; nicht als einzelnes Objekt gedacht werden kann. Man kann sie nicht vor sich hin halten und sagen: Hier ist sie, das ist die Wahrheit. Die Wahrheit ist immer geknüpft an eine Behauptung, dies oder jenes sei wahr. Das kann man sich selbst verdeutlichen, wenn man die Wahrheit wiederum, sie objekthaft denkend, als wahr bezeichnet, und sich so in das Reich des Widersprüchlichen begibt. Unter materialistischen Vorzeichen ist die Wahrheit paradox.

„Wer die Wahrheit beschreiben will, überlasse die Eleganz dem Schneider.“

Albert Einstein

 

Die Aussage des Spirealismus über Wahrheit entwertet den Spirealismus nicht. Denn dessen Vorstellung von Wahrheit ist, dass sie nur in einem relativen Sinn überprüfbar ist. Und das trifft zu – die spirealistische Sichtweise ist wahrer als die materialistische, weil sie die Beobachtungen, die auch unter materialistischen Bedingungen gemacht werden, besser beschreibt: Die Welt als in jeder Hinsicht relativ – an nichts Festes gebunden.

Zugleich sagt der Spirealismus eben nicht, man müsse zu seinen Aussagen mit einer absoluten Notwendigkeit kommen. Er kann also auch nicht sagen, der Spirealismus sei in einem absoluten Sinn wahr. Wenn es keine absolute Wahrheit gibt, dann gilt das eben auch für den Spirealismus. Mit dem Spirealismus verbunden ist ja wie gesagt die Überzeugung, das nur das existent sein kann, was auch gedacht wird. Eine Wahrheit, die nicht gedacht wird, ist als solche auch nicht vorhanden.

Und, wenn es keine absolute Wahrheit gibt, dann gibt es dem Spirealismus zufolge auch keine Entwicklung hin zu einer absoluten Wahrheit. Das bedeutet, es gibt keine Erkenntnis, die „irgendwann“ mit Bestimmtheit erlangt werden müsste.

Der Spirealismus bestreitet nicht, dass sich die Welt nicht auch unter der Prämisse der Absolutheit denken ließe, denn der Materialismus beweist das ja. Den Anhängern des Materialismus wird ihre eigene Überzeugung wie unabdingbar erscheinen. Der Materialismus beweist sich selbst, immer wieder von seinen Grundannahmen ausgehend. Das gilt für die materialistische Weltanschauung ebenso wie für die materialistische Wissenschaft. Alles sei aus Festem aufgebaut, aus Teilchen schließlich, die sich objektiv beobachten ließen.

Dem Spirealismus ist die Welt eine Sichtweise – das bedeutet eben, dass im Prinzip auch wirklich jede Sichtweise möglich ist. Aus der Innensicht jedes Ich-Universums ist das eigene Universum aber stets geschlossen – wie nicht anders denkbar. Absolute Dinghaftigkeiten voraussetzend, erscheint auch jedes Universum wie ein begrenztes Ding, das aber, und das ist für den Materialisten unbegreiflich, keine Grenzen zu haben scheint.

Dieses Paradox, eine Welt also, die ihm begrenzt und verstanden erscheint, und dennoch auf rätselhafte Weise grenzenlos, ist dem Materialisten die Wahrheit.

 

 

Was ist die Wahrheit in Wahrheit? Die Wahrheit ist kein Ding was last modified: Dezember 12th, 2016 by Henrik Geyer

Goethe: Dichterfürst und Mindscrewer, Meister des Spirituellen

Johann Wolfgang von Goethe, Dichterfürst und Mindscrewer, Meister des Spirituellen [SPID 4406]

Zunächst wird man Goethe nicht als „Mindscrewer“ sehen, denn seine ausgefeilte und harmonische Lyrik ist weltbekannt. Goethe ist vielleicht das beste Beispiel für einen Menschen, der bewusst versuchte, den Sinn für die Rätselhaftigkeit mit der Notwendigkeit zu vereinen, auf Erden Harmonie zu erreichen. Harmonie und Luxus waren Goethe wichtig; Luxus waren für ihn nicht nur die materiellen Dinge, sondern auch die Segnungen des Geistes – er empfand es als Luxus, sich ganz den schönen Künsten hingeben zu können.

