Rübezahl. Die GANZE Wahrheit.

Ich und meine Männer bei Rübezahl

Nachdem es dem Gebirgsgeist Rübezahl in den vergangenen Jahrhunderten gelang, sich mit Frechheiten, Drohungen und Einschüchterungen einerseits, aber auch mit einigen wenigen Liebenswürdigkeiten und reichen Geschenken an den unbedarften Gebirgsbewohner andererseits, einen unvergleichlichen Ruf aufzubauen, einen Ruf wie Donnerhall, wurde es, wie ich glaube, Zeit, dass einmal ein wenig Realismus in diese Angelegenheit gebracht wird.

Aus journalistischer Neugier und dem Willen, die ganze Wahrheit über das Phänomen Rübezahl in Erfahrung zu bringen, und diese dann der überraschten Leserschaft zu präsentieren, fuhr ich jüngst in das Riesengebirgs-Territorium, um mir vor Ort, und unter Einsatz meines eigenen Lebens und Wohlergehens, die nötigen Fakten und Tatsachen zugänglich zu machen, die dort verfügbar sind. Andere, befreundete oder bezahlte Kollegen, mochte ich nicht schicken, denn für mich gilt nach wie vor der Grundsatz, dass das, was ich mir nicht selbst zumuten möchte, ich auch nicht anderen aufbürde.

So fuhr ich denn höchstselbst dorthin und kam im Oktober des Jahres 2016 in Spindlermühle, in Tschechien, an. Man könnte auch sagen vor ein paar Tagen. Auf meine Reise begleitete mich eine kleine Crew kurzgewachsener, aber ebenso ausdauernder wie verlässlicher, ebenso erfahrener wie verwegener, Männer.

Spindlermühle liegt an den Hängen des Riesengebirges, eines eindrucksvollen Kettengebirges, das sich entlang der polnisch-tschechischen Grenze zieht. Es ist Teil des Sudetengebirges, welches das Erzgebirge mit dem Gebirge der Karpaten verbindet. Die höchste Erhebung des Riesengebirges ist die Schneekoppe, mit etwas mehr als 1600 m. Der Ort Spindlermühle (der tschechische Name ist Spindleruv Myln) liegt in einer Höhe von etwa 715 m und ist nicht nur für unheimliche Rübezahlerscheinungen bekannt, sondern es gibt auch Menschen, die trotz der das Blut gefrieren lassenden Gefahren, dort Urlaub machen.

Schon bald nach unserer Ankunft ging ich mit meiner Crew die Ersteigung der nahegelegenen Schneekoppe an. Der Aufstieg gestaltete sich naturgemäß schwierig, denn aus irgendeinem Grund (der vermutliche Grund ist wohl das gehässige Gemüt des schon erwähnten Berggeistes) sind die Wege zum Gipfel teils recht steil und steinig, so dass man ziemlich ins Schwitzen gerät – und es gab mehr als ein gefährliches Vorkommnis. Es gab auch Situationen, in denen die Männer, teils aus offensichtlicher Erschöpfung, teils unter Vorbringen rational klingender Überlegungen, mir die Rückkehr ins Tal und das Aufsuchen einer sicheren Gastwirtschaft nahelegten. Hier konnte nur ein eiserner Wille die Gesellschaft zwingen, das einmal gewählte Ziel mit Nachhaltigkeit zu verfolgen. Indem ich mich selbst in die Bresche warf, hier stütze, dort zog, und wohl auch das eine oder andere Mal deutlichere Worte gebrauchte, gelang es mir, unsere kleine Schaar bis in die Höhe der Schneegrenze, und darüber hinaus, zu führen.

Während unten im Tal Temperaturen von angenehmen 10 Grad herrschten, wurde es, je mehr man sich dem Gipfel näherte, kälter und auch nebliger. Schnell wurde mir bewusst, dass hier keine „normalen Wetterphänomene“ im Spiel sein konnten, sondern es musste sich, zumindest auch, um das Wirken des omnipräsenten Bergfürsten handeln. Dennoch, allen Widrigkeiten zum Trotz, erreichten wir den Gipfel. Dort jedoch gelang mir auf Grund des starken Nebels nichts anderes, als ein recht dürftiges fotografisches Bild der herrschenden Gipfel-Verhältnisse anzufertigen, das mir außerdem auch noch bei der Entwicklung aus den Händen glitt und im Säurebad eine hässliche Verfärbung annahm. Dennoch lege ich dieses authentische Dokument unserer Mühen diesem Bericht bei.

Die Temperatur lag nun deutlich unter Null, und ein eisiger Wind schnitt in die Gesichter der Männer, fuhr unter die dürftige Bekleidung und kühlte die durch den Aufstieg geschwächten Körper mehr und mehr aus. Ich sah, wie sich meine Leute zunehmend langsamer bewegten, mit den erfrorenen Unterkiefern kaum noch ihre widerständlichen Meinungen äußern konnten, und sich mehr und mehr holzpuppenartig bewegten. Ich glaube, jedes vernünftige Verantwortungsbewusstsein konnte hier nichts anders tun, als den unverzüglichen Rückzug anzuordnen. Das war es denn wohl auch, was uns rettete, und uns nach unendlichen Mühen des Abstiegs, dann letztendlich sicher ins Tal brachte.

Rübezahl hatte ich bis dahin noch nicht getroffen. Doch etwas Anderes sollte eintreten, etwas völlig Unerwartetes, das mich dann doch auf seine Spur führte.

An einem der Tage meines Rechercheaufenthaltes hatte ich Geschäfte in der Stadt Spindlermühle, namentlich beabsichtigte ich den Wirt eines dort gelegenen Gasthauses zu seinen Erfahrungen mit dem Berggeiste zu befragen. Dies erfolgt übrigens meist, auch dies ein wichtiger journalistischer Trick, unter Zuhilfenahme von geistigen Getränken, in Tschechien bietet sich das dort überaus kühl und bekömmlich ausgeschenkte Bier an. Das löst die Zunge, so dass es sich ein wenig leichter über Geister und andere Unheimlichkeiten sprechen lässt.  Das Besondere dieser in der seriösen Berichterstattung verbreiteten Technik ist, dass nicht der Befragte, sondern der Frager das die Arbeit ermöglichende Mittel zu sich nimmt.

Meiner journalistischen Erfahrung und den angewandten Kniffen zum Trotz, waren diese Interrogationen übrigens schwierig. Oft genug, gerade wenn es um den Dämon des Riesengebirges gehen sollte, stellte sich der Gastwirt den offenbar unangenehmen Fragen nur für Sekundenbruchteile, und redete sich ansonsten schnell damit heraus noch dies oder jenes in der Bedienung zu tun zu haben. Oder er flüchtete sich in seine tschechische Muttersprache, gab vor, nicht zu verstehen, gebrauchte mir gegenüber irgendwelche kräftigen Worte die ich nicht verstand, man kennt das. Einmal sogar sah ich ihn aus den Augenwinkeln, wie er im Dunkel des Tresens stehend, nahe dem Eingang zum Küchentrakt und offenbar im Gespräch mit dem Koch, mit dem Zeigefinger an die Stirn tippte und dann lachend auf mich deutete. Als seriöser Berichterstatter ist man niemals vor Verleumdungen gefeit, da wird mir mancher Kollege beipflichten. Dennoch dachte ich nicht daran in meinen Bemühungen, auch und gerade mit diesem Schankwirte, nachzulassen.

Auf dem Weg zu eben diesem Gastwirte jedoch erschien mir der Unheimliche höchstselbst. Ich traf ihn, an einer Brücke über den Fluss Elbe stehend, die dort übrigens ganz in der Nähe entspringt und in Spindlermühle ein noch überschaubares Gebirgsflüsschen ist. Er war erkennbar an seiner unvergleichlichen Körperhöhe, seinem magischen Wanderstab mit dem Antlitz eines Fuchses am Knauf, seinem aus uralter Zeit überlieferten wallenden Bart, seinem einem anderen Zeitalter entstammen zu scheinenden Aufzug, und anderen Insignien des Geisthaften. Dies war Rübezahl, keine Frage!

Um der journalistischen Pflicht der Dokumentation nachzukommen kam es mir sofort in den Sinn, mich mit ihm fotografieren zu lassen. Aus diesem Grund bot ich dem überraschten Geist einen Barbetrag, der ihn davon überzeugen sollte, ein solches Foto mit mir aufnehmen zu lassen. Ich hatte gehört, der Berggeist horte tief im Inneren des Gebirges Schätze aus Gold und anderen wertvollen Erzen – demnach konnte er monetären Überlegungen nicht ganz abhold sein.

Meine Bitte jedoch wurde mir, zu meiner tiefen Erschütterung, ohne weiteres abgeschlagen, offensichtlich war der gewählte Betrag i.H.v. 50 Euro-Cent dem ohnehin reichen Berggeist nicht hoch genug. So schlich ich denn von hinnen, und sah mich von weiten nach ihm um, wie er mit durchdringenden Blicken meinen Weg verfolgte, wie ich fürchtete, mit mir nicht eben wohlgesonnenem Gemüt. In den folgenden Tagen näherte ich mich ihm immer wieder, da die Gespräche mit dem schon erwähnten Gastwirt langwieriger waren, als zuerst gedacht, und ich mit meinen Männern immer wieder die Elbbrücke zu passieren hatte. Es war uns – mir und auch meinen Männern, die sonst wagemutig und geradezu draufgängerisch veranlagt sind – unangenehm, in die Nähe des mächtigen Berggeistes zu kommen, nachdem diese erste, eher unerfreuliche Begegnung, stattgefunden hatte. Schließlich vermieden wir es sogar ganz, die genannte Elbbrücke zu nutzen, sondern machten lieber einen langen, beschwerlichen Umweg.

