Interview mit der spirituellen Autorin und Verlegerin Petra Milkereit

Petra MilkereitSpireo: Liebe Petra, ich kenne Dich als Betreiberin Gründerin eines spirituellen Verlages, des Lyrika-Verlages, und Autorin. Du lebst in Schleswig Holstein, in einem kleinen Ort an der Ostsee. Als Schriftstellerin hast Du nun bereits einige Bücher gestaltet, als Verlagsleiterin des Lyrika Verlages bist Du mit Herz bei der Sache, nimmst viel Zeit und Geld in die Hand.

Was hält eigentlich Dein Mann von Schriftstellerei und Spiritualität?

Mein Mann hat erst einmal tief durchatmen müssen, als ich 2011 meine ersten Gedichtbände veröffentlichte, damals noch in A4 und ohne ISBN und Verlagsnamen.

Ich war 54 Jahre alt, als ich diese neue Tür aufstieß und den Weg vertrauensvoll zu gehen begann und ich bin ein Beispiel dafür, dass es jenseits der Fünfzig nicht einen Stillstand geben muss oder, was noch schlimmer wäre, Rückschritt. Die Welt ist so voller Gefühle und dem Wissen um deren Wertigkeit, man muss sich nur mit einem offenen Herzen auf die Reise dorthin begeben.

Und mein Mann geht diese Wege mittlerweile gerne mit mir gemeinsam.

Spireo: Ist es eine „spirituelle Arbeit“, Verlagsleiterin eines spirituellen Verlages zu sein? Oder ist es ein ganz normaler Beruf – und ist man somit (vielleicht ungewollt) den Chancen und Widrigkeiten der materialistischen Wirtschaftswelt ausgeliefert?

Ausgeliefert habe ich mich nie gefühlt. Als ich den Lyrika-Verlag 2012 für meine eigenen Bücher ins Leben rief, war mir von Beginn an klar, dass es mit diesem Namen nicht einfacher sein wird, in diesem riesigen Meer von Buchveröffentlichungen wahr genommen zu werden. Das, was ich schreibe, meine Thematik Geschichten über Gefühle zu schreiben, von denen zumal sehr viele Texte in Gedichtform gefasst sind, macht die Lyrika-Publikationen  zum Nischenangebot.

Und ja, es ist spirituelle Arbeit, die Frontfrau des Lyrika-Verlags zu sein, da wir Autorinnen in sehr engem Kontakt und Austausch stehen. Uns alle verbindet die Basis dessen, was in unsere Texte einfließt: Gefühle in Worte zu fassen und sie zu reflektieren. Daher liegt es auf der Hand, dass auch in unseren Gesprächen vieles oftmals bis sehr in die Tiefe thematisiert wird.

Spireo: Das Verlagsgeschäft heute ist hart – das weiß man von großen und etablierten Verlagen. Du hast Deinen Lyrika-Verlag vor 4 Jahren neu gegründet. Ist das Verlegen schwierig? Was macht es schwierig?

Da der Lyrika-Verlag bisher fast ausschließlich Druckausgaben veröffentlicht hat, ist das Verlegen vor allem eines: es ist die bereicherndste Arbeit, die ich mir vorstellen kann. Bereichernd deshalb, weil auch bei der Gestaltung des Buchlayouts intensiv in Gemeinschaft an jedem Buch gefeilt wird.

Das Bildmaterial auszuwählen, das die jeweiligen Texte vertiefend begleitet, die dadurch entstehenden Kontakte auch zu Fotografen und Künstlern, das Spiel mit Schrift und Farbe – das alles möchte ich nicht mehr missen!

 

Dieses Gespräch ist Teil des Buches:


Was ist Spiritualität?

Was bedeutet Menschen Spiritualität? Wozu ist sie gut? Wie leben Menschen Spiritualität? Ist Kreativität spirituell? Kann Spiritualität heilen? Was bedeutet Tod?.
Henrik Geyer führte Gespräche mit spirituellen Menschen – mit Stefan Blankertz, Dr. Ruediger Dahlke, Catharina Fleckenstein, Ralf Hillmann, Cristina Holsten, Petra Milkereit, Werner Szendi, Pascal Voggenhuber

Interview mit der spirituellen Autorin und Verlegerin Petra Milkereit was last modified: Oktober 20th, 2016 by Henrik Geyer

Verantwortung für das, was du dir vertraut gemacht hast

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Du hast Verantwortung für das, was du dir vertraut gemacht hast.Antoine de Saint-Exupéry

Du hast Verantwortung für das, was du dir vertraut gemacht hast… Was bedeutet dieses wunderschöne und vielsagende Zitat von Antoine de Saint-Exupéry?

Im Text

Im Buch „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry? – einem wunderschönen Kinderbuchklassiker – begegnet der kindliche Held, der kleine Prinz, einem Fuchs. Der Fuchs erklärt dem kleinen Prinzen seine Weisheit: die Dinge der Welt, was es auch sei, beispielsweise die Freundschaft zwischen beiden, die Freundschaft eines Jungen zu dem einen Fuchs als nur einem unter tausenden Füchsen … macht den Fuchs und den Jungen füreinander so besonders. Ebenso der Anblick der einen Rose, als einer unter tausenden, macht diese eine Rose zu etwas Besonderem.

 »Adieu«, sagte der Fuchs. »Hier mein Geheimnis. Es ist ganz einfach: man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.«

»Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar«, wiederholte der kleine Prinz, um es sich zu merken.

»Die Zeit, die du für deine Rose verloren hast, sie macht deine Rose so wichtig.«

»Die Zeit, die ich für meine Rose verloren habe …«, sagte der kleine Prinz, um es sich zu merken.

»Die Menschen haben diese Wahrheit vergessen«, sagte der Fuchs. »Aber du darfst sie nicht vergessen. Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast. Du bist für deine Rose verantwortlich …«

»Ich bin für meine Rose verantwortlich …«, wiederholte der kleine Prinz, um es sich zu merken.

Ähnliches Thema: Artikel Man sieht nur mit dem Herzen gut. Die Bedeutung dieses wunderbaren Zitates

Verantwortung tragen

Verantwortung – d.h. die Fähigkeit und die Verpflichtung, bzgl. einer Sache zu antworten, Zeugnis abzulegen, zuständig zu sein. Ebenso im Englischen: Responsibility – die Verantwortung. Response – die Antwort.

Antworten – wem gegenüber? Vielleicht einer höheren Instanz. Vielleicht dem Schöpfer. Vielleicht dem eigenen Gewissen gegenüber.

Das  Leben wird bestimmt durch das, was man kennt

Was immer wir kennenlernen – das Fremde – es kann uns nie völlig fremd sein. Es enthält immer Anteile von uns selbst, denn wir sehen alles durch die Brille der eigenen Begriffe, also dessen, was wir bereits wissen, was wir kennen, bzw. der Worte über die wir verfügen.

Es ist die Funktionalität unseres Bewusstseins, dass letztlich jeder die ganz eigenen Vorstellungen von der Welt hat (Ich-Universum).

Man kann nicht alles kennen, man kann nicht alles kennenlernen

Unsere Welt endet dort, wo die Aufmerksamkeit endet. Unsere Welt endet dort, wo unsere Zeit endet. Unsere Welt endet dort, wo unsere Begriffe für die Welt enden.

Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.
Ludwig Wittgenstein

Sich dieser Begrenztheit bewusst zu werden, sich des schmalen Grates der Aufmerksamkeit bewusst zu werden, mit der ein jeder die Welt sieht, bedeutet, die Welt, so wie sie sich gerade im Augenblick darstellt, schätzen zu lernen. Sich der Verantwortung bewusst zu werden, Aufmerksamkeit zu schenken. Wem schenkt man sie? Welche Sache, welches Thema ist wichtig genug, dass man damit die kostbare Lebenszeit verbringt?

Umgekehrt bedeutet es Vergebung, Absolution, und damit ein Stück Seelenfrieden: man kann nicht für alles Verantwortung tragen – des Menschen Welt ist begrenzt. Wer klug ist akzeptiert das und weiß es zu nutzen, anstatt daran zu verzweifeln.

Wir Menschen können ohnehin nur kleine Dinge tun. Aber wir können diese kleinen Dinge mit Liebe tun.
Mutter Theresa

Spirealismus

Nebenbei gesagt ist der Grundsatz, dass es nichts Objektives gibt, und dass daher im Umkehrschluss die Dinge aus der individuellen Betrachtung erst ins Entstehen kommen, ein spirealistischer. Insofern erklärt sich das Geheimnis des Fuchses als die Funktionalität unseres Bewusstseins: Wir beurteilen die Dinge immer nur mit den eigenen Begriffen; sie (die Dinge) können uns nie etwas anderes sein, als das Resultat der eigenen Anschauung. Was wir denken, worauf wir uns fokussieren, womit wir vertraut werden – das ist unsere Welt.