Er wusste, dass die irdische Harmonie darin besteht, das Paradoxe des Höheren zu akzeptieren und nicht daran zu rühren. Die irrationale Seite der Welt war ihm gleichwohl bekannt. (Zitat Franz Kafka: Im Kampf zwischen dir und der Welt, stelle dich immer auf die Seite der Welt.)

Von Goethe stammt zum Beispiel der Satz:

Man kann nicht sagen, daß das Unendliche Teile habe. Alle beschränkte Existenzen sind im Unendlichen, sind aber keine Teile des Unendlichen, sie nehmen vielmehr teil an der Unendlichkeit.

Das Unendliche (Universum) ist nicht die Summe seiner Teile und darum auch kein Ganzes. Sondern es ist ein Prozess, der aus und durch den Menschen entsteht – ich hatte diesen Gedanken einmal in diesem Beitrag formuliert:
Der Mensch kann niemals über die Grenzen des Universums hinaus

Goethe und das Übersinnliche – das Spirituelle

Die Faszination seiner Lyrik und seiner Prosatexte stammt natürlich auch aus der Kenntnis des Übersinnlichen, und der vollkommenen Fähigkeit, sie mit den Worten der deutschen Sprache zu verbinden.

Denken wir beispielsweise an den Text des „Zauberlehrlings“. Der Zauberlehrling ist ein junger Mann, der die wirkungsvollen Formeln seines Zauberbuches anwendend, Verhängnis erschafft … lediglich durch die Übertreibung des Zaubers … der Lehrling hat den Zauber eben nicht richtig unter „Kontrolle“. Es wäre ihm nichts weiter anzuraten, als nur Vorsicht und Zurückhaltung bei Kräften, die er zwar anweisen kann, deren Wirkprinzip er im Eigentlichen aber nicht versteht, und niemals verstehen kann. Denn es handelt sich ja um Zaubersprüche!

Goethe meinte, dass der Mensch durch sein Wirken den Eindruck erhält, er verstehe und durchdringe das Universum. Doch das ist nicht so, und die Mittel, die der Mensch in die Hände bekommt, sind, so unverstanden sie bleiben müssen, ebenso ein Mittel seiner Vernichtung wie seines Fortkommens. Der Mensch versteht nicht, dass bereits sein Wille das göttliche Werkzeug ist, das sowohl das Gute wie das Böse in die Welt bringt, ebenso Krieg wie Frieden, ebenso Freude wie Schmerz. Die größte Liebe bringt den größten Hass hervor – die Extreme sind es, die der Mensch sucht, und, notwendigerweise zu beiden Seiten seines Weges, auch findet. Indem er die Liebe sucht, bringt er den Hass hervor.

Dem Menschen wäre anzuraten, äußerste Zurückhaltung zu üben, solange er das kosmische Prinzip nicht versteht. Und, würde er es verstehen, wäre Zurückhaltung ohnehin seine Natur. Denn Gleichgewicht, nicht Übertreibung, ist der Weg der Existenz.

Man kann Goethes Mahnung sehr direkt in unsere heutige Zeit übersetzen. Des Menschen Gier, seine Sucht, immer mehr haben zu wollen, ist das, was er als gut und selbstverständlich erachtet. Es ist seine selbstverständliche „Suche nach Glück“ – sie kulminiert in unserer Zeit in einer grenzenlosen Naturzerstörung. Das Keine-Grenze-kennen-und-akzeptieren-Wollen, das unendliche Mehr! in der Zahl der Menschen (Überbevölkerung), aber auch der für selbstverständlich gehaltene Wunsch jedes Einzelnen, sich ein möglichst großes „Stück vom Kuchen“ abzuschneiden – das ist die Übertreibung nach der Art des Zauberlehrlings. Der Mensch zerstört die Quelle, aus der er schöpft. Solches tuend, plappert er vor sich hin, was für ein großes Genie er doch sei. Und, natürlich, dass er alles im Griff habe!

Um die Existenz des Göttlichen zu wissen bedeutet nicht, das Göttliche zu verstehen.