Doch wollte mir der Gedanke nicht aus dem Kopf, dass es doch, statt mit Einheimischen nur über den Berggeist zu sprechen, für den Leser nützlicher wäre, seine wahre Existenz direkt dokumentiert und bewiesen zu erhalten! Und so machte ich denn einen zweiten, nicht minder tollkühnen Vorstoß. Diesmal wappnete ich mich mit einem höheren, wie ich hoffte angemessener erscheinendem, Geldbetrag.

Kritiker werden bemerken, und es gab solche Stimmen bereits, dass der vorgesehene Betrag i.H.v. 2 Euro verschwenderisch hoch war, dass solche Summen das Schlechte in den Menschen zum Vorschein bringen, dass solche Bestechungen das Handwerk des Journalisten diskreditieren, etc.. Doch man möge bitte bedenken: Rübezahl ist kein Mensch, sondern Geist. Und außerdem: Er ist bereits reich! Welche Wirkung ein zu geringes Geldangebot hat, davon hatte ich mich ja schon überzeugen können. Die Wirkung ist alles andere als produktiv, kann ich nur sagen. Und ich mag auch nicht das Wort Bestechung in diesem Zusammenhang, die Geldgabe sehe ich eher als eine Unterstützung und Spende an eine insgesamt sozial und ökologisch wirkende, positive Kraft. Schließlich noch mag man bedenken, dass auch im Journalistengewerbe letztendlich der Erfolg zählt – wäre es der trauten Leserschaft vielleicht lieber, ohne das zeitlose Dokument eines endlich einmal vor das Kameraobjektiv gebrachten Berggeistes aus diesem sachlichen Bericht zu scheiden?

Ich näherte mich jedenfalls dem Rübezahl, wieder sah er mich mit schneidendem Blick an. Mit unsicherer Stimme trug ich mein Anliegen vor. Wie überglücklich war ich, als ich bemerkte, dass der wankelmütige Bergfürst mir diesmal wohlgesonnener war! Ich und meine kleine Schaar wagemutiger Männer bekamen das lang ersehnte Dokument – ich stelle es an den Anfang dieses Berichtes. Das Maß meines Glückes quoll geradezu über, als der Unheimliche schließlich sogar seinen Zaubermantel über unsere kleine Schaar ausbreitete, wohl um damit anzudeuten, dass wir nunmehr unter seinem Schutz stünden. Leider existiert davon kein Bild, doch dies Symbol der mächtigen Zuneigung des „Herrn Johannes“ ist meiner Erinnerung so wertvoll, als hätte ich tausend Urkunden.

Rübezahl - die ganze Wahrheit - ein magischer Schein des Bergfürsten [SPID 4261]
Rübezahl – die ganze Wahrheit – ein magischer Schein des Bergfürsten
Schließlich vertraute mir der Herr der Berge, wie er sich gern anreden lässt, sogar noch einen kleinen magischen Schein an, unter dessen Zuhilfenahme ich Vergünstigungen verschiedenster Art erhalten würde. Je nach Art der Bestellung in einer bestimmten Schänke im Orte Spindlermühle, würde ich einen Geldbetrag erhalten, oder besser gesagt, einen gewissen Betrag noch nicht einmal ausgeben müssen! Sozusagen sparen. Ich verwahrte den mir anvertrauten kleinen Schatz in meiner Geldbörse, mit der festen Absicht, ihn nicht anzurühren, wenn nicht schiere Not entweder meiner selbst, oder meiner Männer, dies unumgänglich machte.

Doch der Tag sollte kommen, wie sich schon allzu bald erweisen würde. An jenem Tag, von dem ich zu berichten habe, waren meine Leute und ich lange in dem sogenannten Wellness-Bereich der Lokalität verblieben, in der wir Unterkunft und Verpflegung gefunden hatten. „Wellness“, das bedeutet übersetzt aus dem Tschechischen, die Hingabe an eine körperliche Ertüchtigung, die teils in atemberaubenden Hitzeräumen, teils in Kältebädern erfolgt. Letztere sind oft so eisig, dass ganze Körperteile binnen kurzem auf ein kaum mehr erkennbares Maß zusammenschnurren. Meine Leute und ich hatten uns für diesen Tag nichts weiter vorgenommen, als jene Kasteiung des Körperlichen – gedacht ebenso als Buße wie als geistige Reinigung, ein zweifellos hohes Gut. Die ständig wiederholten Strapazen forderten ihren Tribut, und nagender Hunger und Durst bei meinen Leuten ließ mich überlegen, wo ich deren Kräfte restaurieren konnte. Natürlich wäre die Küche der Lokalität, in der wir nächtigten, in Frage gekommen, doch die Erfahrung lehrte mich, meinen Männern verschiedenste Reize angedeihen zu lassen, um deren Wachheit und geistige Klarheit, derer ich auf meinen Expeditionen so dringend bedurfte, zu erhalten, oder nach Möglichkeit noch zu steigern. Und die einzige in Frage kommende Restauration, die in Reichweite war (andere wären vielleicht bis zu 20 m weiter entfernt gewesen – in unserem damaligen Hungerzustand also unerreichbar), schien mir das Lokal des Rübezahl zu sein.

Rübezahl - die ganze Wahrheit - Rübezahls Zauberschänke [SPID 4266]
Rübezahl – die ganze Wahrheit – Rübezahls Zauberschänke
Dorthin lenkte sich also unser Schritt, und wir betraten schließlich einen gastlichen Raum, der von den erlesensten Speisen nur so duftete. Ein sogenannter Televisor bereitete dem Ankömmling einen klingenden Empfang mit den schönsten Weisen der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, aus einem sogenannten Musikkanal. Einige meiner Leute wollten an dieser Lokalität eine gewisse Schmuddeligkeit bemerken, man könne nicht aus dem Fenster sehen … ich jedoch zähmte solches vorlaute Geschwätz mit dem Hinweis auf die weitreichende Macht des Herrn der Berge, und dessen magischen Schein, den ich immer noch am Herzen trug.

Wir bestellten uns, was Küche und Keller zu bieten hatten, und es war ein Hochgenuss, diese herrlichen Speisen zu kosten, die in Tschechien oft mit Knödeln deftig, und ebenso oft mit Knödeln süß, serviert werden.  Die Genüsse schienen direkt den unterirdischen Zaubergärten des Rübezahl zu entstammen, so wohl war uns, so reichhaltig der Gaumenkitzel der verschiedensten Gerichte und Spezereien.

Schließlich jedoch, erreichten wir den Zustand einer gewissen Sättigung: wir konnten einfach nicht mehr.

Der heraneilenden Fee die uns bediente, ein kräftiges und wohlgerundetes Himmelskind mit einem langen blonden Zopf aus dichtem und starkem Haar, übergab ich, als sie mir die Rechnung darreichte, den mystischen Schein des Herrn der Berge. Ich tat dies wortlos und war voller Spannung, welche Magie dies nun wohl hervorbringen möge. Die bezaubernde Nymphe jedoch sagte mir, dass ich den Schein gleich bei Eintritt in das Lokal hätte vorzeigen müssen, nun jedoch schien er seine Zauberkraft gänzlich verloren zu haben. Unter Aufbietung der finanziellen Mittel aller Beteiligten bezahlten wir die Rechnung i.H.v. umgerechnet 25 Euro dennoch.

Unter meinen Leuten wurde Murren hörbar, was dies denn solle, und ob der „Bergschrat“ denn etwa seine „Zettel“ selbst drucke. Auf meine Frage hin, zu welchem Zweck wohl der Herr der Berge solches tun solle, wurde mir frech entgegnet „um anzugeben“. Einer der Männer meinte gar, es sei das wahre Wesen des Berggeistes, das ergaunerte Geld in Stretchlimousinen mit leichten Mädchen zu verjubeln – ich unterband wie man sich vorstellen kann solchen Aberwitz, in dem ich die eine oder andere Kopfnuss verteilte. Mir lag weiterhin an einem guten Einvernehmen mit dem Bergfürsten.

Bis zu unserer Abreise jedoch wollten die Zweifel am Herrn der Berge nun nicht mehr verstummen. Zumal man im Folgenden wahrzunehmen meinte, dass dieser sich auch mit anderen Passanten der vorgenannten Elbbrücke ins Benehmen setzte, sich von diesen leichthin fotografieren ließ, und gar, ebenso wie mir!, denen einen magischen Zettel einfach in die Hand drückte. Das wurde mir zugetragen – was daran wahr ist, kann ich nicht sagen. Einerseits erscheint es mir ganz unwahrscheinlich, auf der anderen Seite sah ich mit eigenen Augen, als wir alle am letzten Tage im Auto saßen um die Rückreise ins heimatliche Deutschland anzutreten, wie der Berggeist seinen magischen Mantel über eine fremde Familie breitete, die er offensichtlich gerade erst kennengelernt hatte. Ich traute meinen Augen kaum und vergaß in all der Verwirrung sogar, ein Fotodokument aus dem offenen Wagenfenster heraus anzufertigen.

Doch man möge mir vertrauen – dies ist die ganze Wahrheit.

Rübezahl - die ganze Wahrheit - Krokonosch ist der tschechische Name [SPID 4257]
Rübezahl – die ganze Wahrheit – Krokonosch ist der tschechische Name

 

Rübezahl. Die GANZE Wahrheit. was last modified: November 15th, 2016 by Henrik Geyer

Stefan Blankertz: Gott wurde Mensch

Was ist Spiritualität? Fotos der Co-Autoren - Stefan Blankertz [SPID 4243]

Lieber Stefan, wir kennen uns nun schon ein paar Jahre. Du bist ein fleißiger Schriftsteller mit nun schon über 30 Publikationen.