Sich dieser Tatsache bewusst zu werden, dazu fordert der Fuchs auf. Ebenso dazu, die Verantwortung zu sehen, was man sich im Leben vertraut macht. „Alles“ kann es nie sein. Was man sich vertraut machen kann, das ist immer nur wenig, ist immer nur begrenzt.

Zugleich fordert der Text auf, diese Begrenztheit anzunehmen, sie mit Liebe und bewusster Verantwortung zu erfüllen.

Wir selbst, wie auch die Dinge, kommen als Relation in das Entstehen.

Als Beispiel hierfür möchte ich ein Kind anführen. Es spürt die Liebe und Wertschätzung, die man ihm gegenüberbringt und es wächst daran. Sein Selbstbild – und damit letztlich alles, was ihm im Leben widerfahren kann – bildet sich aus dem, was es aus seinem Gegenüber (besonders den Eltern) über sich selbst erfahren kann. Wenn man sich als Eltern dieser Tatsache bewusst ist, dann kann man diese Verantwortung besser spüren, man kann die gegebene Zeit mit Liebe und Glück erfüllen. Man wird sich wohl gleichzeitig der Begrenztheit dessen, was man überhaupt in der Lage ist zu tun, sehr bewusst werden, und wird sich umso mehr freuen, dass man Zeit mit einem geliebten Wesen verbringen darf …

 

Weiterlesen: Beitrag Danke sagen – sag „danke“ zur Welt und erhalte ein „gern geschehen“

Weiterlesen: Glaube Liebe Hoffnung – ohne Glauben geht nichts

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Verantwortung für das, was du dir vertraut gemacht hast was last modified: Juni 1st, 2016 by Henrik Geyer

Die Zahl Null ist ETWAS

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Das ist die Zahl Null. Sie ist nicht nicht da!

Die Zahl Null ist ein Begriff, der sich in unser materialistisches Weltbild nahtlos einfügt – in unsere Systematik des Denkens. Daher erscheint uns die Zahl Null aus anderer Perspektive rätselhaft und widersprüchlich, ich möchte in diesem Artikel kurz darlegen, warum.

Ähnliches Thema: Beitrag Was ist das Nichts? als Grundfrage der Philosophie.

Die Zahl Null bezeichnet ETWAS

Es ist uns nicht gegeben, uns wirklich das Nichts vorzustellen, aus diesem Grund ist uns der Tod ebenso rätselhaft wie der Begriff der Unendlichkeit.

Die Zahl Null repräsentiert, unserer materialistischen Weltanschauung entsprechend, und ganz folgerichtig, eigentlich das Nicht-Vorhandensein von ETWAS. Sie entspricht nicht dem Nichts.

 

Nehmen wir eine simple Rechenoperation wie die Multiplikation. Wenn wir ETWAS multiplizieren, dann addieren wir dieses ETWAS so viele Male zu sich selbst hinzu, wie es der Faktor verlangt.

x * 0 = 0, das bedeutet, von der irgendeiner Sache, die bereits  x mal vorhanden ist, gibt es kein Vorkommen. Also letztlich keinmal die Sache. Was damit gezeigt werden soll, ist, dass die Mathematik zwar von der eigentlichen Sache abstrahiert, ohne irgendeine Sache, die letztendlich benannt wird, wäre Mathematik aber sinnlos. Es geht daher bei den Zahlen um die Sache .. um die Dinge unserer Vorstellungen. Das gilt auch für die Null.

Die Zahl Null bezeichnet also nicht Nichts.

Die Zahl Null und die Unendlichkeit

Auf ganz ähnliche Weise rätselhaft ist uns das Unendliche. Es ist ebenfalls ein Begriff aus der Systematik der Zahlen, daher bezeichnet der Begriff des Unendlichen das Nicht-enden-wollende-Vorhandensein von ETWAS.

„Gibt“ es das – ETWAS, das kein Ende nimmt? Woher soll man das wissen, wo es doch (für uns Menschen) kein Ende nimmt?

Auf ganz ähnliche Art lässt sich fragen:

„Gibt“ es das – ETWAS, das gar nicht da ist? Woher soll man das wissen, wenn es doch nicht vorhanden ist? Jedoch – wenn man ETWAS  denkt, dann ist es bereits da – und zwar im Denken. Das eigentliche Nichts ist das nicht, denn das Nichts wäre etwas, das nicht gedacht wird. Die Null FÜR ETWAS kann es nur geben, wenn es ETWAS gibt. Und wenn dieses ETWAS die Zahl Null selbst wäre.

 

So schließt sich der Kreis. Die Zahl Null und das Unendliche haben vieles gemeinsam. Im eigentlichen Sinn können wir sie nicht erfassen. Sie können nicht im eigentlichen Sinn stellvertretend für Existenz sein, so, wie wir (materialistisch) Existenz verstehen.

Im Grunde sind sie gleich: die Unendlichkeit ist zugleich das Nichts, weil wir es nirgendwo sehen. Und das Nichts ist wiederum in Unendlichkeit „da“ – für uns Menschen allerdings unsichtbar. Es ist alles das, was wir nicht denken.

Die Rätselhaftigkeit der Zahl Null in der materialistischen Sichtweise ist sehr verwandt mit den Rätseln der Zahl Eins.

Siehe auch: Die Zahl Eins

Lesen Sie auch: Beitrag Das Unendliche. Was ist unendlich?

Weiterlesen: Beitrag Was ist unendlich? Nachdenken über das Endliche und die Unendlichkeit

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Im Grunde sind Unendlichkeit und Nichts gleich: die Unendlichkeit ist zugleich das Nichts, weil wir es nirgendwo sehen. Und das Nichts ist wiederum in Unendlichkeit "da", wenn auch für uns Menschen unsichtbar. Es ist alles das, was wir nicht denken.

Die Zahl Null ist ETWAS was last modified: Mai 19th, 2016 by Henrik Geyer

Das Eine und das Andere

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Das eine kann nicht das andere sein. Das eine kann nicht ohne das andere sein.

Während es der materialistischen Sichtweise eigen ist, die Dinge in einem Außen zu sehen, und ihre (dort) definierte Existenz vorauszusetzen, ist es das Wesen des Spirealismus eben dies zu verneinen und zu sagen: Die Dinge kommen mit dem Gedanken in die Existenz. Der Spirealismus fragt: Was ist ein Ding? Was ist das Eine?

Aber auch viele (Nach-)Denker, die sich dem materialistischen Lager zurechnen lassen, also Kernphysiker wie Heisenberg, Dichter wie Goethe, stellten sich diese Frage: Was unterscheidet das Eine vom Anderen, was bringt das Eine in die Existenz, und macht die Existenz eines Zweiten notwendig … getreu dem Grundsatz

Die Grenze des einen Dinges ist zugleich die Grenze eines anderen Dinges
Anaximander, griechischer Philosoph

 

Das Eine und das Andere – was unterscheidet es? … wie kommt man überhaupt auf solche Frage?

Diese Frage ergibt sich mit Notwendigkeit, wenn man sieht, dass sich ein Ding, welches auch immer man nimmt, nicht in Vollständigkeit ergründen lässt. Wenn man wie Immanuel Kant feststellt: ein Ding „an sich“ lässt sich nicht beschreiben. Wenn man das also wahrnimmt, dass es nichts gibt, das man nicht ganz anders sehen, beschreiben, verstehen könnte (spirealistisch gesagt: Es gibt keine Objektivität) – dann fragt man sich: Was ist dieses Eine? Und was unterscheidet dieses Eine wirklich vom Anderen?

Denn das eigentliche Prinzip der Welt können diese Formen, die wir vor uns sehen, nicht sein. Das Prinzip hinter den Formen, die selbst im Unendlichen wurzeln, und quasi vor dem beobachtenden Blick ständig neu entstehen, muss ein einfaches sein, etwas immer Gültiges. Und dieses Prinzip finden wir in unserer Auffassung, denn wir Menschen sind nicht die Beobachter einer Schöpfung, die von uns abgetrennt wäre. Sondern wir selbst sind ihr Element, und daher kommt die Schöpfung in uns selbst, und ihre Prinzipien in „unserem“ Denken, zum Ausdruck. Und dieses ganz einfache Urprinzip liegt in den Worten das Eine und das Andere.

Das eine kann nicht das andere sein.

und

Das eine kann nicht ohne das andere sein.