Goethe hat immer wieder zum Ausdruck gebracht, dass er das Göttliche für gegeben hält, und dass er unter dem Göttlichen eine Macht versteht, die rational unbegreiflich ist. Auch hier wieder ist des Menschen Pflicht die Zurückhaltung – das Göttliche verstehen zu wollen und für sich zu vereinnahmen, ist das Wesen desjenigen, der am allerwenigsten göttlich ist. Es ist das Wesen des Pharisäers, das Wesen auch jener Heilsbringer, die Wasser predigen um selbst umso ungestörter Wein trinken zu können. Und gleichzeitig, das wusste auch Goethe, ist eben dieses Vereinnahmen eine sehr selbstverständliche und alltägliche Erscheinung.

Aus: Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens von Johann Peter Eckerman

Dennoch halte ich die Evangelien alle vier für durchaus echt, denn es ist in ihnen der Abglanz einer Hoheit wirksam, die von der Person Christi ausging und die so göttlicher Art, wie nur je auf Erden das Göttliche erschienen ist. Fragt man mich, ob es in meiner Natur sei, ihm anbetende Ehrfurcht zu erweisen, so sage ich: durchaus! – Ich beuge mich vor ihm, als der göttlichen Offenbarung des höchsten Prinzips der Sittlichkeit. – Fragt man mich, ob es in meiner Natur sei, die Sonne zu verehren, so sage ich abermals: durchaus! Denn sie ist gleichfalls eine Offenbarung des Höchsten, und zwar die mächtigste, die uns Erdenkindern wahrzunehmen vergönnt ist. Ich anbete in ihr das Licht und die zeugende Kraft Gottes, wodurch allein wir leben, weben und sind und alle Pflanzen und Tiere mit uns. Fragt man mich aber, ob ich geneigt sei, mich vor einem Daumenknochen des Apostels Petri oder Pauli zu bücken, so sage ich: verschont mich und bleibt mir mit euren Absurditäten vom Leibe! Den Geist dämpfet nicht! sagt der Apostel. Es ist gar viel Dummes in den Satzungen der Kirche. Aber sie will herrschen, und da muß sie eine bornierte Masse haben, die sich duckt und die geneigt ist, sich beherrschen zu lassen. Die hohe reichdotierte Geistlichkeit fürchtet nichts mehr als die Aufklärung der untern Massen. Sie hat ihnen auch die Bibel lange genug vorenthalten, so lange als irgend möglich. Was sollte auch ein armes christliches Gemeindeglied von der fürstlichen Pracht eines reichdotierten Bischofes denken, wenn es dagegen in den Evangelien die Armut und Dürftigkeit Christi sieht, der mit seinen Jüngern in Demut zu Fuße ging, während der fürstliche Bischof in einer von sechs Pferden gezogenen Karosse einherbrauset!

 

Goethe: Dichterfürst und Mindscrewer, Meister des Spirituellen was last modified: Dezember 6th, 2016 by Henrik Geyer

Philip K. Dick – die rote und die blaue Pille, Tore zu verschiedenen Universen

Philip K. Dick - die rote und die blaue Pille, Tore zu verschiedenen Universen [SPID 4408]

Wenn es um den Sinn für das Paradoxe geht (auch manchmal provokativ-drastisch Mindfuck genannt), dann ist Philip K. Dick unbedingt zu nennen. Er ist einer der Menschen, die geradezu ihr ganzes Leben dem Ergrübeln des Wesens der Realität widmeten.

Die rote und die blaue Pille – Tore zu verschiedenen Universen

In dem Film „Matrix“ wird der Held Neo mit der Tatsache konfrontiert, dass, welche Art von Welt er bewohnt, eine Frage der Medikation ist. Je nach Art der Pille, die er schluckt (ihm wird eine rote und eine blaue Pille zur Auswahl gestellt), wird sich seine Realität formen. Und: es wird eine jeweils ununterscheidbare Realität sein …. ununterscheidbar von einer anderen, richtigen, wirklichen Realität.

Anders gesagt: Realität ist Realität, es gibt nur eben verschiedene Realitäten. Nicht die Realität ist Eins – wir Menschen sind eins, und die Realitäten in uns sind Viele …

Die blaue Pille wird ihn in eine Welt des Komforts gleiten lassen, die rote Pille hingenen wird ihm die ganzen Möglichkeiten offenbaren, die die Realität anzunehmen in der Lage ist. Das wird ungemütlich, aber auch interessant! Mit Hilfe der roten Pille wird er sehen, wie tief „das Kaninchenloch“ ist, das von der oberflächlichen Welt in die dahinterliegenden Universen führt. Das „Kaninchenloch“ (rabbit hole) ist übrigens wiederum ein Zitat aus „Alice in Wonderland“, der Geschichte eines Mädchens, das, einem Kaninchen in dessen Bau folgend, in eine unterirdische, abenteuerlich-märchenhafte Traumwelt gerät.