Du nennst dich Wortmetz, weil du die Worte wie ein Steinmetz formst und gestaltest. In deinen Büchern liest man daher viel Assoziatives. Dein Werkzeugkasten beinhaltet ein gerüttelt Maß an philosophischer Kenntnis. Du bist ein Autor, der dem Sinn der Worte mit großer Akribie auf den Grund geht.

Ich kam darauf, dich zu interviewen, weil deine Haltung zu Spiritualität und Religion eher kritischer Natur ist. Ich finde es spannend zum Thema Spiritualität auch einmal kontrovers zu sprechen, vielleicht ein wenig philosophisch. Ich bitte dich, zunächst deine Einschätzung des Begriffes Spiritualität zu formulieren.

Spireo: Was verstehst du unter Spiritualität und was wird ggf. falsch darunter verstanden?

„Spiritualität“ ist so ein modischer Gummibegriff, den ich zugegebenermaßen selbst auch manchmal verwende, vor allem dann, wenn nicht so ganz klar ist, worum genau es überhaupt geht. Geht es um Religion? Um welche? Geht es darum, dass jemand nicht herzlos ist? Oder so weltabgewandt zu sein, dass man nicht mehr mitkriegt, was um einen herum los ist? Dass jemand Stimmen hört und daran glaubt, dass man bei rechter innerer Haltung auch ohne Nahrung, nur von Sonne, Luft und Liebe leben kann? Die Bandbreite ist unendlich dehnbar, und meist versteht man aus dem Kontext, wie jemand den Begriff verwendet, positiv oder negativ oder neutral, aber es gibt kein „Richtig“ und kein „Falsch“ beim Verständnis, sondern nur eine pragmatische Bedeutung, die sich im jeweiligen Zusammenhang ergibt.

Spireo: Was von dem, was du konkret manchmal tust, würdest du eine spirituelle Handlung nennen?

Beten. Mitgefühl haben – und zeigen, wobei mir als Introvertiertem das oft schwerfällt. Mein beharrliches Engagement für Toleranz und gegen Gewalt speist sich stark von einem Gefühl der Verantwortung, das sich nicht rein rational erklären lässt …

Spireo: … manchmal ist es nur eine Frage des Glaubens, ob man sich aufraffen kann, etwas zu tun. Ich nehme an, auch du brauchst Glauben, nicht nur für das Engagement, sondern einfach um zu leben. Für mich ist das ein spiritueller Aspekt … diese Selbsterforschung. Was bringt uns dazu, etwas zu tun oder zu lassen? Man kann das meist nicht erklären … Wie siehst du das?

Ja, exakt. Der Satz vom heiligen Augustinus, „ex fide enim vivimus“, also: „Wir leben nämlich durch den Glauben“. Wenn wir den nächsten Schritt tun, sagt mein Inspirator Paul Goodman, glauben wir, dass wir auf festen Grund treffen. Wir müssen nicht erst das Gesetz der Gravitation beweisen.

Spireo: Würdest du dich als spirituellen Menschen beschreiben? Oder bist du materialistisch?

Ich glaube an Gott im Sinne von Jesus. Besonders wichtig ist mir das Geheimnis des Glaubens, dass Gott Mensch geworden ist und hierdurch verwandelt wurde. Das ist Glaube, kein Wissen. Ansonsten stehe ich dem Christentum im Allgemeinen und dem Katholizismus, dem ich angehöre, sehr kritisch gegenüber. Vor anderen Religionen habe ich großen Respekt, besonders dem Judentum, dem Islam, dem Buddhismus und dem Taoismus, obwohl Religionen oft einen problematischen gesellschaftlichen Einfluss haben (um es ganz vorsichtig zu sagen). Allerdings sollte die Religiosität meiner Meinung nach nicht davon abhalten, die Welt zu sehen wie sie tatsächlich ist, sie zu untersuchen, und man sollte seine Entscheidungen auf Grundlage von Fakten und nicht von Wunschdenken fällen. Wenn Wünsche wahr werden (was ja bisweilen vorkommen soll), sind sie eben auch zu Fakten geworden.

Spireo: Vielleicht ist die Dreifaltigkeit für Menschen wie dich erschaffen worden – für Menschen, die mit einem Gott im Himmel nichts anfangen können? Die Dreifaltigkeit beinhaltet Gott als allumfassendes Abstraktum, Jesus als den Sohn, sowie den heiligen Geist. Was ist Jesus im Unterschied zu Gott für dich? Ein einfacher Mann? Ein kluger Mann? Ein barmherziger Mann?

Jesus ist zum Menschen gewordener Gott; früher sagte man dazu „Inkarnation“ oder zu deutsch „Fleischwerdung“. Dieser Gott war ja eine ziemlich fiese Gestalt …

Link zur Webseite von Stefan

 

Dieses Gespräch ist Teil des Buches:


Was ist Spiritualität?

Was bedeutet Menschen Spiritualität? Wozu ist sie gut? Wie leben Menschen Spiritualität? Ist Kreativität spirituell? Kann Spiritualität heilen? Was bedeutet Tod?.
Henrik Geyer führte Gespräche mit spirituellen Menschen – mit Stefan Blankertz, Dr. Ruediger Dahlke, Catharina Fleckenstein, Ralf Hillmann, Cristina Holsten, Petra Milkereit, Werner Szendi, Pascal Voggenhuber

Stefan Blankertz: Gott wurde Mensch was last modified: Oktober 20th, 2016 by Henrik Geyer

Diskussionen über Spirealismus

Spirealismus, was will er?

Von Zeit zu Zeit werde ich gefragt, ob der Spirealismus ein Idealismus ist, oder Konstruktivismus ist, oder, oder. Es besteht immer die Neigung, durch ein Wort alle möglichen Inhalte, Vor-und Nachsätze, zu schlussfolgern, ohne sich weiter mit einer Aussage auseinanderzusetzen zu müssen.

Ich muss da enttäuschen; ich sage nichts anderes, als das, was in meinen Büchern steht. Man muss es eben lesen.

Ich bin kein Philosophietheoretiker, der versuchen würde große Philosophen zu widerlegen oder ihre Wahrhaftigkeit unter Beweis zu stellen – das wäre schon wieder eine eigene Lebensaufgabe. Der Spirealismus steht für nichts anderes als sich selbst, und soll das auch.

Der Spirealismus ist der Versuch, die Welt fundamental anders zu sehen, als durch materialistische Augen … um das zu erreichen habe ich seine Denksystematik bewusst unabhängig konzipiert, wollte gerade nicht eine Ausprägung eines Idealismus erschaffen oder dergleichen. Meine Absicht war den Materialismus zu besprechen, nicht wie dieser oder jener Philosoph ihn verstand, sondern wie er in der Gesellschaft in seiner grundlegendsten Form verbreitet ist – als die Annahme wir beobachteten etwas außerhalb von uns. So, schließlich, hatte auch ich die Welt begriffen, bis ich schließlich verstand, dass das nicht stimmen kann.

Spirealismus resultierte aus einer recht einzigartigen Erfahrung, die ich machen durfte: Unser Denken ist die Realität. Die Realität gibt es nicht noch einmal „extra“. Und das wollte ich weitergeben. In den folgenden Jahren habe ich versucht, die Folgerungen dieses Ansatzes zu durchdenken, sie konsequent zu denken und wollte mich nicht von allen möglichen Denkbedingungen behindern lassen, die ausgesprochen oder unausgesprochen existieren. Es war meine Absicht all das möglichst verständlich aufzuschreiben, um der philosophischen Literatur etwas Lesbares hinzufügen, keine weitere streng theoretische Abhandlung, die zwar irgendwie interessant ist, aber nicht begriffen wird.

Ich sage „möglichst verständlich aufzuschreiben“, denn, wer meine Bücher kennt, der weiß vielleicht, dass ich die Sprache selbst für das Mittel und Werkzeug einer ganz bestimmten Sichtweise (die materialistische) halte. Daher ist es so schwierig, die materialistische Sichtweise zu verlassen und es ist, trotz allen Bemühens, wohl recht schwierig, den Spirealismus zu verstehen, denn er sägt sozusagen am den Wurzeln der fundamentalsten Begriffe. Und wenn ich mich nun daran mache, den Materialismus aus seiner ureigensten Domäne zu verdrängen, indem ich mich seiner Mittel bediene, der Sprache nämlich, der materialistischen Worte, so ist das zumindest schwierig. Wie könnte man argumentieren ohne die Worte der Sprache dabei zu verwenden? Nicht umsonst gab und gibt es große Geister, sicherlich größere als mich, die sich an der Aufgabe des schlüssigen Durchdenkens dieses Ansatzes versuchten – und entweder scheiterten, oder dem Publikum weithin unverständlich blieben und bleiben. Ich glaube, viele, die eine ähnliche Erfahrung machen, und zu ähnlichen Schlüssen gelangen wie ich, verfallen in ein Schweigen, ziehen sich zurück, was ich als eine eigentlich verständliche Haltung ansehe.