Weiterlesen: Die Zahl Drei

Aus dem Einen und dem Anderen entsteht das Neue

Spirealismus, das ist Denken in Metaphern. Warum? Weil der Spirealismus die Dinge nicht als in einem Außen definiert sieht – Objektivität gibt es nicht. Daher ist die Welt eine Sichtweise, und eine Sichtweise ist dadurch geprägt, dass sie nicht mit einer zwingenden Unbedingtheit entsteht. Anders gesagt: Die Welt ist eine Möglichkeit, keine Notwendigkeit. Das versteht man durch Metaphorik, durch Symbolismus. Ein für seinen Symbolismus bekannter Autore ist P.D. Ouspensky ic h möchte ein Zitat einfügen aus einem Buch, in dem er psychologische Selbstversuche beschreibt, die er auf der „Suche nach dem Rätselhaften“, wie er es nannte, machte.

Er erhielt während dieser Versuche einen visionären Eindruck vom entstehen der Welt durch eine Dreiheit – das Dritte als Ergebnis der Zweiheit, Ausdruck der Differenz, der Harmonie und des gleichzeitigen Unterschiedes von Yin und Yang, der Einheit im Widerspruch, der Synthese aus These und und Antithese.

Further, there was a picture or mental image which entered into everything and appeared as a necessary part of every logical or illogical construction. This image showed two aspects, both of everything taken together, that is, the whole world, and of every separate part of it, that is, each separate side of the world and of life. One aspect was connected with the First Principle. I saw, as it were, the origin of the whole world or the origin of any given phenomenon or any given idea. The other aspect was connected with separate things: I saw the world, or those events which interested me at the particular moment, in their final manifestation, that is, as we see them around us, but connected into a whole, incomprehensible to us. But between the first aspect and the second aspect there always occurred an interruption like a gap or blank space. Graphically I might represent this approximately in the following way: Imagine that from above three lines appear from one point; each of these three lines is again transformed into three lines; each of these three lines again into three lines. Gradually the lines break more and more and gradually become more and more varied in properties, acquiring colour, form and other qualities, but not reaching real facts, and transforming themselves into a kind of invisible current proceeding from above. From below, imagine the infinite variety of phenomena collected and classified into groups; these groups again unite, and as a result great numbers of very varied phenomena are actually bound into wholes and can be expressed by one sign or one hieroglyph. A series of these hieroglyphs represents life or the visible world at a certain distance from the surface. From above goes the process of differentiation, and from below goes the process of integration. But differentiation and integration do not meet.

Außerdem gab es ein Bild, oder einen geistigen Eindruck, der als notwendiger Teil jeder … Vorstellung alles durchdrang. Dieses Bild hatte zwei Aspekte, beide zusammengenommen – das war die ganze Welt. Und die einzelnen Teile – das waren die einzelnen Aspekte der Welt und des Lebens.

Ein Aspekt war mit dem ersten Prinzip verbunden. Ich sah das Entstehen der ganzen Welt oder das Entstehen jedes Phänomens oder jeder einzelnen Idee.

Der andere Aspekt war mit verschiedenen Dingen verbunden: Ich sah die Welt, oder die Vorgänge, die mich in diesem Moment interessierten, in ihrer endgültigen Erscheinung, also wie wir sie gewohnt sind zu sehen, aber in einem Ganzen verbunden, das nicht wahrnehmbar für uns ist.

Doch zwischen dem ersten Aspekt und dem zweiten Aspekt trat immer eine Unterbrechung auf, oder ein leerer Raum.

Grafisch würde ich das wie folgt beschreiben: Man stelle sich vor, dass von oben drei Linien von einem Punkt ausgehen. Nach und nach brechen die Linien auf und variieren zunehmend ihre Proportionen, erhalten Farbe, Form und andere Eigenschaften, jedoch nicht zu realen Fakten werdend, und wandeln sich zu einer Art unsichtbaren von oben kommenden Strom. Von unten, muss man sich vorstellen, erscheint eine unendliche Vielfalt von Phänomenen, die eingeteilt und geordnet sind in Gruppen; und diese Gruppen wiederum verbinden sich, und als Resultat können sich große Mengen an verschiedenen Phänomenen verbinden, und werden so zu Zeichen oder Hieroglyphen. Eine Reihe dieser Hieroglyphen repräsentiert das Leben oder die sichtbare Welt in einer gewissen Entfernung von der Oberfläche. Von oben erfolgt der Prozess der Differenzierung, von unten der Prozess der Integration. Aber Integration und Differenzierung treffen nicht zusammen.

Ähnliches Thema: Beitrag Dreifaltigkeit – Interpretationen

 

Das eine und das Andere – die alles antreibende Differenz

Das Eine muss das Andere mit sich bringen, weil sich ein Ding oder ein Thema, ein Gedanke oder eine Höhe, eine Spannung oder ein Punkt im Raum, immer nur definieren lässt als ein Unterschied zu etwas anderem.

Zugleich ist dieses Andere naturgemäß anders, das bedeutet, es gibt den schon erwähnten Unterschied, die Differenz zwischen beiden.

Die Differenz wiederum, verstanden als eine Spannung innerhalb eines gemeinsamen Raumes oder eines Käfigs, führt dazu, dass sich eine Entwicklung ergibt. Die Kugel rollt von der schrägen Fläche herunter, die Welten ziehen sich durch Gravitationsunterschiede an, verschmelzen. Der Unterschied der Meinungen betreibt den Fortschritt des Wissens, die Pole an der Autobatterie machen es möglich dass der Motor startet.

Nebenbemerkung: Was ist dieser „Käfig“, von dem ich sprach? Materialistisch gesehen ist es das Vorkommen der Differenz in einem „gemeinsamen Zusammenhang“. Spirealistisch gesehen steht alles in Zusammenhang, es ist eher eine Frage der Wahrnehmung. Die Wahrnehmung (das was der Mensch denken kann) ist im Gegensatz zum grenzenlosen Raum der möglichen Gedanken sehr begrenzt – das sieht der Materialismus  genau anders herum, weil er annimmt, der Mensch beobachte eine von ihm außerhalb befindliche Wirklichkeit, und diese sei in ihren Möglichkeiten begrenzt, anders gesagt: materiell definiert.

So ist also das, was wir als Differenz wahrnehmen, auch nur in einem gemeinsamen Zusammenhang anzutreffen. Stünde es nicht in diesem Zusammenhang, der so unabdingbar ist wie ein Käfig, wäre es allein, und, wie gesagt, das Eine ohne das Andere ist ebenso unmöglich, wie, dass das Eine und das Andere deckungsgleich sind. In der Dialektik ist das das Prinzip des „Kampfes und der Einheit der Gegensätze“. 

 

 

Die Differenz ist das innere Prinzip des Werdens und Vergehens, aus der Differenz ergibt sich das Dritte, die Entwicklung, das Neue … das, was weder das Eine noch das andere ist. 

 

Das Eine und das Andere was last modified: Juni 1st, 2016 by Henrik Geyer

Die Zahl Drei

die Zahl Drei

Die Zahl Drei ist ebenfalls eine magische Zahl, die ich besprechen will. Wir finden die Zahl Drei in so vielen Zusammenhängen, als symbolträchtig, wunderwirksam, metaphorisch.

Man denke nur an die vielen Zitate, Märchen, oder Literatur, Wissenschaft, in denen die Zahl Drei eine wichtige Rolle übernimmt: drei Wünsche hast du frei, Drei Schwestern, dreidimensionaler Raum …

Als Beispiel für einen in der Literatur gebräuchlichen Dreisatz folgendes Zitat:

Es sind drei Kronen: des Richters, des Priesters, des Königs, aber die Krone eines guten Namens ist höher als alle.
Talmud

Oder man denke an die Dreiheit der Zeit: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, die ihre Personifizierung wiederum in diversen Göttern findet. Wie z.B. den germanischen Schicksalsgöttinen, den Nornen .. Urd (Vergangenheit), Werdandi (Gegenwart) und Skuld (Zukunft).

Vision des Ouspensky: die Zahl Drei

Weiterlesen: Artikel Die Zahl Zwei

Wie schon in den Betrachtungen zur Zahl Zwei besprochen, hat P.D. Ouspensky in psychoanalytischen Selbstversuchen Visionen einer Welt entwickelt, deren (geistige) Grundprinzipien nichts mit den materiellen Anordnungen zu tun haben, die wir gemeinhin als unser Außen begreifen. Aus spriealistischer Sicht handelt es sich um Variationen der hermetischen Prinzipien. Oder als Variation der Hegelschen Dialektik, in der sich aus These und Antithese die Synthese ergibt.

Zum Verständnis …

Die nachstehenden Erörterungen werden für den Lesenden vielleicht wenig Sinn machen, wenn er nicht Folgendes bedenkt:

Es ist das grundlegende spirealistische Verständnis, das auf diesem Blog besprochen wird, dass die Welten geistiger Natur sind. Die Materie im Außen zu beobachten bringt in diesem Zusammenhang wenig, da die eigentliche Quelle aller Natur, allen Begreifens, Geist ist.