Philip K. Dick hat nicht das Script zum Film Matrix geschrieben, aber der Film ist wie eine Aneinanderreihung von Sujets des berühmten Autors.

Philip K. Dick

Philip K. Dick war ein amerikanischer Autor, der sich um die Science Fiction Literatur sehr verdient gemacht hat. Seine Bücher führten mehrfach zu großartigen Filmen, beispielsweise dem Film Blade Runner, oder dem Film Minority Report.

Philip K. Dick war drogenabhängig, was manchen seiner Kritiker dazu verführt, den Wert des Schaffens Dicks gering zu nennen. Doch Dick war ein Visionär; die Frage „Was ist die Realität?“ war sozusagen das Thema seines Lebens. Und, wie sehr viele große Schriftsteller, die letztlich abhängig von Drogen waren, meist Alkohol, war auch er ein Manipulator des Geistes – und konnte daher aus erster Hand davon berichten, dass das, was gemeinhin „die Realität“ genannt wird, gar nicht Eins ist, sondern Vieles.

Man könnte auch sagen, dass er seine Drogensucht in einer konstruktiven und produktiven Weise verarbeitete. Ich glaube, dass die Visionen Dicks in mancher Hinsicht unverstanden und unterbewertet sind – wer diesen Blog kennt, wird das sicher verstehen. Denn hier geht es ja häufig, im Rahmen des Spirealismus, um die Realität. Was Dick oft als Frage formuliert, ist mir Grundüberzeugung, und ich glaube, dass, wenn die Menschen erst wirklich begreifen, dass „die Realität“ nicht Eins ist, sich wichtige und revolutionäre Ableitungen daraus ergeben werden, und zwar auch ganz wissenschaftlicher Art. Dick hat einige davon visionär in seinen Büchern vorweggenommen.

Philip K. Dick war schwer tablettenabhängig, er benutzte Drogen jeweils, um arbeiten zu können, um schlafen zu können, um wach zu werden, etc.. Folgerichtig tauchte in seinen Büchern häufiger das Motiv auf, dass jemand eine Tablette schluckt, und daraufhin in einer andere Realität gerät, die ihr Real-Sein dadurch kenntlich macht, dass sie bis ins letzte Detail und in die letzte Konsequenz folgerichtig ist, nur eben auf eine fremd erscheinende Art.

Ubik

Ein für Dick typisches und sehr gut lesbares Buch ist Ubik.

Achtung Spoiler Ubik ist ein Mittel (Droge), das man einnimmt, um ganz bestimmte Realitäten zu erzeugen, andere zu verdrängen. Als hintersinniger Effekt des Buches wird dem Leser erst am Ende klar, dass das Mittel Ubik nicht in der wirklichen Welt eingenommen wird, sondern in der Welt, bzw. der Realität, von der der Leser bis dahin annahm, es sei die nicht-wirkliche. Und es fragt sich natürlich .. in welche Realität führt Ubik eigentlich? Die erste oder die zweite? Oder eine Welt der unendlichen Variabilität?

Blade Runner

Der Text, der dem Film Blade Runner zu Grunde liegt, trägt eigentlich nicht den Titel Blade Runner, sondern: Träumen Androiden von elektrischen Schafen?

Wie der Titel im Grunde schon verrät, geht es wieder um die Frage des Bewusstseins. Philip K. Dick setzt voraus, dass eine künstliche Intelligenz auch Willen und Wünsche haben muss; wovon träumt sie wohl? Was ist ihr eine notwendige Anschaffung (vielleicht ein künstliches/elektrisches Schaf?), was ist ihr ein Must-See, u.s.w.?