Aber ich hatte mir nun einmal in den Kopf gesetzt, den spirealistischen Ansatz so systematisch wie möglich aufzuschreiben. Ich halte Spirealismus für eine überaus wichtige und fundamentale weltanschauliche Weiterentwicklung, die nach meinem Dafürhalten den Menschen ganz neue Möglichkeiten eröffnet. Das ist mir Antrieb, wenn auch gerade der Spirealismus mir sagt, dass es keine Weltanschauung gibt, die mit irgendeiner Notwendigkeit verstanden werden muss, oder die in der jetzigen Zeit Verbreitung finden muss. Sondern Spirealismus sagt im Gegenteil, dass jede Wahrheit, die der Mensch (per Mehrheitsdenken) für sich (er-)findet, seine Welt formt, und ihm immer so vorkommen muss, wie die eine von ihm stets erwartete und erschaffene Wahrheit – die einzige die es geben kann.

So gesehen ist der Spirealismus ein Angebot, Antworten zu finden für jene Suchenden, so wie ich einer war und bin. Ich halte Spiritualität für überaus wichtig um Spirealismus zu verstehen – Spiritualität ist vor allem ein Suchen im Geiste.

Oft ist es zwecklos und unerfreulich, spirealistische Themen mit hartgesottenen Materialisten zu erörtern- mit Materialisten meine ich Nicht-Suchende – sie wissen bereits, fragen sich nichts. Denn sie glauben an das Objektive, das ist der Kern des Materialismus. Somit können damit durchaus auch solche gemeint sein, die sich selbst als spirituell, idealistisch, religiös sehen. Das Objektive sehen sie in sich selbst am besten vertreten, es wird in ihnen unerbittliche Rechthaberei, während sie vom unerschütterlichen Glauben reden, so wie der materialistische Wissenschaftler von unerschütterlichem Wissen. Der materialistische Glaube ist so stark, dass die Gläubigen ihn mit Inbrunst verteidigen müssen; den Angriff darauf empfinden sie wie einen Angriff auf sich selbst, wenn man allein schon von Denkgrenzen spricht … Wie jeder „religiöse“ Eifer verschließt auch Materialismus Augen und Ohren.

Gemeinsamkeiten sehe ich eher mit jenen, die wirkliche Spiritualität denken und leben, indem sie alles für möglich halten und eine rege Phantasie pflegen. Denn unsere Welten kommen daher, aus der Phantasie.

Ist Spirealismus ein Idealismus?

Ich möchte das oben Gesagte illustrieren – daher noch einmal zum Idealismus. Im Begriff des Idealismus vermischt sich so vieles, dass Idealismus als Mittel der Charakterisierung schon im Ansatz wenig taugt. Eins meiner Bücher heißt „Alles ist Geist“, und es liegt der Gedanke nahe, und so werde ich wie gesagt manchmal gefragt, ob es sich bei dem darin zu Findenden um einen Idealismus handele. Irgendwie, ganz läppisch betrachtet, mag das so sein. Doch hier gilt es, das Allerwichtigste genau zu betrachten. Während Idealismus gemeinhin darauf hinausläuft, eine geistige Macht, eine Idee, einen Gott, als den Erschaffer der Welt zu denken, hat der Spirealismus eine andere Seins-Auffassung. Und das ist ganz wichtig – geradezu ein Rubikon für jedes daraus folgende Denken. „Die“ Welt (in der Einzahl) gibt es nicht. Die Welt ist nicht erschaffen worden, und sie existiert nicht in der von uns vorgestellten Weise, also in einem Außen, in Raum und Zeit. Raum und Zeit sind Vorstellungen, die unsere Welt entfalten, aber sie sind eine Möglichkeit, keine Unbedingtheit. Es gibt nur einen einzigen wahrnehmbaren Zeitpunkt des Welt-Entstehens, und dieser Zeitpunkt ist das immerwährende Jetzt. Das Mittel dieses Entstehens sind unter anderem wir selbst. Der Ursprung des Entstehens ist uns unbekannt, und muss uns unbekannt sein. Denn wir Menschen sind Elemente der Schöpfung, nicht die Beobachter der Schöpfung. Wenn man den metaphysischen Ursprung der Welt(en) Gott nennen möchte, könnte man auch sagen: Wir sind nicht Gott und können es durch noch so viel Grübeln auch nicht werden.

Daher sehe ich den Spirealismus nicht als eine Form von Idealismus an. Ist er vielleicht ein Konstruktivismus?

Vielleicht schon eher, doch im Grunde trifft auch diese Zuordnung nicht. Auch hier wieder glaube ich dass gilt, was ich schon über Idealismus sagte. Wenn der Konstruktivismus richtig gedacht werden soll, muss er das Fundament des Materialismus verlassen. Wie könnte man den Konstruktivismus auf dem Fundament des Materialismus besprechen? Von der Warte des Materialismus aus muss Konstruktivismus, insofern er erklärt, dass „die Welt“ durch Kommunikation sozusagen konstruiert wird, lächerlich und falsch wirken.

 

Diskussionen über Spirealismus was last modified: November 9th, 2016 by Henrik Geyer

Philosophische Bücher von Henrik Geyer

Buchtitel

Alles ist Geist, von Henrik Geyer


Wir sehen nicht DAS Universum. Sondern wir sehen die Universen des Ich
|TNr 1001|philosophisch|Reihe Ich-Universum|


Autor Henrik Geyer beschreibt die Grundzüge des Spirealismus, seiner Philosophie. Der Spirealismus geht davon aus, dass der Mensch nicht etwas in seinem Außen beobachtet, wenn er die Welt sieht. Der Mensch ist nicht Beobachter der Schöpfung, sondern ihr Element. Er beobachtet nicht im eigentlichen Sinne, sondern Geist trifft immer auf Geist. Der Autor schildert die Entstehung dieser Philosophie als einen Prozess des Umdenkens in einer schwierigen Lebenssituation.

als Kindle Ebook für 8,9 €
als Amazon Printausgabe für 14,9 €


Gott würfelt nicht?, von Henrik Geyer


Nachdenken über Zufall, Kausalität und Zeit.
|TNr 1017|philosophisch|Reihe Spirealismus Reihe|


In diesem Buch geht es um Kausalität, ihren Zusammenhang mit Zeit, sowie den Glauben, alles habe einen Grund. Henrik Geyer denkt über die Gründe "für alles" nach, von denen wir stets annehmen, es gäbe sie. Doch - woran kann man sehen, dass das nicht der Fall ist? Erfinden wir etwa Kausalität?
Die Aussage "Gott würfelt nicht" entstammt einer bestimmten weltanschaulichen Perspektive - die wir alle haben. Nur deshalb kommt sie uns wie selbstverständlich vor. Doch genau bedacht führt uns die Analyse dieser Aussage zu einem tieferen Verständnis der Fundamente unseres Denkens. Erst nachdem wir diese Fundamente entdeckt haben, können wir an ihnen rütteln.

als Kindle Ebook für 2,99 €
als Amazon Printausgabe für 6,96 €

Mindfuck Philosophy, von Henrik Geyer


Relativieren wir absolut, zerstören wir das Universum - aber nur das materialistische Universum
|TNr 1016|philosophisch|Reihe Spirealismus Reihe|


Der Spirealismus besagt, dass wir nur das denken können, was uns die jeweilige geistige Brille, die wir tragen, sehen lässt. Das ist eine in der Konsequenz paradoxe Vorstellung, neudeutsch: "Mindfuck". Denn das bedeutet, dass wir, während wir sehen oder sprechen, uns auf kein von uns unabhängiges Außen beziehen. Sondern wir erschaffen. Das ist auch das uralte hermetisch-geistige Prinzip zu Ende gedacht. Geist erschafft Realität, er beobachtet sie nicht. Eine weitere Konsequenz: Geist entspringt nicht dem menschlichen Hirn.
Über die Unvereinbarkeit materialistischer Vorstellungen mit spirealistischem Denken.

als Kindle Ebook für 2,99 €
als Amazon Printausgabe für 6,96 €
Philosophische Bücher von Henrik Geyer was last modified: Oktober 18th, 2017 by Henrik Geyer

Starke Metaphern

Starke Metaphern - Abendsonne [SPID 4118]

Metaphern sind allgegenwärtig. Alles ist eine Metapher, weil es kein Ding gibt, dessen Kern im Letztendlichen erklärbar ist. Ein Taschenrechner beispielsweise kann als Metapher für Mathematik dienen, für Kalkulation, vielleicht für den menschlichen Geist, der punktgenau arbeitet.

Dennoch wird das Wort Metapher so gebraucht, als sei es am Ende eingrenzbar, und zwar nur zu gebrauchen für Wortbilder, also für Dinge, die ein starkes Bild für etwas anderes sind … Gleichnisse sozusagen.

Die stärksten und fundamentalsten Dinge sind uns das Leben, der Tod, Licht, Schatten, Krieg, Frieden etc.. Und die stärksten Metaphern sind jene Dinge, oder Wort-Gleichnisse, die uns an die fundamentalsten Dinge erinnern. Es sind zugleich erdige, urtümliche Bilder, die uns schon sehr lange begleiten – sie sind uns die stärksten Metaphern und haben geradezu eine Allgegenwart, und eine kaum enden wollende Bedeutungsschwere. Die Sonne, die Erde, die Flüsse, die Mutter, der Weise, etc.

Ich habe aus meinen Fotos einige herausgesucht, die als starke Metaphern gelten können. Sie haben das Potential, sich in Gedanken mit ganz Vielem zu verbinden.