Das,  was wir als unser tägliches Bild des Außen sehen, ist daher wie ein Schatten an der Wand einer Höhle. Siehe auch Höhlengleichnis von Plato: Artikel Martin Eden – die negative Seite der Erkenntnis

Das Eigentliche, das sich dem täglichen Blick verbirgt, ist die Kraft hinter den Erscheinungen – darum ging es auch Ouspensky. Ouspensky machte sich explizit auf die „Suche nach dem Rätselhaften“. Die Sichtweise auf die Dinge, diese enthielten Rätselhaftes, ist etwas, das sich erfahrungsgemäß dem Materialisten nicht erschließt. Es beginnt mit der Zahl Eins … der Suche nach dem Objektiven, der Suche nach dem Ding „an sich“ (Kant), etc..

Aus spirealisticher Sicht ist die Welt immer ein Gedanke an eine Welt – man kann also abseits von Vorstellungen ohnehin keine Welt „vor sich sehen“. Letztlich trifft das auf die wissenschaftliche Vorstellungswelt ebenso zu wie auf die spirituelle. Die Unbegreiflichkeit dessen aus materialistischer Sicht macht die klare Bildsprache z.B. eines Ouspensky so wertvoll, ohne die klare mathematische Sprache z.B. eines Einstein damit zu schmälern.

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Fundamentale Rolle der Zahl Drei

A new model of the universe
Die Zahl Drei spielte eine sehr wichtige Rolle in der Welt, die ich fand. In einer unserer Mathematik unzugänglichen Weise durchdrang sie alle Relationen zwischen den Größen, erschuf sie und entsprang ihnen. Alles zusammen, das gesamte Universum also, erschien manchmal in der Form einer Triade, die ein Ganzes ergibt, und aussieht wie ein riesiges Dreiblatt. Und jedes Element der Triade wurde durch einen innerlichen Prozess wiederum in eine Triade gewandelt, und dieser Vorgang setzte sich fort, bis alles voller Triaden war, die sich in Musik, oder Licht, oder Muster wandelten.

The number ” three ” played a very important part in the world in which I found myself. In a way quite incomprehensible to our mathematics it entered into all the relations of magnitudes, created them and originated from them. All taken together, that is, the entire universe, sometimes appeared in the form of a ” triad “, composing one whole, and looking like some great trefoil. Each part of the ” triad “, by some inner process, was again transformed into a ” triad “, and this process continued until all was filled with ” triads “, which were transformed into music, or light, or designs.Read more at location 6020 • Delete this highlight

Die Zahl Drei – das Welten-erschaffende Element

Die ewig bleibende Konstellation des Unterschiedes, der die Welten antreibt, stellt sich uns als ein Widerspruch zweier Elemente dar. Diese beiden Elemente sind symbolhaft gezeichnet als die Zahl Eins (das Eine) und die daraus folgende Zahl Zwei (das Andere/das, was nicht Eins ist).

Der Prozess des Entstehens von Welt benötigt nun das daraus Resultierende, das Dritte, repräsentiert durch die Zahl Drei. Anders ausgedrückt: aus These und Antithese resultiert die Synthese. Die Synthese ist weder identisch mit der These, noch der Antithese – sie ist etwas Drittes, etwas Neues.

Man sehe sich beispielsweise einen politischen Prozess an. Aus dem Widerstreit der Parteien zu einem bestimmten politischen Thema resultiert nie der ganz klare Sieg nur einer Seite. Sondern was resultiert, ist die Verbindung der beiden strittigen Seiten zu etwas Drittem.

Oder man sehe diesen Prozess bei sich selbst. Aus dem Widerstreit der innerlichen Ideen resultiert schließlich ein Handeln, das etwas Drittes in die Welt bringt. Es ist niemals die genaue Umsetzung einer Idee, sondern es ist das Element der eigentlichen Schöpfung, anders zu sein, neu zu sein, nie genau etwas Vorhandenes zu sein. Kreative Menschen beobachten diesen Prozess genau, und wissen, dass das Kreative immer das Unvorhersagbare enthält – kreative Menschen suchen das geradezu.

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In ordinary life we think by thesis and antithesis; always and everywhere there is ” yes ” or ” no “, ” no ” or ” yes “. In thinking differently, in thinking in a new way, in thinking by means of signs of things, I came to understand the fundamental errors of our mental process. In reality, everywhere and in every case there were not two but three elements. There were not only ” yes ” and ” no “, but ” yes “, ” no ” and something else besides. And it was precisely the nature of this ” third ” element, inaccessible to the understanding, which made all ordinary reasonings unsuitable and demanded a change in the basic method. I saw that the solution of all problems always came from a third, unknown, element, that is to say, it came from a third and unknown side, and that without this third element it was impossible to arrive at a right solution.

Im normalen Leben denken wir in den Begriffen von These und Antithese; immer und überall ist da dieses “ja” oder “nein”, “nein” oder “ja”. Indem ich davon abwich, indem ich davon verschieden dachte, indem ich symbolhaft dachte, verstand ich die fundamentalen Fehler unseres mentalen Prozesses (Denkens). In der Realität, überall und in jedem Fall, gab es nicht zwei, sondern drei Elemente. Es gab nicht nur „ja“ und „nein“, sondern „ja“, „nein“, und noch etwas weiteres dazu. Und es war ebendie Natur dieses „dritten“ Elementes, dem Verstand unzugänglich seiend, das alle normalen Überlegungen unpassend machte und eine Änderung der fundamentalen Methode erforderte.

Ich sah, dass die Lösung aller Probleme immer ausging von einem dritten, unbekannten Element, oder besser, es kam von einer dritten, unbekannten Seite, und dass es ohne dieses dritte Element nicht gelingen konnte, die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Trinität – die Dreifaltigkeit

Gott ist dreifach von Person und doch einfach von Natur. Gott ist auch an allen Orten, und an jedem Ort ist Gott ganz. Das will so viel sagen, daß alle Orte ein Ort Gottes sind.
Meister Eckhart

Die Zahl Drei hat in spirituellen Denkweisen eine sehr große Bedeutung – man denke nur an die Dreifaltigkeit, die Trinität, die Dreifachheit Gottes – als der Vater (Gott), der Sohn (Jesus) und der heilige Geist.

Über die Interpretation dieser Trinität hat sich schon so mancher Gedanken gemacht. Worin liegt ihre Logik? Worin liegt die Notwendigkeit einer solchen Dreifachheit? Hätte es nicht gereicht, nur von Gott zu sprechen?

Ich denke, auch in der Trinität kommt eben wieder dieses alles antreibende Element zum Ausdruck. Das Dritte – die Zahl Drei. Gott selbst, und sein Wesen, erschaffen die Antithese – Jesus. Jesus ist nicht, wie das Wort Antithese gemeinhin verstanden wird, ein völliger Gegensatz zu Gott, vielmehr ist er eine Gleichheit (EINHEIT und Kampf der Gegensätze). Doch sein Schicksal entwickelt sich auch aus einer seinem Vater gegenüber gegensätzlichen Position. Er muss sein leidvolles Schicksal auf sich nehmen, und darf sich dessen nicht entheben. Erst daraus ergibt sich das Neue – repräsentiert auch durch den heiligen Geist, der in allem ist, und dessen Wirken wir erst durch das Wahrnehmen der Gegensätze spüren. Es ist uns nur gegeben die Dinge zu sehen, das Einzelne – das eine und das andere. Das Dritte kommt durch uns selbst in die Welt, denn wir sind (spirealistisch gesehen) nicht die Beobachter der Schöpfung, sondern ihre Elemente.

These Antithese Synthese

Diese Verbindung der Gegensätze in Einem – das ist auch das Grundverständnis der Dialektik (übrigens auch der Yin-Yang-Beziehung), eines geistigen Welt-Prinzips, aus dem sich in der Verbindung gegensätzlicher Positionen das Neue ergibt. Das Wichtige an diesem Gedanken ist die Verbindung. Anders ausgedrückt: Gegensätze, die nicht miteinander verbunden sind, erschaffen nicht. Die Zahl Drei als das Resultierende kann nur aus dem Zusammenwirken von Gegensätzen entstehen. Ohne Eins und Zwei keine Drei.

 

Nebenbemerkung: In der spirealistischen Sichtweise ist alles mit allem verbunden, etwas Einzelnes im eigentlichen Sinn kann es nicht geben. Daher ist, wenn man einmal diesen spirealistischen Grund-Gedanken verinnerlicht hat, die Sichtweise auf das Einzelne, die einem so oft in der materialistischen Weltanschauung begegnet, recht merkwürdig. Vielmehr wird die Sicht auf das Einzelne transformiert zu einem Bewusstsein für die Tatsache, das jedes Ding vielfältig und symbolhaft in seinem Wesen ist.