Interessant wird es in Blade Runner, wenn es um die tiefsinnige Frage geht, woran genau man künstliche Intelligenz erkennt, wenn man sie vor sich hat? Die Fabel, künstliche Intelligenz müsse weniger intelligent sein als der Mensch, entpuppt sich in diesen Tagen als falsch. (Man denke an Google, dem geradezu jede Frage gestellt werden kann, und diese Frage wird von Google in einer Weise beantwortet, wie das kein einzelner Mensch je könnte. Was Google fehlt, um als Mensch wahrgenommen zu werden, ist eine Art menschliche Stimme, doch, hat Google diese, wird Google zunehmend ununterscheidbar von einer „richtigen“ Intelligenz. Kommt jetzt noch ein Element hinzu, das man von jedem Menschen kennt: das Nicht-Vorhersagbare, man könnte auch sagen: der Zufall, dann wird eine solche vernetzte Maschinenintelligenz zu einem erfindungsreichen Partner, ununterscheidbar von einem „sehr klugen Typen“.)

Interessant ist in Blade Runner natürlich auch die Frage (die Philip K. Dick vielleicht als einer der ersten formulierte), welche moralische Einstellung der Mensch gegenüber künstlicher Intelligenz eigentlich einnehmen wird. Darf man sie einfach vernichten, in der Art eines Blade Runners, d.h., eines auf das Stilllegen von Maschinenmenschen spezialisierten Detectives .. eigentlich müsste man sagen: Killers?

Thema Blade Runner: Verloren wie Tränen im Regen

Eye in the sky – das Auge des Schöpfers

Eye in the Sky ist ebenfalls ein interessantes Buch von Philip K. Dick. Eine Gruppe von Personen wird durch einen Unfall in einer technischen Anlage in eine geistige Welt einer anderen Person hineinkatapultiert, eine Welt, in der religiöse Werte eine sehr direkte Macht bekommen. Gott existiert, und zuweilen erscheint sein Auge tatsächlich am Himmel. Gehaltsabrechnungen gibt es nicht, man muss um Geld beten, das dann wie Manna vom Himmel fällt. Autos fahren durch Gottes Kraft, man steuert sie durch Gebete.

Dieser Text erinnerte mich an die spirealistische Aussage, dass Wissenschaft und Religion im Grunde nicht verschieden sind. Beide begründen sich aus einem Funktionieren in der „wirklichen“ Welt – man kann nicht sagen, dass Religion nur Aberglaube sei, im Gegensatz zur objektiven Wahrheit der Wissenschaft, und zwar wenn man zweierlei (oder auch nur eins davon) irgendwann verstanden hat, bzw. am eigenen Leib erlebte:

Erstens gibt es keine objektive Wahrheit, es gibt nichts Objektives

Zweitens ist Religion wirksam, und zwar in dem Sinne, dass das, was man glaubt, auch die subjektive Realität ist. Umgekehrt kann man nichts anderes von der Wissenschaft sagen – auch der Glaube vieler Menschen (=Wissen) ist subjektiv, oder besser gesagt supersubjektiv; entscheidendes Kriterium der Wissenschaft ist, dass sie funktioniert.

 

Das Motiv in Eye in the Sky, dass die Menschen in der Vorstellung eines Dritten dessen subjektive Welt bewohnen, ist letztlich das spirealistische Konzept der Ich-Universen. Das Andere, z.B. andere Personen, Dinge etc., sind nie etwas anderes, als das, was der Einzelne subjektiv darüber denkt. So gibt es keine zwei völlig gleichen Ich-Universen, und die einzelne Sichtweise auf die Dinge und die Kausalität der Welt, unterscheidet sich stets.

Philip K. Dick formulierte das einmal so:

Zitat Dick: Die Science Fiction ermöglicht es dem Schreibenden, etwas, das eigentlich ein innerliches Problem ist, in eine äußere Umwelt zu projizieren; er tut das in Form einer Gesellschaft oder eines Planeten, und hier hausen jetzt praktisch alle, die vorher in dem einen Kopf gesteckt haben. Ich mache niemandem einen Vorwurf, wenn ihm dies nicht zusagt, denn der Kopf von so manch einem von uns ist nicht unbedingt der Ort, wo man sich gerne aufhält. Aber andererseits: Was für ein nützliches Werkzeug ist das doch für uns – um zu begreifen, dass wir nicht alle in derselben Weise das Universum sehen, ja gewissermaßen nicht einmal dasselbe Universum.

 

 

 

 

 

 

 

 

Philip K. Dick – die rote und die blaue Pille, Tore zu verschiedenen Universen was last modified: Dezember 6th, 2016 by Henrik Geyer