 

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Starke Metaphern - Baum, vom Küstenwind gezaustStarke Metaphern – Baum, vom Küstenwind gezaust, / [SPID 4126] (Link zur Bildseite)
Starke Metaphern - Gottes Licht fällt auf ein SchiffStarke Metaphern – Gottes Licht fällt auf ein Schiff, / [SPID 4125] (Link zur Bildseite)
Starke Metaphern - Kirche, bedrohlich aufragendStarke Metaphern – Kirche, bedrohlich aufragend, / [SPID 4124] (Link zur Bildseite)
Starke Metaphern - Abendsonne 2Starke Metaphern – Abendsonne 2, / [SPID 4120] (Link zur Bildseite)
Starke Metaphern - finstere AlleeStarke Metaphern – finstere Allee, / [SPID 4123] (Link zur Bildseite)
Starke Metaphern - Mühle, Erneuerin der WeltStarke Metaphern – Mühle, Erneuerin der Welt, / [SPID 4122] (Link zur Bildseite)
Starke Metaphern - reifes KornStarke Metaphern – reifes Korn, / [SPID 4121] (Link zur Bildseite)
Starke Metaphern - AbendsonneStarke Metaphern – Abendsonne, / [SPID 4118] (Link zur Bildseite)
Starke Metaphern - AntennenStarke Metaphern – Antennen, das Bürgertum geht auf Empfang / [SPID 4117] (Link zur Bildseite)
Starke Metaphern - Boote im AbendlichtStarke Metaphern – Boote im Abendlicht, / [SPID 4115] (Link zur Bildseite)
Starke Metaphern - Leuchtturm 2Starke Metaphern – Leuchtturm 2, Er weist uns den Weg in finsterer Nacht / [SPID 4119] (Link zur Bildseite)
Starke Metaphern - LeuchtturmStarke Metaphern – Leuchtturm, / [SPID 4116] (Link zur Bildseite)
Starke Metaphern - Wald in der klaustrophobischen AngstvarianteStarke Metaphern – Wald in der klaustrophobischen Angstvariante, / [SPID 4114] (Link zur Bildseite)
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Starke Metaphern - Mensch, KindStarke Metaphern – Mensch, Kind, Menschen sind immer eine Metapher. Jeder den wir kennen, steht für irgendetwas. Berühmte Menschen sind eine starke Metapher für große Menschengruppen. Man denke an Marylin Monroe und andere. / [SPID 4096] (Link zur Bildseite)
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Starke Metaphern - Schiff, besonders SegelschiffStarke Metaphern – Schiff, besonders Segelschiff, Der Wind des Lebens treibt uns mühelos. Wir müssen nur verstehen, die Segel richtig zu setzen. / [SPID 4090] (Link zur Bildseite)
Starke Metaphern - Tor 3Starke Metaphern – Tor 3, / [SPID 4089] (Link zur Bildseite)
Starke Metaphern - TrolleStarke Metaphern – Trolle, / [SPID 4091] (Link zur Bildseite)
Starke Metaphern - Der WaldStarke Metaphern – Der Wald, der frische grüne Wald, aus dem alles kommt. Er bietet Nahrung und Schutz, bietet Luft und Wasser. Ein starkes Symbol für das Leben, aber auch bedrohlich, denn im Wald kämpfen viele Lebensformen um die Existenz / [SPID 4088] (Link zur Bildseite)
Starke Metaphern - Schloss 2Starke Metaphern – Schloss 2, / [SPID 4085] (Link zur Bildseite)
Starke Metaphern - Tor 2Starke Metaphern – Tor 2, / [SPID 4086] (Link zur Bildseite)
Starke Metaphern - WetterwechselStarke Metaphern – Wetterwechsel, so wechselhaft wie das Leben, wie alles: das Wetter. Aus dem schönsten Sonnenschein erwächst eine dunkle Bedrohung. / [SPID 4087] (Link zur Bildseite)
Starke Metaphern - ParkStarke Metaphern – Park, die einladende Version des frischen grünen Waldes / [SPID 4082] (Link zur Bildseite)
Starke Metaphern - PilzStarke Metaphern – Pilz, Der Pilz, die unheimliche Lebensform, dessen Samen sich als feinste Sporen verbreiten, der unter dem Waldboden ein alles durchdringendes Geflecht bildet, der mit dem Wald unauftrennbar verwachsen ist, der als einzelner Pilz eigentlich mit allen anderen Pilzen einen einzigen großen Waldorganismus bildet. Der Pilz, der Nahrung sein kann, oder Gift, oder Tor zu übersinnlichen Erfahrungen. / [SPID 4083] (Link zur Bildseite)
Starke Metaphern - stark wie ein BaumStarke Metaphern – stark wie ein Baum, / [SPID 4081] (Link zur Bildseite)
Starke Metaphern - StühleStarke Metaphern – Stühle, / [SPID 4084] (Link zur Bildseite)
Starke Metaphern - alte Kirchen plus alte Bäume 2Starke Metaphern – alte Kirchen plus alte Bäume 2, / [SPID 4080] (Link zur Bildseite)
Starke Metaphern - alte Kirchen plus alte BäumeStarke Metaphern – alte Kirchen plus alte Bäume, / [SPID 4078] (Link zur Bildseite)
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Starke Metaphern - Hoch aufragende GebäudeStarke Metaphern – Hoch aufragende Gebäude, / [SPID 4076] (Link zur Bildseite)
Starke Metaphern - Wege übers LandStarke Metaphern – Wege übers Land, / [SPID 4079] (Link zur Bildseite)
Starke Metaphern - Eingang KircheStarke Metaphern – Eingang Kirche, / [SPID 4075] (Link zur Bildseite)
Starke Metaphern - RuinenStarke Metaphern – Ruinen, Da, wo früher geschäftiges Treiben herrschte, ist heute Todesstille. Dort, wo Menschen auf der Arbeit ihr halbes Leben verbrachten, wo sie das Geld für ihre Familien erarbeiteten, wo sie hofften, schwitzten, litten, sich freuten, herrscht heute Verfall. Eine starke Metapher für den Wandel der Dinge. / [SPID 4074] (Link zur Bildseite)
Starke Metaphern was last modified: Oktober 2nd, 2016 by Henrik Geyer

Warum schreiben? Warum ich schreibe

Das Schreibwerkzeug des Autoren [SPID 4002]

Warum schreiben? Zu welchem Zweck, mit welchem Ziel schreibe ich? Das  fragt sich mancher Schriftsteller – und dann schreibt er es auf.

Schreiben ist Selbsterkenntnis

Ich kann es heute besser an mir sehen als früher: es war wichtig für das Selbst-Erkennen, zu schreiben. Erkenne dich selbst! sagte man im antiken Griechenland … Selbsterkenntnis ist ein Bedürfnis. Nicht jeder hat es, vielleicht. Mir wurde es unabdingbar, als ich zu einer bestimmten Zeit in meinem Leben mit der Einsicht konfrontiert wurde, dass so vieles ein Irrtum ist. Ich hielt es plötzlich für überaus notwendig, einmal gründlich „über alles“ nachzudenken. Das habe ich getan und das Schreiben hat mir sehr dabei geholfen, meine Gedanken genauer und genauer zu fassen. Diesen stets fortdauernden Prozess möchte ich nicht mehr missen. Denn dieses Erkenne dich selbst! ist das Wichtigste, was man in dieser Welt zu erledigen hat.

Schreiben ist Eitelkeit

Mit dem Schreiben möchte man seine Gedanken verbreiten, sicherlich nicht um dafür gescholten zu werden. Sondern möglichst auch, um für deren Tiefe und Tragweite bewundert und geehrt zu werden. Ein gewisses Sendungsbewusstsein ist nötig, sonst würde man ja nicht schreiben. Ich hatte, als ich anfing etwas Philosophisches aufzuschreiben, den Gedanken, der Welt etwas „zurückgeben“ zu wollen. Etwas Großes, Umfassendes. Ich wollte das Wissen, das ich erlangt hatte, und das ich für äußerst ungewöhnlich und wichtig hielt, mitteilen.

Das will ich zwar immer noch, weiß aber nun durch das Schreiben auch, dass man der Welt nichts „Großartiges“ oder besonders „Neues“ übergeben kann; was man übergeben kann hängt eher davon ab, was die Welt sehen will. Die Welt wartet nicht auf das Neue, denn das Neue ist ihr unbekannt. Das „Großartige“ in der Wahrnehmung des Publikums ist zugleich auch immer das, was anderen bereits bekannt ist. „Das Bekannte“ sozusagen. Doch zu Anfang ist der Autor unbekannt – was man zu sagen hat kann also nicht großartig sein. Als beginnender Schriftsteller empfindet man sehr stark diese Selbstzweifel – wer ist man schon, dass man wagen dürfte, sich zu diesem oder jenem Thema zu äußern? Kurz: Man merkt gerade durch das Schreiben, dass es besser ist, die übergroßen Ambitionen bleiben zu lassen.

Besser man nähert sich dem Schreibhandwerk auf wohl ehrfürchtige, aber dennoch pragmatische Weise, schreibt und schreibt. Man lernt und lernt. Zuerst fehlt es auch am Handwerklichen, auch das muss reifen. Natürlich möchte man sofort gute Texte schreiben, am liebsten in den Himmel der Literatur-Götter eingehen .. Doch man muss Übung und Souveränität erlangen, man muss Momentum in der Wahrnehmung des Publikums aufbauen. Für beides braucht es Zeit und Übung.

Daher würfelt man die Gedanken geduldig und erwartet mit zurückhaltender Gespanntheit, wie das, was man schrieb, aufgenommen wird. Eitelkeit, das Ego, ist ein wichtiger Antrieb für das Schreiben. Doch, um lesbaren Text hervorzubringen muss man das Ego zurückdrängen.