Doch ist es nun einmal so, dass es dem Menschen nur gegeben ist, das Einzelne wahrzunehmen, in einem Gedanken … repräsentiert durch die Dinge, oder durch die Zahl Eins. Die uns manchmal paradoxe Verbindung zu etwas Drittem, das in allem ist, aufzudecken, ist der Kunst vorbehalten, in ihren Ahnungen und Visionen.
Weiterlesen: Artikel Die Zahl Drei

Siehe auch: Antithese – nicht völlig gegensätzlich

 

Die Zahl Drei was last modified: Mai 28th, 2016 by Henrik Geyer

Dreifaltigkeit – Interpretationen

Dreifaltigkeit: Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Das Dritte. Es ist nicht das Eine, und nicht das Andere.

Artikel über den Begriff der Dreifaltigkeit.

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Das eine kann nicht das andere sein. Das eine kann nicht ohne das andere sein.

Im Artikel über die Zahl Drei ging es um das Wesen der Welt, das aus einem nicht näher erklärbaren Grund mit der Zahl Drei zusammenhängt, was sich in vielerlei Sichtweisen wiederfindet, zum Beispiel als Synthese (3) aus These (1) und Antithese (2).

Siehe auch: Artikel Die Zahl Drei

die Dreifaltigkeit

Die Dreifaltigkeit Gottes, seine Dreifachheit, Trinität, Trinity, ist eine solche Sichtweise, das Dreifache betonend.

Gott ist eigentlich eins (alles) – sein Symbol ist der Kreis mit einem Punkt in der Mitte, was bedeutet, dass das Eine gleichzeitig Alles ist. Und dass Alles sich in Einem wiederfindet.

Gott wird auch häufig symbolisiert durch ein Dreieck in einem Kreis, was wiederum das Prinzip der Dreifaltigkeit innerhalb des allumfassenden Rahmens Gottes darstellt.

Symbol der Dreifaltigkeit

Gott ist dreifach von Person und doch einfach von Natur. Gott ist auch an allen Orten, und an jedem Ort ist Gott ganz. Das will so viel sagen, daß alle Orte ein Ort Gottes sind.
Meister Eckhart

 

So tritt Gott in der Bibel dem Gläubigen als Dreiheit (Dreifaltigkeit) gegenüber: Als Gott selbst, als sein Sohn Jesus und als Heiliger Geist. Es sind drei Formen, und doch immer derselbe: Gott.

Prinzip der Dreifaltigkeit

Das Prinzip der Dreifachheit findet sich auch im Visionären Werk P.D. Ouspenskys, Zitat aus A new Model of the Universe:

But as opposed to dead ideas which did not exist anywhere, there were on the other hand living ideas incessantly recurring always and everywhere and constantly present in everything I thought, learned and understood at that time. First there was the idea of the triad, or the trinity, which entered into everything. Then a very important place was occupied and much was explained by the idea of the four elements: fire, water, air and earth. This was a real idea, and during the experiments, in the new state of consciousness, I understood how it entered into everything and was connected with everything through the triad.

But in the ordinary state the significance and connection of these two ideas eluded me. Further, there was the idea of cause and effect. As I have already mentioned, this idea was expressed in hieroglyphs in a very definite way. But it was in no way connected with the idea of ” reincarnation “, and referred entirely to ordinary earthly life.

Aber wie als Gegenstück zu toten Ideen, die nirgendwo sonst existieren, gab es auf der anderen Seite lebendige Ideen, die immer und überall wiederkehren und stets präsent sind, in allem was ich dachte, erfuhr und zu dieser Zeit verstand. Zuerst war da die Vorstellung einer Triade, oder Trinität, die in alles eindrang. Ein weiterer sehr wichtiger Platz wurde durch die Vorstellung von den vier Elementen eingenommen: Feuer, Wasser, Luft und Erde. Dies war eine reale Vorstellung, und während der Experimente, im neuen Zustand der Bewusstheit, verstand ich, wie alles von der Triade durchdrungen und verbunden war. Doch im Normalzustand verließ mich der Sinn für die Wichtigkeit und die Verbindung dieser beiden Ideen.

Außerdem war da die Idee von Ursache und Wirkung. Wie schon gesagt war diese Vorstellung sehr deutlich in Hyroglyphen (Bildzeichen) ausgedrückt. Aber es hatte nicht mit „Wiedergeburt“ zu tun, sondern bezog sich vollständig auf das normale Erdenleben.

Dreifaltigkeit als Prinzip des Unterschiedes, aus dem ALLES ist

Ouspensky’s Vision, das drückt er auch noch an anderer Stelle aus, ist, dass sich aus zwei verschiedenen Ursachen ein Drittes ergibt.

Es ist das Prinzip des Unterschiedes – wenn es Eins gibt, dann muss es auch das Andere geben (Zwei), denn es gibt kein Eins ohne noch etwas anderes. Im spirealistischen Verständnis gibt es nichts Einzelnes – denn wie sollte es sich definieren, wenn es ganz für sich allein steht?

Die Grenze des einen Dinges ist gleichzeitig die Grenze eines anderen Dinges
Anaximander, griechischer Philosoph

Und – das versteht sich von selbst: Die Dinge unterscheiden sich untereinander, denn wie könnte man sonst von dem Einen und dem Anderen sprechen? Es ist eine Differenz vorhanden.

Das Vorkommen der Differenz schließlich ist das Prinzip der Welt, denn innerhalb der Welt vorzukommen, bedeutet für die Differenz, Wirkungen zu haben. Es ist in der Philosophie die Dialektik – die Einheit und der gleichzeitige Kampf der Gegensätze.

In der Physik ist es ein Höhenunterschied, der das Wasser zum Fließen bringt, ein Temperaturunterschied, der chemische Reaktionen bewirkt, eine Differenz der Gravitation, die Bewegung erzeugt.

In der Politik ist es der Kampf der Politiker, im Krieg der Kampf der Fronten, in der Rhetorik Rede und Gegenrede.

Die Welt als Gesamtheit des Dreifach-Prinzips

Aus der Differenz entsteht schließlich das Dritte – das Dritte macht die Dreiheit der Dinge komplett, es ist die Dreifaltigkeit, aus der unsere Welten sind. Das Dritte ist das alles durchdringende, alles verändernde Entstehen und Vergehen, angetrieben aus der Differenz. Das Dritte ist das Wesen der Welt, der alles durchdringende göttliche Geist … es ist die Dreifaltigkeit des Schöpfers in seiner Gesamtheit.

 

Weiterlesen: Beitrag Was ist Gott? Die Notwendigkeit der Götter

Siehe auch: Bild Gottes: Was ist mein Bild?

Siehe auch: Artikel Es gibt keinen Gott – sagen die einen. Es gibt ihn doch, die anderen

 

Dreifaltigkeit – Interpretationen was last modified: Mai 19th, 2016 by Henrik Geyer

Antithese – nicht völlig gegensätzlich

These, Antithese und Synthese als geometrische Figur / Vektor

Die Antithese ist in der Dialektik die der These entgegenwirkende geistige Kraft. Dass die Antithese nun nicht wirklich gegensätzlich zur These ist und sein kann, ist das Thema dieses Artikels.

Aus These und Antithese erfolgt die Synthese

In anderen Artikeln hatten wir das dialektische Konzept anhand der Zahlen Eins, Zwei und Drei besprochen.

Siehe auch: Artikel Die Zahl Zwei

Nennen wir die Eins die These, die Zwei die Antithese, dann ist die Drei die Synthese.

Die Synthese vereint die (scheinbaren) Gegensätze, und bildet daraus das Neue, das Dritte – das, was niemals eindeutig das Eine ist, und auch nicht das Andere.

In der obigen Grafik habe ich das dargestellt in einem geometrischen Konzept – dem von Vektoren, und wie sie sich in der zweidimensionalen geometrischen Vorstellung addieren. Aus zwei Vektoren wird immer etwas Drittes, der dritte Vektor (rot), als Synthese enthält er Anteile aus These und Antithese … aber er geht nie in dieselbe Richtung.

These und Antithese stehen in einer Verbindung

Dass These und Antithese vielmehr eine Verbindung sind, als ein Gegensatz, kann man sich so vorstellen: Man stelle sich zwei Planeten im Weltall vor, die viele Lichtjahre voneinander entfernt sind. Angenommen auf jedem dieser Planeten gäbe es einen Politiker, der eine These vertritt, die der These des anderen Politikers auf dem anderen Planeten widerspricht. Aus einem solchen Gegensatz, in dem die Elemente nicht zusammenkommen können, kann nicht der das Dritte erschaffende Gegensatz entstehen.