Über-Ambitioniertheit, der Drang „etwas Großes“ schaffen zu wollen, ist wohl generell eher ein Hindernis als ein Trittbrett zu Höherem. Das gilt auch für die Art und Weise des Schreibens. Goethe sprach einmal davon, der Dichter solle lieber kleine, in sich geschlossene Werke herstellen, als sich einem großen und umfassenden Werk zu widmen. Ein solch großes ambitioniertes Vorhaben habe den Nachteil, dass es immer unperfekte Teile enthalten müsse, wodurch das Gesamte unperfekt sei. Wohingegen kleinere gelungene Werke, die noch dazu aus der Wahrheit des Augenblicks und der Kraft des Momentes entstehen, und nicht etwa in einem überlangen Bemühen, den Eindruck in sich geschlossener und perfekter Stücke machen.

Schreiben ist Offenheit

Schreiben ist Offenheit oder auch Ehrlichkeit, weil Schreiben immer eine Form moderater Selbstentblößung ist. Wenn man nicht gerade nichtssagende Texte fabrizieren will, muss man etwas von sich hergeben. Als Autor wird man dadurch zwangsläufig erkennbarer. Der Segen des Unerkannt-Seins, lernt man, liegt darin, dass man frei ist, (theoretisch) alles sein zu können. Das Festlegen auf Positionen hingegen führt dazu, dass Gegenpositionen erschaffen werden. Man begibt sich tiefer in die Welt der Polarität, und so mancher Schriftsteller will eigentlich gerade das nicht, sondern sich gerade durch das Schreiben von den Notwendigkeiten und den Kämpfen der Welt abkoppeln.

Dem Ego des Autoren tut die Erkennbarkeit gut, es definiert sich selbst zunehmend neu. Die Bücher die man schreibt, die Fragen die man behandelt, werden zwangsläufig zu wichtigen Gestirnen des Ich-Universums. Ähnlich ergeht es wohl Schauspielern, die nicht nur vom Publikum mit ihren Paraderollen identifiziert werden, sondern die sich selbst damit identifizieren. Nicht nur der Autor erschafft Bücher, sondern die Bücher erschaffen den Autoren ein Stück weit neu.

Schreiben ist Die-Welt-Entdecken

Es ist eines der Prinzipien meiner Philosophie … : im Geist lässt sich die Welt entdecken, denn es ist ohnehin alles Geist.

Das Schreiben als eine Beschäftigung mit dem Geist, lässt den Schriftsteller zu einem Geistes-Reisenden werden, der statt im Flugzeug vor seinem Schreibtisch sitzt und der Welt auf diese Weise ihre ungewöhnlichsten Geheimnisse entlockt. Selbst das kleinste Ding hat für ihn tausendfache Bedeutung – und das ist ein Abenteuer, das sich mit anderen Mitteln nicht in gleicher Weise durchführen lässt.

Die längste Fernreise kann uns nur an Orte führen, die wir dann im Geiste bestaunen. Wie wir staunen, was wir in welcher Weise bestaunen, das hängt vom Geistigen ab, nicht vom Gegenstand des Staunens. Das größte Weltwunder muss in einem dumpfen Geist zur Belanglosigkeit schrumpfen, und umgekehrt kann die kleinste Sache in einem wachen Geist die allergrößte Bedeutung gewinnen. Schreiben ist auch, sich in eine Welt der Wunder zu begeben.

Wenn mancher nun sagt: Im Geist lassen sich aber nicht die Fakten entdecken, das Wirkliche, dann frage ich: Welche Fakten? Im Geist lässt sich viel mehr entdecken, als das, was für andere „Fakt“ ist. Man kann mit Jules Verne in den Tiefen der Ozeane tauchen, man kann mit Dumas der Held eines Mantel- und Degen-Abenteuers sein. Für Einstein war das Reisen auf einem Photon Fakt – für wen sonst gilt das noch? Man kann so vieles entdecken – und das wird dann zu einem unbestreitbaren Fakt des Lebens. Was will man mehr als die Fülle des Lebens kosten? – das ist die Faszination der Phantasie! Das kann man mit keiner anderen Tätigkeit erreichen, als mit dem Schreiben. Oder dem Lesen.

Mit Schreiben der Welt auf die Schliche kommen

Es ist ein weiterer Aspekt des schon erwähnten Die-Welt-Entdeckens, dass man dem schlichten Wesen der Menschen-Welt auf die Spur kommt.

Man stellt fest, dass man der Welt letztendlich kaum etwas geben kann, was nicht ohnehin im Geist der Welt ist, ich erwähnte es schon. Der Leser entdeckt sich eher selbst mit dem Hilfsmittel eines Buches, als dass er eine fremde Gedankenwelt erforschen und bestaunen könnte. Die Welt verlangt nichts als das, was sie ohnehin schon kennt – was sie nicht kennt, danach kann sie nicht verlangen und kann es oft genug auch nicht würdigen.

Umgekehrt kann man nichts „zurückgeben“, was nicht originär der Welt entstammt. Man biegt nur ein wenig daran herum, fügt einen neuen Farbton hinzu – und dann gibt man zurück. Und dennoch ist Schreiben immer noch das denkbar kreativste Tun in dieser Welt.

Man sieht, wie etwas entsteht und wodurch es Verbreitung findet. In einem großen arbeitsteiligen Betrieb, als Rädchen im Getriebe, könnte man das nicht beobachten. Als Autor stellt man etwas in Gänze her und hat an dessen Verbreitung unmittelbaren Anteil. Die Person des Autors selbst ist dessen allerwichtigstes „Produktionsinstrument“. Den kreativen Prozess aus jeder Perspektive und in Gänze beobachten zu können, ist schon spannend.

Schreiben ist Antwort auf eine Suche

Das ist auch das, was ich suchte. Ich suchte Antworten auf verschiedene metaphysische Fragen. Wie: Was ist Kreativität eigentlich, wo doch im Grunde alles neu ist? Der 10-millionste VW-Käfer ist doch letztlich ebenso einzigartig wie der erste? Was verbindet alles und macht die Dinge doch einzigartig? Was ist meine Verbindung mit der Schöpfung, mit der Unendlichkeit? Das Ergebnis dessen sind die philosophischen Bücher, die ich nach und nach schreibe. Erst durch das Schreiben kam ich dem Philosophischen wirklich auf die Spur … das Schreiben ist also nicht nur das Resultat von Überlegungen, sondern auch Werkzeug. Man stellt Überlegungen in der richtigen, gründlichen, Weise an, stellt Fragen systematisch…

Schreiben ist gut für das Kaizen

Aus demselben Grund ist Schreiben gut fürs Köpfchen – es ist eine Beschäftigung, die eine dauerhaft hohe Konzentration erfordert, und man kann sich nach einer Weile tatsächlich besser konzentrieren. Es ist ein sehr angenehmer Nebeneffekt, dass komplizierte Dinge plötzlich besser gelingen. Das Schreiben macht genau.

Ich empfinde es als wunderbar, dieser hochkonzentrierten und effektiven Arbeit nachgehen zu können, wann immer ich Lust dazu habe. Ich muss nirgendwo hinfahren, um es zu tun. Und ich benötige auch niemandes Erlaubnis. Selten habe ich in meinem Leben so viel gearbeitet, und es noch dazu gar nicht als Arbeit empfunden. Selten hatte ich in meinem Leben das Gefühl, so kontinuierlich und systematisch zu lernen, zu wachsen.

Zu lernen gibt es übrigens nicht nur, wie man ein Buch schreibt, wie man richtig formuliert etc., sondern auch, wie man den Umschlag gestaltet, das ganze Management der Titel, ISBN, Preise, das Programmieren von Webseiten für den Blog, und vieles mehr. Schreiben ist also gut für das Kaizen – die stetige Verbesserung der Persönlichkeit, bzw. der persönlichen Fähigkeiten.

Schreiben ist einsam

Schreiben ist eine Gewohnheit und eine Liebhaberei, etwas, das man gern tut. Ich habe als Junge bereits Geschichten aufgeschrieben. Das ist eine wichtige Voraussetzung für „das Schreiben“ – man muss es mögen … wenn man das Schreiben nicht mag dann gibt es wenig, was einen dazu treiben könnte es dennoch zu tun. Der Erfolg kann es nicht sein – denn man kann ohnehin schwerlich mit etwas Erfolg haben, das man gar nicht mag … Voraussetzung für Erfolg ist eben Leidenschaft und Ausdauer, zumindest nach meiner Erfahrung und Auffassung. Schreiben dauert lange und erfordert viel Sorgfalt, und man ist allein. Nach der Veröffentlichung eines Buches kann man dann darüber sprechen, aber die Zeit des Schreibens ist gekennzeichnet durch Einsamkeit und Ruhe.

Man benötigt diese Ruhe, um die Gedanken fließen zu lassen, man benötigt die Einsamkeit, um sich vom Denken der Welt zu lösen und frei sein zu können; um jede Phantasie hervorzubringen. Man stelle sich vor, jemand stünde daneben und bewertete: Dies geht nicht, jenes ist unwahrscheinlich … Dies zu tun ist nur dem Autoren selbst überlassen, und anders kann es nicht sein, sonst käme gar nichts dabei heraus.

Die Einsamkeit ist attraktiv, aber sicherlich nicht für jeden.

Schreiben ist eine Herausforderung

Schreiben ist eine Kunst. Wie bei jeder Kunst gibt es kein Ende der Entwicklung. Immer lernt man. Immer grübelt man über Stil, beste Wortwahl, die Balance zwischen kürzester Aussage und umfassender Weitschweifigkeit – was ist wo besser? Auch das Weitschweifige hat seinen Sinn – Lesen ist eine Art spirituelle Konzentration, eine Art Meditation; und seit wann käme es bei der Meditation darauf an, sie in möglichst kurzer Zeit hinter sich zu bringen? Der Schriftsteller ändert hier einen Punkt in ein Komma, dort macht er es umgekehrt .. Wie viele Bedeutungen kann ein Text haben? Wie verschieden kann er aufgefasst werden? Das zu begreifen, sich in dieser Kunst zu üben, das fasziniert. Schreiben ist ein Streben, das einen erlösen kann („Wer immer strebend sich bemüht…“).

Das Wichtigste für gutes Schreiben ist, etwas zu sagen zu haben. Der Leser verzeiht so manche Unvollkommenheit eines Textes, aber eitles und leeres Geschwätz braucht er einfach nicht.

Etwas zu sagen zu haben ist auch der beste Antrieb für den Schriftsteller. Der Schriftsteller hat eigentlich keine Lust leere Floskeln zu Papier zu bringen. Das, was man gemeinhin als eine „Schreibhemmung“ bezeichnet, sehe ich aus so einer Ziellosigkeit erwachsen. Man darf froh sein, wenn man als Schriftsteller das Gefühl hat, eine Aufgabe vollbringen zu müssen. Was man zu sagen hat sucht man sich nicht unbedingt selbst aus, sondern umgekehrt, man wird von den Themen, die man behandeln muss, erwählt. Man darf glücklich sein, erwählt zu werden.

 

 

 

Warum schreiben? Warum ich schreibe was last modified: Oktober 30th, 2016 by Henrik Geyer

Warten auf den Tod – jeden Tag dem Tod ein Stück näher

Warten auf den Tod - Sterben im Leben [SPID 4011]

In jedem Moment nähern wir uns dem Tod unmerklich. Wir warten auf den Tod – in gewissem Sinne. Der Tod, vorgestellt als ein bestimmter Zeitpunkt in der Zukunft, lässt unsere Lebens-Tage in der Vorstellung zusammenschnurren, zu einer sehr endlichen Größe. Doch das wollen wir nicht, lieber ist uns die Ungewissheit – die Ungewissheit lässt unsere Lebenstage wie potentiell unendlich erscheinen.

Doch ist eigentlich nichts gewisser als der Tod.

Warten auf den Tod – ein deprimierender Gedanke?

Ist es deprimierend, über den Tod nachzudenken? Dass er vielleicht nah ist? Ich glaube nicht. Über den Tod nachzudenken kann uns so viele Fragen zum Leben beantworten. Zum Beispiel,

  • dass wir Dinge und Menschen, die uns auf unseren Lebensweg begegnen, wertschätzen sollen
  • dass wir in uns forschen sollen, was unsere Bestimmung ist, und was wir tun wollen
  • dass wir das Leben nutzen um glücklich zu sein, und nicht glauben, das Leben sei dazu gemacht irgendeine unerfreuliche Pflicht zu erfüllen
  • dass wir jeden Tag begrüßen, und versuchen, dieses kostbare Geschenk durch Freude und Dankbarkeit zu würdigen
  • dass wir versuchen, Unfrieden und Kampf aus unserem Leben zu verbannen, und dass wir darin durchaus selbstsüchtig sein dürfen. Indem wir das tun, helfen wir „der Welt“ durchaus ein wenig, denn die Kämpfe, die wir nicht kämpfen, sind einfach Kämpfe die in der Welt nicht stattfinden. Sie fehlen nicht.

Neulich hörte ich in einem Film den nachdenkenswerten Satz: „In 40 Jahren wächst der Weizen auf meinem Grab genauso schön, wie auf deinem.“ Der das sagte wollte damit begründen, warum einen bestimmten Kampf, den andere für nötig hielten, selbst nicht mitkämpfen wollte. Er meinte damit: Eine besondere Belohnung für Pflichterfüllung hat der liebe Gott scheinbar nicht vorgesehen, denn am Ende liegen der Sünder und der Gerechte in ihren Gräbern ungestört nebeneinander. Und was da wächst ist Weizen und nicht etwa Grabblumen. Mit dem Tod einher geht das Vergessen. Vergessen die Kämpfe, vergessen der Hass, vergessen die Dinge und die Menschen.

Daher: sterben müssen alle, auf das Leben kommt es an. Ohne Leben keine Bewertung von gut und böse, richtig und falsch. In diesem Lichte gesehen verblasst das Streben nach Gerechtigkeit, verblasst unser Wille, verblasst der Gedanke an Unbedingtheit, verblasst unsere Sucht zu polarisieren.

Das Leben ist eben der Urgrund für alles. All unsere Hoffnungen, all unsere Verzweiflung, brauchen eine Voraussetzung: Leben. Denken. Und was wir im Leben suchen ist Glück – nicht mehr und nicht weniger.

im Leben sterben – die Endlichkeit des Lebens akzeptieren

Es ist ein spektakulär anmutender Leitsatz so manchen Gurus, man solle bereits im Leben sterben. Gemeint ist damit, sich der Belanglosigkeit des Todes bewusst zu werden, seiner Allgegenwart. Wenn wir schlafen, sind wir ein bisschen tot. Wenn wir bewusstlos sind, sind wir ein bisschen tot. Wenn wir wie Automaten Dinge tun, sind wir quasi unbewusst, sind wir ein bisschen tot. Weitergedacht: Leben ist Achtsamkeit, Bewusstheit.

Wie leicht gleitet man vom Leben in den Tod – man ist sich darüber meist nicht klar. Denn man lebt ja! … bis jetzt. Das erinnert mich an einen Witz: Ein Mann fällt aus dem zehnten Stockwerk eines Hochhauses. Bei jedem Stockwerk, an dem er vorbeistürzt, sagt er sich: Bis jetzt ging es jedenfalls gut!

Der Tod ist notwendig und unabdingbar für das Leben. So wir in unseren Leben alles aus Gegensätzen besteht, ist der Gegensatz zu Leben: Tod.

Anstatt den Tod zu fürchten und ihn zu verdrängen, macht es viel Sinn, sich mit ihm auseinanderzusetzen, in gedanklich vorwegzunehmen und ihn zu akzeptieren. Das zu tun bedeutet nicht, das Leben nicht zu schätzen, im Gegenteil. Mit der Akzeptanz des Todes wächst die Wertschätzung für das Leben. Im nächsten Augenblick kann es vorbei sein. Wir wissen nicht, wissen nie, wann es „so weit“ ist. Der Gesündeste kann im nächsten Moment die Schwelle überschreiten. Ein Unfall, ein Schlaganfall …

Ohne Tod keine Wertschätzung dessen was ist. Was sollte man auch besonders wertschätzen an etwas, das es ohnehin immer gibt? Aber – was wiederum wäre ein Leben ohne Wertschätzung? Es wäre ein Leben ohne Freude.

Ohne Wertschätzung und Freude an den Dingen wiederum keine Trauer, kein Abschiedsschmerz. Denn alles endet. Alles geht kaputt, alle Beziehungen enden, alle Lebewesen sterben. Alles vergeht, alles wird zu Staub, und ersteht neu, aus Staub. Die Trauer des Abschieds ist unabdingbar, gerade wenn man das Leben liebt. Aber die Notwendigkeit und die Einsicht, dass der Tod der andere Aspekt des Lebens ist, mildern diesen Schmerz.

Wie könnte man zu traurig über etwas werden, das doch die Voraussetzung für all das ist, was man liebt?

Jeden Tag dem Tod ein Stück näher

Jüngst starb ein bekannter Mann in hohem Alter, und es wurde bekannt, dass es dessen Philosophie war zu sagen: „Jeden Tag geht man ein Stück weiter auf den Tod zu.“ Er sah somit den Tod als etwas Unabdingbares – den Todeszeitpunkt als bereits schicksalhaft festgelegt. Somit muss ihm das Leben kurz und kostbar gewesen sein.

Und tatsächlich – was man wusste: Er liebte das Leben und genoss es, wie es kam. Doch er vergeudete auch nichts, war nicht über-ambitioniert, und liebte die Dinge wie sie waren. Er liebte seine Familie, die er wertschätzte, in guten wie in schlechten Zeiten. Er war seinen Freunden ein guter Freund. In seinen Filmen siegte die Gerechtigkeit, Kinder liebten diese Filme, es waren keine zynischen Actionblockbuster. Er aß stets mit großer Freude seine Spaghetti, für die er eine besondere Soße zu kochen wusste. Das war es, was das Leben an Gutem für ihn bereithielt, und er wusste, dass er reich beschenkt war. Er nahm die guten Gaben einfach an, war dankbar. Als sich das Ende ankündigte, wusste er, dass er alles so gemacht hatte, wie zu tun es ihm möglich gewesen war. Die Begrenztheit des Lebens, die Notwendigkeit der Begrenztheit in allen Dingen und auch des Lebens selbst, nahm er an, wusste von ihr, und litt wohl nicht zu sehr daran.

Der Mann hieß Bud Spencer, er war Teil des humorvollen Filmduos Bud Spencer / Terence Hill und eigentlich nicht dafür bekannt, besonders tiefgründig oder philosophisch zu sein. Und doch war er es. Gerade in der Einfachheit ist oft das Tiefgründige zu finden, so wie im Stillen oft das Eindringliche ist.

 

 

Warten auf den Tod – jeden Tag dem Tod ein Stück näher was last modified: September 30th, 2016 by Henrik Geyer

Gender-Bending im Alltag

männlich / weiblich / Gender-Bending [SPID 4069]

Gender-Bending, das ist Ausdehnen der Geschlechtsgrenzen über das normale (bekannte) Maß. Gender-Bending bedeutet zum Beispiel in der Modewelt, dass Männlein und Weiblein ihre Klamotten tauschen, bzw. dass das, was bisher für Frauen kreiert wurde, nun für Männer gemacht wird, in ein wenig abgewandelter Form natürlich. Und natürlich auch umgekehrt, Männerklamotten für Frauen (was ja bisher schon nicht ungewöhnlich war, man denke an den Siegeszug der Jeans-Hose). Gender-Bending bedeutet irgendwie ein weiteres Stretching des Genderwahnsinns.