Die Tatsache, dass die Politiker in einem logischen Zusammenhang (den wir als Raum und Zeit sehen) vereint sind – das ist das verbindende Element von These und Antithese.

Mark Aurel (Mark Aurel – Stoiker, aus: Selbstbetrachtungen)

„Alles ist wie durch ein heiliges Band miteinander verflochten. Nahezu nichts ist sich fremd. Alles Geschaffene ist einander beigeordnet und zielt auf die Harmonie derselben Welt. Aus allem zusammengesetzt ist eine Welt vorhanden, ein Gott, alles durchdringend, ein Körperstoff, ein Gesetz, einVernunft, allen vernünftigen Wesen gemein, und eine Wahrheit, so wie es auch eine Vollkommenheit für all diese verwandten, derselben Vernunft teilhaftigen Wesen gibt.“

 

Die Antithese kann nicht der These genau entgegengesetzt sein

Anders als der Begriff ANTI-These vermuten lässt, ist die Antithese nie die genaue Negierung der These. Dass sie in einem Zusammenhang mit der These stehen muss, im Grunde in dieselbe Richtung geht, um etwas Drittes hervorzubringen, zeigt These und Antithese heben sich aufbereits, dass sie im Grunde dem selben Bedeutungsraum entstammt. Nur uns Menschen erscheinen die Gegensätze wie total, doch im Sinne einer unbegrenzten Möglichkeit an Variationen (das Unendliche), ist das, was wir wahrnehmen können, eigentlich durch große Gleichartigkeit geprägt. Wieder als geometrische Vektor-Darstellung ausgeführt, kann man sich völlig gegensätzliche Widersprüche vorstellen wie zwei Kräfte, die in genau gegensätzliche Richtungen wirken. Sie heben sich auf – es resultiert: Null. Keine Kraft, kein Ergebnis.

Aus spirealistischer Sicht ist ein solches Sich-Aufheben in mehrfacher Hinsicht unmöglich.  Denn erstens definiert der Spirealismus den Urgrund der Welt als geistig – und er definiert, dass die Gedanken immer unterschiedlich sind. Sie können daher mit einer Wahrscheinlichkeit Null irgendetwas Bestimmtes sein – und können auch nur mit einer ebensolchen (Un-)wahrscheinlichkeit das genaue Gegenteil von etwas anderem sein.

Lesen Sie auch: Beitrag Was ist das Nichts?

Zweitens sieht der Spirealismus „die Welten“ aus den Gedanken entstehen. Ein Stillstand, ein Sich-Aufheben der Gedanken wäre nicht wahrnehmbar. Der Spirealismus sieht den Menschen als Element der Schöpfung, nicht dessen Beobachter.

Die Antithese als Verbindung – ist das wahrnehmbar? Beispiele

Nun ist uns Menschen nun einmal das Einzelne das, was wir sehen können. Wir nehmen „die Dinge“ als getrennt voneinander wahr, als immer einzeln. Können wir auch wahrnehmen, dass sie im Unendlichen miteinander Verbindungen eingehen?

Ich denke das ist wahrnehmbar, als spirituelle Erfahrung, man könnte auch sagen als Erfahrung von Kunst, als Vision …

Als Beispiel kommt  mir der Song „Brothers in Arms“  von den Dire Straits in den Sinn – in dem die Waffenbrüder jene Soldaten sind, die sich auf verschiedenen Seiten der Front gegenüberstehen. Wer würde den anderen bekriegen, wenn eine Front fehlte? Wer wüsste besser um die Leiden des Waffenbruders, wenn nicht der Soldat auf der anderen Seite? Wer wäre so gesehen mehr ein Bruder im Geiste? Wer würde die Heldentaten des anderen unmittelbarer sehen, wer wüsste sie mehr zu schätzen? Brothers in Arms – ein sehr bewegender und wahrer Song, dessen Wahrheit sich mehr als Gefühl erschließt, denn als offensichtliche Tatsache.

 

Oder ein weiteres Beispiel:

Es ist im Spirealismus die (sicherlich schwer vorstellbare) Supersubjektivität – eben dieses dritte Element, das aus uns selbst entsteht, wo wir doch meinen, völlig voneinander unabhängige Individuen zu sein. Supersubjektivität als Beispiel: man stelle sich ein ein eigenständig denkendes Bewusstsein der Menschheit vor; die einzelnen „Gehirnzellen“ – das sind wir Menschen. Bei dieser Vorstellung geht es übrigens gerade nicht darum, ob wir uns das vorstellen können, sondern wie dieses Dritte in der Außenwirkung aussähe. Angenommen wir wären in der Rolle von Außerirdischen, die die Erde besuchen, und finden dort ein Lebewesen vor, das aus vielen Zellen besteht – es nennt sich selbst „Menschheit“ und seine Zellen, das sind sogenannte „menschliche Individuen“.

Oder, umgekehrt, wir sehen uns mit demselben „Außenblick“ einmal selbst an – unsere Körper-Zellen, die alle für sich, und eigenständig leben, sind durch ein unsichtbares Band eines Sinnes verbunden, der aus allem wieder eins macht: das Ich.

 

Dieses unsichtbare Band verbindet These und Antithese … es sind nie wirkliche Gegensätze.
Lesen Sie auch: Beitrag das Eine und das Andere

Weiterlesen: Beitrag Sind die Gedanken bei den Dingen? Ist das Denken von den Dingen gleich den Dingen?

Lesen Sie auch: Beitrag Änderung der persönlichen Realität als Änderung des Universums

Antithese – nicht völlig gegensätzlich was last modified: Juni 2nd, 2016 by Henrik Geyer

Die Zahl Zwei

die Zahl Zwei

Was ist das Geheimnisvolle an der Zahl Zwei? Gibt es überhaupt ein Geheimnis, oder ist alles bereits sonnenklar?

Bitte auch lesen: Artikel Die Zahl Eins

Das eine bedingt das andere

Wie im Artikel zur Zahl Eins bereits erläutert, ist es das Wesen des Denkens, immer in Objekten (eins) zu denken. Ich nenne dies (spirealistisch) objekthaftes Denken – der Begriff objekthaftes Denken benennt die Rätselhaftigeit dieser Tatsache – wir denken stets in Objekten, so als seien diese völlig abgeschlossen, jedoch können wir in der Beschreibung irgendeines Objektes nie zu einem Ende kommen. Es ist also gar nicht eindeutig abgrenzbar.

Auch das kleinste Ding hat seine Wurzel in der Unendlichkeit, ist also nicht völlig zu ergründen.
Wilhelm Busch

 

Haben wir uns einmal mit dieser Tatsache abgefunden, so ergibt sich aus dem Bestehen von Objekten die Notwendigkeit, dass diese sich unterscheiden mögen, von etwas anderem. Es entsteht „das Andere“.

In der griechischen Antike entstand der philosophische Grundsatz:

Die Grenze des einen Dinges ist zugleich die Grenze eines anderen Dinges.
Anaximander, griechischer Philosoph, (* um 610 v. Chr. ; † nach 547 v. Chr.)

Das Ich und das andere

Das Eine bedingt das Andere … bedeutet spirealistisch gesehen (im Spirealismus ist alles eine Relation – es gibt nichts Einzelnes): ein Objekt das wir vor uns sehen, wie ein Glas Wasser beispielsweise, braucht das Andere, um „da“ sein zu können. Es braucht die Relation, es ist nur „existent“ als Relation – wie alles.

Genauso kann man das Enstehen des Ich sehen. Es ist selbst, spirealistisch gesehen, ein „Objekt des Denkens“, und ist eine Relation zu den Dingen, die es in seinem Außen wahrnimmt.

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Das eine kann nicht das andere sein. Das eine kann nicht ohne das andere sein.

These und Antithese – Dualität

In der Philosophie kennt man die These – Antithese Relation, die als Ergebnis die Synthese hervorbringt. Es ist der die Welt antreibende Konflikt zwischen den ewigen Opponenten, den Meinungen, den Feinden, den Streitthemen, die im nie enden wollenden Kampf miteinander das Neue erzeugen.

These und Antithese, verstanden als der Unterschied, können nie enden, nie aufhören sich zu bilden. These und Antithese sollte man dabei übrigens nicht als VÖLLIG gegensätzlich verstehen – eher als Variation ein- und desselben. Denn die Verbindung von These und Antithese innerhalb desselben Themas (was schließlich die Synthese erst ermöglicht) ist bereits eine sehr enge Eingrenzung.

Siehe auch: Beitrag Antithese – nicht völlig gegensätzlich

These und Antithese sind im übertragenen Sinn die Temperaturunterschiede der Thermodynamik, die Gravitationsunterschiede des Weltalls, die, würden sie enden, das Ende jeder Bewegung, das Ende jeder Entwicklung bedeuten würden. Eine solche Vorstellung eines Endes gibt es in der Thermodynamik – hier fragt man sich, ob durch die immer weiter fortschreitende Gleichverteilung der Energie im Universum (Entropie) die Entwicklung des Universums irgendwann in einheitlichem Schwarz zum Stillstand kommen wird …

Doch, (zumindest für den Spirealismus) gilt: Eine solche Entropievorstellung ist falsch. Erstens weil es kein objektives Außen gibt, das jenseits des Denkens zwangsläufige Prozesse beinhalten würde. Daraus folgt zweitens, dass der eigentliche Ursprung der Bewegung nicht die Unterschiede sind, die mit Entropie beschrieben werden. Anders gesagt: So lange es Eins gibt, muss es auch das Andere geben (verstanden als die Zahl Zwei) denn das Eine und das Andere sind nur als Relation existent.

Dualität

Dualität ist ein weiteres Wort, das im Grunde den selben Sachverhalt meint: die Notwendigkeit des Unterschiedes. Die Notwendigkeit des Sich-Verbindens, und auch des Ringens, der Verschiedenheit, ausgedrückt durch die Zahl Zwei.

Das Eine wäre ungeeignet, Triebfeder der Welten zu sein – es braucht den Unterschied, die Relation. Es braucht das Andere.

Verkörpert wird diese Tatsache auch durch das Yin und Yang des Taoismus – es sind einander entgegengesetzte Kräfte, die durch ihr Zusammenwirken und Gegeneinanderstehen das Grundprinzip der Welt formen.

Ohne das eine kann das andere nicht sein.

Die Zahl Zwei – Ouspenskys Visionen

P.D.Ouspensky hat in der ersten Hälfte des 20. Jhds psychologische / esoterisch-okkulte Versuche mit dem eigenen Bewusstsein unternommen, er beschrieb das in seinen Büchern. Er war dem Wesen des Rätselhaften auf der Spur, dessen Realisierung er überall wahrnahm. Mit Drogen experimentierend, versetzte er sein Bewusstsein in einen Zustand, in dem er Wahrnehmungen anderer Art hatte, als dies im Normalzustand der Fall ist. Seine Beschreibungen dieser Visionen sind spirituell-philosophische Glanzstücke.

In seinen dokumentierten Wachträumen thematisierte er unter anderem die fundamentale Wichtigkeit des antreibenden Prinzips, das mit der Zahl Zwei verbunden ist. Er beschreibt darin eine andere Sichtweise auf sein Ich, das sich auflöste, und mit ihm ein Teil der Relationen, die die Welt so fest erscheinen lassen, aus denen die Welt erst  entsteht ….

Zitat:

Ouspensky, A new model of the universe

What I first noticed, simultaneously with the ” division of myself into two “, was that the relation between the objective and the subjective was broken, entirely altered, and took certain forms incomprehensible to us. But ” objective ” and ” subjective “ are only words. I do not wish to hide behind these words, but I wish to describe as exactly as possible what I really felt. For this purpose I must explain what it is that I call ” objective ” and ” subjective “. My hand, the pen with which I write, the table, these are objective phenomena. My thoughts, my mental images, the pictures of my imagination, these are subjective phenomena. The world is divided for us along these lines when we are in our ordinary state of consciousness, and all our ordinary orientation works along the lines of this division.

Was ich zuerst bemerkte war, das im selben Moment der Teilung meines Ich in zwei, die Beziehung zwischen Objekt und Subjekt zerbrach, völlig geändert wurde, zu etwas uns völlig Unverständlichem wurde. Aber „objektiv“ und „subjektiv“ sind nur Worte. Ich möchte mich nicht hinter diesen Worten verstecken, sondern versuchen so genau wie möglich zu beschreiben, was ich fühlte. Zu diesem Zweck muss ich beschreiben, was ich unter „objektiv“ und „subjektiv“ verstehe.

Meine Hand, der Stift mit dem ich schreibe, der Tisch, das sind objektive Phänomene. Meine Gedanken, meine mentalen Bilder, die Bilder meiner Phantasie, dies sind subjektive Phänomene. Die Welt ist uns entlang dieser Linie geteilt, wenn wir uns im normalen Zustand des Bewusstseins befinden, und all unsere normale Orientierung funktioniert entlang dieser Trennlinie.

 

Aus dem einen folgt die Existenz des anderen. Doch damit aus These und Antithese, aus der Eins und der zahl Zwei, die Synthese entsteht, braucht es die Drei.

 

Ähnliches Thema: Die Zahl Drei

Siehe auch: Beitrag Der vierte Weg

Ähnliches Thema: Artikel Hoffnung – Frei von Hoffnung und von Furcht.

Die Zahl Zwei was last modified: Mai 25th, 2016 by Henrik Geyer

Die Zahl Eins

die Zahl Eins

Die Zahl Eins ist die geheimnisvollste Zahl – sie scheint völlig offensichtlich und durchschaubar. Und doch verbindet sich mit ihr der Grund-Gedanke der gar nicht so offensichtlichen Weltsicht, nämlich der, dass wir Menschen Objekte beobachten. Objekte, die jeweils immer eins sind.

So verbindet sich mit der Zahl Eins die Frage, was ein Ding „an sich“ ist (Kant), was ein Noumenon ist, was das Verhältnis von „etwas“ zur Unendlichkeit ist.

Die Zahl Eins wurzelt im Unendlichen

Das Nicht-Abgrenzbare an den Dingen habe ich auf diesem Blog bereits des Öfteren thematisiert.

Siehe auch: Artikel Mengenlehre, Worte, Zahlen. Sind Zahlen objektiver als Worte?

In der materialistischen Sichtweise ist es uns zwar wie selbstverständlich, dass die Dinge die Eigenschaft der Objektivität an sich haben, und damit die Eigenschaft der genauen Abgrenzbarkeit, und dennoch ist es nicht so.

Man denke nur einmal daran, wie man sich selbst definiert. Das Ich – das ist eins. Aber wo beginnt, und wo endet dieses Ich? Ist das Ich auch die Luft, die beim Atmen in mich einströmt, sich in meinem Blut löst und die die Organe versorgt? Luft, die mich gleichzeitig im Außen mit allem verbindet?  Gehören zu diesem Ich auch die Kleinstlebewesen in mir, die mein Dasein ermöglichen, dadurch, dass sie selbst da sind, die aber nicht durch mein Denken gesteuert werden? Die also mein Leben ermöglichen, einfach, indem sie sich um sich selbst kümmern? Was unterscheidet diese Lebewesen in mir von jenen außerhalb von mir, die genau dasselbe tun – sie leben ihr Leben und ermöglichen nebenbei meines?

Oder man denke an die Abmessung der  Küste Englands, in der Literatur häufig bezeichnet als mathematisches Problem, doch meiner Ansicht nach ein ebenso weltanschauliches. Je genauer man die Küstenlänge zu bestimmen sucht, desto länger wird sie. Ist England demzufolge ein Problem der Integralrechnung? Ein Mittelwert? Eine Wahrscheinlichkeit? Es scheint doch so, nicht wahr?

Siehe auch: Beitrag Wahr – Schein. Wahrschein. Wahrscheinlichkeit

England ist eine Wahrscheinlichkeit, genau wie alle Dinge. Etwas, das in der Unendlichkeit wurzelt, und durch eine geheimnisvolle geistige Kraft eins wird. Wir rechnen mit der Zahl Eins, halten sie für selbstverständlich – doch sie ist es nicht.

Das ist für mich das eigentliche Wunder der Zahl Eins. Es ist das hermetische Prinzip, dass alles immer wieder eins ist, und dass sich alles in allem immer wieder findet. Als eins. Als eins im Geiste, wohlgemerkt. Ein Geist, der die grundlegende Naturkraft ist, und nicht identisch ist mit unserer Vorstellung von „der Klugheit des Menschen“.

 

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Gott - das ist die unzerstörbare Kraft, die den Geist zu Materie erstarren lässt,die aus der Unendlichkeit die Dinge erschafft, und die aus Allem das Eine macht.