Genderdenken bedeutet beim Fahrenlernen beispielsweise, man solle ja nicht denken, „der Fahrer“ sei unbedingt männlich, sondern jeder soll wissen, der Fahrer, der kann jedes Geschlecht haben(!) – daher muss nun in der STVO stehen: „Der Fahrer oder die Fahrerin“, oder „der/die Fahrer-in“, oder so ähnlich. Vielleicht muss die STVO in naher Zukunft noch ergänzt werden mit: “ … oder das selbstfahrende Auto (Neutrum).“

Und jetzt, mit dem Gender-Bending, soll man sich nicht nur denken dass jedes Geschlecht alles tun kann, sondern jetzt kann sich jedes Geschlecht auch in jedes andere Geschlecht wandeln.

Mir fällt in diesem Zusammenhang der Name Kris Jenner ein, ein Verwandter (Vater?) von Kim Kardashian. Mir fällt der Name Jenner vielleicht auch deshalb ein, weil Jenner und Gender so einen Gleichklang haben. Herr Jenner jedenfalls hatte sich vor einigen Jahren entschlossen, sich zur Frau umgestalten zu lassen, weshalb man eigentlich nun von Frau Jenner, Mutter von Frau Kardashian, sprechen muss. Ich weiß es wirklich nicht genau, glaube nur, dass er (sie) den Namen Kris einfach beibehalten hat, denn der passt ja zu beiden Geschlechtern. Jüngst las ich nun, dass sich Frau Jenner wieder zurückwünscht in das männliche Fach. Übelzunehmen ist es ihr nicht, denn erst wenn man beide Seiten kennt, hat man sicherlich auch Einsicht in die entscheidenden Unterschiede, und kann überhaupt mitreden.

Jedenfalls macht Kris Jenner deutlich, worauf Gender-Bending schließlich hinauslaufen kann, insbesondere, wenn sich die chirurgischen Möglichkeiten weiter so rasant entwickeln und irgendwann mit ähnlicher Selbstverständlichkeit in Anspruch genommen werden, wie heute Brustvergrößerungen. Dann heißt es irgendwann nicht mehr nur „Silikonbeutel rein, Silikonbeutel raus“, sondern auch Switching zwischen den Geschlechtern … und zwar immer wieder hin und her. Ein beunruhigender Gedanke.

Doch auch in unserer Familie ist Gender-Bending zu beobachten. Innerhalb der Familie hatte sich vor einiger Zeit eine Gruppierung gebildet, die durch gemeinsames Rufen von „Frauenpower!!“ ihrem Zusammenhalt äußerlich Stimme verlieh. Teil dessen waren zunächst meine Frau und meine Tochter. Als diese Bewegung immer mehr Momentum bekam, fing ich an, als Gegengewicht das maskulistische „Männerpower!“ zu rufen, und zu versuchen, dass mein großer Sohn in die entgegengestreckte Hand zum Zeichen der Verbundenheit einschlägt. Das gelang auch zunehmend besser, schließlich war sogar der Zweijährige mit von der Partie und rief fröhlich „Mennapauaaa“. Das war schon recht ernst zu nehmen, und man sah zunehmend sorgenvolle und zerfurchte Gesichter auf der Gegenseite. Hier entwickelte sich also etwas in die richtige Richtung. Weniger erfreulich war hingegen, dass insbesondere der Zweijährige ebenso einfach dazu zu bewegen war, bei den Frauen mitzumachen; dann hieß es eben „Frauenpauaaaa!“. Ihm war es scheinbar völlig egal!

Als ich neulich mit beiden Frauen zusammen am Tisch saß und es zur Erörterung gegensätzlicher Themen kam, ergriff ich plötzlich einem Impuls folgend die Seite der Frauen und rief „Frauenpower!“ und hielt meiner überraschten Frau die Hand zum High Five hin. Verblüfft schlug sie ein, während meine Tochter sie noch mahnte: „Das kann man doch nicht …“

Doch, man kann. Mann kann. Das ist eben die Macht des Gender-Bending. Es hält immer mehr Einzug in den Alltag. Wer Gender-Bending beherrscht, hat Power. Nicht Frauen-Power, nicht Männer-Power, sondern Gender-Bending-Power. Wer klug ist, bendet.

Gender-Bending im Alltag was last modified: Oktober 3rd, 2016 by Henrik Geyer

Menschliche Macht und Ohnmacht – Was kann ich für Dich tun?

Göttliche Verbindung, Erschaffung Adams [SPID 3993]

In diesem Artikel geht es um den Bob Dylan – Song What can I do for You? Es geht in diesem religiös geprägten Song um die Ohnmacht des Menschen, die gerade in seiner Illusion eigener göttlicher Allmacht liegt.

Menschliche Macht und Ohnmacht  – What can I do for You?

Der Titel What can I do for You? ist einer der schönsten Songs des großen Musikers und Lyrikers Bob Dylan. 

Der Song entstammt dem Album Saved (Errettet), das eines von 3 Alben aus Dylans „religiöser Phase“ ist. Zu dieser Phase werden auch die Alben Slow train coming und Shot of love gerechnet.

Die „religiöse Phase“ in Dylans Leben kennzeichnet eine Zeit um 1980, in der er sich der christlichen Religion zu wandte. Nach dieser Phase blieb Dylan spirituell, jedoch drückte er in seinen Songs weniger explizit religiöse Überzeugungen aus. Er unterschied fortan zwischen Spiritualität, die er grundsätzlich in sich findet, und der menschengemachten, regulierten Religiosität der Denkvorschriften.

Die Lyrics

Dylan ist ein Suchender. Der Song What can I do for You? drückt das Ende einer Suche aus – Dylantypisch in wunderschönen Worten. In der Nähe zum Höheren findet er alle Antworten derer er bedarf. Antworten auf alle Fragen auch, die man überhaupt stellen kann.

Du hast mir alles gegeben.
Was kann ich für Dich tun?
Du hast mir Augen gegeben, zu sehen.
Was kann ich für Dich tun?
Hast mich aus Fesseln erlöst und mich innerlich erneuert.
Du stilltest einen Hunger der immer verleugnet wurde.
Du öffnetest eine Tür, die niemand schließen kann, und öffnetest sie so weit.

Das Ende der Suche ist für Dylan eine Unterordnung. Er ist zwar im Besitz aller Antworten, aber dennoch nicht Herr der Welt: Was kann ich für Dich tun?

Das Göttliche, mit dem er sich verbündet, und das ihn mächtiger macht, als er je sein konnte, erfordert seine Unterordnung. Warum? Weil aus dieser Verbindung erst begriffen werden kann, dass die Illusion der Macht die Quelle des Leidens ist.

Im Song kommt die Überzeugung zum Ausdruck, dass die Anerkenntnis des Höheren selbst Antwort ist auf alle Fragen. Die Täuschung, der der Mensch stets unterliegt, und die ihn leiden lässt, ist die Illusion der Selbstmächtigkeit. Er, der Mensch, sich als Krone der Schöpfung verstehend, verzweifelt an den Dingen, die doch aus ihm kommen, die er aber nicht beherrscht. Sondern die ihn beherrschen. Man denke an frühere Dylan Songs wie Blowin‘ in the wind: „Wie viele Tote braucht es damit man versteht, dass es zu viele sind?“

Ich finde diese Passage besonders schön:

Sobald ein Mensch geboren wird, beginnen die Funken zu fliegen.
Er wird schlau in seinen eigenen Augen, und er ist dazu gemacht, diese Lüge zu glauben
Wer würde ihn erretten, von dem Tod, den er sterben wird?
Nun, Du hast all das getan und niemand kann vorgeben mehr zu tun.
Was kann ich für Dich tun?

Und: Dylan bekennt sich zu der Verbindung. Indem er sagt:

Mich stört es nicht, wie schwer die Straße ist. Zeig mir, wo sie beginnt.

 

Einen ähnlichen Ansatz zur Frage menschlicher Selbstüberschätzung, menschlicher Macht und Ohnmacht, fand ich in einem Ausspruch Goethes (aufgeschrieben von seinem Freund Eckermann). Zitat:

Gott hat sich nach den bekannten imaginierten sechs Schöpfungstagen keineswegs zur Ruhe begeben, vielmehr ist er noch fortwährend wirksam wie am ersten. Diese plumpe Welt aus einfachen Elementen zusammenzusetzen und sie jahraus jahrein in den Strahlen der Sonne rollen zu lassen, hätte ihm sicher wenig Spaß gemacht, wenn er nicht den Plan gehabt hätte, sich auf dieser materiellen Unterlage eine Pflanzschule für eine Welt von Geistern zu gründen. So ist er nun fortwährend in höheren Naturen wirksam, um die geringeren heranzuziehen.« Goethe schwieg. Ich aber bewahrte seine großen und guten Worte in meinem Herzen.

 

Der Song What can I do for You? ist aus meiner Sicht der schönste des Albums Saved. Er lässt uns zu einer herrlichen, spirituell-eindringlichen Musik, zu Fragen eigener Macht und Ohnmacht nachdenken. 

Es lohnt sich, ihn sich auch einzeln downzuloaden.

 

 

 

 

Menschliche Macht und Ohnmacht – Was kann ich für Dich tun? was last modified: September 28th, 2016 by Henrik Geyer