 

Mit der Eins kommen die Dinge in die Welt

Aus: Das wahre Buch vom südlichen Blütenland von Dschuang Dsi

Gibt es einen Anfang, so gibt es auch eine Zeit, da dieser Anfang noch nicht war, und weiterhin eine Zeit, die der Zeit, da dieser Anfang noch nicht war, vorangeht. Gibt es Sein, so geht ihm das Nicht-Sein voran, und diesem Nicht-Sein geht eine Zeit voran, da auch das Nicht-Sein noch nicht angefangen hatte, und weiterhin eine Zeit, da der Nicht-Anfang des Nicht-Seins noch nicht angefangen hatte. Unvermittelt tritt nun das Nicht-Sein in die Existenz, ohne dass man sagen könnte, ob dieses Sein des Nicht-Seins dem Sein zuzurechnen ist oder dem Nicht-Sein. Nun habe ich aber einen Ausdruck dafür, ohne dass man sagen könnte, ob das, was ich damit ausdrücke, in Wahrheit einen Sinn hat oder keinen Sinn hat. Hierher gehören jene Aussprüche wie: »Auf der ganzen Welt gibt es nichts Größeres als die Spitze eines Flaumhaares« und: »Der Große Berg ist klein«. »Es gibt nichts, das ein höheres Alter hätte als ein totgeborenes Kind« und: »Der alte Großvater Pong, der seine sechshundert Jahre gelebt hat, ist in frühester Jugend gestorben«. Himmel und Erde entstehen mit mir zugleich, und alle Dinge sind mit mir eins. Da sie nun eins sind, kann es nicht noch außerdem ein Wort dafür geben; da sie aber andererseits als eins bezeichnet werden, so muss es noch außerdem ein Wort dafür geben.

Das Eine und das Wort sind zwei; zwei und eins sind drei. Von da kann man fortmachen, dass auch der geschickteste Rechner nicht folgen kann, wie viel weniger die Masse der Menschen! Wenn man nun schon vom Nicht-Sein aus das Sein erreicht bis zu drei, wohin kommt man dann erst, wenn man vom Sein aus das Sein erreichen will! Man erreicht nichts damit. Darum genug davon!

Die Zahl Eins und die Zwei: das Eine bedingt das Andere

Da sich das Eine von dem unterscheidet, was das Eine nicht ist, kommt mit der Zahl Eins auch die Zahl Zwei in die Welt.

 

 

Siehe auch: Artikel Die Zahl Zwei

Weiterlesen: Artikel Die Zahl Drei

Weiterlesen: Beitrag Die Metapher – wozu ist es gut, in Metaphern zu denken?

Die Zahl Eins was last modified: Mai 19th, 2016 by Henrik Geyer

Die Freiheit des einen ist die Tyrannei des anderen

Freiheit wird oft so verstanden, als sei es ein grenzenlos vorhandenes Gut. So als sei Freiheit nicht verbunden mit Grenzen. Ich will einige Aspekte aufzeigen, die verständlich machen, dass das nicht so ist. Die Freiheit des einen ist die Tyrannei des anderen.

Die Relativität der Freiheit

Es ist ein Grundverständnis des Spirealismus, dass es ganz einfache, dem Kosmos zugrunde liegende Prinzipien gibt. Das eine kann nicht das andere sein. Aber das eine kann auch nicht ohne das andere sein.

Anders gesagt: Was wäre die Freiheit ohne die Tyrannei? Was wäre der Unterdrückte ohne den Tyrannen, der ihn unterdrückt? Was wäre der Freie ohne den Tyrannen? Und so weiter.

Oder ganz alltäglich… was wäre das Bild eines Vogels, der so frei ist wie der Wind, ohne die Vorstellung eines Vogels, der eingesperrt ist, in einen Drahtkäfig?

Unsere Welten der Vorstellung beinhalten immer das eine und andere. Im Verständnis des Spirealismus entsteht das eine geradezu aus dem anderen – das eine gibt es nur mit dem anderen. Das gilt auch für Freiheit und seinen Gegenpol, die Tyrannei.

Die Grenze eines Dinges ist gleichzeitig die Grenze eines anderen
Anaximander, griechischer Philosoph

Alles ist begrenzt

Wenn auch unsere nie enden wollenden Vorstellungen uns suggerieren, es gäbe das Unendliche – und wo Unendlichkeit vorherrscht, kann es ja nicht wirklich Enge geben – muss man doch feststellen: es „gibt“ das Unendliche für uns Menschen nicht. Die Unendlichkeit ist für uns Menschen das, „womit wir nicht fertig werden“ (Plato), und somit etwas, was wir nicht im eigentlichen Sinn erleben können.

Vielmehr ist jeder Begriff, den das Denken formen kann, geprägt durch Ähnlichkeiten und Gleichheit, aber auch durch Abgrenzung. Es gibt keinen Menschen, keinen Begriff, kein Tier, keine Entfernung, die unbegrenzt sein könnte. Denn Grenzen bedeuten Definiertheit.

Man denke allein an den Begriff des Unendlichen. Auch er unterscheidet sich von anderen Begriffen, grenzt sich ab.

Weiterlesen: Beitrag Was ist von Grenzenlosigkeit zu halten?

Die FDP und die Frage nach den Grenzen

Man mag das für eine philosophische Spitzfindigkeit halten, jedoch ist diese Frage von äußerster Wichtigkeit.

Ich führe das Beispiel der FDP an, der Freien Demokratischen Partei Deutschlands. Freiheit – das klingt gut! Doch was ist das?

Die FDP war stets zerrissen von den vielfältigen, einander widersprechenden Vorstellungen. National-Liberalismus versus Freiheit, verstanden als Multikulti. Freiheit von Kriminellen vs Freiheit der Bürger, die unfreier werden, wenn sie Kriminalität fürchten müssen.

Oder ein weiteres Beispiel: die größtmögliche Freiheit der Industrie (dies war ja immer ein wichtiger parteipolitischer Schwerpunkt der FDP) steht auch in einem Gegensatz zu einer anderen Freiheit – und zwar der ökologischen Freiheit der Menschen, die nicht nur Geld verdienen wollen, sondern auch eine saubere und unverbaute Umwelt genießen möchten. Geld ist schließlich kein Selbstzweck.

Oder das grundsätzliche Verständnis: Die Freiheit einer Denkrichtung wird begrenzt durch die Freiheit einer anderen Denkrichtung. Die Freiheit des einen ist die Tyrannei des anderen.

Wenn man, wie es nach meinem Dafürhalten die FDP tat, einen attraktiven Begriff wie die Freiheit zwar im Namen führt, aber nie versucht, es (für sich) spezifisch zu definieren, und zwar unter Einbeziehung des Wortes Unfreiheit, dann führt das zu parteipolitischer Beliebigkeit und letztlich Bedeutungslosigkeit.

Soweit ich es erlebte, hat sich der Kurs der Partei immer im tagespolitischen Streit gebildet – man hat sie als Klientel-Partei bezeichnet, und sie hat eine gewisse Rolle gespielt in den machttaktischen Überlegungen der CDU für viele Jahre (sprich: als Koalitionspartner). Aber wofür die FDP eigentlich steht, weiß ich bis heute nicht so recht.

Freiheit und Tyrannei: Das ewig wechselnde Motiv

Freiheit und Tyrannei wechseln sich in einem ewigen Kreislauf ab.

Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten soll. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.
Sokrates

Die Jugend „von heute“ (in jedem Zeitalter) erscheint wie die Tyrannei des Althergebrachten.

Der strahlende Sieger von heute wird durch seine Siege zum Tyrannen des Morgen. Das ewig sich wechselnde Motiv von Freiheit und Tyrannei, als eine Variation von These und Antithese, die zur Synthese gelangt, kann nie enden. Denn es ist ein kosmisches Prinzip.

Ein Tyrann kann unzählige Menschen töten, nur seinen Nachfolger nicht.
Seneca

Freiheit und Tyrannei sind verbunden, bereits durch die allumfassende Kommunikation. Man stelle sich zwei Menschen vor, die durch Ketten (Kommunikation) aneinander gebunden sind. Sie können nur gemeinsam gehen, es ist nur eine gemeinsame Richtung möglich. Die Zielvorstellungen des Einen begrenzen die Ziele des Anderen. Oder können wir die Kommunikation einfach beenden? Das könnte man nur, wenn man Kommunikation als etwas eingegrenztes sieht. Der Spirealismus sieht Kommunikation hingegen als allumfassend an – sie kann nie „unterbrochen“ werden. Unser Blick auf die Welt ist bereits Kommunikation, weil alles Relation ist.

Die größtmögliche Freiheit, und damit die Überwindung von Tyrannei, ist das Übereinstimmen der Ziele; Das bewusste Herbeiführen des Kompromisses. Es ist das (harmonische) Bilden der Synthese, aus These und Antithese. Es ist das Prinzip der Demokratie. Es ist das Zulassen der Pole – ihre Verbindung im Widerspruch. Es ist Verständnis aus Bewusstheit.

 

Siehe auch: Artikel Wenn du frei sein willst, nimm dir Zeit

Siehe auch: Beitrag Genügsam Sein – zufrieden sein – frei sein

Die Freiheit des einen ist die Tyrannei des anderen was last modified: Mai 25th, 2016 by Henrik Geyer